Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsstilllegung, Versetzung, Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 ABR 41/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 08.12.2009
   
Leit­sätze: Der Be­triebs­rat ei­nes still­ge­leg­ten Be­triebs ist nicht im Rah­men sei­nes Rest­man­dats nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG zu be­tei­li­gen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer nach der vollständi­gen Still­le­gung des Be­triebs ei­ne Tätig­keit in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens zu­weist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Saarbrücken, Beschluss vom 6.07.2005, 65 BV 9/05
Landesarbeitsgericht Saarland, Beschluss vom 19.11.2008, 2 TaBV 7/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 41/09

2 TaBV 7/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt Saar­land

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

8. De­zem­ber 2009

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­le­rin und Be­schwer­deführe­rin,

2.

Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 8. De­zem­ber 2009 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Münzer und Brun­ner für Recht er­kannt:


- 2 -

Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Saar­land vom 19. No­vem­ber 2008 - 2 TaBV 7/08 - auf­ge­ho­ben.

Die Be­schwer­den der Ar­beit­ge­be­rin und des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Saarbrücken vom 6. Ju­li 2005 - 65 BV 9/05 - wer­den zurück­ge­wie­sen, so­weit das Ar­beits­ge­richt über die Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers C ent­schie­den hat. In die­sem Um­fang wird das Ver­fah­ren hin­sicht­lich des An­trags zu 2. ein­ge­stellt.

Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats bei per­so­nel­len Maßnah­men nach Be­triebs­still­le­gung.

Die Ar­beit­ge­be­rin er­bringt Post­dienst­leis­tun­gen. Im Zu­ge un­ter neh­mens­wei­ter Um­struk­tu­rie­run­gen löste sie ih­re Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en in S (SNL S) zum Jah­res­en­de 2001 auf. Zu­vor er­such­te sie den dor­ti­gen Be­triebs­rat am 7. No­vem­ber 2001 um Zu­stim­mung zu Ver­set­zun­gen der Ar­beit­neh­mer in an­de­re Be­trie­be des Un­ter­neh­mens. Das ver­wei­ger­te der Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 21. No­vem­ber 2001 un­ter Hin­weis dar­auf, dass nach den gel­ten­den Ta­rif­verträgen Nr. 444 bzw. 445 zunächst für die­se Ar­beit­neh­mer ein So­zi­al­plan zu er­stel­len sei.

In der Fol­ge­zeit er­ho­ben ei­ne Rei­he der bis­her in der SNL S beschäfti­gen Ar­beit­neh­mer Kla­ge ge­gen ih­ren Ein­satz in an­de­ren Be­trie­ben der Ar­beit­ge­be­rin. Mit ih­rem Be­geh­ren, das über­wie­gend auf die feh­len­de Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu den Ver­set­zun­gen gestützt wur­de, wa­ren sie vor den Ar­beits­ge­rich­ten und Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten fast durch­weg er­folg­reich.


 

- 3 -

Dar­auf­hin er­such­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat im Au­gust 2003 vor­sorg­lich er­neut um sei­ne Zu­stim­mung zur Ver­set­zung von 43 der zu­vor in der SNL S beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, die die­ser mit Schrei­ben vom 27. Au­gust 2003 ver­wei­ger­te. Für die­se Ar­beit­neh­mer lei­te­te der Be­triebs­rat En­de Ok­to­ber 2003 ein Be­schluss­ver­fah­ren mit dem Ziel ein, die vorläufig durch­geführ­ten Ver­set­zun­gen auf­zu­he­ben. Die­ses Be­schluss­ver­fah­ren wur­de im Mai 2005 im Hin­blick auf das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren für er­le­digt erklärt und ein­ge­stellt.

