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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsstilllegung, Versetzung, Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 ABR 41/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 08.12.2009
   
Leit­sätze: Der Be­triebs­rat ei­nes still­ge­leg­ten Be­triebs ist nicht im Rah­men sei­nes Rest­man­dats nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG zu be­tei­li­gen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer nach der vollständi­gen Still­le­gung des Be­triebs ei­ne Tätig­keit in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens zu­weist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Saarbrücken, Beschluss vom 6.07.2005, 65 BV 9/05
Landesarbeitsgericht Saarland, Beschluss vom 19.11.2008, 2 TaBV 7/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 41/09

2 TaBV 7/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt Saar­land

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

8. De­zem­ber 2009

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­le­rin und Be­schwer­deführe­rin,

2.

Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 8. De­zem­ber 2009 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Münzer und Brun­ner für Recht er­kannt:


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Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Saar­land vom 19. No­vem­ber 2008 - 2 TaBV 7/08 - auf­ge­ho­ben.

Die Be­schwer­den der Ar­beit­ge­be­rin und des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Saarbrücken vom 6. Ju­li 2005 - 65 BV 9/05 - wer­den zurück­ge­wie­sen, so­weit das Ar­beits­ge­richt über die Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers C ent­schie­den hat. In die­sem Um­fang wird das Ver­fah­ren hin­sicht­lich des An­trags zu 2. ein­ge­stellt.

Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats bei per­so­nel­len Maßnah­men nach Be­triebs­still­le­gung.

Die Ar­beit­ge­be­rin er­bringt Post­dienst­leis­tun­gen. Im Zu­ge un­ter neh­mens­wei­ter Um­struk­tu­rie­run­gen löste sie ih­re Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en in S (SNL S) zum Jah­res­en­de 2001 auf. Zu­vor er­such­te sie den dor­ti­gen Be­triebs­rat am 7. No­vem­ber 2001 um Zu­stim­mung zu Ver­set­zun­gen der Ar­beit­neh­mer in an­de­re Be­trie­be des Un­ter­neh­mens. Das ver­wei­ger­te der Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 21. No­vem­ber 2001 un­ter Hin­weis dar­auf, dass nach den gel­ten­den Ta­rif­verträgen Nr. 444 bzw. 445 zunächst für die­se Ar­beit­neh­mer ein So­zi­al­plan zu er­stel­len sei.

In der Fol­ge­zeit er­ho­ben ei­ne Rei­he der bis­her in der SNL S beschäfti­gen Ar­beit­neh­mer Kla­ge ge­gen ih­ren Ein­satz in an­de­ren Be­trie­ben der Ar­beit­ge­be­rin. Mit ih­rem Be­geh­ren, das über­wie­gend auf die feh­len­de Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu den Ver­set­zun­gen gestützt wur­de, wa­ren sie vor den Ar­beits­ge­rich­ten und Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten fast durch­weg er­folg­reich.


 

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Dar­auf­hin er­such­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat im Au­gust 2003 vor­sorg­lich er­neut um sei­ne Zu­stim­mung zur Ver­set­zung von 43 der zu­vor in der SNL S beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, die die­ser mit Schrei­ben vom 27. Au­gust 2003 ver­wei­ger­te. Für die­se Ar­beit­neh­mer lei­te­te der Be­triebs­rat En­de Ok­to­ber 2003 ein Be­schluss­ver­fah­ren mit dem Ziel ein, die vorläufig durch­geführ­ten Ver­set­zun­gen auf­zu­he­ben. Die­ses Be­schluss­ver­fah­ren wur­de im Mai 2005 im Hin­blick auf das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren für er­le­digt erklärt und ein­ge­stellt.

