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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Weisungsrecht, Direktionsrecht, Abmahnung, Diskriminierung: Religion, Religionsgemeinschaft
   
Gericht: Arbeitsgericht Freiburg
Akten­zeichen: 13 Ca 331/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.01.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ur­schrift
Ar­beits­ge­richt Frei­burg -
Kam­mern Vil­lin­gen-
Schwen­nin­gen
Ak­ten­zei­chen: 13 Ca 331/09

(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 14.01.2010

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In der Rechts­sa­che

 

- Kläg. -

Proz.-Bev.:

 

ge­gen

- Bekl. -

Proz.-Bev.:

 

 

hat das Ar­beits­ge­richt Frei­burg - Kam­mern Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen - 13. Kam­mer -durch den Rich­ter ,
d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter
und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.01.2010

für Recht er­kannt:

1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin zu tra­gen.

3. Der Streit­wert wird fest­ge­setzt auf 700,00 E.

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Tat­be­stand

Die Kläge­rin be­gehrt von der Be­klag­ten, die ihr un­ter dem 05.05.2009 er­teil­te Ab­mah­nung zu wi­der­ru­fen und aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.

Die Kläge­rin wur­de mit Ver­trag vom 28.10.2008 als Aus­zu­bil­den­de zur Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­ten bei der Be­klag­ten ein­ge­stellt. Dort ist sie der­zeit ei­ne von sie­ben Aus­zu­bil­den­den.

Die Kläge­rin ist An­gehöri­ge der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft der Zeu­gen Je­ho­vas. Dies teil­te sie beim Ein­stel­lungs­gespräch auch mit.

Die Be­klag­te ist ei­ne Hoch­burg der schwäbisch-ale­man­ni­schen Fas­nacht.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­teil­te sie der Kläge­rin - über ih­re El­tern - un­ter dem 05.05.2009 ei­ne Ab­mah­nung, die aus­zugs­wei­se den fol­gen­den Wort­laut hat:

„(...)
mit un­se­rem Schrei­ben vom 03.02.2009 in­for­mier­ten wir Sie darüber, dass im Rah­men des Aus­bil­dungs­ver­tra­ges, den Sie für Ih­re Toch­ter mit der Stadt ge­schlos­sen ha­ben, u.a. fol­gen­de Aus­bil­dungs­zie­le in der prak­ti­schen Aus­bil­dung ste­hen:

1. die Ver­mitt­lung von Fer­tig­kei­ten und Kennt­nis­se der Be­rufs­bild­po­si­ti­on Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, da­bei ins­be­son­de­re die persönli­che Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ra­tio­nell und zweckmäßig zu ge­stal­ten so­wie Lern- und Ar­beits­me­tho­den auf­ga­ben­ori­en­tiert ein­zu­set­zen, Ter­mi­ne zu pla­nen und er­for­der­li­che Maßnah­men ein­zu­lei­ten so­wie
2. im Rah­men der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on das Er­brin­gen von ex­ter­nen und in­ter­nen Dienst­leis­tun­gen auf der Grund­la­ge des Qua­litäts­merk­mals der Bürger- und Kun­den­ori­en­tie­rung, das Bei­tra­gen, um Kom­mu­ni­ka­ti­onsstörun­gen zu ver­mei­den und die Be­wer­tung des Wir­kens des ei­ge­nen Han­delns auf Be­trof­fe­ne und die Öffent­lich­keit.

Die schu­li­schen Leis­tun­gen ih­rer Toch­ter im Rah­men der be­such­ten Be­rufs­schu­le ha­ben dar­auf kei­nen Ein­fluss.

Wir wie­sen in dem Schrei­ben so­wie persönli­chen Gesprächen mit Ih­rer Toch­ter S. gleich­zei­tig dar­auf hin, dass es in un­se­rer Ver­wal­tung üblich ist, im Rah­men von Azu­bi­pro­jek­ten an Stadt­mar­ke­ting­ak­ti­vitäten teil­zu­neh­men und da­durch Team­ar­beit zu üben, kom­mu­nal­po­li­ti­sche The­men

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auf­zu­ar­bei­ten und von der Fi­nan­zie­rung über die Or­ga­ni­sa­ti­on und Be­schaf­fung ei­genständig zu be­ar­bei­ten. Un­se­rer­seits wur­de so­wohl in un­se­rem o.g. Schrei­ben als auch in meh­re­ren Gesprächen mit Ih­nen als El­tern und Ih­rer Toch­ter be­tont, dass wir auf Glau­ben­s­as­pek­te durch­aus Rück­sicht neh­men, so­fern die­se geschützt sind.

Be­reits beim Azu­bi­pro­jekt vor Weih­nach­ten hat Ih­re Toch­ter aus re­li­giösen Gründen ei­ne Un­terstützung der an­de­ren Aus­zu­bil­den­den ver­wei­gert und da­mit den so­zia­len Be­triebs­frie­den stark be­las­tet. Von ei­ner Er­mah­nung ha­ben wir zu dem Zeit­punkt ab­ge­se­hen.

