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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 431/15
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.12.2016
   
Leit­sätze: Ver­wei­gern Beschäftig­te die Ar­beit, weil der Ar­beit­ge­ber ei­nem - un­be­rech­tig­ten - Kündi­gungs­ver­lan­gen nicht nach­kommt, ist ei­ne Kündi­gung des Be­trof­fe­nen nicht als sog. „ech­te“ Druckkündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­ge­ber den Druck und die da­durch dro­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le nicht zu­min­dest da­durch ab­zu­weh­ren ver­sucht, dass er die Beschäftig­ten auf die Rechts­wid­rig­keit der Ar­beits­nie­der­le­gung hin­weist und für wei­te­re Zu­wi­der­hand­lun­gen ar­beits­recht­li­che Maßnah­men in Aus­sicht stellt.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 21.10.2014, 11 Ca 11185/13
Landesarbeitsgericht Bremen, Urteil vom 17.06.2015, 3 Sa 129/14
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 431/15
3 Sa 129/14
Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
15. De­zem­ber 2016

UR­TEIL

Rad­t­ke, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter, Re­vi­si­onskläger und An­schluss­re­vi­si­ons­be­klag­ter,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, Re­vi­si­ons­be­klag­te und An­schluss­re­vi­si­onskläge­rin,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Koch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt

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Ra­chor, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Nie­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schier­le und Dr. Ger­scher­mann für Recht er­kannt:

1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers und un­ter Zurück­wei­sung der An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 17. Ju­ni 2015 - 3 Sa 129/14 - im Kos­ten­aus­spruch und in­so­weit auf­ge­ho­ben, wie es die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven - Kam­mern Bre­mer­ha­ven - vom 21. Ok­to­ber 2014 - 11 Ca 11185/13 - zurück­ge­wie­sen hat.

2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven - Kam­mern Bre­mer­ha­ven - vom 21. Ok­to­ber 2014 - 11 Ca 11185/13 - teil­wei­se ab­geändert und zur Klar­stel­lung wie folgt neu ge­fasst:

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die außer­or­dent­li­che, noch durch die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 23. Ju­li 2013 auf­gelöst wor­den ist.

Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung.

Die Be­klag­te be­treibt ein Con­tai­ner­ter­mi­nal und beschäftigt et­wa 1.000 Ar­beit­neh­mer. Der Kläger war bei ihr seit No­vem­ber 2007 als Ha­fen­fach­ar­bei­ter tätig.

Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en im Sep­tem­ber 2011 we­gen des Ver­dachts ei­ner vom Kläger außer­dienst­lich be­gan­ge­nen Straf­tat des Miss­brauchs ei­nes Kin­des. Der Kläger wur­de we­gen die­ser Straf­tat

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straf­recht­lich ver­ur­teilt. Nach­dem sei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge in ers­ter In­stanz er­folg­reich ge­we­sen war, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis im April 2012 er­neut, da Mit­ar­bei­ter ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kläger ab­ge­lehnt hätten. Die Rechts­un­wirk­sam­keit die­ser Kündi­gun­gen steht rechts­kräftig fest.

Als der Kläger im Ju­ni und Ju­li 2013 an zwei Ta­gen zum Ar­beits­an­tritt wie­der im Be­trieb er­schien, wei­ger­ten sich Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten so­wie Ar­beit­neh­mer von auf dem Gelände täti­gen Dritt­fir­men, die Tätig­keit auf­zu­neh­men, so­lan­ge sich der Kläger auf dem Ter­mi­nal­gelände auf­hal­te. Die Be­klag­te kündig­te dar­auf­hin das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 23. Ju­li 2013 - nach Anhörung des Be­triebs­rats - ein wei­te­res Mal außer­or­dent­lich frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­recht.

Da­ge­gen hat der Kläger recht­zei­tig die vor­lie­gen­de Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Er hat ge­meint, es sei we­der ein wich­ti­ger Grund für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­ge­ben, noch sei die hilfs­wei­se erklärte or­dent­li­che Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 23. Ju­li 2013 nicht auf­gelöst wor­den ist;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen als Ha­fen­ar­bei­ter bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens wei­ter zu beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die außer­or­dent­li­che, je­den­falls aber die or­dent­li­che Kündi­gung sei rechts­wirk­sam. Durch die Wei­ge­rung ih­rer Be­leg­schaft so­wie der Mit­ar­bei­ter von Dritt­fir­men, ih­re Ar­beit auf­zu­neh­men, so­lan­ge sich der Kläger auf dem Ter­mi­nal­gelände auf­hal­te, ha­be sie er­heb­li­che wirt­schaft­li­che Schäden er­lit­ten. Sie ha­be sich mehr­fach schützend vor den Kläger ge­stellt. Sie sei aber nicht ver­pflich­tet, den Mit­ar­bei­tern, die sich wei­ger­ten, mit dem Kläger zu­sam­men­zu-

