Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Diskriminierung: Behinderung, Schwerbehinderung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 4 Sa 18/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 06.09.2010
   
Leit­sätze:

1. Die Pflicht zur Ein­la­dung zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch entfällt nicht des­we­gen, weil die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Mut­ter­schafts­ver­tre­tung neu zu be­set­zen ist (§ 82 Satz 1 iVm § 72 Abs. 2 Nr. 7 SGB IX).

2. Macht ein schwer­be­hin­der­ter Be­wer­ber im Be­wer­bungs­schrei­ben un­kla­re An­ga­ben über den Grad und die Art sei­ner Be­hin­de­rung, so trifft den Ar­beit­ge­ber kei­ne Pflicht, sich im Hin­blick auf § 1 AGG über den Grad und die Art der Be­hin­de­rung zu er­kun­di­gen.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Pforzheim, Urteil vom 9.03.2010, 1 Ca 584/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.10.2011, 8 AZR 608/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

 

Verkündet

am 06.09.2010

Ak­ten­zei­chen (Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben)

4 Sa 18/10

1 Ca 584/09 (ArbG Pforz­heim)

Ißler, An­ge­stell­te
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit

- Kläger/Be­ru­fungskläger -

ge­gen

- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 4. Kam­mer - durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nat­ter, den eh­ren-amt­li­chen Rich­ter Schulz und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter St­ein
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 06.09.2010

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pforz­heim - vom 09.03.2010 - 1 Ca 584/09- wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger trägt die Kos­ten der Be­ru­fung.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

- 2 - 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG zu zah­len hat.

Der am 23. März 1964 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger ab­sol­vier­te von 1982 bis 1985 ei­ne Be­rufs-aus­bil­dung als Großhan­dels­kauf­mann. Dar­an an­sch­ließend er­warb er im Jahr 1987 die Fach­hoch­schul­rei­fe. Von 1987 bis 1992 stu­dier­te der Kläger Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an der Fach­hoch­schu­le F.. Er er­warb den Ab­schluss als Dipl.-Be­triebs­wirt FH. Von 1992 bis 1996 übte der Kläger ver­schie­de­ne Tätig­kei­ten aus. Von 1996 bis 1998 ab­sol­vier­te er ei­ne wei­te­re Be­rufs­aus­bil­dung als Che­misch-Tech­ni­scher As­sis­tent. Dar­an an­sch­ließend übte er er­neut ver­schie­de­ne Tätig­kei­ten aus.

Von Sep­tem­ber 2004 bis Au­gust 2005 nahm der Kläger am prak­ti­schen Einführungs­jahr für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst bei der Ge­mein­de H. teil. Von Sep­tem­ber 2005 bis Sep-tem­ber 2008 stu­dier­te er an der Fach­hoch­schu­le für öffent­li­che Ver­wal­tung in K.. Im Haupt-stu­di­um wähl­te er das Fach Wirt­schaft mit dem Wahl­pflicht­fach Rech­nungs­we­sen. Am 17. Sep­tem­ber 2008 leg­te der Kläger die Staats­prüfung für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst mit der Ge­samt­no­te be­frie­di­gend (7 Punk­te) ab.

Der Kläger ist seit 23. Sep­tem­ber 1997 schwer­be­hin­dert mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 60 %. Er lei­det an ei­nem es­sen­ti­el­len Tre­mor, der nicht be­hand­lungs­bedürf­tig ist.

Im Som­mer 2009 schrieb die Be­klag­te ei­ne Stel­le für die Be­rei­che Per­so­nal­we­sen, Bau­leit-pla­nung, Lie­gen­schaf­ten und Ord­nungs­amt aus. Die Stel­le war als Mut­ter­schafts­ver­tre­tung zu be­set­zen. Für das ge­nann­te Auf­ga­ben­ge­biet such­te die Be­klag­te ei­ne/n Mit­ar­bei­ter/in mit der Qua­li­fi­ka­ti­on des ge­ho­be­nen nicht­tech­ni­schen Ver­wal­tungs­diens­tes und um­fas­sen­den Kennt­nis­sen. Die Vergütung soll­te nach dem TVöD er­fol­gen. Die Be­klag­te ist ei­ne Ge­mein­de mit 3.700 Ein­woh­nern. In der Ver­wal­tung sind ins­ge­samt 12 Beschäftig­te bei 8 Stel­len tätig.

Mit Schrei­ben vom 8. Ju­li 2009 be­warb sich der Kläger um die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le. Nach sei­ner Staats­prüfung hat­te sich der Kläger be­reits um zahl­rei­che Stel­len be­wor­ben, je­doch durch­weg oh­ne Er­folg. In sei­nem ausführ­li­chen Be­wer­bungs­schrei­ben führ­te der Kläger am En­de fol­gen­des aus:

„Durch mei­ne Be­hin­de­rung bin ich, ins­be­son­de­re im Ver­wal­tungs­be­reich, nicht ein­ge-schränkt.“

 

- 3 -

Mit dem Be­wer­bungs­ver­fah­ren war bei der Be­klag­ten Frau U. Ma. be­traut. Frau Ma. hat­te eben­falls die Fach­hoch­schu­le K. be­sucht und kann­te den Kläger flüch­tig. Hier­bei hat­te Frau Ma. den Ein­druck ge­won­nen, dass sich der Kläger an­de­ren Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten auf­drängt. Über die­sen Ein­druck un­ter­rich­te­te sie den Bürger­meis­ter der Be­klag­ten. Die­ser kam dar­auf­hin zur Über­zeu­gung, dass der Kläger nicht berück­sich­tigt wer­den könne. Im wei­te­ren Ver­lauf des Be­wer­bungs­ver­fah­rens wur­den von den ca. 10 ein­ge­gan­ge­nen Be­wer­bun­gen zwei Be­wer­ber zur Vor­stel­lung beim Ge­mein­de­rat aus­gewählt. Ein­ge­stellt wur­de Frau D.M. Frau D.M. hat­te ihr Staats­ex­amen mit 8 Punk­ten be­stan­den. Sie hat­te während des Haupt­stu­di­ums den Be­reich „Ver­wal­tung“ und das Schwer­punkt­fach Kom­mu­nal­po­li­tik gewählt. Mit Schrei­ben vom 30. Ju­li 2009 teil­te die Be­klag­te dem Kläger mit, dass die Aus­wah­l­ent­schei­dung nicht zu sei­nen Guns­ten aus­ge­fal­len sei.

Mit An­walts­schrei­ben vom 14. Au­gust 2009 teil­te der Kläger mit, dass er seit dem 23. Sep-tem­ber 1997 ei­nen Grad der Be­hin­de­rung von 60 % auf­wei­se. Er rügte, dass er nicht zu ei-nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wor­den sei. Vor­sorg­lich mach­te der Kläger Scha­den-er­satz­ansprüche nach § 15 AGG gel­tend. Mit wei­te­rem An­walts­schrei­ben vom 10. Sep­tem­ber 2009 be­an­spruch­te der Kläger ei­ne Entschädi­gung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern.

Mit Ant­wort­schrei­ben vom 24. Sep­tem­ber 2009 teil­te die Be­klag­te u.a. mit, dass die Ein­la­dung zum Vor­stel­lungs­gespräch ent­behr­lich ge­we­sen sei, weil dem Kläger die fach­li­che Eig­nung of­fen­sicht­lich ge­fehlt ha­be. Mit An­walts­schrei­ben vom 25. Sep­tem­ber 2009 wi­der­sprach der Kläger die­ser Auf­fas­sung. Der wei­te­re Schrift­wech­sel zwi­schen den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 2. Ok­to­ber und 7. Ok­to­ber 2009 blieb er­geb­nis­los.

