Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Personalakte
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 19 Sa 383/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.09.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Siegen, Urteil vom 4.12.2008, 1 Ca 1139/08
   

19 Sa 383/09

1 Ca 1139/08
Ar­beits­ge­richt Sie­gen 

 

Verkündet am 25.09.2009

Wel­ler Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 19. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 30.06.2009
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Kle­ve­man als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vol­ken­rath und Löcke

für Recht er­kannt:

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Sie­gen vom 04.12.2008 – 1 Ca 1139/08 wird ab­geändert.

Der be­klag­te Ver­ein wird ver­ur­teilt, die mit „Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der be­klag­te Ver­ein.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

- 2 - 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die Ent­fer­nung ei­nes mit „Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" be­ti­tel­ten Schrei­bens der Be­klag­ten aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin.

Die Be­klag­te be­treibt in der Form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins ein so­zia­les Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, das in Nord­rhein-West­fa­len Hil­fen für Men­schen mit geis­ti­ger oder psy­chi­scher Be­hin­de­rung be­reit­stellt. Sitz und Haupt­ver­wal­tung be­fin­den sich in G3. Räum­lich ist es ge­glie­dert in die Re­gio­nen Ruhr­ge­biet, West­fa­len Nord und West­fa­len Süd.

Die Be­klag­te be­treibt in der Re­gi­on West­fa­len Süd un­ter an­de­rem das "Haus am S7" in 56789 B2 L2. In die­ser Ein­rich­tung ist die Kläge­rin seit dem 01.01.1995 als Al­ten­pfle­ge­rin ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung von zu­letzt 3.500,00 EUR tätig auf der Ba­sis ei­nes vom 02.06.1995 da­tie­ren­den Ar­beits­ver­tra­ges. In des­sen Präam­bel heißt es: "Ca­ri­tas ist ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der Ka­tho­li­schen Kir­che. Der S3 S4. G2 e. V. ist dem deut­schen Ca­ri­tas­ver­band an­ge­schlos­sen. Sei­ne Ein­rich­tung dient der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be. Al­le in de Ein­rich­tung täti­gen Mit­ar­bei­ter bil­den oh­ne Rück­sicht auf ih­re ar­beits­recht­li­che Stel­lung und Tätig­keit ei­ne Dienst­ge­mein­schaft und tra­gen ge­mein­sam zur Erfüllung der Auf­ga­ben der Ein­rich­tung bei". Gemäß § 6 des Ver­tra­ges stim­men die Par­tei­en darüber ein, dass ein gro­ber äußerer Ver­s­toß ge­gen kirch­li­che Grundsätze ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist. In § 4 wur­de die Kläge­rin in die Vergütungs­grup­pe Mt-An Kr. 5 der An­la­ge 1 b Ab­schnitt A zum BAT-LWL ein­grup­piert. Nach § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges be­stimmt sich das Dienst­verhält­nis im Übri­gen nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber (VKA) je­weils gel­ten­den Fas­sung. Außer­dem fin­den die für den Land­schafts­ver­band je­weils gel­ten­den sons­ti­gen ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung. Nach § 8 be­ste­hen wei­te­re Ver­ein­ba­run­gen nicht. Späte­re Ver­ein­ba­run­gen bedürfen zur ih­rer Gültig­keit der Schrift­form un­ter Be­zug­nah­me auf die­sen Ver­trag (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Ar­beits­ver­tra­ges Bl. 7 ff., An­la­ge K 1 ver­wie­sen).

Kurz vor Ab­lauf der in § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit wand­te sich die Kläge­rin, ei­ne be­ken­nen­de Mus­li­ma, mit Schrei­ben vom 25.03.1996 an die

 

- 3 -

Heim­lei­tung des Hau­ses am S7 und lis­te­te un­ter der Über­schrift: "Be­trifft: Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten die nicht, in Be­zug auf mei­ne Ar­beits­beschäfti­gung hier im Haus von mir ver­rich­tet und aus­geführt und auch nicht durch mich an an­de­re de­li­giert wer­den können" (sic) fol­gen­des aus:

al­le Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten, die wie man sagt mit der Kir­che zu tun oder in Ver­bin­dung/Zu­sam­men­hang ge­bracht wer­den, d.h.:
- kei­nen Be­woh­ner zur Kir­che brin­gen oder be­glei­ten oder zum Kirch­gang auf­for­dern oder dar­an er­in­nern, dass be­inhal­tet auch die Lei­chen­hal­le und den Fried­hof.
- kei­ne Be­kannt­ma­chun­gen durch Wort münd­lich oder durch Zet­tel mit dem Hin­weis, wann wie man sagt, Kir­che ist oder das an­brin­gen/aufhängen zur Be­kannt­ga­be.
- kein Le­sen und Vor­le­sen wie man sagt aus der Bi­bel oder an­de­ren Kir­chen­blättern oder Kir­chenbücher auch kei­ne Ge­be­te le­sen oder spre­chen.
- kein Sin­gen oder Vor­sin­gen kirch­li­cher Lie­der.
- kei­ne Weih­nachts- oder Os­ter- o. a. kirch­li­che Fei­er­tags­ge­schen­ke ein­kau­fen/be­sor­gen oder wei­ter­ge­ben oder aus-/ver­tei­len.
- kei­ne Weih­nachts- oder Os­ter- oder sonst den kirch­li­chen Fei­er­ta­gen ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tun­gen tref­fen, or­ga­ni­sie­ren oder ausführen oder an­brin­gen, da­zu zählt auch das Raum her­rich­ten für ei­nen, wie man sagt, Got­tes­dienst oder das De­ko­rie­ren wie z. B. Weih­nachts­baum schmücken, Fei­er­tags­fens­ter­bil­der her­stel­len oder an­brin­gen, Tisch­de­cken auf­le­gen und auch das Ei­er färben oder Plätz­chen ba­cken u. a.
- kei­ne Vor­be­rei­tun­gen oder Gespräche während der Ster­be­be­glei­tung oder zum Ab­lauf der Be­er­di­gung ei­nes Be­woh­ners mit dem Pfar­rer oder sonst ei­ner be­auf­trag­ten Per­son, wel­che in die kirch­li­chen Be­rei­che fal­len.

Al­ko­hol – be­sor­gen, an­bie­ten oder aus­schen­ken an Be­woh­ner, Ar­beits­kol­le­gen oder sons­ti­gen Per­so­nen z. B. Be­su­cher des Hau­ses oder von Be­woh­nern." (Ab­lich­tung Bl. 12 d. A.).

