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Was tun bei Ab­mah­nung?

Was Sie tun und was Sie bes­ser las­sen soll­ten, wenn Sie ei­ne Ab­mah­nung von Ih­rem Ar­beit­ge­ber er­hal­ten ha­ben: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Wer als Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­mah­nung er­hält, hat ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, dar­auf zu re­agie­ren.

So kann man z.B. ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung bzw. ei­nen Wi­der­spruch zu Per­so­nal­ak­te rei­chen. Gleich­zei­tig oder an­stel­le des­sen kann man auch den Be­triebs- oder Per­so­nal­rat ein­schal­ten, d.h. sich bei ihm we­gen der Ab­mah­nung be­schwe­ren.

Schließ­lich kann man auch ver­su­chen, den Ar­beit­ge­ber zur Rück­nah­me der Ab­mah­nung zu be­we­gen, not­falls durch ei­ne ar­beits­ge­richt­li­che Kla­ge mit dem Ziel, dass der Ar­beit­ge­ber zur Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ver­ur­teilt wird.

Ab­ge­mahn­te Ar­beit­neh­mer soll­ten aber nicht nur die­se eher for­mal-ju­ris­ti­schen Mög­lich­kei­ten im Au­ge be­hal­ten, son­dern auch rein prak­ti­sche Din­ge be­den­ken wie z.B. die Si­che­rung von Be­weis­mit­teln oder auch schlicht die Mög­lich­keit, sich "ge­sichts­wah­rend" zu ent­schul­di­gen.

Im fol­gen­den fin­den Sie zehn Tipps, die Sie als Ar­beit­neh­mer im Fal­le ei­ner Ab­mah­nung be­ach­ten soll­ten.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

1. Vermeiden Sie eine spontane Rechtfertigung im Gespräch

Vie­le Ar­beit­ge­ber ver­bin­den die Überg­a­be ei­ner schrift­li­chen Ab­mah­nung mit ei­nem Gespräch, in dem sie die Vorwürfe, die in der Ab­mah­nung ent­hal­ten sind, dem Ar­beit­neh­mer noch ein­mal münd­lich erläutern.

Hier soll­ten Sie als ab­ge­mahn­ter Ar­beit­neh­mer am bes­ten erst ein­mal gar nichts sa­gen. Und schon gar nicht soll­ten Sie ver­su­chen, sich aus dem Steh­greif zu recht­fer­ti­gen.

Denn wenn sich der Ar­beit­ge­ber schon die Mühe macht, Ih­nen ei­ne schrift­li­che Ab­mah­nung zu er­tei­len, soll­ten auch Sie ge­nug Zeit ha­ben, sich das al­les in Ru­he durch den Kopf ge­hen zu las­sen.

Ei­ne Ab­mah­nung soll­ten Sie ent­ge­gen­neh­men wie ja­pa­ni­sche Geschäfts­leu­te ei­ne Vi­si­ten­kar­te: Mit bei­den Händen an sich neh­men, dann in Ru­he le­sen und schließlich höflich lächeln.

2. Geben Sie keine übereilte schriftliche Stellungnahme ab

Oft er­tei­len Ar­beit­ge­ber ei­ne Ab­mah­nung und for­dern den Ar­beit­neh­mer zu­gleich auf, zu der Ab­mah­nung Stel­lung zu neh­men, und zwar schrift­lich bzw. per E-Mail. Manch­mal wird die­se Auf­for­de­rung zur Stel­lung­nah­me so­gar mit ei­ner Frist­set­zung ver­bun­den, d.h. der Ar­beit­neh­mer soll in­ner­halb von drei oder fünf Ta­gen Stel­lung neh­men.

Zu ei­ner sol­chen Kom­men­tie­rung der Ab­mah­nung sind Sie als ab­ge­mahn­ter Ar­beit­neh­mer aber nicht ver­pflich­tet. Und in den al­ler­meis­ten Fällen ist ei­ne übe­reil­te Stel­lung­nah­me auf Drängen des Ar­beit­ge­bers auch nicht zu emp­feh­len.

3. Bestätigen Sie nicht auf der Abmahnung, dass die Vorwürfe berechtigt sind

So dumm es klingt, aber es kommt im­mer wie­der vor, dass sich Ar­beit­ge­ber nicht nur die Überg­a­be ei­nes Ab­mah­nungs­schrei­bens quit­tie­ren las­sen, son­dern dass sie bei die­ser Ge­le­gen­heit den Ar­beit­neh­mer auch da­zu brin­gen wol­len, die Rich­tig­keit der Vorwürfe zu bestäti­gen.

Ei­ne sol­che Erklärung soll­te man selbst­verständ­lich nicht ab­ge­ben. Und natürlich ist man da­zu auch nicht ver­pflich­tet.