Im An­schluss an das vor­lie­gen­de Be­wer­bungs­ver­fah­ren mach­te der Kläger auch ge­genüber an­de­ren öffent­lich-recht­li­chen Körper­schaf­ten Ansprüche auf Entschädi­gung nach § 15
Abs. 2 AGG gel­tend. Im Zeit­punkt der Be­ru­fungs­ver­hand­lung (6. Sep­tem­ber 2010) hat­te der Kläger in 27 Fällen Entschädi­gungs­ansprüche gel­tend ge­macht. In den Be­wer­bungs­ver­fah­ren hat­te der Kläger teils - wie hier - auf ei­ne Be­hin­de­rung, teils aber auch auf ei­ne Schwer-be­hin­de­rung hin­ge­wie­sen. Ei­ni­ge Ver­fah­ren wur­den außer­ge­richt­lich bei­ge­legt. In zahl­rei­chen an­de­ren Fällen sind je­doch noch Ver­fah­ren vor den Ar­beits­ge­rich­ten und den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten anhängig. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge zum Schrift­satz der Be­klag­ten vom 26. Au­gust 2010 ver­wie­sen.

Mit sei­ner am 26. Ok­to­ber 2009 beim Ar­beits­ge­richt Frei­burg ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger die Zah­lung ei­ner an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung, min­des­tens je­doch in Höhe von

 

- 4 -

drei Brut­to­mo­nats­gehältern (= € 6.689,85) be­gehrt. Mit Be­schluss vom 11. No­vem­ber 2009 ver­wies das Ar­beits­ge­richt Frei­burg den Rechts­streit an das ört­lich zuständi­ge Ar­beits­ge­richt Pforz­heim.

Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, er sei trotz sei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wor­den. Dies be­gründe die Ver­mu­tung, dass er we­gen sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt wor­den sei.

Der Kläger hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung, min­des­tens je­doch in Höhe von € 6.689,85 nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 26. Sep­tem­ber 2009 zu be­zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat vor­ge­tra­gen, es tref­fe zu, dass der Kläger nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein-ge­la­den wor­den sei. Hier­zu sei sie aber auch nicht ver­pflich­tet ge­we­sen. Die Stel­le sei als Mut­ter­schafts­ver­tre­tung für die Beschäftig­te B.W. aus­ge­schrie­ben wor­den. Nach
§ 73 Abs. 2 Nr. 7 SGG IX zähle der Ar­beits­platz da­her nicht zu den Ar­beitsplätzen im Sin­ne des § 82 SGB IX. Zu­dem ha­be der Kläger sie nicht auf sei­ne Schwer­be­hin­de­rung hin­ge­wie­sen. Er ha­be am En­de sei­nes Be­wer­bungs­schrei­bens le­dig­lich ver­steckt erwähnt, dass er durch sei­ne Be­hin­de­rung nicht ein­ge­schränkt sei. Der Kläger ken­ne den Un­ter­schied zwi­schen ei­ner Be­hin­de­rung und ei­ner Schwer­be­hin­de­rung. Dies le­ge die Ver­mu­tung na­he, dass es der Kläger dar­auf an­ge­legt ha­be, ei­ne Entschädi­gung we­gen an­geb­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung zu be­an­spru­chen. Sch­ließlich sei der Kläger für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le auch fach­lich of­fen­sicht­lich nicht ge­eig­net ge­we­sen. Der Schwer­punkt sei­nes Stu­di­ums sei das Fach Rech­nungs­we­sen ge­we­sen. Die­se Aus­rich­tung sei ei­ne ganz an­de­re als im An­for­de­rungs­pro­fil für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le. Die Be­hin­de­rung des Klägers sei nicht aus­schlag­ge­bend dafür ge­we­sen, dass der Kläger nicht berück­sich­tigt wor­den sei. Viel­mehr ha­be sie auf­grund des von Frau Ma. ge­schil­der­ten Ver­hal­tens des Klägers die Über­zeu­gung ge­won­nen, dass die­ser für die Stel­le nicht ge­eig­net sei.

Der Kläger hat er­wi­dert, Frau Ma. ha­be auf­grund der ge­mein­sa­men Stu­di­en­zeit ge­wusst, dass er schwer­be­hin­dert sei. Dies er­ken­ne man auch oh­ne wei­te­res an sei­nem Tre­mor. Au-

 

- 5 -

ßer­dem sei die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft auch des­we­gen er­kenn­bar ge­we­sen, weil er auf­grund sei­nes fort­ge­schrit­te­nen Al­ters nur als Schwer­be­hin­der­ter die Zu­las­sung zum Stu-di­um ha­be er­hal­ten können. Auf­grund der ab­ge­leg­ten Staats­prüfung sei er für die aus­ge-schrie­be­ne Stel­le nicht of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net ge­we­sen.

Die Be­klag­te hat er­wi­dert, Frau Ma. sei die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft des Klägers nicht be­kannt ge­we­sen. Sie ha­be auch nicht auf­grund des Al­ters des Klägers den Schluss zie­hen müssen, dass die­ser schwer­be­hin­dert sei. Denn die Zu­las­sung zum Stu­di­um an der Fach-hoch­schu­le K. er­hiel­ten auch an­de­re älte­re Per­so­nen.

Mit Ur­teil vom 9. März 2010 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Be­klag­te ha­be den Kläger nicht zu ei­nem Vors­tel-lungs­gespräch ein­la­den müssen, weil die­ser nicht auf sei­ne Schwer­be­hin­de­rung hin­ge­wie­sen ha­be. Die Be­klag­te ha­be auch nicht da­von aus­ge­hen müssen, dass der Kläger schwer-be­hin­dert sei. Ne­ben der Schwer­be­hin­de­rung ge­be es wei­te­re Aus­nah­me­tat­bestände für die Zu­las­sung zum Stu­di­um. Die vollständi­ge Kennt­nis der Zu­las­sungs­vor­schrif­ten könne von der Be­klag­ten nicht ver­langt wer­den.

Ge­gen das ihm am 13. April 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 7. Mai 2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 21. Mai 2010 be­gründet. Er trägt vor, er ha­be aus­rei­chen­de In­di­zi­en vor­ge­tra­gen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen sei­ner Schwer­be­hin­de­rung ver­mu­ten ließen. Da­zu zähle die un­ter­las­se­ne Mel­dung der frei­en Stel­le bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, die feh­len­de Ein­la­dung zum Vor­stel­lungs­gespräch, die un­ter­las­se­ne Un­ter­rich­tung des Per­so-nal­rats und der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung über sei­ne Be­wer­bung so­wie die feh­len­de Un-ter­rich­tung über die Ab­leh­nungs­gründe. Die Be­klag­te ha­be in der Per­son von Frau Ma. ge-wusst, dass er schwer­be­hin­dert sei. Zu­min­dest ha­be die Be­klag­te sei­ne Schwer­be­hin­der-ten­ei­gen­schaft auf­grund der Zu­las­sungs­be­stim­mun­gen zur Aus­bil­dung für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst ken­nen müssen. So­weit die Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­te, die aus­ge-schrie­be­ne Stel­le sei kein Ar­beits­platz im Sin­ne des § 73 SGB IX, sei dies un­zu­tref­fend. Die Vor­schrift des § 73 Abs. 2 Nr. 7 SGB IX die­ne aus­sch­ließlich dem Zweck, bei der Er­mitt­lung der Schwer­be­hin­der­ten­quo­te Dop­pelzählun­gen zu ver­mei­den. Er sei für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le auch nicht of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net ge­we­sen. Sch­ließlich sei sei­ne Be­wer­bung auch nicht rechts­miss­bräuch­lich. Er ha­be nach Ab­le­gung des Staats­ex­amens ver­geb­lich ver­sucht, ei­ne Stel­le im öffent­li­chen Dienst zu be­kom­men. In der Zeit vom 12. Ja­nu­ar bis
31. März 2010 ha­be er - was un­strei­tig ist - ei­ne Stel­le bei ei­nem öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber in Ober­bay­ern in­ne­ge­habt. Nach Kündi­gung die­ses Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber

 

- 6 -

sei er wie­der ar­beits­los. Ei­ne Entschädi­gung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern sei an­ge­mes­sen.

Der Kläger be­an­tragt:

1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pforz­heim (1 Ca 584/09) wird auf­ge­ho­ben.

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi-gung, min­des­tens je­doch in Höhe von € 6.689,85 nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 26. Sep­tem­ber 2009 zu be­zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie trägt vor, Frau Ma. sei de­fi­ni­tiv nicht be­kannt ge­we­sen, dass der Kläger schwer­be­hin­dert sei. Der Kläger ha­be le­dig­lich am Ran­de auf ei­ne „Be­hin­de­rung“ hin­ge­wie­sen. Auch aus dem Um­stand, dass der Kläger älter als die übri­gen Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten ge­we­sen sei, ha­be Frau Ma. nicht auf ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft schließen müssen. Sie blei­be bei ih­rer Auf­fas­sung, dass der aus­ge­schrie­be­ne Ar­beits­platz nicht als Ar­beits­platz im Sin­ne des § 82 SGB IX an­zu­se­hen sei. Vor­sorg­lich be­strei­te sie die Höhe der Entschädi­gung.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands wird gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Pro­to­kol­le über die münd­li­chen Ver­hand­lun­gen ver­wie­sen. In der Be­ru­fungs­ver­hand­lung hat die Be­klag­te vor­ge­tra­gen, bei ihr be­ste­he we­der ein Per­so­nal­rat noch ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung. Der Kläger hat dies mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. Die Kam­mer hat dar­auf­hin Be­weis er­ho­ben über die be­strit­te­ne Be­haup­tung der Be­klag­ten, bei ihr be­ste­he we­der ein Per­so­nal­rat noch ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, durch die Ver­neh­mung der Zeu­gin Ma. We­gen des In­halts der Zeu­gen­aus­sa­ge wird auf das Pro­to­koll über die Sit­zung vom 6. Sep­tem­ber 2010 ver­wie­sen. Außer­dem hat der Kläger die in der Be­ru­fung er­wei­ter­te Kla­ge, die Be­klag­te zur Zah­lung von außer­ge­richt­li­chen An­walts­kos­ten in Höhe von € 313,86 zu ver­ur­tei­len, in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung zurück­ge­nom­men.

 

- 7 -

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die Be­ru­fung ist gemäß § 64 Abs. 2 Buchst. b ArbGG statt­haft. Sie ist auch gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Ge­gen­stand der Be­ru­fung ist nur der An­trag auf Zah­lung ei­ner an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung gemäß § 15 Abs. 2 AGG. So­weit der Kläger die Kla­ge in der Be­ru­fung um den An­trag er­wei­tert hat, außer­ge­richt­li­che An­walts­kos­ten in Höhe von € 313,86 zu be­zah­len, hat er die Kla­ge in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung wie­der zurück­ge­nom­men.

II.

Die Be­ru­fung des Klägers ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ent­schie­den, dass dem Kläger kein An­spruch auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG zu-steht.

1. Die Kla­ge ist zulässig. Sie ist ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, auch wenn der Kläger die Höhe der von ihm be­gehr­ten Entschädi­gung in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt und le­dig­lich ei­ne Min­des­tentschädi­gung ver­langt hat. Nach § 15 Abs. 2 AGG kann ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld ver­langt wer­den. So­mit wird dem Ge­richt hin­sicht­lich der Höhe der Entschädi­gung ein Be­ur­tei­lungs-spiel­raum ein­geräumt. Ist die Höhe des Be­tra­ges nach bil­li­gem Er­mes­sen des Ge­richts zu be­stim­men, ist ein un­be­zif­fer­ter Zah­lungs­an­trag zulässig. Al­ler­dings müssen die Tat­sa-chen, die das Ge­richt bei der Be­stim­mung des Be­tra­ges zu­grun­de­le­gen soll, be­nannt und die Größen­ord­nung des Be­tra­ges an­ge­ge­ben wer­den (zu­letzt BAG 18. März 2010 -
8 AZR 1044/08 - Ju­ris; BAG 24. Sep­tem­ber 2009 - 8 AZR 705/08 - NZA 2010, 387). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fall erfüllt.

2. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet, weil der Kläger kei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG hat. Die Be­klag­te hat den Kläger nicht in dem Be­wer­bungs­ver­fah­ren „we­gen“ sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt.

a) Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG können Beschäftig­te, zu de­nen nach § 6 Abs. 1 Satz 2 auch Be­wer­ber für ein Beschäfti­gungs­verhält­nis zählen, we­gen ei­nes Scha­dens, der nicht Vermögens­scha­den ist, ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld ver­lan­gen. Der Entschädi­gungs­an­spruch setzt ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot

 

- 8 -

gemäß § 7 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 1 AGG vor­aus. Hier­nach dürfen Beschäftig­te u.a. nicht we­gen ei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt wer­den. Außer­dem be­stimmt § 81 Abs. 2 Satz 1 SGB IX, dass Ar­beit­ge­ber schwer­be­hin­der­te Beschäftig­te nicht we­gen ih­rer Be­hin­de­rung be­nach­tei­li­gen dürfen. Bei ei­ner Ver­let­zung des Be­nach­tei­li­gungs­ver­bots schul­det der Ar­beit­ge­ber nach § 15 Abs. 2 Satz 1 und 2 AGG ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld, die drei Mo­nats­vergütun­gen nicht über­stei­gen darf, wenn der Beschäftig­te auch bei be­nach­tei­li­gungs­frei­er Aus­wahl nicht ein­ge­stellt wor­den wäre.

b) Zwi­schen den Par­tei­en steht außer Streit, dass der zeit­li­che und persönli­che An­wen-dungs­be­reich des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes eröff­net ist. Eben­so ist un-strei­tig, dass der Kläger die Fris­ten für die schrift­li­che und ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung des An­spruchs nach § 15 Abs. 4 AGG und § 61 b Abs. 1 ArbGG ge­wahrt hat. Es lag auch ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung des Klägers im Sin­ne des § 3 Abs. 1 AGG vor, weil er in ei­ner „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ we­ni­ger güns­tig be­han­delt wur­de als die­je­ni­ge Be­wer­be­rin, die die Be­klag­te letzt­lich ein­ge­stellt hat. An ei­ner „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ würde es nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts feh­len, wenn der Kläger von vorn­her­ein ob­jek­tiv für die aus­ge­schrie­be­ne Po­si­ti­on un­ge­eig­net ge­we­sen wäre (BAG 18. März 2010 - 8 AZR 77/09 - NZA 2010, 872; BAG 18. März 2010 - 8 AZR 1044/08 - NJW 2010, 2970). Maßgeb­lich für die ob­jek­ti­ve Eig-nung ist da­bei nicht das for­mel­le An­for­de­rungs­pro­fil des je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mers, son­dern die An­for­de­run­gen, die an die je­wei­li­ge Tätig­keit nach der im Ar­beits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung ge­stellt wer­den. Dass der Kläger bei die­sem Maß-stab für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ob­jek­tiv ge­eig­net war, lässt sich an­ge­sichts sei­ner Aus­bil­dung nicht in Ab­re­de stel­len.