Mit Schrei­ben vom 27.03.1996 wand­te sich die Heim­lei­tung an die Re­gio­nal­ver­wal­tung/Per­so­nal­ab­tei­lung des be­klag­ten Ver­eins und teil­te die­sem mit: "Frau K1 kann fol­gen­de Tätig­kei­ten im Rah­men Ih­res Diens­tes als Al­ten­pfle­ge­rin aus re­li­giösen Gründen nicht ausführen (auch nicht de­li­gie­ren):
- kei­nen Be­woh­ner zur Kir­che brin­gen/be­glei­ten/zum Kirch­gang auf­for­dern/er­in­nern Die­se Ein­schränkung be­trifft eben­so den Fried­hof und die Fried­hofs­ka­pel­le. Das Be­tre­ten des Fried­ho­fes und die Teil­nah­me an der Be­er­di­gung ei­nes Heim­be­woh­ners/-in ist für Frau K1 als Ein­zel­per­son möglich, al­ler­dings eben­falls oh­ne Be­tre­ten der Fried­hofs­ka­pel­le.

 

- 4 - 

- kei­ne schrift­li­chen oder münd­li­chen Be­kannt­ma­chun­gen zu kirch­li­chen Got­tes­diens­ten wei­ter­ge­ben bzw. an­brin­gen/aufhängen.
- kein Le­sen oder Vor­le­sen aus der Bi­bel, Kir­chen­blättern oder Kir­chenbüchern, eben­so kei­ne Ge­be­te le­sen oder spre­chen.
- kein Sin­gen oder Vor­sin­gen kirch­li­cher Lie­der.
- kei­ne kirch­li­chen Fei­er­tags­ge­schen­ke (Weih­nach­ten/Os­tern) ein­kau­fen/be­sor­gen/wei­ter­ge­ben/aus- und ver­tei­len.
- kei­ne den kirch­li­chen Fei­er­ta­gen ent­spre­chen­de (z. B. Weih­nach­ten/Os­tern) Vor­be­rei­tun­gen tref­fen, or­ga­ni­sie­ren, ausführen oder an­brin­gen.
Hier­zu zählt auch das Her­rich­ten oder De­ko­rie­ren ei­nes Rau­mes für ei­nen Got­tes­dienst, das Schmücken des Weih­nachts­bau­mes, das Her­stel­len und An­brin­gen von Fei­er­tags-Fens­ter­bil­dern, das Auf­le­gen der Tisch­de­cken so­wie das Färben von Os­ter­ei­ern und das Ba­cken von Weih­nachtsplätz­chen.
- kei­ne Vor­be­rei­tung oder Gespräche mit dem Pfar­rer oder ei­ner sons­ti­gen kirch­lich be­auf­trag­ten Per­son während der Ster­be­be­glei­tung oder zum Ab­lauf der Be­er­di­gung ei­nes Heim­be­woh­ners/-in.
- kein Be­sor­gen, An­bie­ten, Aus­schen­ken von Al­ko­hol an Be­woh­ner, Ar­beits­kol­le­gen oder sons­ti­ge Per­so­nen, z. B. Be­su­cher.
Ich bit­te um Prüfung, ob o. g. Ver­ein­ba­rung aus der Sicht der Re­gio­nal­lei­tung bzw. des Vor­stan­des mit den Grundsätzen des So­zi­al­werks S4. G2 (ins­be­son­de­re der Präam­bel im Ar­beits­ver­trag) ver­ein­bar sind. Ins­ge­samt ist Frau K1 ei­ne sehr kom­pe­ten­te und en­ga­gier­te Mit­ar­bei­te­rin, die wir ger­ne auch nach der Pro­be­zeit wei­ter beschäfti­gen möch­ten.
Ich bit­te um Mit­tei­lung, wie wei­ter ver­fah­ren wer­den soll." (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten die­ses Schrei­bens wird auf das in Ab­lich­tung An­la­ge K2 Bl. 10 f. d. A. ver­wie­sen).

Ei­ne Re­ak­ti­on auf die­ses Schrei­ben er­hielt die Heim­lei­tung nicht, je­den­falls wur­de der Kläge­rin kei­ne Re­ak­ti­on auf die­ses Schrei­ben mit­ge­teilt.

Die Kläge­rin geht da­von aus, dass ihr Schrei­ben vom 25.03. bzw. das Schrei­ben vom 27.03.1996 als An­la­ge zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin beim be­klag­ten Ver­ein ge­nom­men wor­den ist.

Die Heim­lei­tung kom­mu­ni­zier­te in der Fol­ge­zeit auch nach außen, dass die Kläge­rin aus re­li­giösen Gründen be­stimm­te Tätig­kei­ten bzw. Auf­ga­ben nicht über­neh­men könne.

Im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit im April 2000 te­le­fo­nier­te die Kläge­rin mit der Heim­lei­te­rin Frau Z1-K3 und frag­te, was denn mit der Zu­satz­ver­ein­ba­rung

 

- 5 - 

vom 27.03.1996 sei. Frau Z1-K3 bestätig­te der Kläge­rin, dass die Zu­satz­ver­ein­ba­rung von dem neu­en Ar­beits­ver­trag nicht berührt wer­de, da es sich le­dig­lich um ei­ne St­un­den­re­du­zie­rung han­de­le. Nach die­sem Te­le­fo­nat hat die Kläge­rin den neu­en Ar­beits­ver­trag un­ter­schrie­ben.

Im ers­ten Quar­tal 2007 wur­de die Kläge­rin von der Ein­rich­tungs­lei­tung/Fach­lei­tung ge­be­ten, An­gehöri­ge ei­ner kur­ze Zeit vor­her im Heim "Haus am S7" ver­stor­be­nen Frau, die ei­ne Ur­nen­be­stat­tung in B2 L2 ha­ben soll­te, über den Ter­min zu un­ter­rich­ten. Die Kläge­rin wies die­se Bit­te un­ter Hin­weis auf ih­re re­li­giöse Ein­stel­lung zurück, weil an der Ur­nen­be­stat­tung auch ein evan­ge­li­scher Pfar­rer teil­neh­men soll­te.

