Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Abmahnung, Krankschreibung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 4 Sa 711/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.11.2011
   
Leit­sätze: Ei­ne Ab­mah­nung we­gen ver­späte­ten Zu­gangs ei­ner Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung ist auch dann nicht un­verhält­nismäßig, wenn die Ver­spätung auf der An­ga­be ei­ner fal­schen Post­leit­zahl durch den Ar­beit­neh­mer be­ruht.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 25.05.2011, 4 Ca 747/11
   


4 Sa 711/11
4 Ca 747/11
Ar­beits­ge­richt Bonn  

Verkündet am 18. No­vem­ber 2011

E,
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

 

UR­TEIL

 

In dem Rechts­streit

 

- Kläger und Be­ru­fungskläger -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:


g e g e n


- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:


hat die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18.11.2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. B als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr T und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau B


für R e c h t er­kannt:


Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 25.05.2011 - 4 Ca 747/11 - wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.


Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.


T a t b e s t a n d

 

Die Par­tei­en strei­ten um die Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te des Klägers.


We­gen des erst­in­stanz­li­chen strei­ti­gen und un­strei­ti­gen Vor­brin­gens so­wie der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträge wird gemäß § 69 Abs. 3 ArbGG auf



- 2 -

den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils mit der Maßga­be Be­zug ge­nom­men, dass der Vor­trag des Klägers, er ha­be die Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung be­reits am 08.02.2011 pos­ta­lisch an die Be­klag­te ver­sandt, zwar erst­in­stanz­lich nicht be­strit­ten war, zweit­in­stanz­lich aber auf Grund des Be­strei­tens der Be­klag­ten mit Nicht­wis­sen strei­tig ist.


Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 25. Mai 2011 die Kla­ge ab­ge­wie­sen.


Ge­gen die­ses ihm am 15.06.2011 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 05.07.2011 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­gründungs­frist bis zum 22.09.2011 am 01.09.2011 be­gründet.


Der Kläger setzt sich bis auf die ge­nann­te Tat­be­standsrüge (Ab­sen­dung der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung am 08.02.2011 als strei­tig bzw. un­strei­tig) mit Rechts­ausführun­gen mit dem erst­in­stanz­li­chen Ur­teil aus­ein­an­der. We­gen der Ausführun­gen des Klägers in der Be­ru­fungs­in­stanz wird das des­halb auf die Be­ru­fungs­be­gründung (Bl. 49 – 54 d. A.) Be­zug ge­nom­men.


Der Kläger be­an­tragt,


das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 25.05.2011 – 4 Ca 747/11 – ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die dem Kläger mit Schrei­ben vom 25.02.2011 er­teil­te Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.


Die Be­klag­te be­an­tragt,


die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.



- 3 -

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen. In­so­weit wird auf die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung (Bl. 70 – 75 d. A.) Be­zug ge­nom­men.


We­gen des übri­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen die­sen ge­wech­sel­ten Schriftsätzen Be­zug ge­nom­men, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren.


E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e


Die zulässi­ge, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers hat­te in der Sa­che kei­nen Er­folg.


Die Kam­mer folgt aus hin­sicht­lich der Ent­schei­dungs­gründe der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts und nimmt da­her zunächst gemäß § 69 Abs. 3 ArbGG auf die­se Be­zug.


Zu den we­sent­li­chen Ar­gu­men­te, die die Be­ru­fungs­be­gründung ge­gen die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung anführt, sei Fol­gen­des ergänzt:


1. So­weit die Be­ru­fung kri­ti­siert, dass erst­in­stanz­li­che Ur­teil ha­be die Be­haup­tung des Klägers zur Ab­sen­dung der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung am 08.02.2011 zu Un­recht als strei­tig be­han­delt, so ist die­ses zunächst als sol­ches rich­tig. Un­abhängig da­von, dass sie je­den­falls zweit­in­stanz­lich be­strit­ten ist, hat je­doch die Tat­sa­che der Ab­sen­dung der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung am 08.02.2011 we­der für das erst­in­stanz­li­che Ur­teil noch für die Ab­mah­nung ei­ne Rol­le ge­spielt. Ei­ne ver­späte­te Ab­sen­dung der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung wird in der Ab­mah­nung nicht gerügt. Auch das Ar­beits­ge­richt geht in den Ent­schei­dungs­gründen nicht da­von aus, dass dem Kläger in­so­weit ein Vor­wurf zu ma­chen sei. Die Fra­ge, ob die Ab­sen­dung strei­tig oder un­strei­tig ist, ist da­her für das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und auch für die Ent­schei­dung der Kam­mer nicht re­le­vant.