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ar­bei­ten, Ab­mah­nun­gen oder gar Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen oder ih­nen die Gehälter zu kürzen.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die außer­or­dent­li­che Kündi­gung für un­wirk­sam, die or­dent­li­che hin­ge­gen für wirk­sam ge­hal­ten. Mit sei­ner Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren hin­sicht­lich der or­dent­li­chen Kündi­gung wei­ter, während die Be­klag­te mit ih­rer An­schluss­re­vi­si­on die vollständi­ge Kla­ge­ab­wei­sung be­gehrt.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers ist be­gründet (I.), während sich die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten als un­be­gründet er­weist (II.). Die Kündi­gun­gen der Be­klag­ten vom 23. Ju­li 2013 ha­ben das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­gelöst. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an (III.).

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kündi­gungs­schutz­kla­ge in Be­zug auf die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Dies kann der Se­nat selbst ab­sch­ließend ent­schei­den (§ 563 Abs. 3 ZPO). Die Be­klag­te hat kei­ne Gründe dar­ge­tan, die ge­eig­net wären, ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung iSd. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG so­zi­al zu recht­fer­ti­gen. Die Be­stim­mung fin­det gem. § 1 Abs. 1, § 23 Abs. 1 KSchG auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung.

1. Das ernst­li­che Ver­lan­gen ei­nes Drit­ten, der un­ter An­dro­hung von Nach­tei­len vom Ar­beit­ge­ber die Ent­las­sung ei­nes be­stimm­ten Ar­beit­neh­mers for­dert, kann auch dann ei­nen Grund zur Kündi­gung iSd. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG bil­den, wenn es an ei­ner ob­jek­ti­ven Recht­fer­ti­gung der Dro­hung fehlt. Al­ler­dings un­ter­liegt ei­ne sol­che „ech­te“ Druckkündi­gung stren­gen An­for­de­run­gen. Ins­be­son­de­re darf der Ar­beit­ge­ber ei­nem Kündi­gungs­ver­lan­gen sei­tens der Be­leg­schaft oder ei­nes Teils sei­ner Mit­ar­bei­ter nicht oh­ne Wei­te­res nach­ge­ben. Er

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hat sich viel­mehr schützend vor den Be­trof­fe­nen zu stel­len und al­les Zu­mut­ba­re zu ver­su­chen, um die Be­leg­schaft von ih­rer Dro­hung ab­zu­brin­gen (BAG 19. Ju­li 2016 - 2 AZR 637/15 - Rn. 28; 18. Ju­li 2013 - 6 AZR 420/12 - Rn. 39). Die­se Pflicht ver­langt vom Ar­beit­ge­ber ein ak­ti­ves Han­deln, das dar­auf ge­rich­tet ist, den Druck ab­zu­weh­ren (BAG 19. Ju­li 2016 - 2 AZR 637/15 - Rn. 38). Nur wenn trotz sol­cher Bemühun­gen die Ver­wirk­li­chung der Dro­hung in Aus­sicht ge­stellt wird und dem Ar­beit­ge­ber da­durch schwe­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le dro­hen, kann ei­ne Kündi­gung ge­recht­fer­tigt sein. Vor­aus­set­zung dafür ist al­ler­dings, dass die Kündi­gung das ein­zig prak­tisch in Be­tracht kom­men­de Mit­tel ist, um die Schäden ab­zu­wen­den (BAG 19. Ju­li 2016 - 2 AZR 637/15 - aaO; 18. Ju­li 2013 - 6 AZR 420/12 - aaO).