En­de Au­gust 2007 woll­te die Pfar­re­rin Frau L3 aus B2 L2 wis­sen, wes­halb kei­ne Be­woh­ner mehr zum Got­tes­dienst kämen. Die Büro­hil­fe des be­klag­ten Ver­eins, Frau J1 P1, woll­te die­ses Te­le­fo­nat zur Kläge­rin durch­stel­len. Dar­auf­hin äußer­te die Kläge­rin ge­genüber Frau P1, dass dies nicht in ih­ren Ar­beits­be­reich fal­le und dass sie dafür nicht zuständig sei. Auf­grund ih­rer re­li­giösen Ein­stel­lung und un­ter strik­ter Be­ach­tung der Ne­ga­tiv­lis­te in Be­zug auf Tätig­kei­ten, die mit kirch­li­chen Be­lan­gen in Zu­sam­men­hang ste­hen, leh­ne sie die Wei­ter­ga­be von dies­bezügli­chen In­for­ma­tio­nen ab. Strei­tig ist, ob zu die­sem Zeit­punkt an­de­re Mit­ar­bei­ter der Ein­rich­tung sich in der Pau­se be­fan­den und da­mit nicht zur Verfügung stan­den. Die Kläge­rin meint, die gewünsch­te Aus­kunft hätte von ih­rem Kol­le­gen vor­ge­nom­men wer­den können, der sich auf der Sta­ti­on im Dienst be­fun­den ha­be, was der Fach­lei­tung be­kannt war. Später er­folg­te ein wei­te­rer An­ruf der Pfar­re­rin, der dann von ei­nem Kol­le­gen der Kläge­rin mit­ge­teilt wur­de, dass bei den Be­woh­nern kein In­ter­es­se an kirch­li­chen Ver­an­stal­tun­gen be­ste­he und sie des­halb nicht er­schie­nen. Die Be­klag­te be­haup­tet, der Vor­fall mit dem Te­le­fo­nat mit der Pfar­re­rin ha­be sich an­ders zu­ge­tra­gen. Die Kläge­rin ha­be nicht der Pfar­re­rin ant­wor­ten sol­len, son­dern le­dig­lich die In­for­ma­ti­on wei­ter­ge­ben sol­len, dass der nächs­te Got­tes­dienst nicht vom ka­tho­li­schen Pfar­rer, son­dern vom evan­ge­li­schen Pfar­rer über­nom­men wird.

Am 12.09.2007 wur­de die Kläge­rin zur Heim­lei­tung zu ei­nem persönli­chen Gespräch ge­be­ten. Das Gespräch wur­de sei­tens Frau Z1-K3 da­mit eröff­net, die dar­auf hin­wies, dass in­ner­halb kürzes­ter Zeit­span­ne gleich zwei Be­schwer­den ge­gen die Kläge­rin vorlägen. Sie würde die Ar­beit der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter be­hin­dern. Die­se be­haup­te­ten, die Kläge­rin würde im­mer wie­der "neue Din­ge" im Be­zug auf ih­re Re­li­gi­on ver­su­chen durch­zu­set­zen. Das Ver­hal­ten der Kläge­rin ge­he ent­schie­den zu weit, dies würde man nicht länger dul­den. Wenn die Kläge­rin An­ge­le­gen­hei­ten nicht ein­mal wei­ter­ge­ben würde oder könn­te und man dafür ex­tra ei­nen Kol­le­gen ans Te­le­fon ho­len müsse, da­mit die­ser das

 

- 6 - 

Gespräch führen könne, dann wäre es si­cher­lich für die Kläge­rin bes­ser, wenn sie in ei­ner an­de­ren Ein­rich­tung ar­bei­te und nicht im "Haus am S7", ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung. Die Kläge­rin be­rief sich ih­rer­seits auf ihr Schrei­ben vom 25.03.1996 bzw. das Schrei­ben "An­la­ge zum Ar­beits­ver­trag vom 27.03.1996". Die Kläge­rin wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, wenn sie im Zu­sam­men­hang da­mit bei ih­rer re­li­giösen Auf­fas­sung ver­blei­be, müsse man die An­ge­le­gen­heit prüfen, um zu se­hen, wel­che wei­te­ren Schrit­te ein­zu­lei­ten wären. Die Kläge­rin wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Ver­hal­ten von der Heim­lei­tung als über­trie­ben an­ge­se­hen wird und ge­be­ten, noch ein­mal auf­zu­lis­ten, wel­che Tätig­kei­ten sie nicht ausüben könne.

Am 24.10.2007 wur­de die Kläge­rin er­neut zu ei­nem Gespräch mit der Heim­lei­tung im Bei­sein der Fach­lei­tung ge­be­ten. Frau Z1-K3 erläuter­te noch ein­mal kurz den Gesprächs­in­halt vom 12. Sep­tem­ber 2007 und ver­wies dar­auf, das er­be­te­ne Schrei­ben, in dem die Kläge­rin mit­tei­len soll­te, dass sie den Ar­beits­ab­lauf nicht we­gen ih­rer Re­li­gi­on be­hin­dern würde und sich ein sol­ches Vor­komm­nis, wie ge­sche­hen, nicht noch ein­mal wie­der­ho­len würde, sei bis­lang nicht ein­ge­trof­fen. Frau Z1-K3 leg­te der Kläge­rin dann ein Schrei­ben vor, wel­ches mit dem Wort "Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" über­schrie­ben war und for­der­te die Kläge­rin auf, die­ses Schrei­ben an der dafür vor­ge­se­he­nen Stel­le zu un­ter­zeich­nen. Die Kläge­rin bat sich Be­denk­zeit aus. Ihr wur­de dar­auf­hin ein Ex­em­plar die­ses Schrei­bens aus­gehändigt (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Schrei­bens An­la­ge K 2, Bl. 13 d. A. ver­wie­sen).

Mit Schrei­ben vom 12.11.2007 nahm der späte­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin für die Kläge­rin hier­zu Stel­lung. Er ver­wies dar­auf, dass sich die Kläge­rin so ver­hal­ten ha­be, wie es ihr durch ih­re Re­li­gi­on vor­ge­ge­ben sei. Dar­aus könne der Kläge­rin kein Vor­wurf ge­macht wer­den. Die Kläge­rin be­trach­te die An­ge­le­gen­heit als er­le­digt (we­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Schrei­bens An­la­ge K 4, Bl. 14 ff. d. A. ver­wie­sen).

Am 27.11.2007 zeig­te die Heim­lei­tung der Kläge­rin ein von der Heim­lei­tung und der Fach­lei­tung un­ter­zeich­ne­tes Schrei­ben auf ih­ren Brief­bo­gen, das in­halt­lich mit dem Schrei­ben vom 24.10.2007 iden­tisch ist. Der Kläge­rin wur­de mit­ge­teilt, dass die­ses Schrei­ben nun oh­ne Un­ter­schrift der Kläge­rin zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men wer­de.

Die Kläge­rin hat mit Schrift­satz ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 13.12.2007, beim Ar­beits­ge­richt Sie­gen am 20.12.2007 ein­ge­gan­gen, Kla­ge er­ho­ben.