Im Au­gust 2004 ver­ein­bar­te die Ar­beit­ge­be­rin mit dem Ge­samt­be­triebs rat ei­nen So­zi­al­plan. Da­nach wur­den die Beschäftig­ten der frühe­ren SNL S rück­wir­kend zum 1. Ja­nu­ar 2002 auf Per­so­nal­pos­ten im Un­ter­neh­mens­be­reich BRIEF über­ge­lei­tet. Die Zu­ord­nung der Beschäftig­ten zu den Per­so­nal­pos­ten und Nie­der­las­sun­gen war in ei­ner An­la­ge zum So­zi­al­plan ge­re­gelt. Der Ge­samt­be­triebs­rat stimm­te mit Schrei­ben vom 2. Fe­bru­ar 2005 den von der Ar­beit­ge­be­rin auf­ge­stell­ten Fest­stel­lungs­ver­mer­ken über die Zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten zu. Dar­auf­hin er­such­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat der still­ge­leg­ten SNL S mit Schrei­ben vom 22. März 2005 vor­sorg­lich er­neut um sei­ne Zu­stim­mung zu Ver­set­zun­gen von ins­ge­samt 150 Beschäftig­ten. Der am 30. April 2005 beim Be­triebs­rat ein­ge­gan­ge­ne An­trag ent­hielt ei­nen Hin­weis dar­auf, dass die Ver­set­zun­gen aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich sei­en. Der Be­triebs­rat be­stritt am 10. Mai 2005 die Dring­lich­keit der Ver­set­zun­gen und ver­wei­ger­te an­sch­ließend im Schrei­ben vom 21. Mai 2005, bei der Ar­beit­ge­be­rin am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, für 74 Ar­beit­neh­mer sei­ne Zu­stim­mung zu den be­an­trag­ten Ver­set­zun­gen un­ter Hin­weis auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen der Ta­rif­verträge Nr. 444/445 und des So­zi­al­plans.

Mit ei­nem am 13. Mai 2005 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen Schrift­satz hat die Ar­beit­ge­be­rin die ge­richt­li­che Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats und die Fest­stel­lung der Dring­lich­keit der vorläufig vor­ge­nom­me­nen Ver­set­zun­gen be­an­tragt. Das Ar­beits­ge­richt hat die in ei­nem Ver­fah­ren ver­han­del­ten Anträge ab­ge­wie­sen und in den Gründen aus­geführt, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gel­te we­gen Versäum­ung der Äußerungs­frist als er­teilt. Ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts ha­ben so­wohl die Ar­beit-


 

- 4 -

ge­be­rin als auch der Be­triebs­rat Be­schwer­de ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren ge­trennt und die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin für je­den von der Ver­set­zung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­son­dert ver­han­delt. Das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren be­trifft den An­trag auf Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers C zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat ge­meint, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der vor­sorg­lich durch­geführ­ten per­so­nel­len Maßnah­me gel­te als er­teilt, da des­sen Ver­wei­ge­rung nicht recht­zei­tig er­folgt sei. Da­ne­ben feh­le es an ei­ner wirk­sa­men Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung. Der Be­triebs­rat sei bei der Be­schluss­fas­sung über ih­ren An­trag nicht ord­nungs­gemäß be­setzt ge­we­sen. An die­ser ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de W mit­ge­wirkt, der be­reits mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2001 we­gen dau­ern­der Dienst­unfähig­keit in den Ru­he­stand ver­setzt wor­den sei und schon aus die­sem Grund kein Rest­man­dat ha­be ausüben können.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die von dem Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zu der Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu er­set­zen,

hilfs­wei­se fest­zu­stel­len,

dass die von dem Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zu der Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N als er­teilt gilt,

2. fest­zu­stel­len, dass die Ver­set­zung von Herrn C von der ehe­ma­li­gen Ser­vice Nie­der­las­sung Im­mo­bi­li­en zu der Nie­der­las­sung BRIEF B-N aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ge­we­sen ist.

