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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Arbeitszeit, Bereitschaftsdienst
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Akten­zeichen: C-303/98
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 03.10.2000
   
Leit­sätze:

1. Ei­ne Tätig­keit wie die der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung fällt in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­ni­en 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit und 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung.

2. Der na­tio­na­le Rich­ter kann bei Feh­len aus­drück­li­cher Maßnah­men zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 das in­ner­staat­li­che Recht an­wen­den, so­weit es un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung die Vor­aus­set­zun­gen des Ar­ti­kels 17 der Richt­li­nie erfüllt.

3. Der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­ten, ist ins­ge­samt als Ar­beits­zeit und ge­ge­be­nen­falls als Über­stun­den im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen. Beim Be­reit­schafts­dienst in Form ständi­ger Er­reich­bar­keit ist nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen.

4. Die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung, die in re­gelmäßigen Zeitabständen nachts Be­reit­schafts­dienst leis­ten, können nicht be­reits auf­grund von Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 93/104 als Nacht­ar­bei­ter an­ge­se­hen wer­den. Die Fra­ge, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten über die Nacht­ar­beit der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer auf die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung an­wend­bar sind, ist vom na­tio­na­len Ge­richt nach in­ner­staat­li­chem Recht zu be­ant­wor­ten.

5. Die von den Ärz­ten der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung während des Be­reit­schafts­diens­tes ge­leis­te­te Ar­beit ist Schicht­ar­beit, und die­se Ärz­te sind Schicht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mern 5 und 6 der Richt­li­nie 93/104.

6. Bei Feh­len na­tio­na­ler Vor­schrif­ten zur Um­set­zung von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie 93/104 oder ge­ge­be­nen­falls zur aus­drück­li­chen Über­nah­me ei­ner der in Ar­ti­kel 17 Absätze 2, 3 und 4 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen können die­se Be­stim­mun­gen da­hin aus­ge­legt wer­den, dass sie un­mit­tel­ba­re Wir­kung ha­ben, und ge­ben da­her dem Ein­zel­nen ei­nen An­spruch dar­auf, dass der Be­zugs­zeit­raum für die Fest­le­gung ih­rer wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit zwölf Mo­na­te nicht über­schrei­tet.

7. Die aus­drück­li­che Zu­stim­mung der ge­werk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­part­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag steht der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers selbst im Sin­ne des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 93/104 nicht gleich.

Vor­ins­tan­zen: Tribunal Superior de Justicia de la Comunidad Valenciana (Spanien)
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHO­FES

3. Ok­to­ber 2000 (1)

„So­zi­al­po­li­tik - Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer - Richt­li­ni­en 89/391/EWG und 93/104/EG - An­wen­dungs­be­reich - Ärz­te von Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung - Durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit - Ein­be­zie­hung von Be­reit­schafts­dienst - Nacht- und Schicht­ar­bei­ter“

In der Rechts­sa­che C-303/98

be­tref­fend ein dem Ge­richts­hof nach Ar­ti­kel 177 EG-Ver­trag (jetzt Ar­ti­kel 234 EG) vom Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de la Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na (Spa­ni­en) in dem bei die­sem anhängi­gen Rechts­streit

Sin­di­ca­to de Médi­cos de Asis­ten­cia Públi­ca (Si­map)

ge­gen

Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na

vor­ge­leg­tes Er­su­chen um Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung der Richt­li­ni­en 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit (ABl. L 183, S. 1) und 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18)

erläßt

DER GERICH­TSHOF

un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten G. C. Ro­dríguez Igle­si­as, der Kam­mer­präsi­den­ten J. C. Moi­t­in­ho de Al­mei­da (Be­richt­er­stat­ter), D. A. O. Ed­ward, L. Sevón und R. Sch­int­gen so­wie der Rich­ter P. J. G. Kap­teyn, C. Gul­mann, J.-P. Puis­so­chet, P. Jann, H. Ragne­malm und M. Wa­the­let,

Ge­ne­ral­an­walt: A. Sag­gio


Kanz­ler: D. Lou­ter­man-Hu­beau, Haupt­ver­wal­tungsrätin

un­ter Berück­sich­ti­gung der schrift­li­chen Erklärun­gen

- des Sin­di­ca­to de Médi­cos de Asis­ten­cia Públi­ca (Si­map), ver­tre­ten durch Rechts­an­walt D. Ri­ve­ra Auñón,

- der Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na, ver­tre­ten durch J. Pla Gi­me­no, Ju­rist in der Rechts­ab­tei­lung der Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na, als Be­vollmäch­tig­ten,

- der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch Aboga­do del Esta­do M. López-Monís Gal­le­go als Be­vollmäch­tig­te,

- der fin­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch die Re­gie­rungs­be­auf­trag­te T. Pynnä als Be­vollmäch­tig­te,

- der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch As­sis­tant Tre­a­su­ry So­li­ci­tor J. E. Col­lins als Be­vollmäch­tig­ten im Bei­stand von Bar­ris­ter D. An­der­son,

- der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch Rechts­be­ra­ter D. Gou­lous­sis und I. Martínez del Pe­ral, Ju­ris­ti­scher Dienst, als Be­vollmäch­tig­te,

auf­grund des Sit­zungs­be­richts,

nach Anhörung der münd­li­chen Ausführun­gen des Sin­di­ca­to de Médi­cos de Asis­ten­cia Públi­ca (Si­map), ver­tre­ten durch Rechts­an­walt D. Ri­ve­ra Auñón, der Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na, ver­tre­ten durch J. Pla Gi­me­no, der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch Aboga­do del Esta­do N. Díaz Ab­ad, als Be­vollmäch­tig­te, der fin­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch T. Pynnä, und der Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch D. Gou­lous­sis und I. Martínez del Pe­ral, in der Sit­zung vom 28. Sep­tem­ber 1999,

nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 16. De­zem­ber 1999,

fol­gen­des

Ur­teil

1

Das Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de la Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na hat mit Be­schluss vom 10. Ju­li 1998, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 3. Au­gust 1998, gemäß Ar­ti­kel 177 EG-Ver­trag (jetzt Ar­ti­kel 234 EG) fünf Fra­gen nach der Aus­le­gung der Richt­li­ni­en 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit (ABl. L 183, S. 1; im Fol­gen­den: Grund­richt­li­nie) und 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18) zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

2

Die­se Fra­gen stel­len sich in ei­nem Rechts­streit zwi­schen dem Sin­di­ca­to de Médi­cos de Asis­ten­cia Públi­ca de la Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na (Ge­werk­schaft der Ärz­te im öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sen der Re­gi­on Va­len­cia; im Fol­gen­den: Si­map) und der Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na (Mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit und Ver­brau­cher­schutz der Re­gio­nal­re­gie­rung von Va­len­cia), ge­gen die Si­map ei­ne kol­lek­tiv­ar­beits­recht­li­che Kla­ge bezüglich des ärzt­li­chen Per­so­nals er­ho­ben hat, das in den Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung der Ge­sund­heits­zen­tren der Re­gi­on Va­len­cia Dienst tut.

Recht­li­cher Rah­men

Ge­mein­schafts­re­ge­lung

Die Grund­richt­li­nie

3

Die Grund­richt­li­nie ist die ein­schlägi­ge Rah­men­richt­li­nie. Sie enthält die all­ge­mei­nen Grundsätze, die später in ei­ner Rei­he von Ein­zel­richt­li­ni­en, dar­un­ter die Richt­li­nie 93/104, näher aus­geführt wur­den.

4

Der An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie ist in ih­rem Ar­ti­kel 2 fol­gen­der­maßen de­fi­niert:

„(1) Die­se Richt­li­nie fin­det An­wen­dung auf al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che (ge­werb­li­che, land­wirt­schaft­li­che, kaufmänni­sche, ver­wal­tungsmäßige so­wie dienst­leis­tungs- oder aus­bil­dungs­be­zo­ge­ne, kul­tu­rel­le und Frei­zeittätig­kei­ten usw.).

(2) Die­se Richt­li­nie fin­det kei­ne An­wen­dung, so­weit dem Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst, z. B. bei den Streit­kräften oder der Po­li­zei, oder be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten bei den Ka­ta­stro­phen­schutz­diens­ten zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen.

