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Ar­beit­ge­ber: Min­dest­lohn wirkt ne­ga­tiv auf Ar­beits­markt

Fast neun Mo­na­te gilt der Min­dest­lohn - die Ar­beit­ge­ber se­hen die Wir­kun­gen kri­tisch: Und die Lin­ke kri­ti­siert, zur Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se wür­den Ab­stri­che bei den Kon­trol­len ge­macht

15.09.2015. (dpa) - Ein Drei­vier­tel­jahr nach Ein­füh­rung des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns in Deutsch­land ha­ben die Ar­beit­ge­ber ei­ne ne­ga­ti­ve Bi­lanz ge­zo­gen.

"So ist die Zahl der Mi­ni­jobs seit In­kraft­tre­ten des Min­dest­lohns um über 120 000 ge­sun­ken", sag­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer un­mit­tel­bar vor ei­ner gro­ßen DGB-Ver­an­stal­tung zum The­ma der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin.

An die­sem Diens­tag geht der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) in Ber­lin der Fra­ge nach, ob der seit Ja­nu­ar gel­ten­de Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro über­all an­ge­kom­men ist.

Kra­mer sag­te, es las­se sich nicht be­le­gen, dass die ent­fal­le­nen Mi­ni­jobs in re­gu­lä­re Ar­beits­plät­ze um­ge­wan­delt wur­den. Die Be­schäf­ti­gung sei seit Jah­res­be­ginn nur we­nig stär­ker ge­wach­sen als in den Jah­ren zu­vor. "Viel­mehr ist zu be­fürch­ten, dass zahl­rei­che Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren­ge­gan­gen sind." Der Min­dest­lohn wir­ke sich bei de­nen ne­ga­tiv aus, die auf zu­sätz­li­che Tä­tig­keit an­ge­wie­sen sei­en.

Wei­te­re ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen des Min­dest­lohns auf die Be­schäf­ti­gung sei­en zu er­war­ten, auch wenn Pro­ble­me am Ar­beits­markt der­zeit durch die gu­te Kon­junk­tur­la­ge mit nied­ri­gem Öl­preis, nied­ri­gem Eu­ro­kurs und nied­ri­gen Zin­sen über­deckt wür­den, sag­te Kra­mer.

Auch nach ei­ner Nach­bes­se­rung kri­ti­sier­te Kra­mer die Re­geln zur Auf­zeich­nun­gen der Ar­beits­zei­ten. Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) hat­te die um­strit­te­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten zur Jah­res­mit­te ge­lo­ckert. Kom­plett ent­fiel die Ge­halts­schwel­le von 2958 Eu­ro nicht, bis zu der in neun für Schwarz­ar­beit an­fäl­li­gen Bran­chen die Ar­beits­zeit auf­zu­zeich­nen ist. Bei Ar­beits­ver­hält­nis­sen mit län­ge­rem Be­stand müs­sen Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­zeit aber nicht mehr auf­zeich­nen, wenn der re­gel­mä­ßi­ge Lohn 2000 Eu­ro brut­to über­steigt und die letz­ten zwölf Mo­na­te auch tat­säch­lich be­zahlt wur­de.

Kra­mer for­der­te: "Es wä­re für al­le Be­tei­lig­ten viel ein­fa­cher, die Auf­zeich­nungs­pflich­ten bei ei­nem St­un­den­ver­dienst von mehr als zehn Eu­ro en­den zu las­sen." Bei Mi­ni­jobs soll­te die Auf­zeich­nung der Dau­er der wö­chent­li­chen statt täg­li­chen Ar­beits­zeit ge­nü­gen.

Der Chef des Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand der Uni­ons­frak­ti­on, Chris­ti­an von Stet­ten (CDU), sag­te der dpa, auch wei­ter ge­be es vie­le Be­schwer­den der Fir­men. Vie­le Un­ter­neh­men und Ver­ei­ne wür­den un­ter bü­ro­kra­ti­schen Auf­la­gen lei­den. "Oh­ne ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung wer­den wir die Pro­ble­me beim Min­dest­lohn nicht be­sei­ti­gen kön­nen." Be­we­ge Nah­les sich hier nicht, wer­de der Par­la­ments­kreis Mit­tel­stand die Pro­ble­me im Ok­to­ber in der CDU/CSU-Frak­ti­on the­ma­ti­sie­ren.

Lin­ke-Frak­ti­ons­vi­ze Klaus Ernst warf der Bun­des­re­gie­rung vor, die Kon­trol­le des Min­dest­lohns vor dem Hin­ter­grund der Flücht­lings­kri­se schlei­fen zu las­sen. "Das ist wie ei­ne Ein­la­dung an Lohn­drü­cker, ge­gen das Ge­setz zu ver­sto­ßen", sag­te er der dpa. "Be­son­ders per­fi­de ist es, Be­nach­tei­lig­te am Markt ge­gen­ein­an­der aus­zu­spie­len, wie Wolf­gang Schäu­b­le dies macht."

Für die Kon­trol­le des Min­dest­lohns ist der Zoll ver­ant­wort­lich. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te da­für 1600 zu­sätz­li­che Stel­len be­wil­ligt. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le hat­te im Bun­des­tag An­fang des Mo­nats an­ge­kün­digt, die zu­sätz­li­chen Stel­len auch kurz­fris­tig zur Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­fra­ge zu nut­zen - und den Aus­bau der Min­dest­lohn­kon­trol­len zu ver­lang­sa­men.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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