 

- 7 - 

Die Kläge­rin meint, dass die Ab­mah­nung vom 24.10.2007 aus ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen ist. Mit der Auf­neh­me in die Per­so­nal­ak­te ha­be die Be­klag­te deut­lich ge­macht, dass sie dem an­walt­li­chen Schrei­ben vom 12.11.2007 kei­ner­lei Be­deu­tung bei­mes­se. Der Kläge­rin wer­de völlig zu Un­recht ein ver­hal­tens­be­ding­tes Fehl­ver­hal­ten vor­ge­wor­fen. Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­trags­ver­let­zung ein­mal un­ter­stellt, sei die Ab­mah­nung je­den­falls un­verhält­nismäßig.

Mit Schrei­ben vom 17.01.2008 teil­ten die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des be­klag­ten Ver­eins dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin mit, dass es sich bei dem Schrei­ben vom 24.10.2007 nicht um ei­ne Ab­mah­nung im Rechts­sin­ne han­de­le. Sie ba­ten um Mit­tei­lung, ob die Kla­ge zurück­ge­nom­men und der Güte­ter­min vom 22.01.2008 ent­fal­len könne.

Im Güte­ter­min reg­ten die Par­tei­ver­tre­ter im Hin­blick auf ei­ne außer­ge­richt­li­che Ei­ni­gung an, das Ver­fah­ren zunächst ru­hend zu stel­len. Im April 2008 fand ein Be­spre­chungs­ter­min der Par­tei­en in B2 L2 statt. Der Ver­lauf die­ses Gesprächs wird von den Par­tei­en un­ter­schied­lich dar­ge­stellt (hin­sicht­lich der Po­si­ti­on der Kläge­rin wird auf die Ausführun­gen im Schrift­satz vom 19.11.2008 ver­wie­sen, hin­sicht­lich der Po­si­ti­on des be­klag­ten Ver­eins wird auf die Ausführun­gen im Schrift­satz vom 03.09.2008 un­ter II.). Da die Kläge­rin nach dem Gespräch vom 16.04.2008 kei­ne ver­fah­rens­be­en­den­de Erklärung ab­gab, ob­wohl der be­klag­te Ver­ein der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 02.07.2008 hier­zu ei­ne zweiwöchi­ge Frist ge­setzt wor­den hat­te (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung des Schrei­bens An­la­ge K 5, Bl. 57 ff. d. A. ver­wie­sen), be­an­trag­te der be­klag­te Ver­ein die Fort­set­zung des Ver­fah­rens.

Ein vom Pro­zess­ge­richt un­ter dem 16.04.2008 un­ter­brei­te­ter Ver­gleichs­vor­schlag: "1. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die mit „Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz des Be­klag­ten vom 24.10.2007 kei­ne Ab­mah­nung dar­stellt und ei­ne sol­che auch nicht dar­stel­len soll­te, ins­be­son­de­re kei­ne Kündi­gungs­ankündi­gung für den Wie­der­ho­lungs­fall des dort gerügten Ver­hal­tens der Kläge­rin dar­stellt.
2. So­weit noch nicht ge­sche­hen wird der Be­klag­te die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin neh­men.
3. ..." (Bl. 27 d. A. ) wur­de vom be­klag­ten Ver­ein ab­ge­lehnt.

Im Ju­li 2008 wei­ger­te sich die Kläge­rin, ei­ne Mit­ar­bei­ter­in­for­ma­ti­on zum AGG ab­zu­zeich­nen, leg­te die­se ih­rem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zur Über­prüfung vor und gab hier­zu über ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten ei­ne Stel­lung­nah­me ab.

 

- 8 - 

Die Kläge­rin stell­te sich in der Fol­ge­zeit auf den Stand­punkt, auf­grund der Äußerun­gen des be­klag­ten Ver­eins müsse zwi­schen den Par­tei­en geklärt wer­den, ob die von ihr im März 1996 auf­ge­stell­te Ne­ga­tiv­lis­te als Zu­satz­ver­ein­ba­rung Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ist und kündig­te in­so­weit im Schrift­satz vom 19.11.2008 ei­nen ent­spre­chen­den Fest­stel­lungs­an­trag an. Die­sen An­trag hat die Kläge­rin auf An­ra­ten des Ar­beits­ge­richts Sie­gen zurück­ge­nom­men.

Sie hat zu­letzt be­an­tragt,

die als Er­mah­nung de­kla­rier­te Ab­mah­nung des Be­klag­ten vom 24.10.2007 ist auf Dau­er aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen;

hilfs­wei­se: die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 sei­tens des Be­klag­ten zu der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu neh­men.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der be­klag­te Ver­ein meint, der Kla­ge feh­le das Rechts­schutz­bedürf­nis, weil es sich bei dem Schrei­ben vom 24.10.2007 nicht um ei­ne Ab­mah­nung im Rechts­sin­ne han­delt, was mit Schrei­ben vom 17.01.2008 klar­ge­stellt wor­den sei.

Der be­klag­te Ver­ein könne und wer­de die von der Kläge­rin an den Tag ge­leg­ten Ver­hal­tens­wei­sen nicht dul­den. Der Kläge­rin sei be­kannt, dass sie in ei­ner ca­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tung beschäftigt ist. In dem Dienst­ver­trag vom 02.06.1995 ha­be sie die Präam­bel ak­zep­tiert, wo­nach Ca­ri­tas ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der ka­tho­li­schen Kir­che ist und sei­ne Ein­rich­tung der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be ist. Vor die­sem Hin­ter­grund könne die Kläge­rin nicht ernst­haft er­war­ten, an ih­rem Ar­beits­platz nicht ge­le­gent­lich mit Be­grif­fen kon­fron­tiert zu wer­den, die ei­nen christ­lich-kirch­li­chen Be­zug ha­ben.

Der Vor­wurf, der be­klag­te Ver­ein be­ein­träch­ti­ge die Kläge­rin durch dienst­li­che An­wei­sun­gen in ih­rer Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit, sei un­zu­tref­fend und wer­de zurück­ge­wie­sen. Hin­sicht­lich des Schrei­bens der Kläge­rin vom 25.03.1996 ver­weist der be­klag­te Ver­ein dar­auf, dass gemäß § 8 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 02.06.1995 späte­re Ver­ein­ba­run­gen zu ih­rer Gültig­keit der Schrift­form un­ter Be­zug­nah­me auf den Ar­beits­ver­trag be­durf­ten. Nichts

 

- 9 - 

an­de­res gel­te gemäß § 4 Abs. 2 BAT bzw. jetzt gemäß § 2 Abs. 3 TVöD, de­ren Gel­tung gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges schuld­recht­lich ver­ein­bart wor­den ist. Ei­ne Bestäti­gung des be­klag­ten Ver­eins, dass den Vor­be­hal­ten der Kläge­rin zu­ge­stimmt bzw. der ab­ge­schlos­se­ne Dienst­ver­trag geändert wird, sei zu kei­nem Zeit­punkt ab­ge­ge­ben wor­den. Die­se könne auch nicht in dem als An­la­ge K 2 vor­ge­leg­ten Schrei­bens der Ein­rich­tungs­lei­tung an die Re­gio­nal­ver­wal­tung des be­klag­ten Ver­eins vom 27.03.1996 ge­se­hen wer­den.

