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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung: Zugang
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 4 Sa 721/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.09.2010
   
Leit­sätze: 1. Ein Kündi­gungs­schrei­ben, das nach 16.00 Uhr in den Brief­kas­ten des Ar­beit­neh­mers ein­ge­wor­fen wird, geht nicht mehr am Tag des Ein­wurfs zu. 2. Es war nicht zu ent­schei­den, ob das an­ders ist, wenn das Kündi­gungs­schrei­ben vor 16.00 Uhr aber nach 14.00 Uhr ein­ge­wor­fen wird.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 15.04.2010, 10 Ca 11351/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 4 Sa 721/10

 

Te­nor: 

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 15.04.2010 – 10 Ca 11351/09 – wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob durch ei­ne als frist­lo­se, hilfs­wei­se als frist­ge­rech­te aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung der Be­klag­ten vom 17.11.2009 das Ar­beits­verhält­nis mit Da­tum der frist­lo­sen Kündi­gung be­en­det wor­den ist oder ob es noch bis zum 02.12.2009 be­stan­den hat, und um im We­sent­li­chen da­von abhängi­ge Zah­lungs­ansprüche. Da­bei geht der Streit der Par­tei­en im ins­be­son­de­re dar­um, ob die Kla­ge­frist des § 4 KSchG ein­ge­hal­ten ist, was da­von abhängt, ob die Kündi­gung be­reits am 17.11.2009 oder erst am Fol­ge­ta­ge zu­ge­gan­gen ist.

We­gen des erst­in­stanz­li­chen strei­ti­gen und un­strei­ti­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en und we­gen der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträge wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Ge­gen die­ses ihr am 23.04.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 21.05.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 18.06.2010 be­gründet.

Die Be­klag­te wen­det sich in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung im We­sent­li­chen ge­gen die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts Köln, dass ein Ein­wurf des Kündi­gungs­schrei­bens nach 16.00 Uhr erst zu ei­nem Zu­gang am nächs­ten Ta­ge führe.

Die Be­klag­te meint, das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 08.12.1983 (2 AZR 337/82), sei

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nicht mehr zeit­gemäß. Nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­an­schau­ung sei die Vor­stel­lung über­holt, dass mit der Brief­kas­ten­lee­rung nur vor­mit­tags zu rech­nen sei. Ei­ne im Vor­din­gen be­find­li­che Auf­fas­sung, zu der die Be­klag­te auch das LAG Hamm rech­net, ge­he da­von aus, dass bis 18.00 Uhr ein­ge­wor­fe­ne Brie­fe noch am sel­ben Tag zu­gin­gen. Die Post AG und ins­be­son­de­re an­de­re An­bie­ter stell­ten auch am Nach­mit­tag zu. Außer­dem müsse berück­sich­tigt wer­den, dass die zu­neh­men­de Zahl al­lein­ste­hen­der Be­rufstäti­ger viel­fach erst nach 18.00 Uhr nach Hau­se kom­me. Der Markt­an­teil der Wett­be­wer­ber bei der Post al­lein bei den Brief­zu­stel­lun­gen lie­ge mitt­ler­wei­le bei über 10 %.

We­gen des übri­gen Vor­brin­gens der Be­klag­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz, ins­be­son­de­re auch we­gen der Rechts­ausführun­gen, wird auf die Be­ru­fungs­be­gründung und den Schrift­satz der Be­klag­ten vom 12.08.2010 Be­zug ge­nom­men.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

un­ter Auf­he­bung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Köln vom 15.04.2010 - 10 Ca 11351/09 - die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt, 

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. 

Der Kläger ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. 

Die Vor­stel­lung, dass mit der Brief­kas­ten­lee­rung nur vor­mit­tags zu rech­nen sei, sei nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­an­schau­ung kei­nes­wegs über­holt. Dem­ent­spre­chend sei nach der herr­schen­den Mei­nung in der Recht­spre­chung bei Zu­stel­lun­gen nach 14.00 Uhr nicht mehr von ei­nem Zu­gang am sel­ben Ta­ge aus­zu­ge­hen.