4. Finden Sie heraus, was an den Vorwürfen dran ist

Wer ab­ge­mahnt wird, z.B. weil er an­geb­lich sei­ne Ar­beit nicht ter­min­ge­recht er­le­digt hat, wird oft Ar­beitsüber­las­tung ein­wen­den. Ob zu­recht oder zu Un­recht, hängt aber von vie­len Ein­zel­hei­ten ab. Und die las­sen sich ein oder zwei Jah­re später meist nicht mehr aufklären.

Da­ge­gen hat der Chef leich­tes Spiel: Er er­teilt ein­fach ei­ne Ar­beits­an­wei­sung per E-Mail mit kur­zer Frist­set­zung, z.B. bis mor­gen abend um 18:00 Uhr, und wenn die Auf­ga­be bis da­hin nicht er­le­digt ist, folgt prompt die Ab­mah­nung. Und die ist für ei­nen Außen­ste­hen­den, z.B. für ei­nen Rich­ter, auf den ers­ten Blick nach­voll­zieh­bar. 

In sol­chen Si­tua­tio­nen emp­fiehlt es sich für den ab­ge­mahn­ten Ar­beit­neh­mer, die gleich­zei­tig noch zu er­le­di­gen­den wei­te­ren Ar­beits­auf­ga­ben zu do­ku­men­tie­ren, mit Kol­le­gen über ei­nen mögli­cher­wei­se ge­ge­be­nen Per­so­nal­eng­pass zu spre­chen (Krank­heit oder Ur­laub ei­nes Kol­le­gen?) und das Er­geb­nis die­ser Be­spre­chun­gen schrift­lich fest­zu­hal­ten.

Be­drängen Sie Ih­re Kol­le­gen nicht, sol­che Gesprächs­pro­to­kol­le zu un­ter­schrei­ben. Ge­hen Sie die­se Pro­to­kol­le bes­ser mit dem je­wei­li­gen Kol­le­gen Punkt für Punkt durch, und wenn Ihr Pro­to­koll die Sicht­wei­se des Kol­le­gen rich­tig wie­der­gibt, schrei­ben Sie das mit Da­tum und Uhr­zeit un­ter das Pro­to­koll.

5. Überlegen Sie sich, ob Sie sich „gesichtswahrend“ entschuldigen sollten

Oft ist un­klar, ob die Ab­mah­nung be­rech­tigt war oder nicht. Oder ei­ne Ab­mah­nung ist zwar an sich be­rech­tigt, aber übe­r­aus klein­lich.

Dann können Sie als ab­ge­mahn­ter Ar­beit­neh­mer die an­ge­spann­te Ar­beits­at­mo­sphäre ent­las­ten, in­dem Sie sich mit Ein­schränkun­gen, d.h. „un­ter Vor­be­halt“ ent­schul­di­gen.

So könn­ten Sie sich z.B., falls Sie we­gen an­geb­lich un­rich­ti­gen Ver­hal­tens ge­genüber ei­nem Kun­den ab­ge­mahnt wor­den sind, so ent­schul­di­gen:

„Ich kann mich an den Vor­fall jetzt nicht in al­len Ein­zel­hei­ten er­in­nern. Aber falls ich den Kun­den XY zu spät kon­tak­tiert ha­ben soll­te / falls ich unhöflich ge­we­sen sein soll­te / falls ich ihm un­rich­ti­ge Zah­len mit­ge­teilt ha­ben soll­te, so tut mir das leid und möch­te mich dafür ent­schul­di­gen.“

6. Lassen Sie die Abmahnung durch einen Anwalt überprüfen

Auch wenn Sie schon ge­nau wis­sen, was Sie von der Ab­mah­nung hal­ten sol­len: Es ist im­mer gut, die Mei­nung ei­nes ar­beits­recht­lich spe­zia­li­sier­ten An­walts ein­zu­ho­len.

Denn wer ei­ne Ab­mah­nung aus­spricht, muss ei­ni­ge recht­li­che An­for­de­run­gen be­ach­ten, und dar­an schei­tern vie­le Ab­mah­nun­gen.

Und wenn sich z.B. auf­grund der an­walt­li­chen Über­prüfung ei­ner kon­kre­ten Ab­mah­nung her­aus­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber dar­aus kei­ne Rech­te her­lei­ten kann, ist nicht nur ei­ne Be­ru­hi­gung für Sie, son­dern auch ent­schei­dend für Ihr wei­te­res Vor­ge­hen.

7. Überlegen Sie sich, ob Sie eine Gegendarstellung abgeben wollen oder besser nicht

Sie ha­ben ein ge­setz­li­ches Recht dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne von Ih­nen ver­fass­te Ge­gen­dar­stel­lung zur Per­so­nal­ak­te nimmt. Ob ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung klug ist, ist ei­ne an­de­re Fra­ge.