Im Au­gust 2004 ver­ein­bar­te die Ar­beit­ge­be­rin mit dem Ge­samt­be­triebs rat ei­nen So­zi­al­plan. Da­nach wur­den die Beschäftig­ten der frühe­ren SNL S rück­wir­kend zum 1. Ja­nu­ar 2002 auf Per­so­nal­pos­ten im Un­ter­neh­mens­be­reich BRIEF über­ge­lei­tet. Die Zu­ord­nung der Beschäftig­ten zu den Per­so­nal­pos­ten und Nie­der­las­sun­gen war in ei­ner An­la­ge zum So­zi­al­plan ge­re­gelt. Der Ge­samt­be­triebs­rat stimm­te mit Schrei­ben vom 2. Fe­bru­ar 2005 den von der Ar­beit­ge­be­rin auf­ge­stell­ten Fest­stel­lungs­ver­mer­ken über die Zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten zu. Dar­auf­hin er­such­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat der still­ge­leg­ten SNL S mit Schrei­ben vom 22. März 2005 vor­sorg­lich er­neut um sei­ne Zu­stim­mung zu Ver­set­zun­gen von ins­ge­samt 150 Beschäftig­ten. Der am 30. April 2005 beim Be­triebs­rat ein­ge­gan­ge­ne An­trag ent­hielt ei­nen Hin­weis dar­auf, dass die Ver­set­zun­gen aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich sei­en. Der Be­triebs­rat be­stritt am 10. Mai 2005 die Dring­lich­keit der Ver­set­zun­gen und ver­wei­ger­te an­sch­ließend im Schrei­ben vom 21. Mai 2005, bei der Ar­beit­ge­be­rin am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, für 74 Ar­beit­neh­mer sei­ne Zu­stim­mung zu den be­an­trag­ten Ver­set­zun­gen un­ter Hin­weis auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen der Ta­rif­verträge Nr. 444/445 und des So­zi­al­plans.

Mit ei­nem am 13. Mai 2005 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen Schrift­satz hat die Ar­beit­ge­be­rin die ge­richt­li­che Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats und die Fest­stel­lung der Dring­lich­keit der vorläufig vor­ge­nom­me­nen Ver­set­zun­gen be­an­tragt. Das Ar­beits­ge­richt hat die in ei­nem Ver­fah­ren ver­han­del­ten Anträge ab­ge­wie­sen und in den Gründen aus­geführt, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gel­te we­gen Versäum­ung der Äußerungs­frist als er­teilt. Ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts ha­ben so­wohl die Ar­beit-


 

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ge­be­rin als auch der Be­triebs­rat Be­schwer­de ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren ge­trennt und die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin für je­den von der Ver­set­zung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­son­dert ver­han­delt. Das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren be­trifft den An­trag auf Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers C zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat ge­meint, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der vor­sorg­lich durch­geführ­ten per­so­nel­len Maßnah­me gel­te als er­teilt, da des­sen Ver­wei­ge­rung nicht recht­zei­tig er­folgt sei. Da­ne­ben feh­le es an ei­ner wirk­sa­men Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung. Der Be­triebs­rat sei bei der Be­schluss­fas­sung über ih­ren An­trag nicht ord­nungs­gemäß be­setzt ge­we­sen. An die­ser ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de W mit­ge­wirkt, der be­reits mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2001 we­gen dau­ern­der Dienst­unfähig­keit in den Ru­he­stand ver­setzt wor­den sei und schon aus die­sem Grund kein Rest­man­dat ha­be ausüben können.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die von dem Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zu der Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu er­set­zen,

hilfs­wei­se fest­zu­stel­len,

dass die von dem Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zu der Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N als er­teilt gilt,

2. fest­zu­stel­len, dass die Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ge­we­sen ist.

Der Be­triebs­rat hat, so­weit für die Rechts­be­schwer­de noch von Be­deu­tung, be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Er hat ge­meint, sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung sei recht­zei­tig er­folgt. Nach ei­ner Verfügung des Bun­des­post­mi­nis­ters aus dem Jahr 1976 für den Be­reich der da­ma­li­gen Deut­schen Bun­des­post gölten Anträge auf Er­tei­lung der Zu­stim­mung erst am maßgeb­li­chen Sit­zungs­tag als zu­ge­lei­tet und Sonn- bzw. ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge so­wie Sams­ta­ge nicht als Ar­beits­ta­ge. Die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on der Deut­schen Bun­des­post Post­dienst ha­be in ei­nem Hin­weis­schrei­ben aus dem Jahr 1994


 

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geäußert, dass die in der Verfügung be­kannt ge­ge­be­ne Be­rech­nung der Fris­ten nach Maßga­be der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen fort­gel­te. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung sei auch zu Recht er­folgt. Der Herrn C in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N über­tra­ge­ne Ar­beits­platz sei ihm funk­tio­nell nicht zu­mut­bar.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Auf die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin hat es fest­ge­stellt, dass die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der Ver­set­zung von Herrn C als er­teilt gilt und die­se aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war. Durch ei­nen am glei­chen Tag er­gan­ge­nen Be­schluss (- 2 TaBV 16/07 -) hat es den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin rechts­kräftig ab­ge­wie­sen, mit dem die­se die Be­en­di­gung des Rest­man­dats des Be­triebs­rats der SNL S fest­ge­stellt wis­sen woll­te. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt der Be­triebs­rat im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren sei­nen An­trag auf Ab­wei­sung der Anträge wei­ter.

B. Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ist teil­wei­se be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag zu Un­recht ent­spro­chen. Die Zu­wei­sung des Ar­beit­neh­mers C zur Nie­der­las­sung BRIEF B-N be­durf­te nicht der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats der frühe­ren SNL S. Des­sen Zu­stim­mung gilt da­her nicht als er­teilt. We­gen des An­trags zu 2. war das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die vom Be­triebs­rat ein­ge­leg­te Be­schwer­de zu Recht für zulässig ge­hal­ten. Der Be­triebs­rat ist durch die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts ma­te­ri­ell be­schwert, ob­wohl sei­nem An­trag for­mell ent­spro­chen wor­den ist.

1. Die Zulässig­keit der Be­schwer­de gehört zu den Ver­fah­rens­fort­set­zungs­vor­aus­set­zun­gen ei­ner Rechts­be­schwer­de. Dem­nach hat das Rechts­be­schwer­de­ge­richt von Amts we­gen zu prüfen, ob die in den Vor­in­stan­zen ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tel ord­nungs­gemäß wa­ren. Es kommt da­bei nicht dar­auf an, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­schwer­de als zulässig


 

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an­ge­se­hen hat (BAG 16. Ju­li 2008 - 7 ABR 13/07 - Rn. 13, AP Be­trVG 1972 § 78a Nr. 50 = EzA Be­trVG 2001 § 78a Nr. 4).

2. Das Ar­beits­ge­richt hat zwar die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­wie­sen. Dem­ent­spre­chend war nur die Ar­beit­ge­be­rin und nicht der Be­triebs­rat durch die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung for­mell be­schwert. Al­ler­dings hat das Ar­beits­ge­richt nach der von ihm gewähl­ten Be­gründung dem zu 1. ge­stell­ten An­trag der Ar­beit­ge­be­rin le­dig­lich auf­grund ei­nes Te­n­o­rie­rungs­feh­lers nicht ent­spro­chen. Es hat die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats für un­be­acht­lich ge­hal­ten, weil des­sen Stel­lung­nah­me nicht bis zum Ab­lauf der Äußerungs­frist bei der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­gan­gen sei. Die­se hat­te zwar erst­in­stanz­lich nur den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag nach § 99 Abs. 4 Be­trVG ge­stellt. Ei­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats, die be­reits als er­teilt gilt und da­mit schon vor­liegt, kann aber nicht mehr durch das Ge­richt er­setzt wer­den. Der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers ist nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats al­ler­dings nicht auf ei­ne sol­che rechts­ge­stal­ten­de Ent­schei­dung be­schränkt. Er er­fasst oh­ne Wei­te­res das Be­geh­ren fest­zu­stel­len, dass die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats als er­teilt gilt, wenn sich im Ver­fah­rens­ver­lauf her­aus­stellt, dass sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung nicht den An­for­de­run­gen des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG genügt (BAG 18. Ok­to­ber 1988 - 1 ABR 33/87 - BA­GE 60, 57). Da­mit hat das Ar­beits­ge­richt der Ar­beit­ge­be­rin im Er­geb­nis ge­nau das zu­ge­spro­chen, was der Be­triebs­rat mit sei­nem Ab­wei­sungs­an­trag ver­hin­dern woll­te. Die Ar­beit­ge­be­rin hätte die mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Ver­set­zun­gen durchführen können, weil die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats als er­teilt gilt. Dar­aus folgt die ma­te­ri­el­le Be­schwer des Be­triebs­rats.

II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te den zu 1. ge­stell­ten An­trag der Ar­beit­ge­be­rin nicht mit der Be­gründung ab­wei­sen, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gel­te als er­teilt. Der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag ist viel­mehr schon des­we­gen un­be­gründet, weil die Ar­beit­ge­be­rin dem Ar­beit­neh­mer C ei­ne Tätig­keit in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu­wei­sen konn­te, oh­ne den Be­triebs­rat der still­ge­leg­ten SNL S im Rah­men ei­nes Rest­man­dats be­tei­li­gen zu müssen.


