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Wie Alt und Jung im Job har­mo­nie­ren

Al­ters­ge­misch­te Teams sind krea­ti­ver und in­no­va­ti­ver, sa­gen Ex­per­ten: Doch die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Jung und Alt ist nicht im­mer leicht. Häu­fig pral­len ganz ver­schie­de­ne An­sich­ten auf­ein­an­der. Wor­auf müs­sen Mit­ar­bei­ter ach­ten, da­mit die Team­ar­beit funk­tio­niert?

29.04.2013. (dpa) - Jun­ge Mit­ar­bei­ter punk­ten mit ak­tu­el­lem Fach­wis­sen und fri­schen Ide­en.

Die äl­te­ren Kol­le­gen ha­ben da­ge­gen die Er­fah­rung, um Pro­jek­te um­sich­tig pla­nen zu kön­nen.

Ar­bei­ten Jung und Alt im Team zu­sam­men, er­gän­zen sich im Ide­al­fall ih­re Fä­hig­kei­ten. Die Fol­ge sind oft bes­se­re Er­geb­nis­se, als wenn al­le Mit­ar­bei­ter im glei­chen Al­ter sind.

Zahl­rei­che Un­ter­neh­men ha­ben das be­reits er­kannt und set­zen auf Al­ters­viel­falt. Doch die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen ist nicht im­mer leicht.

"Je krea­ti­ver und in­no­va­ti­ver ein Ar­beits­be­reich ist, des­to sinn­vol­ler und auch ef­fek­ti­ver sind he­te­ro­ge­ne Teams", sagt Ami­na Özel­sel, Ar­beits­psy­cho­lo­gin in Ham­burg. Un­ter­schei­den sich Mit­ar­bei­ter hin­sicht­lich ih­res Al­ters, ih­res Ge­schlechts und ih­rer Kul­tur brin­ge das in ein Team ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven, Er­fah­run­gen und Qua­li­fi­ka­tio­nen.

Das hat auch das High­tech-Un­ter­neh­men Mi­cro­tec aus Bad Dürk­heim in Rhein­land-Pfalz er­kannt. Die Ge­schäfts­füh­rung setz­te nach der Grün­dung 1996 zu­nächst auf Teams mit ho­mo­ge­ner Al­ters­struk­tur - die meis­ten Mit­ar­bei­ter wa­ren zwi­schen 25 und 40 Jah­ren alt. Doch schnell stell­te die Fir­ma ganz ge­zielt äl­te­re In­ge­nieu­re und Meis­ter ein.

Die al­ters­ge­misch­ten Teams ent­pupp­ten sich als in­no­va­ti­ver. Das brach­te nicht nur wirt­schaft­li­chen Er­folg: 2012 zeich­ne­te die An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des das Un­ter­neh­men mit dem ers­ten Platz des Wett­be­werbs "Er­folg kennt kein Al­ter" aus.

Al­ler­dings ber­gen al­ters­ge­misch­te Teams auch ein enor­mes Rei­bungs­po­ten­zi­al, warnt Sven­ja Ho­fert, Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin in Ham­burg. Zu The­men wie Ar­beits­stil, Um­gangs­for­men oder Hier­ar­chie gibt es in den Ge­ne­ra­tio­nen oft ganz un­ter­schied­li­che An­sich­ten. Wäh­rend vie­le Jün­ge­re zum Bei­spiel ei­nen eher in­for­mel­len Ton pfle­gen, sind Äl­te­re es häu­fig förm­li­cher ge­wohnt.

"Na­tür­lich be­steht die Ge­fahr, dass sich die äl­te­ren Mit­ar­bei­ter von den jün­ge­ren an die Sei­te ge­drängt füh­len", sagt Theo Ber­g­au­er, Kar­rie­re­coach aus Wald­sas­sen in Bay­ern. Gleich­zei­tig hät­ten Jün­ge­re schnell den Ein­druck, dass sie von den Äl­te­ren aus­ge­bremst wer­den. Da­ge­gen hel­fe nur, dass je­der sein Ver­hal­ten kri­tisch selbst hin­ter­fragt.

