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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Personalakte, Abmahnung: Entfernung aus Personalakte, Ermahnung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 310/80
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.08.1982
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 5.05.1980, 23 Sa 207/80
Arbeitsgericht Wesel, Urteil vom 15.11.1979, 2 Ca 1403/79
   


5 AZR 310/80
23 Sa 207/80 Düssel­dorf


Verkündet am

18. Au­gust 1982

Schar­tel,
An­ge­stell­ter
als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le 

Im Na­men des Vol­kes!

Ur­teil

 

In Sa­chen

PP.

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. Au­gust 1982 durch den Rich­ter Dr. Heit­her als Vor­sit­zen­den, die Rich­te­rin Mi­chels-Holl und den Rich­ter Schnei­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hal­ber­stadt und Fi­scher für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 5. Mai 1980 - 23 Sa 207/80 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts We­sel vom 15. No­vem­ber 1979 - 2 Ca 1403/79 - ab­geändert:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Ak­ten­no­tiz vom 23. Fe­bru­ar 1979 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!



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Tat­be­stand:

Die Kläge­rin ver­langt von der Be­klag­ten die Ent­fer­nung ei­ner Ak­ten­no­tiz aus ih­rer Per­so­nal­ak­te.


Die Kläge­rin ist seit 16 Jah­ren bei der Be­klag­ten beschäftigt und übt seit sechs Jah­ren die Kas­sen­auf­sicht aus. Sie ist Mit­glied des Be­triebs­rats. Un­ter dem 12. Sep­tem­ber 1978 er­teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin ei­ne schrift­li­che Rüge, die sie zu der Per­so­nal­ak­te nahm. Die Kläge­rin ver­lang­te Ent­fer­nung der Rüge und er­hob Kla­ge. Im Güte­ter­min erklärte sich der Be­klag­ten­ver­tre­ter be­reit, die Rüge aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen; gleich­zei­tig kündig­te er an, er wer­de die An­ge­le­gen­heit in ei­nem Ak­ten­ver­merk fest­hal­ten. Dar­auf­hin nahm die Kläge­rin die Kla­ge zurück. Un­ter dem 23. Fe­bru­ar 1979 fer­tig­te der Per­so­nal­lei­ter der Be­klag­ten ei­ne Ak­ten­no­tiz und fügte sie der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin bei. Die Ak­ten­no­tiz hat fol­gen­den Wort­laut:


"Ak­ten­no­tiz
Im Som­mer 1978 kon­trol­lier­te ich die Kas­senstürze von Frau W für Mo­nat Ju­ni und Ju­li. Die in die­sen Mo­na­ten er­brach­te An­zahl von 3,5 bis 3,6 Stürzen im Ta­ges­durch­schnitt er­schien mir nicht aus­rei­chend. Da es bezüglich der An­zahl von Kas­senstürzen kei­ne Vor­schrif­ten gibt, bat ich Frau W mir täglich ih­re Kas­sen­sturz­klad­den vor­zu­le­gen. Ab die­sem Ter­min hat­te Frau W bis zum Fest­stel­lungs­zeit­punkt ei­nen Schnitt von 8,6 Kas­senstürzen täglich.

Da Kas­senstürze ei­nen we­sent­li­chen Teil in der Ar­beit von Kas­sen­auf­sich­ten dar­stel­len und Rück­schlüsse auf de­ren Ar­beits­wei­se zu-
las­sen, bat ich Frau W den ab Au­gust von ihr ge­zeig­ten Leis­tungs­tan­dard bei­zu­be­hal­ten.

Da Frau W Be­triebs­rats­mit­glied ist, be­ab­sich­ti­ge ich, mit der zunächst ver­faßten War­nung vom 1.9.1978 den Be­triebs­rat mit in die Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Der Be­triebs­rat lehn­te ei­ne Un­ter­schrift un­ter ei­ne War­nung ab, so daß ich die Ak­ten­no­tiz als Rüge for­mu­lier­te (12.09.).