Das Ar­beits­ge­richt Sie­gen hat durch Ur­teil vom 04.12.2008 – 1 Ca 1139/08 die Kla­ge so­wohl bezüglich des Haupt- als auch des Hilfs­an­tra­ges ab­ge­wie­sen.

Es hat zur Be­gründung aus­geführt, bei der Er­mah­nung vom 24.10.2007 han­de­le es sich nicht um ei­ne Ab­mah­nung im ar­beits­recht­li­chen Sinn. Vor die­sem Hin­ter­grund sei die ständi­ge Recht­spre­chung zum An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Ent­fer­nung ei­ner un­be­rech­tig­ten Ab­mah­nung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te nicht ein­schlägig. Auch im Übri­gen be­ste­he kein An­spruch der Kläge­rin auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te. Der Ar­beit­neh­mer ha­be nicht das Recht, die Ent­fer­nung ei­ner jed­we­den, sei­ner Ar­beits­wei­se sein Ver­hal­ten miss­bil­li­gen­den Äußerung sei­nes Ar­beit­ge­bers, der in schrift­li­cher Form zu sei­ner Per­so­nal­ak­te ge­langt ist, zu ver­lan­gen. Die Auf­nah­me ei­ner Er­mah­nung in die Per­so­nal­ak­te des Ar­beit­neh­mers be­ein­träch­tig­te den Ar­beit­neh­mer nicht in glei­chem Um­fang wie ei­ne er­teil­te Ab­mah­nung in sei­nem Persönlich­keits­recht und sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men.

Der Hilfs­an­trag sei eben­falls un­be­gründet. Die Kläge­rin ha­be zwar ei­nen An­spruch dar­auf, ähn­lich wie bei ei­ner Ab­mah­nung ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung zu ei­ner Er­mah­nung zu ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ge­ben. Die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 stel­le je­doch kei­ne Ge­gen­dar­stel­lung in die­sem Sin­ne dar. Denn die Kläge­rin neh­me nicht nur kon­kret zum In­halt der Er­mah­nung vom 24.10.2007 Stel­lung, son­dern setz­te sich darüber hin­aus auch mit an­de­ren Vor­komm­nis­sen im Ar­beits­verhält­nis und dem In­halt der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den Par­tei­en aus­ein­an­der. Die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch dar­auf, dass auch die­se Ausführun­gen in der Kla­ge­schrift und da­mit die Kla­ge­schrift als sol­che zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men wer­de.

Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 18.12.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin mit ei­ner un­ter­zeich­ne­ten Be­ru­fungs­schrift vom 14.01.2009, am glei­chen Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­ge­gan­gen, Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­ru­fung bis zum 19.03.2009 mit Schrift­satz vom 16.03.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 17.03.2009 ein­ge­gan­gen, be­gründet.

 

- 10 - 

Die Kläge­rin sei nach wie vor der Auf­fas­sung, dass das Schrei­ben des be­klag­ten Ver­eins vom 24.10.2007 die recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Ab­mah­nung ha­be. Der Kläge­rin wer­de ein mas­si­ver Vor­wurf ge­macht. Sie wer­de un­miss­verständ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei ei­ner Wie­der­ho­lung ei­nes sol­chen Vor­falls man sich ge­zwun­gen sieht, ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten. Nach Auf­fas­sung der Kläge­rin be­inhal­te die Ankündi­gung, ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten, ei­ne kündi­gungs­recht­li­che Warn­funk­ti­on. Im kon­kre­ten Fall ha­be die Kläge­rin den Hin­weis nur so ver­ste­hen können, dass im Wie­der­ho­lungs­fall ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen würde. Un­er­heb­lich sei, ob der Be­klag­te im Ver­lau­fe des Rechts­streits erklärt ha­be, das Schrei­ben vom 24.10.2007 sol­le kei­ne Ab­mah­nung im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne dar­stel­len. Ent­schei­dend sei, zu wel­cher Be­ur­tei­lung das Schrei­ben beim Ar­beit­neh­mer geführt ha­be.

Das Ar­beits­ge­richt Sie­gen ha­be zu­min­dest dem Hilfs­an­trag der Kläge­rin statt­ge­ben müssen, zu­mal das Ge­richt selbst mit ei­nem Ver­gleichs­vor­schlag Auf­nah­me der Kla­ge­schrift als Ge­gen­dar­stel­lung an­ge­regt ha­be. Die Kla­ge­schrift be­inhal­te ei­ne Stel­lung­nah­me zum Schrei­ben des be­klag­ten Ver­eins vom 24.10.200. Un­er­heb­lich sei, ob in der Kla­ge­schrift auch noch zu an­de­ren Vor­komm­nis­sen im Ar­beits­verhält­nis Stel­lung ge­nom­men wer­de.

Die Kläge­rin hat zu­letzt der Kla­gerück­nah­me im Übri­gen be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Sie­gen – 1 Ca 1139/08 vom 04.12.2008 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die mit "Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

Der be­klag­te Ver­ein be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er hält die Be­ru­fung der Kläge­rin be­reits für un­zulässig, da sich die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­be­gründung mit den we­sent­li­chen Ent­schei­dungs­gründen nicht ein­ge­hend aus­ein­an­der ge­setzt ha­be, son­dern viel­mehr im we­sent­li­chen ih­re Rechts­auf­fas­sung auf­recht er­hal­ten ha­be, dass das Schrei­ben vom 24.10.2007 die recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Ab­mah­nung ha­be. Im Übri­gen ha­be das Ar­beits­ge­richt den An­trag aus ins­ge­samt zu­tref­fen­den Gründen ab­ge­wie­sen. § 83 Abs. 2 Be­trVG sei bei dem Be­klag­ten als Mit­glied

 

- 11 - 

des Ca­ri­tas we­gen § 108 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG nicht an­zu­wen­den. Der gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en in­zwi­schen auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­re TVöD-VKA ent­hal­te in sei­nem § 3 Abs. 5 kei­ne ver­gleich­ba­re Re­ge­lung.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst de­ren An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die Be­ru­fung ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 b ArbGG) so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt (§ 519 i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG) und in­ner­halb der Frist (§ 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG) und auch ord­nungs­gemäß (§ 520 Abs. 3 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG) be­gründet wor­den.