Der Be­triebs­rat hat, so­weit für die Rechts­be­schwer­de noch von Be­deu­tung, be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Er hat ge­meint, sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung sei recht­zei­tig er­folgt. Nach ei­ner Verfügung des Bun­des­post­mi­nis­ters aus dem Jahr 1976 für den Be­reich der da­ma­li­gen Deut­schen Bun­des­post gölten Anträge auf Er­tei­lung der Zu­stim­mung erst am maßgeb­li­chen Sit­zungs­tag als zu­ge­lei­tet und Sonn- bzw. ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge so­wie Sams­ta­ge nicht als Ar­beits­ta­ge. Die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on der Deut­schen Bun­des­post Post­dienst ha­be in ei­nem Hin­weis­schrei­ben aus dem Jahr 1994


 

- 5 -

geäußert, dass die in der Verfügung be­kannt ge­ge­be­ne Be­rech­nung der Fris­ten nach Maßga­be der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen fort­gel­te. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung sei auch zu Recht er­folgt. Der Herrn C in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N über­tra­ge­ne Ar­beits­platz sei ihm funk­tio­nell nicht zu­mut­bar.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Auf die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin hat es fest­ge­stellt, dass die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der Ver­set­zung von Herrn C als er­teilt gilt und die­se aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war. Durch ei­nen am glei­chen Tag er­gan­ge­nen Be­schluss (- 2 TaBV 16/07 -) hat es den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin rechts­kräftig ab­ge­wie­sen, mit dem die­se die Be­en­di­gung des Rest­man­dats des Be­triebs­rats der SNL S fest­ge­stellt wis­sen woll­te. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt der Be­triebs­rat im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren sei­nen An­trag auf Ab­wei­sung der Anträge wei­ter.

B. Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ist teil­wei­se be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag zu Un­recht ent­spro­chen. Die Zu­wei­sung des Ar­beit­neh­mers C zur Nie­der­las­sung BRIEF B-N be­durf­te nicht der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats der frühe­ren SNL S. Des­sen Zu­stim­mung gilt da­her nicht als er­teilt. We­gen des An­trags zu 2. war das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die vom Be­triebs­rat ein­ge­leg­te Be­schwer­de zu Recht für zulässig ge­hal­ten. Der Be­triebs­rat ist durch die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts ma­te­ri­ell be­schwert, ob­wohl sei­nem An­trag for­mell ent­spro­chen wor­den ist.

1. Die Zulässig­keit der Be­schwer­de gehört zu den Ver­fah­rens­fort­set­zungs­vor­aus­set­zun­gen ei­ner Rechts­be­schwer­de. Dem­nach hat das Rechts­be­schwer­de­ge­richt von Amts we­gen zu prüfen, ob die in den Vor­in­stan­zen ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tel ord­nungs­gemäß wa­ren. Es kommt da­bei nicht dar­auf an, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­schwer­de als zulässig


 

- 6 -

an­ge­se­hen hat (BAG 16. Ju­li 2008 - 7 ABR 13/07 - Rn. 13, AP Be­trVG 1972 § 78a Nr. 50 = EzA Be­trVG 2001 § 78a Nr. 4).