Zu der Kas­sen­sturz­kon­trol­le wur­de ich un­ter an­de­rem auch we­gen der sich in den Mo­na­ten vor der Kon­trol­le häufen­den Kla­gen ih­rer Kol­le­gin­nen ge­zwun­gen, daß sich Frau W


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nicht mehr genügend als Kas­sen­auf­sicht ein­set­zen würde.

Frau W war mit der Rüge in ih­rer Per­so­nal­ak­te nicht ein­ver­stan­den. Sie war der An­sicht, daß sie sich stets voll ein­ge­setzt ha­be und sie fühl­te sich zu Un­recht gerügt. Des­halb bat sie um die Ent­fer­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te.

Zunächst er­hielt ich ein Schrei­ben vom 28.11.78 vom HBV-Vor­stand, Herrn D in wel­chem ich auf­ge­for­dert wur­de, die Rüge aus der Ak­te zu ent­fer­nen. Das tat ich nicht. Wir ent­fern­ten le­dig­lich ei­ne wei­te­re Rüge an Frau W we­gen Ge­werk­schafts­be­such in ei­ge­ner Sa­che während der Ar­beits­zeit, da hier die or­dent­li­che Be­weisführung in ei­nem mögli­chen Pro­zeß nicht ge­ge­ben war.

Nach­dem Frau W ei­ne Ent­fer­nung der Rüge aus der Per­so­nal­ak­te auf gütli­chem We­ge nicht er­reich­te, er­hob sie Kla­ge vor dem Ar­beits-ge­richt We­sel.


Ob­wohl ich in der Güte­ver­hand­lung vom 19.02. erklärt hat­te, daß die Ab­mah­nung nach 15 Mo­na­ten aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt würde, daß je­der­zeit ei­ne schrift­li­che Ge­gen­dar­stel­lung möglich sei, daß ich un­ter Umständen auch be­reit sei, Tei­le der Ab­mah­nung ab­zuändern, ver­lang­te Frau W ei­ne kom­pro­mißlo­se Ent­fer­nung der Rüge aus der Ak­te. Um zu ver­hin­dern, daß we­gen die­ser we­nig ge­wich­ti­gen Rüge ein um­fang­rei­cher Pro­zeß geführt würde, in dem so­wohl die Kol­le­gin­nen als auch der Be­triebs­rat als Zeu­gen hätten aus­sa­gen müssen, ha­be ich trotz der Hin­wei­se des Rich­ters an die Ge­gen­sei­te, daß die­se den Pro­zeß wahr­schein­lich ver­lie­ren würde, erklärt, die Rüge aus der Ak­te zu ent­fer­nen, aber gleich­zei­tig an­gekündigt, die An­ge­le­gen­heit in ei­nem Ak­ten­ver­merk fest­zu­hal­ten."


Die Kläge­rin hat die Auf­fa­sung ver­tre­ten, bei der Ak­ten­no­tiz han­de­le es sich um ei­ne Rüge in ver­schlei­er­ter Form, die ei­ne greif­ba­re Ge­fahr für ihr be­ruf­li­ches Fort­kom­men dar­stel­le und da­her ei­nen fort­dau­ern­den Ein­griff in ih­re Rechts­sphäre be­deu­te. Sie hat be­haup­tet, die in der Rüge er­ho­be­nen Vorwürfe sei­en un­be­gründet.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Ak­ten­no­tiz vom 23. Fe­bru­ar 1979 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

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Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ak­ten­no­tiz sei nicht als Rüge, Ab­mah­nung oder Ver­war­nung an­zu­se­hen; es han­de­le sich da­bei le­dig­lich um ei­ne bloße Gedächt­nisstütze, von der kein fort­dau­ern­der Ein­griff in die Rechts­sphäre der Kläge­rin aus­ge­he.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung der Kläge­rin blieb er­folg­los. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Kla­ge­an­trag wei­ter.


