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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Widerrufsvorbehalt, Weihnachtsgeld, Insolvenz des Arbeitgebers
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 AZR 774/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.01.2017
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Kempten, Urteil vom 28.08.2013, 1 Ca 614/13
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 05.08.2014, 7 Sa 934/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 AZR 774/14
7 Sa 934/13
Lan­des­ar­beits­ge­richt
München

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
24. Ja­nu­ar 2017

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Ja­nu­ar 2017 durch den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber als Vor­sit­zen­den, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ah­rendt und We­ber so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin We­ge und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Ben­rath für Recht er­kannt:

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Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 5. Au­gust 2014 - 7 Sa 934/13 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Zah­lung von Weih­nachts­geld für das Jahr 2012.

Im Jahr 2008 schloss der Rechts­vorgänger der Be­klag­ten, der In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen der K mit dem Kläger - wie auch die Mehr­zahl der Beschäftig­ten - ei­nen neu­en Ar­beits­ver­trag. Die­ser re­gelt ein mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt so­wie ei­ne er­geb­nis­abhängi­ge Son­der­zah­lung. Wei­ter­hin ist im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart:

„3. Weih­nachts­geld

Das Weih­nachts­geld 2008 be­rech­net sich nach dem durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ver­dienst ein­sch­ließlich Nacht­zu­schläge der letz­ten 3 Mo­na­te vor dem Mo­nat No­vem­ber 2008. Für die Zah­lung gilt fol­gen­de Staf­fe­lung:

nach 6 Mo­na­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit 25 % ei­nes Mo­nats­ver­diens­tes
nach 12 Mo­na­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit 35 % ei­nes Mo­nats­ver­diens­tes
nach 24 Mo­na­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit 45 % ei­nes Mo­nats­ver­diens­tes
nach 36 Mo­na­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit 55 % ei­nes Mo­nats­ver­diens­tes

Für das Rumpf­geschäfts­jahr 2008 beträgt die Aus­zah­lung 50 % des er­rech­ne­ten Be­tra­ges.

Ab 2009 wird das Weih­nachts­geld in vol­ler Höhe nach vor­ste­hen­den Be­rech­nungs­grund­la­gen be­zahlt.

Die Aus­zah­lung des Weih­nachts­gelds er­folgt mit der Lohn-/Ge­halts­ab­rech­nung des Mo­nats No­vem­ber. Der Ar­beit­ge­ber behält sich vor, die­se Leis­tung im Fall der

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wirt­schaft­li­chen Not­la­ge zu wi­der­ru­fen.“

Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers ging in der Fol­ge­zeit auf die nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te, bei der ein Be­triebs­rat ge­bil­det ist, über. Die­se teil­te dem Kläger mit Schrei­ben vom 12. No­vem­ber 2012 mit, sie wi­der­ru­fe „das Weih­nachts­geld für das Jahr 2012 auf­grund wirt­schaft­li­cher Not­la­ge“. Der Wi­der­ruf er­folg­te ge­genüber al­len Ar­beit­neh­mern, de­ren Ar­beits­ver­trag ei­ne Wi­der­rufs­klau­sel vor­sieht. Die Ar­beits­verträge der übri­gen Ar­beit­neh­mer ent­hal­ten ent­we­der kei­ne Re­ge­lung zur Gewährung ei­nes Weih­nachts­gelds oder kei­nen Wi­der­rufs­vor­be­halt. Zum Zeit­punkt des Wi­der­rufs stand die Be­klag­te kurz vor ei­ner In­sol­venz, die nur durch den Ein­stieg ei­nes In­ves­tors ab­ge­wen­det wer­den konn­te. Die­ser hat­te sein fi­nan­zi­el­les En­ga­ge­ment vom Wi­der­ruf des Weih­nachts­gelds abhängig ge­macht.

