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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung: Verhaltensbedingt
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 293/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.10.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Urteil vom 20.08.2008, 5 Ca 1115/08
Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen), Urteil vom 12.02.2009, 17 Sa 1567/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 293/09

17 Sa 1567/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 28. Ok­to­ber 2010

UR­TEIL

Schmidt, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. April 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Söller und Cla­es für Recht er­kannt:


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Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 12. Fe­bru­ar 2009 - 17 Sa 1567/08 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner frist­gemäßen Kündi-

gung.

Der Kläger ist 1981 ge­bo­ren, ver­hei­ra­tet und zwei Kin­dern zum Un­ter-

halt ver­pflich­tet. Er war nach Ab­schluss sei­ner im Sep­tem­ber 1998 be­gon­ne­nen Aus­bil­dung seit dem 21. Ju­li 2001 als Straßen­bau­ar­bei­ter bei der be­klag­ten Stadt beschäftigt. Auf­grund ver­trag­li­cher Ver­wei­sung fin­det auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD-AT und TVöD-BT-V) An­wen­dung.

Vom 1. bis zum 25. Fe­bru­ar 2008 be­fand sich der Kläger we­gen des

Vor­wurfs der Zuhälte­rei und des Men­schen­han­dels in Un­ter­su­chungs­haft. Nach Er­he­bung der An­kla­ge we­gen Zuhälte­rei, vorsätz­li­cher Körper­ver­let­zung, er­pres­se­ri­schen Men­schen­raubs, Er­pres­sung, schwe­ren Men­schen­han­dels und se­xu­el­ler Nöti­gung hörte die be­klag­te Stadt den Kläger am 8. April 2008 zu die­sen Vorwürfen an. Er be­stritt de­ren Be­rech­ti­gung. Mit rechts­kräfti­gem Ur­teil vom 21. April 2008 ver­ur­teil­te das Land­ge­richt den Kläger we­gen ge­mein­schaft­li­cher Zuhälte­rei und Körper­ver­let­zung zu ei­ner Ge­samt­frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und zehn Mo­na­ten auf Bewährung. Die­se Ver­ur­tei­lung ba­sier­te ua. auf der Fest­stel­lung, dass der Kläger „mit sei­nem Ge­halt, das er bei der [Be­klag­ten] er­ziel­te, nicht zu­frie­den (war) und ei­nen zusätz­li­chen Ver­dienst (benötig­te), um sei­ne Fa­mi­lie zu ernähren“, und des­halb zu­sam­men mit ei­nem wei­te­ren Täter den Ent­schluss ge­fasst hat­te, „im We­ge der Zuhälte­rei Geld zu ver­die­nen“. Da­zu hat­ten die Täter im März 2007 ei­ne 18 Jah­re al­te tsche­chi­sche Staatsbürge­rin mit de­ren Ein­verständ­nis in Chem­nitz ab­ge­holt


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und nach B ge­bracht. Die jun­ge Frau ging so­dann in Es­sen und Dort­mund der Pro­sti­tu­ti­on nach. Im Ja­nu­ar 2008 be­schloss der Kläger, sie nach Tsche­chi­en zurück­zu­brin­gen. Als sie sich wei­ger­te, schlug er sie mit ei­nem Gürtel ge­gen ih­re Un­ter­schen­kel.

Im April 2008 wa­ren an meh­re­ren Ta­gen Pres­se­be­rich­te über den Pro-

zess und die Ver­ur­tei­lung des Klägers er­schie­nen, in de­nen auch über das Tat­mo­tiv des Klägers be­rich­tet wor­den war.

Mit Schrei­ben vom 24. April 2008 hörte die be­klag­te Stadt den bei ihr

ge­bil­de­ten Per­so­nal­rat zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung des Klägers an. Der Per­so­nal­rat er­hob kei­ne Be­den­ken. Mit Schrei­ben vom 2. Mai 2008 kündig­te die be­klag­te Stadt das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum 30. Sep­tem­ber 2008.

Der Kläger hat Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Er hat die Auf­fas­sung

ver­tre­ten, er ha­be sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten nicht ver­letzt. Sein außer­dienst­li­ches Fehl­ver­hal­ten ha­be kei­nen Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis. Als Straßen­bau­er ha­be er kei­ne dienst­li­chen Kon­tak­te zu den Bürgern der Stadt.