Im öffent­li­chen Dienst soll­te man in den meis­ten Fällen ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung ab­ge­ben, da öffent­li­che Ar­beit­ge­ber in al­ler Re­gel mit Ab­mah­nun­gen nicht ziel­ge­rich­tet Kündi­gun­gen vor­be­rei­ten.

In der Pri­vat­wirt­schaft kommt das aber öfter vor, d.h. man muss da­mit rech­nen, dass die Ab­mah­nung nur der ers­te Schritt hin zur Kündi­gung ist (die der Ar­beit­ge­ber viel­leicht so­gar schon fest ein­ge­plant hat).

Dann hängt die Wirk­sam­keit ei­ner späte­ren ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung von der Be­rech­ti­gung der Ab­mah­nung ab, und wer hier dem Ar­beit­ge­ber zu­ar­bei­tet, in­dem er ihn noch vor Aus­spruch der Kündi­gung auf die Mängel sei­ner Ab­mah­nung auf­merk­sam macht, verhält sich un­klug.

Ein­zel­hei­ten hier­zu fin­den Sie auf die­ser Web­sei­te un­ter "Ab­mah­nung und Rechts­schutz".

8. Schließen Sie eine Rechtsschutzversicherung ab

Ei­ne Ab­mah­nung kommt sel­ten al­lein. Oft fol­gen auf die ers­te Ab­mah­nung wei­te­re oder gar ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung.

In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on ist es be­ru­hi­gend, ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung zu ha­ben. Ein Pro­zess mit dem Ziel, dass ei­ne Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt wird, muss zwar nicht von der Rechts­schutz­ver­si­che­rung be­zahlt wer­den, wenn die Ver­si­che­rung erst nach Aus­spruch der Ab­mah­nung ab­ge­schlos­sen wur­de, denn dann han­delt es sich um ei­nen sog. „Vor­ver­si­che­rungs­fall“.

Aber wei­te­re Ab­mah­nun­gen oder Kündi­gun­gen können nach Ab­lauf der drei­mo­na­ti­gen War­te­zeit durch­aus un­ter den Ver­si­che­rungs­schutz fal­len.

9. Überlegen Sie sich, ob Sie gegen die Abmahnung klagen wollen oder besser nicht

Vie­le An­walts­kanz­lei­en und vie­le Be­triebs- und Per­so­nalräte emp­feh­len, ge­gen Ab­mah­nun­gen zu kla­gen. Ob ei­ne sol­che Emp­feh­lung rich­tig oder falsch ist, kann man nicht all­ge­mein sa­gen.

In vie­len Fällen, vor al­lem im Be­reich der Pri­vat­wirt­schaft, ist die­se Emp­feh­lung falsch. Ein­zel­hei­ten hier­zu fin­den Sie auf die­ser Web­sei­te un­ter "Ab­mah­nung und Rechts­schutz".

Auch hier soll­ten Sie sich un­be­dingt an­walt­lich be­ra­ten las­sen, be­vor Sie vor Ge­richt zie­hen oder dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Kla­ge in Aus­sicht stel­len.

10. Überlegen Sie sich, ob Sie den Betriebsrat oder Personalrat einschalten wollen oder lieber nicht

Wenn es in Ih­rem Be­trieb ei­nen Be­triebs- oder Per­so­nal­rat gibt, können Sie sich mit der Ab­mah­nung an ihn wen­den und sich bei ihm be­schwe­ren.

Da­bei soll­ten Sie al­ler­dings be­ach­ten, dass es nicht zu den ge­setz­li­chen Auf­ga­ben be­trieb­li­cher Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen gehört, Rechts­be­ra­tung in ar­beits­ver­trag­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten zu er­tei­len (ob­wohl das vie­le Be­triebs- oder Per­so­nalräte tun).

Ob ein sol­cher Schritt klug oder un­klug ist, hängt we­ni­ger von recht­li­chen Din­gen ab als viel­mehr vom be­trieb­li­chen Hin­ter­grund der Ab­mah­nung.

Wenn zu ho­her Ar­beits­druck oder Or­ga­ni­sa­ti­onsmängel der Hin­ter­grund der Ab­mah­nung sind und wenn sich der Be­triebs- oder Per­so­nal­rat oh­ne­hin be­reits mit die­sen The­men beschäftigt, kann es sinn­voll sein, ihn ein­zu­schal­ten. Ein­zel­hei­ten hier­zu fin­den Sie auf die­ser Web­sei­te un­ter "Ab­mah­nung und Rechts­schutz".

Wo finden Sie mehr zum Thema Abmahnung?

 

Letzte Überarbeitung: 10. Juni 2014

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