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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Alter, Sozialplan
   
Gericht: Sächsisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 Sa 640/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.09.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 8.08.2008, 15 Ca 4926/07
   

3 Sa 640/08
15 Ca 4926/07 ArbG Leip­zig


Verkündet am 18.09.2009


Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

...

hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt - Kam­mer 3 - durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn ... und Herrn ...i auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18. Sep­tem­ber 2009

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 08.08.2008 – 15 Ca 4926/07 – wird auf Kos­ten der Kläge­rin

z u r ü c k g e w i e s e n .

2. Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten noch über die Höhe ei­ner an die Kläge­rin zu zah­len­den So­zi­al­plan­ab­fin­dung.


Die Be­klag­te (vor­mals un­ter ... (...) GmbH fir­mie­rend) be­trieb mit ca. 267 Mit­ar­bei­tern mit ei­ner Haupt­ver­wal­tung in ..., sechs Re­gio­nal­dis­po­si­tio­nen und 20 Werkstätten bzw. Aus­lie­fe­rungs­sta­tio­nen die Ver­mie­tung von Ar­beitsbühnen. Nach Zu­kauf der ... GmbH ent­schloss sich die Be­klag­te zur Er­rich­tung


– Sei­te 2 –

ei­nes Ge­mein­schafts­be­trie­bes in ... Im Rah­men der Um­struk­tu­rie­rung des Un­ter­neh­mens un­ter­zeich­ne­ten die Be­klag­te und der bei ihr be­ste­hen­de Be­triebs­rat un­ter dem 05.10.2007 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich (Bl. 28 ff d. A.). Die­ser hat u. a. fol­gen­den In­halt:


1.2. Be­schrei­bung der ge­plan­ten Maßnah­me

A.

Es ist be­ab­sich­tigt, En­de Ja­nu­ar 2008 die Haupt­ver­wal­tung der Fir­ma ... (...) GmbH in ... zu schließen und die­se zum glei­chen Zeit­punkt in den Ge­mein­schafts­be­trieb ... / ... in ... zu ver­la­gern. Aus­ge­nom­men hier­von sind die Ab­tei­lun­gen Per­so­nal und Buch­hal­tung die we­gen Ab­wick­lungs­ar­bei­ten zum 29.02.2008 ver­la­gert wer­den.

B.

Es ist wei­ter­hin ge­plant, die re­gio­na­len Call-Cen­ter der ... (...) GmbH in ..., ..., ... ..., ... und ... zum En­de Ja­nu­ar 2008 zu schließen. Sie sol­len zum glei­chen Zeit­punkt in den Ge­mein­schafts­be­trieb ... / ... in ... ver­la­gert wer­den.

C.

En­de Ja­nu­ar 2008 soll die Werk­statt ... ge­schlos­sen wer­den und die Ma­schi­nen zum glei­chen Zeit­punkt in den Ge­mein­schafts­be­trieb ... / ... in ... ver­la­gert wer­den.

D.

Es ist wei­ter­hin be­ab­sich­tigt, zum En­de 2008 die Lo­gis­tik der ... (...) GmbH in ... zu schließen und zum glei­chen Zeit­punkt in den Ge­mein­schafts­be­trieb ... / ... in ... zu ver­la­gern.

E.

Zum En­de März 2008 soll der tech­ni­sche Störungs­dienst (Hot­line) der ... (...) GmbH in ... ge­schlos­sen wer­den. Zum glei­chen Zeit­punkt soll der tech­ni­sche Störungs­dienst in den Ge­mein­schafts­be­trieb ... / ... in ... ver­la­gert wer­den.