2. Das Ar­beits­ge­richt hat zwar die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­wie­sen. Dem­ent­spre­chend war nur die Ar­beit­ge­be­rin und nicht der Be­triebs­rat durch die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung for­mell be­schwert. Al­ler­dings hat das Ar­beits­ge­richt nach der von ihm gewähl­ten Be­gründung dem zu 1. ge­stell­ten An­trag der Ar­beit­ge­be­rin le­dig­lich auf­grund ei­nes Te­n­o­rie­rungs­feh­lers nicht ent­spro­chen. Es hat die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats für un­be­acht­lich ge­hal­ten, weil des­sen Stel­lung­nah­me nicht bis zum Ab­lauf der Äußerungs­frist bei der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­gan­gen sei. Die­se hat­te zwar erst­in­stanz­lich nur den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag nach § 99 Abs. 4 Be­trVG ge­stellt. Ei­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats, die be­reits als er­teilt gilt und da­mit schon vor­liegt, kann aber nicht mehr durch das Ge­richt er­setzt wer­den. Der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers ist nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats al­ler­dings nicht auf ei­ne sol­che rechts­ge­stal­ten­de Ent­schei­dung be­schränkt. Er er­fasst oh­ne Wei­te­res das Be­geh­ren fest­zu­stel­len, dass die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats als er­teilt gilt, wenn sich im Ver­fah­rens­ver­lauf her­aus­stellt, dass sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung nicht den An­for­de­run­gen des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG genügt (BAG 18. Ok­to­ber 1988 - 1 ABR 33/87 - BA­GE 60, 57). Da­mit hat das Ar­beits­ge­richt der Ar­beit­ge­be­rin im Er­geb­nis ge­nau das zu­ge­spro­chen, was der Be­triebs­rat mit sei­nem Ab­wei­sungs­an­trag ver­hin­dern woll­te. Die Ar­beit­ge­be­rin hätte die mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Ver­set­zun­gen durchführen können, weil die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats als er­teilt gilt. Dar­aus folgt die ma­te­ri­el­le Be­schwer des Be­triebs­rats.

II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te den zu 1. ge­stell­ten An­trag der Ar­beit­ge­be­rin nicht mit der Be­gründung ab­wei­sen, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gel­te als er­teilt. Der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag ist viel­mehr schon des­we­gen un­be­gründet, weil die Ar­beit­ge­be­rin dem Ar­beit­neh­mer C ei­ne Tätig­keit in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu­wei­sen konn­te, oh­ne den Be­triebs­rat der still­ge­leg­ten SNL S im Rah­men ei­nes Rest­man­dats be­tei­li­gen zu müssen.


 

- 7 -

1. Ein An­trag nach § 99 Abs. 4 Be­trVG auf Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu ei­ner als „Ver­set­zung“ be­zeich­ne­ten per­so­nel­len Maßnah­me setzt vor­aus, dass es sich bei die­ser tatsächlich um ei­ne per­so­nel­le Maßnah­me iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG han­delt, bei der ein Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats be­steht. An­dern­falls geht der An­trag ins Lee­re und ist ab­zu­wei­sen.

2. Nach § 21b Be­trVG bleibt der Be­triebs­rat, des­sen Be­trieb durch Still­le­gung, Spal­tung oder Zu­sam­men­le­gung un­ter­geht, so lan­ge im Amt, wie dies zur Wahr­neh­mung der da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­den Mit­wir­kungs- und Mit­be­stim­mungs­rech­te er­for­der­lich ist. Die Vor­schrift trägt dem Um­stand Rech­nung, dass das Amt des Be­triebs­rats en­det, wenn die be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, für die der Be­triebs­rat ge­bil­det ist, wegfällt (BAG 14. Au­gust 2001 - 1 ABR 52/00 - zu B II b der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 21b Nr. 1 = EzA Be­trVG 1972 § 24 Nr. 3). Der Ge­setz­ge­ber hat mit dem durch das Be­trVG-Re­formG ein­gefügten § 21b Be­trVG die zu­vor er­gan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Rest­man­dat des Be­triebs­rats ge­setz­lich ver­an­kert (BT-Drucks. 14/5741 S. 39). Der Be­triebs­rat soll noch so lan­ge im Amt ver­blei­ben, wie dies sei­ne hier­bei zu be­ach­ten­den Be­tei­li­gungs­rech­te ge­bie­ten (BAG 14. No­vem­ber 1978 - 6 ABR 85/75 - zu B II 2 der Gründe, AP KO § 59 Nr. 6). Das Rest­man­dat ist funk­tio­nal be­zo­gen auf al­le im Zu­sam­men­hang mit der Still­le­gung sich er­ge­ben­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te (BAG 12. Ja­nu­ar 2000 - 7 ABR 61/98 - zu B II 2 d aa der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 24 Nr. 5 = EzA Be­trVG 1972 § 24 Nr. 2).

