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Ar­beits­mi­nis­te­rin will Ju­gend­li­che bis 18 vom Min­dest­lohn aus­neh­men

Ab 2015 soll kei­ner für we­ni­ger als 8,50 Eu­ro die St­un­de ar­bei­ten - au­ßer Ju­gend­li­che un­ter 18: Das kün­digt die Ar­beits­mi­nis­te­rin an. Die Ge­werk­schaf­ten for­dern schon jetzt ei­ne Er­hö­hung der Lohn­un­ter­gren­ze

17.03.2014. (dpa) - Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les will Ju­gend­li­che un­ter 18 Jah­ren vom ge­plan­ten ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de aus­neh­men.

"Wir müs­sen ver­hin­dern, dass jun­ge Men­schen lie­ber ei­nen bes­ser be­zahl­ten Aus­hilfs­job an­neh­men, statt ei­ne Aus­bil­dung an­zu­fan­gen", sag­te die SPD-Po­li­ti­ke­rin der "Bild am Sonn­tag".

An­ge­sichts er­heb­li­cher Skep­sis in der Uni­on mahn­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, die Lohn­un­ter­gren­ze dür­fe kei­ne Jobs ge­fähr­den.

Laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag von Uni­on und SPD wird zum 1. Ja­nu­ar 2015 bun­des­weit ein flä­chen­de­cken­der, ge­setz­li­cher Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro ein­ge­führt. Nach Be­rech­nun­gen des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums pro­fi­tie­ren 3,7 Mil­lio­nen Men­schen da­von. Ih­ren Ge­setz­ent­wurf will die Mi­nis­te­rin An­fang die­ser Wo­che den an­de­ren Res­sorts zu­lei­ten.

Der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) for­der­te, die Al­ters­un­ter­gren­ze auf 21 Jah­re an­zu­he­ben. Vie­le Her­an­wach­sen­de stün­den über­haupt erst mit 18 Jah­ren vor der Ent­schei­dung, ei­nen Aus­bil­dungs­ver­trag zu un­ter­schrei­ben, sag­te BDA-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Rein­hard Göh­ner der "Ber­li­ner Zei­tung" (Mon­tag). Zu­dem sei­en Aus­nah­men für Lang­zeit­ar­beits­lo­se und Per­so­nen, die am Ar­beits­markt schwer zu ver­mit­teln sei­en, er­for­der­lich.

Nah­les lehn­te wei­te­re, auch von der Uni­on ge­for­der­te Aus­nah­men ab, et­wa für Rent­ner oder Mi­ni­job­ber. "War­um sol­len Men­schen schlech­ter be­zahlt wer­den, nur weil sie äl­ter sind oder we­ni­ger St­un­den ar­bei­ten als an­de­re?", frag­te sie. Ge­sprä­che über Aus­nah­men bis 2017 ha­be sie aber mit Gast­stät­ten­be­trie­ben, Ta­xi­fah­rern, Call­cen­tern, Zei­tungs­ver­le­gern, Ern­te­hel­fern ge­führt.

Nah­les be­stritt, dass der Min­dest­lohn nen­nens­wert Ar­beits­plät­ze kos­ten wird. "Ich pro­gnos­ti­zie­re, dass der all­ge­mei­ne Min­dest­lohn kei­ne ne­ga­ti­ven Ef­fek­te auf den Ar­beits­markt hat", sag­te sie der Zei­tung.

In ei­nem "ernst­haf­ten Dia­log" steht Nah­les nach ei­ge­nen Wor­ten mit Bran­chen, die Pro­ble­me mit ei­nem St­un­den­lohn von 8,50 Eu­ro ha­ben. Die­se hät­ten aber bis zum 1. Ja­nu­ar 2017 Zeit, ih­re Löh­ne über Ta­rif­ver­trä­ge schritt­wei­se auf 8,50 Eu­ro an­zu­he­ben. Über die­sen Zeit­punkt hin­aus wer­de es kei­ne Aus­nah­men mehr ge­ben. "Ich sa­ge klipp und klar: Es wird nicht mög­lich sein, über die­ses Zeit­fens­ter hin­aus gan­ze Bran­chen aus dem all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn aus­zu­neh­men."

Die Ein­hal­tung des Min­dest­lohns will das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um streng über­wa­chen. "Ich möch­te ei­ne In­fo-Hot­line ein­rich­ten, bei der An­ru­fer Ver­stö­ße mel­den kön­nen", sag­te Nah­les. Das ha­be in Groß­bri­tan­ni­en gut ge­klappt.

Die Lin­ke-Po­li­ti­ke­rin Sah­ra Wa­genk­necht warf der SPD vor, ihr "Min­dest­lohn-Wahl­ver­spre­chen" zu bre­chen. Die gro­ße Ko­ali­ti­on bas­te­le der­zeit an ei­nem Kon­strukt, wel­ches mit ei­nem all­ge­mein gül­ti­gen, flä­chen­de­cken­den Min­dest­lohn nichts zu tun ha­be. "Das Gan­ze ist ein ein­zi­ger Fli­cken­tep­pich mit vie­len Aus­nah­men."

Kanz­le­rin Mer­kel ver­wies in ih­rem Vi­deo-Pod­cast auf die War­nung des Sach­ver­stän­di­gen­rats zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung, "dass wir durch die Ein­füh­rung ei­nes Min­dest­lohns Ar­beits­plät­ze ver­lie­ren könn­ten". Des­halb dis­ku­tie­re die schwarz-ro­te Bun­des­re­gie­rung "jetzt auch sehr in­ten­siv bei der Ge­setz­ge­bung, wie wir ge­nau die­ses ver­hin­dern kön­nen". Mer­kel trifft sich am Mitt­woch mit dem Sach­ver­stän­di­gen­rat, den so­ge­nann­ten Wirt­schafts­wei­sen.

Sie hat­te am Frei­tag nach ei­nem Spit­zen­ge­spräch mit den gro­ßen Wirt­schafts­ver­bän­den in Mün­chen be­tont, beim Min­dest­lohn ge­he es dar­um, Fehl­an­rei­ze zu ver­mei­den. "Sie dür­fen da­von aus­ge­hen, dass wir Ih­re Rat­schlä­ge auch auf­neh­men und auch ei­ni­ges da­von um­set­zen." Der stell­ver­tre­ten­de Uni­ons-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Mi­cha­el Fuchs (CDU) sag­te der "Pas­sau­er Neu­en Pres­se" (Sams­tag), an die­sem Diens­tag müss­ten beim Drei­er­tref­fen der Par­tei­chefs Mer­kel, Sig­mar Ga­bri­el (SPD) und Horst See­ho­fer (CSU) Nä­gel mit Köp­fen ge­macht wer­den.

Der de­si­gnier­te neue Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, Rei­ner Hoff­mann, for­der­te in der "Leip­zi­ger Volks­zei­tung" ei­ne zü­gi­ge Er­hö­hung des Min­dest­lohns, und zwar im jähr­li­chen Rhyth­mus und ge­kop­pelt an die Ta­ri­fent­wick­lung.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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