2. Un­ter An­wen­dung die­ser Grundsätze lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner „ech­ten“ Druckkündi­gung nicht vor. Die Be­klag­te hat be­reits nach ih­rem ei­ge­nen Vor­brin­gen nicht in aus­rei­chen­der Wei­se ver­sucht, den auf sie aus­geübten Druck an­ders als durch die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung ab­zu­weh­ren. Die­se war da­her durch die Druck­si­tua­ti­on nicht iSd. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG „be­dingt“.

a) Die Be­klag­te hat sich nicht dar­auf be­ru­fen, es hätten Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Ei­genkündi­gung oder Kun­den mit Auf­tragskündi­gun­gen ge­droht. Die Dro­hung von großen Tei­len ih­rer Be­leg­schaft ha­be viel­mehr dar­in be­stan­den, bei ei­ner Ar­beits­auf­nah­me des Klägers (er­neut) die Ar­beit nie­der­zu­le­gen. Auch ei­ne sol­che Druck­ausübung kann zwar, wenn durch sie schwe­re wirt­schaft­li­che Schäden dro­hen, grundsätz­lich ge­eig­net sein, ei­ne „ech­te“ Druckkündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Vor­aus­set­zung dafür ist aber auch in ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on, dass der Ar­beit­ge­ber al­les ihm Zu­mut­ba­re ge­tan hat, um den Druck an­der­wei­tig als durch die Kündi­gung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers ab­zu­wen­den. Dafür ste­hen ihm bei ei­ner Dro­hung mit Ar­beits­nie­der­le­gun­gen an­de­re Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten zur Verfügung als bei ei­ner Dro­hung mit Ei­gen- oder Auf­tragskündi­gun­gen. Ar­beit­neh­mer, die die Ar­beit ver­wei­gern, weil der Ar­beit­ge­ber ei­nem - un­be­rech­tig­ten - Kündi­gungs­ver­lan­gen nicht nach­kommt, ver­let­zen ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflich­ten. Es ist dem Ar­beit­ge­ber stets zu­mut-

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bar, sie dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ihr Ver­hal­ten ei­nen schwer wie­gen­den, nach Ab­mah­nung ggf. zur Kündi­gung be­rech­ti­gen­den Ver­trags­bruch dar­stellt und dass ih­nen für die aus­fal­len­de Ar­beit kein Ent­gelt zu­steht. Ein sol­cher Hin­weis ist zur Ab­wen­dung des Drucks nicht un­ge­eig­net. Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Ar­beit­neh­mer schon da­durch ver­an­lasst wer­den, ih­re Wei­ge­rungs­hal­tung zu über­den­ken. Je­den­falls kann oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de Klar­stel­lung des Ar­beit­ge­bers nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, die Mit­ar­bei­ter sei­en zu wei­te­ren Ar­beits­nie­der­le­gun­gen selbst um den Preis fi­nan­zi­el­ler Ein­bußen und recht­li­cher Nach­tei­le für den Be­stand ih­rer ei­ge­nen Ar­beits­verhält­nis­se be­reit.

b) Be­son­de­re An­for­de­run­gen an das dem Ar­beit­ge­ber zu­mut­ba­re Ver­hal­ten, die Be­leg­schaft an­ders als durch die Kündi­gung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers von ih­rer Dro­hung ab­zu­brin­gen, be­ste­hen zu­dem dann, wenn der Ar­beit­ge­ber be­reits un­wirk­sam gekündigt hat und der Ar­beit­neh­mer nach er­folg­rei­chem Kündi­gungs­schutz­pro­zess wie­der beschäftigt wer­den soll. Der Ar­beit­ge­ber ist in die­sem Fall ge­hal­ten, dem auf­grund der vor­aus­ge­gan­ge­nen Kündi­gung mögli­chen sub­jek­ti­ven Ein­druck der wei­ter ei­ne Ent­las­sung for­dern­den Mit­ar­bei­ter ent­ge­gen­zu­wir­ken, ei­ne Druck­ausübung kom­me ihm „ge­ra­de recht“, um doch noch ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu er­rei­chen. An­de­ren­falls könn­ten sich die Mit­ar­bei­ter in ih­rem Ent­las­sungs­ver­lan­gen und in ih­rer Be­reit­schaft, die­sem durch den Ein­satz von Druck zum Er­folg zu ver­hel­fen, noch bestärkt fühlen. Der Ar­beit­ge­ber muss des­halb auch dem Kündi­gungs­ver­lan­gen als sol­chem ent­ge­gen­ge­tre­ten. Er muss deut­lich ma­chen, dass es für ei­ne Ent­las­sung kei­nen Grund gibt und dass aus sei­ner Sicht ei­ne Ent­las­sung oh­ne das Vor­lie­gen ob­jek­tiv ge­eig­ne­ter Kündi­gungs­gründe aus­ge­schlos­sen ist (BAG 19. Ju­li 2016 - 2 AZR 637/15 - Rn. 41).