3. Der Be­triebs­rat ei­nes still­ge­leg­ten Be­triebs ist nicht im Rah­men sei­nes 17 Rest­man­dats nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG zu be­tei­li­gen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer nach der vollständi­gen Still­le­gung des Be­triebs ei­ne Tätig­keit in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens zu­weist.

a) Nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG be­darf die Ver­set­zung ei­nes Ar­beit­neh­mers der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats. Ver­set­zung ist nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on des § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG die Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits-

 

- 8 -

be­reichs, die ent­we­der die Dau­er von ei­nem Mo­nat vor­aus­sicht­lich über­schrei­tet oder mit ei­ner er­heb­li­chen Ände­rung der Umstände ver­bun­den ist, un­ter de­nen die Ar­beit ge­leis­tet wer­den muss. Der „Ar­beits­be­reich“ iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG wird in § 81 Abs. 2 iVm. Abs. 1 Satz 1 Be­trVG durch die Auf­ga­be und Ver­ant­wor­tung des Ar­beit­neh­mers so­wie die Art sei­ner Tätig­keit und ih­re Ein­ord­nung in den Ar­beits­ab­lauf des Be­triebs um­schrie­ben. Der Be­griff ist dem­nach räum­lich und funk­tio­nal zu ver­ste­hen. Er um­fasst ne­ben dem Ort der Ar­beits­leis­tung auch die Art der Tätig­keit und den ge­ge­be­nen Platz in der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on (BAG 17. Ju­ni 2008 - 1 ABR 38/07 - Rn. 21, AP Be­trVG 1972 § 99 Ver­set­zung Nr. 47 = EzA Be­trVG 2001 § 95 Nr. 8). Die Vor­schrift er­for­dert nach ih­rem Wort­laut ei­nen Wech­sel des Ar­beits­be­reichs, in dem der Ar­beit­neh­mer beschäftigt wird. Der Ar­beits­be­reich ändert sich, wenn der bis­he­ri­ge Ge­gen­stand der Ar­beits­leis­tung und In­halt der Ar­beits­auf­ga­be ein „an­de­rer“ wird und sich des­halb das Ge­samt­bild der Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers ändert. Es kommt dar­auf an, ob sich die Tätig­kei­ten vor und nach der Zu­wei­sung so von­ein­an­der un­ter­schei­den, dass die neue Tätig­keit vom Stand­punkt ei­nes mit den be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen ver­trau­ten Be­ob­ach­ters nicht mehr als die bis­he­ri­ge Tätig­keit an­ge­se­hen wer­den kann (BAG 29. Sep­tem­ber 2004 - 1 AZR 473/03 - zu II 4 a aa der Gründe). Dem­zu­fol­ge ist auch die auf Dau­er an­ge­leg­te Ver­set­zung von ei­nem Be­trieb des Un­ter­neh­mens in ei­nen an­de­ren Be­trieb ei­ne Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits­be­reichs, weil der Ar­beit­neh­mer aus ei­ner be­trieb­li­chen Ein­heit her­aus­ge­nom­men und in ei­ne an­de­re Ein­heit ein­ge­glie­dert wird. Darüber hin­aus wird sich in der Re­gel der Ar­beits­ort verändern, was - von Ba­ga­tellfällen ab­ge­se­hen - be­reits ei­ne Ver­set­zung iSv. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG dar­stellt (BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - zu B II 3 der Gründe mwN, BA­GE 66, 57).

b) Ei­ne be­triebsüberg­rei­fen­de Ver­set­zung be­darf nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG re­gelmäßig der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats des ab­ge­ben­den Be­triebs. Sein Be­tei­li­gungs­recht dient dem Schutz der kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der von ihm re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft so­wie den In­di­vi­dual­in­ter­es­sen der von ei­ner sol­chen Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer.