c) Der Kläger hat an sich zwei hin­rei­chen­de In­di­zi­en im Sin­ne des § 22 AGG vor­ge­tra­gen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen sei­ner Be­hin­de­rung ver­mu­ten las­sen.

aa) § 1 in Ver­bin­dung mit § 7 Abs. 1 AGG ver­bie­tet die Be­nach­tei­li­gung „we­gen“ ei­ner Be­hin­de­rung. Bei schwer­be­hin­der­ten Men­schen gilt ergänzend § 81 Abs. 2 SGB IX, wo­nach Ar­beit­ge­ber schwer­be­hin­der­te Beschäftig­te nicht we­gen ih­rer Be­hin­de­rung be­nach­tei­li­gen dürfen. Der Be­griff der Be­hin­de­rung ist wei­ter als der Be­griff der Schwer­be­hin­de­rung (Däubler/Bertz­bach AGG 2. Aufl. § 1 Rn. 74; Bau­er/Krie­ger/Göpfert AGG 2. Aufl. § 1 Rn. 39 ff; Wen­de­ling-Schröder/St­ein AGG § 1 Rn. 46). Be­hin­de­rung im Sin­ne des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes ist nicht an ei­nen be­stimm­ten Grad der Be­hin­de­rung ge­knüpft. Der Be­griff er­fasst al­le Funk­ti­onsstörun­gen, die auf ei­ne psy­chi­sche, geis­ti­ge oder phy­si­sche Be­ein­träch

 

- 9 -

ti­gung zurück­zuführen sind und die ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be der be­tref­fen­den Per­son am Be­rufs­le­ben bil­den (EuGH 11. Ju­li 2006 - C-13/05 - NZA 2006, 839; BAG 22. Ok­to­ber 2009 - 8 AZR 642/08 - AP AGG § 15 Nr. 2 Rn. 20; BAG 3. April 2007 - 9 AZR 823/06 - AP SGB IX § 81 Nr. 14).

Das für schwer­be­hin­der­te Men­schen gel­ten­de Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot nach § 81 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ver­bie­tet eben­falls die Be­nach­tei­li­gung „we­gen“ der Be­hin-de­rung. Das Merk­mal er­for­dert zwar we­der ei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht noch ein Ver­schul­den des Ar­beit­ge­bers. Das un­zulässi­ge Un­ter­schei­dungs­merk­mal „Be­hin­de­rung“ muss aber für die be­nach­tei­li­gen­de Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers (mit-) ursächlich ge­we­sen sein. Dies setzt vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­de­rung des Stel­len­be­wer­bers zur Zeit der be­nach­tei­li­gen­den Maßnah­me kennt oder ken­nen muss­te. An­dern­falls ist ihm ein Ver­s­toß ge­gen § 81 Abs. 1 Satz 1 SGB IX ob­jek­tiv nicht zu­re­chen­bar (BAG 18. No­vem­ber 2008 - 9 AZR 643/07 - AP SGB IX § 81 Nr. 16; BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - AP SGB IX § 81 Nr. 15).

Be­weist im Streit­fall die ei­ne Par­tei In­di­zi­en, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen, so trägt die an­de­re Par­tei die Be­weis­last dafür, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gung vor­ge­le­gen hat. Be­ruft sich die kla­gen­de Par­tei auf das Be­nach­tei­li­gungs­merk­mal der Be­hin­de­rung, so kom­men nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­schie­de­ne In­di­zi­en in Be­tracht, die auf ei­ne Be­nach­tei­li-gung schließen las­sen (BAG, 15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 635/03 - AP SGB IX § 81 Nr. 7; BAG 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 807/05 - und 18. No­vem­ber 2008 - 9 AZR 643/07 - AP SGB IX § 81 Nr. 16; BAG 21. Ju­li 2009 - 9 AZR 431/08 - AP SGB IX § 82 Nr. 1).

bb) Nach § 81 Abs. 1 Sätze 1 und 2 SGB IX sind die Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet zu prüfen, ob freie Ar­beitsplätze mit schwer­be­hin­der­ten Men­schen, ins­be­son­de­re mit bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los oder ar­beits­su­chend ge­mel­det sind, be­setzt wer­den können. Die Ar­beit­ge­ber ha­ben frühzei­tig Ver­bin­dung mit der Agen­tur für Ar­beit auf­zu­neh­men. Für öffent­li­che Ar­beit­ge­ber gilt nach § 82 Satz 1 SGB IX, dass sie den Agen­tu­ren für Ar­beit frühzei­tig frei wer­den­de und neu zu be­set­zen­de so­wie neue Ar­beitsplätze (§ 73) zu mel­den ha­ben. Hier­durch soll möglichst vie­len ge­eig­ne­ten schwer­be­hin­der­ten Men­schen die Möglich­keit ge­ge­ben wer­den, Ar­beit zu fin­den.

 

- 10 - 

Die Be­klag­te hat die Be­haup­tung des Klägers, die ge­setz­li­chen Mel­de­pflich­ten sei­en vor Ein­lei­tung des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens nicht erfüllt wor­den, nicht be­strit­ten. Die­ses Versäum­nis ist ge­eig­net, die Ver­mu­tung ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­ner Schwer­be­hin­de­rung zu be­gründen (BAG 12. Sep­tem­ber 2006 aaO Rn. 22). Al­ler­dings ist zu be­ach­ten, dass die ge­setz­li­chen Mel­de­pflich­ten im Vor­feld des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens zu erfüllen sind. Be­wirbt sich ein schwer­be­hin­der­ter Mensch trotz die­ses Versäum­nis­ses auf ei­ne An­zei­ge hin auf die freie Stel­le und of­fen­bart hier­bei sei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft nicht, so ist die un­ter­las­se­ne Mel­dung ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit nicht kau­sal für die in Un­kennt­nis der Schwer­be­hin­de­rung ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers. Denn die Ent­schei­dung wäre nicht an­ders aus­ge­fal­len, wenn der Ar­beit­ge­ber sei­ne Mel­de­pflich­ten erfüllt hätte.

cc) Die Ver­mu­tung ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen der Be­hin­de­rung kann sich fer­ner da-raus er­ge­ben, dass der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber sei­ne be­son­de­re Pflicht nach § 82 Satz 2 SGB IX nicht erfüllt hat. Hier­nach hat der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber den schwer­be­hin­der­ten Be­wer­ber zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­zu­la­den. Die Ein-la­dung darf nur dann un­ter­blei­ben, wenn die fach­li­che Eig­nung des schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bers of­fen­sicht­lich fehlt. Zweck der Vor­schrift ist es, dass schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern die Möglich­keit ge­ge­ben wer­den soll, den öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber im Vor­stel­lungs­gespräch von ih­rer Eig­nung zu über­zeu­gen. Wird dem schwer­be­hin­der­ten Be­wer­ber die­se Möglich­keit ge­nom­men, so kann dies die Ver­mu­tung ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen der Be­hin­de­rung be­gründen (BAG 12. Sep­tem­ber 2006 aaO, Rn. 23; BAG 21. Ju­li 2009 aaO Rn. 22). Un­strei­tig hat die Be­klag­te den Kläger nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den. Die von der Be­klag­ten hier­zu ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, sie sei schon aus Rechts­gründen nicht zu ei­ner Ein­la­dung ver­pflich­tet ge­we­sen, teilt die Kam­mer nicht.