- 4 -

2. Die Be­ru­fungs­be­gründung ar­gu­men­tiert im Übri­gen da­mit, dass die Ab­mah­nung un­verhält­nismäßig sei.


a. Der Kläger führt zunächst aus, dass in der Ab­mah­nung selbst fest­ge­hal­ten sei, dass ein ver­späte­ter Ein­gang der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung vom 08.02.2011 auf die An­ga­be der fal­schen Post­leit­zahl durch den Kläger zurück­zuführen sei. So­mit – so der Kläger – sei schon dar­aus er­sicht­lich, dass ei­ne schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung des Klägers nicht vor­lie­ge und dies nicht ei­ner ver­späte­ten Ab­sen­dung gleich­ge­stellt wer­den könne. Dar­aus lei­tet der Kläger er­sicht­lich die „Ge­ringfügig­keit“ des ab­ge­mahn­ten Ver­hal­tens ab und hält die Ab­mah­nung für überflüssig.


Da­zu ist zunächst zu sa­gen, dass die An­ga­be der fal­schen Post­leit­zahl durch den Kläger den ver­späte­ten Zu­gang des Schrei­bens nicht als schuld­los er­schei­nen lässt. Bei An­wen­dung der er­for­der­li­chen Sorg­falt hätte der Kläger er­ken­nen müssen, dass die Post­leit­zahl, die sei­nem Wohn­sitz ent­spricht, nicht zu­gleich auch die Post­leit­zahl der Be­klag­ten sein muss. Er hätte die kor­rek­te Post­leit­zahl über­prüfen müssen und sie ent­spre­chend ein­tra­gen müssen. Das Ver­hal­ten war da­mit fahrlässig.


Es han­delt sich zwar nicht um ein gra­vie­ren­des Ver­schul­den, gleich­wohl bleibt das Ver­hal­ten schuld­haft.


Im Übri­gen hat das Ar­beits­ge­richt be­reits zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nach Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richt (vgl. z. B. 30. Mai 1996 – 6 AZR 537/95 – mit wei­te­ren Nach­wei­sen) nicht dar­auf an­kommt, ob das Pflich­ten­ver­s­toß dem Ar­beit­neh­mer sub­jek­tiv vor­werf­bar ist. Es reicht aus, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen ob­jek­ti­ven Ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten rügt.


Da­hin­ste­hen kann, ob der durch ei­ne fal­sche Ein­tra­gung der Post­leit­zahl ver­ur­sach­te Ver­s­toß ge­gen § 5 Abs. 1 Satz 2 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz ei­nem Ver­s­toß durch ver­späte­te Ab­sen­dung gleich­zu­stel­len ist. Nach § 5 Abs. 1 Satz 2 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz hat der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber dann, wenn



- 5 -

die Ar­beits­unfähig­keit länger als 3 Ka­len­der­ta­ge dau­ert, die ärzt­li­che Be­schei­ni­gung über die be­ste­hen­de Ar­beits­unfähig­keit so­wie de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er spätes­tens an dem dar­auf fol­gen­den Ta­ge „vor­zu­le­gen“. Dar­aus folgt, dass es Auf­ga­be des Ar­beit­neh­mer ist, für den Zu­gang beim Ar­beit­ge­ber Sor­ge zu tra­gen. Das Ge­setz stellt gar nicht auf die Ab­sen­dung ab. Es kommt da­her nicht dar­auf an, ob der durch ei­ne fal­sche Post­leit­zahl ver­ur­sach­te ver­späte­te Zu­gang ei­ner ver­späte­ten Ab­sen­dung „gleich­zu­stel­len“ ist. Auch wenn es sich in­so­weit mögli­cher­wei­se um ein ge­rin­ge­res Ver­schul­den han­delt, so führt die­ses je­doch als sol­ches nicht da­zu, dass der Ar­beit­ge­ber zu der Ab­mah­nung nicht be­rech­tigt wäre. Sein Rüge­recht setzt ent­spre­chend der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes le­dig­lich ei­ne ob­jek­ti­ve Pflicht­ver­let­zung und da­mit über­haupt kein Ver­schul­den vor­aus.