Ins­be­son­de­re sei in der Um­ge­bung, in der er, der Kläger, woh­ne, ei­ne Zu­stel­lung der Post nach 15 16.00 Uhr nicht möglich. Die Post wer­de in die Briefkästen der An­le­ger stets in den Vor­mit­tags­stun­den ein­ge­legt. Da­zu be­ruft sich der Kläger auf die Bestäti­gun­gen meh­re­rer Per­so­nen aus der Nach­bar­schaft (Bl. 106 ff. d. A.) und auf de­ren Zeug­nis.

Was schließlich den Markt­an­teil der D P A an­ge­he, so ha­be die­ser im Jah­re 2008 bei über 90 %, 16 im Jah­re 2009 bei et­wa 95 % ge­le­gen.

We­gen des übri­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen die­sen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren.

 

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te in der Sa­che kei­nen Er­folg.

A. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht ent­schie­den, dass auch dann, wenn man die strei­ti­ge Be­haup­tung der Be­klag­ten, das Kündi­gungs­schrei­ben sei am Nach­mit­tag des 17.11.2009 um 16.13 Uhr in den Brief­kas­ten des Klägers ge­wor­fen wor­den, die­ses im Sin­ne des § 130 Abs. 1 BGB erst am 18.11.2009 zu­ge­gan­gen ist.

I. Nach Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (08.12.1983 - 2 AZR 337/82) gilt all­ge­mein für den Zu­gang ei­ner schrift­li­chen Wil­lens­erklärung zunächst Fol­gen­des: Das Schrei­ben muss in ver­kehrsübli­cher Art in die tatsächli­che Verfügungs­ge­walt des Empfängers oder ei­nes emp­fangs­be­rei­ten Drit­ten ge­lan­gen und für den Empfänger muss un­ter gewöhn­li­chen
Umständen ei­ne Kennt­nis­nah­me zu er­war­ten sein. Die­ses Letz­te­re be­deu­tet, dass nach der Ver­kehrs­an­schau­ung zu er­war­ten sein muss, dass der Empfänger sich als­bald die Kennt­nis­se auch tatsächlich ver­schafft. Er­reicht ei­ne Wil­lens­erklärung die Emp­fangs­ein­rich­tun­gen des Adres­sa­ten (Brief­kas­ten) zu ei­ner Ta­ges­zeit, zu der nach den Ge­pflo­gen­hei­ten des Ver­kehrs ei­ne Ent­nah­me oder Ab­ho­lung durch den Adres­sa­ten nicht mehr er­war­tet wer­den kann, so ist

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die Wil­lens­erklärung an die­sem Tag nicht mehr zu­ge­gan­gen (BAG a.a.O. m. N. zur ständi­gen Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts und des Bun­des­ar­beits­ge­richts).

Dies ent­spricht auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, wie sie ge­ra­de auch in der Ent­schei­dung nie­der­ge­legt ist, auf die sich der Kläger be­ruft (BGH 21.01.2004 - XII ZR 214/00): Der Zu­gang der Kündi­gung ist an dem Tag be­wirkt, an dem nach der Ver­kehrs­an­schau­ung mit der Lee­rung des Brief­kas­tens noch ge­rech­net wer­den kann. Er­reicht die Wil­lens­erklärung den Brief­kas­ten des Empfängers zu ei­ner Ta­ges­zeit, zu der nach den Ge­pflo­gen­hei­ten des Ver­kehrs ei­ne Ent­nah­me durch den Adres­sa­ten nicht mehr er­war­tet wer­den kann, so ist sie an die­sem Tag nicht mehr zu­ge­gan­gen. Da­bei ist nicht auf die in­di­vi­du­el­len Verhält­nis­se des Empfängers, son­dern im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit auf die Ver­kehrs­an­schau­ung ab­zu­stel­len.

Wie sich aus der Ent­schei­dung des BGH (a.a.O.) wei­ter er­gibt, be­deu­tet dies al­ler­dings nicht, dass da­bei ge­ne­ra­li­sie­rend auf al­le Empfänger im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet ab­zu­stel­len wäre. Der BGH sub­sum­miert viel­mehr wie folgt: "Da Post­sen­dun­gen - nach den Auskünf­ten der Post AG - in der vom Kläger be­wohn­ten Straße übli­cher­wei­se in der Zeit von 8.30 Uhr - 10.30 Uhr zu­ge­stellt wer­den, war nach den ob­jek­ti­ven Ver­kehrs­an­schau­un­gen mit der Lee­rung des Brief­kas­tens um 10.00 Uhr noch zu rech­nen."