Die Be­den­ken des be­klag­ten Ver­eins ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung grei­fen nicht durch. Die in § 520 Abs. 3 S. 2 ZPO gewähl­te For­mu­lie­rung "die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift muss ent­hal­ten" be­deu­tet nicht, dass not­wen­di­ger­wei­se zu al­len drei der un­ter Nr. 2) bis 4) an­geführ­ten Be­ru­fungs­gründen Ausführun­gen zu ma­chen sind. Viel­mehr kann sich die Be­ru­fungs­be­gründung dar­auf be­schränken, nur ei­nen der ge­nann­ten Be­ru­fungs­gründe zur Recht­fer­ti­gung der Be­ru­fung her­an­zu­zie­hen. Hier hat die Kläge­rin ih­re Be­ru­fung auf die Rüge der Rechts­ver­let­zung, § 520 Abs. 3 Nr. 2 ZPO be­schränkt und sich auf die Zif­fer 2), d. h. die An­wen­dung des ma­te­ri­el­len Rechts gestützt. Wer die ma­te­ri­el­le Rechts­an­wen­dung des Erst­ge­richts bemängelt, muss ausführen, wel­che an­ders lau­ten­den ei­ge­nen Rechts­an­sich­ten er ver­tritt. Dies er­gibt sich hier hin­rei­chend aus der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift.
Bei teil­ba­ren Streit­ge­genständen, wie hier bei­spiels­wei­se Haupt- und Hilfs­an­trag, muss zu je­dem Teil ei­ne den An­for­de­run­gen des § 520 Abs. 2 genügen­de Be­ru­fungs­be­gründung ge­lie­fert wer­den, an­dern­falls ist die Be­ru­fung hin­sicht­lich des nicht­be­gründe­ten Teils un­zulässig. Die Kläge­rin hat auch zum Hilfs­an­trag ausführ­lich vor­ge­tra­gen, war­um sie die An­wen­dung des ma­te­ri­el­len Rechts für un­zu­tref­fend hält.

 

- 12 - 

II.

Auch in der Sa­che hat die Be­ru­fung Er­folg. Zu Un­recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge in dem den Ge­gen­stand der Be­ru­fung er­ge­ben­den Um­fang ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin hat in ent­spre­chen­der An­wen­dung der Be­stim­mun­gen der §§ 242,1004 BGB ei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung des vom 24.10.2007 da­tie­ren­den Schrei­bens "Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" aus ih­rer Per­so­nal­ak­te.

1.
In der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te ist ganz über­wie­gend an­er­kannt, dass ein Ar­beit­neh­mer sich ge­gen die aus sei­ner Sicht un­be­rech­tig­te Ab­mah­nung auch durch Er­he­bung ei­ner Kla­ge auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te zu Wehr set­zen kann. Ei­ner der­ar­ti­gen Kla­ge fehlt nicht das er­for­der­li­che Rechts­schutz­bedürf­nis. Die Zulässig­keit ei­ner sol­chen Kla­ge ist auch nicht da­durch aus­ge­schlos­sen, dass der Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt ist, ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung zur Per­so­nal­ak­te ab­zu­ge­ben und/oder die Be­rech­ti­gung der Ab­mah­nung in ei­nem späte­ren Kündi­gungs­schutz­pro­zess nach­prüfen zu las­sen.

Das Rechts­schutz­bedürf­nis an der Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te wird da­mit be­gründet, dass ei­ne un­be­rech­tig­te Ab­mah­nung die Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers sein kann und ei­ne sol­che Ge­fahr mit ih­rer Einführung in die Per­so­nal­ak­te be­steht (BAG vom 05.08.1992 – 5 AZR 531/91; BAG vom 15.07.1992 – 7 AZR 466/91; BAG vom 14.09.1994 – 5 AZR 632/93; BAG vom 15.04.1999 – 7AZR 716/97; BAG vom 11.12.2001 – 9 AZR 964/00; KR/Fi­scher­mey­er, 8. Auf­la­ge, § 626 BGB, Rd­nr. 282 f., APS/Dörner, 3. Auf­la­ge, § 1 KSchG, Rd­nr. 415, Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen, Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis, 9. Auf­la­ge, Rd­nr. 10; ErfK/Die­te­rich, 8. Auf­la­ge, Art. 2 GG, Rd­nr. 103 m. w. N.).

Der Ar­beit­neh­mer kann da­her von sei­nem Ar­beit­ge­ber die Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen, wenn die­se aus for­mel­len Gründen un­wirk­sam ist, wenn sie un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält (BAG vom 10.11.1993 – 7 AZR 682/92 un­ter 1. der Gründe, ständi­ge Recht­spre­chung, so BAG vom 11.12.2001 – 9 AZR 964/00), in ihr das Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers un­rich­tig recht­lich gewürdigt ist, sie nicht verhält­nismäßig ist (BAG vom 10.11.1993, a. a. O., un­ter 6.) oder ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­nem Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te nicht mehr be­steht

 

- 13 - 

(BAG vom 11.12.2001, a. a. O. so­wie vom 18.11.1986 – 7 AZR 674/84 un­ter II. 4. der Gründe).

2.
Die vor­ste­hend zi­tier­te Recht­spre­chung gilt ent­ge­gen der Rechts­an­sicht des be­klag­ten Ver­eins, der sich das Ar­beits­ge­richt Sie­gen an­ge­schlos­sen hat, nicht nur für förm­li­che Ab­mah­nun­gen, son­dern für sämt­li­che schrift­li­chen Rügen, Ver­war­nun­gen und an­de­re Schrei­ben, die zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­men wer­den und die wei­te­re be­ruf­li­che Ent­wick­lung des Ar­beit­neh­mers nach­tei­lig be­ein­flus­sen können.

