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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Dienstwagen
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 13 Sa 462/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.09.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Oldenburg, Urteil vom 16.02.2010, 1 Ca 474/09
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

NIE­DERSACHSEN

 

Verkündet am:

14.09.2010

Ge­richts­an­ge­stell­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le


IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

13 Sa 462/10

1 Ca 474/09 ArbG Ol­den­burg

In dem Rechts­streit

Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin,

ge­gen

Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te,

hat die 13. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. Sep­tem­ber 2010 durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ro­senkötter,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Raasch,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Je­lit­te 

für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ol­den­burg vom 16.02.2010, 1 Ca 474/09, teil­wei­se ab­geändert und wie folgt neu ge­fasst:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 206,80 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.07.2009 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den ge­gen­ein­an­der auf­ge­ho­ben.

 

- 2 -

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Ge­gen­stand des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens wa­ren Ansprüche der Kläge­rin auf Ur­laubs­ab­gel­tung für 1 Ur­laubs­tag (106,13 €), auf Be­rich­ti­gung ei­nes er­teil­ten Zeug­nis­ses und auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung in Höhe von 206,80 € für den Ent­zug der Pri­vat­nut­zung des über­las­se­nen Dienst­wa­gens während der Kündi­gungs­frist. Nach­dem das Ar­beits­ge­richt den An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung rechts­kräftig ab­ge­wie­sen hat und der An­trag auf Zeug­nis­be­rich­ti­gung durch Teil-Ver­gleich im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­le­digt ist, ist Ge­gen­stand des vor­lie­gen­den Ur­teils al­lein der An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung für die ent­zo­ge­ne Pri­vat­nut­zung.

Die Be­klag­te be­treibt Ar­beit­neh­merüber­las­sung, die Kläge­rin war auf­grund des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 19.12.2007 (Bl. 17 ff. d.A.) vom 07.01.2008 bis zum 30.06.2009 als Per­so­nal- und Ver­triebs­dis­po­nen­tin beschäftigt, Brut­to­mo­nats­ent­gelt 2.300,-- €. Das Ar-beits­verhält­nis en­de­te auf­grund or­dent­li­cher Kündi­gung der Kläge­rin zum 30.06.2009. Nach Aus­spruch der Kündi­gung stell­te die Be­klag­te die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 02.06.2009 von der Ar­beit frei und for­der­te Her­aus­ga­be des Fir­men-PKW. Rück­ga­be des Dienst­wa­gens er­folg­te am 09.06.2009.

Im Ar­beits­ver­trag ist in § 2 Nr. 3. ge­re­gelt, dass die Be­klag­te im Fal­le ei­ner Kündi­gung zur Frei­stel­lung be­rech­tigt ist. Der von den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Dienst­wa­gen­ver­trag vom 01.02.2008 (Bl. 31 ff. d.A.) enthält in § 7 fol­gen­den Wi­der­rufs­vor­be­halt:

Der Ar­beit­ge­ber behält sich vor, die Über­las­sung des Dienst­wa­gens zu wi­der­ru­fen, wenn und so­lan­ge der PKW für dienst­li­che Zwe­cke sei­tens des Ar­beit­neh­mers nicht benötigt wird. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn der Ar­beit­neh­mer nach Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt wird. Im Fal­le der Ausübung des Wi­der­rufs durch den Ar­beit­ge­ber ist der Ar­beit­neh­mer nicht be­rech­tigt, ei­ne Nut­zungs­entschädi­gung oder Scha­dens­er­satz zu ver­lan­gen.

In der Ju­ni-Ab­rech­nung 2009 (Bl. 29 d.A.) hat die Be­klag­te die Kfz-Nut­zung mit 1 % des Lis­ten­prei­ses gleich 277,-- € berück­sich­tigt.

 

- 3 -

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der vor­zei­ti­ge Ent­zug der Pri­vat­nut­zung des Dienst­wa­gens be­gründe ei­nen An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung, nämlich in Höhe von 206,80 €. Der Wi­der­rufs­vor­be­halt in § 7 des Dienst­wa­gen­ver­tra­ges ste­he dem An­spruch nicht ent­ge­gen. Die­se Re­ge­lung be­nach­tei­li­ge die Kläge­rin un­an­ge­mes­sen und sei des­halb nach §§ 307, 308 BGB un­wirk­sam.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 106,13 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.07.2009 zu zah­len;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr das am 30.06.2009 er­teil­te Zeug­nis im Rah­men der Tätig­keits­be­schrei­bung wie folgt zu ergänzen:

"- Steue­rung und Ent­wick­lung der Nie­der­las­sung
- Steue­rung der Ak­ti­vitäten und Um­set­zung der Un­ter­neh­mens­zie­le nach er­folgs- und er­geb­nis­ori­en­tier­ten Ge­sichts­punk­ten
- Per­so­nel­le und ad­mi­nis­tra­ti­ve Lei­tung der Geschäfts­stel­le als Pro­fit­cen­ter
- Um­set­zung der Un­ter­neh­mens­po­li­tik in er­folgs­ver­spre­chen­de re­gio­na­le Maßnah­men
- Wei­ter­ent­wick­lung der Geschäftstätig­keit
- Pla­nung und Rea­li­sie­rung der Zie­le der Geschäfts­stel­le
- Ak­qui­si­to­ri­sche Be­ar­bei­tung des re­gio­na­len Mark­tes
- Aus­wahl, Ein­stel­lung und Dis­po­si­ti­on der Zeit­ar­beit­neh­mer
- Dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­ant­wor­tung der ex­ter­nen Mit­ar­bei­ter
- Führung/Ein­ar­bei­tung der in­ter­nen Mit­ar­bei­ter."

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung in Höhe von ka­len­dertäglich 9,40 € brut­to für den Zeit­raum vom 09.06. - 30.06.2009, ins­ge­samt so­mit 206,80 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus ei­nem Be­trag von täglich 9,40 € ab dem 09.06. - 30.06.2009 zu zah-len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

 

- 4 -

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie ha­be zu Recht den Wi­der­rufs­vor­be­halt in § 7 des Dienst­wa­gen­ver­tra­ges aus­geübt, nach­dem die Kläge­rin ent­spre­chend der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung nach Aus­spruch der Kündi­gung von der Ar­beit frei­ge­stellt wor­den sei.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zum An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung aus­geführt, der Wi­der­rufs­vor­be­halt im Dienst­wa­gen­ver­trag ent­spre­che den An­for­de­run­gen nach §§ 308 Nr. 4, 307 BGB. Ergänzend wird Be­zug ge­nom­men auf das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil.

Mit Be­ru­fung wie­der­holt die Kläge­rin ih­re Rechts­auf­fas­sung zur Un­wirk­sam­keit des Wi­der­rufs­vor­be­halts. Ergänzend wird Be­zug ge­nom­men auf die Be­ru­fungs­be­gründung.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil vom 16.02.2010 teil­wei­se ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung in Höhe von ka­len­dertäglich 9,40 € brut­to für den Zeit­raum vom 09.06. - 30.06.2009, ins­ge­samt so­mit 206,80 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus ei­nem Be­trag von täglich 9,40 € ab dem 09.06. - 30.06.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt nach Maßga­be der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.

Ent­schei­dungs­gründe

 

- 5 -

1.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist statt­haft, sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit ins­ge­samt zulässig, §§ 64, 66 ArbGG. Nach Teil-Ver­gleich ist nur noch zu ent­schei­den über den An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung. In­so­weit ist die Be­ru­fung be­gründet. Die Be­klag­te war ent­spre­chend dem An­trag der Kläge­rin zur Zah­lung ei­ner Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung von 206,80 € zu ver­ur­tei­len, und zwar als Aus­gleich für die ent­gan­ge­ne Pri­vat­nut­zung des Fir­men-PKW für die Zeit vom 09.06. bis 30.06.2009. Der An­spruch ist der Höhe nach un­strei­tig.

2.
Nach § 7 des Dienst­wa­gen­ver­tra­ges war die Be­klag­te bei Frei­stel­lung nach Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­rech­tigt, das Fahr­zeug zurück­zu­ver­lan­gen und entschädi­gungs­los die Pri­vat­nut­zung zu ent­zie­hen. Die­se ver­trag­li­che Be­stim­mung ist Teil vor­for­mu­lier­ter Ver­trags­be­din­gun­gen, die die Be­klag­te den Ar­beits­verhält­nis­sen zu­grun­de legt. Es han­delt sich um all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, die der Kon­trol­le nach §§ 307, 308 BGB un­ter­lie­gen. Der Wi­der­rufs­vor­be­halt ist gemäß § 308 Nr. 4 BGB un­wirk­sam.

