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Ar­beit­ge­ber ent­fa­chen Streit um Min­dest­lohn für Flücht­lin­ge

Die Wirt­schaft zeigt sich be­reit, Flücht­lin­ge in gro­ßer Zahl zu be­schäf­ti­gen - doch beim Min­dest­lohn sol­len be­stimm­te Aus­nah­men grei­fen: SPD, Ge­werk­schaf­ten und Op­po­si­ti­on zei­gen sich em­pört

25.11.2015. (dpa) - Die deut­sche Wirt­schaft hat den Streit um Aus­nah­men für Flücht­lin­ge beim Min­dest­lohn neu ent­facht.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer sag­te am Diens­tag in Ber­lin, dass für Flücht­lin­ge Son­der­re­ge­lun­gen wie für Lang­zeit­ar­beits­lo­se gel­ten sol­len.

Die­se Aus­nah­men soll­ten zu­dem von sechs auf zwölf Mo­na­te ver­län­gert wer­den.

Ent­spre­chen­de For­de­run­gen er­hob auch der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK). Ge­werk­schaf­ten, SPD und Op­po­si­ti­on wie­sen die For­de­run­gen als "Lohn­dum­ping" zu­rück.

"Die deut­schen Un­ter­neh­men sind be­reit, ihr Mög­lichs­tes zu tun", sag­te Kra­mer beim Ar­beit­ge­ber­tag zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen. "Je­des vier­te Un­ter­neh­men sucht mitt­ler­wei­le hän­de­rin­gend Fach­kräf­te." Die Flücht­lin­ge sei­en zwar nicht die al­lei­ni­ge Lö­sung - qua­li­fi­zier­te, ge­re­gel­te Zu­wan­de­rung kön­ne nicht er­setzt wer­den. Aber der Flücht­lings­zu­strom bie­te ei­ne Chan­ce.

Die Po­li­tik müs­se aber Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen. Kra­mer schloss sich ei­ner Emp­feh­lung der so­ge­nann­ten Wirt­schafts­wei­sen an, nach der Aus­nah­men vom Min­dest­lohn für Lang­zeit­ar­beits­lo­se von sechs auf zwölf Mo­na­te ver­län­gert wer­den und die­se auch für Flücht­lin­ge gel­ten soll­ten. Gleich­zei­tig be­ton­te er: "Bei der Be­zah­lung darf die Her­kunft der Men­schen kei­ne Rol­le spie­len." Er wol­le Flücht­lin­ge nicht ge­ne­rell vom 8,50-Eu­ro-Min­dest­lohn aus­neh­men, sonst dro­he ein Ver­drän­gungs­wett­be­werb zwi­schen deut­schen und aus­län­di­schen Be­schäf­tig­ten.

DIHK-Chef Eric Schweit­zer sag­te im ZDF-"Mor­gen­ma­ga­zin", Prak­ti­ka soll­ten in­ner­halb der ers­ten sechs Mo­na­te für al­le vom Min­dest­lohn aus­ge­nom­men sein. Um Un­ge­rech­tig­kei­ten zu ver­hin­dern, sol­le es kei­ne ge­ne­rel­le Aus­nah­me für Flücht­lin­ge vom Min­dest­lohn ge­ge­ben. "Dann wür­den Sie auch das Ge­fühl bei den deut­schen Ar­beit­neh­mern be­kom­men, hier soll ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den", sag­te Schweit­zer.

Der DGB lehn­te je­de Aus­wei­tung von Min­dest­lohn-Aus­nah­men ab. "Schlimm ge­nug, dass es noch Aus­nah­men gibt für Lang­zeit­ar­beits­lo­se, Min­der­jäh­ri­ge, Zei­tungs­zu­stel­ler so­wie be­stimm­te Prak­ti­kan­ten", sag­te DGB-Vor­stands­mit­glied Ste­fan Kör­zell der dpa. Die SPD-Vi­ze­frak­ti­ons­che­fin Ca­ro­la Rei­mann for­der­te: "Der Min­dest­lohn muss auch für Flücht­lin­ge gel­ten, sonst öff­nen wir dem Lohn­dum­ping Tür und Tor."

Die Grü­nen-Ar­beits­markt­ex­per­tin Bri­git­te Poth­mer mahn­te: "Die Chan­cen von Flücht­lin­gen am Ar­beits­markt er­höht man nicht durch schlech­te­re Be­zah­lung, son­dern durch pass­ge­naue Un­ter­stüt­zung." Die Lin­ke-Ab­ge­ord­ne­te Jut­ta Krell­mann warf Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den vor, aus dem Leid der Flücht­lin­ge Ka­pi­tal zu schla­gen.

Kra­mer for­der­te zu­dem, dass al­le Flücht­lin­ge rasch an ver­pflich­ten­den Sprach­kur­sen teil­neh­men. Asyl­su­chen­de mit Blei­be­per­spek­ti­ve müss­ten al­le Mög­lich­kei­ten der Zeit­ar­beit, von Prak­ti­ka und der Job­markt-För­de­rung be­kom­men. Kra­mer for­der­te die Re­gie­rung zu ei­ner grund­le­gen­den Kor­rek­tur der Ge­set­zes­plä­ne zu Zeit­ar­beit und Werk­ver­trä­gen auf.

SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el sag­te auf dem Ar­beit­ge­ber­tag, Eu­ro­pa müs­se in der Flücht­lings­kri­se zu­sam­men­ste­hen und sei­ne Au­ßen­gren­zen schüt­zen. Dies sei die Vor­aus­set­zung, da­mit man von der chao­ti­schen Zu­wan­de­rung, die es jetzt ge­be, zu Kon­tin­gen­ten kom­men kön­ne. Ei­ne von der CSU ge­for­der­te Ober­gren­ze sei da­mit aber nicht ver­bun­den. "Na­tür­lich wird man das Asyl­recht in Deutsch­land nicht ab­schaf­fen", sag­te Ga­bri­el. Auch au­ßer­halb von Kon­tin­gen­ten wür­den Schutz­su­chen­de kom­men.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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