Am 17.02.2009 wur­de S. un­se­rer­seits ge­be­ten, bei den an­ste­hen­den Vor­be­rei­tun­gen für die Fas­net­ver­an­stal­tung zu hel­fen. Auch ist ei­nes der Azu­bi­pro­jek­te. Ih­re Toch­ter ver­wies in Ih­rem Schrei­ben an mich und teil­te mit, sie hal­te un­ein­ge­schränkt an den dort ge­mach­ten Ausführun­gen fest. Sie wer­de sich nicht an den Vor­be­rei­tun­gen für Fas­net be­tei­li­gen. Da zwei Aus­zu­bil­den­de auf­grund schu­li­scher Ver­pflich­tun­gen nicht verfügbar wa­ren, muss­ten sämt­li­che an­fal­len­den Ar­bei­ten er­neut von ei­ner Aus­zu­bil­den­den über­nom­men wer­den. Wie beim Weih­nachts­pro­jekt ging es auch in die­sem Fall we­der um ei­ne re­li­giöse Hand­lung noch dar­um, sie für ein fasnächt­li­ches Trei­ben zu ge­win­nen. Da­her se­hen wir auch dies­mal kei­nen Grund für ein Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht gemäß § 275 III BGB.

Wir mah­nen Ih­re Toch­ter des­we­gen ab. (...)"

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Ab­mahn­schrei­bens wird auf die An­la­ge K1, Ak­ten­blatt 14 f., ver­wie­sen.

Zu die­sem un­strei­tig auch fest­ste­hen­den zu­grun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt mach­te die Kläge­rin persönlich zur Vor­be­rei­tung des Ge­richts­ter­mins aus­zugs­wei­se fol­gen­de Ausführun­gen:

„(...)

Im Fol­gen­den ge­he ich auf mei­nen Ge­wis­sens­kon­flikt bezüglich der Tätig­kei­ten an Fast­nacht ein und schil­de­re, wie ein­zel­ne Fast­nachts­bräuche zu mei­nem Ge­wis­sens­kon­flikt bei­tra­gen!

Nach­dem es mir durch mein bib­lisch ge­schul­tes Ge­wis­sen unmöglich war, an den Weih­nachts­vor­be­rei­tun­gen mit­zu­wir­ken, ha­be ich ver­sucht, für Fast­nacht ein Lösung zu fin­den. Da­her ging ich zu der Be­spre­chung un­ter den Aus­zu­bil­den­den am 26. Ja­nu­ar 2009. Die­se Be­spre­chung be­inhal­te­te zunächst die Ent­schei­dung für ein Mot­to der Fast­nachts­bar. Ich hielt mich da­bei zurück! Letzt­end­lich

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kann man zu dem Mot­to: „Vam­pi­re, Geis­ter, Teu­fel und Hölle". Be­reits das Mot­to hat mich erschüttert. Als Christ glau­be ich an die Exis­tenz des Teu­fels - der Wi­der­sa­cher Got­tes, des­sen Le­bens­wei¬e wir ab­so­lut ver­ab­scheu­en. Des­halb brach­te die­ses Mot­to schon den ers­ten Ge­wis­sens­kon­flikt. Ich ma­che mich über Dar­stel­lun­gen und Wir­ken des Teu­fels nicht lus­tig, son­dern se­he im Teu­fel ein Geist­geschöpf, wel­ches Men­schen be­ein­flus­sen kann.
(...)"

Wie steht Got­tes Wort zur schwäbisch-ale­man­ni­schen Fas­nacht?

Die Bi­bel hat nichts ge­gen Freu­de und Ge­sel­lig­kei­ten.

Ist es wirk­lich nur Freu­de was Fas­nacht bringt, oder tun die Men­schen im fastnächt­li­chen Trei­ben auch Din­ge, wel­che sie Wo­chen oder so­gar Jah­re da­nach noch be­reu­en?

Nicht um­sonst be­zeich­nen die au­gus­ti­ni­schen Leh­ren die Fas­nacht als „Teu­fels­staat, die Fas­ten­zeit als „Got­tes­staat". Auch die Bi­bel zieht ei­nen kla­ren Strich zwi­schen po­si­ti­ven und ne­ga­ti­ven Ver­hal­tens­wei­sen von Men­schen. Sie un­ter­schei­det im Ga­la­ter, Ka­pi­tel 5 zwi­schen den Wer­ken des Flei­sches und Früch­ten des Geis­tes. In Ga­la­ter, Ka­pi­tel 5, Ver­se 19-21 wer­den un­ter and­rem fol­gen­de Wer­ke des Flei­sches auf­geführt: Hu­re­rei, zügel­lo­ser Wan­del, Ausübung von Spi­ri­tis­mus, Trink­ge­la­ge, Schwel­ge­rei­en usw.
Kei­ner will si­cher­lich be­strei­ten, dass bei der schwäbisch-ale­man­ni­schen Fast­nacht, Ver­hal­tens­wei­sen wie oben in Ga­la­ter 5:19-21 auf­gezählt, an der Ta­ges­ord­nung sind!

Wie kann ich mich am Fast­nachts­trei­ben be­tei­li­gen, und gleich­zei­tig die An­er­ken­nung Je­ho­vas be­hal­ten? Selbst bei der mit­tel­al­ter­li­chen au­gus­ti­ni­schen Leh­re hat sich der „Teu­fels­staat" mit dem „Got­tes­staat" nicht ver­tra­gen. Das wa­ren ab­so­lu­te Ge­gensätze. So sind die schwäbisch-ale­man­ni­schen Fas­nacht und Got­tes Wort die Bi­bel eben­falls ab­so­lu­te Ge­gensätze.

Das Recht auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit wur­de miss­ach­tet, da der An­spruch nach ei­ge­ner Glau­bensüber­zeu­gung le­ben und han­deln zu dürfen, nicht gewährt wur­de. Die Re­li­gi­ons­ausübung wur­de gestört, da man mir schon durch das Mot­to der Fast­nachts­bar glau­ben ma­chen woll­te, dass man sich über Geist­geschöpfe (Teu­fel) lus­tig ma­chen kann. Geist­geschöpfe sind stärke­re We­sen als Men­schen.
Die ge­sam­te Aus­bil­dung bei der Stadt macht mir Freu­de und ich bin ge­willt, sie auch for­zuführen. (...)"