 

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1. Ein An­trag nach § 99 Abs. 4 Be­trVG auf Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu ei­ner als „Ver­set­zung“ be­zeich­ne­ten per­so­nel­len Maßnah­me setzt vor­aus, dass es sich bei die­ser tatsächlich um ei­ne per­so­nel­le Maßnah­me iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG han­delt, bei der ein Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats be­steht. An­dern­falls geht der An­trag ins Lee­re und ist ab­zu­wei­sen.

2. Nach § 21b Be­trVG bleibt der Be­triebs­rat, des­sen Be­trieb durch Still­le­gung, Spal­tung oder Zu­sam­men­le­gung un­ter­geht, so lan­ge im Amt, wie dies zur Wahr­neh­mung der da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­den Mit­wir­kungs- und Mit­be­stim­mungs­rech­te er­for­der­lich ist. Die Vor­schrift trägt dem Um­stand Rech­nung, dass das Amt des Be­triebs­rats en­det, wenn die be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, für die der Be­triebs­rat ge­bil­det ist, wegfällt (BAG 14. Au­gust 2001 - 1 ABR 52/00 - zu B II b der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 21b Nr. 1 = EzA Be­trVG 1972 § 24 Nr. 3). Der Ge­setz­ge­ber hat mit dem durch das Be­trVG-Re­formG ein­gefügten § 21b Be­trVG die zu­vor er­gan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Rest­man­dat des Be­triebs­rats ge­setz­lich ver­an­kert (BT-Drucks. 14/5741 S. 39). Der Be­triebs­rat soll noch so lan­ge im Amt ver­blei­ben, wie dies sei­ne hier­bei zu be­ach­ten­den Be­tei­li­gungs­rech­te ge­bie­ten (BAG 14. No­vem­ber 1978 - 6 ABR 85/75 - zu B II 2 der Gründe, AP KO § 59 Nr. 6). Das Rest­man­dat ist funk­tio­nal be­zo­gen auf al­le im Zu­sam­men­hang mit der Still­le­gung sich er­ge­ben­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te (BAG 12. Ja­nu­ar 2000 - 7 ABR 61/98 - zu B II 2 d aa der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 24 Nr. 5 = EzA Be­trVG 1972 § 24 Nr. 2).

3. Der Be­triebs­rat ei­nes still­ge­leg­ten Be­triebs ist nicht im Rah­men sei­nes 17 Rest­man­dats nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG zu be­tei­li­gen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer nach der vollständi­gen Still­le­gung des Be­triebs ei­ne Tätig­keit in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens zu­weist.

a) Nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG be­darf die Ver­set­zung ei­nes Ar­beit­neh­mers der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats. Ver­set­zung ist nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on des § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG die Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits-

 

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be­reichs, die ent­we­der die Dau­er von ei­nem Mo­nat vor­aus­sicht­lich über­schrei­tet oder mit ei­ner er­heb­li­chen Ände­rung der Umstände ver­bun­den ist, un­ter de­nen die Ar­beit ge­leis­tet wer­den muss. Der „Ar­beits­be­reich“ iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG wird in § 81 Abs. 2 iVm. Abs. 1 Satz 1 Be­trVG durch die Auf­ga­be und Ver­ant­wor­tung des Ar­beit­neh­mers so­wie die Art sei­ner Tätig­keit und ih­re Ein­ord­nung in den Ar­beits­ab­lauf des Be­triebs um­schrie­ben. Der Be­griff ist dem­nach räum­lich und funk­tio­nal zu ver­ste­hen. Er um­fasst ne­ben dem Ort der Ar­beits­leis­tung auch die Art der Tätig­keit und den ge­ge­be­nen Platz in der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on (BAG 17. Ju­ni 2008 - 1 ABR 38/07 - Rn. 21, AP Be­trVG 1972 § 99 Ver­set­zung Nr. 47 = EzA Be­trVG 2001 § 95 Nr. 8). Die Vor­schrift er­for­dert nach ih­rem Wort­laut ei­nen Wech­sel des Ar­beits­be­reichs, in dem der Ar­beit­neh­mer beschäftigt wird. Der Ar­beits­be­reich ändert sich, wenn der bis­he­ri­ge Ge­gen­stand der Ar­beits­leis­tung und In­halt der Ar­beits­auf­ga­be ein „an­de­rer“ wird und sich des­halb das Ge­samt­bild der Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers ändert. Es kommt dar­auf an, ob sich die Tätig­kei­ten vor und nach der Zu­wei­sung so von­ein­an­der un­ter­schei­den, dass die neue Tätig­keit vom Stand­punkt ei­nes mit den be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen ver­trau­ten Be­ob­ach­ters nicht mehr als die bis­he­ri­ge Tätig­keit an­ge­se­hen wer­den kann (BAG 29. Sep­tem­ber 2004 - 1 AZR 473/03 - zu II 4 a aa der Gründe). Dem­zu­fol­ge ist auch die auf Dau­er an­ge­leg­te Ver­set­zung von ei­nem Be­trieb des Un­ter­neh­mens in ei­nen an­de­ren Be­trieb ei­ne Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits­be­reichs, weil der Ar­beit­neh­mer aus ei­ner be­trieb­li­chen Ein­heit her­aus­ge­nom­men und in ei­ne an­de­re Ein­heit ein­ge­glie­dert wird. Darüber hin­aus wird sich in der Re­gel der Ar­beits­ort verändern, was - von Ba­ga­tellfällen ab­ge­se­hen - be­reits ei­ne Ver­set­zung iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG dar­stellt (BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - zu B II 3 der Gründe mwN, BA­GE 66, 57).