Ent­schei­dungs­gründe:

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Kläge­rin kann ver­lan­gen, daß die Be­klag­te die Ak­ten­no­tiz vom 23. Fe­bru­ar 1979 aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt.

1. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der Ar­beit­neh­mer die Be­rech­ti­gung ei­ner mißbil­li­gen­den Äußerung durch den Ar­beit­ge­ber we­gen ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens ge­richt­lich nach­prüfen las­sen, so­fern die­se mißbil­li­gen­de Äußerung nach Form und In­halt ge­eig­net ist, ihn in sei­ner Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen (AP Nr. 84 zu § 611 BGB Fürsor­ge­pflicht, zu II 1 der Gründe; AP Nr. 2 zu § 87 Be­trVG 1972 Be­triebs­buße, zu II der Gründe; AP Nr. 3 zu § 87 Be­trVG 1972 Be­triebs­buße, zu I der Gründe).

a) Zu den auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­ren Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers gehören in ers­ter Li­nie die zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­nen schrift­li­chen Ab­mah­nun­gen. Denn bei die­sen ist nicht aus­zu­sch­ließen, daß sie, so­fern sie un­be­rech­tigt sind, später das be­ruf­li­che Fort­kom­men des Ar­beit­neh­mers be­hin­dern oder an­de­re sei­ne Rechts­stel­lung be­ein­träch­ti­gen­de ar­beits­recht­li­che Maßnah­men zur Fol­ge ha­ben (BAG aa0). Ei­ne Ab­mah­nung liegt im­mer dann vor, wenn der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer deut­lich er­mahnt und ihn auf­for­dert, ein ge­nau be­zeich­ne­tes Fehl­ver­hal­ten zu ändern und auf­zu­ge­ben (BAG AP Nr. 3 zu § 1 KSchG 1969 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung, zu 2 a der Gründe mit wei­te­ren Nach­wei­sen).


b) Aber auch an­de­re schrift­li­che Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die die Leis­tung oder das Ver­hal­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers rügen, kann der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Kla­ge an­grei­fen.
 


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Nach­prüfbar sind die mißbil­li­gen­den Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die nach Form oder In­halt den Ar­beit­neh­mer in sei­ner Rechts­stel­lung be­ein­träch­ti­gen können (BAG AP Nr. 84 zu § 611 BGB Fürsor­ge­pflicht, zu II 1 der Gründe). Be­ein­träch­tigt wird die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers dann, wenn ei­ne zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­ne mißbil­li­gen­de Äüßerung, so­fern sie un­be­rech­tigt ist, die Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers ab­ge­ben und da­durch sein be­ruf­li­ches Fort­kom­men be­hin­dern kann. Sie ist da­her, auch wenn sie den Ar­beit­neh­mer nicht aus­drück­lich er­mahnt, sein Fehl­ver­hal­ten zu ändern oder auf­zu­ge­ben, wie ei­ne Ab­mah­nung ge­richt­lich nach­prüfbar.

2. Bei der Ak­ten­no­tiz vom 23. Fe­bru­ar 1979 han­delt es sich um ei­ne sol­che auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­re mißbil­li­gen­de Äußerung. Das hat das Be­ru­fungs­ge­richt ver­kannt.


a) Ent­ge­gen der von dem Be­ru­fungs­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kommt es nicht dar­auf an, wie die mißbil­li­gen­de Äußerung vom Ar­beit­ge­ber be­zeich­net ist. Maßgeb­lich ist viel­mehr, wel­chen In­halt die Äußerung hat und ob sie nach Form und In­halt ge­eig­net ist, die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers zu be­ein­träch­ti­gen.