 

- 9 -

aa) Das Be­tei­li­gungs­recht aus § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG soll es dem Be­triebs­rat des ab­ge­ben­den Be­triebs ermögli­chen, der be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung sei­ne Zu­stim­mung bei Vor­lie­gen von Ver­wei­ge­rungs­gründen iSd. § 99 Abs. 2 Be­trVG zu ver­sa­gen und den Ar­beit­ge­ber ge­richt­lich an­zu­hal­ten, den Ar­beit­neh­mer oh­ne Ände­rung sei­nes bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reichs im Be­trieb wei­ter­zu­beschäfti­gen. Die Mit­be­stim­mung nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG setzt den Fort­be­stand der Ein­heit vor­aus, für die der Be­triebs­rat er­rich­tet ist. Nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on ist sei­ne Mit­wir­kung bei Vor­lie­gen von Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründen auf die Un­ter­las­sung der be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung oder de­ren Auf­he­bung (§ 101 Be­trVG) ge­rich­tet, so­fern sie zunächst vorläufig durch­geführt wor­den ist. In ei­nem sol­chen Fall ist der Ar­beit­ge­ber ge­hal­ten, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reich zu be­las­sen oder ihn dort wie­der ein­zu­set­zen.

bb) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats be­zweckt das Be­tei­li­gungs­recht nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG vor­ran­gig den Schutz der vor­han­de­nen Be­leg­schaft. De­ren In­ter­es­sen können durch ei­ne be­triebsüberg­rei­fen­de Ver­set­zung schon des­we­gen berührt sein, weil die ver­blei­ben­den Ar­beit­neh­mer ei­ner Ar­beits­ver­dich­tung aus­ge­setzt sind, die je­den­falls ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung als möglich er­schei­nen lässt (BAG 22. No­vem­ber 2005 - 1 ABR 49/04 - Rn. 24, BA­GE 116, 223). Der Be­triebs­rat hat aber auch die In­ter­es­sen der Beschäftig­ten wahr­zu­neh­men, die bei der Aus­wah­l­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers un­berück­sich­tigt ge­blie­ben sind.

cc) Darüber hin­aus soll das Be­tei­li­gungs­recht auch die in­di­vi­du­el­len In­ter­es­sen des von ei­ner sol­chen Ver­set­zung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers wah­ren, dem­ge­genüber der Ar­beit­ge­ber bei Vor­lie­gen ei­nes Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des von der be­ab­sich­ti­gen Maßnah­me ab­se­hen müss­te. Ist der Ar­beit­neh­mer nicht mit der Ver­set­zung ein­ver­stan­den, kann der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung dar­auf stützen, dass die Ver­set­zung die­sen oh­ne recht­fer­ti­gen­den Grund be­nach­tei­ligt (BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - zu B II 3 a bb der Gründe, BA­GE 66, 57). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­triebs­rats dient das Be­tei­li­gungs­recht aber nicht da­zu, das Di­rek­ti­ons­recht


 

- 10 -

des Ar­beit­ge­bers ei­ner um­fas­sen­den Kon­trol­le zu un­ter­zie­hen oder dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer durch die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ein Zurück­be­hal­tungs­recht an sei­ner Ar­beits­leis­tung zu ver­schaf­fen.

dd) Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats des ab­ge­ben­den Be­triebs­be­steht al­ler­dings nicht, wenn der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer mit der Ver­set­zung in den an­de­ren Be­trieb ein­ver­stan­den ist. In ei­nem sol­chen Fall be­darf we­der der Ar­beit­neh­mer ei­nes Schut­zes noch ist die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats im In­ter­es­se der von ihm re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft ge­bo­ten. De­ren Schutz kann nicht er­reicht wer­den, da ein ver­set­zungs­wil­li­ger Ar­beit­neh­mer eben­so das Ar­beits­verhält­nis be­en­den und neu be­gründen könn­te und dem­zu­fol­ge der Be­triebs­rat auch bei Vor­lie­gen ei­nes ge­setz­li­chen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des sein Aus­schei­den aus dem Be­trieb letzt­lich nicht ver­hin­dern kann (BAG 22. No­vem­ber 2005 - 1 ABR 49/04 - Rn. 24 f., BA­GE 116, 223).