b) Ei­ne be­triebsüberg­rei­fen­de Ver­set­zung be­darf nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG re­gelmäßig der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats des ab­ge­ben­den Be­triebs. Sein Be­tei­li­gungs­recht dient dem Schutz der kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der von ihm re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft so­wie den In­di­vi­dual­in­ter­es­sen der von ei­ner sol­chen Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer.


 

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aa) Das Be­tei­li­gungs­recht aus § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG soll es dem Be­triebs­rat des ab­ge­ben­den Be­triebs ermögli­chen, der be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung sei­ne Zu­stim­mung bei Vor­lie­gen von Ver­wei­ge­rungs­gründen iSd. § 99 Abs. 2 Be­trVG zu ver­sa­gen und den Ar­beit­ge­ber ge­richt­lich an­zu­hal­ten, den Ar­beit­neh­mer oh­ne Ände­rung sei­nes bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reichs im Be­trieb wei­ter­zu­beschäfti­gen. Die Mit­be­stim­mung nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG setzt den Fort­be­stand der Ein­heit vor­aus, für die der Be­triebs­rat er­rich­tet ist. Nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on ist sei­ne Mit­wir­kung bei Vor­lie­gen von Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründen auf die Un­ter­las­sung der be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung oder de­ren Auf­he­bung (§ 101 Be­trVG) ge­rich­tet, so­fern sie zunächst vorläufig durch­geführt wor­den ist. In ei­nem sol­chen Fall ist der Ar­beit­ge­ber ge­hal­ten, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reich zu be­las­sen oder ihn dort wie­der ein­zu­set­zen.

bb) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats be­zweckt das Be­tei­li­gungs­recht nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG vor­ran­gig den Schutz der vor­han­de­nen Be­leg­schaft. De­ren In­ter­es­sen können durch ei­ne be­triebsüberg­rei­fen­de Ver­set­zung schon des­we­gen berührt sein, weil die ver­blei­ben­den Ar­beit­neh­mer ei­ner Ar­beits­ver­dich­tung aus­ge­setzt sind, die je­den­falls ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung als möglich er­schei­nen lässt (BAG 22. No­vem­ber 2005 - 1 ABR 49/04 - Rn. 24, BA­GE 116, 223). Der Be­triebs­rat hat aber auch die In­ter­es­sen der Beschäftig­ten wahr­zu­neh­men, die bei der Aus­wah­l­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers un­berück­sich­tigt ge­blie­ben sind.

cc) Darüber hin­aus soll das Be­tei­li­gungs­recht auch die in­di­vi­du­el­len In­ter­es­sen des von ei­ner sol­chen Ver­set­zung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers wah­ren, dem­ge­genüber der Ar­beit­ge­ber bei Vor­lie­gen ei­nes Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des von der be­ab­sich­ti­gen Maßnah­me ab­se­hen müss­te. Ist der Ar­beit­neh­mer nicht mit der Ver­set­zung ein­ver­stan­den, kann der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung dar­auf stützen, dass die Ver­set­zung die­sen oh­ne recht­fer­ti­gen­den Grund be­nach­tei­ligt (BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - zu B II 3 a bb der Gründe, BA­GE 66, 57). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­triebs­rats dient das Be­tei­li­gungs­recht aber nicht da­zu, das Di­rek­ti­ons­recht


