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Da­mit Ar­beit nicht krank macht: Chefs sol­len Vor­bil­der wer­den

Burn-Out ist häu­fig noch ein Ta­bu­the­ma: Da­bei ist die Zahl der Men­schen, die we­gen psy­chi­scher Be­las­tun­gen im Job aus­fällt, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­wach­sen. Im­mer mehr gro­ße Kon­zer­ne set­zen nun auf ih­re Füh­rungs­kräf­te, die früh ge­gen­steu­ern sol­len

01.08.2015. (dpa) - Stän­dig auf­blin­ken­de neu Mails, rund um die Uhr klin­geln­de Te­le­fo­ne, Ar­beits­auf­trä­ge, die am bes­ten schon er­le­digt sind, wenn sie ein­tref­fen.

Das ho­he Tem­po in der mo­der­nen Ar­beits­welt bleibt nicht oh­ne Fol­gen für die Ge­sund­heit der Be­leg­schaft.

Nun sol­len Füh­rungs­kräf­te als Vor­bild die­nen.

Im­mer häu­fi­ger sind psy­chi­sche Be­las­tun­gen der Grund, dass Men­schen nicht mehr ar­bei­ten kön­nen.

Die psy­chi­schen An­for­de­run­gen im Job sind der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­me­di­zin und Ar­beits­schutz (BAUA) zu­fol­ge seit Mit­te der 90er Jah­re deut­lich ge­stie­gen. Im Ge­sund­heits­re­port des BKK Dach­ver­bands heißt es: Et­wa 15 Pro­zent al­ler Ar­beits­un­fä­hig­keits­ta­ge der et­wa 4,3 Mil­lio­nen BKK-Ver­si­cher­ten in Deutsch­land sei­en psy­chisch be­dingt. Die mitt­le­re Aus­fall­dau­er bei psy­chi­schen Lei­den sei mit gut 40 Ta­gen so hoch wie bei kei­ner an­de­ren Er­kran­kung. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren hat die BKK ei­ne deut­li­che Zu­nah­me der Krank­heits­ta­ge we­gen psy­chi­scher Stö­run­gen re­gis­triert.

"Zu­gleich zeigt sich, dass die Dau­er psy­chi­scher Er­kran­kun­gen stark vom Füh­rungs­ver­hal­ten ei­nes Chefs ab­hängt" sagt Boschs-Per­so­nal­chef Chris­toph Kü­bel in ei­nem Ge­spräch mit den "Stutt­gar­ter Nach­rich­ten" (Frei­tag). Der Tech­nik-Kon­zern hat nun nach hart­nä­cki­gem Drän­gen, so der Be­triebs­rat, ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen: Sie sieht un­ter an­de­rem vor, dass Füh­rungs­kräf­te und Mit­ar­bei­ter sen­si­bi­li­siert und an­ony­me Hilfs­an­ge­bo­te be­reit­ge­stellt wer­den.

"Vor psy­chi­scher Über­las­tung ist nie­mand ge­feit, sei der Aus­lö­ser auf­er­leg­ter Druck oder Selbst­über­for­de­rung", sagt Be­triebs­rats­chef Al­fred Löck­le, der die Be­triebs­ver­ein­ba­rung aus­ge­han­delt hat. "Des­halb wol­len wir mit die­ser Ver­ein­ba­rung das Stig­ma des Ma­kels durch­bre­chen und den of­fe­ne­ren Um­gang mit see­li­schen Be­las­tun­gen er­leich­tern."

Bosch ist nicht der ein­zi­ge Kon­zern, der sich des The­mas an­nimmt. Auch beim Stutt­gar­ter Au­to­kon­zern Daim­ler wer­den Füh­rungs­kräf­te in Schu­lun­gen sen­si­bi­li­siert, da­mit sie An­zei­chen für per­sön­li­che Kri­sen bei Mit­ar­bei­tern wahr­neh­men und ge­ge­be­nen­falls den Werks­arzt ein­schal­ten kön­nen.

Bei der Deut­schen Bahn wur­de das Be­treu­ungs­kon­zept, dass ur­sprüng­lich für Lok­füh­rer vor­ge­se­hen war, die Un­fäl­le mit Men­schen ver­ar­bei­ten muss­ten, schon 2012 auf al­le Mit­ar­bei­ter aus­ge­wei­tet. "Seit gut vier Jah­ren ar­bei­ten wir dar­an, dass wir ein bes­se­res Füh­rungs­ver­ständ­nis be­kom­men", sagt ei­ne Bahn-Spre­che­rin. So ge­be es Ge­sund­heits­coa­chings, in de­nen Füh­rungs­kräf­te ler­nen, An­zei­chen psy­chi­scher Pro­ble­me zu er­ken­nen.

Bei der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­me­di­zin und Ar­beits­schutz (BAUA) macht man den Wan­del der Ar­beits­welt für die Zu­nah­me psy­chi­scher Be­las­tun­gen ver­ant­wort­lich. In ei­nem For­schungs­pro­jekt soll die Wir­kung von Be­las­tun­gen er­kun­det wer­den, um dann Mess­stan­dards und Grenz­wert­emp­feh­lun­gen zu er­ar­bei­ten. Star­ker Ter­min- und Leis­tungs­druck wer­den da­bei als Be­las­tun­gen an­ge­se­hen wie häu­fi­ge Stö­run­gen und Un­ter­bre­chun­gen und sehr schnel­les Ar­bei­ten.

Beim Soft­ware­kon­zern SAP ver­han­del­ten Be­triebs­rä­te mit dem Ar­beit­ge­ber fast zwei Jah­re über ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung, mit de­ren Hil­fe psy­chi­schen Er­kran­kun­gen ent­ge­gen ge­wirkt wer­den kann. Das ho­he Tem­po, das SAP-Chef Bill McDer­mott bei dem Soft­ware­kon­zern vor­gibt, macht et­li­chen Mit­ar­bei­tern zu schaf­fen.

An dem hö­he­ren Tem­po in der IT-In­dus­trie kön­ne man we­nig än­dern, ent­geg­net SAPs Ge­sund­heits­ma­na­ge­rin Na­ta­lie Lotz­mann. SAP ver­sucht in ei­nem In­dex die Ge­sund­heit in der Or­ga­ni­sa­ti­on ab­zu­bil­den. Ein Pro­zent­punkt Ver­bes­se­rung in dem In­dex, so rech­net man bei SAP vor, bringt dem Soft­ware­kon­zern bis zu 70 Mil­lio­nen Eu­ro mehr Ge­winn.

Nur mit ei­nem Be­schluss oder ei­ner Ver­ein­ba­rung wer­de kei­ne Be­wusst­seins­än­de­rung er­reicht. Des­halb setzt man wie bei Bosch auf Vor­bil­der: 600 Füh­rungs­kräf­te bei SAP wer­den ak­tu­ell ge­schult, da­mit sie ih­ren Mit­ar­bei­tern ei­ne an­de­re Kul­tur vor­le­ben. "Ein Ma­na­ger muss sich be­wusst sein, dass er wich­ti­ger für die Ge­sund­heit ist als ein Haus­arzt", so Lotz­mann. Be­triebs­rat Ralf Kro­nig sieht das al­ler­dings eher kri­tisch: Die Ver­ant­wor­tung für ge­sund­heits­ver­träg­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen lie­ge am En­de doch beim Be­triebs­arzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2016

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