Der Be­triebs­rat hat die­se Maßnah­me zur Kennt­nis ge­nom­men.
2. Be­trof­fe­ne Be­triebs­tei­le / Be­trof­fe­ne Mit­ar­bei­ter
 

– Sei­te 3 –

Wie un­ter Punkt 1.2. be­schrie­ben sind die Mit­ar­bei­ter mit fol­gen­den Dienst­sit­zen be­trof­fen:
Haupt­ver­wal­tung Frank­furt mit Aus­nah­me Herrn ... und
Herrn ...
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ..., Tech­ni­scher Störungs­dienst
(Hot­line), Trans­port­ko­or­di­na­ti­on
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ...
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ..., Trans­port­ko­or­di­na­tor
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ...
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ...
Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ...
Werk­statt ...
Die Ar­beits­verträge wer­den be­zo­gen auf den Dienst­sitz gekündigt (Ände­rungskündi­gung) und dem Mit­ar­bei­ter ei­ne glei­che bzw. gleich­wer­ti­ge Po­si­ti­on am neu­en Dienst­sitz an­ge­bo­ten. Die Frist zur An­nah­me des An­ge­bo­tes beträgt 3 Wo­chen.
Für Mit­ar­bei­ter, die das An­ge­bot am neu­en Dienst­sitz nicht frist­ge­recht an­neh­men en­det das Ar­beits­verhält­nis zum 31.01.2008, für Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung und der Buch­hal­tung zum 29.02.008 und für die Mit­ar­bei­ter des tech­ni­schen Stördiens­tes (Hot­line) in ... zum 31.03.2008, frühes­tens je­doch ent­spre­chend ih­rer Kündi­gungs­frist lt. Ar­beits­ver­trag.
Zu ei­nem Härteaus­gleich be­steht der So­zi­al­plan.

Des Wei­te­ren un­ter­zeich­ne­ten die Be­triebs­par­tei­en un­ter dem 05.10.2007 ei­nen So­zi­al­plan (Bl. 22 ff d. A.). Die­ser enthält u. a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

2. Ab­fin­dun­gen

2.1 An­spruchs­be­rech­tig­te Ar­beits­verhält­nis en­det, Mit­ar­bei­ter, oh­ne dass ein de­ren wei­te­res Ar­beits­verhält­nis mit der ... (...) GmbH ... oder der ... GmbH in ... ver­ein­bart wird, er­hal­ten Leis­tun­gen nach Maßga­be der fol­gen­den Be­stim­mun­gen die­ser Zif­fer 2.
2.1. Die Mit­ar­bei­ter ha­ben ei­nen An­spruch auf ei­ne in­di­vi­du­ell be­rech­ne­te Ab­fin­dung, die sich nach fol­gen­der For­mel er­rech­net:

Fak­tor x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Brut­to­mo­nats­ge­halt

– Sei­te 4 –

2.1.1 Der Fak­tor beträgt:

• Bis zum 29. Le­bens­jahr des Mit­ar­bei­ter 80 %
• Ab dem 30. bis zum 39. Le­bens­jahr des
Mit­ar­bei­ters 90 %

• Ab dem 40. Le­bens­jahr des Mit­ar­bei­ters 100 %

2.1.2 Be­triebs­zu­gehörig­keit ist die An­zahl der an­ge­fan­ge­nen Mo­na­te, in de­nen das Ar­beits­verhält­nis bis zur recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­sch­ließlich von Aus­bil­dungs­zeiträum­en bei dem Ar­beit­ge­ber un­un­ter­bro­chen be­stan­den hat, ge­teilt durch 12, kaufmännisch ge­run­det auf ei­ne Stel­le nach dem Kom­ma.
2.1.3 Brut­to­mo­nats­ge­halt ist das Durch­schnitts­ge­halt der letz­ten 12 Mo­na­te, ein­sch­ließlich re­gelmäßig je­den Mo­nat ge­zahl­ter Zu­la­gen, Prämi­en, Bo­nus etc. je­doch oh­ne Ur­laubs- und Weih­nachts­geld, Über­stun­den­ent­gel­te, vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen etc.

