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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Bezugnahmeklausel, Tarifvertrag: Bezugnahme
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 AZR 796/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.05.2010
   
Leit­sätze: Ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel, wo­nach "für das Ar­beits­verhält­nis die Be­stim­mun­gen des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­tra­ges (BAT) in der je­weils gülti­gen Fas­sung" gel­ten, er­fasst re­gelmäßig zunächst nicht die dem BAT nach­fol­gen­den Ta­rif­verträge für den öffent­li­chen Dienst. Ei­ne durch den Weg­fall der Dy­na­mik ent­ste­hen­de Re­ge­lungslücke kann aber im We­ge ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung da­hin ge­schlos­sen wer­den, dass die an die Stel­le des BAT ge­tre­te­nen Ta­rif­re­ge­lun­gen in Be­zug ge­nom­men sind. Das ist von den ver­schie­de­nen Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen im Zwei­fel die­je­ni­ge, die ty­pi­scher­wei­se gel­ten würde, wenn die aus­geübten Tätig­kei­ten in­ner­halb des öffent­li­chen Diens­tes er­bracht würden.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 31.10.2007, 24 Ca 118/07
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 22.05.2008, 8 Sa 1/08
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

4 AZR 796/08
8 Sa 1/08
Lan­des­ar­beits­ge­richt 

Ham­burg 

Ver­merk:

Ur­teil (in Rn. 46) be­rich­tigt
durch Be­rich­ti­gungs­be­schluss
vom 18. Au­gust 2010
Brink­mann, Ober­amts­rat

als Ur­kunds­be­am­ter der

Geschäfts­stel­le

Er­furt, d. 18. Au­gust 2010

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 

19. Mai 2010 

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. Mai 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Görgens und Hess für Recht er­kannt:
 


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1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 22. Mai 2008 - 8 Sa 1/08 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, wel­che ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me auf das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den sind und in die­sem Zu­sam­men­hang über ei­ne Zah­lung nach dem Ta­rif­ver­trag über Ein­mal­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007 vom 8. Ju­ni 2006 (TV EZ).

Der Kläger ist seit dem 1. No­vem­ber 1995 bei der nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­klag­ten und ih­rer Rechts­vorgänge­rin als Er­zie­her beschäftigt. Er er­hielt zu­letzt ei­ne Vergütung nach der VergGr. Vb der An­la­ge 1 zum Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT). In dem mit der Rechts­vorgänge­rin ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag vom 6. Ok­to­ber 1995 heißt es ua.:


„2. So­weit nach­ste­hend nichts an­de­res ver­ein­bart ist, gel­ten für das Ar­beits­verhält­nis die Be­stim­mun­gen des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­tra­ges (BAT) in der je­weils gülti­gen Fas­sung und die da­zu ab-ge­schlos­se­nen Zu­satz­verträge.
...

8. Der Mit­ar­bei­ter erhält jähr­lich 32 Ta­ge Er­ho­lungs­ur­laub.

9. Der Mit­ar­bei­ter erhält die Möglich­keit, ei­ne Zu­satz­ver­si­che­rung im Ver­sor­gungs­werk VBLU zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses oder zu je­dem späte­ren Zeit­punkt ab­zu­sch­ließen.“

Am 1. No­vem­ber 2006 trat der am 12. Ok­to­ber 2006 ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) und der Ta­rif­ver­trag zur
 


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Über­lei­tung der Beschäftig­ten der Länder in den TV-L und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-L) in Kraft. Be­reits am 8. Ju­ni 2006 schlos­sen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV-L den TV-EZ. Die Be­klag­te wen­det nicht die­se Ta­rif­verträge, son­dern nach wie vor die Be­stim­mun­gen des BAT auf das mit dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis an.


Mit sei­ner Kla­ge will der Kläger die An­wen­dung der Nach­fol­ge­ta­rif­verträge zum BAT für die Beschäftig­ten des öffent­li­chen Diens­tes der Länder auf sein Ar­beits­verhält­nis fest­ge­stellt wis­sen. Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 5. Ju­li 2007 hat er - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - ei­ne Ein­mal­zah­lung auf Ba­sis der Ent­gelt­grup­pe 9 TV-L nach dem TV-EZ für das Jahr 2007 iHv. 210,00 Eu­ro brut­to ver­langt. Die An­wen­dung der an­geführ­ten Ta­rif­verträge er­ge­be sich aus ei­ner ergänzen­den Aus­le­gung der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel. Im Ar­beits­ver­trag sei ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke ent­stan­den. Hätten die Par­tei­en die­se bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges er­kannt, wäre nur ei­ne Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­re­ge­lun­gen des öffent­li­chen Diens­tes der Länder in Be­tracht ge­kom­men.


Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt 


1. fest­zu­stel­len, dass auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) und der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der Länder in den TV-L und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-Länder) an­wend­bar ist, mit der Aus­nah­me, dass sich die Al­ters­ver­sor­gung nach ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen rich­tet,

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 210,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 10. Ju­li 2007 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie ist der Auf­fas­sung, der nach wie vor be­ste­hen­de BAT sei wei­ter­hin für das Ar­beits­verhält­nis maßge­bend. Die ver­trag­li­che Re­ge­lung sei nicht lücken­haft. Der TV-L ha­be den BAT nicht ab­gelöst. Zu­dem könne nicht vom Wil­len der Par­tei­en aus­ge­gan­gen wer­den, das ge­genüber dem BAT völlig neue Ta­rif­werk des TV-L
 


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an­zu­wen­den. Durch die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf den BAT hätten die Par­tei­en ein Re­gel­werk ver­ein­ba­ren wol­len, wel­ches über Jahr­zehn­te auch den Rah­men­be­din­gun­gen des schwächs­ten der drei auf Ar­beit­ge­ber­sei­te Be­tei­lig­ten Rech­nung ge­tra­gen ha­be. Dies sei durch die Auflösung der Ta­rif­ge­mein­schaft nicht mehr gewähr­leis­tet.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter. Der Kläger be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet.


