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Streit um Zu­kunft der Ren­te - Ar­beit­ge­ber: Fi­nan­zen nicht rui­nie­ren

Wie gut soll es den Rent­nern von mor­gen ge­hen: Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber er­he­ben deut­li­che For­de­run­gen an die Po­li­tik - al­ler­dings mit völ­lig un­ter­schied­li­cher Stoß­rich­tung

01.08.2016. (dpa) - Mit ge­gen­sätz­li­chen For­de­run­gen zum künf­ti­gen Ren­ten­ni­veau hei­zen Spit­zen­ver­tre­ter von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern die Ren­ten­de­bat­te an.

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke poch­te ein­dring­lich auf ein hö­he­res Ab­si­che­rungs­ni­veau der Ren­te.

Der ein­fluss­rei­che Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall warn­te hin­ge­gen vor ei­ner teu­ren Ren­ten­re­form. 

"Es kann nicht sein, dass man nach jahr­zehn­te­lan­ger Ar­beit mit der Ren­te nicht an­stän­dig über die Run­den kommt", sag­te Bsirs­ke der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin. "Der zen­tra­le Stell­he­bel ist das ge­setz­li­che Ren­ten­ni­veau. Es muss sta­bi­li­siert und dann an­ge­ho­ben wer­den."

Na­tür­lich wer­de auch das Bei­trags­ni­veau an­ge­ho­ben wer­den müs­sen. "Die Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de und die Ver­si­che­rungs­wirt­schaft wer­den da­bei aus al­len Roh­ren da­ge­gen schie­ßen", sag­te Bsirs­ke. "Sie pro­fi­tie­ren von der ak­tu­el­len La­ge am meis­ten."

Nach der Som­mer­pau­se wol­len die Ge­werk­schaf­ten mit Kam­pa­gnen Druck für ein hö­he­res Ren­ten­ni­veau ma­chen. Der DGB will vor dem Bun­des­tags­wahl­kampf für ei­nen Kurs­wech­sel mo­bi­li­sie­ren. Die IG Me­tall hat be­reits im Ju­li ein ent­spre­chen­des Kon­zept vor­ge­legt.

Ge­samt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der sag­te der dpa: "For­de­run­gen der Ge­werk­schaf­ten nach ei­nem hö­he­ren Ren­ten­ni­veau kön­nen ei­ne brand­ge­fähr­li­che Dy­na­mik er­zeu­gen."

Das Ren­ten­ni­veau bis 2030 bei über 47 Pro­zent sta­bil zu hal­ten oder es so­gar auf 50 oder 53 Pro­zent an­zu­he­ben, "wür­de et­li­che Mil­li­ar­den kos­ten", sag­te Zan­der. "Die Volks­par­tei­en wer­den den Ver­trau­ens­ver­lust nicht durch Ren­ten­ge­schen­ke zur Bun­des­tags­wahl 2017 aus­glei­chen kön­nen, wenn da­mit zu­gleich Staats­fi­nan­zen und So­zi­al­kas­sen end­gül­tig rui­niert wer­den."

Zur­zeit liegt das Ren­ten­ni­veau - das Ver­hält­nis der Ren­te nach 45 Jah­ren Ar­beit zum Durch­schnitts­ein­kom­men - bei 47,7 Pro­zent. Bis 2030 soll es laut Pro­gno­sen auf et­was über 44 Pro­zent sin­ken.

Bei ei­ner "Rol­le rück­wärts" weg vom Kurs der Nach­hal­tig­keit bei der Ren­te "schie­ßen die Bei­trä­ge und Staats­aus­ga­ben durch die De­cke", warn­te Zan­der. "Für In­ves­ti­tio­nen, Bil­dung und Ge­sund­heit blie­be dann im­mer we­ni­ger üb­rig."

Bsirs­ke warn­te hin­ge­gen da­vor, dass Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer auf Hartz-IV-An­spruch im Al­ter zu­lie­fen. "Das ist ein ge­fähr­li­cher Spreng­satz", sag­te der Ver­di-Chef. 

Bun­des­so­zi­al­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) will im Herbst ein Ren­ten­kon­zept vor­le­gen. Zu­vor hat sie für Ok­to­ber Spit­zen­ver­tre­ter von Ar­beit­ge­bern, Ar­beit­neh­mern und So­zi­al­ver­bän­den zu ei­nem Dia­log zur ge­setz­li­chen Ren­te ein­ge­la­den. Der­zeit geht es in der Re­gie­rung auch hin und her we­gen ei­nes Ent­wurfs von Nah­les zur Ost-West-An­glei­chung bei der Ren­te. Un­ge­klärt ist un­ter an­de­rem, wer die Kos­ten tra­gen soll.

Zan­der räum­te "Re­form­be­darf bei der Ren­te" ein. Die ge­setz­li­che Ren­te sei de­mo­gra­fisch un­ter Druck. "Aber sie ist sta­bil und zu­min­dest bis 2030 ha­ben wir ei­ne ver­nünf­ti­ge Bei­trags­ent­wick­lung." Als "grund­sätz­lich po­si­tiv" wer­te­te er Re­form­über­le­gun­gen der Re­gie­rung zur Stär­kung der Be­triebs­ren­ten. "Die Bei­trä­ge für Be­triebs­ren­ten müs­sen in grö­ße­rem Um­fang steu­er– und ab­ga­ben­frei wer­den als ge­plant", for­der­te Zan­der al­ler­dings. "Sie soll­ten auch von So­zi­al­ab­ga­ben be­freit sein."

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Letzte Überarbeitung: 7. September 2016

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