Die 1969 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und für ein Kind un­ter­halts­pflich­ti­ge Kläge­rin war seit dem 01.01.1997 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin in der Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ... als Kun­den­be­ra­te­rin beschäftigt, zu­letzt zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ge­halt in Höhe von 3.167,75 €. Mit Schrei­ben vom 24.10.2007 ver­setz­te die Be­klag­te die Kläge­rin mit Wir­kung ab dem 01.02.2008 nach ... Hilfs­wei­se kündig­te sie das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en or­dent­lich zum 31.03.2008 we­gen des Weg­falls des Ar­beits­plat­zes der Kläge­rin in der Re­gio­nal­dis­po­si­ti­on ... und bot der Kläge­rin gleich­zei­tig die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses in ... zu im Übri­gen un­veränder­ten Kon­di­tio­nen an. Die Kläge­rin nahm das Ände­rungs­an­ge­bot nicht an und wand­te sich zunächst ge­gen die Ver­set­zung und die Be­en­di­gungskündi­gung mit ei­ner Kla­ge an das Ar­beits­ge­richt Leip­zig. Nach übe­rein­stim­men­der Er­le­di­gungs­erklärung im Hin­blick auf die Fra­ge der Wirk­sam­keit der Ver­set­zung und Rück­nah­me der Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat die Kläge­rin noch ei­nen über den ihr nach den Re­ge­lun­gen des oben ge­nann­ten So­zi­al­plans zu­ste­hen­den Be­trag hin­aus­ge­hen­den Ab­fin­dungs­an­spruch gel­tend ge­macht.


– Sei­te 5 –

Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, sie wer­de durch die Ab­fin­dungs­re­ge­lung im So­zi­al­plan vom 05.10.2007 we­gen ih­res Al­ters dis­kri­mi­niert. Hierfür ge­be es kei­ne Recht­fer­ti­gung. Die Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG sei zu un­dif­fe­ren­ziert und hal­te sich da­her nicht im Rah­men von Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG. Je­den­falls sei die So­zi­al­plan­re­ge­lung ih­rer­seits un­wirk­sam, da zu un­dif­fe­ren­ziert. Ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lun­gen sei­en zwar zulässig, müss­ten aber be­triebs­be­zo­gen be­trach­tet sach­lich ge­recht­fer­tigt und nach­voll­zieh­bar sein. Sie (die Kläge­rin) sei zu­letzt in ei­ner Re­gi­on mit über­durch­schnitt­li­cher Ar­beits­lo­sig­keit be­zo­gen auf das Bun­des­ge­biet und die sons­ti­gen Stand­or­te der Be­klag­ten bzw. ins­be­son­de­re bezüglich der bis­he­ri­gen Haupt­ver­wal­tung der Be­klag­ten in ...n beschäftigt ge­we­sen. Zu­dem sei nicht an­satz­wei­se er­sicht­lich, war­um ihr nur 90 % der Ab­fin­dung zustünden, während sie ab Voll­endung des 40. Le­bens­jah­res 100 % der So­zi­al­plan­ab­fin­dung er­hal­ten hätte. Die von den Be­triebs­par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Stich­tags­re­ge­lung sei nicht nach­voll­zieh­bar. Ein si­gni­fi­kan­ter Un­ter­schied der Chan­cen auf dem Ar­beits­markt sei nicht ge­ge­ben. Nur ein sol­cher könne je­doch die Be­nach­tei­li­gung jünge­rer Ar­beit­neh­mer durch ei­nen So­zi­al­plan recht­fer­ti­gen. Im Übri­gen sei auch bei der Al­ters­grup­pen­bil­dung der Gleich­heits­satz zu be­ach­ten. Ei­ne Grup­pen­bil­dung sei nur dann ge­recht­fer­tigt, wenn die Un­ter­schei­dung ei­nem le­gi­ti­men Zweck die­ne und zur Er­rei­chung die­ses Zwecks er­for­der­lich und an­ge­mes­sen sei. Die un­ter­schied­li­che Leis­tungs­gewährung müsse im Sin­ne ma­te­ri­el­ler Ge­rech­tig­keit sach­ge­recht sein. Dies sei vor­lie­gend nicht der Fall. Im Er­geb­nis sei der So­zi­al­plan im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung da­hin­ge­hend zu kor­ri­gie­ren, dass ihr ei­ne 100%ige Ab­fin­dung zu­ste­he.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie aus dem So­zi­al­plan vom 05.10.2007 wei­te­re 3.466,56 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz hier­aus seit dem 01.04.2008 zu zah­len.
 

