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Äl­te­re Ar­beit­neh­mer ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat Zah­len für 2016 hin­sicht­lich be­rufs­tä­ti­ger Men­schen ge­ho­be­nen Al­ters prä­sen­tiert. Im­mer mehr Un­ter­neh­men wis­sen die Er­fah­rung zu schät­zen.
ältere Arbeitnehmerin am Computer im Büro, Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

12.07.2017. (dpa/wie) - Be­reits das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men PwC hat mit sei­nem "Gol­den Age In­dex" fest­ge­stellt, dass die Be­schäf­ti­gung äl­te­rer Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land zu­nimmt (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/173 Deut­li­che Ver­bes­se­rung bei der Be­schäf­ti­gung äl­te­rer Ar­beit­neh­mer). Da­bei wur­den die Zah­len aus dem Jahr 2015 aus­ge­wer­tet.

Nun hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt und Eu­ro­s­tat neue­re Da­ten aus dem ver­gan­ge­nen Jahr prä­sen­tiert. Dem­nach setzt sich der Trend fort.

Die Zahl der er­werbs­tä­ti­gen Deut­schen über 65 Jah­re lag in 2016 bei elf Pro­zent. Da­mit hat sich die Quo­te bin­nen zehn Jah­ren mehr als ver­dop­pelt (fünf Pro­zent in 2006). Er­fasst wur­den da­bei auch Mi­ni­job­ber, Selbst­stän­di­ge und be­zahl­te Eh­ren­äm­ter. In der Al­ters­grup­pe 55 bis 64 lag der ar­bei­ten­de An­teil laut Eu­ro­s­tat bei knapp 69 Pro­zent. PwC hat­te für das Jahr 2015 ei­ne Quo­te von 66 Pro­zent und für 2003 nur 39,3 Pro­zent er­rech­net.

Aus Ar­beit­ge­ber­sicht brin­gen äl­te­re Be­schäf­tig­te na­tür­lich ei­nen gro­ßen Er­fah­rungs­schatz in das Un­ter­neh­men ein. Be­son­ders in Bran­chen, die vom Fach­kräf­te­man­gel ge­beu­telt sind, wie das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be oder der Ma­schi­nen­bau, ver­sucht man die Ar­beits­kräf­te auch in ho­hem Al­ter zu hal­ten. "Äl­te­re Ar­beit­neh­mer ha­ben ein rie­si­ges Er­fah­rungs­wis­sen, das so schnell nicht zu er­set­zen ist", sagt Ru­dolf Kast, Chef des De­mo­gra­fie-Netz­werks und der Bot­schaf­ter der Initia­ti­ve Neue Qua­li­tät der Ar­beit (IN­QA).

Da­bei set­zen die Un­ter­neh­men laut ei­ner Stu­die des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) vor al­lem auf fle­xi­ble Ar­beits­zeit­mo­del­le bzw. ge­ne­rell kür­ze­re Ar­beits­zei­ten und Bil­dungs­an­ge­bo­te, um die An­ge­stell­ten vom Ar­bei­ten bis in das Ren­ten­al­ter hin­ein zu über­zeu­gen.

Aus Sicht der Ar­beit­neh­mer gibt es zwei Sei­ten der Me­dail­le. Auf der ei­nen Sei­te gibt es für vie­le Men­schen im Ren­ten­al­ter ei­ne fi­nan­zi­el­le Not­wen­dig­keit, ihr Ein­kom­men durch ei­nen Job auf­zu­bes­sern. Der De­sta­tis-Stu­die zu­fol­ge ist die Ar­beit für 37 Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen zwi­schen 65 und 74 die wich­tigs­te Ein­kom­mens­quel­le. "Aus un­se­rer Sicht be­le­gen die Zah­len er­neut, dass vie­le Men­schen im Ru­he­stand ar­bei­ten, weil sie mit ih­rer Ren­te kaum über die Run­den kom­men", kri­ti­siert die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK Deutsch­land, Ul­ri­ke Ma­scher.

Ma­scher gab al­ler­dings auch zu: "Die Grün­de, war­um Äl­te­re wei­ter ar­bei­ten, sind si­cher viel­fäl­tig." Das sieht auch Jür­gen Del­ler, Pro­fes­sor für Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie an der Leu­pha­na Uni­ver­si­tät Lü­ne­burg so. Al­lein die fi­nan­zi­el­len As­pek­te könn­ten den an­hal­ten­den Trend nicht er­klä­ren. "Für die meis­ten, die nach dem Ren­ten­al­ter wei­ter­ar­bei­ten, ist Ar­beit ein­fach po­si­tiv be­setzt", er­klär­te Del­ler. So­zia­le Kon­tak­te und das Ge­fühl ge­braucht zu wer­den spiel­ten ei­ne gro­ße Rol­le.

Laut Ru­dolf Kast könn­te sich der Trend fort­set­zen, so­lan­ge die Ar­beit­ge­ber mit­spie­len. "Noch ha­ben aber nicht al­le Un­ter­neh­men ver­stan­den, wie wert­voll äl­te­re Ar­beit­neh­mer und ihr Wis­sen sind", er­gänz­te er.


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Letzte Überarbeitung: 24. August 2017

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