I. Die Kla­ge ist auch hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­tra­ges zu 1) zulässig. 


1. Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) be­darf der Aus­le­gung. Nach dem Vor­brin­gen des Klägers will er nicht nur die An­wend­bar­keit des TV-L und des TVÜ-L auf sein Ar­beits­verhält­nis geklärt wis­sen, son­dern auch die der­je­ni­gen Ta­rif­verträge, die - ent­spre­chend dem In­halt der Be­zug­nah­me­klau­sel in Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges - „die da­zu ab­ge­schlos­se­nen Zu­satz­verträge“ bil­den. Die im An­trag ge­nann­ten Ta­rif­verträge sol­len an­stel­le des in der Be­zug­nah­me­klau­sel ge­nann­ten BAT ne­ben den wei­te­ren dort auf­geführ­ten Zu­satz­ta­rif­verträgen maßge­bend sein. Dies zeigt auch das kläge­ri­sche An­lie­gen, dass er die ein­schlägi­gen Vergütungs­ta­rif­verträge ein­sch­ließlich des TV EZ für sein Ar­beits­verhält­nis als maßge­bend an­sieht. Ein ent­spre­chen­des Verständ­nis sei­nes An­tra­ges hat der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat auch klar­ge­stellt.
 


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2. Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) ist zulässig. Ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge kann sich auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken - sog. Ele­men­ten­fest­stel­lungs­kla­ge -. Auch die An­wend­bar­keit ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­ver­tra­ges oder Ta­rif­wer­kes auf ein Ar­beits­verhält­nis kann Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein (st. Rspr., s. nur BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - Rn. 11 mwN, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 66 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 39).

II. Die Kla­ge ist auch be­gründet.

1. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist be­gründet. Der In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers rich­tet sich seit 1. No­vem­ber 2006 nicht mehr nach dem BAT. Es fin­den viel­mehr der TV-L, der TVÜ-L so­wie die da­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge An­wen­dung. Das er­gibt ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung der Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges.

a) Nach Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges gel­ten für das Ar­beits­verhält­nis „die Be­stim­mun­gen des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­tra­ges (BAT) in der je­weils gülti­gen Fas­sung und die da­zu ab­ge­schlos­se­nen Zu­satz­verträge“. Die­se Ver­ein­ba­rung enthält ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me, die den TV-L und die hier­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge zunächst nicht er­fasst.

aa) Bei dem zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag han­delt es sich um ei­nen For­mu­lar­ver­trag, des­sen Nr. 2 als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen ist, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wird, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die Aus­le­gung all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Von Be­deu­tung für das Aus­le­gungs­er­geb­nis sind fer­ner der von den Ver­trags­par­tei­en ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck so­wie die der je­weils an­de­ren Sei­te

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er­kenn­ba­re In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten (BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 12 mwN, NZA 2010, 401). Die Aus­le­gung durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann vom Re­vi­si­ons­ge­richt oh­ne Ein­schränkung über­prüft wer­den (st. Rspr., vgl. nur BAG 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 581/99 - zu I 1 b der Gründe mwN, BA­GE 95, 296). Dies gilt auch für Ver­wei­sungs­klau­seln (BAG 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 24, BA­GE 122, 74).


bb) Da­nach enthält Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne zeit­dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf die je­wei­li­gen Re­ge­lun­gen des BAT ein­sch­ließlich der hier­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge, die aber nicht in­halts­dy­na­misch aus­ge­stat­tet ist.

(1) In Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges knüpfen die Par­tei­en hin­sicht­lich der Ar­beits­be­din­gun­gen an die für den öffent­li­chen Dienst im An­ge­stell­ten­be­reich ta­rif­lich ver­ein­bar­ten Re­ge­lun­gen an und ge­stal­ten sie zeit­dy­na­misch. Das er­gibt sich aus dem Wort­laut der Ver­ein­ba­rung. Für das Ar­beits­verhält­nis sol­len die Be­stim­mun­gen des BAT und die hier­zu ab­ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge in der je­weils gülti­gen Fas­sung gel­ten. Da­mit woll­te die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten in ih­rem Be­trieb das im öffent­li­chen Dienst gel­ten­de Ta­rif­werk - vor­be­halt­lich an­de­rer Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges hin­sicht­lich der güns­ti­ge­ren Ur­laubs­re­ge­lung in Nr. 8 und der Zu­satz­ver­sor­gung des Ar­beit­neh­mers in Nr. 9 - an­wen­den und die dort statt­fin­den­de ta­rif­li­che Ent­wick­lung nach­voll­zie­hen. Die­se Aus­le­gung ent­spricht der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach Be­zug­nah­men im Ar­beits­ver­trag auf an­der­wei­ti­ge nor­ma­ti­ve Re­ge­lun­gen in der Re­gel dy­na­misch zu ver­ste­hen sind (BAG 13. No­vem­ber 2002 - 4 AZR 351/01 - zu III 1 b bb der Gründe, BA­GE 103, 338, 343; s. auch BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 12, NZA 2010, 401). Dass die Be­zug­nah­me - je­den­falls im Rah­men des Be­zugs­ob­jekts BAT - dy­na­misch sein soll­te, ist zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig und wird auch von der Re­vi­si­on nicht in Ab­re­de ge­stellt.


(2) Die Be­zug­nah­me er­fasst nach ih­rem Wort­laut al­ler­dings nicht den den BAT er­set­zen­den TV-L und die hier­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge. Der TV-L ist kei­ne „gülti­ge Fas­sung“ des BAT. Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ist zeit-

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dy­na­misch aus­ge­stal­tet, je­doch nicht in­halts­dy­na­misch (so auch BAG 10. Ju­ni 2009 - 4 AZR 194/08 - Rn. 38, ZTR 2010, 154).