II. Für das Fol­gen­de ist zunächst fest­zu­hal­ten, dass die Be­klag­te die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für den Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung trägt (vgl. statt vie­ler: APS/Ascheid /Hes­se § 4 KSchG Rn. 88 m.w.N.).

Es kann nach den Dar­le­gun­gen der Be­klag­ten we­der fest­ge­stellt wer­den, dass in der Wohn­um­ge­bung des Klägers nach der Ver­kehrs­an­schau­ung da­von aus­zu­ge­hen wäre, dass auch noch nach 16.00 Uhr mit der Lee­rung des Brief­kas­tens zu rech­nen war, noch kann fest­ge­stellt wer­den, dass ei­ne all­ge­mei­ne, für das ge­sam­te Bun­des­ge­biet oder auch nur für den Wohn­ort des Klägers gel­ten­de Ver­kehrs­an­schau­ung bestünde, dass mit der Lee­rung des Brief­kas­tens nach 16.00 Uhr zu rech­nen wäre.

1. Der Kläger hat un­ter Vor­la­ge von Bestäti­gun­gen ver­schie­de­ner, nach dem von ihm ein­ge­reich­ten La­ge­plan (Bl. 112 d. A.) in sei­ner Nach­bar­schaft woh­nen­der Per­so­nen dar­ge­tan, dass die Post in die Briefkästen der An­lie­ger stets in den Vor­mit­tags­stun­den ein­ge­legt wer­de (Bestäti­gun­gen Bl. 116 ff. d. A.). Die Be­klag­te hat den Vor­trag des Klägers le­dig­lich mit Nicht­wis­sen be­strit­ten, oh­ne sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag für ih­re Be­haup­tung zu brin­gen, dass ei­ne Zu­stel­lung der Post in der Wohn­um­ge­bung des Klägers auch noch nach 16.00 Uhr üblich sei. Die Be­klag­te hat auch kei­nen ent­spre­chen­den Be­weis an­ge­tre­ten.

2. Der Vor­trag der Be­klag­ten, der Markt­an­teil der Wett­be­wer­ber bei der Post al­lein bei der Brief­zu­stel­lung lie­ge mitt­ler­wei­le bei über 10 % ist als sol­cher un­schlüssig. Die Be­klag­te hat nicht vor­ge­tra­gen, wel­cher Wett­be­wer­ber der Post nach 16.00 Uhr im Wohn­ge­biet des Klägers zu­stel­le. Selbst dann aber, wenn ein­zel­ne Wett­be­wer­ber der Post auch noch nach 16.00 Uhr im Wohn­ge­biet des Klägers zu­stel­len würden, so wäre an­ge­sichts ei­nes Markt­an­teils von rund 10 % die­ses nicht ge­eig­net, ei­ne all­ge­mei­ne Ver­kehrs­an­schau­ung da­hin­ge­hend zu be­gründen, dass dort mit der Lee­rung der Briefkästen auch noch nach 16.00 Uhr zu rech­nen sei.

3. Auch ei­ne all­ge­mei­ne Ver­kehrs­an­schau­ung, die et­wa das gan­ze Bun­des­ge­biet be­tref­fen würde und die da­hin gin­ge, dass ei­ne Lee­rung der Briefkästen auch noch nach 16.00 Uhr ver­kehrsüblich sei, lässt sich nicht fest­stel­len. Die Be­klag­te hat da­zu nichts Sub­stan­ti­ier­tes, ei­ner Be­weis­auf­nah­me Zugäng­li­ches vor­ge­tra­gen. Im Übri­gen wird auch in der Recht­spre­chung der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te an kei­ner Stel­le ver­tre­ten, dass es ei­ne Ver­kehrs­an­schau­ung ge­be, nach der die Post­zu­stel­lung nach 16.00 Uhr noch üblich sei bzw. dass ei­ne Brief­kas­ten­lee­rung nach 16.00 Uhr der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­an­schau­ung ent­spre­che:

a. Nach dem Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 05.01.2004 (9 Ta 162/03) gilt
je­den­falls für Ar­beit­neh­mer, die sich vorüber­ge­hend zu Hau­se auf­hal­ten oder zwar ar­bei­ten, je­doch mit Per­so­nen zu­sam­men woh­nen, die tagsüber nicht dau­ernd oder für länge­re Zeit die Woh­nung ver­las­sen (im vor­lie­gen­den Fall ist un­strei­tig, dass die Ehe­frau des Klägers, die 6

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Kin­der be­treut, sich übli­cher­wei­se zu Hau­se aufhält), dass sie gewöhn­lich als­bald nach der übli­chen Post­zu­stell­zeit ih­re Briefkästen über­prüfen. Von ih­nen sei nach der Ver­kehrs­an­schau­ung kei­ne Nach­schau am späten Nach­mit­tag mehr zu er­war­ten. Das LAG Nürn­berg geht von den "gewöhn­li­chen Post­zu­stell­zei­ten in den Vor­mit­tags­stun­den" aus und schließt sich in die­ser Ent­schei­dung aus dem Jah­re 2004 aus­drück­lich der BAG-Ent­schei­dung vom 08.12.1983 an.

b. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin (20.01.1999 - 6 Sa 106/98) geht da­von aus, dass in größeren Städten die Brief­zu­stel­lung et­wa ge­gen 14.00 Uhr en­det und des­halb der Erklären­de bei Über­sen­dung ei­ner Wil­lens­erklärung durch Bo­ten be­rech­tig­ter­wei­se er­war­ten darf, dass der Empfänger ei­ne um 14.00 Uhr in sei­nen Haus­brief­kas­ten ge­wor­fe­ne Wil­lens­erklärung noch an die­sem Tag zur Kennt­nis nimmt.

c. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt München hat sich in dem Be­schluss vom 05.03.2008 (7 Ta 2/08) aus­drück­lich der Ent­schei­dung es Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 08.12.1983 an­ge­schlos­sen und wie das LAG Ber­lin für ei­ne Großstadt wie München und Ber­lin aus­geführt, dass mit Post­zu­stel­lun­gen bis 14.00 Uhr ge­rech­net wer­den müsse. Ein um 15.40 Uhr in den Brief­kas­ten der Ar­beit­neh­me­rin ein­ge­wor­fe­ner Brief ge­he erst am nächs­ten Werk­tag zu.

d. Auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm hat in der Ent­schei­dung vom 26.05.2004 (14 Sa 32 182/04), auf die sich die Be­klag­te be­son­ders be­ruft, nicht ent­schie­den, dass nach der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­an­schau­ung ei­ne Brief­zu­stel­lung auch noch nach 16.00 Uhr zu er­war­ten sei oder dass je­den­falls zu die­ser Uhr­zeit noch zu er­war­ten sei, dass ein Ar­beit­neh­mer sei­nen Brief­kas­ten lee­re. In die­ser Ent­schei­dung war nach der Be­haup­tung der dor­ti­gen Be­klag­ten das Kündi­gungs­schrei­ben um 12.40 Uhr in den Haus­brief­kas­ten des Ar­beit­neh­mers ein­ge­wor­fen wor­den. Auf­grund der Be­weis­auf­nah­me stell­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm fest, dass der Ein­wurf des Kündi­gungs­schrei­bens bis spätes­tens 13.00 Uhr er­folgt sei. Es hat den Ein­wand des Klägers, dass bei ei­ner Ein­wurf­zeit von 12.40 Uhr die bei ihm übli­che Post­zu­stel­lung längst ab­ge­lau­fen ge­we­sen sei, nicht gel­ten las­sen. Auch wenn man da­von aus­ge­he, dass die übli­che Post­zu­stel­lung beim Kläger um 11.00 Uhr ab­ge­schlos­sen sei, so müsse bei ei­nem al­lein­ste­hen­den Ar­beit­neh­mer, der nor­ma­ler­wei­se während der Vor­mit­tags­stun­den und auch ei­nes Teils des Nach­mit­tags ar­bei­te, da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass ei­ne Zu­stel­lung auch noch in den Nach­mit­tags­stun­den möglich sei. Da­her müsse der Ein­wurf kaum 2 St­un­den nach 11.00 Uhr noch als Zu­gang am sel­ben Tag an­ge­se­hen wer­den. Dass ein Ein­wurf nach 16.00 Uhr noch recht­zei­tig sei, lässt sich die­ser Ent­schei­dung nicht ent­neh­men.

