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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Befristung: Haushaltsmittel
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 843/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.03.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 14.03.2008, 91 Ca 18818/07
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 AZR 843/08

21 Sa 961/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 17. März 2010

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. März 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den


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Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Kiel so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bea und Will­ms für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 20. Au­gust 2008 - 21 Sa 961/08 - auf­ge­ho­ben.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 14. März 2008 - 91 Ca 18818/07 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Be­klag­te hat auch die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be

fris­tung am 31. De­zem­ber 2007 ge­en­det hat.

Die Kläge­rin war auf der Grund­la­ge ei­nes nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7

Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags vom 26. Ok­to­ber 2005 in der Zeit vom 14. No­vem­ber 2005 bis zum 31. De­zem­ber 2007 bei der be­klag­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts mit Selbst­ver­wal­tung in der Agen­tur für Ar­beit B beschäftigt. Sie war im Job-Cen­ter T als Tea­m­as­sis­ten­tin im Be­ar­bei­tungs­ser­vice SGB II ein­ge­setzt und mit der Ak­ten­hal­tung be­traut.

In dem Haus­halts­plan der Be­klag­ten für das Haus­halts­jahr 2005 sind in

Ka­pi­tel 5 Ti­tel 425 02 für Auf­ga­ben nach dem SGB II 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag aus­ge­bracht. Als Zweck­be­stim­mung ist hier­zu ver­merkt: „Vergütun­gen und Löhne der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“. Hin­sicht­lich wei­te­rer Erläute­run­gen ist auf An­la­ge 2 als Be­stand­teil des Haus­halts­plans ver­wie­sen. Dort heißt es zu Ti­tel 425 02:


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„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 ‚für Auf­ga­ben nach dem SGB II’ sind 5.000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“

Mit der am 16. No­vem­ber 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen

Kla­ge hat sich die Kläge­rin ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2007 ge­wandt und ge­meint, die Be­fris­tung sei un­wirk­sam. Die Be­klag­te könne sich zu de­ren Recht­fer­ti­gung nicht auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG be­ru­fen, weil ihr Haus­halts­plan nicht durch Ge­setz von ei­nem Haus­halts­ge­setz­ge­ber, son­dern von ih­ren Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen auf­ge­stellt wer­de. Im Übri­gen sei­en die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG nicht erfüllt. Es feh­le an ei­ner tätig­keits­be­zo­ge­nen Zweck­set­zung der für die be­fris­te­te Beschäfti­gung aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel im Haus­halts­plan. Außer­dem sei sie nicht aus den für die be­fris­te­te Beschäfti­gung be­reit­ge­stell­ten Mit­teln vergütet wor­den.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de vom 26. Ok­to­ber 2005 nicht zum 31. De­zem­ber 2007 be­en­det wor­den ist und

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens als voll­beschäftig­te An­ge­stell­te ent­spre­chend den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges vom 26. Ok­to­ber 2005 wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung

ver­tre­ten, die Be­fris­tung sei nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Sie könne sich als Selbst­ver­wal­tungskörper­schaft des öffent­li­chen Rechts auf die­se Be­fris­tungsmöglich­keit be­ru­fen. Für ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1


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Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sei es nicht er­for­der­lich, dass die für die be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimm­ten Haus­halts­mit­tel durch ein Haus­halts­ge­setz aus­ge­bracht wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sei­en erfüllt. Die Kläge­rin sei aus Haus­halts­mit­teln vergütet wor­den, die mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung ver­se­hen sei­en. Dies er­ge­be sich aus der Be­reit­stel­lung von 5.000 Ermäch­ti­gun­gen zur Beschäfti­gung von Kräften mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag für Auf­ga­ben nach dem SGB II im Haus­halts­plan. Aus der An­la­ge 2 zum Haus­halts­plan er­sch­ließe sich der vorüber­ge­hen­de Cha­rak­ter der Auf­ga­ben.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits

ge­richt hat sie ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on be­gehrt die Kläge­rin die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils. Die Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet und führt un­ter Auf­he­bung des an

ge­foch­te­nen Ur­teils zur Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat nicht auf­grund der in dem Ar­beits­ver­trag vom 26. Ok­to­ber 2005 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2007 ge­en­det. Die Be­fris­tung ist man­gels ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den sach­li­chen Grun­des un­wirk­sam. Der mit dem Kla­ge­an­trag zu 2) gel­tend ge­mach­te Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.