c) Die­se Ob­lie­gen­hei­ten ent­fal­len nicht et­wa dann, wenn An­lass für die Druck­ausübung ei­ne als mo­ra­lisch be­son­ders ver­werf­lich emp­fun­de­ne Straf­tat des Ar­beit­neh­mers ist, die je­doch kei­ner­lei Be­zug zu sei­ner dienst­li­chen Tätig­keit hat. Der Ar­beit­ge­ber ist auch in ei­nem sol­chen Fall ge­hal­ten, dem mögli­chen Ein­druck ent­ge­gen zu wir­ken, er ha­be für das Ent­las­sungs­ver­lan­gen Verständ­nis. Nicht nur die Be­klag­te, son­dern auch die be­triebs­an­gehöri­gen Ar­beit-

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neh­mer ha­ben die ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zu re­spek­tie­ren, wo­nach ei­ne ar­beits­recht­li­che Sank­ti­on der vom Kläger be­gan­ge­nen Straf­tat aus­ge­schlos­sen ist. Ein dar­auf gestütz­tes Ent­las­sungs­ver­lan­gen ist da­her we­der „le­gi­tim“ noch gar „ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt“.

d) Da­nach hat die Be­klag­te nach ih­rem ei­ge­nen Vor­brin­gen nicht al­les Zu­mut­ba­re un­ter­nom­men, um die Be­leg­schaft von ih­rer Dro­hung ab­zu­brin­gen.

aa) Die Wei­ge­rung ih­rer Ar­beit­neh­mer, die Ar­beit auf­zu­neh­men, so­lan­ge der Kläger das Gelände des Con­tai­ner­ter­mi­nals nicht ver­las­sen ha­be, war rechts­wid­rig. Nach dem Vor­trag der Be­klag­ten ha­ben ih­re Re­präsen­tan­ten die Ar­beit­neh­mer zwar wie­der­holt ge­be­ten und auf­ge­for­dert, die Ar­beit wie­der auf­zu­neh­men. Sie ha­ben es aber un­ter­las­sen, sie auf die Rechts­wid­rig­keit der Ar­beits­nie­der­le­gun­gen hin­zu­wei­sen und ih­nen für wei­te­re Zu­wi­der­hand­lun­gen ar­beits­recht­li­che Maßnah­men in Aus­sicht zu stel­len. Die Be­klag­te hat ins­be­son­de­re nicht in der ge­bo­te­nen Wei­se dem mögli­chen Ein­druck ent­ge­gen­ge­wirkt, sie las­se es selbst Mit­ar­bei­tern mit Vor­bild­funk­ti­on „durch­ge­hen“, sich of­fen ver­trags­brüchig zu ver­hal­ten. Ge­genüber den die Ar­beit eben­falls ver­wei­gern­den und ihr ge­genüber zu be­son­de­rer Loya­lität ver­pflich­te­ten Führungs­kräften hätte sie ein­deu­tig klar­stel­len müssen, dass sie ge­ra­de auch de­ren Ver­hal­ten nicht bil­li­ge und sich vor­be­hal­te, dar­auf zu­min­dest mit ei­ner Ent­geltkürzung ar­beits­recht­lich zu re­agie­ren. Die al­lein mit dem Hin­weis auf die ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen be­gründe­te Ar­beits­auf­for­de­rung konn­te so­wohl die Führungs­kräfte als auch die übri­ge Be­leg­schaft in ih­rem Glau­ben bestäti­gen, es han­de­le sich letzt­lich um ei­ne „le­gi­ti­me“ Druck­ausübung, der die Be­klag­te nicht ernst­haft ent­ge­gen­tre­ten würde. Die Be­klag­te hätte über­dies klar­stel­len müssen, dass ei­ne Kündi­gung man­gels ob­jek­tiv ge­eig­ne­ter Kündi­gungs­gründe aus­ge­schlos­sen und sie nicht be­reit war, der rechts­wid­ri­gen Druck­ausübung der die Ar­beit ver­wei­gern­den Be­leg­schaft nach­zu­ge­ben. Auch dem ist sie schon nach ih­rem ei­ge­nen Vor­brin­gen nicht nach­ge­kom­men.

bb) Da die Be­klag­te ge­genüber den die Ar­beit ver­wei­gern­den Ar­beit­neh­mern we­der auf die Rechts­wid­rig­keit von de­ren Han­deln hin­ge­wie­sen noch ih­nen kon­kre­te ar­beits­recht­li­che Sank­tio­nen an­ge­droht hat und auch ih­rem