Mit der Kla­ge hat der Kläger die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds für das Jahr 2012 gel­tend ge­macht. Der Wi­der­rufs­vor­be­halt in Nr. 3 Abs. 4 des Ar­beits­ver­trags sei un­wirk­sam. Er ver­s­toße ge­gen das Be­stimmt­heits­ge­bot nach §§ 307, 308 Nr. 4 BGB. Es sei nicht er­kenn­bar, in wel­chen Fällen ei­ne wirt­schaft­li­che Not­la­ge vor­lie­ge. Die­se ha­be auch nicht be­stan­den. Je­den­falls ent­spre­che die Ausübung des Wi­der­rufs nicht bil­li­gem Er­mes­sen. Zu­dem sei der Wi­der­ruf nach der Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung un­be­acht­lich. Die Be­klag­te ha­be die Ent­loh­nungs­grundsätze geändert, weil der Wi­der­ruf nicht ge­genüber sämt­li­chen Ar­beit­neh­mern er­folgt sei. Hier­bei ha­be der Be­triebs­rat be­tei­ligt wer­den müssen.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.531,04 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. De­zem­ber 2012 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. 

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt sie ab­ge­wie­sen. Mit sei­ner Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.

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Ent­schei­dungs­gründe

Die nur teil­wei­se zulässi­ge Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet.

I. Die Re­vi­si­on des Klägers ist teil­wei­se un­zulässig. 

1. Nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO gehört 10 zum not­wen­di­gen In­halt der Re­vi­si­ons­be­gründung die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe. Bei ei­ner Sachrüge muss der ver­meint­li­che Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts so auf­ge­zeigt wer­den, dass Ge­gen­stand und Rich­tung des Re­vi­si­ons­an­griffs er­kenn­bar sind. Da­zu muss die Re­vi­si­ons­be­gründung ei­ne kon­kre­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gründen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ent­hal­ten. Bei meh­re­ren Streit­ge­genständen muss für je­den ei­ne sol­che Be­gründung ge­ge­ben wer­den. Fehlt sie zu ei­nem Streit­ge­gen­stand, ist das Rechts­mit­tel in­so­weit un­zulässig (BAG 27. Ju­li 2010 - 1 AZR 186/09 - Rn. 13 mwN).

2. Hier­nach ist die Re­vi­si­on un­zulässig, so­weit der Kläger sein Be­geh­ren auf ei­nen An­spruch auf Grund­la­ge der im Be­trieb gel­ten­den, zu­letzt mit­be­stimm­ten Ent­loh­nungs­grundsätze stützt, weil ei­ne Ver­let­zung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG vor­lie­ge.

a) Der Kläger hat sein Be­geh­ren auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds zum ei­nen auf die in­di­vi­du­al­recht­li­che Un­wirk­sam­keit des Wi­der­rufs und zum an­de­ren auf die feh­len­de, aber er­for­der­li­che Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats und ei­nen sich dar­aus er­ge­ben­den An­spruch gestützt. Hier­bei han­delt es sich um zwei von­ein­an­der zu un­ter­schei­den­de Le­bens­sach­ver­hal­te und da­mit zwei Streit­ge­genstände iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, de­ren Be­gründung nicht den­knot­wen­dig von­ein­an­der abhängt.

b) Die Re­vi­si­ons­be­gründung enthält kei­ne den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­chen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gründen des Be­ru­fungs­ur­teils, so­weit die­ses ei­nen An­spruch auf­grund ei­ner et­wai­gen Ver­let­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts ab­ge­lehnt hat. Sie führt le­dig­lich aus, der Be­triebs­rat ha­be „ent­ge­gen den Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ... mit­be­stim­men müs-

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sen“ und des­halb sei der An­spruch „auch we­gen Ver­s­toß ge­gen das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats“ zu be­ja­hen ge­we­sen, weil „Ent­loh­nungs­grundsätze geändert“ wor­den sei­en. Da­mit wie­der­holt der Kläger le­dig­lich sei­ne Rechts­auf­fas­sung, oh­ne sich mit der Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kon­kret aus­ein­an­der­zu­set­zen. Er geht nicht auf die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zum gänz­li­chen Wi­der­ruf ei­ner zwar nicht frei­wil­li­gen, aber wi­der­ruf­li­chen „Zu­la­ge“ so­wie zu ei­nem dann nicht mehr be­ste­hen­den Ver­tei­lungs­spiel­raum ein, der das Mit­be­stim­mungs­recht ent­fal­len las­se.