Auch un­be­rech­tig­te for­mel­le Rügen können Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung sein und da­durch das be­ruf­li­che Fort­kom­men be­hin­dern. Sie können den Ar­beit­neh­mer darüber hin­aus auch in sei­ne Eh­re berühren und da­mit sein Persönlich­keits­recht ver­let­zen (st. Rspr. des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. BAG vom 22.05.1978 – 5 AZR 801/76 (Ak­ten­no­tiz); BAG vom 30.01.1979 – 1 AZR 342/76 (Ver­merk über ei­ne Er­mah­nung); BAG vom 07.11.1979 – 5 AZR 962/77 (Ver­weis); BAG vom 18.08.1982 – 5 AZR 310/80 (Ak­ten­no­tiz) so­wie vom 27.11.1985 – 5 AZR 101/84 (Schrei­ben mit Kündi­gungs­an­dro­hung), ArbG Braun­schweig vom 09.12.2004 - 8 Ca 351/04, Rd­nr. 28; Be­cker­le, Die Ab­mah­nung, 9. Aufl. 2005, Rd­nr. 356).

In dem Ver­fah­ren 5 AZR 310/80 ging es um ei­ne Ak­ten­no­tiz vom 23.02.1979, die der Per­so­nal­lei­ter zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin ge­nom­men hat­te und die mit den Wor­ten en­det:"... um zu ver­hin­dern, dass we­gen die­ser we­nig ge­wich­ti­gen Rüge ein um­fang­rei­cher Pro­zess geführt würde, in dem so­wohl die Kol­le­gin­nen als auch der Be­triebs­rat als Zeu­gen hätten aus­sa­gen müssen, ha­be ich trotz der Hin­wei­se des Rich­ters an die Ge­gen­sei­te, das die­se den Pro­zess wahr­schein­lich ver­lie­ren würde, erklärt, die Rüge aus der Ak­te zu ent­fer­nen, aber gleich­zei­tig an­gekündigt, die An­ge­le­gen­heit in ei­nem Ak­ten­ver­merk fest­zu­hal­ten".

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt gab der Kla­ge auf Ent­fer­nung der Ak­ten­no­tiz statt. In die­ser Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt fol­gen­des aus­geführt: "Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der Ar­beit­neh­mer die Be­rech­ti­gung ei­ner miss­bil­li­gen­den Äußerung durch den Ar­beit­ge­ber we­gen ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens ge­richt­lich nach­prüfen las­sen, so­fern die­se miss­bil­li­gen­de Äußerung nach Form und In­halt ge­eig­net ist, ihn sei­ner Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen" (Rd­nr. 18 m. w. N.). Zu den auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­ren Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers gehören in ers­ter Li­nie die zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­nen schrift­li­chen Ab­mah­nun­gen. ... Aber auch an­de­re

 

- 14 - 

schrift­li­che Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die die Leis­tung oder das Ver­hal­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers rügen, kann der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Kla­ge an­grei­fen. Nach­prüfbar sind die miss­bil­li­gen­den Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die nach Form oder In­halt den Ar­beit­neh­mer in sei­ner Rechts­stel­lung be­ein­träch­ti­gen können (BAG (vom 22.02.1978 – 5 AZR 801/76), AP Nr. 84 zu § 611 BGB, Fürsor­ge­pflicht un­ter II. 1. der Gründe). Be­ein­träch­tigt wird die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers dann, wenn ei­ne zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­ne miss­bil­li­gen­de Äußerung, so­fern sie un­be­rech­tigt ist, die Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers ab­ge­ben und da­durch sein be­ruf­li­ches Fort­kom­men be­hin­dern kann. Sie ist da­her, auch wenn sie den Ar­beit­neh­mer nicht aus­drück­lich er­mahnt, sein Fehl­ver­hal­ten zu ändern oder auf­zu­ge­ben, wie ei­ne Ab­mah­nung ge­richt­lich nach­prüfbar" (a.a.O. Rd­nrn. 19 – 20).

3.
Bei der Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 han­delt es sich um ei­ne sol­che auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­re miss­bil­li­gen­de Äußerung.

a.
Ent­ge­gen der von dem be­klag­ten Ver­ein ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kommt es nicht dar­auf an, wie die miss­bil­li­gen­de Äußerung vom Ar­beit­ge­ber be­zeich­net wird. Maßgeb­lich ist viel­mehr, wel­chen In­halt die Äußerung hat und ob sie nach Form und In­halt ge­eig­net ist, die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers zu be­ein­träch­ti­gen.

b.
Ih­rem In­halt nach enthält die Gesprächs­no­tiz ei­ne Er­mah­nung und da­mit ei­ne Rüge der Kläge­rin. In dem Schrei­ben wird fest­ge­hal­ten, dass die Heim­lei­tung von dem Vor­fall (Ver­wei­ge­rung der Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen hin­sicht­lich der Or­ga­ni­sa­ti­on des Got­tes­diens­tes) vom 12.09.2007 Kennt­nis be­kom­men hat und die Kläge­rin aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass die­ses Ver­hal­ten auf kei­nen Fall ge­dul­det wird, da­mit die Ar­beits­abläufe in der Ein­rich­tung und die Ar­beit An­de­rer nicht in er­heb­li­chem Maße be­ein­träch­tigt oder er­schwert wird.

c.
Über die­se Rüge hin­aus enthält die Er­mah­nung die An­dro­hung ar­beits­recht­li­cher Kon­se­quen­zen in dem aus­geführt wird: "Soll­te sich ei­ne sol­cher Vor­fall wie­der­ho­len, se­he ich mich da­her ge­zwun­gen ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten".

 

- 15 - 

Die­se miss­bil­li­gen­de Äußerung ist nach Form und In­halt ge­eig­net, die Kläge­rin in ih­rer Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen. Sie muss befürch­ten, dass ei­ner Wie­der­ho­lung des gerügten Ver­hal­tens ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen er­grif­fen wer­den.

Per­so­nal­ak­ten sol­len ein möglichst vollständi­ges, wahr­heits­gemäßes und sorgfälti­ges Bild über die persönli­chen und dienst­li­chen Verhält­nis­ses des Ar­beit­neh­mers ge­ben. Mit die­sem Zweck der Per­so­nal­ak­te verträgt sich kei­ne Be­an­stan­dung des Ar­beit­ge­bers, die sach­lich un­zu­tref­fend ist, so dass auch ein der­ar­ti­ges mit "Er­mah­nung" über­schrie­be­nes Schrei­ben des Ar­beit­ge­bers juis­ti­zia­bel ist.