In die­sen Fällen ist dafür Sor­ge zu tra­gen, dass un­ter Berück­sich­ti­gung der Zie­le die­ser Richt­li­nie ei­ne größtmögli­che Si­cher­heit und ein größtmögli­cher Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer gewähr­leis­tet ist.“

Die Richt­li­nie 93/104

5

Die Richt­li­nie 93/104 dient der Ver­bes­se­rung von Si­cher­heit, Ar­beits­hy­gie­ne und Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit. Sie wur­de auf der Grund­la­ge des Ar­ti­kels 118a EG-Ver­trag (die Ar­ti­kel 117 bis 120 EG-Ver­trag sind durch die Ar­ti­kel 136 EG bis 143 EG er­setzt wor­den) er­las­sen.

6

Die ers­ten bei­den Ar­ti­kel der Richt­li­nie 93/104 de­fi­nie­ren de­ren Ge­gen­stand und An­wen­dungs­be­reich so­wie die Trag­wei­te und Be­deu­tung der ver­wen­de­ten Be­grif­fe.

7

Ar­ti­kel 1 („Ge­gen­stand und An­wen­dungs­be­reich“) der Richt­li­nie lau­tet:

„(1) Die­se Richt­li­nie enthält Min­dest­vor­schrif­ten für Si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung.

(2) Ge­gen­stand die­ser Richt­li­nie sind

a) die tägli­chen und wöchent­li­chen Min­destru­he­zei­ten, der Min­dest­jah­res­ur­laub, die Ru­he­pau­sen, und die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit so­wie

b) be­stimm­te As­pek­te der Nacht- und der Schicht­ar­beit so­wie des Ar­beits­rhyth­mus.

(3) Die­se Richt­li­nie fin­det un­be­scha­det des Ar­ti­kels 17 An­wen­dung auf al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG, mit Aus­nah­me des Straßen-, Luft-, See- und Schie­nen­ver­kehrs, der Bin­nen­schif­fahrt, der See­fi­sche­rei, an­de­rer Tätig­kei­ten auf See so­wie der Tätig­kei­ten der Ärz­te in der Aus­bil­dung.

(4) Die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 89/391/EWG fin­den un­be­scha­det stren­ge­rer und/oder spe­zi­fi­scher Vor­schrif­ten in der vor­lie­gen­den Richt­li­nie auf die in Ab­satz 2 ge­nann­ten Be­rei­che voll An­wen­dung.“

8

Ar­ti­kel 2 der Richt­li­nie sieht un­ter der Über­schrift „Be­griffs­be­stim­mun­gen“ vor:

„Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie sind:

1. Ar­beits­zeit: je­de Zeit­span­ne, während der ein Ar­beit­neh­mer gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ar­bei­tet, dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht und sei­ne Tätig­keit ausübt oder Auf­ga­ben wahr­nimmt;

2. Ru­he­zeit: je­de Zeit­span­ne außer­halb der Ar­beits­zeit;

3. Nacht­zeit: je­de, in den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­leg­te Zeit­span­ne von min­des­tens sie­ben St­un­den, wel­che auf je­den Fall die Zeit­span­ne zwi­schen 24 Uhr und 5 Uhr um­fasst;

4. Nacht­ar­bei­ter:

a) ei­ner­seits: je­der Ar­beit­neh­mer, der während der Nacht­zeit nor­ma­ler­wei­se min­des­tens drei St­un­den sei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit ver­rich­tet;

b) an­de­rer­seits: je­der Ar­beit­neh­mer, der während der Nacht­zeit ge­ge­be­nen­falls ei­nen be­stimm­ten Teil sei­ner jähr­li­chen Ar­beits­zeit ver­rich­tet, der nach Wahl des je­wei­li­gen Mit­glied­staats fest­ge­legt wird:

i) nach Anhörung der So­zi­al­part­ner in den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder

ii) in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern auf na­tio­na­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne;

5. Schicht­ar­beit: je­de Form der Ar­beits­ge­stal­tung kon­ti­nu­ier­li­cher oder nicht kon­ti­nu­ier­li­cher Art mit Be­leg­schaf­ten, bei der Ar­beit­neh­mer nach ei­nem be­stimm­ten Zeit­plan, auch im Ro­ta­ti­ons­tur­nus, suk­zes­si­ve an den glei­chen Ar­beits­stel­len ein­ge­setzt wer­den, so dass sie ih­re Ar­beit in­ner­halb ei­nes Ta­ge[...] oder Wo­chen um­fas­sen­den Zeit­raums zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten ver­rich­ten müssen;

6. Schicht­ar­bei­ter: je­der in ei­nem Schicht­ar­beits­plan ein­ge­setz­te Ar­beit­neh­mer.“

9

Die Richt­li­nie 93/104 enthält ei­ne Rei­he von Vor­schrif­ten über die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit, die tägli­chen und wöchent­li­chen Min­destru­he­zei­ten, den Jah­res­ur­laub so­wie die Dau­er und die Be­din­gun­gen der Nacht- und der Schicht­ar­beit.

10

Bezüglich der wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit be­stimmt Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie 93/104:

„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, da­mit nach Maßga­be der Er­for­der­nis­se der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer:

1. die wöchent­li­che Ar­beits­zeit durch in­ner­staat­li­che Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern fest­ge­legt wird;

2. die durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit pro Sie­ben­ta­ges­zeit­raum 48 St­un­den ein­sch­ließlich der Über­stun­den nicht über­schrei­tet.“

11

Bezüglich der Dau­er der Nacht­ar­beit sieht Ar­ti­kel 8 der Richt­li­nie 93/104 vor:

„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, da­mit:

1. die nor­ma­le Ar­beits­zeit für Nacht­ar­bei­ter im Durch­schnitt acht St­un­den pro 24-St­un­den-Zeit­raum nicht über­schrei­tet.

2. Nacht­ar­bei­ter, de­ren Ar­beit mit be­son­de­ren Ge­fah­ren oder ei­ner er­heb­li­chen körper­li­chen oder geis­ti­gen An­span­nung ver­bun­den ist, in ei­nem 24-St­un­den-Zeit­raum, während dem sie Nacht­ar­beit ver­rich­ten, nicht mehr als acht St­un­den ar­bei­ten.

Zum Zwe­cke die­ser Num­mer wird im Rah­men von ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten oder von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern fest­ge­legt, wel­che Ar­beit un­ter Berück­sich­ti­gung der Aus­wir­kun­gen der Nacht­ar­beit und der ihr ei­ge­nen Ri­si­ken mit be­son­de­ren Ge­fah­ren oder ei­ner er­heb­li­chen körper­li­chen und geis­ti­gen An­span­nung ver­bun­den ist.“

12

Ar­ti­kel 15 der Richt­li­nie 93/104 be­stimmt:

„Das Recht der Mit­glied­staa­ten, für die Si­cher­heit und den Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten an­zu­wen­den oder zu er­las­sen oder die An­wen­dung von für die Si­cher­heit und den Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­ren Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern zu fördern oder zu ge­stat­ten, bleibt un­berührt.“

13

Ar­ti­kel 16 der Richt­li­nie 93/104 legt die Be­zugs­zeiträume fest, die bei der An­wen­dung der in den Rand­num­mern 9 bis 12 die­ses Ur­teils zi­tier­ten Vor­schrif­ten zu berück­sich­ti­gen sind. Er lau­tet wie folgt:

„Die Mit­glied­staa­ten können für die An­wen­dung der fol­gen­den Ar­ti­kel ei­nen Be­zugs­zeit­raum vor­se­hen, und zwar

1. für Ar­ti­kel 5 (wöchent­li­che Ru­he­zeit) ei­nen Be­zugs­zeit­raum bis zu 14 Ta­gen;

2. für Ar­ti­kel 6 (wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit) ei­nen Be­zugs­zeit­raum bis zu vier Mo­na­ten.

Die nach Ar­ti­kel 7 gewähr­ten Zei­ten des be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs so­wie die Krank­heits­zei­ten blei­ben bei der Be­rech­nung des Durch­schnitts un­berück­sich­tigt oder sind neu­tral;

3. für Ar­ti­kel 8 (Dau­er der Nacht­ar­beit) ei­nen Be­zugs­zeit­raum, der nach Anhörung der So­zi­al­part­ner oder in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern auf na­tio­na­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne fest­ge­legt wird.

