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Ver­öf­fent­li­chung von Ar­beit­neh­mer-Fo­tos im In­ter­net

Oh­ne Wi­der­ruf gilt ei­ne Ein­wil­li­gung des Ar­beit­neh­mers auch nach dem En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses fort: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 23.06.2010, 3 Sa 72/10

02.11.2010. In Deutsch­land hat je­der als Teil sei­nes all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts (Art. 2 Abs.1 Grund­ge­setz - GG; Art.1 Abs.1 GG) ein Recht am ei­ge­nen Bild.

Im All­ge­mei­nen kann da­her je­der frei dar­über be­stim­men, ob und in wel­chem Zu­sam­men­hang Bil­der von ihm ver­öf­fent­licht wer­den.

Die wich­tigs­te ge­setz­li­che Grund­la­ge ist hier - ab­ge­se­hen vom GG - § 22 Kunst­ur­he­ber­rechts­ge­setz (Kunst­UrhG).

Nach die­ser Vor­schrift dür­fen Bild­nis­se nur mit Ein­wil­li­gung des Ab­ge­bil­de­ten ver­brei­tet oder öf­fent­lich zur Schau ge­stellt wer­den. "Bild­nis" ist da­bei je­de er­kenn­ba­re Wie­der­ga­be ei­ner Per­son, d.h. vor al­lem Fo­to­gra­fi­en und Film­auf­nah­men.

Möch­te ein Ar­beit­ge­ber mit ei­nem Bild sei­nes Ar­beit­neh­mers in der Zei­tung oder In­ter­net Wer­bung ma­chen, muss er des­halb um des­sen Ein­wil­li­gung bit­ten.

Ei­ne sol­che Ein­wil­li­gung kann form­los er­klärt wer­den, z.B. da­durch, dass der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer um die Teil­nah­me an ei­ner Wer­be­maß­nah­me bit­tet und der Ar­beit­neh­mer ein­fach "mit­macht".

En­det das Ar­beits­ver­hält­nis, fragt sich dann aber, ob da­mit auch die Ein­wil­li­gung en­det oder ob der Ar­beit­neh­mer sie aus­drück­lich wi­der­ru­fen muss.

Das frag­te sich auch ein ehe­ma­li­ger kauf­män­ni­scher An­ge­stell­ten in ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig Hol­stein ent­schie­de­nen Fall (Ur­teil vom 23.06.2010, 3 Sa 72/10).

Er hat­te auf Wunsch sei­nes Ar­beit­ge­bers an ei­nem Fo­to­shoo­ting teil­ge­nom­men, um die Klei­dung des Un­ter­neh­mens zu prä­sen­tie­ren. Au­ßer­dem hat­te er auch bei der Ver­öf­fent­li­chung der Fo­to­gra­fi­en im In­ter­net ge­hol­fen. Nach dem En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses und ver­schie­de­nen Rechts­strei­tig­kei­ten stell­te er sich auf den Stand­punkt, von den Ver­öf­fent­li­chun­gen nichts ge­wusst zu ha­ben und ver­lang­te Scha­dens­er­satz. Da­mit blieb er je­doch in ers­ter In­stanz (Ar­beits­ge­richt Elms­horn, Ur­teil vom 11.01.2010, 2 Ca 1402 d/09) und vor dem LAG er­folg­los.

Fa­zit: Wil­ligt ein Ar­beit­neh­mer durch sein Ver­hal­ten in die Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Fo­tos durch den Ar­beit­ge­ber ein, so er­lischt die­se Ein­wil­li­gung auch dann nicht au­to­ma­tisch, wenn Ar­beits­ver­hält­nis en­det und auch dann nicht, wenn das En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses zu ge­richt­li­chen Strei­tig­kei­ten führt.

Ar­beit­ge­ber brau­chen da­her nicht vor­schnell Web­sei­ten, Fir­men­bro­schü­ren und an­de­re werb­li­che Dar­stel­lun­gen ih­res Be­triebs da­nach zu durch­fors­ten, ob sich nicht ir­gend­wo ein Bild­nis des aus­ge­schie­de­nen Mit­ar­bei­ters fin­det. Viel­mehr kön­nen sie zu­nächst ab­war­ten, ob der aus­ge­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer die Ent­fer­nung des Bil­des ver­langt.

Ar­beit­neh­mern ist zu ra­ten, spä­tes­tens bei Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses aus­drück­lich (und be­weis­bar) der wei­te­ren Bild­ver­wen­dung durch den Ar­beit­ge­ber zu wi­der­spre­chen. Wer­den Fo­tos dann trotz­dem (wei­ter) oh­ne Ein­wil­li­gung des Ar­beit­neh­mes ver­wen­det, kann die­ser je nach den Um­stän­den des Ein­zel­falls Un­ter­las­sung, Schmer­zens­geld oder Scha­dens­er­satz ver­lan­gen. Den Scha­dens­er­satz kann er dann z. B. be­rech­nen, in­dem er nach­weist, wie viel ein ver­gleich­ba­rer "Dress­man" für Fo­to­auf­nah­men ver­langt hät­te (sog. fik­ti­ve Li­zenz­ge­bühr).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. Februar 2015

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