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We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der persönli­chen Dar­stel­lung wird auf die Ak­ten­blätter 45 - 47 ver­wie­sen.

In­so­fern wei­ger­te sich die Kläge­rin, bei der Fas­nacht 2009 an fol­gen­den Auf­ga­ben teil­zu­neh­men: Be­schaf­fen von De­ko­ra­ti­ons­ma­te­ri­al, das Fin­den ei­nes Mot­tos, di­ver­se De­ko­ra­ti­ons­ar­bei­ten im und am Rat­haus­gebäude, or­ga­ni­sie­ren ei­ner fasnächt­li­chen Be­wir­tung von Beschäftig­ten und der Öffent­lich­keit. Die­se Auf­ga­ben fal­len bei der Be­klag­ten jähr­lich an, ge­nau­so wie die Auf­ga­ben in Zu­sam­men­hang mit der Vor­be­rei­tung des Weih­nachts­fes­tes.
Die­se Auf­ga­ben im Rah­men des Stadt­mar­ke­tings sind so im Aus­bil­dungs­ver­trag der Kläge­rin nicht ex­pli­zit auf­geführt. Viel­mehr wur­den sie durch die Be­klag­te im Rah­men der Ausübung ih­res Di­rek­ti­ons­rech­tes der Kläge­rin über­tra­gen. Im Rah­men des Ein­stel­lungs­gespräches wur­de die Kläge­rin durch die Haupt­amts­lei­te­rin Frau G. auf die Auf­ga­ben im Zu­sam­men­hang mit der Fas­nacht hin­ge­wie­sen. Sie er­wi­der­te dar­auf nichts. Zu­dem ist es bei der Be­klag­ten seit Jah­ren üblich, dass das Stadt­mar­ke­ting in die­sem Punk­ten in den Auf­ga­ben­be­reich der Aus­zu­bil­den­den fällt.

Die Kläge­rin trägt vor,

sie ha­be ei­nen An­spruch dar­auf, dass die ihr er­teil­te Ab­mah­nung wi­der­ru­fen und aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt wer­de. Ins­be­son­de­re sei zu berück­sich­ti­gen, dass die durch die Be­klag­ten­sei­te auf­geführ­ten Ein­zel­hei­ten zum Aus­bil­dungs­ziel ei­ner Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­ten kei­ne Be­tei­li­gung an Stadt­mar­ke­ting­pro­jek­ten auf­wie­sen. Zu­dem fänden sich in al­len dem Aus­bil­dungs­verhält­nis zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lungs­wer­ken nur rah­menmäßig um­schrie­be­ne Leis­tungs­pflich­ten, wor­aus fol­ge, dass die Be­klag­te auf­grund ih­res Wei­sungs­rech­tes nur Auf­ga­ben nach bil­li­gem Er­mes­sen zu­wei­sen könne. Im vor­lie­gen­den Fall sei die Gren­ze die Glau­bens-und Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin, wel­che die An­wen­dung des so­ge­nann­ten sub­jek­ti­ven Ge­wis­sens­be­grif­fes er­for­de­re, als Gren­ze des Di­rek­ti­ons­rech­tes ein­schlägig. Auch stell­ten Fas­nachts­vor­be­rei­tun­gen nicht bloße kom­mu­nal­po­li­ti­sche Auf­ga­ben oh­ne re­li­giösen oder heid­ni­schen Be­zug dar. Die Be­ge­hung ei­nes Brauch­tums könne durch­aus ge­gen das Ge­wis­sen des Ein­zel­nen - wie hier der Kläge­rin - ge­rich­tet sein. Auch dann, wenn es sich al­so bei ei­ner sol­chen Ver­an­stal­tung um kein ka­tho­li­sches Kir­chen­fest han­de­le, berühre der da­bei be­trie­be­ne He­xen- und Dämo­nen­kult durch­aus die re­li­giösen Gefühle der Kläge­rin und ver­let­ze sie bei

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ei­ner er­zwun­ge­nen Mit­wir­kung in ih­rer Ge­wis­sens­frei­heit. Zu­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass der sub­jek­ti­ve Ge­wis­sens­be­griff und der dar­auf be­ru­hen­de Kon­flikt eben in­di­vi­du­ell zu be­ur­tei­len sei. Wei­ter sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Kläge­rin eben bei Ver­trags­schluss erklärt ha­be, dass die An­gehöri­ge der Zeu­gen Je­ho­va sei. Ih­rer Auf­fas­sung nach gehörten die­se Tätig­kei­ten des Stadt­mar­ke­tings nicht zum Kern­be­reich ei­ner Aus­bil­dung zur Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­ten. Zu­dem müsse die Be­klag­te berück­sich­ti­gen, dass die Kläge­rin im Rah­men des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses le­dig­lich noch drei­mal mit Tätig­kei­ten im Zu­sam­men­hang mit Fas­nachts­ver­an­stal­tun­gen in Berührung kom­me und es hierfür kei­nes­wegs ent­schei­dend auf ih­re Mit­wir­kung an­kom­men könne. Da­her sei die Ab­mah­nung be­reits un­ter dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.