Fällt die auf­grund von Ar­ti­kel 5 ver­lang­te wöchent­li­che Min­destru­he­zeit von 24 St­un­den in den Be­zugs­zeit­raum, so bleibt sie bei der Be­rech­nung des Durch­schnitts un­berück­sich­tigt.“

14

Die Richt­li­nie 93/104 sieht auf­grund der Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter Tätig­kei­ten un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Rei­he von Ab­wei­chun­gen von ih­ren Grund­re­geln vor. In­so­weit be­stimmt Ar­ti­kel 17:

„(1) Un­ter Be­ach­tung der all­ge­mei­nen Grundsätze des Schut­zes der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer können die Mit­glied­staa­ten von den Ar­ti­keln 3, 4, 5, 6, 8 und 16 ab­wei­chen, wenn die Ar­beits­zeit we­gen der be­son­de­ren Merk­ma­le der aus­geübten Tätig­keit nicht ge­mes­sen und/oder nicht im Vor­aus fest­ge­legt wird oder von den Ar­beit­neh­mern selbst fest­ge­legt wer­den kann, und zwar ins­be­son­de­re in Be­zug auf nach­ste­hen­de Ar­beit­neh­mer:

a) lei­ten­de An­ge­stell­te oder sons­ti­ge Per­so­nen mit selbständi­ger Ent­schei­dungs­be­fug­nis;

b) Ar­beits­kräfte, die Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge sind;

c) Ar­beit­neh­mer, die im lit­ur­gi­schen Be­reich von Kir­chen oder Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten beschäftigt sind.

(2) So­fern die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten oder in Aus­nah­mefällen, in de­nen die Gewährung sol­cher gleich­wer­ti­gen Aus­gleichs­ru­he­zei­ten aus ob­jek­ti­ven Gründen nicht möglich ist, ei­nen an­ge­mes­se­nen Schutz er­hal­ten, kann im We­ge von Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern ab­ge­wi­chen wer­den:

2.1. von den Ar­ti­kel 3, 4, 5, 8 und 16:

a) bei Tätig­kei­ten, die durch ei­ne Ent­fer­nung zwi­schen dem Ar­beits­platz und dem Wohn­sitz des Ar­beit­neh­mers oder durch ei­ne Ent­fer­nung zwi­schen ver­schie­de­nen Ar­beitsplätzen des Ar­beit­neh­mers ge­kenn­zeich­net sind;

b) für den Wach- und Sch­ließdienst so­wie die Dienst­be­reit­schaft, die durch die Not­wen­dig­keit ge­kenn­zeich­net sind, den Schutz von Sa­chen und Per­so­nen zu gewähr­leis­ten, und zwar ins­be­son­de­re in Be­zug auf Wach­per­so­nal oder Haus­meis­ter oder Wach- und Sch­ließun­ter­neh­men;

c) bei Tätig­kei­ten, die da­durch ge­kenn­zeich­net sind, dass die Kon­ti­nuität des Diens­tes oder der Pro­duk­ti­on gewähr­leis­tet sein muss, und zwar ins­be­son­de­re bei

i) Auf­nah­me-, Be­hand­lungs- und/oder Pfle­ge­diens­ten von Kran­kenhäusern oder ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen, Hei­men so­wie Gefäng­nis­sen,

...

(3) Von den Ar­ti­keln 3, 4, 5, 8 und 16 kann ab­ge­wi­chen wer­den im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern auf na­tio­na­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne oder, bei zwi­schen den So­zi­al­part­nern ge­trof­fe­nen Ab­ma­chun­gen, im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen So­zi­al­part­nern auf nied­ri­ge­rer Ebe­ne.

...

(4) Die in Ab­satz 2 Num­mern 2.1 und 2.2 und in Ab­satz 3 vor­ge­se­he­ne Möglich­keit der Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 darf nicht die Fest­le­gung ei­nes Be­zugs­zeit­raums zur Fol­ge ha­ben, der länger ist als sechs Mo­na­te.

Den Mit­glied­staa­ten ist es je­doch mit der Maßga­be, dass sie da­bei die all­ge­mei­nen Grundsätze der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer wah­ren, frei­ge­stellt zu­zu­las­sen, dass in den Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen So­zi­al­part­nern aus ob­jek­ti­ven, tech­ni­schen oder ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründenlänge­re Be­zugs­zeiträume fest­ge­legt wer­den, die auf kei­nen Fall zwölf Mo­na­te über­schrei­ten dürfen.

...“

15

Ar­ti­kel 18 der Richt­li­nie 93/104 sieht vor:

„(1) a) Die Mit­glied­staa­ten set­zen die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in Kraft, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens am 23. No­vem­ber 1996 nach­zu­kom­men, oder sie ver­ge­wis­sern sich spätes­tens zu die­sem Zeit­punkt, dass die So­zi­al­part­ner mit­tels Ver­ein­ba­run­gen die er­for­der­li­chen Be­stim­mun­gen einführen; da­bei sind die Mit­glied­staa­ten ge­hal­ten, die er­for­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen, da­mit sie je­der­zeit gewähr­leis­ten können, dass die von der Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den.

b) i) Es ist ei­nem Mit­glied­staat je­doch frei­ge­stellt, Ar­ti­kel 6 nicht an­zu­wen­den, wenn er die all­ge­mei­nen Grundsätze der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer einhält und mit den er­for­der­li­chen Maßnah­men dafür sorgt, dass

- kein Ar­beit­ge­ber von ei­nem Ar­beit­neh­mer ver­langt, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten, es sei denn der Ar­beit­neh­mer hat sich hier­zu be­reit erklärt;

- kei­nem Ar­beit­neh­mer Nach­tei­le dar­aus ent­ste­hen, dass er nicht be­reit ist, ei­ne sol­che Ar­beit zu leis­ten;

- der Ar­beit­ge­ber ak­tu­el­le Lis­ten über al­le Ar­beit­neh­mer führt, die ei­ne sol­che Ar­beit leis­ten;

- die Lis­ten den zuständi­gen Behörden zur Verfügung ge­stellt wer­den, die aus Gründen der Si­cher­heit und/oder des Schut­zes der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit zur Über­schrei­tung der wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit un­ter­bin­den oder ein­schränken können;

- der Ar­beit­ge­ber die zuständi­gen Behörden auf Er­su­chen darüber un­ter­rich­tet, wel­che Ar­beit­neh­mer sich da­zu be­reit erklärt ha­ben, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten.

...“

Na­tio­na­le Re­ge­lung

16

Ar­ti­kel 6 des Re­al De­cre­to Nr. 137/84 vom 11. Ja­nu­ar 1984 (BOE Nr. 27 vom 1. Fe­bru­ar 1984, S. 2627) sieht un­ter der Über­schrift „Ar­beits­zeit“ vor:

„Das Per­so­nal der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung ar­bei­tet un­be­scha­det mögli­cher Ver­pflich­tun­gen auf­grund von Be­reit­schafts­dienst vier­zig St­un­den pro Wo­che. Es hat ent­spre­chend den Sta­tu­ten des ärzt­li­chen Per­so­nals und des me­di­zi­ni­schen Hilfs­per­so­nals im Be­reich der so­zia­len Si­cher­heit so­wie de­ren Durchführungs­vor­schrif­ten Haus­be­su­che zu ma­chen und Not­fall­ver­sor­gung zu leis­ten.

Im länd­li­chen Be­reich er­folgt die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung im re­gelmäßigen Dienst und im Not­dienst vor­mit­tags und nach­mit­tags im Ge­sund­heits­zen­trum, in ört­li­chen Pra­xen und zu Hau­se.