Der Zu­satz, dass auch die den „BAT er­set­zen­den Ta­rif­verträge“ An­wen­dung fin­den sol­len, wur­de ent­ge­gen der im öffent­li­chen Dienst übli­chen For­mu­lie­rung, die in dem seit 1981 vom Ar­beit­ge­ber­kreis der BAT-Kom­mis­si­on ge­bil­lig­ten Mus­ter­ar­beits­ver­trag ent­hal­ten war (da­zu BAG 22. April 2009 - 4 ABR 14/08 - Rn. 25 mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 38 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 41; 10. Ju­ni 2009 - 4 AZR 194/08 - Rn. 38, ZTR 2010, 154), nicht in den Ar­beits­ver­trag der ta­ri­fun­ge­bun­de­nen Par­tei­en auf­ge­nom­men.


Ein an­de­res folgt nicht aus § 2 Abs. 1 TVÜ-L. Mit die­ser Be­stim­mung wer­den ua. der BAT so­wie der Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT vom 31. Ja­nu­ar 2003 durch den TV-L er­setzt. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben zu § 2 Abs. 1 TVÜ-L zwar ei­ne Nie­der­schrifts­erklärung ab­ge­ge­ben, nach der sie da­von aus­ge­hen, dass der TV-L und der TVÜ-L das bis­he­ri­ge Ta­rif­recht auch dann er­set­zen, wenn ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­men nicht aus­drück­lich den Fall der er­set­zen­den Re­ge­lung be­inhal­ten. Die­se von nicht am Ar­beits­ver­trag Be­tei­lig­ten er­folg­te Nie­der­schrifts­erklärung ist für die Aus­le­gung ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel aber oh­ne Be­deu­tung (so auch BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 15, NZA 2010, 401).

b) Die An­wend­bar­keit der Re­ge­lun­gen der vom Kläger an­geführ­ten Ta­rif­verträge er­gibt sich al­ler­dings auf­grund ei­ner ergänzen­den Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en enthält in­fol­ge ei­ner Ta­rif­suk­zes­si­on ei­ne spätes­tens am 1. No­vem­ber 2006 nachträglich ein­ge­tre­te­ne Re­ge­lungslücke, die im We­ge ei­ner zulässi­gen ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung zu schließen ist.

aa) Der Ar­beits­ver­trag ist, weil er nachträglich lücken­haft ge­wor­den ist, ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung zugäng­lich.

(1) Vor­aus­set­zung ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung ist, dass ei­ne Ver­ein­ba­rung ei­ne Re­ge­lungslücke im Sin­ne ei­ner plan­wid­ri­gen Un­vollständig-
 


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keit auf­weist (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 3 AZR 431/07 - Rn. 25; 21. April 2009 - 3 AZR 640/07 - Rn. 31, AP Be­trAVG § 2 Nr. 60). Ei­ne Re­ge­lungslücke liegt da­bei nur vor, wenn die Par­tei­en ei­nen Punkt über­se­hen oder zwar nicht über­se­hen, aber doch be­wusst des­halb of­fen­ge­las­sen ha­ben, weil sie ihn im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses für nicht re­ge­lungs­bedürf­tig ge­hal­ten ha­ben, und die­se An­nah­me sich nachträglich als un­zu­tref­fend her­aus­stellt (BAG 21. April 2009 - 3 AZR 640/07 - Rn. 33, aaO). Von ei­ner Plan­wid­rig­keit kann nur die Re­de sein, wenn der Ver­trag ei­ne Be­stim­mung ver­mis­sen lässt, die er­for­der­lich ist, um den ihm zu Grun­de lie­gen­den Re­ge­lungs­plan zu ver­wirk­li­chen, mit­hin oh­ne Ver­vollständi­gung des Ver­tra­ges ei­ne an­ge­mes­se­ne, in­ter­es­sen­ge­rech­te Lösung nicht zu er­zie­len ist (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 3 AZR 431/07 - Rn. 25; 21. April 2009 - 3 AZR 640/07 - Rn. 33, aaO).

(2) Da­nach ist die Be­stim­mung in Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges lücken­haft. 


Aus der dy­na­mi­schen Aus­ge­stal­tung der Be­zug­nah­me auf das je­weils gel­ten­de ta­rif­li­che Re­ge­lungs­werk er­gibt sich der Wil­le der Par­tei­en, die Ar­beits­be­din­gun­gen nicht in ei­ner be­stimm­ten Wei­se fest­zu­schrei­ben, son­dern sie - dy­na­misch - an der Ta­ri­fent­wick­lung im öffent­li­chen Dienst aus­zu­rich­ten. Das Ar­beits­verhält­nis wird in sei­ner Ent­wick­lung an die­je­ni­gen Ar­beits­be­din­gun­gen ge­bun­den, die für die Ar­beit­neh­mer gel­ten, die von dem in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag er­fasst wer­den.


Die Par­tei­en ha­ben al­ler­dings bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges die nun tatsächlich ein­ge­tre­te­ne Si­tua­ti­on nicht be­dacht, dass nämlich das dy­na­misch in Be­zug ge­nom­me­ne Re­gel­werk des BAT nicht mehr fort­geführt wer­den könn­te. Für die­sen Fall fehlt des­halb ei­ne Re­ge­lung in Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges. Durch die wei­test­ge­hen­de Er­set­zung des BAT für den Be­reich des Bun­des und der Kom­mu­nen zum 1. Ok­to­ber 2005 durch den Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) vom 13. Sep­tem­ber 2005 (§ 2 Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten des Bun­des in den TVöD und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts [TVÜ-Bund]; § 2 Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber in den TVöD und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts [TVÜ-VKA], jew. vom 13. Sep­tem­ber 2005) und für den
 


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Be­reich der Länder zum 1. No­vem­ber 2006 durch den TV-L vom 12. Ok­to­ber 2006 nach § 2 TVÜ-L ist der Ver­trag spätes­tens seit dem 1. No­vem­ber 2006 lücken­haft ge­wor­den.