Mit Ur­teil vom 13.04.2010, 9 AZR 113/09, DB 2010, 1943 (auch: BAG vom 19.12.2006, 9 AZR 294/06, AP Nr. 21 zu § 611 BGB Sach­bezüge) hat das BAG zu Wi­der­rufs­klau­seln der vor­lie­gen­den Art aus­geführt: Wi­der­rufs­klau­seln zur Pri­vat­nut­zung von Dienst­wa­gen sei­en nach § 308 Nr. 4 BGB zu über­prüfen, für die Aus­le­gung sei ergänzend auf die all­ge­mei­nen Wer­tun­gen des § 307 BGB ab­zu­stel­len. Nach ei­ner ty­pi­sie­ren­den, nicht ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Be­trach­tungs­wei­se sei­en die In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le zu berück­sich­ti­gen. Die Ver­ein­ba­rung ei­nes Wi­der­rufs­rechts nach § 308 Nr. 4 BGB sei nur zu­mut­bar, wenn es für den Wi­der­ruf ei­nen sach­li­chen Grund ge­be und die­ser sach­li­che Grund be­reits in der Ände­rungs­klau­sel be­schrie­ben sei. Das Wi­der­rufs­recht müsse we­gen der un­si­che­ren Ent­wick­lung der Verhält­nis­se als In­stru­ment der An­pas­sung not­wen­dig sein. Be­ste­he kein sach­li­cher Grund für den Wi­der­ruf der Über­las­sung des Dienst­wa­gens auch zur pri­va­ten Nut­zung, über­wie­ge das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der Un­veränder­lich­keit der ver­ein­bar­ten Leis­tung ge­genüber dem In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Ände­rung der ver­spro­che­nen Haupt­leis­tungs­pflicht. Sch­ließlich müsse die Wi­der­rufs­klau­sel die sach­li­chen Gründe für die Ausübung des Wi­der­rufs ent­hal­ten und dem Trans­pa­renz­ge­bots des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ent­spre­chen.

 

- 6 -

3.
Der Wi­der­rufs­vor­be­halt in § 7 des Dienst­wa­gen­ver­tra­ges ver­knüpft sach­ge­recht dienst­li­che Ver­wen­dung mit Pri­vat­nut­zung. Im Grund­satz soll Pri­vat­nut­zung des PKW's wi­der­ru­fen wer­den können, wenn das Fahr­zeug für dienst­li­che Zwe­cke nicht mehr benötigt wird. Die Ver­trags­re­ge­lung er­gibt, dass die Pri­vat­nut­zung nicht als ei­genständi­ger Ent­gelt­be­stand­teil gewährt wer­den soll, son­dern qua­si als An­nex zum dienst­li­chen Ge­brauch des PKW. Der Ar­beit­ge­ber hat ein schützens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, ei­nen Dienst­wa­gen für Pri­vat­nut­zung nur so lan­ge zur Verfügung zu stel­len, wie das Fahr­zeug auch für dienst­li­che Zwe­cke benötigt wird. Auch für den Ar­beit­neh­mer ist es zu­mut­bar, in ei­nem sol­chen Fall den Weg­fall der Pri­vat­nut­zung entschädi­gungs­los hin­zu­neh­men. Sch­ließlich han­delt es sich um ei­ne ver­trag­lich gewähr­te Son­der­leis­tung, die nur ca. 11 % der Ge­samt­vergütung aus­macht.

4.
Ei­ne an­de­re Be­wer­tung er­gibt sich aber für den ver­trag­lich ge­re­gel­ten Fall der Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung nach der Kündi­gung. Hier wird der Wi­der­ruf nicht ein­ge­setzt, um bei Ver­trags­schluss un­ge­wis­se Ent­wick­lun­gen der Verhält­nis­se auf­fan­gen zu können. Viel­mehr ist hier der Wi­der­ruf der Pri­vat­nut­zung auf ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum be­schränkt, nämlich auf die Dau­er der Kündi­gungs­frist. Bei ty­pi­scher Fall­ge­stal­tung er­fol­gen Kündi­gung und Frei­stel­lung in en­gem zeit­li­chen Zu­sam­men­hang, die Wi­der­rufsmöglich­keit wird da­mit ein­geräumt in ei­nem Zeit­punkt, wo ei­ne Neu­ein­stel­lung für den aus­schei­den­den Mit­ar­bei­ter noch nicht er­folgt ist. Die Ge­fahr, dass bei Be­las­sung der Pri­vat­nut­zung für ei­ne Neu­ein­stel­lung ein wei­te­rer Dienst­wa­gen an­ge­schafft wer­den muss, weil zwin­gend für dienst­li­che Nut­zung, dürf­te sich da­mit erst zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt et­wa bei länge­ren Kündi­gungs­fris­ten er­ge­ben. Kündi­gung und Frei­stel­lung lösen ty­pi­scher­wei­se da­mit nicht kurz­fris­tig ei­nen Zwang zum Wi­der­ruf der pri­va­ten Nut­zungsmöglich­keit aus.