Un­ter den Team­mit­glie­dern wer­den Wech­sel­schich­ten für den Not­dienst fest­ge­setzt, der an sämt­li­chen Ta­gen der Wo­che im Ge­sund­heits­zen­trum ge­leis­tet wird.“

17

Mit Ent­schei­dung vom 20. No­vem­ber 1992, veröffent­licht im An­hang des Be­schlus­ses vom 15. Ja­nu­ar 1993 (BOE Nr. 28 vom 2. Fe­bru­ar 1993, S. 2864), ge­neh­mig­te die Re­gie­rung ei­ne Ver­ein­ba­rung, die die staat­li­che Ge­sund­heits­ver­wal­tung und die re­präsen­ta­tivs­ten Ge­werk­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen im Be­reich der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Spa­ni­en am 3. Ju­li 1992 ge­trof­fen hat­ten. Im An­hang die­ser Ent­schei­dung, der die Ver­ein­ba­run­gen im Be­reich der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung be­trifft, ist un­ter der Über­schrift „B) Be­reit­schafts­dienst“ be­stimmt:

„... All­ge­mein wird der Be­reit­schafts­dienst auf höchs­tens 425 St­un­den pro Jahr fest­ge­setzt. Für Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung im länd­li­chen Be­reich, die zwangsläufig die all­ge­mein vor­ge­se­he­nen 425 St­un­den Be­reit­schafts­dienst pro Jahr über­schrei­ten, wird der Be­reit­schafts­dienst auf ma­xi­mal 850 St­un­den pro Jahr mit dem Ziel ei­ner schritt­wei­sen Sen­kung die­ser St­un­den­zahl fest­ge­setzt ...“

18

Für die Re­gi­on Va­len­cia wur­de am 7. Mai 1993 fer­ner ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen den re­präsen­ta­tivs­ten Ge­werk­schafts­verbänden und der Re­gio­nal­ver­wal­tung ge­trof­fen, de­ren Wort­laut dem in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer wie­der­ge­ge­be­nen Text ähnelt. Die­se Ver­ein­ba­rung sieht ins­be­son­de­re vor:

„Der Be­reit­schafts­dienst des Per­so­nals wird auf höchs­tens 425 St­un­den pro Jahr fest­ge­setzt. Für Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung im länd­li­chen Be­reich, die zwangsläufig die all­ge­mein vor­ge­se­he­nen 425 St­un­den Be­reit­schafts­dienst pro Jahr über­schrei­ten, wird der Be­reit­schafts­dienst auf ma­xi­mal 850 St­un­den pro Jahr­mit dem Ziel ei­ner schritt­wei­sen Sen­kung die­ser St­un­den­zahl fest­ge­setzt; zu die­sem Zweck wer­den im Rah­men der ent­spre­chen­den Haus­halts­mit­tel zusätz­li­che Ärz­te und me­di­zi­nisch-tech­ni­sche As­sis­ten­ten ein­ge­stellt ...“

19

Mit Ent­schei­dung der Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na vom 20. No­vem­ber 1991 wur­de ei­ne Ver­ord­nung über die Or­ga­ni­sa­ti­on und Ar­beits­wei­se der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung der Re­gi­on Va­len­cia (im Fol­gen­den: Ver­ord­nung) er­las­sen. Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 die­ser Ver­ord­nung ent­spricht Ar­ti­kel 6 des Re­al De­cre­to Nr. 137/84.

20

Mit Ur­teil vom 15. De­zem­ber 1993 erklärte der Se­nat für Ver­wal­tungs­sa­chen des Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de la Com­mu­ni­dad Va­len­cia­na die Ent­schei­dung über die Ge­neh­mi­gung der Ver­ord­nung für nich­tig.

21

Am 21. Sep­tem­ber 1995 wur­de das Re­al De­cre­to Nr. 1561/95 über Son­der­ar­beits­zei­ten (BOE Nr. 230 vom 26. Sep­tem­ber 1995, S. 28606) er­las­sen. Sein An­wen­dungs­be­reich be­schränkt sich auf gewöhn­li­che pri­vat­recht­li­che Ar­beits­verhält­nis­se; es enthält kei­ne das Ge­sund­heits­we­sen be­tref­fen­den Vor­schrif­ten.

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­ab­ent­schei­dungs­fra­gen

22

Mit ei­ner kol­lek­tiv­ar­beits­recht­li­chen Kla­ge ge­gen die Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na be­an­trag­te Si­map die Fest­stel­lung, dass al­le Ärz­te, die in den Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung der Re­gi­on Va­len­cia ih­ren Dienst leis­ten, An­spruch dar­auf ha­ben,

- dass Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 der Ver­ord­nung un­ter Berück­sich­ti­gung der Ar­ti­kel 6, 8, 15 und 17 der Richt­li­nie 93/104 aus­ge­legt wird;

- dass ih­re wöchent­li­che Ar­beits­zeit ein­sch­ließlich Über­stun­den (ge­rech­net über vier Mo­na­te) vier­zig St­un­den und die Nacht­ar­beit pro 24-St­un­den-Zeit­raum acht St­un­den nicht über­schrei­tet oder im Fall der Über­schrei­tung gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten gewährt wer­den;

- hilfs­wei­se, dass ih­re wöchent­li­che Ar­beits­zeit ein­sch­ließlich Über­stun­den (ge­rech­net über vier Mo­na­te) 48 St­un­den und die Nacht­ar­beit pro 24-St­un­den-Zeit­raum acht St­un­den nicht über­schrei­tet oder im Fall der Über­schrei­tung gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten gewährt wer­den;

- dass sie als Nacht- und Schicht­ar­bei­ter an­er­kannt wer­den und dem­zu­fol­ge vor der Auf­nah­me die­ser Art von Ar­beit und da­nach in re­gelmäßigen Zeitabständen die be­son­de­ren Schutz­maßnah­men der Ar­ti­kel 9 bis 13 der Richt­li­nie 93/104 durch­geführt wer­den.

23

Nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts wird die Kla­ge in tatsäch­li­cher Hin­sicht da­mit be­gründet, dass nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 der Ver­ord­nung, der Ar­ti­kel 6 des Re­al De­cre­to Nr. 137/84 ent­spre­che, die Ärz­te, die in den Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung Dienst täten, oh­ne zeit­li­che Be­gren­zung, d. h. oh­ne ei­ne Be­schränkung der tägli­chen, wöchent­li­chen, mo­nat­li­chen oder jähr­li­chen Ar­beits­zeit ar­bei­ten müss­ten. Da­bei schließe sich an den gewöhn­li­chen Ar­beits­tag der Be­reit­schafts­dienst an und an die­sen der fol­gen­de gewöhn­li­che Ar­beits­tag in dem von der Con­sel­le­ria de Sa­ni­dad y Con­su­mo de la Ge­ne­ra­li­dad Va­len­cia­na gewünsch­ten Rhyth­mus ent­spre­chend ein­sei­tig fest­ge­leg­ten Er­for­der­nis­sen. Si­map ma­che wei­ter gel­tend, dass ein Arzt ei­nes Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung je nach Wo­chen- oder Mo­nats­plan ei­ne un­un­ter­bro­che­ne Ar­beits­zeit von 31 St­un­den - oh­ne nächt­li­che Ru­he­zeit - ab­leis­te, manch­mal so­gar je­den zwei­ten Tag, wo­bei er für sei­ne Ver­pfle­gung selbst zu sor­gen ha­be und zu Nacht­zei­ten, wenn kei­ne öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel verfügbar sei­en, nach ei­ge­nem Er­mes­sen al­lein und oh­ne jeg­li­che Si­cher­heit Haus­be­su­che ma­chen müsse.

24

Das vor­le­gen­de Ge­richt führt aus, dass die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Pu­er­to de Sag­un­to und Bur­jas­sot von acht Uhr bis fünf­zehn Uhr ar­bei­te­ten; hin­zu kom­me - ab­ge­se­hen von un­vor­her­ge­se­he­nen Aus­nah­mefällen, ins­be­son­de­re bei Ver­tre­tung kran­ker Kol­le­gen - al­le elf Ta­ge Be­reit­schafts­dienst vom En­de des Ar­beits­ta­ges bis um acht Uhr am fol­gen­den Mor­gen. Die wöchent­li­che Ar­beits­zeit der be­trof­fe­nen Ärz­te be­tra­ge vier­zig St­un­den; hin­zu­zu­rech­nen sei ge­ge­be­nen­falls der Be­reit­schafts­dienst, der nach der na­tio­na­len Pra­xis der Aus­le­gung ih­res Sta­tuts und der gel­ten­den in­ter­nen Re­ge­lung Be­stand­teil der ge­setz­li­chen Ar­beits­zeit sei.

