Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

An­fech­tung ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags weil kein An­walt an­we­send war?

Ar­beit­neh­mer, die ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag un­ter­schrei­ben, müs­sen sich selbst um ei­nen An­walt küm­mern: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 09.06.2011, 15 Sa 410/11

31.01.2012. Mit ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag be­en­den Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber „ein­ver­nehm­lich“ das Ar­beits­ver­hält­nis. Prak­tisch sieht die­ses Ein­ver­neh­men aber oft so aus, dass der Ar­beit­neh­mer un­vor­be­rei­tet zu ei­nem Per­so­nal­ge­spräch ge­be­ten und dort - für ihn über­ra­schend - mit dem Vor­schlag ei­ner Ver­trags­be­en­di­gung kon­fron­tiert wird. Und da­bei kommt es auch oft vor, dass der Ar­beit­neh­mer mit Vor­wür­fen kon­fron­tiert wird, die An­lass für die Ver­trags­be­en­di­gung sind. Und da­bei wird er na­tür­lich zur Un­ter­schrift ge­drängt.

Ob­wohl sol­che Prak­ti­ken nicht ge­ra­de fair sind, sind die Auf­he­bungs­ver­trä­ge trotz­dem „was­ser­dicht“. So ent­schied z.B. das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer nicht von sich aus die Bei­zie­hung ei­nes An­walts er­mög­li­chen muss (Ur­teil vom 09.06.2011, 15 Sa 410/11).

Kommt man von einem Aufhebungsvertrag wieder los, weil man keinen Anwalt hinzugezogen hat?

Ein Auf­he­bungs­ver­trag ist aus Ar­beit­ge­ber­sicht ei­ne gu­te Möglich­keit, die fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken ei­ner Kündi­gung zu ver­mei­den. Denn im Fal­le ei­ner Kündi­gung müss­te der Ar­beit­ge­ber vor Ge­richt die Wirk­sam­keit der Kündi­gung dar­le­gen, während ein Auf­he­bungs­ver­trag erst ein­mal ju­ris­tisch steht. Wenn der Ar­beit­neh­mer meint, er sei un­wirk­sam, muss er das be­wei­sen.

Trotz­dem kann ein Auf­he­bungs­ver­trag auch für Ar­beit­neh­mer in­ter­es­sant sein, da Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen da­zu be­reit sind, für die­se "smar­te Be­en­di­gungs­va­ri­an­te" Ge­gen­leis­tun­gen zu er­brin­gen, vor al­lem natürlich in Form ei­ner (erhöhten) Ab­fin­dung und/oder ei­ner Auf­bes­se­rung des Zeug­nis­ses. Um sol­che Chan­cen wahr­zu­neh­men, ist je­doch recht­li­ches Fach­wis­sen und Ver­hand­lungs­ge­schick er­for­der­lich, auch um Nach­tei­le in Form ei­ner Sperr­zeit zu ver­mei­den.

Für Ar­beit­neh­mer führen Auf­he­bungs­verträge, die sie un­ter Zeit­druck und oh­ne Un­terstützung durch ei­nen An­walt ab­ge­schlos­sen ha­ben, da­her oft in ei­ne fi­nan­zi­el­le und/oder be­ruf­li­che Ka­ta­stro­phe. Trotz­dem ha­ben Ar­beit­neh­mer nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kein all­ge­mei­nes Wi­der­rufs­recht, wenn sie im Be­trieb über­rum­pelt und zum ra­schen Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags ge­drängt wur­den.

Auch ei­ne An­fech­tung we­gen ei­ner wi­der­recht­li­chen Drob­hung schei­det meist aus, schon ein­fach des­halb, weil Ar­beit­neh­mer so et­was nicht be­wei­sen können. Aber trifft den Ar­beit­ge­ber viel­leicht ei­ne Art "Pflicht zum fai­ren Ver­han­deln", kraft de­ren er von sich aus vor­schla­gen muss, dass sich der Ar­beit­neh­mer an­walt­lich be­ra­ten lässt? Das LAG Hamm meint "Nein".

LAG Hamm: Keine Anfechtung eines Aufhebungsvertrages, weil der Arbeitnehmer keinen Anwalt hatte

Im Streit­fall wur­de ei­ne über zehn Jah­re beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin, die aus Sicht des Ar­beit­ge­bers bei ei­nem Ver­kaufs­vor­gang ei­nen Feh­ler be­gan­gen hat­te, zu ei­nem Per­so­nal­gespräch ge­be­ten. Dort schlug man ihr den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags vor. Der Ver­trag sah kei­ne Ab­fin­dung vor, ent­hielt aber im­mer­hin die Re­ge­lung, dass der Ar­beit­ge­ber kei­ne Scha­dens­er­satzsprüche gel­tend ma­chen würde.

Dar­auf­hin un­ter­schrieb die Ar­beit­neh­me­rin, oh­ne Be­denk­zeit und oh­ne Bei­zie­hung ei­nes An­walts. Der Ar­beit­ge­ber sei­ner­seits hat­te al­ler­dings ei­nen An­walt hin­zu­ge­zo­gen, der den Auf­he­bungs­ver­trag aus­ge­ar­bei­tet hat­te und auch bei dem Per­so­nal­gespräch das Wort führ­te.

Kurz dar­auf erklärte sie die An­fech­tung des Auf­he­bungs­ver­trags. Da­bei be­rief sie sich dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber ge­gen ei­ne „Pflicht zum fai­ren Ver­han­deln“ ver­s­toßen hat­te, da er selbst an­walt­lich ver­tre­ten war, aber der Ar­beit­neh­me­rin ei­ne an­walt­li­che Un­terstützung nicht ermöglicht hat­te. Das über­zeug­te zwar das Ar­beits­ge­richt Pa­der­born (Ur­teil vom 16.02.2011, 2 Ca 1818/120), aber nicht das LAG Hamm. Be­gründung des LAG: Sie selbst hat­te ja noch nicht ein­mal an­walt­li­chen Bei­stand ge­for­dert, und auf­grund des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Ver­zichts auf Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen hat­te sie auch "et­was er­hal­ten" - zwar kei­ne Ab­fin­dung, aber im­mer­hin recht­li­che Si­cher­heit.

Fa­zit: Ar­beit­neh­mern kann nur im­mer er­neut und drin­gend da­zu ge­ra­ten wer­den, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag nie­mals so­fort zu un­ter­schrei­ben, son­dern im­mer erst, nach­dem man die Sa­che "über­schla­fen“ hat. Denn so pin­ge­lig und kri­tisch die Ar­beits­ge­rich­te bei der recht­li­chen Über­prüfung ar­beit­ge­ber­sei­ti­ger Kündi­gun­gen sind - ge­gen Auf­he­bungs­verträge ist meist kein Kraut ge­wach­sen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. Juli 2015

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880