e. Sch­ließlich stützt auch das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt vom 25.03.2009 (7 Ca 1181/09), auf das sich die Be­klag­te wei­ter­hin be­ruft, nicht de­ren Auf­fas­sung. Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt hat sich über­haupt nicht grundsätz­lich da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt, bis wann ein in den Haus­brief­kas­ten ein­ge­gan­ge­nes Schrei­ben noch am sel­ben Ta­ge zu­geht. Es hat viel­mehr nach Be­weis­auf­nah­me fest­ge­stellt, dass das Kündi­gungs­schrei­ben ge­gen 19.30/19.45 Uhr in den Haus­brief­kas­ten ein­ge­wor­fen wor­den sei, und da­zu aus­geführt, da es sich um ei­nen Zu­gang un­ter Ab­we­sen­den han­de­le und die Kündi­gung erst nach 18.00 Uhr in den dafür vor­ge­se­he­nen Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen wor­den sei, sei die Kündi­gungs­erklärung erst am nächs­ten Tag zu­ge­gan­gen. Dass bei ei­nem Zu­gang bis 18.00 Uhr stets vom Zu­gang am sel­ben Tag aus­zu­ge­hen sei, be­sagt auch die­ses Ur­teil nicht.

f. Ins­ge­samt ist da­her fest­zu­hal­ten, dass sich auch dann, wenn man nicht auf die kon­kre­te Wohn­um­ge­bung des Klägers ab­stellt, sich ei­ne all­ge­mei­ne Ver­kehrs­an­schau­ung nicht
fest­stel­len lässt, dass auch noch bei ei­nem Brief­ein­wurf nach 16.00 Uhr mit ei­ner Ent­lee­rung des Brief­kas­tens durch den Empfänger zu rech­nen ist.

Im vor­lie­gen­den Fall er­gibt sich da­her, dass ein Zu­gang am 17.11.2009 un­abhängig da­von, ob man auf die kon­kre­ten Verhält­nis­se in der Wohn­um­ge­bung oder auf die all­ge­mei­nen Verhält­nis­se in der B D ab­stellt, nicht fest­ge­stellt wer­den kann.

B. Ist das Ar­beits­ge­richt da­mit zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kündi­gung erst am 18. No­vem­ber 2009 zu­ge­gan­gen ist, so macht sich die Kam­mer die übri­gen Ausführun­gen des

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Ar­beits­ge­richts in den Ent­schei­dungs­gründen gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG zu Ei­gen. Die Be­klag­te hat sich mit die­sen Ausführun­gen in der Be­ru­fungs­be­gründung auch nicht aus­ein­an­der­ge­setzt.

Die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts un­ter I. 1. b. sind da­hin­ge­hend zu ergänzen, dass auch dann, wenn der von der Be­klag­ten be­nann­te Zeu­ge A bestäti­gen soll­te, dass er an der Woh­nungstür des Klägers ge­klin­gelt ha­be, nicht fest­ge­stellt wer­den kann, dass der Kläger die­ses Klin­gel­zei­chen gehört hat und erst recht nicht, dass er da­mit rech­nen muss­te, dass die­ses Klin­gel­zei­chen von ei­nem Bo­ten der Be­klag­te stamm­te, der ein Kündi­gungs­schrei­ben über­brin­gen woll­te. Auch aus die­sen Gründen ließe sich ei­ne treu­wid­ri­ge Zu­gangs­ver­eit­lung nicht fest­stel­len.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 2 ZPO. 

Rechts­mit­tel b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. 

We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen. 

Dr. Back­haus

May

Marx

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