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Ab­ord­nung und Ver­set­zung von Wach­leu­ten im Bun­des­dienst

Wach­mann der Sta­si­un­ter­la­gen­be­hör­de wehrt sich ver­geb­lich ge­gen sei­ne Ab­ord­nung zum Bun­des­ver­wal­tungs­amt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.09.2014, 15 Sa­Ga 1468/14

12.09.2014. Der Ar­beit­ge­ber kann dem Ar­beit­neh­mer nach sei­nem Er­mes­sen ein­sei­tig, d.h. oh­ne Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers, wech­seln­de Ar­beits­auf­ga­ben zu­wei­sen (Wei­sungs­recht).

Das Wei­sungs­recht um­fasst nach § 106 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) ne­ben den Ar­beits­auf­ga­ben auch den Ort und die Zeit der Ar­beits­leis­tung. Ei­ne Wei­sung kann da­her auch ei­ne Ver­set­zung an ei­nen an­de­ren Ar­beits­ort be­inhal­ten.

Ist der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Wei­sung nicht ein­ver­stan­den und zieht vor Ge­richt mit dem Ziel, sei­ne bis­he­ri­gen Auf­ga­ben und/oder sei­nen bis­he­ri­gen Ar­beits­platz zu be­hal­ten, kommt es dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber bei sei­ner Wei­sung die In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt hat und ob er die Gren­zen sei­nes Er­mes­sens ein­ge­hal­ten hat, d.h. mit sei­ner Wei­sung nicht ge­gen Ge­set­ze, Ta­ri­fe oder den Ar­beits­ver­trag ver­stößt.

In ei­nem vor­ges­tern ent­schie­de­nen Fall hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ein Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin be­stä­tigt, mit dem das Ar­beits­ge­richt den An­trag ei­nes Wach­man­nes auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zu­rück­ge­wie­sen hat­te (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.09.2014, 15 Sa­Ga 1468/14).

Der Wach­mann war zu­letzt beim Bun­des­be­auf­trag­ten für die Un­ter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR ein­ge­setzt und wehr­te sich im ar­beits­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren - letzt­lich oh­ne Er­folg - da­ge­gen, dass er zum Bun­des­ver­wal­tungs­amt ab­ge­ord­net wor­den war.

Ei­ne Ab­ord­nung ist ge­mäß § 4 Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst (TVöD)

"die Zu­wei­sung ei­ner vor­über­ge­hen­den Be­schäf­ti­gung bei ei­ner an­de­ren Dienst­stel­le oder ei­nem an­de­ren Be­trieb des­sel­ben oder ei­nes an­de­ren Ar­beit­ge­bers un­ter Fort­set­zung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­hält­nis­ses".

An­ders als ei­ne Ver­set­zung ist ei­ne Ab­ord­nung nicht auf Dau­er be­stimmt, doch gibt es hier kei­ne kla­re zeit­li­che Gren­ze. Auch ei­ne Ab­ord­nung kann län­ger als drei Mo­na­te dau­ern, nur dass der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer dann vor­her zu hö­ren ist.

Hin­ter­grund der Ab­ord­nungs­ent­schei­dung in dem Ber­li­ner Streit­fall war ei­ne Vor­schrift um Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz, die dem Op­fer­schutz dient und vor­sieht, dass An­ge­hö­ri­ge des ehem. Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit (MfS) nicht beim Bun­des­be­auf­trag­ten ar­bei­ten sol­len. Die­ser Vor­schrift zu­fol­ge (§ 37a Satz 2 Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz) sind ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter des MfS

"ih­ren Fä­hig­kei­ten ent­spre­chend und un­ter Be­rück­sich­ti­gung so­zia­ler Be­lan­ge auf ei­nen gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz in­ner­halb der Bun­des­ver­wal­tung zu ver­set­zen, wenn ih­nen dies im Ein­zel­fall zu­mut­bar ist".

Un­ter Be­ru­fung auf die­se Vor­schrift war der Wach­mann von sei­ner bis­he­ri­gen Tä­tig­keit für den Sta­si­un­ter­la­gen-Be­auf­trag­ten ent­bun­den und zum Bun­des­ver­wal­tungs­amt ab­ge­ord­net wor­den, mit dem Ziel ei­ner dau­er­haf­ten Ver­set­zung.

An­schei­nend war der Wach­mann dem­zu­fol­ge frü­her ein­mal für das MfS tä­tig. Sein Ar­gu­ment: Die Ab­ord­nung kön­ne ihm nicht zu­ge­mu­tet wer­den, sie stig­ma­ti­sie­re ihn in der Öf­fent­lich­keit. Und über­haupt sei § 37a Satz 2 Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig.

Nach­dem das Ar­beits­ge­richt den Eil­an­trag mit der Be­grün­dung zu­rück­ge­wie­sen hat­te, die für den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung not­wen­di­ge be­son­de­re Eil­be­dürf­tig­keit lä­ge nicht vor, mein­te nun das LAG als Be­ru­fungs­ge­richt, dass es auf § 37a Satz 2 Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz gar nicht an­kommt. Denn der Dienst­herr konn­te sich hier bei sei­ner Ab­ord­nungs­ent­schei­dung ein­fach auf sein all­ge­mei­nes Wei­sungs­recht als Ar­beit­ge­ber stüt­zen, d.h. auf § 106 Ge­wO und auf § 4 TVöD, so das LAG Ber­lin-Bran­den­burg.

Da­her muss­te das LAG nichts zu der vom Klä­ger auf­ge­wor­fe­nen Fra­ge sa­gen, ob § 37a Satz 2 Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar ist oder nicht.

Fa­zit: Wä­re § 37a Satz 2 Sta­si­un­ter­la­gen­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig, wä­re der Dienst­herr hier im Streit­fall zu ei­ner Ver­set­zung ge­setz­lich nicht ver­pflich­tet. Dass ihm ei­ne sol­che Ver­set­zung recht­lich ver­bo­ten wä­re, wür­de dar­aus al­ler­dings nicht fol­gen. So oder so be­stä­tigt der vor­lie­gen­de Fall ein­mal wie­der, dass die Ar­beits­ge­rich­te das Wei­sungs­recht öf­fent­li­cher Ar­beit­ge­ber sehr groß schrei­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das LAG sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil des LAG fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 19. April 2015

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