– Sei­te 6 –

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Zur Be­gründung hat sie aus­geführt, die Al­ters­staf­fe­lung sei zulässig. Ent­spre­chend der Ziel­set­zung der Be­triebs­part­ner, ei­nen Aus­gleich für die sich mit zu­neh­men­dem Al­ter der Ar­beit­neh­mer ver­rin­gern­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt zu schaf­fen, sei ei­ne An­he­bung der im So­zi­al­plan vom 05.10.2007 ge­re­gel­ten So­zi­al­ab­fin­dun­gen kor­re­spon­die­rend mit der Zu­gehörig­keit zu höhe­ren Le­bens­al­ters­grup­pen er­folgt. Selbst wenn je­doch ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor­lie­gen soll­te, schei­te­re ein An­spruch der Kläge­rin dar­an, dass nach der Recht­spre­chung des
Bun­des­ar­beits­ge­richts die An­ge­mes­sen­heit der fi­nan­zi­el­len
Ge­samt­aus­stat­tung ei­nes So­zi­al­pla­nes grundsätz­lich nicht mit Hil­fe der In­halts­kon­trol­le im In­di­vi­dual­pro­zess in Fra­ge ge­stellt wer­den könne. Würde die im So­zi­al­plan vor­ge­nom­me­ne Al­ters­staf­fe­lung auf­ge­ge­ben, so führe dies zu ei­ner im Verhält­nis zum Ge­samt­vo­lu­men des So­zi­al­plans in Höhe von 1.059.900,00 € ganz er­heb­lich ins Ge­wicht fal­len­den Mehr­be­las­tung in Höhe Mit von sei­nem 62.600,00 der € bzw.Kläge­rin 5,9 %.am 25.09.2008 zu­ge­stell­ten Ur­teil vom 08.08.2008, auf des­sen Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 72 ff d. A.) Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Hier­ge­gen wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 22.10.2008 beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Be­ru­fung, die sie am 23.12.2008 be­gründet hat, nach­dem die Frist zur Be­ru­fungs­be­gründung auf ih­ren am 25.11.2008 ein­ge­gan­ge­nen An­trag bis zum 29.12.2008 verlängert wor­den war.

Die Kläge­rin ver­tritt auch in der Be­ru­fungs­in­stanz die Rechts­auf­fas­sung, dass ihr aus dem So­zi­al­plan vom 05.10.2007 ei­ne Ab­fin­dung un­ter Berück­sich­ti­gung des Fak­tors 100 % zu­ste­he, weil die von den Be­triebs­par­tei­en gewähl­te Al­ters­grup­pen­bil­dung im Er­geb­nis un­wirk­sam sei, da ei­ne Recht­fer­ti­gung nach § 10 AGG aus­schei­de. Des­halb sei ihr So­zi­al­plan­an­spruch nach oben an­zu­pas­sen. Im Übri­gen greift die Kläge­rin die Ent­schei­dung des Ar-
 

– Sei­te 7 –

beits­ge­richts un­ter ver­tie­fen­der Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens mit Rechts­ausführun­gen an und be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 08.08.2008 – 15 Ca 4926/07 – ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie aus dem So­zi­al­plan vom 05.10.2007 wei­te­re 3.466,56 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz hier­aus seit dem 01.04.2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen

und ver­tei­digt die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung mit Rechts­ausführun­gen als zu­tref­fend. Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung im So­zi­al­plan sei, dass älte­re Ar­beit­neh­mer ge­ne­rell schlech­te­re Chan­cen hätten, ei­ne neue An­stel­lung zu fin­den, als jünge­re. Ei­ner Ein­zel­fall­prüfung bedürfe es nicht. Ei­ne ty­pi­sie­ren­de Be­trach­tung sei zulässig. Zwar sei der Kläge­rin zu­zu­ge­ben, dass Un­ter­schie­de zwi­schen ei­nem 38-jähri­gen Ar­beit­neh­mer und ei­nem 40 jähri­gen auf dem Ar­beits­markt nur schwer fest­zu­stel­len sei­en. Im In­ter­es­se ei­ner hand­hab­ba­ren und rechts­si­che­ren Aus­wahl, ins­be­son­de­re bei Mas­sen­ent­schei­dun­gen wie So­zi­al­plan­ab­fin­dun­gen sei dies aber ge­recht­fer­tigt. An­dern­falls wäre der Ar­beit­ge­ber ge­hal­ten, bezüglich je­des Ar­beit­neh­mers ge­ge­be­nen­falls Er­kun­di­gun­gen ein­zu­ho­len, um des­sen kon­kre­te Ver­mitt­lungs­chan­cen si­cher einschätzen zu können und ei­ne kon­kre­te Re­ge­lung im So­zi­al­plan da­nach aus­zu­rich­ten. Der­art weit­rei­chen­de Pflich­ten des Ar­beit­ge­bers ergäben sich aber we­der aus eu­ropäischen Richt­li­ni­en noch aus gel­ten­den Ge­set­zen, ins­be­son­de­re nicht aus § 10 AGG. Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf die dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.


– Sei­te 8 –

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die zulässi­ge, ins­be­son­de­re form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist zurück­zu­wei­sen, denn sie ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf ei­ne mit dem Fak­tor 100 % er­rech­ne­te Ab­fin­dung nach der Ziff. 2.1 des So­zi­al­plans vom 05.10.2007. Die auf die Kläge­rin an­wend­ba­re Re­ge­lung in Ziff. 2.1 des So­zi­al­plans vom 05.10.2007, nach der die Kläge­rin le­dig­lich ei­ne mit dem Fak­tor 90 % er­rech­ne­te Ab­fin­dung erhält, ist wirk­sam. Sie verstößt we­der ge­gen ein Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot noch ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.
1. Gemäß § 7 Abs. 2 AGG in Ver­bin­dung mit § 7 Abs. 1, 1 AGG sind Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen un­wirk­sam, die Beschäftig­te we­gen des Al­ters be­nach­tei­li­gen. Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ha­ben gem. § 75 Abs. 1 Be­trVG darüber zu wa­chen, dass al­le im Be­trieb täti­gen Per­so­nen nach den Grundsätzen von Recht und Bil­lig­keit be­han­delt wer­den, ins­be­son­de­re, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus Gründen ih­res Al­ters un­ter­bleibt.

a) Die Re­ge­lung un­ter Nr. 2.1 des So­zi­al­plans vom 05.10.2007 be­nach­tei­ligt die Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters so­wohl un­mit­tel­bar als auch mit­tel­bar im Sin­ne von § 3 Abs. 1 und 2 AGG.

Die Kläge­rin erhält we­gen ih­res Al­ters ei­ne ge­rin­ge­re Ab­fin­dung als an­de­re Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten, die eben­falls auf­grund der Be­triebsände­rung gekündigt wor­den sind. Die Re­ge­lung in Ziff. 2.1 des So­zi­al­plans knüpft un­mit­tel­bar an das Le­bens­al­ter an, wenn sie den ver­schie­de­nen Al­ters­grup­pen un­ter­schied­lich ho­he Fak­to­ren zu­weist. Die­se Fak­to­ren führen da­zu, dass die
 

– Sei­te 9 –

Kläge­rin al­lein we­gen ih­res Le­bens­al­ters ei­ne um 10 % ge­rin­ge­re Ab­fin­dung erhält, als Beschäftig­te mit ei­nem Le­bens­al­ter ab 40.

Darüber hin­aus führt das An­stei­gen der Ab­fin­dungs­sum­me mit zu­neh­men­der Be­triebs­zu­gehörig­keit zu ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung jünge­rer Ar­beit­neh­mer. Ar­beit­neh­mer mit länge­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit sind je­den­falls ty­pi­scher­wei­se älter als Ar­beit­neh­mer mit kürze­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit. Zwar können auch älte­re Ar­beit­neh­mer ei­ne kur­ze Be­triebs­zu­gehörig­keit ha­ben. Ei­ne lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit können aber Ar­beit­neh­mer in jun­gen Jah­ren noch nicht er­langt ha­ben (vgl. BAG, Ur­teil vom 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849, 852).
b) Die un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters ist gem. § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG zulässig.