(1) Die Pflicht zur Ein­la­dung zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ent­fiel nicht des­we­gen, weil die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Mut­ter­schafts­ver­tre­tung neu zu be­set­zen war. § 82 Satz 1 SGB IX ver­weist zwar zur De­fi­ni­ti­on des Ar­beits­plat­zes auf § 73 SGB IX. Nach Abs. 2 Nr. 7 die­ser Vor­schrift gel­ten als Ar­beitsplätze u.a. nicht die Stel­len, auf de­nen Per­so­nen beschäftigt wer­den, de­ren Ar­beits­verhält­nis we­gen El­tern­zeit ruht, so­lan­ge für sie ei­ne Ver­tre­tung ein­ge­stellt ist. Zweck der Vor­schrift ist es, ei­ne Dop­pelzählung von Ar­beitsplätzen bei der Be­rech­nung der Pflicht­zahl nach § 71 Abs. 1 SGB IX zu ver­mei­den. An­sons­ten bestünde die Ge­fahr, dass

 

- 11 -

so­wohl die Stel­le des Ver­tre­te­nen als auch die des Ver­tre­ters gezählt würde (Dau/Düwell/Hai­nes SGB IX 2. Aufl., § 73 Rn. 41; Lach­witz/Schell­horn/Welti SGB IX 3. Aufl., § 73 Rn. 28; Neu­mann/Pah­len/Ma­jer­ski-Pah­len SGB IX 11. Aufl., § 73 Rn. 3). Die Vor­schrift soll hin­ge­gen nicht den öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber von sei­ner Pflicht zur Ein­la­dung frei­stel­len. Dies er­gibt sich schon aus dem Wort­laut, wo­nach die Stel­le des Ver­tre­te­nen nur dann nicht als Ar­beits­platz gilt, wenn für sie ei­ne Ver­tre­tung ein­ge­stellt ist. Soll ei­ne Stel­le nach­be­setzt wer­den, so ist für den Ver­tre­te­nen aber ge­ra­de kei­ne Ver­tre­tung ein­ge­stellt. Auch vom Schutz­zweck der Ein­la­dungs­pflicht ist es nicht ge­recht­fer­tigt, die in § 73 Abs. 2 Nr. 7 SGB IX ge­nann­ten Stel­len von der Ein­la­dungs­pflicht aus­zu­neh­men. Denn die Ziel­set­zung der Vor­schrift, die Beschäfti­gung von schwer­be­hin­der­ten Men­schen zu fördern, trifft auch für die Fall­ge­stal­tung zu, dass sich ein schwer­be­hin­der­ter Mensch auf ei­ne in § 73 Abs. 2 Nr. 7 SGB IX auf­geführ­te Stel­le be­wirbt.

(2) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ent­fiel die Ein­la­dungs­pflicht auch nicht des­we­gen, weil dem Kläger die fach­li­che Eig­nung für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le of­fen­sicht­lich fehl­te. In ih­rer Stel­len­an­zei­ge such­te die Be­klag­te ei­ne/n Mit­ar­bei­ter/in mit der Qua­li­fi­ka­ti­on des ge­ho­be­nen nicht tech­ni­schen Ver­wal­tungs­diens­tes und um­fas­sen­den Kennt­nis­sen für die Be­rei­che Per­so­nal­we­sen, Bau­leit­pla­nung, Lie­gen­schaf­ten und Ord­nungs­amt. Der Kläger erfüll­te die­ses An­for­de­rungs­pro­fil. Er hat­te die Staats­prüfung für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst mit der Ge­samt­no­te „be­frie­di­gend“ (7 Punk­te) ab­ge­legt. Die wei­ter er­for­der­li­chen um­fas­sen­den Kennt­nis­se hat­te er sich im Rah­men des Grund­stu­di­ums an der Hoch­schu­le für öffent­li­che Ver­wal­tung in K. an­ge­eig­net. Die­ses Grund­stu­di­um um­fasst nach § 19 der Ver­ord­nung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums über die Aus­bil­dung und Prüfung für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst vom 30. Au­gust 2007 (GBl. 2007, 400) al­le Fächer, die für das Be­rufs­feld des ge­ho­be­nen nicht­tech­ni­schen Ver­wal­tungs­dienst von Be­deu­tung sind. Le­dig­lich im so­ge­nann­ten Ver­tie­fungs­stu­di­um hat­te der Kläger mit dem Fach „Wirt­schaft/Rech­nungs­we­sen“ ei­nen Schwer­punkt gewählt, der für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nicht ein­schlägig war.

Im Rah­men ih­rer Ar­gu­men­ta­ti­on hat die Be­klag­te nicht hin­rei­chend die Fra­ge der of­fen­sicht­li­chen Un­ge­eig­net­heit von der Fra­ge der Best­qua­li­fi­ka­ti­on un­ter­schie­den. Nach den Erörte­run­gen in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung steht außer Fra­ge, dass der Kläger nicht der best­qua­li­fi­zier­te Be­wer­ber war. Dies war die Be­wer­be­rin D.M., die nicht nur ihr Staats­ex­amen mit ei­ner et­was höhe­ren Punkt­zahl ab­ge­legt hat­te, son­dern auch den Schwer­punkt­be­reich „Ver­wal­tung“ im Rah­men ih­res Ver­tie-

 

- 12 -

fungs­stu­di­ums gewählt hat­te. Die­ser Um­stand hat aber le­dig­lich zur Fol­ge, dass der Entschädi­gungs­an­spruch des Klägers nach § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG auf drei Mo­nats­gehälter be­grenzt ist. § 82 Satz 3 SGB IX will die Ein­la­dungs­pflicht nicht auf den „nach der Pa­pier­form“ best­qua­li­fi­zier­ten Be­wer­ber be­schränken. Viel­mehr be­steht der Zweck der Norm ge­ra­de dar­in, dass schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern die Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den soll, den öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber von ih­rer Eig­nung zu über­zeu­gen. Die Ein­la­dungs­pflicht entfällt da­her nur dann, wenn die fach­li­che Eig­nung of­fen­sicht­lich fehlt. Dies ist nur dann der Fall, wenn der Be­wer­ber die in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le schon „auf den ers­ten Blick“ nicht erfüllt. Die Funk­ti­ons­be­schrei­bung des Dienst­pos­tens be­stimmt ob­jek­tiv die Kri­te­ri­en, die der In­ha­ber erfüllen muss (BAG 21. Ju­li 2009 - 9 AZR 431/08 - NZA 2009, 1087 Rn 23). Da­von, dass der Kläger an­ge­sichts der ab­ge­leg­ten Staats­prüfung für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le er­sicht­lich nicht in Be­tracht kam, kann nicht ge­spro­chen wer­den.