25

Eben­so ent­spre­che es der na­tio­na­len Pra­xis bei Ärz­ten, de­ren Be­zie­hung zur Ver­wal­tung sich nach dienst­recht­li­chen Vor­schrif­ten rich­te, dass der Be­reit­schafts­dienst Son­der­ar­beits­zeit sei, die nicht als Über­stun­den gel­te und un­ge­ach­tet des Um­fangs der tatsächlich ge­leis­te­ten Tätig­keit pau­schal vergütet wer­de.

26

Im Übri­gen würden, wenn der Nacht- oder Be­reit­schafts­dienst in Form von Ruf­be­reit­schaft ge­leis­tet wer­de, für die ma­xi­ma­le Ar­beits­zeit nur die tatsächli­chen Ar­beits­stun­den an­ge­rech­net. Der in den Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen ge­leis­te­te Be­reit­schafts­dienst sei nie­mals als Über­stun­den an­zu­se­hen; die­se stell­ten ei­ne Verlänge­rung der nor­ma­len Ar­beits­zeit bei glei­cher Ar­beits­last dar, während der Be­reit­schafts­dienst un­ter an­de­ren Be­din­gun­gen als die während der nor­ma­len Ar­beits­zeit ver­rich­te­te Tätig­keit ge­leis­tet wer­de.

27

Das na­tio­na­le Ge­richt stellt wei­ter fest, dass die Richt­li­nie 93/104 nicht ord­nungs­gemäß in in­ner­staat­li­ches spa­ni­sches Recht um­ge­setzt wor­den sei. Nur das Re­al De­cre­to Nr. 1561/95 sei er­las­sen wor­den, des­sen An­wen­dungs­be­reich sich auf gewöhn­li­che pri­vat­recht­li­che Ar­beits­verhält­nis­se be­schränke und das kei­ne das Ge­sund­heits­we­sen be­tref­fen­den Vor­schrif­ten ent­hal­te.

28

Das Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de la Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na hat da­her das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. Fra­gen zur all­ge­mei­nen An­wend­bar­keit der Richt­li­nie

a) Sind der Wort­laut des Ar­ti­kels 118a EG-Ver­trag und die Be­zug­nah­me in Ar­ti­kel 1 Ab­satz 3 der Richt­li­nie 93/104/EG auf „al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG“, nach dem die Richt­li­nie kei­ne An­wen­dung fin­det, „so­weit dem Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst ... zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen“, so zu ver­ste­hen, dass die Tätig­keit der von dem Rechts­streit be­trof­fe­nen Ärz­te in den Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung von die­sem Aus­schluss er­fasst wird?

b) Ar­ti­kel 1 Ab­satz 3 der Richt­li­nie 93/104/EG ver­weist un­ter Ver­wen­dung des Wor­tes „un­be­scha­det“ auch auf Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie. Zwar gibt es, wie vor­ste­hend be­reits an­geführt wor­den ist, kei­ne staat­li­che oder re­gio­na­le Har­mo­ni­sie­rungs­re­ge­lung; ist die­ses Feh­len aber als ei­ne Ab­wei­chung von den Ar­ti­keln 3, 4, 5, 6, 8 und 16 an­zu­se­hen, wenn die Ar­beits­zeit we­gen der be­son­de­ren Merk­ma­le der aus­geübten Tätig­keit nicht ge­mes­sen und/oder nicht im Vor­aus fest­ge­legt wird?

c) Ist dem Aus­schluss der „Tätig­kei­ten der Ärz­te in der Aus­bil­dung“ am En­de des Ar­ti­kels 1 Ab­satz 3 im Um­kehr­schluss zu ent­neh­men, dass al­le übri­gen Ärz­te von der Richt­li­nie er­fasst wer­den?

d) Kommt dem Hin­weis, dass die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 89/391/EWG auf die in Ab­satz 2 ge­nann­ten Be­rei­che „voll“ An­wen­dung fin­den, für ih­re Gel­tend­ma­chung und An­wen­dung ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung zu?

2. Fra­gen zur Ar­beits­zeit

a) Die Ar­beits­zeit ist in Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1 der Richt­li­nie de­fi­niert als „je­de Zeit­span­ne, während der ein Ar­beit­neh­mer gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ar­bei­tet, dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht und sei­ne Tätig­keit ausübt oder Auf­ga­ben wahr­nimmt“. Soll in An­be­tracht der na­tio­na­len Pra­xis, auf die in die­sem Be­schluss vor­ste­hend un­ter Zif­fer 8 des Sach­ver­halts hin­ge­wie­sen wor­den ist, und des Feh­lens ei­ner Ha­mo­ni­sie­rungs­vor­schrift die na­tio­na­le Pra­xis fort­ge­setzt wer­den, wo­nach die Zeit des Be­reit­schafts­diens­tes bei den 40 Wo­chen­stun­de­n­un­berück­sich­tigt bleibt, oder sind die für pri­vat­recht­li­che Ar­beits­verhält­nis­se gel­ten­den all­ge­mei­nen und be­son­de­ren Ar­beits­zeit­vor­schrif­ten des spa­ni­schen Rechts sinn­gemäß an­zu­wen­den?

b) Ist, wenn die be­tref­fen­den Ärz­te Be­reit­schafts­dienst in der Wei­se leis­ten, dass sie ständig er­reich­bar, nicht aber in der Ein­rich­tung persönlich an­we­send sind, die­se ge­sam­te Zeit als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen oder gemäß der vor­ste­hend un­ter Zif­fer 8 des Sach­ver­halts ge­nann­ten na­tio­na­len Pra­xis nur die Zeit, die sie für die Tätig­keit tatsächlich auf­ge­wandt ha­ben, zu der sie je­weils ge­ru­fen wor­den sind?

c) Ist, wenn die be­tref­fen­den Ärz­te Be­reit­schafts­dienst in der Wei­se leis­ten, dass sie in der Ein­rich­tung persönlich an­we­send sind, die­se ge­sam­te Zeit als nor­ma­le Ar­beits­zeit oder ent­spre­chend der vor­ste­hend un­ter Zif­fer 8 des Sach­ver­halts ge­nann­ten na­tio­na­len Pra­xis als Son­der­ar­beits­zeit an­zu­se­hen?

3. Zur durch­schnitt­li­chen Ar­beits­zeit

a) Ist die Zeit des Be­reit­schafts­diens­tes bei der Er­mitt­lung der durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit gemäß Ar­ti­kel 6 Ab­satz 2 der Richt­li­nie zu berück­sich­ti­gen?

b) Sind die für den Be­reit­schafts­dienst auf­ge­wand­ten St­un­den als Über­stun­den an­zu­se­hen?

c) Kann der in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie ge­nann­te Be­zugs­zeit­raum trotz Feh­lens ei­ner Har­mo­ni­sie­rungs­vor­schrift An­wen­dung fin­den und ist in die­sem Fall die Re­ge­lung gemäß Ar­ti­kel 17 Absätze 2 und 3 in Ver­bin­dung mit Ab­satz 4 über die Ab­wei­chun­gen von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 an­wend­bar?

d) Kann Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie trotz Feh­lens ei­ner Har­mo­ni­sie­rungs­vor­schrift auf­grund der in Ar­ti­kel 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b vor­ge­se­he­nen Möglich­keit, Ar­ti­kel 6 nicht an­zu­wen­den, des­halb nicht an­wend­bar sein, weil der Ar­beit­neh­mer die­ser Ar­beit zu­ge­stimmt hat? Steht da­bei die aus­drück­li­che Zu­stim­mung der ge­werk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­part­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag der Zu­stim­mung der Ar­beit­neh­mer gleich?

4. Zur Nacht­ar­beit

a) Sind, wenn die nor­ma­le Ar­beit nicht während der Nacht­zeit ver­rich­tet wird, son­dern nur ein Teil des Be­reit­schafts­diens­tes, der auf ei­ni­ge der be­trof­fe­nen Ärz­te in re­gelmäßigen Zeitabständen zu­kom­men kann,nachts ge­leis­tet wird, bei Feh­len ei­ner Har­mo­ni­sie­rungs­vor­schrift die­se Ärz­te als Nacht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie an­zu­se­hen?

b) Können die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten über die Nacht­ar­beit der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer bei der Wahl gemäß Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b Zif­fer i der Richt­li­nie auf Ärz­te an­ge­wandt wer­den, die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen?

c) Um­fasst die „nor­ma­le“ Ar­beits­zeit im Sin­ne von Ar­ti­kel 8 Num­mer 1 der Richt­li­nie auch den Be­reit­schafts­dienst, der in Form von Ruf­be­reit­schaft oder persönli­cher An­we­sen­heit ge­leis­tet wird?