Der Kläger hat be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en

durch die Kündi­gung vom 2. Mai 2008 nicht auf­gelöst wor­den ist.

Die be­klag­te Stadt hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die

Auf­fas­sung ver­tre­ten, der frühe­re § 8 Abs. 1 Satz 1 BAT ha­be ei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz des öffent­li­chen Diens­tes ver­deut­licht, der wei­ter­hin gel­te. Be­gin­gen Mit­ar­bei­ter des öffent­li­chen Diens­tes Straf­ta­ten von ei­nem ge­wis­sen Ge­wicht oder Ta­ten, die die öffent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung gefähr­de­ten, lie­ge dar­in ei­ne gro­be Ver­let­zung ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten. Durch die in­ten­si­ve und um­fang­rei­che Pro­zess­be­richt­er­stat­tung über die Ta­ten des Klägers und sei­ne Mo­ti­ve sei ihr Ruf er­heb­lich geschädigt wor­den. Der Kläger ha­be sei­ne Straf­ta­ten un­mit­tel­bar mit sei­nem Ar­beits­verhält­nis ver­knüpft, in­dem er die nach sei­ner Mei­nung zu nied­ri­ge­re Vergütung als Mo­tiv öffent­lich ge­macht ha­be.


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Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des-

ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers hat kei­nen Er­folg. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die

Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Die Kündi­gung ist so­zi­al ge­recht­fer­tigt iSv. § 1 Abs. 2 KSchG.

I. Sie ist durch Gründe im Ver­hal­ten des Klägers be­dingt.

1. Ei­ne Kündi­gung ist aus Gründen im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers
gemäß § 1 Abs. 2 KSchG so­zi­al ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ver­trags­pflich­ten er­heb­lich ver­letzt hat, das Ar­beits­verhält­nis da­durch auch künf­tig kon­kret be­ein­träch­tigt wird, ei­ne zu­mut­ba­re Möglich­keit ei­ner an­de­ren, ei­ne wei­te­re Störung zu­verlässig aus­sch­ließen­den Beschäfti­gung nicht be­steht und die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses in Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le bil­li­gens­wert und an­ge­mes­sen er­scheint (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 12, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 77; 31. Mai 2007 - 2 AZR 200/06 - Rn. 14, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 57 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 71). Der Ar­beit­neh­mer muss da­zu kei­ne Haupt­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt ha­ben. Auch die er­heb­li­che Ver­let­zung ei­ner ver­trag­li­chen Ne­ben­pflicht kann ei­ne Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen so­zi­al recht­fer­ti­gen (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 12, aaO; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, AP BGB § 626 Krank­heit Nr. 14 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 16).

2. Der Kläger hat sei­ne ver­trag­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die
In­ter­es­sen der Be­klag­ten er­heb­lich ver­letzt (§ 241 Abs. 2 BGB).

a) Nach der Neu­re­ge­lung des Ta­rif­rechts be­steht für die Beschäftig­ten des

öffent­li­chen Diens­tes nicht mehr die be­son­de­re Pflicht, ihr ge­sam­tes pri­va­tes


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Ver­hal­ten so ein­zu­rich­ten, dass das An­se­hen des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers nicht be­ein­träch­tigt wird.

aa) Die außer Kraft ge­tre­te­nen Re­ge­lun­gen des § 8 Abs. 1 Satz 1 BAT und

des § 8 Abs. 8 Satz 1 MTArb sa­hen für An­ge­stell­te und Ar­bei­ter vor, dass sie sich auch außer­dienst­lich so zu ver­hal­ten hat­ten, wie es von An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes er­war­tet wer­den konn­te. Ei­ne außer­dienst­lich be­gan­ge­ne Straf­tat von ei­ni­gem Ge­wicht oder ver­bun­den mit ei­ner Gefähr­dung der öffent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung konn­te auf die­ser Grund­la­ge die Kündi­gung ei­nes Mit­ar­bei­ters des öffent­li­chen Diens­tes grundsätz­lich recht­fer­ti­gen (Se­nat 21. Ju­ni 2001 - 2 AZR 325/00 - zu B I 2 a der Gründe, AP BAT § 54 Nr. 5 = EzA BGB § 626 nF Nr. 189; 8. Ju­ni 2000 - 2 AZR 638/99 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 95, 78).