c) Da­hin­ste­hen kann, ob die Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits­be­reichs nach vor­he­ri­ger Be­triebs­still­le­gung den Ver­set­zungs­be­griff iSd. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG noch erfüllt, weil die­se Vor­schrift ih­rem Wort­laut nach auf den Wech­sel zwi­schen zwei Ar­beits­be­rei­chen aus­ge­rich­tet ist. Denn bei ei­ner sol­chen Maßnah­me hat je­den­falls der Be­triebs­rat des still­ge­leg­ten Be­triebs im Rah­men sei­nes Rest­man­dats nicht mit­zu­wir­ken. Des­sen Ein­be­zie­hung ist nach Sinn und Zweck des Be­tei­li­gungs­rechts we­der zur Wah­rung von Be­leg­schafts­in­ter­es­sen noch zum Schutz der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­bo­ten.

aa) Die Zu­wei­sung von an­de­ren Tätig­kei­ten im Un­ter­neh­men berührt kei­ne kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen der vom rest­man­da­tier­ten Be­triebs­rat re­präsen­tier­ten frühe­ren Be­leg­schaft. Ei­ne Be­triebs­ge­mein­schaft, die durch sol­che Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers nach­tei­lig be­trof­fen sein könn­te, be­steht nach der endgülti­gen Ein­stel­lung der Be­triebstätig­keit und Auflösung der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on nicht mehr. Eben­so fehlt es an ei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, die un­ter dem Ge­sichts­punkt der be­triebs­in­ter­nen Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit ei­ner Kon­trol­le zu un­ter­wer­fen wäre. Von der Zu­wei­sung ei­nes neu­en Ar­beits­be­reichs sind sämt­li­che Ar­beit­neh­mer der auf­gelösten Ein­heit be­trof­fen, de­ren Ar­beits­verhält­nis anläss­lich der Still­le­gung nicht be­en­det wird.


 

- 11 -

bb) Die In­di­vi­dual­in­ter­es­sen der von ei­ner sol­chen Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen eben­falls kei­ne Be­tei­li­gung des rest­man­da­tier­ten Be­triebs­rats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG. Die­se wer­den durch das Mit­be­stim­mungs­recht bei Be­triebsände­run­gen (§§ 111 - 113 Be­trVG) hin­rei­chend ge­wahrt. Ei­ne Be­triebs­still­le­gung stellt un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 111 Satz 1, Satz 3 Nr. 1 Be­trVG ei­ne Be­triebsände­rung dar. Über sie ist zwi­schen Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat ein In­ter­es­sen­aus­gleich und ein So­zi­al­plan (§ 111 Satz 1, § 112 Abs. 1 Be­trVG) ab­zu­sch­ließen. Es ist Auf­ga­be der Be­triebs­par­tei­en, im Rah­men sol­cher Ver­ein­ba­run­gen die An­for­de­run­gen, un­ter de­nen die Über­tra­gung ei­ner an­der­wei­ti­gen Tätig­keit zulässig ist, abs­trakt oder ein­zel­fall­be­zo­gen fest­zu­le­gen. So können et­wa persönli­che und fach­li­che Zu­mut­bar-keits­kri­te­ri­en für die Zu­wei­sung ei­ner geänder­ten Tätig­keit ge­re­gelt wer­den, durch die die wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers und der Be­leg­schaft zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich ge­bracht wer­den. Auf die­se Wei­se wird das Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers be­grenzt und dem Bedürf­nis der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer Rech­nung ge­tra­gen, das Ar­beits­verhält­nis nur un­ter an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Dem­ge­genüber gin­ge der durch das Be­tei­li­gungs­recht bei be­triebsüberg­rei­fen­den Ver­set­zun­gen be­zweck­te Schutz des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers ins Lee­re. Das auf die Fort­set­zung der Beschäfti­gung im bis­he­ri­gen Ar­beits­be­reich ge­rich­te­te Re­ge­lungs­ziel der §§ 99, 101 Be­trVG kann durch ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Be­triebs­rats nicht mehr er­reicht wer­den. Nach der endgülti­gen Still­le­gung des Be­triebs und der da­mit ver­bun­de­nen Auflösung der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on en­det die Exis­tenz der bis­he­ri­gen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­heit. Hier­durch entfällt zu­gleich die Ein­satzmöglich­keit für die dort zu­vor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Ei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung könn­te dem Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich ein Zurück­be­hal­tungs­recht an sei­ner Ar­beits­leis­tung ver­schaf­fen. Dies wi­derspräche aber der Schutz­funk­ti­on des Be­tei­li­gungs­rechts.