(3) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on kann ei­ne nachträgli­che Re­ge­lungslücke nicht des­halb ver­neint wer­den, weil der BAT noch fort­be­ste­he und mit sei­nem - sta­ti­schen - In­halt das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en noch re­geln könne. Ein sol­ches Verständ­nis ist we­der mit dem Wort­laut der Klau­sel noch mit dem Zweck ei­ner zeit­dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me ver­ein­bar. Es träte ei­ne sta­ti­sche Fort­gel­tung der be­reits heu­te über­hol­ten ta­rif­li­chen Rechts­la­ge des Jah­res 2003 ein. Der er­sicht­li­che Re­ge­lungs­wil­le der Par­tei­en be­traf die Ein­be­zie­hung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen im öffent­li­chen Dienst für die An­ge­stell­ten in ih­rer je­wei­li­gen Ent­wick­lung. Für die von dem in Be­zug ge­nom­me­nen BAT un­mit­tel­bar er­fass­ten Ar­beits­verhält­nis­se hat sich die ty­pi­scher­wei­se an die tatsächli­che Ent­wick­lung an­ge­pass­te Ta­ri­fent­wick­lung fort­ge­setzt. Es sind die Nach­fol­ge­ta­rif­verträge zum BAT an des­sen Stel­le ge­tre­ten.

(4) Ei­ne Lücke kann nicht des­halb ver­neint wer­den, weil die Ver­trags­par­tei­en - wie die Re­vi­si­on es anführt - sich mit der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me nur an den je­wei­li­gen BAT bin­den woll­ten, die Dy­na­mik aber nicht mehr zum Tra­gen kom­men soll­te, wenn es zu ver­schie­de­nen Nach­fol­ge­ta­rif­verträgen kom­men soll­te. Für ei­ne sol­che bei­der­sei­ti­ge Vor­stel­lung fehlt es so­wohl in der ver­trag­li­chen Re­ge­lung als auch im Übri­gen an An­halts­punk­ten. Hier­ge­gen spricht zu­dem, dass die Par­tei­en, wie es das Lan­des­ar­beits­ge­richt für den Se­nat nach § 559 Abs. 2 ZPO bin­dend fest­ge­stellt hat, ei­ne feh­len­de Fortführung des BAT nicht be­dacht ha­ben, al­so ge­ra­de von des­sen un­un­ter­bro­che­ner Fort­set­zung aus­ge­gan­gen sind. Nur wenn die Par­tei­en die tatsächli­che Ent­wick­lung be­dacht hätten, könn­te über­haupt von ei­nem dies­bezügli­chen Re­ge­lungs­wil­len aus­ge­gan­gen wer­den, wie ihn die Be­klag­te gel­tend macht. Nur in die­sem Fall könn­te es ent­ge­gen der in der Be­zug­nah­me­klau­sel ver­ein­bar­ten Dy­na­mik bei ei­ner - nun­mehr im Er­geb­nis sta­ti­schen - An­wen­dung des BAT ver­blei­ben und es des­halb an ei­ner Ver­tragslücke feh­len.
 


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(5) Oh­ne Er­folg ist auch der wei­te­re Ein­wand der Be­klag­ten, der BAT gel­te nach wie vor in Ber­lin und - je­den­falls bis En­de des Jah­res 2009 bis zum In­kraft­tre­ten des Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst des Lan­des Hes­sen vom 1. Sep­tem­ber 2009 am 1. Ja­nu­ar 2010 - in Hes­sen. So­wohl die Be­klag­te als auch ih­re Rechts­vorgänge­rin sind und wa­ren in Ham­burg ansässig. An­halts­punk­te dafür, die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel be­zie­he sich hin­sicht­lich ih­rer Dy­na­mik nicht auf die Ent­wick­lung, wie sie die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des BAT durch des­sen Er­set­zung mit­tels der Nach­fol­ge­ta­rif­verträge TVöD und TV-L ge­stal­tet ha­ben, son­dern le­dig­lich auf die in den bei­den von ihr ge­nann­ten Ländern, die selbst nicht un­mit­tel­bar Ta­rif­ver­trags­par­tei des BAT ge­we­sen sind, ent­stan­de­ne, sind we­der der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zu ent­neh­men noch sonst vor­ge­tra­gen oder er­sicht­lich.


bb) Die mit der Er­set­zung des BAT durch den TV-L spätes­tens am 1. No­vem­ber 2006 ent­stan­de­ne nachträgli­che Re­ge­lungslücke ist im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung zu schließen. Die­se er­gibt, dass die Par­tei­en den TV-L und die zu die­sem ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge in Be­zug ge­nom­men hätten.


(1) Im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung tritt an die Stel­le der lücken­haf­ten Klau­sel die­je­ni­ge Ge­stal­tung, die die Par­tei­en bei ei­ner an­ge­mes­se­nen Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nach Treu und Glau­ben als red­li­che Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart hätten, wenn ih­nen die Un­wirk­sam­keit der Geschäfts­be­din­gung be­kannt ge­we­sen wäre (et­wa BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 22, NZA 2010, 401; 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - Rn. 26, BA­GE 122, 182; BGH 4. Ju­li 2002 - VII ZR 502/99 - zu B II 2 b aa der Gründe, BGHZ 151, 229; 13. No­vem­ber 1997 - IX ZR 289/96 - zu II 2 a der Gründe, BGHZ 137, 153). Die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung im Be­reich der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ori­en­tiert sich an ei­nem ob­jek­tiv ge­ne­ra­li­sie­ren­den, am Wil­len und In­ter­es­se der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se, aus­ge­rich­te­ten Maßstab, und nicht nur am Wil­len und In­ter­es­se der kon­kret be­tei­lig­ten Per­so­nen (BGH 7. März 1989 - KZR 15/87 - zu II 1 der Gründe mwN, BGHZ 107, 273). Die Ver­trags-