 

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des Ar­beit­ge­bers ei­ner um­fas­sen­den Kon­trol­le zu un­ter­zie­hen oder dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer durch die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ein Zurück­be­hal­tungs­recht an sei­ner Ar­beits­leis­tung zu ver­schaf­fen.

dd) Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats des ab­ge­ben­den Be­triebs­be­steht al­ler­dings nicht, wenn der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer mit der Ver­set­zung in den an­de­ren Be­trieb ein­ver­stan­den ist. In ei­nem sol­chen Fall be­darf we­der der Ar­beit­neh­mer ei­nes Schut­zes noch ist die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats im In­ter­es­se der von ihm re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft ge­bo­ten. De­ren Schutz kann nicht er­reicht wer­den, da ein ver­set­zungs­wil­li­ger Ar­beit­neh­mer eben­so das Ar­beits­verhält­nis be­en­den und neu be­gründen könn­te und dem­zu­fol­ge der Be­triebs­rat auch bei Vor­lie­gen ei­nes ge­setz­li­chen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des sein Aus­schei­den aus dem Be­trieb letzt­lich nicht ver­hin­dern kann (BAG 22. No­vem­ber 2005 - 1 ABR 49/04 - Rn. 24 f., BA­GE 116, 223).

c) Da­hin­ste­hen kann, ob die Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits­be­reichs nach vor­he­ri­ger Be­triebs­still­le­gung den Ver­set­zungs­be­griff iSd. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG noch erfüllt, weil die­se Vor­schrift ih­rem Wort­laut nach auf den Wech­sel zwi­schen zwei Ar­beits­be­rei­chen aus­ge­rich­tet ist. Denn bei ei­ner sol­chen Maßnah­me hat je­den­falls der Be­triebs­rat des still­ge­leg­ten Be­triebs im Rah­men sei­nes Rest­man­dats nicht mit­zu­wir­ken. Des­sen Ein­be­zie­hung ist nach Sinn und Zweck des Be­tei­li­gungs­rechts we­der zur Wah­rung von Be­leg­schafts­in­ter­es­sen noch zum Schutz der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­bo­ten.

aa) Die Zu­wei­sung von an­de­ren Tätig­kei­ten im Un­ter­neh­men berührt kei­ne kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der vom rest­man­da­tier­ten Be­triebs­rat re­präsen­tier­ten frühe­ren Be­leg­schaft. Ei­ne Be­triebs­ge­mein­schaft, die durch sol­che Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers nach­tei­lig be­trof­fen sein könn­te, be­steht nach der endgülti­gen Ein­stel­lung der Be­triebstätig­keit und Auflösung der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on nicht mehr. Eben­so fehlt es an ei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, die un­ter dem Ge­sichts­punkt der be­triebs­in­ter­nen Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit ei­ner Kon­trol­le zu un­ter­wer­fen wäre. Von der Zu­wei­sung ei­nes neu­en Ar­beits­be­reichs sind sämt­li­che Ar­beit­neh­mer der auf­gelösten Ein­heit be­trof­fen, de­ren Ar­beits­verhält­nis anläss­lich der Still­le­gung nicht be­en­det wird.


 