4. Die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung war da­nach hin­sicht­lich des An­trags zu 1. auf­zu­he­ben und die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung in­so­weit wie­der­her­zu­stel­len (§ 562 Abs. 1, § 563 Abs. 3 ZPO). Das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht er­kannt, dass der Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin


 

- 12 -

un­be­gründet ist. Die SNL S war zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­ver­fah­rens am 22. März 2005 be­reits mehr als drei Jah­re still­ge­legt. Die Ar­beit­ge­be­rin konn­te dem Ar­beit­neh­mer C da­her oh­ne die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG Tätig­kei­ten in der Nie­der­las­sung BRIEF B-N zu­wei­sen.

a) Ei­ner Ent­schei­dung des Se­nats über das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats an den von der Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Maßnah­men steht nicht ent­ge­gen, dass durch rechts­kräfti­gen Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Saar­land vom 19. No­vem­ber 2008 (- 2 TaBV 16/07 -) der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin, mit dem die Be­en­di­gung des Rest­man­dats des Be­triebs­rats der SNL S fest­ge­stellt wer­den soll­te, ab­ge­wie­sen wor­den ist. Selbst wenn da­nach rechts­kräftig feststünde, dass der Be­triebs­rat zum Zeit­punkt der Anhörung am 19. No­vem­ber 2008 noch ein Rest­man­dat wahr­ge­nom­men hat, er­streck­te sich die Bin­dungs­wir­kung nicht zu­gleich auf das Be­ste­hen ei­nes Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­rechts an den von der Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22. März 2005 be­an­trag­ten Maßnah­men. Über den Um­fang der vom Be­triebs­rat wahr­zu­neh­men­den Be­tei­li­gungs­rech­te ist in dem Ver­fah­ren - 2 TaBV 16/07 - nicht ent­schie­den wor­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat viel­mehr den Glo­balan­trag der Ar­beit­ge­be­rin schon des­we­gen als un­be­gründet ab­ge­wie­sen, weil der Be­triebs­rat je­den­falls we­gen sei­ner Be­tei­lig­ten­stel­lung in dem von der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­lei­te­ten Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein Rest­man­dat ausübe.

b) Auf die zwi­schen den Be­tei­lig­ten um­strit­te­nen und von den Vor­in­stan­zen erörter­ten Fra­gen nach der Recht­zei­tig­keit der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung und der ord­nungs­gemäßen Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats kam es da­nach nicht mehr an.

III. Der auf die Fest­stel­lung der drin­gen­den Er­for­der­lich­keit der vorläufi­gen per­so­nel­len Maßnah­me ge­rich­te­te An­trag zu 2. fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Sei­ne Rechtshängig­keit ist auflösend be­dingt durch die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung über den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag. Das Ver­fah­ren


 

- 13 -

ist in­so­weit ein­zu­stel­len (vgl. da­zu näher BAG 16. Ja­nu­ar 2007 - 1 ABR 16/06 - Rn. 52 ff. mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­stel­lung Nr. 52 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Ver­set­zung Nr. 3).

Schmidt Linck Koch

Münzer Brun­ner

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 ABR 41/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880