Nach § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG können un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters ins­be­son­de­re Dif­fe­ren­zie­run­gen von Leis­tun­gen in So­zi­alplänen im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ein­sch­ließen, wenn die Be­triebs­par­tei­en ei­ne nach Al­ter oder Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung ge­schaf­fen ha­ben, in der die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­tigt wor­den sind.

(1) Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin ist die Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG ge­mein­schafts­rechts­kon­form. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ist in sei­nem Ur­teil vom 26.05.2009 (– 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849) zum Er­geb­nis ge­langt, dass § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG nicht ge­gen das ge­mein­schafts­recht­li­che Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung verstößt. Die Re­ge­lung ist viel­mehr im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG durch ein vom na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber ver­folg­tes le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt. Es ent­spricht ei­nem all­ge­mein so­zi­al­po­li­ti­schen In­ter­es­se, dass So­zi­alpläne da­nach un­ter­schei­den können, wel­che wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le den Ar­beit­neh­mern dro­hen, die durch ei­ne Be-
 

– Sei­te 10 –

triebsände­rung ih­ren Ar­beits­platz ver­lie­ren. Dem schließt sich das er­ken­nen­de Ge­richt an.

(2) Die Re­ge­lung un­ter Nr. 2.1 des So­zi­al­pla­nes verstößt nicht des­halb ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung, weil sie ei­ne nach Al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung enthält. Zwar lässt § 10 Abs. 3 Nr. 6 AGG nach sei­nem Wort­laut nur ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Al­ter oder Be­triebs­zu­gehörig­keit zu. Dies schließt je­doch ei­ne ku­mu­la­ti­ve Berück­sich­ti­gung bei­der Kri­te­ri­en in ei­ner So­zi­al­plan­re­ge­lung nicht aus.

Der Ge­setz­ge­ber knüpft mit der Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG an die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur al­ten Fas­sung des § 75 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG an. In­so­weit hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits in ei­ner Ent­schei­dung vom 26.07.1988 (– 1 AZR 156/87 – NZA 1989, 25) aus­drück­lich aus­geführt, dass es nicht ge­gen § 75 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG verstößt, wenn die Be­triebs­par­tei­en ei­ne nach Al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung ge­schaf­fen ha­ben, in der die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­tigt wor­den sind, auf der an­de­ren Sei­te je­doch die Ar­beit­neh­mer von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ge­si­chert sind, weil sie die Vor­aus­set­zun­gen für die In­an­spruch­nah­me des vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ru­he­gel­des erfüllt ha­ben. Die­se Grundsätze hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 31.07.1996 (– 10 AZR 45/96 – NZA 1997, 165) wie­der­holt. Der Ge­setz­ge­ber hat den Wort­laut die­ser Ent­schei­dun­gen na­he­zu wört­lich in die Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG über­nom­men, oh­ne dass er­kenn­bar wäre, dass er durch die Ver­wen­dung des Wor­tes „oder“ statt „und“ von den Grundsätzen der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen ab­wei­chen woll­te. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Wort „oder“ in § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG als „oder bzw. und“ zu le­sen (so auch Bau­er/Göpfert/Krie­ger, AGG, 2. Auf­la­ge, § 10 Rz. 52 und Adom­eit/Mohr, Kom­m­AGG, § 7 An­hang 2 (Al­ter) Rz. 56).


– Sei­te 11 –

(3) Die Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG ge­stat­tet die in Ziff. 2.1 des So­zi­al­plans vom 05.10.2007 ent­hal­te­ne Be­rech­nungs­for­mel. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben da­mit ei­ne Re­ge­lung ge­schaf­fen, in der die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­tigt wor­den sind.