I. Die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ist be­gründet. Die ver­ein­bar­te Be­fris­tung

zum 31. De­zem­ber 2007 ist un­wirk­sam. Sie ist nicht nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Be­stim­mung sind ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht erfüllt. Da­her kann da­hin­ste­hen, ob sich die Be­klag­te auf die in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG


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nor­mier­te Be­fris­tungsmöglich­keit be­ru­fen kann, ob­wohl der Haus­halts­plan der Be­klag­ten als rechtsfähi­ger bun­des­un­mit­tel­ba­rer Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts mit Selbst­ver­wal­tung (§ 367 Abs. 1 SGB III) nicht durch ein Haus­halts­ge­setz von ei­nem Haus­halts­ge­setz­ge­ber ver­ab­schie­det, son­dern nach § 71a Abs. 1, Abs. 2 SGB IV vom Vor­stand der Be­klag­ten auf­ge­stellt, vom Ver­wal­tungs­rat fest­ge­stellt und von der Bun­des­re­gie­rung ge­neh­migt wird.

1. Nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG liegt ein sach­li­cher Grund für die

Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags vor, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird. Das setzt die Be­reit­stel­lung von Haus­halts­mit­teln für die be­fris­te­te Beschäfti­gung in ei­nem Haus­halts­plan und die Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus die­sen Haus­halts­mit­teln vor­aus. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats ist zu­dem - wie be­reits bei der wort­glei­chen Vor­schrift des § 57b Abs. 2 Nr. 2 HRG in der bis zum 30. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung (aF) - er­for­der­lich, dass die Haus­halts­mit­tel im Haus­halts­plan mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung aus­ge­bracht sind. Die für die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers verfügba­ren Haus­halts­mit­tel müssen für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein (18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 11, BA­GE 120, 42; 2. Sep­tem­ber 2009 - 7 AZR 162/08 - Rn. 13, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 60). Es muss sich um Tätig­kei­ten han­deln, die nicht dau­er­haft, son­dern nur zeit­wei­lig an­fal­len (18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 14, aaO). Da­bei müssen die Rechts­vor­schrif­ten, mit de­nen die Haus­halts­mit­tel aus­ge­bracht wer­den, selbst die in­halt­li­chen An­for­de­run­gen für die im Rah­men der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge aus­zuüben­den Tätig­kei­ten oder die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen sie aus­zuführen sind, ent­hal­ten (18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 22, aaO; 2. Sep­tem­ber 2009 - 7 AZR 162/08 - Rn. 13, aaO). Die­se Aus­le­gung von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ist ge­bo­ten, da nur un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne den ver­fas­sungs- und ge­mein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben genügen­de Be­fris­tungs­kon­trol­le gewähr­leis­tet ist (18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 17 - 22, aaO).


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a) Art. 12 Abs. 1 GG ga­ran­tiert für Ar­beits­verhält­nis­se ei­nen staat­li­chen
Min­dest­be­stands­schutz (vgl. et­wa BAG 21. Ju­li 2004 - 7 AZR 589/03 - zu II 1 b der Gründe, EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 5). Die­sen hat der Ge­setz­ge­ber für die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen durch das Tz­B­fG näher aus­ge­stal­tet. Das Er­for­der­nis ei­nes sach­li­chen Grun­des für die Be­fris­tung in § 14 Abs. 1 Tz­B­fG soll den Ar­beit­neh­mer vor ei­nem grund­lo­sen Ver­lust des Ar­beits­plat­zes be­wah­ren (vgl. et­wa BAG 21. Ju­li 2004 - 7 AZR 589/03 - aaO). Ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags liegt da­her nur dann vor, wenn ein ob­jek­tiv fest­stell­ba­res, an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers dar­an be­steht, statt ei­nes un­be­fris­te­ten nur ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ab­zu­sch­ließen. Ent­spre­chend die­sem ge­setz­ge­be­ri­schen An­lie­gen muss die nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG er­for­der­li­che Zweck­be­stim­mung der für die be­fris­te­te Beschäfti­gung aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel so be­schaf­fen sein, dass sie ei­ne Nach­prüfung an­hand ob­jek­ti­ver Umstände ermöglicht, ob mit der Be­reit­stel­lung der Mit­tel ei­nem be­rech­tig­ten In­ter­es­se des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers an ei­ner nur be­fris­te­ten Beschäfti­gung Rech­nung ge­tra­gen wird. Die Zweck­be­stim­mung muss da­her er­ken­nen las­sen, für wel­che Auf­ga­ben die Haus­halts­mit­tel be­reit ge­stellt wer­den und dass die­se Auf­ga­ben nicht zeit­lich un­be­grenzt, son­dern nur vorüber­ge­hend an­fal­len. Hier­bei muss es sich zwar nicht um ei­ne von den Dau­er­auf­ga­ben ab­grenz­ba­re Zu­satz­auf­ga­be des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers han­deln, wie zB ein Son­der­pro­gramm. Es können auch Mit­tel für die be­fris­te­te Beschäfti­gung zur Bewälti­gung ei­nes vorüber­ge­hend erhöhten Ar­beits­an­falls im Be­reich der Dau­er­auf­ga­ben des Ar­beit­ge­bers be­reit ge­stellt wer­den. Auch in die­sem Fall muss die haus­halts­recht­li­che Zweck­be­stim­mung je­doch ob­jek­ti­ve und nach­prüfba­re Vor­ga­ben ent­hal­ten, die gewähr­leis­ten, dass die Mit­tel zur De­ckung ei­nes nur vorüber­ge­hen­den Beschäfti­gungs­be­darfs ge­nutzt wer­den.