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ergänzung muss des­halb für den be­trof­fe­nen Ver­trags­typ als all­ge­mei­ne Lösung ei­nes stets wie­der­keh­ren­den In­ter­es­sen­ge­gen­sat­zes an­ge­mes­sen sein. Maßgeb­li­cher Zeit­punkt für die Fest­stel­lung und Be­wer­tung des mut­maßli­chen ty­pi­sier­ten Par­tei­wil­lens und der In­ter­es­sen­la­ge ist der Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses, da die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung ei­ne anfäng­li­che Re­ge­lungslücke rück­wir­kend schließt (BGH 12. Ok­to­ber 2005 - IV ZR 162/03 - zu IV 1 b der Gründe, BGHZ 164, 297). Das gilt auch, wenn ei­ne Lücke sich erst nachträglich als Fol­ge des wei­te­ren Ver­laufs der Din­ge er­ge­ben hat (BGH 6. Ju­li 1989 - III ZR 35/88 - zu II 4 a, d der Gründe, NJW-RR 1989, 1490). Zunächst ist hierfür an den Ver­trag selbst an­zu­knüpfen, denn die in ihm ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen und Wer­tun­gen, sein Sinn und Zweck sind Aus­gangs­punkt der Ver­trags­ergänzung. So­weit ir­gend möglich, sind da­nach Lücken im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung in der Wei­se aus­zufüllen, dass die Grundzüge des kon­kre­ten Ver­tra­ges „zu En­de ge­dacht“ wer­den (BGH 20. Sep­tem­ber 1993 - II ZR 104/92 - zu 2 der Gründe, BGHZ 123, 281).


(2) Aus­ge­hend von die­sen Maßstäben hätten die Par­tei­en red­li­cher­wei­se für den Fall der hier vor­lie­gen­den Ta­rif­suk­zes­si­on des im Ar­beits­ver­trag be­nann­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lungs­wer­kes das nach­fol­gen­de ta­rif­li­che Re­ge­lungs­werk des öffent­li­chen Diens­tes ver­ein­bart, weil ei­ne sta­ti­sche Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf den Zeit­punkt der hier vor­lie­gen­den Ta­rif­suk­zes­si­on nicht ih­ren In­ter­es­sen ent­sprach (oben un­ter aa [2]). Wei­ter­hin hätten die Ver­trags­par­tei­en von den nach der Ta­rif­suk­zes­si­on in Be­tracht kom­men­den Ta­rif­wer­ken des öffent­li­chen Diens­tes die An­wen­dung des TV-L und der hier­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge ver­ein­bart.


(a) Die Par­tei­en hätten, wenn sie die im Be­reich des BAT in den Jah­ren 2005 und 2006 ein­ge­tre­te­ne Ta­rif­suk­zes­si­on vor­her­ge­se­hen hätten, die an die Stel­le des BAT nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen für die An­ge­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes ver­ein­bart.

(aa) Die Par­tei­en ha­ben die nähe­re Aus­ge­stal­tung des zwi­schen ih­nen be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses - mit Aus­nah­me der Re­ge­lungs­be­rei­che be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und Er­ho­lungs­ur­laub - mit der dy­na­mi­schen

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Aus­ge­stal­tung der Be­zug­nah­me auf das ta­rif­li­che Re­ge­lungs­werk des BAT für die Zu­kunft der Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des öffent­li­chen Diens­tes an­ver­traut. Al­lein die im Ar­beits­ver­trag ab­wei­chend ver­ein­bar­te Re­ge­lung hin­sicht­lich ei­ner Zu­satz­ver­si­che­rung beim Ver­sor­gungs­ver­band bun­des- und lan­des­geförder­ter Un­ter­neh­men e.V. (VBLU) so­wie die ge­genüber dem BAT für den Kläger güns­ti­ge­re Ur­laubs­re­ge­lung hin­dert ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ei­ne sol­che An­nah­me nicht. Es han­delt sich vor­lie­gend nicht um ei­ne be­son­de­re Ver­wen­dung ei­ner Ver­wei­sung auf le­dig­lich ein­zel­ne Be­stim­mun­gen des BAT, die mit an­de­ren ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen auch in­ner­halb ein­zel­ner Re­ge­lungs­be­rei­che ver­knüpft wer­den, son­dern - mit Aus­nah­me der Be­stim­mun­gen in Nr. 8 und 9 des Ar­beits­ver­tra­ges - um ei­ne pau­scha­le An­knüpfung an das in Nr. 2 ge­nann­te Ta­rif­werk hin­sicht­lich al­ler wei­te­ren we­sent­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen und da­mit an die all­ge­mein für den öffent­li­chen Dienst im An­ge­stell­ten­be­reich ta­rif­lich ver­ein­bar­ten Re­ge­lun­gen. Die Be­klag­te hat - an­ders als in der be­son­ders ge­la­ger­ten und vom vor­lie­gen­den Rechts­streit ab­wei­chen­den Fall­ge­stal­tung in der Ent­schei­dung des Se­nats vom 10. Ju­ni 2009 (- 4 AZR 194/08 - ZTR 2010, 154) - nicht meh­re­re Ele­men­te aus ver­schie­de­nen Nor­men­wer­ken in ei­ner ei­genständi­gen Ver­trags­re­ge­lung mit­ein­an­der ver­bun­den.