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bb) Die In­di­vi­dual­in­ter­es­sen der von ei­ner sol­chen Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen eben­falls kei­ne Be­tei­li­gung des rest­man­da­tier­ten Be­triebs­rats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG. Die­se wer­den durch das Mit­be­stim­mungs­recht bei Be­triebsände­run­gen (§§ 111 - 113 Be­trVG) hin­rei­chend ge­wahrt. Ei­ne Be­triebs­still­le­gung stellt un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 111 Satz 1, Satz 3 Nr. 1 Be­trVG ei­ne Be­triebsände­rung dar. Über sie ist zwi­schen Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat ein In­ter­es­sen­aus­gleich und ein So­zi­al­plan (§ 111 Satz 1, § 112 Abs. 1 Be­trVG) ab­zu­sch­ließen. Es ist Auf­ga­be der Be­triebs­par­tei­en, im Rah­men sol­cher Ver­ein­ba­run­gen die An­for­de­run­gen, un­ter de­nen die Über­tra­gung ei­ner an­der­wei­ti­gen Tätig­keit zulässig ist, abs­trakt oder ein­zel­fall­be­zo­gen fest­zu­le­gen. So können et­wa persönli­che und fach­li­che Zu­mut­bar-keits­kri­te­ri­en für die Zu­wei­sung ei­ner geänder­ten Tätig­keit ge­re­gelt wer­den, durch die die wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers und der Be­leg­schaft zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich ge­bracht wer­den. Auf die­se Wei­se wird das Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers be­grenzt und dem Bedürf­nis der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer Rech­nung ge­tra­gen, das Ar­beits­verhält­nis nur un­ter an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Dem­ge­genüber gin­ge der durch das Be­tei­li­gungs­recht bei be­triebsüberg­rei­fen­den Ver­set­zun­gen be­zweck­te Schutz des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers ins Lee­re. Das auf die Fort­set­zung der Beschäfti­gung im bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reich ge­rich­te­te Re­ge­lungs­ziel der §§ 99, 101 Be­trVG kann durch ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats nicht mehr er­reicht wer­den. Nach der endgülti­gen Still­le­gung des Be­triebs und der da­mit ver­bun­de­nen Auflösung der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on en­det die Exis­tenz der bis­he­ri­gen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­heit. Hier­durch entfällt zu­gleich die Ein­satzmöglich­keit für die dort zu­vor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung könn­te dem Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich ein Zurück­be­hal­tungs­recht an sei­ner Ar­beits­leis­tung ver­schaf­fen. Dies wi­derspräche aber der Schutz­funk­ti­on des Be­tei­li­gungs­rechts.

4. Die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung war da­nach hin­sicht­lich des An­trags zu 1. auf­zu­he­ben und die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung in­so­weit wie­der­her­zu­stel­len (§ 562 Abs. 1, § 563 Abs. 3 ZPO). Das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht er­kannt, dass der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin


 

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un­be­gründet ist. Die SNL S war zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­ver­fah­rens am 22. März 2005 be­reits mehr als drei Jah­re still­ge­legt. Die Ar­beit­ge­be­rin konn­te dem Ar­beit­neh­mer C da­her oh­ne die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG Tätig­kei­ten in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu­wei­sen.

a) Ei­ner Ent­schei­dung des Se­nats über das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats an den von der Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Maßnah­men steht nicht ent­ge­gen, dass durch rechts­kräfti­gen Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Saar­land vom 19. No­vem­ber 2008 (- 2 TaBV 16/07 -) der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin, mit dem die Be­en­di­gung des Rest­man­dats des Be­triebs­rats der SNL S fest­ge­stellt wer­den soll­te, ab­ge­wie­sen wor­den ist. Selbst wenn da­nach rechts­kräftig feststünde, dass der Be­triebs­rat zum Zeit­punkt der Anhörung am 19. No­vem­ber 2008 noch ein Rest­man­dat wahr­ge­nom­men hat, er­streck­te sich die Bin­dungs­wir­kung nicht zu­gleich auf das Be­ste­hen ei­nes Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­rechts an den von der Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Maßnah­men. Über den Um­fang der vom Be­triebs­rat wahr­zu­neh­men­den Be­tei­li­gungs­rech­te ist in dem Ver­fah­ren - 2 TaBV 16/07 - nicht ent­schie­den wor­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat viel­mehr den Glo­balan­trag der Ar­beit­ge­be­rin schon des­we­gen als un­be­gründet ab­ge­wie­sen, weil der Be­triebs­rat je­den­falls we­gen sei­ner Be­tei­lig­ten­stel­lung in dem von der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­lei­te­ten Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein Rest­man­dat ausübe.

b) Auf die zwi­schen den Be­tei­lig­ten um­strit­te­nen und von den Vor­in­stan­zen erörter­ten Fra­gen nach der Recht­zei­tig­keit der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung und der ord­nungs­gemäßen Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats kam es da­nach nicht mehr an.

III. Der auf die Fest­stel­lung der drin­gen­den Er­for­der­lich­keit der vorläufi­gen per­so­nel­len Maßnah­me ge­rich­te­te An­trag zu 2. fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Sei­ne Rechtshängig­keit ist auflösend be­dingt durch die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung über den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag. Das Ver­fah­ren


 

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ist in­so­weit ein­zu­stel­len (vgl. da­zu näher BAG 16. Ja­nu­ar 2007 - 1 ABR 16/06 - Rn. 52 ff. mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­stel­lung Nr. 52 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Ver­set­zung Nr. 3).

Schmidt Linck Koch

Münzer Brun­ner

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