b) Ih­rem In­halt nach enthält die Ak­ten­no­tiz ei­ne Rüge. Zu Un­recht nimmt das Be­ru­fungs­ge­richt an, die Ak­ten­no­tiz ge­be le­dig­lich die Vorgänge wie­der, die zu der Ak­ten­no­tiz geführt ha­ben. In der Ak­ten­no­tiz wer­den viel­mehr die Vorgänge, die zu der ursprüng­li­chen Rüge geführt hat­ten, wie­der­holt. Aus ihr geht mit al­ler Deut­lich­keit her­vor, daß die Kläge­rin in den Mo­na­ten Ju­ni und Ju­li 1978 nach Auf­fas­sung der Per­so­nal­lei­tung der Be­klag­ten ei­ne un­zu­rei­chen­de Ar­beits­leis­tung er­bracht hat. Die­ser Vor­wurf wird in der Ak­ten­no­tiz auch nicht et­wa zurück­ge­nom­men. Denn es heißt wei­ter, die ursprüng­lich we­gen die­ser Vorfälle er­ho­be­ne Rüge wer­de des­we­gen aus der Ak­te ent­fernt, um ei­nen um­fang­rei­chen Pro­zeß zu ver­mei­den, in dem die Kol­le­gin­nen der Kläge­rin und der Be­triebs­rat als Zeu­gen hätten gehört wer­den müssen. Aus dem In­halt der Ak­ten­no­tiz ist da­her zu fol­gern, daß die Be­klag­te die Vorwürfe, die sie ge­gen die Kläge­rin er­ho­ben hat, in die­ser Form auf-recht­hal­ten will.
 


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c) Un­zu­tref­fend geht das Be­ru­fungs­ge­richt da­von aus, daß die Ak­ten­no­tiz auch die ge­gen­tei­li­ge Sach­dar­stel­lung der Kläge­rin ent­hal­te. Von der Kläge­rin wird in der Ak­ten­no­tiz nur be­rich­tet, daß sie mit der Rüge nicht ein­ver­stan­den ge­we­sen sei, und daß sie die An­sicht ver­tre­ten ha­be, sie ha­be sich stets voll ein­ge­setzt. Die Kläge­rin hat­te die Un­ter­schie­de in der Zahl der Kas­senstürze im Ju­ni/Ju­li 1978 ei­ner­seits und im Au­gust 1978 an­de­rer­seits da­mit erklärt, daß sie als Be­triebs­rats­mit­glied und Mit­glied meh­re­rer Ausschüsse des Be­triebs­rats des öfte­ren Be­triebs­rats­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men hat­te, die sie zeit­lich nicht ha­be vor­aus­pla­nen können. Ein Ver­gleich der An­zahl der Kas­senstürze mit an­de­ren Kol­le­gin­nen sei des­halb un­zulässig. Tatsächlich ha­be sie des­halb im Au­gust ih­re Auf­ga­ben als Mit­glied des Be­triebs­rats nur auf Drängen der Be­klag­ten zurück­ge­stellt. Die­ses Vor­brin­gen der Kläge­rin, das für die be­haup­te­ten Leis­tungsmängel er­heb­lich sein könn­te und dem bei der Prüfung, ob die Rüge be­rech­tigt war, hätte nach­ge­gan­gen wer­den müssen, ist in der Ak­ten­no­tiz mit kei­nem Wort ent­hal­ten.

d) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat bei sei­ner Aus­le­gung der Ak­ten­no­tiz auch über­se­hen, wel­ches Ge­wicht der mißbil­li­gen­den Äußerung der Be­klag­ten al­lein schon da­durch zu­kommt, daß der Vor­gang auf dem Weg über die Ak­ten­no­tiz zu der Per­so­nal­ak­te ge­langt ist. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat sich nicht mit dem Zweck der Per­so­nal­ak­ten be­faßt. Sie sol­len ein möglichst vollständi­ges, wahr­heits­gemäßes und sorgfälti­ges Bild über die persönli­chen und dienst­li­chen Verhält­nis­se des Mit­ar­bei­ters ge­ben (zum öffent­li­chen Dienst vgl. BAG AP Nr. 83 zu § 611 BGB Fürsor­ge­pflicht, zu II 2 der Gründe mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Mit die­sem Zweck der Per­so­nal­ak­te verträgt sich kei­ne Be­an­stan­dung des Ar­beit­ge­bers, die sach­lich un­zu­tref­fend ist.