Der Kläge­rin ist zwar zu­zu­ge­ben, dass der Un­ter­schied der Chan­cen auf dem Ar­beits­markt zwi­schen ei­ner 38-jähri­gen und ei­ner 40-jähri­gen mar­gi­nal, wenn über­haupt mess­bar sind. Dies führt je­doch nicht zur Un­wirk­sam­keit der von den Be­triebs­par­tei­en vor­ge­nom­me­nen Grup­pen­bil­dung. Zu be­trach­ten sind in­so­weit nicht die Ar­beit­neh­mer an den Grup­pen­gren­zen, son­dern die Chan­cen der Grup­pen ins­ge­samt. Die Grup­pe der 30- bis 39-jähri­gen hat aber er­fah­rungs­gemäß ge­rin­ge­re Schwie­rig­kei­ten auf dem Ar­beits­markt, als die Grup­pe der 40 Jah­re al­ten und älte­ren Ar­beit­neh­mer.

Rich­tig ist zwar auch, dass die Chan­cen der Ar­beit­neh­mer auf dem Ar­beits­markt nicht al­lein vom Al­ter abhängen. Die Chan­cen der Ar­beit­neh­mer, die im Rah­men ei­ner Be­triebsände­rung von ei­ner Ent­las­sung be­trof­fen sind, über­haupt oder in ab­seh­ba­rer Zeit ei­ne gleich­wer­ti­ge neue Ar­beits­stel­le zu fin­den, hängen von ei­ner Viel­zahl ob­jek­ti­ver und sub­jek­ti­ver Umstände ab und las­sen sich nicht quan­ti­fi­zie­ren. Zu die­sen Umständen zählt bei überört­lich agie­ren­den Un­ter­neh­men u. a. auch die La­ge auf den ört­li­chen Ar­beitsmärk­ten der ver­schie­de­nen Be­triebs­tei­le, hier al­so z. B. ... und ... Da So­zi­alpläne, falls möglich, je­doch schon vor der Be­triebsände­rung be­schlos­sen wer­den sol­len, ist es un­umgäng­lich, den Be­triebs­par­tei­en bei der Einschätzung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le ei­nen er­heb­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­zuräum­en. Die­ser ge­stat­tet auch ei­ne pau­scha­lie­ren­de und ty­pi­sie­ren­de Be­trach­tung (vgl. BAG, Ur­teil vom 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210, 212). Es ist da­her nicht zu be­an­stan­den, wenn die Be­triebs­par­tei­en vor­lie­gend dar­auf ver­zich­tet ha­ben, in­di­vi­du­el­le Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­mark­tes an den ein­zel­nen Stand­or­ten der Be­klag­ten zu berück­sich­ti­gen, son­dern pau­schal
 

– Sei­te 12 –

den all­ge­mei­nen Grund­satz zu­grun­de ge­legt ha­ben, dass es mit zu­neh­men­dem Al­ter schwie­ri­ger wird, ei­nen neu­en Ar­beits­platz zu fin­den.

Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin ist die Re­ge­lung im vor­lie­gen­den So­zi­al­plan auch nicht un­an­ge­mes­sen und un­ge­eig­net, den ver­folg­ten Zweck, die mit zu­neh­men­dem Al­ter zu­neh­men­den Nach­tei­le durch den Ar­beits­platz­ver­lust aus­zu­glei­chen, zu erfüllen. Ins­be­son­de­re ist es nicht ver­fehlt, nach dem 40. Le­bens­jahr kei­ne wei­te­re Grup­pen­bil­dung vor­zu­neh­men. Ein fest­ste­hen­des Al­ter, ab dem die Chan­cen auf dem Ar­beits­markt sin­ken, gibt es nicht. Die Al­ters­gren­zen in § 10 Abs. 2 KSchG mögen ei­nen An­halts­punkt bie­ten, wel­che Vor­stel­lun­gen der Ge­setz­ge­ber in der Ver­gan­gen­heit ein­mal hat­te. Ein Bild der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on auf dem Ar­beits­markt ge­ben sie nicht. Zu­dem ist es für die Fra­ge der Dis­kri­mi­nie­rung im vor­lie­gen­den Fall un­er­heb­lich, ob in­ner­halb der von den Be­trieb­par­tei­en ge­bil­de­ten Grup­pen Un­ter­schie­de in der Be­trof­fen­heit vom Ar­beits­platz­ver­lust be­ste­hen, vor­lie­gend 40-jähri­ge al­so mögli­cher­wei­se we­ni­ger be­trof­fen sind als 50-jähri­ge. Ent­schei­dend ist, dass die Ge­samt­grup­pe der über 40-jähri­gen je­den­falls von ei­nem Ar­beits­platz­ver­lust er­fah­rungs­gemäß mehr be­trof­fen ist, als die Grup­pe der 30- bis 39-jähri­gen Ar­beit­neh­mer, die re­gelmäßig eher wie­der ei­ne Neu­beschäfti­gung fin­den
2. wird. Die vor­lie­gen­de Grup­pen­bil­dung ist auch mit dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­ein­bar.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. z.B. Ur­teil vom 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849, 851, m.w.N.) ha­ben die Be­triebs­par­tei­en bei der Aus­ge­stal­tung von So­zi­alplänen er­heb­li­che Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spielräume. Die­se schließen Ty­pi­sie­run­gen und Pau­scha­lie­run­gen ein. Grup­pen­bil­dun­gen in So­zi­alplänen ha­ben sich an de­ren Zweck zu ori­en­tie­ren. Die­ser be­steht in der zu­kunfts­be­zo­ge­nen Aus­gleichs-und Über­brückungs­funk­ti­on. Die So­zi­al­plan­leis­tun­gen stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar, son­dern