dd) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG 15. Fe­bru­ar 2005 aaO Rn. 38) kann auch die Nicht­be­tei­li­gung der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen nach § 81 Abs. 1 Sätze 4 bis 10 SGB IX auf ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen der (Schwer-) Be­hin­de­rung schließen las­sen. Im vor­lie­gen­den Fall kann die vom Kläger be­haup­te­te Nicht­be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats und der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung aber schon des­we­gen kei­ne In­dizwir­kung ent­fal­ten, weil bei der Be­klag­ten kein Per­so­nal­rat und kei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­steht. Dies hat die Aus­sa­ge der Zeu­gin U. Ma. er­ge­ben. Die Kam­mer hat kei­nen An­lass, an­ge­sichts der Größe der Ge­mein­de­ver­wal­tung, die ins­ge­samt zwölf Beschäftig­te bei acht Stel­len um­fasst, an de­ren Aus­sa­ge zu zwei­feln. Sch­ließlich kann ei­ne In­dizwir­kung nicht dar­aus ab­ge­lei­tet wer­den, dass die Be­klag­te dem Kläger nicht die Gründe für die ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung nach § 81 Abs. 1 Satz 9 SGB IX mit­ge­teilt hat. Die Vor­schrift über die Un­ter­rich­tungs­pflicht ge­genüber dem schwer­be­hin­der­ten Be­wer­ber steht in ei­nem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang mit den Re­ge­lun­gen über die Be­tei­li­gung der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen und der Nich­terfüllung der Beschäfti­gungs­quo­te. Wenn wie im vor­lie­gen­den Fall we­der Per­so­nal­rat noch Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­ste­hen noch der Ar­beit­ge­ber an­ge­sichts der ge­rin­gen Zahl der Ar­beitsplätze die Beschäfti­gungs­quo­te nach § 71 Abs. 1 SGB erfüllen muss, fehlt es an den Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für die Un­ter­rich­tungs­pflicht ge­genüber dem schwer­be­hin­der­ten Be­wer­ber. In sei­ner Ent­schei­dung vom 18. No­vem­ber 2008 (aaO Rn. 59) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt an die­ser Aus­le­gung zwar ge­wis­se Zwei­fel ge-

 

- 13 -

äußert. Der Wort­laut und der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang las­sen aber nach Auf­fas­sung der Kam­mer kei­ne an­de­re Aus­le­gung zu.

d) Die sich aus den bei­den (sie­he oben c) bb und cc) an­geführ­ten In­di­zi­en er­ge­ben­de Ver­mu­tung für die (Mit-)Ursächlich­keit des Be­nach­tei­li­gungs­merk­mals „Be­hin­de­rung“ entfällt im Streit­fall aber des­we­gen, weil der Kläger die Be­klag­te le­dig­lich über das Be-ste­hen ei­ner ihn nicht ein­schränken­den Be­hin­de­rung, nicht aber über das Vor­lie­gen ei-ner Schwer­be­hin­de­rung un­ter­rich­tet hat. Die Be­klag­te muss­te das Be­ste­hen ei­ner Schwer­be­hin­de­rung auch nicht ken­nen; es traf sie auch kei­ne Pflicht zur Er­kun­di­gung nach dem Be­ste­hen ei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft.

aa) In sei­nem Be­wer­bungs­schrei­ben vom 8. Ju­li 2009 hat­te der Kläger am En­de fol­gen­des mit­ge­teilt: „Durch mei­ne Be­hin­de­rung bin ich, ins­be­son­de­re im Ver­wal­tungs­be­reich, nicht ein­ge­schränkt.“ Auch wenn der Be­griff der „Be­hin­de­rung“ wei­ter ge­fasst ist als der Be­griff der Schwer­be­hin­de­rung (sie­he oben c) aa)) lässt sich hier­aus nicht ab­lei­ten, dass die an­ge­ge­be­ne Be­hin­de­rung ursächlich für die ab­leh­nen­de Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers war. Dies gilt auch dann, wenn man zu­guns­ten des Klägers die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 12. Sep­tem­ber 2006 aaO Rn. 43) berück­sich­tigt, wo­nach es für den Entschädi­gungs­an­spruch unschädlich ist, wenn die Be­nach­tei­li­gung auf ei­nem Mo­tivbündel be­ruht. Denn der Kläger hat­te in sei­nem Be­wer­bungs­schrei­ben ge­ra­de nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die bei ihm be­ste­hen­de Be­hin­de­rung zu ei­ner Funk­ti­ons-be­ein­träch­ti­gung führe oder je­den­falls führen könne. Im Ge­gen­teil hat­te er aus­ge-führt, dass er durch sei­ne Be­hin­de­rung nicht ein­ge­schränkt sei.

Hier­durch un­ter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Fall maßgeb­lich von der dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 3. April 2007 (9 AZR 823/06 - AP SGB IX § 81 Nr. 14) zu­grun­de­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung. Im dor­ti­gen Fall hat­te die Kläge­rin im Rah­men ei­ner ärzt­li­chen Un­ter­su­chung ei­nen Be­scheid vor­ge­legt, wo­nach sie ei­nen Grad der Be­hin­de­rung von 40 % auf­wies. Zu­gleich er­lang­te der Ar­beit­ge­ber Kennt­nis darüber, dass die Be­hin­de­rung auf ei­ner Neu­ro­der­mi­tis be­ru­he, die zu ei­ner ge­sund­heit­li­chen Nich­t­eig­nung führe. Bei die­sem Sach­ver­halt war ei­ne Ursächlich­keit der mit­ge­teil­ten Be­hin­de­rung für die Ein­stel­lungs­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers oh­ne Wei­te­res ge­ge­ben. An­ders verhält es sich aber dann, wenn der Be­wer­ber ge­ra­de die Un­er­heb­lich­keit sei­ner Be­hin­de­rung für die aus­geübte Tätig­keit her­vor­hebt. An­ge­sichts der wei­ten Be­deu­tung des Be­griffs „Be­hin­de­rung“ kann schon ei­ne leich­te Funk­ti­onsstörung, die für ei­ne Ver­wal­tungstätig­keit kei­ner­lei

 

- 14 -

Ein­schränkun­gen be­deu­tet, un­ter die­sen Be­griff fal­len. Bei die­ser Sach­la­ge kann dem Ar­beit­ge­ber nicht un­ter­stellt wer­den, dass die mit­ge­teil­te Be­hin­de­rung je­den­falls Teil ei­nes Mo­tivbündels sei, auf dem die ab­leh­nen­de Ent­schei­dung be­ruht.

bb) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers hat­te die Be­klag­te auch kei­ne po­si­ti­ve Kennt­nis von sei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft. Der Kläger hat­te hier­zu schriftsätz­lich vor­ge­tra­gen, der mit dem Be­wer­bungs­ver­fah­ren be­trau­ten Frau Ma. sei auf­grund des ge­mein­sa­men Stu­di­ums an der Hoch­schu­le für öffent­li­che Ver­wal­tung in K. be­kannt ge­we­sen, dass er schwer­be­hin­dert sei. Das Wis­sen von Frau Ma. müsse sich die Be­klag­te zu­rech­nen las­sen (BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - AP SGB IX § 81 Nr. 15). Die Be­klag­te hat­te die po­si­ti­ve Kennt­nis von Frau Ma. be­strit­ten. Die Erörte­run­gen in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung ha­ben hier­zu er­ge­ben, dass der Kläger aus­ge­hend von sei­ner Einschätzung, we­gen sei­nes Tre­mors ha­be je­der Stu­die­ren­de sei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft ken­nen müssen, auf ei­ne Kennt­nis von Frau Ma. ge­schlos­sen hat. Kon­kre­te Umstände dafür, dass Frau Ma. ent­we­der durch ihn selbst oder aus an­de­ren Quel­len ei­ne po­si­ti­ve Kennt­nis er­langt hat, hat der Kläger hin­ge­gen nicht an­geführt.