Vor die­sem Hin­ter­grund be­an­tragt die Kläge­rin zu­letzt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 zu wi­der­ru­fen und aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie führt aus,

die Ab­mah­nung sei zu Recht er­folgt. In al­ler­ers­ter Li­nie sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Fas­nachts­vor­be­rei­tun­gen ei­ne bloße kom­mu­nal­po­li­ti­sche Auf­ga­be oh­ne je­den re­li­giösen oder heid­ni­schen Be­zug dar­stell­ten. Ziel sei es al­lei­ne, den Aus­zu­bil­den­den in Team­ar­beit ge­mein­sam die Pro­jektrea­li­sie­rung zu ermögli­chen. Zu­dem sei bei der Kläge­rin auch nicht er­kenn­bar, dass die Ver­wei­ge­rung tatsächlich von ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung ge­tra­gen sei. Dies zei­ge sich dar­in, dass die Kläge­rin - dies ist un­strei­tig - auch in der Ver­gan­gen­heit be­reits als Wahl­hel­fe­rin mit­ge­wirkt ha­be, dies al­ler­dings ei­ne Tätig­keit sei, die den Zeu­gen Je­ho­vas un­ter­sagt sei. Auch ha­be es be­fremd­lich ge­wirkt, dass die Kläge­rin die Bit­te, als Fah­nenträge­rin für die Be­klag­te beim ba­di­schen Um­zug anläss­lich des jähr­li­chen Stadt­fes­tes auf­zu­tre­ten, zunächst des­halb ab­ge­wie­sen ha­be, weil sie ih­ren er­krank­ten Großva­ter ha­be pfle­gen müssen, später al­ler­dings nach­ge­scho­ben ha­be, dass ihr die­se Tätig­keit auf­grund ih­res Be­kennt­nis­ses zu den Zeu­gen Je­ho­vas unmöglich sei. Dies zei­ge ein letzt­lich in­kon­se­quen­tes Ver­hal­ten.

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Sch­ließlich sei im Rah­men ei­ner auf je­den Fall zu tref­fen­den Abwägung zu berück­sich­ti­gen, dass durch das Ver­hal­ten der Kläge­rin die Be­klag­te in ih­rer Un­ter­neh­mer­frei­heit gestört wor­den sei. Das In­ter­es­se der Be­klag­ten sei es, be­trieb­li­che Abläufe rei­bungs­frei zu or­ga­ni­sie­ren. Im Rah­men des Abwägungs­vor­gan­ges sei maßgeb­lich zu berück­sich­ti­gen, ob die nun­mehr ein­ge­tre­te­ne Si­tua­ti­on für die Kläge­rin auch vor­her­seh­bar ge­we­sen sei. Darüber hin­aus sei es der Be­klag­ten auch nicht möglich ge­we­sen, die Tätig­kei­ten an an­de­re Aus­zu­bil­den­de zu über­tra­gen. Die Stadt­mar­ke­ting­ak­ti­vitäten würden den Aus­zu­bil­den­den stets ge­mein­schaft­lich über­tra­gen. Ei­ne Aus­wahl sei nicht möglich. Zu­dem sei­en bis auf die Kläge­rin und ei­ne wei­te­re Aus­zu­bil­den­de al­le an­de­ren im Block­un­ter­richt und auf ei­nem Lehr­gang ge­we­sen. Da­her hätten die Auf­ga­ben letzt­end­lich - auch dies ist un­strei­tig - von der ei­nen ver­blie­ben­den Aus­zu­bil­den­den er­le­digt wer­den müssen. Hier­durch sei der Team­geist stark be­ein­träch­tigt wor­den.
Zu gu­ter Letzt be­ste­he auch ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, da im Rah­men der Aus­bil­dung noch wei­te­re Fas­nachts­fes­te anstünden.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­tra­ges wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der Güte- als auch der Kam­mer­ver­hand­lung ver­wie­sen.

Die Kam­mer hat oh­ne Be­weis­er­he­bung ent­schie­den.

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Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet.

1. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te gern. den §§ 1004, 823 BGB ana­log bzw. gern. §§ 611, 242 BGB.

1. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat der Ar­beit­ge­ber im Rah­men
sei­ner all­ge­mei­nen Fürsor­ge­pflicht auf das Wohl und die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers Be­dacht zu neh­men. Er muss da­her un­ter Umständen be­son­de­re Maß-nah­men tref­fen, die die Ent­ste­hung ei­nes Scha­dens und da­mit ei­ne Be­ein­träch­ti­gung des Fort­kom­mens ei­nes Ar­beit­neh­mers ver­hin­dern können (BA­GE 09.02.1977 - 5 AZR 2/76). Der Um­fang die­ser Fürsor­ge­pflicht ist im Ein­zel­fall auf­grund ei­ner ein­ge­hen­den Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen zu be­stim­men (BA­GE 17.03.1970 - 5 AZR 263/69). Der Ar­beit­ge­ber muss im Rah­men sei­ner Fürsor­ge­pflicht dafür Sor­ge tra­gen, dass die Per­so­nal­ak­ten ein rich­ti­ges Bild des Ar­beit­neh­mers in dienst­li­chen und persönli­chen Be­zie­hun­gen ver­mit­teln (BA­GE 7, 273). Die Fürsor­ge­pflicht ist so­mit Aus­fluss des in § 242 nie­der­ge­leg­ten Ge­dan­kens von Treu und Glau­ben, der den In­halt al­ler Schuld­verhält­nis­se be­stimmt.
Hier­aus folgt, dass der Ar­beit­neh­mer die Ent­fer­nung ei­ner miss­bil­li­gen­den Äußerung des Ar­beit­ge­bers ver­lan­gen kann, wenn die­se nach Form oder In­halt ge­eig­net ist, ihn in sei­ner Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen. Denn sol­che for­mel­len Rügen können, wenn sie un­be­rech­tigt sind, Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers sein und da­durch sein be­ruf­li­ches Fort­kom­men be­hin­dern oder an­de­re ar­beits­recht­li­che Nach­tei­le mit sich brin­gen.

