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Ar­beits­markt star­tet über­ra­schend ro­bust ins Jahr 2015

Schon län­ger ist der Ar­beits­markt ei­ne wich­ti­ge Stüt­ze der deut­schen Kon­junk­tur: Dar­an dürf­te sich auch vor­erst nichts än­dern. Denn sel­ten war die Ja­nu­ar-Ar­beits­lo­sig­keit so nied­rig wie in die­sem Jahr. Schon kei­men ers­te Hoff­nun­gen auf ein klei­nes Job­wun­der im Jahr 2015

30.01.2015. (dpa) - Auch wenn die end­gül­ti­ge Rech­nung erst am En­de des Win­ters auf­ge­macht wird - die Win­ter­ar­beits­lo­sig­keit zeigt sich bis­lang eher von ih­rer harm­lo­sen Sei­te.

Mit ge­ra­de mal 3,032 Mil­lio­nen Er­werbs­lo­sen - le­dig­lich 268 000 mehr als im De­zem­ber - gab es im Ja­nu­ar so we­ni­ge Job­su­cher wie zu­letzt im Ja­nu­ar 1991; da­mals hat­te das Zu­sam­men­wach­sen Deutsch­lands der deut­schen Wirt­schaft ei­ne mil­li­ar­den­schwe­re, his­to­risch ein­ma­li­ge Son­der­kon­junk­tur be­schert.

Auch kri­ti­sche Be­ob­ach­ter räu­men da­her beim Blick auf die ak­tu­el­len Zah­len ein: Der deut­sche Ar­beits­markt ist er­staun­lich ro­bust ins Jahr 2015 ge­star­tet.

Ganz so über­ra­schend ist die Ent­wick­lung dann aber auch wie­der nicht. Schließ­lich ha­ben sich seit dem Herbst, als die meis­ten Ar­beits­markt­pro­gno­sen für 2015 zu Pa­pier ge­bracht wur­den, die Vor­zei­chen stark ver­än­dert. Der Eu­ro hat seit­dem kräf­tig an Wert ver­lo­ren. Und mit dem jüngs­ten An­lei­he­kauf-Pro­gramm hat die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank den Eu­ro­kurs wei­ter auf Tal­fahrt ge­schickt. Die ex­port­ori­en­tier­te Wirt­schaft ju­belt - ver­bil­li­gen sich da­mit doch ih­re Pro­duk­te au­ßer­halb der Eu­ro­zo­ne deut­lich und ver­schaf­fen den Fir­men so ei­nen kla­ren Wett­be­werbs­vor­teil.

Schließ­lich wirkt auch der nied­ri­ge Öl­preis wie ein Tur­bo auf Kon­junk­tur und Ar­beits­markt. Im­mer­hin hat sich der Roh­öl­preis seit ver­gan­ge­nem Som­mer mehr als hal­biert. "Das wirkt wie ein klei­nes Kon­junk­tur­pro­gramm", schätzt et­wa Com­merz­bank-Volks­wirt Eck­art Tucht­feld die Ent­wick­lung ein. Vor al­lem en­er­gie­in­ten­si­ve Bran­chen wie die Che­mie­in­dus­trie wür­den durch die nied­ri­gen Öl­prei­se er­heb­lich ent­las­tet.

Kein Wun­der, dass die Kon­junk­tur­ex­per­ten der deut­schen Groß­ban­ken die Ent­wick­lung auf dem Ar­beits­markt in­zwi­schen un­gleich op­ti­mis­ti­scher ein­schät­zen als die Bun­des­agen­tur selbst. Geht die Nürn­ber­ger Bun­des­be­hör­de für die­ses Jahr bis­her le­dig­lich von ei­nem Rück­gang der Ar­beits­lo­sig­keit von 20 000 im Jah­res­durch­schnitt aus, rech­nen Ban­ken­volks­wir­te be­reits mit Rück­gän­gen von 80 000 bis 100 000. Da­mit wür­de in die­sem Jahr die be­reits gu­te Ent­wick­lung von 2014 deut­lich über­trof­fen.

Die gro­ße Un­be­kann­te bleibt frei­lich der am 1. Ja­nu­ar ein­ge­führ­te Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de. We­ni­ge Wo­chen nach dem Start der Re­ge­lung ist die In­for­ma­ti­ons­la­ge da­zu na­tur­ge­mäß wi­der­sprüch­lich und spe­ku­la­tiv. Die Bun­des­agen­tur et­wa wie­gelt Fra­gen nach mög­li­cher­wei­se be­reits spür­ba­ren Aus­wir­kun­gen der neu­en Re­ge­lung mit dem Hin­weis ab, ers­te se­riö­se Aus­sa­gen sei­en frü­hes­tens im Som­mer mög­lich. Dass die Zahl der ar­beits­lo­sen Ta­xi­fah­rer im Ver­gleich zum Vor­jahr um 500 auf 1200 ge­stie­gen ist, hält man dort noch nicht un­be­dingt für ei­nen Hin­weis, dass die neue Re­ge­lung Jobs kos­tet.

BA-un­ab­hän­gi­ge Kon­junk­tur­be­ob­ach­ter sind da­ge­gen we­sent­lich skep­ti­scher. So geht et­wa Stef­fen Hen­zel, Volks­wirt und Ar­beits­markt­ex­per­te beim Münch­ner Ifo-In­sti­tut, da­von aus, dass der Min­dest­lohn zu­min­dest ei­ni­ge Mi­ni­jobs kos­ten dürf­te. Von ei­nem "ge­dämpf­ten Stel­len­ab­bau" we­gen des Min­dest­lohns spricht in sei­ner Ana­ly­se vom Don­ners­tag auch der Bay­ern­LB-Volks­wirt Ste­fan Ki­par. Com­merz­bank-Volks­wirt Tucht­feld sieht zwar der­zeit noch kei­ne Ein­flüs­se der Min­dest­lohn­re­ge­lung auf ak­tu­el­le Per­so­nal­ent­schei­dun­gen der Un­ter­neh­men. Doch das kön­ne sich än­dern, wenn in zwei Jah­ren die Über­gangs­frist aus­läuft.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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