b. Der Kläger fol­gert aus dem Verhält­nismäßig­keits­ge­bot – im We­sent­li­chen An­schluss an das von ihm zi­tier­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin -, dass ei­ne „Er­for­der­lich­keit“ der Ab­mah­nung zu prüfen ist, wel­che er im vor­lie­gen­den Fall ver­neint. Es hätte – so der Kläger – genügt, ihn dar­auf hin­zu­wei­sen, zukünf­tig auf die kor­rek­te Adres­sie­rung zu ach­ten. Da­mit hätten im Hin­blick auf ei­ne künf­ti­ge Ver­mei­dung ei­nes ent­spre­chen­den Pflich­ten­ver­s­toßes auf scho­nen­de­re Ver­wei­se als durch förm­li­che Ab­mah­nung de­ren Zwe­cke er­reicht wer­den können.


Nach Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. da­zu ins­be­son­de­re BAG 13.11.1991 – 5 AZR 74/91) folgt aus dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit zwar, dass die Ausübung ei­nes Rechts un­zulässig ist, wenn sie der Ge­gen­sei­te un­verhält­nismäßig große Nach­tei­le zufügt und an­de­re, we­ni­ger schwer­wie­gen­de Maßnah­men möglich ge­we­sen wären, die den In­ter­es­sen des Be­rech­tig­ten eben­so gut Rech­nung ge­tra­gen hätten oder ihm zu­min­dest zu­mut­bar ge­we­sen wären. Die­ser Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit wird als Über­maßver­bot zur Ver­mei­dung von schwer­wie­gen­den Rechts­fol­gen bei nur ge­ringfügi­gen Rechts­verstößen ver­stan­den (BAG aaO).



- 6 -

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat zu­gleich aber klar­ge­stellt: Hier­nach hat der Ar­beit­ge­ber im Rah­men der ihm zu­ste­hen­den Frei­heit der Mei­nungsäußerung (Ar­ti­kel 5 Abs. 1 GG) zunächst selbst zu ent­schei­den, ob er ein Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers miss­bil­li­gen will oder ob er des­we­gen ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Ab­mah­nung er­tei­len will. Das BAG hat zu­gleich fest­ge­hal­ten, dass es dem Ar­beit­ge­ber über­las­sen blei­ben muss, ob er ei­ne schrift­li­che Ab­mah­nung, die er zur Per­so­nal­ak­te nimmt, aus Be­weis­gründen für er­for­der­lich hält oder nicht. Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit – so das Bun­des­ar­beits­ge­richt wei­ter – setzt vor­aus, dass der Gläubi­ger zwi­schen ver­schie­de­nen Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten wählen kann. Es gin­ge – so das Bun­des­ar­beits­ge­richt – zu weit, dem Ar­beit­ge­ber die Ab­mah­nung oder die Auf­nah­me des Ver­merks hierüber in die Per­so­nal­ak­te zu un­ter­sa­gen, weil man über den er­ho­be­nen Vor­wurf auch hin­weg se­hen könn­te. Da­mit würde der Ar­beit­ge­ber zwangsläufig zu er­ken­nen ge­ben, er neh­me an der Ver­let­zung der Ar­beits­leis­tungs­pflicht kei­nen An­s­toß. Es sei so­gar Ob­lie­gen­heit des Ar­beit­ge­bers, dar­auf hin­zu­wei­sen, wenn er später aus ei­ner gleich­ar­ti­gen Ver­let­zung wei­te­re Kon­se­quen­zen her­lei­ten wol­le.


Dar­aus folgt zunächst, dass es ei­ner Ab­mah­nung nicht ent­ge­gen­steht, dass der Ar­beit­ge­ber we­gen ei­nes nur ge­rin­gen Ver­s­toßes auch über die Ab­mah­nung hin­weg se­hen könn­te, sie nur münd­lich er­tei­len könn­te, statt der Ab­mah­nung ei­ne Er­mah­nung er­tei­len könn­te oder al­les nicht zur Per­so­nal­ak­te neh­men könn­te. Es steht dem Ar­beit­ge­ber im Rah­men sei­ner Mei­nungs­frei­heit frei, ob er ein Fehl­ver­hal­ten miss­bil­li­gen will und ob er des­we­gen ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Ab­mah­nung er­tei­len will. Die Auf­nah­me in die Per­so­nal­ak­te ist auch in sol­chen Fällen nicht un­verhält­nismäßig, weil der Ar­beit­ge­ber ein In­ter­es­se dar­an hat, die Ab­mah­nung aus Be­weis­gründen auf­zu­be­wah­ren. Da ei­ne Kündi­gung we­gen Verstößen ge­gen die Nach­weis­pflicht des § 5 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (un­ter an­de­rem) vor­aus­setzt, dass ein sol­ches Ver­hal­ten ab­ge­mahnt ist, kann der Ar­beit­ge­ber auch nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, statt ei­ner Ab­mah­nung nur ei­ne „Er­mah­nung“ zu er­tei­len, wo­mit of­fen­bar ge­meint ist, dass er das Ver­hal­ten zwar rügt, aber nicht dar­auf hin­weist, dass die­ses im Wie­der­ho­lungs­fall zu wei­te­ren ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen führen kann.