Grundsätz­lich wird der An­spruch der Kläge­rin auf Ent­fer­nung nicht da­durch aus­ge­schlos­sen, dass sie be­rech­tigt ist, ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung zu den Per­so­nal­ak­ten zu rei­chen. Das Recht, die Ent­fer­nung un­rich­ti­ger An­ga­ben aus der Per­so­nal­ak­te zu ver­lan­gen, be­steht ne­ben die­sem Ge­gen­dar­stel­lungs­recht (BA­GE 7, 267; BA­GE 24, 247).

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2. Vor­lie­gend liegt ei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Ar­beits­ver­wei­ge­rung durch die Kläge­rin vor, ei­ne Ab­mah­nung konn­te zu Recht er­fol­gen
Wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne Haupt­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt, ist die Ar­beits­ver­wei­ge­rung grundsätz­lich ein taug­li­cher Grund für ei­ne Ab­mah­nung. Ent­schei­dend ist da­her stets, ob der Ar­beit­neh­mer je­weils tatsächlich sei­ne Ar­beits­pflicht (schuld­haft) ver­letzt hat.
Ge­ra­de dies ist bei der Kläge­rin der Fall. Dies be­gründet sich wie folgt:

Zunächst hat die Be­klag­te das ihr zu­ste­hen­de Di­rek­ti­ons­recht in nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se aus­geübt.

a) Dem Ar­beit­ge­ber steht ein Di­rek­ti­ons­recht gemäß § 106 Satz 1 Ge­wO dann zu, wenn der In­halt des Ar­beits- bzw. Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses nicht be­reits durch den Ar­beits­ver­trag hin­rei­chend kon­kre­ti­siert ist. Man­gels nähe­rer Kon­kre­ti­sie­rung im Aus­bil­dungs­ver­trag ist hier da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Kon­kre­ti­sie­rung nicht ge­ge­ben ist, so dass das Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­ten ein­schlägig ist.
Al­ler­dings sieht § 106 Satz 1 Ge­wO ein Di­rek­ti­ons­recht nur in den Gren­zen des bil­li­gen Er­mes­sens vor. Die­se Gren­zen sind durch die Grund­rech­te ge­zo­gen, die durch Art. 4 Abs. 1 GG geschütz­te Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin ent­fal­tet sog. Dritt­wir­kung.
Im Rah­men der nun­mehr vor­zu­neh­men­den Prüfung, ob die Be­klag­te bei ih­rer Wei­sung die­se Gren­zen be­ach­tet hat, ist fest­zu­stel­len, dass dies vor­lie­gend der Fall ist. Der für die Kläge­rin ent­ste­hen­de Ge­wis­sens­kon­flikt ist von die­ser hin­zu­neh­men.
Maßge­bend ist vor­lie­gend der so­ge­nann­te „sub­jek­ti­ve Ge­wis­sens­be­griff', den das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­ner ständi­gen Recht­spre­chung ver­tritt (vgl. statt vie­ler BAG vom 24.05.1989 - 2 AZR 285/88). Da­nach ist die Ge­wis­sens­ent­schei­dung ei­nes Ar­beit­neh­mers nicht auf ih­re Vernünf­tig­keit hin zu un­ter­su­chen, es reicht viel­mehr aus, wenn der Ar­beit­neh­mer dar­le­gen kann, dass sei­ne Ent­schei­dung tief in­ner­lich be­gründet, für ihn ab­so­lut ver­bind­lich ist und Aus­fluss sei­ner Selbst­be­stim­mung ist.
Die Kläge­rin hat ih­re Wei­ge­rungs­gründe mit ih­rer Zu­gehörig­keit zu der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft der Zeu­gen Je­ho­vas be­gründet. Ins­be­son­de­re hat sie sich in ih­rer persönli­chen Stel­lung­nah­me (Ak­ten­blatt 45 - 47) kon­kret auf die his­to­ri­schen