4.
Die Er­mah­nung be­ein­träch­tigt die Kläge­rin in ih­rer Rechts­stel­lung.

a.
Die miss­bil­li­gen­de Äußerung des be­klag­ten Ver­eins ist zwar for­mell ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men. Der be­klag­te Ver­ein war nach § 3, ins­be­son­de­re § 3 Abs. 5 TVöD-VKA, nicht ver­pflich­tet, die Kläge­rin vor Auf­nah­me in die Per­so­nal­ak­te an­zuhören. Sie hat dies den­noch im Gespräch vom 24.10.2007 ge­tan und der Kläge­rin ei­ne Ab­lich­tung der "Er­mah­nung" als Ent­wurf aus­gehändigt.

b.
Es kann da­hin ge­stellt blei­ben, ob in der Er­mah­nung das Ver­hal­ten der Kläge­rin recht­lich un­rich­tig gewürdigt ist oder ob die Er­mah­nung – wie die Kläge­rin meint - un­verhält­nismäßig ist.

c.
Denn im vor­lie­gen­den Fall ist die streit­be­fan­ge­ne Er­mah­nung nach Auf­fas­sung der Kam­mer durch Zeit­ab­lauf ob­so­let ge­wor­den und muss schon aus die­sem Grund aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin ent­fernt wer­den.

Ob ei­ne Ab­mah­nung (oder ei­ne an­de­re miss­bil­li­gen­de Äußerung des Ar­beit­ge­bers) nach Ab­lauf ei­ner be­stimm­ten Zeit wir­kungs­los ge­wor­den ist, lässt sich nur auf­grund al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les be­ur­tei­len (BAG vom 18.11.1986 – 7 AZR 674/84, BAG vom 21.05.1987 – 2 AZR 213/86 so­wie BAG vom 27.01.1988 – 5 AZR 604/86). Seit der Fi­xie­rung der schrift­li­chen Er­mah­nung vom 24.10.2007 und dem Gespräch der Par­tei­en hierüber sind bei Be­ra­tung über das an­ge­foch­te­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Sie­gen et­wa zwei Jah­re ver­gan­gen.

 

- 16 - 

Zwar ist nicht al­lein we­gen die­ser Dau­er die Gesprächs­no­tiz aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen. Viel­mehr sind al­le Umstände des Ein­zel­fal­les zu berück­sich­ti­gen, ins­be­son­de­re die Art der Ver­feh­lung des Ar­beit­neh­mers so­wie sein wei­te­res Ver­hal­ten und die Ein­stel­lung des Ar­beit­ge­bers hier­zu im An­schluss an die Ab­mah­nung. Hier­bei ist zu­guns­ten der Kläge­rin zu berück­sich­ti­gen, dass die in der Ab­mah­nung er­ho­be­nen Vorwürfe ge­ringfügig sind. Denn die Vorwürfe ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung ge­genüber der Kläge­rin be­tref­fen nicht et­wa de­ren Haupt­leis­tungs­pflicht als Al­ten­pfle­ge­rin, son­dern ei­ne ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht, hier die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ex­ter­nen An­ru­fern. Sie selbst hat­te die An­ge­le­gen­heit vor Auf­neh­me der Gesprächs­no­tiz in die Per­so­nal­ak­te nach dem An­walts­schrei­ben als er­le­digt an­ge­se­hen. Die be­an­stan­de­te Ver­hal­tens­wei­se der Kläge­rin hat sich un­strei­tig nicht wie­der­holt. Die Kläge­rin ist we­gen die­ses oder ei­nes ähn­li­chen Vor­falls nicht er­neut ab­ge­mahnt wor­den. Der von dem be­klag­ten Ver­ein her­an­ge­zo­ge­ne Dis­put um die Quit­tie­rung der In­for­ma­tio­nen über das AGG ist bei­ge­legt. An­de­rer­seits hat der be­klag­te Ver­ein – al­lein schon durch das Gespräch vom der Par­tei­en vom 24.10.2007, die­sen Rechts­streit und das Gespräch vom 16.04.2008 – hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass er es künf­tig nicht dul­den will, wenn die Kläge­rin un­ter Be­ru­fung auf ih­rer re­li­giösen Ein­stel­lung über be­stimm­te The­men mit außer­ste­hen­den Drit­ten nicht kom­mu­ni­zie­ren will. Dies scheint ge­fruch­tet zu ha­ben. Da sich seit dem Herbst 2007 kein gleich­ar­ti­ger Vor­fall er­eig­net hat, ist es dem be­klag­ten Ver­ein ver­wehrt, nach fast zwei Jah­ren die­se Er­mah­nung wei­ter in der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin auf­zu­be­wah­ren.

Vor die­sem Hin­ter­grund be­steht im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kein An­lass, zur prak­ti­schen Kon­kor­danz der wech­sel­sei­ti­gen Grund­rech­te und Glau­bens­ein­stel­lun­gen de­tail­liert Stel­lung zu neh­men. In­so­weit ist die Sach- und Rechts­la­ge mit den Par­tei­en im Ter­min am 30.06.2009 erörtert wor­den. So­fern die Par­tei­en in die­ser Fra­ge ei­ner grund­le­gen­den Klärung zu führen woll­ten, wäre es an der Zeit, ent­we­der ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ei­ni­gung darüber zu er­zie­len, in­wie­weit die Kläge­rin sich auf die so­ge­nann­te "Ne­ga­tiv­lis­te" vom 25.03.1996 be­ru­fen kann. Falls hierüber kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wer­den kann, müss­te ge­ge­be­nen­falls ar­beits­ge­richt­lich geklärt wer­den, ob die­se Ne­ga­tiv­lis­te Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en ge­wor­den ist. Auch zu die­ser Fra­ge hat die Kam­mer Hin­wei­se er­teilt.

Da die Kam­mer dem Haupt­an­trag statt­ge­ge­ben hat, ist der Hilfs­an­trag nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.

 

- 17 - 

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. Der be­klag­te Ver­ein hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, da er un­ter­le­gen ist.

IV.

Die Re­vi­si­on nach § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen, sind nicht er­sicht­lich. Das er­ken­nen­de Ge­richt ist der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ge­folgt, auch bezüglich der Jus­ti­zia­bi­lität ei­ner "miss­bil­li­gen­der Äußerung" des Ar­beit­ge­bers, die in die Per­so­nal­ak­te auf­ge­nom­men wird. Ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge mit grundsätz­li­cher Be­deu­tung liegt nicht vor.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist für die kla­gen­de Par­tei ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.

Ge­gen die­ses Ur­teil ist für die be­klag­te Par­tei man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung die Re­vi­si­on nicht statt­haft, § 72 Abs. 1 ArbGG. We­gen der Möglich­keit, die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on selbständig durch Be­schwer­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt, Fax-Nr. 0361/2636-2000 an­zu­fech­ten, wird die be­klag­te Par­tei auf die An­for­de­run­gen des § 72 a ArbGG ver­wie­sen.

 

Kle­ve­man 

Vol­ken­rath 

Löcke

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 19 Sa 383/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880