b) Die­se Aus­le­gung von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ist auch aus
ge­mein­schafts­recht­li­chen Gründen ge­bo­ten.

aa) § 14 Abs. 1 Tz­B­fG dient der Um­set­zung der Richt­li­nie 1999/70/EG des

Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über


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be­fris­te­te Ar­beits­verträge. Nach § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ha­ben die Mit­glied­staa­ten zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge ent­we­der sach­li­che Gründe (Buchst. a) oder die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge (Buchst. b) oder die zulässi­ge Zahl der Verlänge­run­gen sol­cher Verträge oder Verhält­nis­se (Buchst. c) fest­zu­le­gen. Der deut­sche Ge­setz­ge­ber hat sich in § 14 Abs. 1 Tz­B­fG für das Er­for­der­nis sach­li­cher Gründe ent­schie­den. Die Aus­le­gung von § 14 Abs. 1 Tz­B­fG hat sich an den ge­mein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben zu ori­en­tie­ren.

bb) Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Ge­mein

schaf­ten ist der Be­griff des sach­li­chen Grun­des in § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin zu ver­ste­hen, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang die Ver­wen­dung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Der­ar­ti­ge Umstände können sich zB aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­be, zu de­ren Erfüllung die­se Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ggf. ei­nem le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziel ei­nes Mit­glied­staats er­ge­ben (vgl. et­wa EuGH 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki] Rn. 96 mwN). Für ei­nen sach­li­chen Grund iSv. § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung genügt es nicht, dass ein Ge­setz oder ei­ne sons­ti­ge Be­stim­mung na­tio­na­len Rechts den Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zulässt. Er­for­der­lich ist viel­mehr die Fest­le­gung ob­jek­ti­ver Fak­to­ren, die mit den Be­son­der­hei­ten der Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung zu­sam­menhängen. Die Be­stim­mung darf nicht da­zu die­nen, ei­nen ständig und dau­er­haft be­ste­hen­den Be­darf zu de­cken (EuGH 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki] Rn. 107). Ei­ner haus­halts­recht­li­chen Re­ge­lung na­tio­na­len Rechts, die die be­fris­te­te Beschäfti­gung ermöglicht, muss sich da­her ent­neh­men las­sen, dass die Haus­halts­mit­tel für die Beschäfti­gung mit ei­ner Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er be­reit ge­stellt wer­den. Da­bei muss die Zweck­be­stim­mung ei­ne Prüfung an­hand ob­jek­ti­ver Umstände ermögli­chen, ob die Beschäfti­gung nicht in Wahr­heit zur De­ckung ei­nes ständi­gen und dau­er­haf­ten Be­darfs er­folgt.