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Wur­zeln der Fas­nacht be­zo­gen und be­gründet so­dann un­ter Zi­tie­rung von Bi­bel-stel­len, wes­halb sie sich nicht da­zu in der La­ge sieht, die ihr über­tra­ge­nen Auf­ga­ben aus­zuführen. Dass die­se Ausführun­gen der Kläge­rin nicht bloße Schutz­be­haup­tun­gen sind, zeigt sich dar­in, dass sie trotz der für sie ge­ge­be­nen Ge­fahr wei­te­rer Ab­mah­nun­gen und so­gar des Ver­lus­tes des Aus­bil­dungs­plat­zes bis zu­letzt nicht be­reit war, ein­zu­len­ken und sich be­reit zu erklären, in Zu­kunft ent­spre­chen­de Auf­ga­ben zu er­le­di­gen, dies ins­be­son­de­re trotz des im Kam­mer­ter­min durch die Be­klag­ten­sei­te ge­mach­ten großzügi­gen Ver­gleichs­an­ge­bo­tes (vgl. da­zu Abl. 41). Die­se in­ne­re Über­zeu­gung, die die Kläge­rin auch fest nach außen ver­tritt, hat sich dem Vor­sit­zen­den im Güte­ter­min und der Kam­mer in der Kam­mer­ver­hand­lung ein­deu­tig und im Punkt Fas­nacht auch voll­kom­men kon­se­quent präsen­tiert. Es war er­sicht­lich, dass die Ausführun­gen der Kläge­rin für sie ab­so­lut ver­bind­lich sind und für sie persönlich kein Ab­wei­chen recht­fer­ti­gen. Von da­her wur­de in die Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin durch die Wei­sung, bei der Vor­be­rei­tung der Fas­nachts­ver­an­stal­tung mit­zu­wir­ken, ein­ge­grif­fen. Hier­bei war es dann letzt­lich auch nicht ent­schei­dend, wel­chem Be­reich ge­nau die Fas­nacht zu­zu­ord­nen ist (re­li­giös oder nicht re­li­giös). Ent­schei­dend ist, dass eben die von re­li­giösen An­sich­ten grundsätz­lich un­abhängig zu be­ur­tei­len­de Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin tan­giert wur­de. Grund hierfür ist, dass im Rah­men des sub­jek­ti­ven Ge­wis­sens­be­grif­fes in­di­vi­du­ell zu be­ur­tei­len ist, in­wie­fern und ob das Ge­wis­sen des Ein­zel­nen berührt ist. Die­se Tan­gie­rung ist auch bei der Be­ge­hung ei­nes bloßen Brauch­tums, und dies so­gar bei Auf­ga­ben, die nur ei­nen Rand­be­reich be­tref­fen, möglich.
In­so­fern fin­det das Di­rek­ti­ons­recht auf ers­ter Stu­fe sei­ne Gren­ze an der Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin.

b) Der Ein­griff in die Ge­wis­sens­frei­heit der Kläge­rin ist vor­lie­gend al­ler­dings von die­ser hin­zu­neh­men. Es hat grundsätz­lich auf zwei­ter Stu­fe ei­ne In­ter­es­sen­abwägung der be­ein­träch­tig­ten In­ter­es­sen der Be­klag­ten­sei­te als auch der Kläger­sei­te zu er­fol­gen (BAG vom 24.05.1989 - 2 AZR 285/88).
Ei­ne ob­jek­ti­ve Ein­schränkung der Ge­wis­sens­ent­schei­dung ist da­bei prak­tisch nicht not­wen­dig, um zu ei­nem in­ter­es­sen­ge­rech­ten Aus­gleich zwi­schen Ge­wis­sens­frei­heit ei­ner­seits und Ver­trags­treue an­de­rer­seits zu ge­lan­gen. Das bil­li­ge Er­mes­sen im Sin­ne von § 106 Ge­wO ist un­ter Abwägung der In­ter­es­sen­la­ge bei­der Ver­trags­par­tei­en fest­zu­stel­len, wo­bei es letzt­lich ei­ne Fra­ge des Ein­zel­fal­les ist, ob die Zu­wei­sung ei­ner Tätig­keit, die den Ar­beit­neh­mer in Ge­wis­sens­kon­flikt bringt, nicht

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der Bil­lig­keit des § 106 Ge­wO ent­spricht und der Ar­beit­neh­mer da­her nicht ver­pflich­tet ist, die­se Tätig­keit aus­zuüben. Da­mit wird nicht die sub­jek­ti­ve, auf ob­jek­tiv vor­lie­gen­de und in­so­weit vom Ge­richt über­prüfba­re Tat­sa­chen gestütz­te Ge­wis­sens­ent­schei­dung ei­ner rich­ter­li­chen Kon­trol­le un­ter­zo­gen. Es wird viel­mehr im Rah­men ei­ner In­ter­es­sen­abwägung nur ge­prüft, ob der Ar­beit­neh­mer trotz ei­nes in sei­ner Per­son lie­gen­den Hin­de­rungs­grun­des die Ar­beit über­haupt wei­ter zu ver­rich­ten oder we­gen ganz be­son­de­rer Umstände kurz­fris­tig zu er­brin­gen hat.
Auf der Sei­ten der Kläge­rin steht wie un­ter a) fest­ge­stellt, die tan­gier­te Ge­wis­sens­frei­heit. Die Be­klag­te wie­der­um hat In­ter­es­se dar­an, dass ih­re be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on rei­bungs­frei abläuft.
Maßge­ben­des Kri­te­ri­um zu­guns­ten der Be­klag­ten und für ei­ne Hin­nehm­bar­keit der Be­ein­träch­ti­gung der Ge­wis­sens­frei­heit - al­so des Ge­wis­sens­kon­flik­tes - der Kläge­rin ist nach zu­tref­fen­der An­sicht die Vor­her­seh­bar­keit für die Kläge­rin (vgl. hier­zu BAG vom 24.05.1989 - 2 AZR 285/88, DB 1990, Sei­te 212). Zu­letzt in der münd­li­chen Ver­hand­lung konn­te klar­ge­stellt wer­den, dass die Kläge­rin im Ein­stel­lungs­gespräch dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass sie im Rah­men des Stadt­mar­ke­tings auch Auf­ga­ben der Fas­nachts­vor­be­rei­tung zu­sam­men mit den an­de­ren Aus­zu­bil­den­den zu erfüllen hat. Hier­auf hat die Kläge­rin kei­ner­lei Ein­wen­dun­gen er­ho­ben, ob­wohl sie zu­letzt eben­falls in der Kam­mer­ver­hand­lung klar­ge­stellt hat, dass es ihr aus Ge­wis­sens­gründen nicht möglich ist, ir­gend­wel­che Hand­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit der Fas­nacht - egal wie un­mit­tel­bar der Brauch­tum be­trof­fen ist - aus­zuführen. Dies al­ler­dings hätte der Kläge­rin ob­le­gen. Bei dem von ihr ge­schil­der­ten Ge­wis­sens­kon­flikt in Be­zug auf Tätig­kei­ten, die auch nur im Ent­fern­tes­ten mit Fas­nacht zu tun ha­ben, wäre es ih­re Ver­pflich­tung ge­we­sen, die Be­klag­te hier­auf hin­zu­wei­sen. Da­her kann we­gen der Vor­her­seh­bar­keit und des feh­len­den Hin­wei­ses an die Be­klag­te der Kläge­rin mehr ab­ver­langt wer­den, als wenn die Auf­ga­be für sie völlig über­ra­schend ge­we­sen wäre. Ins­be­son­de­re ist zu­guns­ten der Be­klag­ten auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te mit wei­te­ren ver­gleich­ba­ren Kon­fliktfällen zu rech­nen hat, ins­be­son­de­re be­reits in we­ni­gen Wo­chen, wenn die Fas­nachts­sai­son 2010 an­steht. Dass es dies­bezüglich - auch dies wur­de in der strei­ti­gen Ver­hand­lung vor der Kam­mer dar­ge­stellt - noch kei­ne kon­kre­te Pla­nung sei­tens der Stadt gibt, steht die­ser Be­ur­tei­lung nicht ent­ge­gen. Al­lein ent­schei­dend ist, dass in ei­ner Fas­nachts­hoch­burg wie F. grundsätz­lich ge­wis­se im Zu­sam­men­hang mit Fas­nacht ste­hen­de Ar­bei­ten an­fal­len und