Die mit der Ta­rif­suk­zes­si­on ver­bun­de­ne Ände­rung der Ta­rif­wer­ke wirkt nicht an­ders auf den Ar­beits­ver­trag ein als ei­ne tief­grei­fen­de in­halt­li­che Ände­rung des im Ar­beits­ver­trag be­nann­ten Ta­rif­ver­tra­ges. Mit dem Nach­voll­zie­hen der Ta­rif­suk­zes­si­on auf ar­beits­ver­trag­li­cher Ebe­ne wer­den die Par­tei­en nicht an­ders ge­stellt, als sie stünden, wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des öffent­li­chen Diens­tes den BAT re­for­miert und ihm ei­nen neu­en In­halt ge­ge­ben hätten (BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 24, NZA 2010, 401). Des­halb greift auch der Ein­wand der Be­klag­ten nicht, die Par­tei­en hätten sich nicht an ein ih­nen un­be­kann­tes Ta­rif­werk bin­den wol­len.


(bb) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on steht dem nicht ent­ge­gen, dass es sich bei der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­zug­nah­me­klau­sel nicht um ei­ne sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel oder große dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­sel han­delt.

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Bei der Er­set­zung des BAT durch den TVöD und den TV-L han­delt es sich be­reits nicht um ei­nen Ta­rif­wech­sel iSd. Recht­spre­chung des Se­nats zu ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­seln, son­dern um ei­ne von den den­sel­ben Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­te Ta­rif­suk­zes­si­on in­ner­halb des An­wen­dungs­be­reichs des bis­he­ri­gen Ta­rif­ver­tra­ges (ausf. BAG 22. April 2009 - 4 ABR 14/08 - Rn. 24 ff. mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 38 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 41). Schon des­halb ist ei­ne sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel für den Kla­ge­er­folg nicht er­for­der­lich. Im Übri­gen dürf­te es bei Ver­ein­ba­rung ei­ner wirk­sa­men sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel re­gelmäßig schon an ei­ner Lücke als Vor­aus­set­zung für ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung feh­len (vgl. BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - Rn. 17 ff. mwN, BA­GE 124, 34). Es führt in ei­nem sol­chen Fall be­reits die Ver­trags­aus­le­gung zur In­be­zug­nah­me je­den­falls der an die Stel­le des BAT tre­ten­den Nach­fol­ge­ta­rif­verträge.

(b) Auf­grund der Auf­spal­tung der bis zum 30. Sep­tem­ber 2005 weit­ge­hend gleich­lau­ten­den Re­ge­lun­gen für die An­ge­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes in die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des TVöD (Bund und Kom­mu­nen) und des TV-L ist im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung wei­ter­hin zu be­stim­men, wel­che Nach­fol­ge­re­ge­lung nach Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges maßge­bend sein soll, al­so wel­ches Ta­rif­werk die Par­tei­en in Be­zug ge­nom­men hätten, wenn sie die ein­ge­tre­te­ne auf­ge­spal­te­ne Ta­rif­suk­zes­si­on be­dacht hätten. Das ist vor­lie­gend das Ta­rif­werk des öffent­li­chen Diens­tes im Be­reich der Ta­rif­ge­mein­schaft deut­scher Länder.

(aa) Aus­zu­ge­hen ist da­bei von der Be­zug­nah­me­klau­sel. Lässt sich aus die­ser - wie hier - nicht zwei­fels­frei fest­stel­len, wel­ches der dem BAT nach­fol­gen­den Ta­rif­wer­ke nun­mehr An­wen­dung fin­den soll, ist dies nach Sinn und Zweck ei­ner In­be­zug­nah­me ta­rif­li­cher Re­ge­lun­gen zu er­mit­teln. Der Zweck der dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf Ta­rif­re­ge­lun­gen des öffent­li­chen Diens­tes ist es zunächst, am öffent­li­chen Dienst ori­en­tier­te Ar­beits­be­din­gun­gen zu schaf­fen. Zu­gleich weist ei­ne sol­che Klau­sel auf ein In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers hin, aus Wett­be­werbs- und Ar­beits­markt­gründen das­je­ni­ge Ta­rif­sys­tem zur Gel­tung zu brin­gen, das ty­pi­scher­wei­se gel­ten würde, wenn die aus­geübten Tätig­kei­ten
 


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in­ner­halb des öffent­li­chen Diens­tes er­bracht würden (zur In­be­zug­nah­me der Vergütungs­re­ge­lun­gen des BAT BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 26, NZA 2010, 401).


(bb) Nach den nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die für den Se­nat nach § 559 Abs. 2 ZPO bin­dend sind, be­ste­hen kei­ne An­knüpfungs­punk­te, die ei­ne Be­zie­hung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zum Bund oder den Ge­mein­den er­ge­ben könn­ten. Des­halb ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, wäre ih­nen ei­ne künf­ti­ge Ta­rif­suk­zes­si­on be­kannt ge­we­sen, die An­wen­dung des TV-L und der hier­zu ge­schlos­se­nen Zu­satz­ta­rif­verträge ver­ein­bart hätten.

Fehlt es an Hin­wei­sen, die ei­ne Ori­en­tie­rung an den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des öffent­li­chen Diens­tes für die An­ge­stell­ten des Bun­des oder der durch die VKA ver­tre­te­nen kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände und ih­rer Mit­glie­der er­ken­nen las­sen, kann nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die Par­tei­en die für die­sen Be­reich gel­ten­den Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen ver­ein­bart hätten. Des­halb kann bei den drei hier in Be­tracht kom­men­den Nach­fol­ge­ta­rif­verträgen des BAT nicht an­ge­nom­men wer­den, der TVöD für den Be­reich des Bun­des oder für den der Kom­mu­nen wäre ver­ein­bart wor­den. In­so­weit macht auch die Re­vi­si­on nicht - we­nigs­tens hilfs­wei­se - gel­tend, bei ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung könne der TVöD zur An­wen­dung kom­men.