II. So­weit die Re­vi­si­on zulässig ist, ist sie un­be­gründet. Der Kläger hat kei­nen An­spruch nach Nr. 3 Abs. 4 Satz 1 des Ar­beits­ver­trags auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds. Die Be­klag­te war nach Satz 2 der Ver­ein­ba­rung be­rech­tigt, die ar­beits­ver­trag­li­che Zu­sa­ge ei­nes Weih­nachts­gelds ein­sei­tig zu wi­der­ru­fen. Die Wi­der­rufs­klau­sel hält ei­ner In­halts­kon­trol­le stand. Der Wi­der­ruf ent­sprach bil­li­gem Er­mes­sen.

1. Nr. 3 Abs. 4 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags, wor­in sich der Ar­beit­ge­ber vor be­hal­ten hat, die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds im Fall der wirt­schaft­li­chen Not­la­ge zu wi­der­ru­fen, ist wirk­sam.

a) Bei der Wi­der­rufs­klau­sel han­delt es sich nach den mit der Re­vi­si­on nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts um ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB.

b) Der Wi­der­rufs­vor­be­halt un­ter­liegt als ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Be­stim­mung der un­ein­ge­schränk­ten In­halts­kon­trol­le, § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB (vgl. BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 18 mwN). Ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mungs­rech­te, die dem Ver­wen­der das Recht einräum­en, die Haupt­leis­tungs­pflich­ten ein­zu­schränken, zu verändern, aus­zu­ge­stal­ten oder zu mo­di­fi­zie­ren, un­ter­lie­gen der In­halts­kon­trol­le. Sie wei­chen von dem all­ge­mei­nen Grund­satz pac­ta sunt ser­van­da ab (BAG 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - zu B I 4 a der Gründe, BA­GE 113, 140).

c) Der Wi­der­rufs­vor­be­halt ist nicht aus for­mel­len Gründen un­wirk­sam. 

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aa) Ein Wi­der­rufs­vor­be­halt muss den for­mel­len An­for­de­run­gen von § 308 Nr. 4 BGB ge­recht wer­den. Bei den Wi­der­rufs­gründen muss zu­min­dest die Rich­tung an­ge­ge­ben wer­den, aus der der Wi­der­ruf möglich sein soll, zB wirt­schaft­li­che Gründe, Leis­tung oder Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers (BAG 21. März 2013 - 5 AZR 651/10 - Rn. 16 mwN; 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - zu B I 5 b der Gründe, BA­GE 113, 140). Da­bei ist zu be­ach­ten, dass der Ver­wen­der vor­gibt, was ihn zum Wi­der­ruf be­rech­ti­gen soll.

bb) Die­sem Trans­pa­renz­ge­bot wird die Wi­der­rufs­klau­sel ge­recht. Der Grad der wirt­schaft­li­chen Störung, die ei­nen Wi­der­ruf ermögli­chen soll, wird dar­in kon­kre­ti­siert. Die Klau­sel stellt aus­drück­lich klar, dass der Ar­beit­neh­mer im Fall der wirt­schaft­li­chen Not­la­ge mit dem Wi­der­ruf der zu­ge­sag­ten Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gelds rech­nen muss. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist die Klau­sel nicht des­halb un­klar oder un­verständ­lich, weil nicht aus­drück­lich an­ge­ge­ben sei, auf wen sich die „wirt­schaft­li­che Not­la­ge“ be­zie­he. Der An­nah­me, da­mit könne auch ei­ne all­ge­mei­ne wirt­schaft­li­che Not­la­ge, die ei­nes Ge­sell­schaf­ters der Be­klag­ten oder die ei­nes Be­triebs oder des ge­sam­ten Kon­zerns ge­meint sein, steht schon ent­ge­gen, dass nach Nr. 3 Abs. 4 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags „der Ar­beit­ge­ber“ sich den Wi­der­ruf „im Fall der wirt­schaft­li­chen Not­la­ge“ vor­be­hal­ten hat. Da­mit ist klar­ge­stellt, dass die wirt­schaft­li­che Not­la­ge beim Un­ter­neh­men der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­be­rin vor­lie­gen muss.