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dass selbst die abs­trak­te Ge­fahr ei­ner wei­te­ren Ar­beits­ver­wei­ge­rung mit dem Nach­sich­zie­hen ei­nes iden­ti­schen Kon­flik­tes wie im Jah­re 2009 zu befürch­ten steht. Zu­dem ist wei­ter zu Las­ten der Kläge­rin zu berück­sich­ti­gen, dass ih­re Ge­wis­sens­frei­heit zwar in der Tat - aus ih­rer Sicht auch nach­voll­zieh­bar und nach­drück­lich - im Rah­men von Fas­nachts(rand)ar­bei­ten er­heb­lich tan­giert ist, al­ler­dings eben­falls, dass der­ar­ti­ge Auf­ga­ben auf sie nicht das gan­ze Jahr über zu­kom­men. Wei­ter ha­ben die­se Auf­ga­ben kei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zug zur Fas­nacht, ins­be­son­de­re ist nicht ein­mal ei­ne ir­gend­wie ge­ar­te­te Teil­nah­me der Kläge­rin an Ver­an­stal­tun­gen er­for­der­lich, so­dass ein un­mit­tel­ba­rer Kon­takt nicht ge­ge­ben ist. In­so­fern kann im Be­zug auf der­ar­ti­ge Ar­bei­ten ge­ra­de we­gen des feh­len­den Hin-wei­ses der Kläge­rin beim Ein­stel­lungs­gespräch von der Kläge­rin trotz Tan­gie­rung der Ge­wis­sens­frei­heit ei­ne ge­wis­se Mit­ar­beit ab­ver­langt wer­den.
Vor die­sem Ge­samt­hin­ter­grund ent­sprach die An­wei­sung der Be­klag­ten­sei­te noch den An­for­de­run­gen, die an das bil­li­ge Er­mes­sen im Sin­ne des § 106 Ge­wO zu stel­len sind, ins­be­son­de­re da die Kläge­rin eben schon bei Ver­trags­schluss mit sol­chen Auf­ga­ben kon­kret zu rech­nen hat­te (vgl. zu die­sem Pro­blem­kreis noch­mals u.a. Krüger in RdA 1954, Sei­te 365; Se­he­schon­ka, Ar­beits- und Leis­tungs­ver­wei­ge­rung aus Glau­bens- und Ge­wis­sen­not, Dis­ser­ta­ti­on, Ham­burg 1972, Sei­te 119). Nicht zu ver­ges­sen ist bei der Ge­samt­abwägung un­d­dem zu fin­den­den in­ter­es­sen­ge­rech­ten Aus­gleich, dass es für die Be­klag­te we­gen der Ab­we­sen­heit an­de­rer Aus­zu­bil­den­der we­gen der Teil­nah­me am Block­un­ter­richt nur schwer möglich ist, die Auf­ga­ben der Kläge­rin an­der­wei­tig ver­rich­ten zu las­sen. Auch wäre bei kom­plet­ter Aus­klam­me­rung der Kläge­rin der ei­gent­li­che Zweck der Stadt­mar­ke­ting­auf­ga­be, nämlich das Er­rei­chen der Team­ar­beit, nicht mehr gewähr­leis­tet.
Zu­sam­men­fas­send hat die Be­klag­te al­so ihr Di­rek­ti­ons­recht kor­rekt aus­geübt.

c) Das Ab­mah­nungs­schrei­ben genügt auch den Grundsätzen der Verhält­nismäßig­keit.
Nach zu­tref­fen­der Auf­fas­sung wird zu­neh­mend die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit und ein „ver­tret­ba­res Verhält­nis" zwi­schen Ab­mah­nung und Fehl­ver­hal­ten ver­langt (BAG 13.11.1991 EzA § 611 BGB Ab­mah­nung Nr. 24; Bur­ger DB 1992, 837; Wil­helm NZA-RR 2002, 451). Dies ist dar­in be­gründet, dass der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit nicht nur das Er­for­der­nis ei­ner Ab­mah­nung