Un­ter die­sen Umständen konn­te der vom Kläger an­ge­tre­te­ne Be­weis durch die Ver­neh­mung der Zeu­gin U. Ma. nicht er­ho­ben wer­den. Nach § 373 ZPO muss die be­weis­pflich­ti­ge Par­tei die­je­ni­gen Tat­sa­chen be­zeich­nen, zu de­nen der Zeu­ge ver­nom­men wer­den soll. Tat­sa­chen sind kon­kre­te, nach Zeit und Raum be­stimm­te, der Ver­gan­gen­heit oder der Ge­gen­wart an­gehöri­ge Ge­scheh­nis­se oder Zustände. Ent­spre­chen die un­ter Be­weis ge­stell­ten Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen nicht die­sen An­for­de­run­gen, hat die Be­weis­er­he­bung auf­grund die­ses un­zulässi­gen Aus­for­schungs­be­weis­an­tritts zu un­ter­blei­ben (vgl. nur BAG 12.07.2007 - 2 AZR 722/05 - AP KSchG 1969 § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 168). Im Streit­fall fehlt es an ei­ner ent­spre­chend kon­kre­ten Tat­sa­chen­an­ga­be zur po­si­ti­ven Kennt­nis von Frau Ma.. Die Tat­sa­chen­an­ga­ben des Klägers be­le­gen le­dig­lich, dass Frau Ma. auf­grund der kon­kre­ten Umstände die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft ha­be ken­nen müssen. Dies ist aber recht­lich et­was an­de­res als po­si­ti­ve Kennt­nis.

cc) Frau Ma. muss­te auf­grund der vor­ge­tra­ge­nen Umstände auf ei­ne - für ei­ne Ver-wal­tungstätig­keit un­er­heb­li­che - Be­hin­de­rung, nicht aber auf ei­ne Schwer­be­hin­de-rung schließen. Die Be­klag­te hat ein­geräumt, dass Frau Ma. das Ver­hal­ten des Klägers an der Hoch­schu­le in K. aus ih­rer sub­jek­ti­ven Sicht als auffällig und un­gewöhn­lich emp­fun­den hat. Dies al­lein deu­tet aber noch nicht auf ei­ne Be­hin­de­rung,

 

- 15 -

ge­schwei­ge denn auf ei­ne Schwer­be­hin­de­rung hin. Selbst wenn Frau Ma., die den Kläger nur flüch­tig kann­te, des­sen Tre­mor be­merkt ha­ben soll­te, gilt nichts an­de­res. Denn ge­ra­de für ei­ne Ver­wal­tungstätig­keit ist ein Tre­mor, wie der Kläger selbst ausführt, in al­ler Re­gel be­lang­los.

So­weit der Kläger meint, Frau Ma. ha­be auf­grund sei­nes Al­ters und der Zu­las-sungs­vor­schrif­ten für das Stu­di­um auf ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft schließen müssen, kann die Kam­mer dem nicht fol­gen. Es trifft zwar zu, dass nach § 6 der Ver­ord­nung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums über die Aus­bil­dung und Prüfung für den ge­ho­be­nen Ver­wal­tungs­dienst vom 30. Au­gust 2007 grundsätz­lich nur sol­che Be­wer­ber zur Aus­bil­dung zu­ge­las­sen wer­den, die im Zeit­punkt der Ein­stel­lung in den Vor­be­rei­tungs­dienst das 32. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben. Le­dig­lich für schwer­be­hin­der­te Men­schen gilt ei­ne höhe­re Al­ters­gren­ze von 40 Jah­ren. Die­se hat­te der Kläger im Zeit­punkt sei­ner Zu­las­sung be­reits über­schrit­ten. Nach § 6 Abs. 3 der Ver­ord­nung sind je­doch wei­te­re Aus­nah­men von den Vor­schrif­ten über die Höchst­al­ters­gren­zen möglich. Die­se Aus­nah­men führen da­zu, dass zwar ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit für ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft be­steht, wenn ein Stu­die­ren­der das 40. Le­bens­jahr über­schrit­ten hat. Im vor­lie­gen­den Fall kommt hin­zu, dass zwei wei­te­re mögli­che Aus­nah­men (Sol­da­ten­ver­sor­gung und Kin­der­er­zie­hung) auf­grund des Le­bens­laufs des Klägers aus­zu­sch­ließen wa­ren.

An­ge­sichts der in § 6 Abs. 3 der Ver­ord­nung an­geführ­ten Ermäch­ti­gung des Lan-des­per­so­nal­aus­schus­ses, oh­ne wei­te­re Ein­schränkun­gen von den Zu­las­sungs­vor-schrif­ten Aus­nah­men zu­zu­las­sen, kann auf ein „Ken­nenmüssen“ von Frau Ma. den­noch nicht ge­schlos­sen wer­den. Frau Ma. wa­ren die persönli­chen Le­bens­umstände des Klägers nicht be­kannt, weil sie kei­nen nähe­ren Kon­takt mit dem Kläger pfleg­te. Das Be­ste­hen ei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft war dem­nach nur ei­ne von meh­re­ren Möglich­kei­ten für die Zu­las­sung des Klägers zum Stu­di­um.

dd) Die Be­klag­te traf schließlich kei­ne Pflicht, sich an­ge­sichts der un­kla­ren An­ga­be des Klägers im Be­wer­bungs­schrei­ben nach dem Be­ste­hen ei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft zu er­kun­di­gen.

(1) Die Fra­ge nach dem Be­ste­hen ei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft wäre im Streit­fall un­zulässig ge­we­sen, weil kei­ne An­halts­punk­te dafür er­sicht­lich wa­ren, dass die an­ge­ge­be­ne Be­hin­de­rung die ver­trags­gemäße Ar­beits­leis­tung dau­er­haft unmöglich ge­macht hätte und so­mit ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung gemäß § 8 Abs.

 

- 16 -

1 AGG ge­recht­fer­tigt ge­we­sen wäre. Zwar hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­ner frühe­ren Recht­spre­chung die Fra­ge nach der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft auch bei tätig­keits­neu­tra­len Be­hin­de­run­gen als zulässig an­ge­se­hen (BAG
5. Ok­to­ber 1995 - 2 AZR 923/94, 3. De­zem­ber 1998 - 2 AZR 754/97 - und 18. Ok-to­ber 2000 - 2 AZR 380/99 - AP BGB § 123 Nr. 40, 49 und 59). Mitt­ler­wei­le wird ein Fra­ge­recht des Ar­beit­ge­bers aber na­he­zu ein­hel­lig ab­ge­lehnt (LAG Hamm
19. Ok­to­ber 2006 - 15 Sa 740/06 - Ju­ris; ErfK/Preis 10. Aufl. § 611 BGB Rn. 274; Dau/Düwell/Hai­nes SGB IX 2. Aufl., § 85 Rn. 16 ff.; Mes­sing­schläger NZA 2003, 301, 303; Brors DB 2003, 1734; a.A. Schaub NZA 2003, 299).