5. Zur Schicht­ar­beit und zum Schicht­ar­bei­ter

Han­delt es sich bei der Ar­beit der be­trof­fe­nen Ärz­te um Schicht­ar­beit und sind die­se Ärz­te Schicht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mern 5 und 6 der Richt­li­nie, wenn sie nur beim Be­reit­schafts­dienst in Schich­ten ar­bei­ten und wenn ei­ne Har­mo­ni­sie­rungs­vor­schrift fehlt?

Zu den Vor­la­ge­fra­gen

Zum An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 93/104 (Fra­gen 1a, 1c und 1d)

29

Mit sei­nen Fra­gen 1a, 1c und 1d möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in den An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie und der Richt­li­nie 93/104 fällt.

30

Ar­ti­kel 1 Ab­satz 3 der Richt­li­nie 93/104 de­fi­niert de­ren An­wen­dungs­be­reich un­ter aus­drück­li­cher Be­zug­nah­me auf Ar­ti­kel 2 der Grund­richt­li­nie und un­ter Fest­le­gung ei­ner Rei­he von Aus­nah­men für be­stimm­te be­son­de­re Tätig­kei­ten.

31 Um zu be­stim­men, ob ei­ne Tätig­keit wie die der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 93/104 fällt, ist da­her zunächst zu prüfen, ob die­se Tätig­keit in den An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie fällt.
32

Die Grund­richt­li­nie fin­det gemäß ih­rem Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1 An­wen­dung auf al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che, ins­be­son­de­re auf ge­werb­li­che, land­wirt­schaft­li­che, kaufmänni­sche, ver­wal­tungsmäßige so­wie dienst­leis­tungs- oder aus­bil­dungs­be­zo­ge­ne, kul­tu­rel­le und Frei­zeittätig­kei­ten. Wie sich aus Ab­satz 2 der­sel­ben Vor­schrift er­gibt, fin­det die Richt­li­nie je­doch kei­ne An­wen­dung, so­weit dem Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst,z. B. bei den Streit­kräften oder der Po­li­zei, oder be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten bei den Ka­ta­stro­phen­schutz­diens­ten zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen.

33

Da die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung ih­re Tätig­kei­ten in ei­nem Rah­men ausüben, auf­grund des­sen sie dem öffent­li­chen Sek­tor zu­zu­ord­nen sind, ist zu prüfen, ob die­se Tätig­kei­ten von dem in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer ge­nann­ten Aus­schluss er­fasst wer­den.

34

So­wohl aus dem Ziel der Grund­richt­li­nie, der Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit, als auch aus dem Wort­laut ih­res Ar­ti­kels 2 Ab­satz 1 er­gibt sich, dass ihr An­wen­dungs­be­reich weit zu ver­ste­hen ist.

35 Folg­lich sind die Aus­nah­men vom An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie ein­sch­ließlich der in ih­rem Ar­ti­kel 2 Ab­satz 2 vor­ge­se­he­nen Aus­nah­me eng aus­zu­le­gen.
36

Außer­dem be­zieht sich Ar­ti­kel 2 Ab­satz 2 der Grund­richt­li­nie auf be­stimm­te spe­zi­fi­sche Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst, die die öffent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung gewähr­leis­ten sol­len und für ein ge­ord­ne­tes Ge­mein­we­sen un­ent­behr­lich sind.

37

Im Re­gel­fall kann die Tätig­keit des Per­so­nals der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung der­ar­ti­gen Tätig­kei­ten nicht gleich­ge­setzt wer­den.

38

So­mit fällt die Tätig­keit des Per­so­nals der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in den An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie.

39

Zu prüfen ist da­her, ob die­se Tätig­keit un­ter ei­ne der Aus­nah­men der Ar­ti­kels 1 Ab­satz 3 der Richt­li­nie 93/104 fällt.

40

Das ist nicht der Fall. Nach die­ser Vor­schrift fal­len nur die Tätig­kei­ten der Ärz­te in der Aus­bil­dung un­ter die Aus­nah­men vom An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie.

41

Da­mit ist auf die Fra­gen 1a, 1c und 1d zu ant­wor­ten, dass ei­ne Tätig­keit wie die der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in den An­wen­dungs­be­reich der Grund­richt­li­nie und der Richt­li­nie 93/104 fällt.

Zur An­wen­dung von Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie 93/104 (Fra­ge 1b)

42

Mit sei­ner Fra­ge 1b möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob der na­tio­na­le Rich­ter bei Feh­len aus­drück­li­cher Maßnah­men zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 das in­ner­staat­li­che Recht an­wen­den kann, so­weit die­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung un­ter die in Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie ge­nann­ten Ab­wei­chun­gen fällt.

43

Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie 93/104 er­laubt, im We­ge von Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern von den Ar­ti­keln 3, 4, 5, 6, 8 und 16 der Richt­li­nie ab­zu­wei­chen, wenn be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Die in Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 ge­nann­ten Ab­wei­chun­gen sind nur im We­ge von Recht­set­zungs- und Ver­wal­tungs­maßnah­men zulässig.

44

Folg­lich ist das auf ei­ne be­stimm­te Tätig­keit an­wend­ba­re na­tio­na­le Recht, wenn es trotz Feh­lens aus­drück­li­cher Maßnah­men zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 die in Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, richt­li­ni­en­kon­form, und die na­tio­na­len Ge­rich­te sind durch nichts an sei­ner An­wen­dung ge­hin­dert.

45

So­mit ist auf die Fra­ge 1b zu ant­wor­ten, dass der na­tio­na­le Rich­ter bei Feh­len aus­drück­li­cher Maßnah­men zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 das in­ner­staat­li­che Recht an­wen­den kann, so­weit es un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung die Vor­aus­set­zun­gen des Ar­ti­kels 17 der Richt­li­nie erfüllt.

Zum Be­griff der Ar­beits­zeit (Fra­gen 2a bis 2c, 3a, 3b und 4c)

46

Mit sei­nen Fra­gen 2a bis 2c, 3a, 3b und 4c, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in den Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen oder in Form der „Ruf­be­reit­schaft“ leis­ten, als Ar­beits­zeit oder als Über­stun­den im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen ist.

47

Die­se Richt­li­nie de­fi­niert die Ar­beits­zeit als je­de Zeit­span­ne, während de­ren ein Ar­beit­neh­mer gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ar­bei­tet, dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht und sei­ne Tätig­keit ausübt oder Auf­ga­ben wahr­nimmt. Im Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang der Richt­li­nie ist die­ser Be­griff zu­dem im Ge­gen­satz zur Ru­he­zeit zu se­hen; bei­de Be­grif­fe schließen ein­an­der aus.

48

Im Aus­gangs­ver­fah­ren weist der Be­reit­schafts­dienst der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung die cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­ma­le des Be­grif­fes der Ar­beits­zeit auf. Bei die­ser Art Be­reit­schafts­dienst sind un­strei­tig die bei­den ers­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt. Zu­dem ist die Ver­pflich­tung der Ärz­te, sich zur Er­brin­gung ih­rer be­ruf­li­chen Leis­tun­gen am Ar­beits­platz auf­zu­hal­ten und verfügbar zu sein, als Be­stand­teil der Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben an­zu­se­hen, auch wenn die tatsächlich ge­leis­te­te Ar­beit von den Umständen abhängt.

49

Die­se Aus­le­gung steht im Übri­gen im Ein­klang mit dem Ziel der Richt­li­nie 93/104, die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten, in­dem ih­nen Min­destru­he­zei­ten so­wie an­ge­mes­se­ne Ru­he­pau­sen zu­ge­stan­den wer­den (ach­te­Be­gründungs­erwägung der Richt­li­nie). Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Num­mer 35 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, würde die­ses Ziel ernst­haft gefähr­det, wenn der Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit nicht un­ter den Be­griff der Ar­beits­zeit fie­le.