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be­gründet, son­dern zu­gleich auch das Ab­mah­nungs­recht des Ar­beit­ge­bers be­grenzt. Mit dem Hin­weis auf die Be­stands­gefähr­dung des Ar­beits­verhält­nis­ses greift der Ar­beit­ge­ber be­reits in be­ste­hen­de Rechts­po­si­tio­nen des Ar­beit­neh­mers ein und ei­ne sol­che Gefähr­dung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist nur ge­recht­fer­tigt, wenn ein wei­te­res Fehl­ver­hal­ten nach Aus­spruch ei­ner Ab­mah­nung als Grund für ei­ne Kündi­gung ge­eig­net sein könn­te, wofür ganz ge­ringfügi­ge Verstöße nicht in je­dem Fall aus­rei­chen (BAG 31.03.1994 EzA § 611 BGB Ab­mah­nung Nr. 33). Dem­zu­fol­ge ist dann, wenn ei­ne Ab­mah­nung ei­ne Kündi­gung vor­be­rei­ten soll, die­se auf Pflicht­verstöße zu be­schränken, die nach ei­ner Ab­mah­nung ge­eig­net sein könn­ten, ei­ne Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen (LAG Hamm, 17.04.1985, DB 1985, 2691 f.; LAG Bre­men 28.06.1989 DB 1990 742).
Nach die­sen Grundsätzen genügt die in dem vor­lie­gen­den Schrei­ben aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung auch dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit, da glei­che Pflicht­verstöße im Fal­le ei­ner Wie­der­ho­lung ei­ne Kündi­gung recht­fer­ti­gen können. Es ent­spricht dem an­er­ken­nens­wer­ten In­ter­es­se der Be­klag­ten, dass al­le Aus­zu­bil­den­den an ei­nem Strang zie­hen und vor­ge­ge­be­ne Team­auf­ga­ben dann auch so­weit wie möglich zu­sam­men er­le­di­gen, oh­ne dass ein­zel­ne Aus­zu­bil­den­de mehr Auf­ga­ben er­le­di­gen müssen als an­de­re. Zu­dem muss sich die Be­klag­te dar­auf ver­las­sen können, dass für den Aus­zu­bil­den­den vor­her­seh­ba­re Auf­ga­ben dann auch er­le­digt wer­den, ins­be­son­de­re wenn wie hier Auf­ga­ben ge­ge­ben sind, die nur ei­nen Rand­be­reich der Fas­nacht be­tref­fen und die Be­klag­te nicht schon beim Ein­stel­lungs­gespräch über den mögli­chen Ge­wis­sens­kon­flikt un­ter­rich­tet wur­de und da­her ih­re Pla­nun­gen un­ter Ein­be­zie­hung der Kläge­rin mach­te. Zwar weiß die Be­klag­te nun über den Ge­wis­sens­kon­flikt der Kläge­rin Be­scheid. Al­ler­dings wäre es für die Be­klag­te als Fas­nachts­hoch­burg im Er­geb­nis künf­tig sehr schwer, der Kläge­rin zu­min­dest in be­stimm­ten Zei­ten des Jah­res pro­blem­los Auf­ga­ben zu­zu­wei­sen, da vie­le Ver­wal­tungs­auf­ga­ben in engs­tem Zu­sam­men­hang mit der Fas­nacht ste­hen, so z.B. straßen­recht­li­che Ge­neh­mi­gun­gen, Schan­k­erlau­bis­se usw. und nicht im­mer auf den ers­ten Blick er­sicht­lich ist, ob die Kläge­rin die­se Auf­ga­be auch er­le­di­gen kann.

Nach al­le­dem war die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.

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II. Die Ne­ben­ent­schei­dun­gen be­gründen sich wie folgt:

1. Die Kläge­rin hat als un­ter­le­ge­ne Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, vgl. § 91 ZPO.

2. Der fest­zu­set­zen­de Streit­wert hat­te sich an § 3 ZPO zu ori­en­tie­ren, dies we­gen der Be­deu­tung der Ent­fer­nung der Ab­mah­nung für das wei­te­re be­ruf­li­che Fort­kom­men der Kläge­rin, ins­be­son­de­re im Aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Be­klag­ten.

Die nach­ste­hen­den Hin­wei­se be­leh­ren über statt­haf­te Rechts­mit­tel. Der Be­klag­ten steht ein sol­ches nicht zur Sei­te. Die Kläge­rin kann Be­ru­fung ein­le­gen.

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. Be­ru­fung ein­le­gen.

Wird das Ur­teil nicht in dem Um­fang an­ge­foch­ten, in dem d. Kläg. un­ter­le­gen ist, hängt die Zulässig­keit der Be­ru­fung da­von ab, dass der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600,00 EUR über­steigt.

Die Ein­le­gung der Be­ru­fung hat bin­nen ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim zu er­fol­gen. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de, ent­hal­ten. Die Be­ru­fung ist, so­fern nicht be­reits in der Be­ru­fungs­schrift er­folgt, bin­nen zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu be­gründen.

Der Be­ru­fungskläger muss sich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt durch ei­nen bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen, ins­be­son­de­re müssen Be­ru­fungs- und ei­ne even­tu­el­le Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift von ei­nem sol­chen un­ter­zeich­net sein.
An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten, so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den. Die Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts bit­tet, Schriftsätze in fünf­fa­cher Fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

2. Für d. Bekl. ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

D.Vor­sit­zen­de:

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