d) Die Wi­der­rufs­klau­sel ist auch ma­te­ri­ell wirk­sam. 

aa) Die Wirk­sam­keit des Wi­der­rufs­vor­be­halts rich­tet sich nach § 308 Nr. 4 BGB als der ge­genüber § 307 BGB spe­zi­el­le­ren Norm. De­ren Wer­tun­gen sind im Rah­men des § 308 Nr. 4 BGB her­an­zu­zie­hen. Außer­dem sind nach § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen (BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 19 mwN).

bb) Die Ver­ein­ba­rung ei­nes Wi­der­rufs­rechts ist nach § 308 Nr. 4 BGB zu­mut­bar, wenn der Wi­der­ruf nicht grund­los er­fol­gen soll, son­dern we­gen der un­si­che­ren Ent­wick­lung der Verhält­nis­se als In­stru­ment der An­pas­sung not­wen­dig ist (BAG 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - zu B I 4 c der Gründe, BA­GE 113,

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140). Die ge­bo­te­ne In­ter­es­sen­abwägung muss zu ei­ner Zu­mut­bar­keit der Klau­sel für den Ar­beit­neh­mer führen. Das rich­tet sich in An­leh­nung an § 307 BGB ins­be­son­de­re nach der Art und Höhe der Leis­tung, die wi­der­ru­fen wer­den soll, nach der Höhe des ver­blei­ben­den Ver­diens­tes und der Stel­lung des Ar­beit­neh­mers im Un­ter­neh­men. Un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Ge­sichts­punk­te muss der Wi­der­rufs­grund den Wi­der­ruf ty­pi­scher­wei­se recht­fer­ti­gen. Auch wenn der Ar­beit­ge­ber im Grund­satz ein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se dar­an hat, be­stimm­te Leis­tun­gen, ins­be­son­de­re „Zu­satz­leis­tun­gen“ fle­xi­bel aus­zu­ge­stal­ten, darf das Wirt­schafts­ri­si­ko des Un­ter­neh­mers nicht auf den Ar­beit­neh­mer ver­la­gert wer­den. Ein­grif­fe in den Kern­be­reich des Ar­beits­ver­trags sind nach der Wer­tung des § 307 Abs. 2 BGB nicht zulässig (BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 21 f.).

cc) Dem wird Nr. 3 Abs. 4 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags ge­recht. 

(1) Die Ver­ein­ba­rung ei­nes Wi­der­rufs­vor­be­halts für ein dem Ar­beit­neh­mer zu­ge­sag­tes Weih­nachts­geld bei wirt­schaft­li­cher Not­la­ge des Ar­beit­ge­bers ist zulässig, wenn durch des­sen Weg­fall das Verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung im Ar­beits­verhält­nis nicht grund­le­gend berührt ist. Das ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts der Fall, so­weit der im Ge­gen­sei­tig­keits­verhält­nis ste­hen­de wi­der­ruf­li­che Teil des Ge­samt­ver­diensts un­ter 25 vH liegt. Sind darüber hin­aus Zah­lun­gen des Ar­beit­ge­bers wi­der­ruf­lich, die kei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung dar­stel­len, erhöht sich der wi­der­ruf­li­che Teil der Ar­beits­vergütung auf bis zu 30 vH des Ge­samt­ver­diensts. Dem Ar­beit­neh­mer wird hier zu sei­nem Vor­teil ei­ne Leis­tung zusätz­lich zum übli­chen Ent­gelt gewährt. Der Ar­beit­ge­ber ist dann bis zur Gren­ze der Willkür frei, die Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs fest­zu­le­gen und dem­ent­spre­chend auch den Wi­der­ruf zu erklären (BAG 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - zu A I 4 c bb der Gründe, BA­GE 113, 140).

