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Kein An­schluss un­ter die­ser Num­mer: Recht auf Un­er­reich­bar­keit im Job

Die Tech­nik macht's mög­lich - Be­schäf­tig­te sind in­zwi­schen qua­si rund um die Uhr für den Chef ver­füg­bar: Für Ar­beits­schüt­zer ist das Fluch und Se­gen zu­gleich. Be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen gibt es in­zwi­schen ei­ni­ge. Die Ge­werk­schaft will aber mehr

18.02.2014. (dpa) - E-Mails nach Fei­er­abend le­sen oder am Wo­chen­en­de dem Chef noch schnell ei­ne wich­ti­ge Fra­ge be­ant­wor­ten: Die stän­di­ge Er­reich­bar­keit ist für vie­le Be­schäf­tig­te in­zwi­schen zu ei­nem Pro­blem ge­wor­den.

Im­mer mehr Un­ter­neh­men tref­fen zwar Ver­ein­ba­run­gen, um Ar­beits­zeit fle­xi­bler zu ge­stal­ten und die Frei­zeit der Mit­ar­bei­ter zu schüt­zen.

Die IG Me­tall sieht aber ei­nen ge­ne­rel­len Re­ge­lungs­be­darf.

Ei­ne bun­des­weit ein­heit­li­che Re­ge­lung zum Schutz vor Mail-Stress nach Fei­er­abend gibt es nicht, da­für in­zwi­schen aber et­li­che be­trieb­li­che Ver­ein­ba­run­gen in deut­schen Un­ter­neh­men. Zu­letzt hat­te der Au­to­bau­er BMW für sei­ne Bü­ro­mit­ar­bei­ter in Deutsch­land ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ge­schlos­sen, die ein Recht auf Un­er­reich­bar­keit nach Fei­er­abend be­inhal­tet.

Ähn­li­che Re­ge­lun­gen zum Schutz der Frei­zeit gibt es un­ter an­de­rem auch bei an­de­ren gro­ßen Au­to­bau­ern, aber auch bei der Deut­schen Te­le­kom. Bei dem Bon­ner Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­rie­sen ha­ben sich die lei­ten­den An­ge­stell­ten ver­pflich­tet, ih­ren Mit­ar­bei­tern nach Dienst­schluss oder im Ur­laub kei­ne Mails hin­ter­her zu schi­cken. Aus­nah­men müs­sen ge­son­dert ver­ein­bart wer­den.

Auch der BMW-Ri­va­le Daim­ler setzt auf Funk­stil­le in der Frei­zeit: Wer nicht im Dienst ist, kann sei­ne E-Mails auf Wunsch au­to­ma­tisch lö­schen las­sen. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es nach An­ga­ben ei­ner Spre­che­rin ers­te Pi­lot­pro­jek­te. Seit Weih­nach­ten 2013 kön­nen al­le Daim­ler-Mit­ar­bei­ter da­von Ge­brauch ma­chen. Der Ab­sen­der er­hält dann ei­ne Ab­we­sen­heits­nach­richt mit den Kon­takt­da­ten ei­nes Ver­tre­ters. Die ei­gent­li­che E-Mail wird ge­löscht. Wie vie­le Be­schäf­tig­te die Mög­lich­keit wirk­lich nut­zen, konn­te sie nicht sa­gen: Wer im Ur­laub sei­ne E-Mails lö­schen las­se, wer­de nicht er­fasst.

Bei Au­di gibt es nach An­ga­ben des In­gol­städ­ter Kon­zerns seit kur­zer Zeit ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung, die das mo­bi­len Ar­bei­ten mit Lap­top und Smart­pho­ne re­gelt. Mit­ar­bei­tern, die von zu Hau­se ar­bei­ten woll­ten, wer­de in Ab­stim­mung mit dem Vor­ge­setz­ten die je­wei­li­ge Ar­beits­zeit an­ge­rech­net.