- 7 -

c. Sch­ließlich meint der Kläger, die Un­verhält­nismäßig­keit er­ge­be sich hier dar­aus, dass die Ab­mah­nung ihm un­verhält­nismäßig große Nach­tei­le, schwer­wie­gen­de Rechts­fol­gen zufüge, wo­bei es sich doch nur um ein Ver­se­hen han­de­le und „dem­nach gar kein bzw. ein ge­ringfügi­ger Ver­s­toß“ durch den Kläger vor­lie­ge. Der Kläger meint wei­ter, durch die Auf­nah­me der Ab­mah­nung in die Per­so­nal­ak­te wer­de trotz der ge­rin­gen Schwe­re der Pflicht­wid­rig­keit und des ge­rin­gen Gra­des der dem Kläger vor­zu­wer­fen­den Fahrlässig­keit der Ein­druck her­vor­ge­ru­fen, dass das Ar­beits­verhält­nis so zerrüttet sei, dass die Be­klag­te aus an­de­ren Gründen even­tu­ell von der Ab­mah­nung nicht ab­se­hen wol­le.


Es ist schon nicht zu er­ken­nen, dass die Ab­mah­nung als sol­che „schwer­wie­gen­de Rechts­fol­gen“ her­vor­ru­fen würde. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in ei­nem even­tu­el­len späte­ren Kündi­gungs­schutz­pro­zess der An­lass der Ab­mah­nung und da­mit auch die Ge­ringfügig­keit ei­nes Ver­schul­dens – wie sie im vor­lie­gen­den Fall durch­aus vor­liegt – zu berück­sich­ti­gen wäre. Es ist mit­hin nicht er­sicht­lich, dass die Ab­mah­nung als sol­che „schwer­wie­gen­de Rechts­fol­gen“ zei­ti­gen könn­te. Un­mit­tel­bar hat sie gar kei­ne rechts­verändern­de Kraft. Auch mit­tel­bar wäre bei ei­ner späte­ren Kündi­gung die Ge­ringfügig­keit des Ver­schul­dens zu berück­sich­ti­gen, so dass die Ab­mah­nung nichts im Verhält­nis zu dem Ver­schul­den des Klägers Übermäßiges für des­sen Rechts­sta­tus be­wir­ken kann.


Dass „gar kein Ver­s­toß“ vorläge, ist – wie sich aus dem zu­vor Ge­sag­ten er­gibt - nicht zu­tref­fend. Es liegt ein Ver­s­toß vor, so­gar ein – wenn auch ge­ringfügig – schuld­haf­ter.


Un­verhält­nismäßig große Nach­tei­le las­sen sich auch nicht des­halb fest­stel­len, weil – wie der Kläger meint – durch die Auf­nah­me in die Per­so­nal­ak­te der Ein­druck er­weckt wer­de, dass das Ar­beits­verhält­nis zerrüttet sei oder dass die Be­klag­te aus an­de­ren Gründen von der Ab­mah­nung nicht ab­se­hen wol­le. Das Ers­te ist durch den Text der Ab­mah­nung of­fen­sicht­lich nicht ge­ge­ben. Die Ab­mah­nung ist so­wohl dem Ton als auch dem In­halt nach


- 8 -

adäquat for­mu­liert. Es gibt kei­nen An­halts­punkt dafür, aus der Ab­mah­nung zu fol­gern, dass das Ar­beits­verhält­nis „zerrüttet“ wäre. Auch das Zwei­te ist nicht nach­voll­zieh­bar. Es er­ge­ben sich aus ihr kei­ne An­halts­punk­te, dass sie nicht auf dem ge­ge­be­nen Vor­fall be­ruht, son­dern aus an­de­ren (wel­chen?) Gründen aus­ge­spro­chen wur­de.


Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.


RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG


Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.


We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.


Dr. B 

B

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 4 Sa 711/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880