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Ar­beits­markt­for­scher ge­gen Zwangs­ver­ren­tung äl­te­rer Hartz-IV-Be­zie­her

Da wa­ren die Job­cen­ter bis­her un­er­bitt­lich: Wer mit 63 Jah­ren Hartz IV er­hält, aber ei­gent­lich auch schon Ren­te be­zie­hen könn­te, dem blieb nur die Zwangs­ver­ren­tung. Ar­beits­markt­for­scher hal­ten das für den fal­schen Weg - und le­gen jetzt ein Al­ter­na­tiv­mo­dell vor

24.05.2016. (dpa) - Der Nürn­ber­ger Ar­beits­markt­for­scher En­zo We­ber hat sich ge­gen die der­zeit oft prak­ti­zier­te Zwangs­ver­ren­tung ar­beits­lo­ser Hartz-IV-Emp­fän­ger ab 63 Jah­ren ge­wandt.

Statt­des­sen schlägt er Aus­gleichs­zah­lun­gen der Ren­ten­ver­si­che­rung an den Bund vor, um dem äl­te­ren Ar­beits­lo­sen wei­ter­hin den Hartz-IV-Be­zug zu er­mög­li­chen und da­mit dro­hen­de Ren­ten­ab­schlä­ge mög­lichst zu ver­hin­dern.

We­ber re­agier­te da­mit auf jüngs­te Re­form­über­le­gun­gen der Bun­des­re­gie­rung.

Vor al­lem aber blie­be für Be­trof­fe­ne da­mit wei­ter­hin die Tür zum Ar­beits­markt of­fen, sag­te der Lei­ter des For­schungs­be­reichs "Pro­gno­sen und Struk­tur­ana­ly­sen" beim In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Und Staat und Ren­ten­ver­si­che­rung könn­ten im Fal­le ei­ner spä­te­ren er­folg­rei­chen Job­ver­mitt­lung des äl­te­ren Ar­beits­lo­sen so­gar Geld spa­ren. Das IAB ist das For­schungs­in­sti­tut der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA).

Ak­tu­ell pla­ne die Bun­des­re­gie­rung der­zeit zwar ei­ne Aus­nah­me von der Zwangs­ver­ren­tung, wenn die spä­te­re Ren­te in Fol­ge der Ab­schlä­ge un­ter Grund­si­che­rungs­ni­veau fal­len wür­de, räumt We­ber ein. Aber auch die ge­plan­te Neu­re­ge­lung ha­be ei­nen Schön­heits­feh­ler: Al­le je­nen, de­ren Ren­te knapp über dem Hartz-IV-Ni­veau lie­ge, dro­he wei­ter die Zwangs­ver­ren­tung. Die Un­gleich­be­hand­lung könn­te mit den vom IAB vor­ge­schla­ge­nen Aus­gleichs­zah­lun­gen ver­mie­den wer­den.

Nach ak­tu­el­ler Ge­set­zes­la­ge wer­den Hartz-IV-Emp­fän­ger mit min­des­tens 35 Ver­si­che­rungs­jah­ren vor­zei­tig mit 63 in Ren­te ge­schickt. Sie müss­ten da­mit künf­tig Ren­ten-Ab­schlä­ge von bis zu 14,4 Pro­zent hin­neh­men. Da­hin­ter steht die ge­setz­li­che Re­ge­lung, wo­nach der Hartz-IV-Emp­fän­ger vor dem Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld II erst an­de­re Ein­kom­men für sei­nen Le­bens­un­ter­halt her­an­zie­hen muss.

Die­se so­ge­nann­te Vor­rang-Re­ge­lung sei zwar im Grund­satz rich­tig, ha­be aber bei der an­ge­streb­ten vor­zei­ti­gen Ver­ren­tung von Hartz-IV-Be­zie­hern ei­ne un­an­ge­neh­me Kon­se­quenz für die Be­trof­fe­nen, gibt We­ber zu be­den­ken. "Sie schei­den da­mit fak­tisch aus dem Ar­beits­markt aus". Dem IAB vor­lie­gen­de Zah­len zeig­ten: "Äl­te­re, die ein­mal aus dem Ar­beits­markt aus­ge­schie­den sind, keh­ren nicht mehr in Be­schäf­ti­gung zu­rück." Da­von hät­te al­so nie­mand et­was - we­der die Be­trof­fe­nen noch die Be­trie­be noch der Bund, be­ton­te We­ber.

Selbst Hartz-IV-Emp­fän­ger, die die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Ren­ten­be­zug mit 63 Jah­ren er­füll­ten, soll­ten nach dem IAB-Vor­schlag wei­ter­hin Hartz IV be­zie­hen. Bei der Ren­te mit 67 hät­ten Ar­beits­lo­se dann im­mer­hin noch rund vier Jah­re die Chan­ce auf ei­ne Job-Ver­mitt­lung. Ab­ge­rech­net wer­de am En­de, wenn der Be­trof­fe­ne re­gu­lär in Ren­te ge­he. Da­bei müss­te die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung dem mit Hartz-IV-Kos­ten be­las­te­ten Bund die in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren an­ge­fal­le­nen Aus­ga­ben er­stat­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 23. August 2016

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