Dem schließt sich die Kam­mer an. § 8 Abs. 1 AGG be­stimmt aus­drück­lich, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung u.a. we­gen ei­ner Be­hin­de­rung nur dann zulässig ist, wenn das Nicht­vor­lie­gen der Be­hin­de­rung we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern der Zweck rechtmäßig und die An­for­de­rung an­ge­mes­sen ist. Die­se Be­stim­mung schließt ein Fra­ge­recht aus den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt früher an­er­kann­ten tätig­keits­neu­tra­len Gründen aus. Le­dig­lich dann, wenn es die Ziel­set­zung des Ar­beit­ge­bers ist, po­si­ti­ve Maßnah­men zur Förde­rung von schwer­be­hin­der­ten Men­schen zu er­grei­fen, ist das Fra­ge­recht we­gen § 5 AGG ge­recht­fer­tigt. In die­sem Fall muss der Ar­beit­ge­ber je­doch sein Fra­ge­ziel of­fen­le­gen (Dau/Düwell/Hai­nes aaO Rn. 24).

(2) Ei­ne Er­kun­di­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ist auch des­we­gen ab­zu­leh­nen, weil im Streit­fall das Fra­ge­recht nicht im In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, son­dern zur Wah­rung der In­ter­es­sen des Be­wer­bers aus­geübt wor­den wäre. Eben­so wie der Son-derkündi­gungs­schutz zu­guns­ten der schwer­be­hin­der­ten Men­schen nach den §§ 85-90 SGB IX wer­den die Rech­te aus dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz nicht „von Amts we­gen“ gewährt. Es bleibt der Ent­schei­dung des schwer­be­hin­der­ten Men­schen über­las­sen, die recht­li­chen Wir­kun­gen der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft in An­spruch zu neh­men (BAG 7. März 2002 - 2 AZR 612/00 - NZA 2002, 1145). Des­we­gen muss ein schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer, wenn er sich den Son­derkündi­gungs­schutz nach den §§ 85 SGB IX ff. er­hal­ten will, nach Zu­gang der Kündi­gung in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt der­zeit mit 3 Wo­chen be­misst, ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber sei­ne be­reits fest­ge­stell­te oder be­an­trag­te Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft gel­tend ma­chen (zu-letzt BAG 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 659/08 - Ju­ris; BAG 13. Fe­bru­ar 2008 - 2 AZR 264/06 - AP SGB IX § 85 Nr. 5).

 

- 17 - 

Die­se Erwägung ist auf den vor­lie­gen­den Fall über­trag­bar. In sei­nem ei­ge­nen In­ter­es­se traf den Kläger die Ob­lie­gen­heit, durch ei­nen kla­ren Hin­weis auf sei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft die be­son­de­ren Pflich­ten des Ar­beit­ge­bers ge­genüber schwer­be­hin­der­ten Men­schen aus­zulösen. Wohl in der An­nah­me, der deut­li­che Hin­weis auf die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft ha­be sei­nen zahl­rei­chen Be­wer­bun­gen bis­lang den Er­folg ver­sagt, hat­te der Kläger im vor­lie­gen­den Fall den Hin­weis auf sei­ne Be­hin­de­rung ver­klau­su­liert im Be­wer­bungs­schrei­ben an­ge­bracht. Er hat da­mit in Kauf ge­nom­men, dass po­ten­ti­el­le Ar­beit­ge­ber sei­ne Be­wer­bung wie die ei­nes nicht schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­han­deln. Un­ter die­sen Umständen kann der Kläger nicht for­dern, der Ar­beit­ge­ber ha­be sich nach sei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft er­kun­di­gen müssen (eben­so ArbG Ulm 17. De-zem­ber 2009 - 5 Ca 316/09 - Ju­ris).

e) Fehlt es so­mit an In­di­zi­en, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen „Be­hin­de­rung“ ver­mu­ten las­sen, so kommt es nicht mehr auf die Dar­stel­lung der Be­klag­ten an, es hätten an­de­re Gründe als die Be­hin­de­rung des Klägers den Aus­schlag für die Ab­leh­nung sei­ner Be-wer­bung ge­ge­ben. Auch die Fra­ge ei­nes et­wai­gen Rechts­miss­brauch be­darf an sich kei­ner Erörte­rung mehr. Le­dig­lich im Hin­blick auf das ausführ­li­che Vor­brin­gen der Par­tei­en zur Fra­ge ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Be­wer­bung (AGG-Hop­ping) merkt die Kam­mer an, dass im vor­lie­gen­den Fall kei­ne aus­rei­chen­den An­halts­punk­te dafür be­ste­hen, der Kläger ha­be sich aus sach­frem­den Mo­ti­ven be­wor­ben. In der Recht­spre­chung ist zwar an­er­kannt, dass in ei­nem Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren nur der­je­ni­ge be­nach­tei­ligt wer­den kann, der sich sub­jek­tiv ernst­haft be­wor­ben hat. Die Viel­zahl er­folg­lo­ser Be­wer­bun­gen al­lein lässt aber noch nicht dar­auf schließen, dass ein Be­wer­ber nicht ernst­haft in­ter­es­siert sei (BAG 21. Ju­li 2009 - 9 AZR 431/08 - NZA 2009, 1087). Im Streit­fall deu­ten die zahl­rei­chen Be­wer­bun­gen des Klägers nach Ab­le­gung der Staats­prüfung am 17. Sep­tem­ber 2008 nicht auf ei­ne man­geln­de Ernst­haf­tig­keit, son­dern im Ge­gen­teil auf sein nach­hal­ti­ges In­ter­es­se hin, end­lich ei­ne adäqua­te Ar­beits­stel­le zu fin­den.

Auch der Um­stand, dass der Kläger in bis­lang 27 Fällen Entschädi­gungs­ansprüche ge­genüber öffent­li­chen Ar­beit­ge­bern gel­tend ge­macht hat, lässt für sich al­lein noch auf kei­nen Rechts­miss­brauch schließen. Der Kläger hat­te sich seit der Ab­le­gung der Staats­prüfung auf zahl­rei­che Stel­len ver­geb­lich be­wor­ben. Die vor­ge­leg­ten Ur­tei­le des Ar­beits­ge­richts Heil­bronn vom 29. April 2010 (3 Ca 18/10) und des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 12. Ju­li 2010 (11 Ca 11/10) be­le­gen, dass hier­bei nicht al­le öffent­li­chen

 

- 18 -

Ar­beit­ge­ber trotz Kennt­nis der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft des Klägers ih­re Pflich-ten ge­genüber schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern be­ach­tet ha­ben. Un­ter die­sen Umstän-den ist es das Recht des Klägers, die ihm zu­ste­hen­den Ansprüche aus dem All­ge­mei-nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz durch­zu­set­zen.


III.

Der Kläger hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­nes oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Rechts-mit­tels zu tra­gen. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG (Er­kun­di-gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers).

 

 

 

- 19 -

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung


1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann der Kläger schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in-ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

a. Rechts­anwälte,
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

In den Fällen der lit. b und c müssen die han­deln­den Per­so­nen die Befähi­gung zum Rich-ter­amt ha­ben.

2. Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

Dr. Nat­ter Schulz

St­ein

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 4 Sa 18/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880