bb) Die­se Re­ge­lun­gen sind in die seit dem 1. Ok­to­ber 2005 gel­ten­den

Ta­rif­wer­ke für den öffent­li­chen Dienst nicht über­nom­men wor­den. § 41 TVöD-BT-V hat den frühe­ren Ver­hal­tens­maßstab auf­ge­ge­ben (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 17, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 77). Nach Satz 1 der Be­stim­mung ist nun­mehr le­dig­lich „die im Rah­men des Ar­beits­ver­trags ge­schul­de­te Leis­tung ge­wis­sen­haft und ord­nungs­gemäß aus­zuführen“. Nach Satz 2 der Re­ge­lung müssen sich Beschäftig­te des Bun­des und an­de­rer Ar­beit­ge­ber, in de­ren Auf­ga­ben­be­reich auch ho­heit­li­che Tätig­kei­ten wahr­ge­nom­men wer­den, über­dies „durch ihr ge­sam­tes Ver­hal­ten zur frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung im Sin­ne des Grund­ge­set­zes“ be­ken­nen. Darüber hin­aus­ge­hen­de An­for­de­run­gen an die pri­va­te Le­bensführung stellt der TVöD nicht mehr, auch nicht an an­de­rer Stel­le (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 17, aaO; Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVöD Stand Au­gust 2010 § 41 BT-V Rn. 2; Bröhl ZTR 2006, 174, 175, 177).

Mit der Neu­re­ge­lung ha­ben sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en von ih­rer bis-

he­ri­gen Ori­en­tie­rung am Be­am­ten­recht ent­fernt und das Ar­beits­verhält­nis im öffent­li­chen Dienst als ei­ne „nor­ma­le Leis­tungs­aus­tausch­be­zie­hung“ (Bre­den­diek/Fritz/Te­wes ZTR 2005, 230, 237) aus­ge­stal­tet (Se­nat 10. Sep­tem-


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ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 17, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 77). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en - und da­mit auch die Ar­beit­ge­ber - ha­ben für die Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes außer der Pflicht nach § 41 Satz 2 TVöD-BT-V er­sicht­lich kei­ne wei­ter­ge­hen­den Ver­hal­tens­pflich­ten mehr be­gründen wol­len, als die­se auch für Beschäftig­te in der Pri­vat­wirt­schaft gel­ten (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - aaO).

b) § 241 Abs. 2 BGB gilt da­ge­gen auch für die Beschäftig­ten des

öffent­li­chen Diens­tes. Die dar­aus fol­gen­de Pflicht, auf die In­ter­es­sen der Be­klag­ten Rück­sicht zu neh­men, hat der Kläger durch sein außer­dienst­li­ches straf­ba­res Ver­hal­ten er­heb­lich ver­letzt.

aa) Nach § 241 Abs. 2 BGB ist je­de Par­tei des Ar­beits­ver­tra­ges zur Rück-

sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen ih­res Ver­trags­part­ners ver­pflich­tet. Die­se Re­ge­lung dient dem Schutz und der Förde­rung des Ver­trags­zwecks (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 20, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 77; 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 44, AP BGB § 626 Nr. 218; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, AP BGB § 626 Krank­heit Nr. 14 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 16). Der Ar­beit­neh­mer hat sei­ne Ver­pflich­tung aus dem Ar­beits­verhält­nis so zu erfüllen und die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers so zu wah­ren, wie dies von ihm un­ter Berück­sich­ti­gung sei­ner Stel­lung und Tätig­keit im Be­trieb, sei­ner ei­ge­nen In­ter­es­sen und der In­ter­es­sen der an­de­ren Ar­beit­neh­mer des Be­triebs nach Treu und Glau­ben bil­li­ger­wei­se ver­langt wer­den kann (Se­nat 26. März 2009 - 2 AZR 953/07 - Rn. 24, AP BGB § 626 Nr. 220; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, aaO). Er ist auch außer­halb der Ar­beits­zeit ver­pflich­tet, auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 20, aaO; 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 44, aaO). Al­ler­dings kann ein außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers oder an­de­rer Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nur be­ein­träch­ti­gen, wenn es ei­nen Be­zug