(2) Das jähr­li­che Weih­nachts­geld iHv. ma­xi­mal 55 vH ei­nes Mo­nats­ent­gelts beträgt nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts we­ni­ger als 5 vH des Ge­sam­tent­gelts des Klägers. Das Verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung im Ar­beits­verhält­nis wird da­her nicht grund­le­gend berührt. Dem Kläger

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ver­bleibt nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch nach Ausübung des Wi­der­rufs­rechts ei­ne ta­rif­li­che Vergütungshöhe.

dd) Der Wi­der­rufs­vor­be­halt ist auch nicht un­wirk­sam, weil er kei­ne Ankündi­gungs- bzw. Aus­lauf­frist enthält. Für ei­ne sol­che Frist gibt es kei­nen An­satz im Ge­setz. Die Einräum­ung ei­ner Aus­lauf­frist ist bei der Ausübungs­kon­trol­le in Be­tracht zu zie­hen (BAG 21. März 2012 - 5 AZR 651/10 - Rn. 18 mwN).

2. Die Be­klag­te hat ihr Wi­der­rufs­recht wirk­sam aus­geübt. 

a) Ne­ben der In­halts­kon­trol­le der in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­te­nen Wi­der­rufs­klau­sel steht die Ausübungs­kon­trol­le gemäß § 315 BGB. Die Erklärung des Wi­der­rufs stellt ei­ne Be­stim­mung der Leis­tung durch den Ar­beit­ge­ber nach § 315 Abs. 1 BGB dar. Der Wi­der­ruf muss im Ein­zel­fall bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen (BAG 21. März 2012 - 5 AZR 651/10 - Rn. 22 mwN; 20. April 2011 - 5 AZR 191/10 - Rn. 20, BA­GE 137, 383).

b) Die in Nr. 3 Abs. 4 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags ge­re­gel­ten tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Wi­der­rufs­rechts sind erfüllt.

aa) Die Be­klag­te be­fand sich zum Zeit­punkt der Ausübung des Wi­der­rufs­rechts mit Schrei­ben vom 12. No­vem­ber 2012 in ei­ner wirt­schaft­li­chen Not­la­ge. Sie war nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts in ih­rer Exis­tenz be­droht und stand am Ran­de ei­ner In­sol­venz, die nur mit Hil­fe ei­nes In­ves­tors ab­ge­wen­det wer­den konn­te.

bb) Es kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen, ob die Be­klag­te den Wi­der­ruf nach dem In­halt ih­res Schrei­bens vom 12. No­vem­ber 2012 nur auf die streit­ge­genständ­li­che Zah­lung des Weih­nachts­gelds für das Jahr 2012 be­grenzt hat. Ei­ne nur ein­ge­schränk­te Ausübung des der Be­klag­ten nach Nr. 3 Abs. 4 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags zu­ste­hen­den Wi­der­rufs­rechts hätte auf die Wirk­sam­keit des Wi­der­rufs für das Jahr 2012 kei­nen Ein­fluss.

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c) Der Wi­der­ruf wahrt auch die Gren­zen bil­li­gen Er­mes­sens iSd. § 315 Abs. 1 BGB. Da­von ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen. Hier­ge­gen wen­det sich die Re­vi­si­on auch nicht.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO

Tre­ber
Ah­rendt
We­ber
D. We­ge
Ben­rath

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