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Kündi­gungs­ver­lan­gen nicht aus­drück­lich ent­ge­gen ge­tre­ten ist, muss nicht ent­schie­den wer­den, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen es ei­nem Ar­beit­ge­ber zu­mut­bar ist, die ge­genüber den die Ar­beit ver­wei­gern­den Mit­ar­bei­tern in Aus­sicht ge­stell­ten Maßnah­men tatsächlich um­zu­set­zen. Al­ler­dings könn­te dem nicht mit der Erwägung des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­geg­net wer­den, der Ar­beit­ge­ber dürfe sol­che Sank­tio­nen un­ter Berück­sich­ti­gung ver­meint­lich be­rech­tig­ter In­ter­es­sen der Be­leg­schaft für un­ge­eig­net hal­ten. Es gibt kein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an ei­ner rechts­wid­ri­gen Ar­beits­nie­der­le­gung. Der Ar­beit­ge­ber hat - ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts - auch kein Er­mes­sen bei der Be­ur­tei­lung, wel­che Ver­su­che zur Druck­ab­wen­dung ihm zu­mut­bar sind. Dies be­stimmt sich viel­mehr, wenn auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­falls, ob­jek­tiv. Die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be „glaub­haft dar­ge­legt“, die Wei­ge­rungs­hal­tung „der Be­leg­schaft“ sei der­art mas­siv und nach­hal­tig ge­we­sen, dass der Aus­spruch von Ab­mah­nun­gen in der frag­li­chen Si­tua­ti­on nicht als ge­eig­ne­tes Mit­tel er­schie­nen sei, greift in­so­fern zu kurz. Zwar mag es im Rah­men tatrich­ter­li­cher Würdi­gung lie­gen, ob der Aus­spruch von Ab­mah­nun­gen un­mit­tel­bar in der „auf­ge­heiz­ten“ Si­tua­ti­on anläss­lich der Ar­beits­an­trit­te des Klägers kei­nen Ef­fekt ge­habt hätte. Da­mit ist aber nicht ge­sagt, wie mas­siv und nach­hal­tig die Wei­ge­rungs­hal­tung ge­we­sen wäre, wenn die Be­klag­te den die Ar­beit ver­wei­gern­den Ar­beit­neh­mern schon im Vor­feld des zwei­ten Ar­beits­an­tritts des Klägers Ab­mah­nun­gen we­gen der vor­her­ge­gan­ge­nen Ar­beits­ver­wei­ge­rung an­ge­droht oder aus­ge­spro­chen und/oder Ent­geltkürzun­gen an­ge­droht und/oder vor­ge­nom­men hätte.

cc) Nicht kon­kret be­ru­fen hat sich die Be­klag­te dar­auf, in­wie­fern ihr wirt­schaft­li­che Schäden ge­ra­de auch in­fol­ge der Ar­beits­nie­der­le­gung von Mit­ar­bei­tern an­de­rer auf dem Gelände täti­ger Fir­men ent­stan­den sind bzw. künf­tig zu er­war­ten ge­we­sen sei­en. Es kommt da­her nicht dar­auf an, wel­che an­de­ren zu­mut­ba­ren Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten als ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers ihr dies­bezüglich zur Verfügung ge­stan­den hätten. In Be­tracht käme et­wa, bei den für den Ar­beits­ein­satz ver­ant­wort­li­chen Re­präsen­tan­ten der Dritt­fir­men ei­ne Ein­wir­kung auf ih­re Ar­beit­neh­mer an­zu­mah­nen.

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II. Die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten, mit der die­se die vollständi­ge Ab­wei­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­gehrt, er­weist sich aus den vor­ste­hen­den Erwägun­gen als un­be­gründet. Die Be­klag­te hat kei­ne Gründe dar­ge­tan, die ge­eig­net wären, auch nur ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung iSd. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG so­zi­al zu recht­fer­ti­gen. Es fehlt da­her erst recht an ei­nem wich­ti­gen Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung.

III. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Er ist auf ei­ne Beschäfti­gung für die Dau­er des Kündi­gungs­rechts­streits ge­rich­tet. Die­ser ist mit der Ent­schei­dung des Se­nats rechts­kräftig ab­ge­schlos­sen.

IV. Die un­ter­le­ge­ne Be­klag­te hat gem. § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits, ein­sch­ließlich ih­rer er­folg­los ge­blie­be­nen Rechts­mit­tel, zu tra­gen.

Koch
Nie­mann
Ra­chor
K. Schier­le
Ger­scher­mann

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