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zur dienst­li­chen Tätig­keit hat, wenn et­wa der Ar­beit­neh­mer die Straf­tat un­ter Nut­zung von Be­triebs­mit­teln oder be­trieb­li­chen Ein­rich­tun­gen be­geht (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 21, aaO). Ein sol­cher Be­zug kann auch da­durch ent­ste­hen, dass sich der Ar­beit­ge­ber oder an­de­re Ar­beit­neh­mer staat­li­chen Er­mitt­lun­gen aus­ge­setzt se­hen oder in der Öffent­lich­keit mit der Straf­tat in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den (Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 98/07 - Rn. 21, AP KSchG 1969 § 1 Nr. 90 = EzA KSchG § 1 Ver­dachtskündi­gung Nr. 4; 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 58, aaO). Fehlt hin­ge­gen ein sol­cher Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis, schei­det ei­ne Ver­let­zung der ver­trag­li­chen Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers re­gelmäßig aus (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 21, aaO; SPV/Preis 10. Aufl. Rn. 690).

bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu­tref­fend an­ge­nom­men,

dass der Kläger sei­ne Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die In­ter­es­sen der Be­klag­ten ver­letzt hat. Un­ge­ach­tet des Cha­rak­ters der von ihm be­gan­ge­nen Straf­tat be­steht der er­for­der­li­che Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis. Der Kläger hat die Be­klag­te mit sei­ner Tat in Be­zie­hung ge­bracht. Durch sei­ne - auch in der Pres­se wie­der­ge­ge­be­nen - Äußerun­gen im Straf­ver­fah­ren hat er ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen sei­ner an­geb­lich zu ge­rin­gen Vergütung durch die Be­klag­te und sei­nem Tat­mo­tiv her­ge­stellt. Auf die­se Wei­se hat er die Be­klag­te für sein straf­ba­res Tun „mit­ver­ant­wort­lich“ ge­macht. Er hat da­mit de­ren In­te­gritätsin­ter­es­se er­heb­lich ver­letzt. Ein Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes, der in be­son­de­rem Maße an Recht und Ge­setz ge­bun­den ist und in die­ser Hin­sicht ei­ner be­son­ders kri­ti­schen Be­ob­ach­tung durch die Öffent­lich­keit un­ter­liegt, hat ein be­rech­tig­tes und ge­stei­ger­tes In­ter­es­se dar­an, in kei­ner­lei - und sei es auch ab­we­gi­gen - Zu­sam­men­hang mit Straf­ta­ten sei­ner Be­diens­te­ten in Ver­bin­dung ge­bracht zu wer­den.

3. Ei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung be­durf­te es nicht. Zu­tref­fend hat das

Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, dass der Kläger an­ge­sichts der Schwe­re sei­ner Pflicht­ver­let­zung nicht da­mit rech­nen durf­te, die Be­klag­te wer­de die­se hin­neh­men (zu die­sem Maßstab Se­nat 23. Ju­ni 2008 - 2 AZR 103/08 - Rn. 33,


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AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 17; 15. No­vem­ber 2001 - 2 AZR 605/00 - zu II 4 der Gründe, BA­GE 99, 331, 336). Die Re­vi­si­on greift die­se Wer­tung nicht an.

4. Die not­wen­di­ge In­ter­es­sen­abwägung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist

re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat al­le we­sent­li­chen, für und ge­gen die Un­zu­mut­bar­keit ei­ner dau­er­haf­ten Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers spre­chen­den As­pek­te berück­sich­tigt und ver­tret­bar ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen. Rechts­feh­ler­frei konn­te es zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen, dass auf­grund der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung auch die persönli­chen Le­bens­umstände des Klägers es nicht recht­fer­ti­gen, das Ar­beits­verhält­nis dau­er­haft fort­zu­set­zen. Ei­nen Abwägungs­feh­ler hat die Re­vi­si­on nicht auf­ge­zeigt.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO. 23

Kreft Schmitz-Scho­le­mann Ey­lert

Söller A. Cla­es

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