e) Sch­ließlich kommt es - ent­ge­gen der Mei­nung des Be­ru­fungs­ge­richts - auch nicht dar­auf an, ob sich die Be­klag­te bei späte­ren Per­so­nal­ent­schei­dun­gen dar­auf be­ru­fen könn­te, daß die Kläge­rin in den Mo­na­ten Ju­ni und Ju­li 1978 ih­re ar­beits-
 


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ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt ha­be. Al­lein ent­schei­dend ist, ob die­se Dar­stel­lung die Ge­fahr ei­ner fal­schen Be­ur­tei­lung in sich birgt. Das ist aber der Fall, wenn "Gedächt­nisstützen", die sich in­halt­lich nicht von ei­ner Rüge un­ter­schei­den, zu der Per­so­nal­ak­te ge­nom­men wer­den.

f) Der An­spruch der Kläge­rin auf Ent­fer­nung der Ak­ten­no­tiz aus der Per­so­nal­ak­te entfällt auch nicht schon des­halb, weil die Be­klag­te in der Per­so­nal­ak­te ei­nen Hin­weis auf die Pro­zeßak­te an­brin­gen oder die Pro­zeßak­te zu der Per­so­nal­ak­te neh­men durf­te. Ob dies recht­lich zulässig ist, kann der Se­nat of­fen­las­sen. Aus der vollständi­gen Pro­zeßak­te könn­te in je­dem Fall das Vor­brin­gen bei­der Par­tei­en ent­nom­men und da­nach be­ur­teilt wer­den, ob die Be­klag­te ih­re Vorwürfe auf­recht­er­hal­ten kann oder nicht.

g) Die Sach­la­ge ist auch nicht des­halb an­ders zu be­ur­tei­len, weil der Kläge­rin bei Rück­nah­me der Kla­ge be­kannt war, daß die Be­klag­te nun­mehr an­stel­le der ursprüng­li­chen Rüge ei­ne Ak­ten­no­tiz fer­ti­gen wer­de. Der Kläge­rin war bei Rück­nah­me der Kla­ge nicht be­kannt, wel­chen In­halt die­se Ak­ten­no­tiz ha­ben soll­te. Nach Rück­nah­me der Rüge durch die Be­klag­te konn­te sie nicht da­von aus­ge­hen, daß die Be­klag­te die in der ursprüng­li­chen Rüge ge­mach­ten Vorwürfe in der Ak­ten­no­tiz auf­recht­er­hal­ten wer­de.


h) Die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, die Ak­ten­no­tiz sei nicht ge­eig­ne­te die Kläge­rin in ih­rer Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen, läßt sich im Hin­blick auf die auf­ge­zeig­ten Rechts-feh­ler und Fehl­schlüsse da­her nicht auf­recht­er­hal­ten.

3. Die­se mißbil­li­gen­de Äußerung muß die Be­klag­te aus der Per­so­nal­ak­te ent­fer­nen. Das kann der Se­nat ab­sch­ließend ent­schei­den. Ei­ner Sach­aufklärung darüber, ob die Vorwürfe be­rech­tigt wa­ren, be­darf es nicht. Die Be­klag­te hat in dem Vor­pro­zeß, in dem die Kläge­rin Ent­fer­nung der Rüge aus der Per­so­nal­ak­te be­gehrt hat­te, erklärt, sie neh­me die Rüge zurück. Hier­mit hat sie zu er­ken­nen ge­ge­ben, daß sie den Vor­wurf, die Kläge­rin ha­be im Ju­ni und Ju­li 1978 un­zu­rei­chend ge­ar­bei­tet, nicht mehr auf­recht­er­hal­ten will. Sie kann da­her

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in ei­ner er­neut er­ho­be­nen Rüge nicht wie­der auf die­se Vorwürfe zurück­grei­fen.

Dr. Heit­her 

Mi­chels-Holl 

Schnei­der

Hal­ber­stadt 

Fi­scher

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