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Ar­beit­ge­ber se­hen Ver­bes­se­run­gen in der Pfle­ge­bran­che

Die Ar­beit­ge­ber zeich­nen ein recht freund­li­ches Ge­samt­bild der Pfle­ge­bran­che: Von Pfle­ge­not­stand kön­ne kei­ne Re­de sein - es sei denn, es kommt ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Ta­rif­ver­trag. Der Re­gie­rungs­be­auf­trag­te Lau­mann sieht das an­ders

20.08.2014. (dpa) - Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Pfle­ge sieht deut­li­che Ver­bes­se­run­gen bei der Ver­sor­gung der Bran­che mit Fach­kräf­ten.

Ver­bands­prä­si­dent Tho­mas Grei­ner sag­te am Diens­tag in Ber­lin, 2014 ge­be es mit 60 000 Ju­gend­li­chen ei­nen neu­en Re­kord bei den Aus­zu­bil­den­den.

25 000 tre­ten da­nach im Herbst ih­re Aus­bil­dung an, 3500 mehr als im Vor­jahr.

In die von der Bun­des­re­gie­rung ver­spro­che­ne Aus­bil­dung- und Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve kom­me eben­falls Be­we­gung. Zu­letzt sei­en 1500 Hilfs­kräf­te ver­kürzt zu Pfle­ge­kräf­ten aus­ge­bil­det wor­den. Der Bran­che lä­gen 1600 An­trä­ge auf An­er­ken­nung aus­län­di­scher Fach­kräf­te vor.

Die Ge­werk­schaft Ver­di wi­der­sprach die­ser po­si­ti­ven Dar­stel­lung. "Die Ar­beit­ge­ber müs­sen end­lich mit deut­lich mehr Per­so­nal und bes­se­rer Ent­loh­nung die At­trak­ti­vi­tät der Al­ten­pfle­ge nach­hal­tig ver­bes­sern", sag­te Vor­stands­mit­glied Syl­via Büh­ler. Ins­ge­samt fehl­ten in der Al­ten­pfle­ge auf mitt­le­re Sicht bis zu 140 000 aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­kräf­te.

Grei­ner warn­te vor der Ein­füh­rung ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­tra­ges in der Bran­che. Die da­durch zu er­war­ten­de Kos­ten­ex­plo­si­on sei nicht mehr re­fi­nan­zier­bar und für die Pfle­ge in Deutsch­land höchst be­droh­lich. Im üb­ri­gen wer­de in der Pfle­ge schon jetzt "fair be­zahlt".

Der Be­voll­mäch­tig­te der Bun­des­re­gie­rung für Pfle­ge, Karl-Jo­sef Lau­mann (CDU), hielt dem ent­ge­gen: "Wer will, dass die Pfle­ge­bran­che auf Dau­er hoch qua­li­fi­zier­te und in­te­ge­re Mit­ar­bei­ter fin­det, um ei­ne an­spruchs­vol­le und für un­se­re Ge­sell­schaft un­ver­zicht­ba­re Ar­beit zu leis­ten, für den soll­te der fair ver­han­del­te Lohn - al­so: der Ta­rif­ver­trag - ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sein."

Ähn­lich ar­gu­men­tier­te Bay­erns Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Me­la­nie Huml (CSU): "Gu­te Pfle­ge muss uns et­was wert sein. Wenn wir mehr Men­schen für den Pfle­ge­be­ruf ge­win­nen möch­ten, müs­sen die­se auch an­ge­mes­sen be­zahlt wer­den." Huml er­gänz­te: "Die Pfle­ge­kräf­te brau­chen ins­ge­samt bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen, da­zu ge­hö­ren ne­ben ei­nem an­ge­mes­se­nen Lohn und ei­ner gu­ten Aus­bil­dung auch mehr Per­so­nal und we­ni­ger Bü­ro­kra­tie­auf­wand."

Nach An­sicht des Chefs der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz, Eu­gen Brysch, muss der all­ge­mein­ver­bind­li­che Ta­rif­ver­trag kom­men. "Wür­di­ge Pfle­ge ist nur mög­lich, wenn es wür­di­ge Ar­beits­be­din­gun­gen gibt. Ei­ne an­stän­di­ge Be­zah­lung ist da­für Vor­aus­set­zung", ar­gu­men­tier­te Brysch.

Ar­beit­ge­ber­ver­bands­vi­ze Fried­helm Fied­ler sag­te zum Per­so­nal­be­darf, in der Al­ten­pfle­ge fehl­ten 30 000 Fach­kräf­te. Für 2020 sol­len es 75 000 sein. Be­rech­nun­gen, die von bis zu 150 000 feh­len­den Fach­kräf­ten aus­gin­gen, sei­en nicht rea­lis­tisch.

Der Vor­wurf des Pfle­ge­not­stan­des sei so nicht zu hal­ten, sag­te Fied­ler wei­ter. Er räum­te al­ler­dings ein, dass die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen we­sent­lich schnel­ler stei­ge als die Zahl der Pfle­gen­den. Knapp 2,6 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sei­en heu­te pfle­ge­be­dürf­tig. 2050 wür­den dies rund 4,2 Mil­lio­nen Men­schen sein. Von den 65- bis 69-Jäh­ri­gen sei­en nur drei Pro­zent pfle­ge­be­dürf­tig, von den über 90-Jäh­ri­gen 59 Pro­zent. Das Über­ra­schen­de bei die­ser Al­ters­klas­se sei aber, dass 41 Pro­zent eben nicht pfle­ge­be­dürf­tig sei­en, sag­te Fied­ler.

Nach sei­ner Dar­stel­lung ar­bei­te­ten der­zeit ei­ne Mil­li­on Men­schen in der Al­ten­pfle­ge, da­von 700 000 in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen und 300 000 in am­bu­lan­ten. Knapp 44 500 Fach­kräf­te kä­men aus dem Aus­land. In­ner­halb Eu­ro­pas sei es schwie­rig, Fach­kräf­te für den deut­schen Pfle­ge­markt zu be­kom­men. Der­zeit lau­fe ein Pro­gramm mit Chi­na, wo­nach 150 Fach­kräf­te für Deutsch­land fit­ge­macht wer­den sol­len.

Grei­ner woll­te zur all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen La­ge der Bran­che kei­ne ge­naue­ren An­ga­ben ma­chen, da die­se nach sei­nen Wor­ten "ex­trem he­te­ro­gen" ist. Es ge­be Be­rech­nun­gen, wo­nach 40 Pro­zent der Ein­rich­tun­gen ro­te Zah­len schrie­ben und 20 Pro­zent gar von In­sol­venz be­droht sei­en. In je­dem Fall be­ste­he in der Bran­che ein ho­her Kos­ten­druck, sag­te er.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. Mai 2016

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