50

Wie der Ge­ne­ral­an­walt wei­ter in Num­mer 37 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, gilt et­was an­de­res, wenn die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung Be­reit­schafts­dienst in der Wei­se leis­ten, dass sie ständig er­reich­bar sind, oh­ne je­doch zur An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung ver­pflich­tet zu sein (Ruf­be­reit­schaft). Selbst wenn sie ih­rem Ar­beit­ge­ber in dem Sin­ne zur Verfügung ste­hen, dass sie er­reich­bar sein müssen, können die Ärz­te in die­ser Si­tua­ti­on frei­er über ih­re Zeit verfügen und ei­ge­nen In­ter­es­sen nach­ge­hen. Un­ter die­sen Umständen ist nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als Ar­beits­zeit im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen.

51

Was die Fra­ge be­trifft, ob die für Be­reit­schafts­dienst auf­ge­wand­te Zeit als Über­stun­den an­ge­se­hen wer­den kann, so de­fi­niert die Richt­li­nie zwar nicht den Be­griff der Über­stun­de, der le­dig­lich in Ar­ti­kel 6 über die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit erwähnt wird, doch fal­len Über­stun­den un­ter den Be­griff der Ar­beits­zeit im Sin­ne der Richt­li­nie. Die Richt­li­nie un­ter­schei­det nämlich nicht da­nach, ob die­se Zeit in der nor­ma­len Ar­beits­zeit liegt oder nicht.

52

Auf die Fra­gen 2a bis 2c, 3a, 3b und 4c ist so­mit zu ant­wor­ten, dass der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­ten, ins­ge­samt als Ar­beits­zeit und ge­ge­be­nen­falls als Über­stun­den im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen ist. Beim Be­reit­schafts­dienst in Form von Ruf­be­reit­schaft ist nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen.

Zum Nacht­ar­beitscha­rak­ter der Tätig­keit (Fra­gen 4a und 4b)

53

Mit sei­nen Fra­gen 4a und 4b möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob be­stimm­te Ärz­te, die in re­gelmäßigen Zeitabständen nachts Be­reit­schafts­dienst leis­ten, als Nacht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen sind und ob bei der Wahl, die der Mit­glied­staat nach die­ser Vor­schrift hat, die für pri­vat­recht­li­che Ar­beits­verhält­nis­se gel­ten­den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten auf Ärz­te an­ge­wandt wer­den können, die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen.

54

Aus dem Vor­la­ge­be­schluss geht her­vor, dass die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Pu­er­to de Sag­un­to und Bur­jas­sot von acht Uhr bis fünf­zehn Uhr ar­bei­ten; hin­zu kommt - ab­ge­se­hen von un­vor­her­ge­se­he­nen Aus­nah­mefällen, ins­be­son­de­re bei Ver­tre­tung kran­ker Kol­le­gen - al­le elf Ta­ge Be­reit­schafts­dienst vom En­de des Ar­beits­ta­ges bis um acht Uhr am fol­gen­den­Mor­gen. Die Ar­beits­zeit der übri­gen Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in der Re­gi­on Va­len­cia wird in den Ak­ten nicht ge­nannt, doch das na­tio­na­le Ge­richt geht von dem Grund­satz aus, dass der Be­reit­schafts­dienst in die­sem Fall nur in re­gelmäßigen Zeitabständen ge­leis­tet wird.

55

Nach dem Wort­laut des Ar­ti­kels 2 Num­mer 4 Buch­sta­be a der Richt­li­nie 93/104 ist Nacht­ar­bei­ter „je­der Ar­beit­neh­mer, der während der Nacht­zeit nor­ma­ler­wei­se min­des­tens drei St­un­den sei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit ver­rich­tet“. Nach Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b ha­ben die na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber oder, nach Wahl des je­wei­li­gen Mit­glied­staats, die So­zi­al­part­ner auf na­tio­na­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne die Möglich­keit, auch an­de­re Ar­beit­neh­mer, die während der Nacht­zeit ei­nen be­stimm­ten Teil ih­rer jähr­li­chen Ar­beits­zeit ver­rich­ten, als Nacht­ar­bei­ter an­zu­se­hen.

56

Da das König­reich Spa­ni­en aber hin­sicht­lich der in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den Ar­beit­neh­mer kei­ne Maßnah­me gemäß Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie ge­trof­fen hat, können die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung, die in re­gelmäßigen Zeitabständen nachts Be­reit­schafts­dienst leis­ten, nicht be­reits auf­grund die­ser Vor­schrift als Nacht­ar­bei­ter an­ge­se­hen wer­den.

57

Die Fra­ge, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten über die Nacht­ar­beit der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer bei der Wahl gemäß Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b Zif­fer i der Richt­li­nie auf die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung an­wend­bar sind, ist vom na­tio­na­len Ge­richt nach den Vor­schrif­ten des in­ner­staat­li­chen Rechts zu be­ant­wor­ten.

58

Auf die Fra­gen 4a und 4b ist so­mit zu ant­wor­ten, dass die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung, die in re­gelmäßigen Zeitabständen nachts Be­reit­schafts­dienst leis­ten, nicht be­reits auf­grund von Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 93/104 als Nacht­ar­bei­ter an­ge­se­hen wer­den können. Die Fra­ge, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten über die Nacht­ar­beit der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer auf die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung an­wend­bar sind, ist vom na­tio­na­len Ge­richt nach in­ner­staat­li­chem Recht zu be­ant­wor­ten.

Zu den Be­grif­fen der Schicht­ar­beit und des Schicht­ar­bei­ters (fünf­te Fra­ge)

59

Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge möch­te das na­tio­na­le Ge­richt wis­sen, ob die von den Ärz­ten der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung während des Be­reit­schafts­diens­tes ge­leis­te­te Ar­beit Schicht­ar­beit ist und die­se Ärz­te Schicht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mern 5 und 6 der Richt­li­nie 93/104 sind.

60

Wie be­reits dar­ge­legt, ar­bei­ten die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Pu­er­to de Sag­un­to und Bur­jas­sot von acht Uhr bis fünf­zehn Uhr und leis­ten zusätz­lich - ab­ge­se­hen von un­vor­her­ge­se­he­nen Aus­nah­mefällen - al­le elf Ta­ge Be­reit­schafts­dienst vom En­de des Ar­beits­ta­ges bis um acht Uhr am fol­gen­den Mor­gen; hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit der übri­gen Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in der Re­gi­on Va­len­cia geht das na­tio­na­le Ge­richt von dem Grund­satz aus, dass der Be­reit­schafts­dienst nur in re­gelmäßigen Zeitabständen ge­leis­tet wird.

61

Die Ar­beits­zeit, die für Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in den Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen und für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung während des Be­reit­schafts­diens­tes in Form von Ruf­be­reit­schaft auf­ge­wandt wird, erfüllt al­le Vor­aus­set­zun­gen des Be­grif­fes der Schicht­ar­beit im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mer 5.

62

Die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung wer­den nämlich im Rah­men ei­ner Ar­beits­ge­stal­tung beschäftigt, bei der die Ar­beit­neh­mer im Ro­ta­ti­ons­tur­nus nach­ein­an­der an den glei­chen Ar­beitsplätzen ein­ge­setzt wer­den, so dass sie ih­re Ar­beit in­ner­halb ei­nes Ta­ge oder Wo­chen um­fas­sen­den Zeit­raums zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten ver­rich­ten müssen.

63

Was ins­be­son­de­re die­se letz­te Vor­aus­set­zung be­trifft, so müssen die Ärz­te un­ge­ach­tet des­sen, dass der Be­reit­schafts­dienst in re­gelmäßigen Zeitabständen ge­leis­tet wird, ih­re Ar­beit in­ner­halb ei­nes Ta­ge oder Wo­chen um­fas­sen­den Zeit­raums zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten ver­rich­ten.

64

Auf die fünf­te Fra­ge ist so­mit zu ant­wor­ten, dass die von den Ärz­ten der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung während des Be­reit­schafts­diens­tes ge­leis­te­te Ar­beit Schicht­ar­beit ist und dass die­se Ärz­te Schicht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mern 5 und 6 der Richt­li­nie 93/104 sind.