(cc) So­weit die Re­vi­si­on anführt, die Par­tei­en hätten ent­ge­gen den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht übe­rein­stim­mend erklärt, die Re­ge­lun­gen des TV-L und des TVÜ-L sei­en die sachnähe­ren Re­ge­lungs­wer­ke, ist die­se Rüge je­den­falls un­er­heb­lich. Denn un­abhängig da­von er­gibt sich aus den vor­ste­hend an­geführ­ten Gründen be­reits ei­ne Be­zug­nah­me des TV-L und des TVÜ-L ein­sch­ließlich der ent­spre­chen­den Zu­satz­ta­rif­verträge im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung.

Darüber hin­aus hat die Be­klag­te in dem von der Re­vi­si­on an­geführ­ten Vor­brin­gen in der Be­ru­fungs­in­stanz kei­nen der Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ent­ge­gen­ste­hen­den Sach­vor­trag ge­hal­ten. So­weit sie dort gel­tend ge­macht hat, be­reits der BAT führe zu „nicht mehr markt­ge­recht ho­hen Ge-
 


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hältern ins­be­son­de­re durch sei­ne di­ver­sen Zu­la­gen“, wes­halb ein „Ein­frie­ren selbst­verständ­lich fol­ge­rich­tig“ sei, und wei­ter­hin anführt, der TV-L be­deu­te „durch sei­ne Über­g­angs­re­ge­lun­gen ei­nen Kos­ten­an­stieg“, wen­det sie sich nicht ge­gen die Sachnähe des TV-L, son­dern ge­gen das Vergütungs­ni­veau des öffent­li­chen Diens­tes ins­ge­samt. Die­ser Ein­wand rich­tet sich so­wohl ge­gen den un­strei­tig in Be­zug ge­nom­me­nen BAT als auch den TV-L. Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on ließe sich glei­cher­maßen ge­gen den TVöD als Nach­fol­ge­re­ge­lung anführen. Ein Ar­gu­ment für oder ge­gen die größere Sachnähe ei­nes be­stimm­ten Nach­fol­ge­ta­rif­ver­tra­ges des BAT im Verhält­nis zu ei­nem an­de­ren Nach­fol­ge­ta­rif­ver­trag er­gibt sich dar­aus nicht. Des­halb hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­ge­gen der An­nah­me der Re­vi­si­on bei sei­ner Be­weiswürdi­gung - ge­nau­er: der Würdi­gung des ge­sam­ten In­halts der Ver­hand­lung und des Er­geb­nis­ses ei­ner et­wai­gen Be­weis­auf­nah­me -, die durch das Re­vi­si­ons­ge­richt nur be­schränkt auf die Wah­rung der Vor­aus­set­zun­gen und Gren­zen von § 286 ZPO über­prüfbar ist (BAG 12. März 1997 - 5 AZR 766/95 - zu I 4 b der Gründe, BA­GE 85, 237; 19. April 2005 - 9 AZR 184/04 - Rn. 38, AP BErzGG § 15 Nr. 43 = EzA BErzGG § 15 Nr. 14; 21. Ok­to­ber 2009 - 4 ABR 40/08 - Rn. 45), kei­nen Vor­trag der Be­klag­ten als we­sent­li­chen Ge­sichts­punkt un­berück­sich­tigt ge­las­sen.


(dd) Ein an­de­res er­gibt sich nicht aus dem von der Be­klag­ten an­geführ­ten Um­stand, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des BAT auf Ar­beit­ge­ber­sei­te nicht mehr in glei­cher Form an (nur) ei­nem Nach­fol­ge­ta­rif­ver­trag be­tei­ligt sind. Der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel kann nicht ent­nom­men wer­den, dass ih­re Dy­na­mik dann ent­fal­len soll, wenn auf Ar­beit­ge­ber­sei­te nicht mehr al­le Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­tei­ligt sein soll­ten. Die von der Be­klag­ten an­geführ­ten un­ter­schied­li­chen Ar­beits­zeit- und Son­der­zah­lungs­re­ge­lun­gen im Be­reich des TVöD ge­genüber de­nen im Be­reich des TV-L ste­hen in An­be­tracht der ge­rin­gen Un­ter­schie­de zwi­schen den bei­den Ta­rif­wer­ken ei­ner un­ter Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nach Treu und Glau­ben er­fol­gen­den ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung ei­ner dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me­klau­sel, die die Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen ja von vorn­her­ein an sich ändern­de Ta­rif­be­stim­mun­gen kop­pelt, nicht ent­ge­gen.


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(ee) An der Rich­tig­keit der vor­ge­nom­me­nen ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung ändert auch der Ein­wand der Re­vi­si­on nichts, der TV-L ent­hal­te an­ders als der BAT nur „ru­di­mentäre“ Be­stim­mun­gen zum Be­reit­schafts­dienst und zur Ruf­be­reit­schaft, es sei für die Be­klag­te aber es­sen­ti­ell ge­we­sen, we­gen sol­cher Re­ge­lun­gen die Be­zug­nah­me des BAT zu ver­ein­ba­ren, so­lan­ge al­le drei Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­nen ge­mein­sa­men Ta­rif­ver­trag aus­ge­han­delt hätten, sei­en auch die In­ter­es­sen der­je­ni­gen Ar­beit­ge­ber be­dacht wor­den, die auf Be­reit­schafts­zeit­re­ge­lun­gen an­ge­wie­sen sei­en.