5.
Für den Ar­beit­neh­mer stellt die Pri­vat­nut­zung ei­nes Dienst­wa­gens ei­nen Ent­gelt­be­stand­teil dar, sie ist Teil der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung des Ar­beit­ge­bers. Im Frei­zeit­ver­hal­ten, für Fahr­ten im Rah­men der Su­che nach ei­ner neu­en Ar­beits­stel­le, für Ein­kaufs­fahr­ten und Fahr­ten zu Behörden ist PKW-Nut­zung all­ge­mein üblich bzw. teil­wei­se so­gar not­wen­dig. Der Ar­beit­neh­mer, der ei­nen Dienst­wa­gen pri­vat nutzt und dann ty­pi­scher­wei­se auf die An­schaf­fung ei­nes ei­ge­nen PKW ver­zich­tet hat, ist in be­son­de­rer Wei­se schutzwürdig. Er ist ins­be­son­de­re da­vor zu schützen, dass ihm die Nut­zung des Dienst­wa­gens kurz­fris­tig oh­ne Vor­ankündi­gung ent­zo­gen wird.

 

- 7 -

6.
Ei­ne Ge­samt­be­wer­tung er­gibt hier, dass ei­ner­seits ein schützens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers be­steht, Pri­vat­nut­zung des Dienst­wa­gens nur so lan­ge gewähren zu müssen, wie ei­ne dienst­li­che Nut­zung er­folgt. Er hat ein In­ter­es­se dar­an, die ver­ein­bar­te Ge­stal­tung Pri­vat­nut­zung als An­nex zur dienst­li­chen Ver­wen­dung auch um­zu­set­zen. An­de­rer­seits hat der Ar­beit­neh­mer ein be­son­de­res In­ter­es­se dar­an, nicht kurz­fris­tig im Zu­sam­men­hang mit Frei­stel­lung mit dem Ent­zug der Pri­vat­nut­zung kon­fron­tiert zu wer­den. Er hat ein be­son­de­res In­ter­es­se dar­an, sich auf den Weg­fall der Pri­vat­nut­zung ein­zu­stel­len und ge­ge­be­nen­falls ein Er­satz­fahr­zeug an­zu­schaf­fen. Nach Auf­fas­sung der Kam­mer ist des­halb nur ei­ne Wi­der­rufs­klau­sel in­ter­es­sen­ge­recht und nach § 308 Nr. 4 BGB wirk­sam, wenn ne­ben dem Weg­fall der dienst­li­chen Ver­wen­dung des PKW als Sach­grund ei­ne Ankündi­gungs­frist für den Wi­der­ruf vor­ge­se­hen ist. Die­se Ankündi­gungs­frist soll­te min­des­tens vier Wo­chen be­tra­gen ent­spre­chend § 622 Abs. 1 BGB, erwägens­wert wäre auch ent­spre­chend § 622 Abs. 2 Nr. 1 BGB ei­ne Ankündi­gungs­frist von ei­nem Mo­nat zum En­de des Ka­len­der­mo­nats zu ver­lan­gen. Für ei­ne Ankündi­gungs­frist von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de spricht im Übri­gen, dass die Pri­vat­nut­zung pau­schal mit 1 % des Lis­ten­prei­ses auf mo­nat­li­cher Ba­sis be­steu­ert wird, § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG. Auch wenn Pri­vat­nut­zung nur für Tei­le ei­nes Mo­nats noch gewährt wird, kann nach Steu­er­recht nicht ta­ge­wei­se, son­dern nur mo­nats­wei­se be­rech­net wer­den. Un­abhängig da­von, wel­che An­for­de­run­gen an ei­ne Ankündi­gungs­frist zu stel­len sind, er­gibt sich hier: in­ter­es­sen­ge­recht ist ein so­for­ti­ger Ent­zug nicht, zu ver­lan­gen ist, dass der Wi­der­ruf der Pri­vat­nut­zung mit Ein­hal­tung ei­ner Ankündi­gungs­frist er­folgt. Ei­ne sol­che Ankündi­gungs­frist enthält die vor­lie­gen­de Wi­der­rufs­klau­sel nicht, die Klau­sel ist da­mit ins­ge­samt un­wirk­sam.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 92 ZPO und berück­sich­tigt auch die im Teil-Ver­gleich ver­ein­bar­te Kos­ten­ab­spra­che. Die Ent­schei­dung über den Wert des Streit­ge­gen­stan­des be­ruht auf § 63 Abs. 2 GKG.

Die Re­vi­si­ons­zu­las­sung er­folg­te gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det, wie sich aus der Ur­teils­for­mel er­gibt, die Re­vi­si­on statt.

 

- 8 -

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hen.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99113 Er­furt

oder

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt.

Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 – 20 00

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt müssen sich die Par­tei­en durch Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Be­vollmäch­tig­te sind außer Rechts­anwälten nur die in § 11 Ab­satz 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 ArbGG be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­ge­las­sen. Die­se müssen in Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

 

Dr. Ro­senkötter  

Raasch

Je­lit­te

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