Zur An­wend­bar­keit der in Ar­ti­kel 17 Absätze 2, 3 und 4 der Richt­li­nie 93/104 vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen (Fra­ge 3c)

65

Mit sei­ner Fra­ge 3c möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob bei Feh­len na­tio­na­ler Vor­schrif­ten zur Um­set­zung von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie 93/104 oder ge­ge­be­nen­falls zur aus­drück­li­chen Über­nah­me ei­ner der in Ar­ti­kel 17 Absätze 2, 3 und 4 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen die­se Be­stim­mun­gen da­hin aus­ge­legt wer­den können, dass sie un­mit­tel­ba­re Wir­kung ha­ben.

66

Nach Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie dürfen die Mit­glied­staa­ten für die An­wen­dung des Ar­ti­kels 6 der Richt­li­nie (wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit) ei­nen Be­zugs­zeit­raum von bis zu vier Mo­na­ten vor­se­hen.

67

Nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 Num­mer 2.1 Buch­sta­be c Zif­fer i der Richt­li­nie 93/104 können die Mit­glied­staa­ten je­doch von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie bei Tätig­kei­ten ab­wei­chen, die da­durch ge­kenn­zeich­net sind, dass die Kon­ti­nuität des Diens­tes oder der Pro­duk­ti­on gewähr­leis­tet sein muss, und zwar ins­be­son­de­re bei Auf­nah­me-, Be­hand­lungs- und/oder Pfle­ge­diens­ten von Kran­kenhäusern oder ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen.

68

Zwar las­sen die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104 den Mit­glied­staa­ten ei­nen ge­wis­sen Ge­stal­tungs­spiel­raum bei dem für die An­wen­dung des Ar­ti­kels 6 der Richt­li­nie fest­zu­le­gen­den Be­zugs­zeit­raum. Dies nimmt je­doch den Be­stim­mun­gen, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, nichts von ih­rer Ge­nau­ig­keit und Un­be­dingt­heit. Denn die­ser Ge­stal­tungs­spiel­raum schließt nicht die Möglich­keit aus, Min­dest­rech­te zu be­stim­men (Ur­teil des Ge­richts­ho­fes vom 14. Ju­li 1994 in der Rechts­sa­che C-91/92, Fac­ci­ni Do­ri, Slg. 1994, I-3325, Rand­nr. 17).

69

In­so­weit er­gibt sich aus dem Wort­laut von Ar­ti­kel 17 Ab­satz 4 der Richt­li­nie, dass der Be­zugs­zeit­raum auf kei­nen Fall zwölf Mo­na­te über­schrei­ten darf. So­mit läßt sich ein Min­dest­schutz be­stim­men, der auf je­den Fall zu ver­wirk­li­chen ist.

70

Folg­lich ist auf die Fra­ge 3c zu ant­wor­ten, dass bei Feh­len na­tio­na­ler Vor­schrif­ten zur Um­set­zung von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie 93/104 oder ge­ge­be­nen­falls zur aus­drück­li­chen Über­nah­me ei­ner der in Ar­ti­kel 17 Absätze 2, 3 und 4 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen die­se Be­stim­mun­gen da­hin aus­ge­legt wer­den können, dass sie un­mit­tel­ba­re Wir­kung ha­ben, und da­her dem Ein­zel­nen ei­nen An­spruch dar­auf ge­ben, dass der Be­zugs­zeit­raum für die Fest­le­gung ih­rer wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit zwölf Mo­na­te nicht über­schrei­tet.

Zur An­wend­bar­keit des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 93/104 (Fra­ge 3d)

71

Mit sei­ner Fra­ge 3d möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die aus­drück­li­che Zu­stim­mung der ge­werk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­part­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers im Sin­ne des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 93/104 gleich­steht.

72

Die­se Be­stim­mung er­laubt den Mit­glied­staa­ten, Ar­ti­kel 6 über die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit nicht an­zu­wen­den, wenn sie die all­ge­mei­nen Grundsätze der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer ein­hal­ten und die Ar­beits­zeit im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums nicht über­schrei­tet. Der Ar­beit­neh­mer kann sich je­doch be­reit erklären, länger zu ar­bei­ten.

73

Aus dem Wort­laut des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 93/014 geht klar her­vor, dass die­se Be­stim­mung diein­di­vi­du­el­le Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers ver­langt. Im Übri­gen hat die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs zu Recht gel­tend ge­macht, dass, wenn der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tigt hätte, die Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers durch die aus­drück­li­che Zu­stim­mung ei­ner Ge­werk­schaft in ei­nem Ta­rif­ver­trag zu er­set­zen, Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie in die in Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 der Richt­li­nie ent­hal­te­ne Lis­te der Ar­ti­kel auf­ge­nom­men wor­den wäre, von de­nen im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern ab­ge­wi­chen wer­den kann.

74

Folg­lich ist Fra­ge 3d da­hin zu be­ant­wor­ten, dass die aus­drück­li­che Zu­stim­mung der ge­werk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­part­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers selbst im Sin­ne des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 93/104 nicht gleich­steht.

Kos­ten

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Die Aus­la­gen der spa­ni­schen und der fin­ni­schen Re­gie­rung, der Re­gie­rung der Ver­ei­nig­ten König­reichs und der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, die vor dem Ge­richts­hof Erklärun­gen ab­ge­ge­ben ha­ben, sind nicht er­stat­tungsfähig. Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts.

Aus die­sen Gründen

hat

DER GERICH­TSHOF

auf die ihm vom Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de la Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na mit Be­schluss vom 10. Ju­li 1998 vor­ge­leg­ten Fra­gen für Recht er­kannt:

1. Ei­ne Tätig­keit wie die der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung fällt in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­ni­en 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit und 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung.

2. Der na­tio­na­le Rich­ter kann bei Feh­len aus­drück­li­cher Maßnah­men zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 das in­ner­staat­li­che Recht an­wen­den, so­weit es un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung die Vor­aus­set­zun­gen des Ar­ti­kels 17 der Richt­li­nie erfüllt.

3. Der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­ten, ist ins­ge­samt als Ar­beits­zeit und ge­ge­be­nen­falls als Über­stun­den im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen. Beim Be­reit­schafts­dienst in Form ständi­ger Er­reich­bar­keit ist nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen.

4. Die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung, die in re­gelmäßigen Zeitabständen nachts Be­reit­schafts­dienst leis­ten, können nicht be­reits auf­grund von Ar­ti­kel 2 Num­mer 4 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 93/104 als Nacht­ar­bei­ter an­ge­se­hen wer­den. Die Fra­ge, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten über die Nacht­ar­beit der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer auf die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung an­wend­bar sind, ist vom na­tio­na­len Ge­richt nach in­ner­staat­li­chem Recht zu be­ant­wor­ten.

5. Die von den Ärz­ten der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung während des Be­reit­schafts­diens­tes ge­leis­te­te Ar­beit ist Schicht­ar­beit, und die­se Ärz­te sind Schicht­ar­bei­ter im Sin­ne von Ar­ti­kel 2 Num­mern 5 und 6 der Richt­li­nie 93/104.

6. Bei Feh­len na­tio­na­ler Vor­schrif­ten zur Um­set­zung von Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 der Richt­li­nie 93/104 oder ge­ge­be­nen­falls zur aus­drück­li­chen Über­nah­me ei­ner der in Ar­ti­kel 17 Absätze 2, 3 und 4 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen können die­se Be­stim­mun­gen da­hin aus­ge­legt wer­den, dass sie un­mit­tel­ba­re Wir­kung ha­ben, und ge­ben da­her dem Ein­zel­nen ei­nen An­spruch dar­auf, dass der Be­zugs­zeit­raum für die Fest­le­gung ih­rer wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit zwölf Mo­na­te nicht über­schrei­tet.

7. Die aus­drück­li­che Zu­stim­mung der ge­werk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­part­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag steht der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers selbst im Sin­ne des Ar­ti­kels 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 93/104 nicht gleich.

Ro­dríguez Igle­si­as
Moi­t­in­ho de Al­mei­da
Ed­ward

Sevón Sch­int­gen Kap­teyn
Gul­mann

Puis­so­chet Jann Ragne­malm
Wa­the­let

Verkündet in öffent­li­cher Sit­zung in Lu­xem­burg am 3. Ok­to­ber 2000.

Der Kanz­ler
Der Präsi­dent

R. Grass
G. C. Ro­dríguez Igle­si­as

1: Ver­fah­rens­spra­che: Spa­nisch.

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu

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