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2. Da­nach enthält der Haus­halts­plan der Be­klag­ten für das Jahr 2005

ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kei­ne aus­rei­chen­de Zweck­be­stim­mung der aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er. In dem Haus­halts­plan wer­den pau­schal und oh­ne nähe­re Auf­schlüsse­lung 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für die be­fris­te­te Beschäfti­gung mit Auf­ga­ben nach dem SGB II zur Verfügung ge­stellt. Der Haus­halts­plan und die An­la­ge 2 zu Ti­tel 425 02 ent­hal­ten kei­ne An­ga­ben da­zu, für wel­che kon­kre­ten Auf­ga­ben in­ner­halb des SGB II-Be­reichs die Mit­tel ge­nutzt wer­den durf­ten. Zu Las­ten des Ti­tels 425 02 konn­ten da­her Ar­beit­neh­mer für jed­we­de im Ar­beits­be­reich des SGB II an­fal­len­de Tätig­keit bun­des­weit be­fris­tet ein­ge­stellt wer­den. Bei den Auf­ga­ben nach dem SGB II han­delt es sich nicht um nur vorüber­ge­hend an­fal­len­de Auf­ga­ben, son­dern um Dau­er­auf­ga­ben der Be­klag­ten. Die Erläute­run­gen in der An­la­ge 2 zu Ti­tel 425 02 deu­ten zwar dar­auf hin, dass mit Hil­fe der be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ein mit dem vor­han­de­nen un­be­fris­tet beschäftig­ten Stamm­per­so­nal nicht zu bewälti­gen­der Ar­beits­an­fall im Be­reich der Auf­ga­ben nach dem SGB II ab­ge­deckt wer­den soll­te und dass er­war­tet wur­de, das an­fal­len­de Ar­beits­auf­kom­men nach dem Jahr 2007 mit dem Stamm­per­so­nal - ggf. auch aus dem SGB III-Be­reich - er­le­di­gen zu können. Dem Haus­halts­plan und der An­la­ge 2 zu Ti­tel 425 02 lässt sich je­doch nicht hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men, auf wel­chen ob­jek­tiv vor­lie­gen­den und nach­prüfba­ren Umständen die­se Er­war­tung be­ruh­te. Nach den Erläute­run­gen in der An­la­ge 2 zu Ti­tel 425 02 ging die Be­klag­te von ei­nem künf­tig rückläufi­gen Ar­beits­auf­kom­men in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung aus. Die Ar­beits­markt­ent­wick­lung wird je­doch von zahl­rei­chen kaum vor­her­seh­ba­ren und von der Be­klag­ten nicht an­satz­wei­se gewürdig­ten Fak­to­ren be­stimmt und ist des­halb je­den­falls al­lein oh­ne nähe­re Ana­ly­se kei­ne hin­rei­chen­de Grund­la­ge für ei­ne ob­jek­tiv fun­dier­te Pro­gno­se über den künf­ti­gen Beschäfti­gungs­be­darf. Auch die in den Erläute­run­gen zum Aus­druck kom­men­de Er­war­tung, dass die Be­klag­te per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich nut­zen wer­de, um vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen, er­laubt nicht die Über­prüfung, ob die be­fris­te­te Beschäfti­gung tatsächlich zur De­ckung ei­nes nur


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vorüber­ge­hen­den und nicht ei­nes dau­er­haf­ten Be­darfs er­folgt. Aus den Erläute­run­gen ist nicht er­kenn­bar, ob über­haupt und ggf. wo­durch und in wel­chem Um­fang sich Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich er­ge­ben könn­ten, die ei­ne Um­set­zung von Per­so­nal in den SGB II-Be­reich ermögli­chen würden. Der Haus­halts­plan und die An­la­ge 2 ent­hal­ten auch kei­ne ob­jek­ti­ven und nach­prüfba­ren Vor­ga­ben, die gewähr­leis­ten könn­ten, dass die be­reit ge­stell­ten Mit­tel tatsächlich zur De­ckung ei­nes nur vorüber­ge­hen­den Beschäfti­gungs­be­darfs ge­nutzt wer­den.

II. Der Kla­ge­an­trag zu 2) ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.
Er ist auf die vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Be­fris­tungs­kon­troll­an­trag ge­rich­tet. Die Ent­schei­dung des Se­nats hierüber ist mit der Verkündung rechts­kräftig (BAG 16. No­vem­ber 2005 - 7 AZR 86/05 - Rn. 35, AP ATG § 8 Nr. 2 = EzA ATG § 8 Nr. 1).

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1, § 91 ZPO.

Lin­sen­mai­er Gräfl Kiel

Bea Will­ms

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