Bei Volks­wa­gen zog der Be­triebs­rat be­reits En­de 2013 ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz sei­ner strik­ten E-Mail-Sper­re nach Fei­er­abend. Die Wolfs­bur­ger hat­ten En­de 2011 der to­ta­len Er­reich­bar­keit den Kampf an­ge­sagt und Ta­rif­be­schäf­tig­ten mit ei­nem Dienst-Smart­pho­ne die E-Mails in Rand­zei­ten, am Wo­chen­en­de oder an Fei­er­ta­gen ab­ge­schal­tet. 1154 Ta­rif­mit­ar­bei­ter pro­fi­tier­ten da­mals, En­de ver­gan­ge­nen Jah­res wa­ren es 3500. Füh­rungs­kräf­te sind aus­ge­nom­men.

Ge­werk­schaf­ten wie die IG Me­tall und Ar­beits­schutz-Ex­per­ten war­nen schon seit ge­rau­mer Zeit vor gra­vie­ren­den Fol­gen von stän­di­ger Er­reich­bar­keit. Sie sei "Fluch und Se­gen zu­gleich", gibt Jörg Feld­mann von der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin in Dort­mund zu be­den­ken. "Auf der ei­nen Sei­te ist ei­ne bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf mög­lich. Auf der an­de­ren Sei­te kann die Er­ho­lung völ­lig auf der Stre­cke blei­ben."

Das kann dann un­ter Um­stän­den schwer­wie­gen­de Fol­gen für die Mit­ar­bei­ter ha­ben - "so­wohl ge­sund­heit­li­cher Art, aber auch für das so­zia­le Um­feld", so Feld­mann. "Dem ent­ge­gen­wir­ken kön­nen kla­re Re­ge­lun­gen zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­schäf­tig­ten, bei­spiels­wei­se Ver­ein­ba­run­gen zu kla­ren Über­ga­ben oder Ruf­be­reit­schaf­ten."

Be­trieb­li­che Ver­ein­ba­run­gen hält auch IG-Me­tall-Vor­stands­mit­glied Chris­tia­ne Ben­ner für er­stre­bens­wert. Sie sieht aber eben­so die Po­li­tik in der Pflicht und macht sich wie Ge­werk­schafts­chef Det­lef Wet­zel für stren­ge­re Re­ge­lun­gen stark. "Ver­ein­ba­run­gen auf be­trieb­li­cher Ebe­ne sind zu be­grü­ßen. Vor­aus­set­zung sind aber oft ein be­reits gu­tes Ar­beits­kli­ma und ei­ne gu­te Un­ter­neh­mens­kul­tur." Da­her sei der Ge­setz­ge­ber ge­fragt: "Ich könn­te mir vor­stel­len, dass man Eck­punk­te for­mu­liert, die am En­de in ein Ge­setz flie­ßen könn­ten. Es geht dar­um, das Recht auf Ab­schal­ten zu ver­an­kern und der Ent­gren­zung der Ar­beit Ein­halt zu ge­bie­ten."

Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin ver­weist auf die Ver­ein­ba­run­gen im Ko­ali­ti­ons­ver­trag von Uni­on und SPD und will vor wei­te­ren kon­kre­ten Schrit­ten erst ein­mal zu­sätz­li­che wis­sen­schaft­li­che Da­ten sam­meln. Be­trieb­li­che Ver­ein­ba­run­gen sei­en zu be­grü­ßen.

Aus ju­ris­ti­scher Sicht sind sol­che Re­ge­lun­gen aber nicht un­pro­ble­ma­tisch. So äu­ßer­te die Prä­si­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts, In­grid Schmidt, En­de 2013 Be­den­ken, wie ei­ne sol­che Re­ge­lung aus­se­hen sol­le und wer das dann über­prü­fen sol­le.

Die Ar­beit­ge­ber­sei­te gibt sich ob der Ge­werk­schafts­for­de­run­gen ge­las­sen: Die Un­ter­neh­men gin­gen ver­ant­wor­tungs­voll mit der Ar­beits­zeit und Frei­zeit der Be­schäf­tig­ten um, heißt es vom Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA. Für wei­te­re Re­ge­lun­gen durch den Ge­setz­ge­ber be­ste­he kein Be­darf.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. Juli 2016

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