Er rät er­fah­re­nen Mit­ar­bei­tern, sich nicht auf den schon ver­dien­ten Lor­bee­ren aus­zu­ru­hen. Für sie sei­en die fri­schen Ide­en der Jun­gen häu­fig ein­fach un­be­quem. "Da muss man sich schon aus sei­ner Kom­fort­zo­ne, in der man sich mög­li­cher­wei­se jahr­zehn­te­lang ein­ge­rich­tet hat, her­aus­be­we­gen", so Ber­g­au­er. Äl­te­re Ar­beit­neh­mer soll­ten sich fra­gen, was sie noch er­rei­chen wol­len und wie sie ih­re Qua­li­tä­ten ein­brin­gen kön­nen.

Ein Pro­blem sind für vie­le Jün­ge­re die hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren in Un­ter­neh­men, sagt Ho­fert. "Da sit­zen oft ein­ge­fleisch­te Al­pha-Tier­chen, die sich nicht ger­ne et­was von jün­ge­ren Kol­le­gen sa­gen las­sen", sagt sie. Wenn seit 30 Jah­ren die Platz­hir­sche in ei­nem Team sit­zen, kom­me ein jun­ger Kol­le­ge mit neu­en Ide­en häu­fig nicht wei­ter. Im schlimms­ten Fall hel­fe da nur, das Team zu wech­seln, lau­tet ihr Rat.

"Nass­forsch darf man als jun­ger Kol­le­ge na­tür­lich nicht auf­tre­ten", sagt Ber­g­au­er. Den­noch emp­fiehlt er jün­ge­ren Kol­le­gen, durch­aus be­stimmt zu sein. Wenn ein äl­te­rer Mit­ar­bei­ter sich et­wa wei­gert, ein neu­es Com­pu­ter­pro­gramm zu ler­nen und den Jün­ge­ren um Hil­fe bit­te, hel­fe nur ei­ne freund­li­che, aber ent­schie­de­ne Re­ak­ti­on. In so ei­nem Fall sei es gut, die Ar­beit ein­mal oder zwei­mal zu er­klä­ren - und dann den Äl­te­ren sich selbst zu über­las­sen.

Ar­beits­psy­cho­lo­gin Özel­sel sieht in al­ters­ge­misch­ten Teams die Ge­fahr der Grüpp­chen-Bil­dung: "Schnell tun sich da je­weils die Jün­ge­ren und die Äl­te­ren zu­sam­men", weiß sie. Das kann zwar schlecht für das Ar­beits­kli­ma sein, muss aber es aber nicht. Denn ob die Zu­sam­men­ar­beit ge­lingt, hängt vor al­lem da­von ab, wie viel To­le­ranz und Wert­schät­zung die Kol­le­gen ein­an­der ent­ge­gen­brin­gen: "Da­für muss man die Per­spek­ti­ve des an­de­ren als wert­voll an­se­hen und nicht als alt­mo­disch oder eben zu mo­dern ab­tun", sagt Ho­fert. Um so ei­ne Hal­tung soll­te sich je­der Kol­le­ge be­mü­hen.

Da­bei ist der Chef ge­fragt, so Ho­fert. Ob ein Kli­ma der To­le­ranz herrscht, hängt auch da­von ab, ob er die Mit­ar­bei­ter un­ter­schied­li­chen Al­ters gleich be­han­delt. Da­mit kein Neid ent­steht, soll­te er An­ge­bo­te wie Wei­ter­bil­dun­gen Mit­ar­bei­tern al­ler Al­ters­grup­pen glei­cher­ma­ßen an­bie­ten.

"Im Ide­al­fall lernt Jung von Alt und Alt von Jung, oh­ne die ei­ge­ne Per­spek­ti­ve als die ein­zig rich­ti­ge an­zu­se­hen", sagt Ber­g­au­er. Ein­fach sei das nicht, aber not­wen­dig, da­mit Fir­men auf in­no­va­ti­ve Ide­en kom­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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