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Ar­beit­ge­ber wol­len Bil­dungs­zeit­ge­setz nach Land­tags­wahl kip­pen

Es war ei­nes der bei der Wirt­schaft ver­hass­tes­ten Pro­jek­te der grün-ro­ten Lan­des­re­gie­rung: Als Bil­dungs-"Ur­laub" ti­tu­lier­ten die Fir­men­ver­tre­ter im Land die Bil­dungs­zeit. Jetzt hof­fen sie auf ein schnel­les En­de

20.08.2015. (dpa) - Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter hof­fen im Fal­le ei­nes mög­li­chen Re­gie­rungs­wech­sels auf ei­ne Ab­schaf­fung des ge­ra­de ein­ge­führ­ten Bil­dungs­zeit­ge­set­zes.

"Wir wer­den for­dern, dass die Bil­dungs­zeit zu­rück­ge­dreht wird", sag­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent Rai­ner Dul­ger der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Stutt­gart.

Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bunds (DGB), Ni­ko­laus Land­graf, hält ei­ne Ab­schaf­fung da­ge­gen für un­wahr­schein­lich.

Bis­lang sei­en trotz viel­fa­cher Re­gie­rungs­wech­sel in kei­nem Bun­des­land Bil­dungs­frei­stel­lungs­ge­set­ze wie­der ab­ge­schafft wor­den.

Es ha­be zwar Ver­än­de­run­gen in De­tail­fra­gen ge­ge­ben, aber kei­ne Lan­des­re­gie­rung ha­be die Ge­set­ze ins­ge­samt in­fra­ge ge­stellt.

Bis auf Bay­ern und Sach­sen gibt es in­zwi­schen in al­len Bun­des­län­dern ei­nen sol­chen An­spruch. Das Ge­setz im Süd­wes­ten sieht vor, dass Ar­beit­neh­mer fünf Ta­ge pro Jahr zur be­ruf­li­chen oder po­li­ti­schen Wei­ter­bil­dung frei­ge­stellt wer­den kön­nen. Seit Ju­li kön­nen Ar­beit­neh­mer die­se Bil­dungs­aus­zeit be­an­tra­gen. Mehr als 150 Bil­dungs­ein­rich­tun­gen von Volks­hoch­schu­len über Bil­dungs­zen­tren der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern bis zu Bil­dungs­ein­rich­tun­gen von Ge­werk­schaf­ten sind in­zwi­schen beim Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he re­gis­triert. Dar­über, wie vie­le Be­schäf­tig­te von der Bil­dungs­zeit be­reits Ge­brauch ge­macht ha­ben, lie­gen laut Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um noch kei­ne Da­ten vor.

Süd­west­me­tall-Chef Ste­fan Wolf sieht gu­te Chan­cen, das Ge­setz wie­der zu kip­pen. "Es gab da schon das ein oder an­de­re Si­gnal", deu­te­te der El­ring­Klin­ger-Chef, der selbst ein CDU-Par­tei­buch hat, an. Die FDP hat sich be­reits klar ge­gen das Ge­setz po­si­tio­niert. Die CDU hält sich das noch of­fen. "Dass das nicht das Lieb­lings­pro­jekt der Grü­nen war, ist auch be­kannt", sag­te Wolf.

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Kat­ja Mast be­ton­te am Mitt­woch: "Mit der SPD wird es kein Zu­rück bei der Bil­dungs­zeit ge­ben." Bil­dungs­zeit sei kein Er­ho­lungs­ur­laub. "Das ist ei­ne ech­te In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft Ba­den-Würt­tem­bergs."

Auch die Ge­werk­schaf­ten hat­ten für das Bil­dungs­zeit­ge­setz ge­kämpft. IG-Me­tall-Lan­des­chef Ro­man Zit­zels­ber­ger hat­te schon im Ju­ni ge­warnt: "Wer die­ses Bil­dungs­zeit­ge­setz im Wahl­kampf in­fra­ge stellt, der wird ei­nen mäch­ti­gen Geg­ner ha­ben." Auch der DGB hat­te sich für das Ge­setz stark ge­macht. Ro­se­ma­rie Bol­te, bei der Ge­werk­schaft Ver­di für das The­ma Bil­dung zu­stän­dig, sag­te, es ge­be viel po­si­ti­ve Rück­mel­dung aus den Un­ter­neh­men. "Es be­deu­tet ja auch et­was Po­si­ti­ves für un­ser Land, wenn wir hier ge­bil­de­te Leu­te ha­ben."

Die Ar­beit­ge­ber hat­ten noch im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Ge­gen­vor­schlag ge­macht - den Pakt für dau­er­haf­te Voll­be­schäf­ti­gung. "Die Ide­en wür­den wir sehr ger­ne rea­li­sie­ren, wenn die Bil­dungs­zeit zu­rück­ge­dreht wird", sag­te Dul­ger.

Ge­sprä­chen mit der Lan­des­re­gie­rung zu ei­nem Wei­ter­bil­dungs­pakt ha­ben sich die Ver­bän­de bis­lang ver­wei­gert. Da sei es un­ter an­de­rem dar­um ge­gan­gen die Bil­dungs­zeit mit In­hal­ten zu fül­len. "Das ist schon et­was viel ver­langt", sag­te Dul­ger.

Der Chef von Ba­den-Würt­tem­bergs Hand­werks­kam­mer­tag, Rai­ner Reich­hold, gibt sich bei dem The­ma zu­rück­hal­tend. Das liegt auch dar­an, dass die Hand­werks­kam­mern zu zwei Drit­teln aus Un­ter­neh­mern be­ste­hen und ei­nem Drit­tel aus Ar­beit­neh­mern - ei­ne ein­heit­li­che Mei­nung gibt es nicht. "Die Un­ter­neh­mer wür­den gern auf das Bil­dungs­frei­stel­lungs­ge­setz ver­zich­ten", sag­te Reich­hold. "Nicht weil sie ge­gen Wei­ter­bil­dung sind, son­dern weil wir in den Un­ter­neh­men oh­ne­hin schon sehr viel Wei­ter­bil­dung an­bie­ten, die durch den tech­ni­schen Fort­schritt not­wen­dig ist." Die be­fürch­te­ten ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen für Un­ter­neh­mer kann Reich­hold al­ler­dings noch nicht fest­stel­len. "Mir ist kaum ein Be­trieb be­kannt, bei dem es bis­her zu Pro­ble­men kam."

DGB-Lan­des­chef Land­graf sieht das ähn­lich: Die Ar­beit­ge­ber im Land un­ter­lä­gen mit der Bil­dungs­zeit den glei­chen Wett­be­werbs­be­din­gun­gen wie Be­trie­be in an­de­ren Bun­des­län­dern. "Auf­grund der Bil­dungs­zeit wird kein Be­trieb im Land über Ge­bühr be­las­tet."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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