– Sei­te 13 –

sol­len die künf­ti­gen Nach­tei­le aus­glei­chen, die den Ar­beit­neh­mern durch die Be­triebsände­rung ent­ste­hen.

Trotz der zu­kunfts­be­zo­ge­nen Über­brückungs­funk­ti­on ei­nes So­zi­al­plans ist es den Be­triebs­par­tei­en nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. Ur­teil vom 26.05.2009, a.a.O., m.w.N.) nicht ver­wehrt, bei der Ab­fin­dungshöhe auch auf das ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­um der Be­triebs­zu­gehörig­keit ab­zu­stel­len. Zum ei­nen wird der durch den So­zi­al­plan aus­zu­glei­chen­de oder ab­zu­mil­dern­de Ver­lust des Ar­beits­plat­zes maßgeb­lich auch durch die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit be­stimmt. Zum an­de­ren liegt es in­ner­halb des Be­ur­tei­lungs­spiel­raums der Be­triebs­par­tei­en, ty­pi­sie­rend da­von aus­zu­ge­hen, dass sich mit der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit die Qua­li­fi­ka­ti­on des Ar­beit­neh­mers zu­neh­mend auf die spe­zi­fi­schen Bedürf­nis­se des bis­he­ri­gen Beschäfti­gungs­be­triebs ver­engt und da­mit sei­ne Chan­cen auf dem Ar­beits­markt ab­neh­men. Die Li­nea­rität der Stei­ge­rung der Ab­fin­dungshöhe mit zu­neh­men­der Be­triebs­zu­gehörig­keit ist eben­falls nicht zu be­an­stan­den. Sie liegt in der Ge­stal­tungs­frei­heit der Be­triebs­par­tei­en. Glei­ches gilt für die Bil­dung der Al­ters­grup­pen.

II.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der von ihr oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Be­ru­fung zu tra­gen.


Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.
 

– Sei­te 14 –

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g


Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Be­ru­fungskläge­rin

Re­vi­si­on

ein­ge­legt wer­den.
Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb


ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99112 Er­furt
oder
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

Te­le­fon: (03 61) 26 36 - 0
Te­le­fax: (03 61) 26 36 - 20 00.

Sie ist gleich­zei­tig in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
Die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung der Re­vi­si­on müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:


1. Rechts­anwälte,

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände und Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

– Sei­te 15 –

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Bezüglich der Möglich­kei­ten elek­tro­ni­scher Ein­le­gung und Be­gründung der Re­vi­si­on - ei­ne Ein­le­gung per E-Mail ist aus­ge­schlos­sen! - wird ver­wie­sen auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 9. März 2006 (BGBl. I S. 519).

Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Für die wei­te­ren Be­tei­lig­ten ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

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