Hier­bei han­delt es sich um ei­nen nach § 559 Abs. 1 ZPO in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­zulässi­gen neu­en Tat­sa­chen­vor­trag. Im Übri­gen hat die Be­klag­te auch nicht näher dar­ge­tan, in­wie­weit die Re­ge­lun­gen zum Be­reit­schafts­dienst, die § 9 TV-L enthält, für ih­ren Be­trieb von den Be­stim­mun­gen des § 15 Abs. 6a BAT iVm. Nr. 5 SR 2b BAT der­art ab­weicht, dass nicht mehr von ei­ner dem ursprüng­li­chen Ver­trags­wil­len ergänzend zu ent­neh­men­den Be­zug­nah­me des TV-L aus­ge­gan­gen wer­den kann. Hin­sicht­lich der von der Re­vi­si­on in die­sem Zu­sam­men­hang erst­mals an­geführ­ten Re­ge­lun­gen zur Vergütung von Be­reit­schafts­zei­ten gel­ten zu­dem nach § 8 Abs. 6 Satz 2 TV-L „die in dem je­wei­li­gen Be­trieb/der je­wei­li­gen Ver­wal­tung/Dienst­stel­le am 31. Ok­to­ber 2006 je­weils gel­ten­den Be­stim­mun­gen fort“, bis das „Ent­gelt für Be­reit­schafts­dienst ... durch be­son­de­ren Ta­rif­ver­trag“ nach Satz 1 der ta­rif­li­chen Be­stim­mung ge­re­gelt ist.


(c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on kann schließlich nicht an­ge­nom­men wer­den, die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en hätten bei Kennt­nis der wei­te­ren Ent­wick­lung auf den Ta­rif­ver­trag für die Ar­beits­recht­li­che Ver­ei­ni­gung Ham­burg e.V. (TV AVH vom 19. Sep­tem­ber 2005, der­zeit idF vom 28. Ok­to­ber 2008) oder den Kirch­li­chen Ta­rif­ver­trag Dia­ko­nie (KTD vom 15. Au­gust 2002, der­zeit idF vom 16. März 2009) ver­wie­sen.


(aa) Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung da­hin­ge­hend, die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en hätten den TV AVH ver­ein­bart, ist nach den ge­nann­ten Grundsätzen nicht möglich. Die Par­tei­en ha­ben be­reits des­sen Vorläufer­re­ge­lung, den MTV An­ge­stell­te (vom 1. Au­gust 1961, in der Neu­fas­sung vom 23. März 1993), nicht


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in der ar­beits­ver­trag­li­chen Ab­re­de aus dem Jah­re 1995 in Be­zug ge­nom­men, son­dern den auf Ar­beit­ge­ber­sei­te von Bund, Ländern und Kom­mu­nen ge­schlos­se­nen BAT. Des­halb kann nicht an­ge­nom­men wer­den, sie hätten zum maßge­ben­den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses für den Fall, dass sie die Lücken­haf­tig­keit der Ver­trags­re­ge­lung er­kannt hätten, die An­wen­dung ei­nes Ta­rif­werks ver­ein­bart, an dem auf Ar­beit­ge­ber­sei­te ein an­de­rer Ver­trags­part­ner be­tei­ligt ist.

(bb) Glei­ches gilt für den von der Be­klag­ten an­geführ­ten KTD. Auch hier han­delt es sich um ei­nen von ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber­ver­band - dem Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher An­stel­lungs­träger Nord­el­bi­en - ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag, der zu­dem zum Zeit­punkt des Ar­beits­ver­trags­ab­schlus­ses noch nicht exis­tier­te.


2. Be­gründet ist auch der Kla­ge­an­trag zu 2). Der An­spruch auf die gel­tend ge­mach­te Ein­mal­zah­lung er­gibt sich aus der Be­zug­nah­me­re­ge­lung in Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges iVm. § 2 Abs. 1 Buchst. b) TV EZ.

a) Nach § 2 Abs. 1 Buchst. b) TV EZ wer­den mit den Bezügen für den Mo­nat Ja­nu­ar 2007 in den Ent­gelt­grup­pen E 9 bis E 12 als Ein­mal­zah­lung 210,00 Eu­ro aus­ge­zahlt. Der Kläger, der nach der VergGr. Vb BAT vergütet wur­de, ist nach § 3, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-L iVm. der An­la­ge 2 (Zu­ord­nung der Vergütungs- und Lohn­grup­pen zu den Ent­gelt­grup­pen für am 31. Ok­to­ber 2006/1. No­vem­ber 2006 vor­han­de­ne Beschäftig­te für die Über­lei­tung), Teil A, der Ent­gelt­grup­pe 9 TV-L zu­ge­ord­net und kann da­her die­sen Be­trag be­an­spru­chen.


b) Der Kläger hat die Ein­mal­zah­lun­gen recht­zei­tig in­ner­halb der Aus­schluss­frist des § 37 TV-L gel­tend ge­macht. Die mit den Bezügen für Ja­nu­ar 2007 aus­zu­zah­len­de Ein­mal­zah­lung nach § 2 Abs. 1 Buchst. b) TV EZ hat der Kläger mit der am 10. Ju­li 2007 der Be­klag­ten zu­ge­stell­ten Kla­ge­er­wei­te­rung gel­tend ge­macht und so die sechs­mo­na­ti­ge Frist ab Fällig­keit des An­spruchs ge­wahrt. In der Zu­stel­lung der Kla­ge­er­wei­te­rung an die Be­klag­te liegt hin­sicht­lich der Ein­mal­zah­lung ei­ne recht­zei­ti­ge schrift­li­che Gel­tend­ma­chung (BAG
 


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16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 34, NZA 2010, 401; s. auch BAG 9. Ju­li 2008 - 5 AZR 518/07 - Rn. 15, AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Gebäuderei­ni­gung Nr. 21 = EzA ZPO 2002 § 249 Nr. 1).

c) Der Zins­an­spruch für die Ein­mal­zah­lung er­gibt sich aus § 288 Abs. 1, § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

III. Die Kos­ten der er­folg­lo­sen Re­vi­si­on hat nach § 97 ZPO die Be­klag­te zu tra­gen.

Be­p­ler 

Win­ter 

Tre­ber

Görgens 

Th. Hess

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