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Deut­scher Ar­beits­markt pro­fi­tiert vom Kampf um die bes­ten Köp­fe

Das Wirt­schafts­wachs­tum hielt sich in Gren­zen und auch der Ex­port stock­te - nicht ge­ra­de gu­te Vor­aus­set­zun­gen, um neue Jobs zu schaf­fen: Trotz­dem bau­ten 2013 vie­le Fir­men ih­re Be­leg­schaf­ten aus. Vie­le heu­er­ten gu­te Kräf­te auf Vor­rat an - in der Hoff­nung auf ei­nen neu­en Boom

03.01.2014. (dpa) - Die Zah­len spre­chen ei­ne deut­li­che Spra­che - da­bei hät­ten sie an­ge­sichts der flau­en Kon­junk­tur auch ganz an­ders aus­se­hen kön­nen: In Deutsch­land ent­stan­den 2013 trotz Nach­we­hen der größ­ten Fi­nanz­kri­se der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te im­mer noch neue Jobs - wenn auch nicht mehr so vie­le wie in den Jah­ren zu­vor.

Al­lein im Jahr 2013 ver­zeich­ne­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt nach den am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten Zah­len 41,78 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­ge in Deutsch­land.

Da­mit wa­ren am Jah­res­en­de 2013 rund 232 000 Men­schen mehr im Er­werbs­le­ben als vor Jah­res­frist.

Für 2014 rech­nen Ar­beits­markt­for­scher mit über 42 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­gen.

War­um Un­ter­neh­men trotz des der­zeit ge­rin­gen Wirt­schafts­wachs­tums im­mer neue Mit­ar­bei­ter ein­stel­len, hat für den Lei­ter des For­schungs­be­reichs Pro­gno­se beim In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB), En­zo We­ber, gleich meh­re­re Grün­de. "Bei vie­len Un­ter­neh­mern gibt es die Er­war­tung, dass es in Deutsch­land wirt­schaft­lich schon bald wie­der gut läuft". Schließ­lich ha­be Deutsch­land selbst kei­ne Schul­den­kri­se durch­lebt.

Zu­dem pla­ge in­zwi­schen im­mer mehr Fir­men­chefs die Sor­ge, sie könn­ten von dem in den kom­men­den Jah­ren dro­hen­den Fach­kräf­teen­g­pass kalt er­wischt wer­den - und bei plötz­lich an­zie­hen­der Kun­den­nach­fra­ge oh­ne die dann be­nö­tig­ten In­ge­nieu­re, Werk­zeug­ma­cher und IT-Fach­kräf­te da­ste­hen. Zwar stellt sich die Ent­wick­lung - auch dank der wie­der ge­wach­se­nen Zahl gut aus­ge­bil­de­ter Zu­wan­de­rer - der­zeit noch nicht all­zu dra­ma­tisch dar. "In den nächs­ten Jah­ren könn­ten sich die be­reits heu­te in ein­zel­nen Be­rei­chen be­ste­hen­den Fach­kräf­teen­g­päs­se wei­ter ver­schär­fen", gibt We­ber zu be­den­ken.

Ge­nau das sei auch der Grund, war­um qua­li­fi­zier­te Zu­wan­de­rer auch nach dem En­de des mehr­jäh­ri­gen Job-Booms gu­te Chan­cen auf dem deut­schen Ar­beits­markt ha­ben, schätzt der IAB-Ar­beits­markt­for­scher: "Die Men­schen sind da - und vie­le Un­ter­neh­men nut­zen jetzt das An­ge­bot an gut aus­ge­bil­de­ten Kräf­ten." Da­bei näh­men man­che Fir­men auch in Kauf, dass sie die neu ein­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter an­fangs gar nicht voll aus­las­ten könn­ten.

Da­bei ha­ben sich vor al­lem zwei Bran­chen im ver­gan­ge­nen Jahr als Job­mo­to­ren er­wie­sen: Die Bau­in­dus­trie und ein Bran­chen­kon­glo­me­rat, das Sta­tis­ti­ker un­ter dem Be­griff "wirt­schafts­na­he Dienst­leis­tun­gen" zu­sam­men­fas­sen. Da­zu ge­hö­ren ne­ben Wer­be­agen­tu­ren, Rechts- und Steu­er­be­ra­tern bei­spiels­wei­se auch Wach­diens­te. Nicht in al­len Fäl­len, räumt We­ber ein, han­de­le es sich um neue Ar­beits­plät­ze; man­che sei­en von Fir­men auch aus­ge­la­gert wor­den. Die Bau­in­dus­trie wie­der­um pro­fi­tie­re in­zwi­schen im­mer stär­ker von dem Im­mo­bi­li­en-Boom - be­feu­ert von den der­zeit nied­ri­gen Spar- und Hy­po­the­ken­zin­sen.

Den Ein­wand von Ar­beits­markt-Kri­ti­kern, bei den neu ge­schaf­fe­nen Stel­len han­de­le es sich zum über­wie­gen­den Teil um ge­ring­fü­gi­ge Be­schäf­ti­gung, hält We­ber für zu pau­schal. Zwar sei die Zahl der aus­schließ­lich ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten im Jahr 2006 auf ei­nen An­teil von 15 Pro­zent oder mehr als sechs Mil­lio­nen an­ge­stie­gen. Bis 2012 sei der An­teil aber auf 13,4 Pro­zent ge­sun­ken. Für 2013 ver­zeich­net das IAB ei­nen wei­te­ren Rück­gang.

Auch die Ein­schät­zung, es ge­be ei­gent­lich kei­ne neue Ar­beit und die be­ste­hen­de wer­de nur auf mehr Men­schen ver­teilt, sei falsch. "Es gibt tat­säch­lich mehr Ar­beit", macht We­ber klar. Denn wur­den von al­len Er­werbs­tä­ti­gen im Jahr 2006 mehr als 55,808 Mil­li­ar­den St­un­den ge­ar­bei­tet, so wa­ren es im Jahr 2013 mehr als 58 Mil­li­ar­den St­un­den. Den­noch ge­be es den Trend zur Teil­zeit­ar­beit, räumt We­ber ein. 2013 ar­bei­te­ten 3,048 Mil­lio­nen Men­schen in Teil­zeit, 2006 wa­ren es rund ei­ne Mil­li­on we­ni­ger. Der For­scher fin­det es aber nicht un­be­dingt ne­ga­tiv, "wenn Men­schen in ei­nem wohl­ha­ben­den Land wie Deutsch­land mehr Frei­zeit ha­ben wol­len." Aber na­tür­lich ge­be es auch vie­le Men­schen, die un­frei­wil­lig ei­nem Teil­zeit- oder Mi­ni­job nach­gin­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. März 2014

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