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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: AGB, Aufwendungsersatz, Allgemeine Geschäftsbedingungen
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 15 Sa 452/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 10.07.2008
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Minden, Urteil vom 20.02.2008, 2 Ca 1566/07
   

15 Sa 452/08

2 Ca 1566/07 Ar­beits­ge­richt Min­den 3 AZR 777/08

 

Verkündet am 10.07.2008

Jes­ke Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 15. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 10.07.2008
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Wend­ling
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sep­pelf­ri­cke und Pe­ter­sen

für Recht er­kannt:

 

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Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Min­den vom 20.02.2008 - 2 Ca 1566/07 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

TAT­BESTAND :

Die Par­tei­en strei­ten um die Zah­lung ei­ner im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­ten so­ge­nann­ten Ablösungs­entschädi­gung.

Der Kläger be­treibt un­ter der Be­zeich­nung "F1-H2-Z1 W3" ei­ne vom Lan­des­ju­gend­amt gemäß § 45 KJHG ge­neh­mig­te Ein­rich­tung, die Kin­der in ver­schie­de­nen Wohn­grup­pen be­treut. Zu dem Zweck un­terhält der Kläger ei­ne ent­spre­chen­de Ver­wal­tung in B2. Zu­dem beschäftigt der Kläger Mit­ar­bei­te­rin­nen, die vor Ort in ih­ren ei­ge­nen Woh­nun­gen Wohn­grup­pen un­ter­hal­ten, in de­nen die be­trof­fe­nen Kin­der rund um die Uhr un­ter­ge­bracht und ver­sorgt wer­den. Dies er­folgt – ent­spre­chend den lan­des­ju­gend­amt­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen – un­ter der Dienst- und Fach­auf­sicht des Klägers und sei­ner Ein­rich­tung. Der Be­trieb der Wohn­grup­pen er­folgt in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit den je­wei­li­gen Ju­gendämtern, die auch Kos­tenträger sind. Die sach­li­che Aus­stat­tung der Wohn­grup­pen (Mo­bi­li­ar, Ver­pfle­gung, Klei­dung, Miet­an­teil pp.) er­folgt durch den Kläger mit den erwähn­ten Mit­teln. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen er­hal­ten für ih­re Tätig­keit ein Ge­halt. Außer­dem zahlt der Kläger für die dienst­li­che Nut­zung der Räume der Mit­ar­bei­te­rin­nen ei­nen pau­scha­len Wohn­kos­ten­zu­schuss.

Die Be­klag­te schloss mit dem Kläger un­ter dem Da­tum des 16.03.2007 ei­nen An­stel­lungs­ver­trag. Da­nach wur­de die Be­klag­te ab dem 16.03.2007 als Lei­te­rin ei­ner so­ge­nann­ten fa­mi­li­en­ana­lo­gen Wohn­grup­pe ein­ge­stellt. Die Be­klag­te stell­te hierfür drei Be­treu­ungs­plätze und die zur Be­treu­ung not­wen­di­gen Räume zur Verfügung. Hierfür er­hielt sie vom Kläger ei­nen Wohn­kos­ten­zu­schuss so­wie ei­ne Vergütung von mo­nat­lich 2.667,89 € brut­to.

§ 4 des ge­nann­ten An­stel­lungs­ver­tra­ges hat fol­gen­den Wort­laut:

 

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㤠4
Ablösungs­entschädi­gung

Im Fal­le ei­ner Ablösung der Fa­mi­li­en­ana­lo­gen Wohn­grup­pe vom F2 W3 ( z.B. durch An­schluss an ei­nen an­de­ren Ju­gend­hil­feträger oder Ver­selbständi­gung) ist von Frau K1 ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 3.000 € je Platz ( sie­he § 1 Abs. 2) an das F2 W3 zu zah­len."

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 wird auf Blatt 4 ff. der Ak­ten Be­zug ge­nom­men.

Mit Schrei­ben ih­rer Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 25.05.2007 erklärte die Be­klag­te die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30.06.2007. Mit Schrei­ben vom 23.07.2007 mach­te der Kläger der Be­klag­ten ge­genüber die Zah­lung ei­ner Ablösungs­entschädi­gung gemäß § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 26.03.2007 in Höhe von 9.000,00 € gel­tend.

Der Kläger hat zur Be­gründung sei­ner Kla­ge vor­ge­tra­gen, die Be­klag­te sei zur Zah­lung der ver­ein­bar­ten Ablösungs­entschädi­gung ver­pflich­tet. § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te ei­nen an­ti­zi­pier­ten Ver­trag zwi­schen den Par­tei­en über den An­kauf der Be­treu­ungs­plätze. Die­se Ver­ein­ba­rung sei wirk­sam. Es sei nicht un­zulässig, ei­ne von der Ar­beit­neh­me­rin ge­nutz­te Be­triebs­aus­stat­tung an die­se zu ver­kau­fen. Die Be­klag­te ha­be nur ver­trags­gemäß beschäftigt wer­den können, nach­dem in ih­rem Hau­se ei­ne Wohn­grup­pe mit drei Plätzen ein­ge­rich­tet und aus­ge­stat­tet wor­den sei. Da­mit sei­en er­heb­li­che Auf­wen­dun­gen ver­bun­den ge­we­sen. Die Ein­rich­tung und Un­ter­hal­tung von Wohn­grup­pen er­for­de­re zunächst ei­ne ent­spre­chen­de Ge­neh­mi­gung gemäß § 45 KJHG. Die­se sei ihm, dem Kläger, an­trags­gemäß er­teilt wor­den, nach­dem er die dafür er­for­der­li­chen persönli­chen und ver­wal­tungsmäßigen Vor­aus­set­zun­gen ha­be nach­wei­sen können. Die Kläge­rin ha­be zwar zum Be­trieb der Wohn­grup­pe ei­ge­ne Räum­lich­kei­ten zur Verfügung ge­stellt. Der Miet­zins und die Be­triebs­kos­ten hierfür würden je­doch von ihm, dem Kläger, ge­tra­gen. Ver­gleich­ba­res gel­te für die Aus­stat­tung der Wohn­grup­pe mit Möbeln und Be­triebs­mit­teln. Auch die Kin­der sei­en auf sei­ne Kos­ten ein­ge­klei­det, ver­pflegt und mit Spiel­zeug und Lern­mit­teln aus­ge­stat­tet wor­den. Die in den Wohn­grup­pen zu be­treu­en­den Kin­der ha­be er, der Kläger, den Mit­ar­bei­te­rin­nen zu­ge­wie­sen. Für die rei­ne Be­treu­ungstätig­keit er­hiel­ten die Mit­ar­bei­te­rin­nen die aus dem Ar­beits­ver­trag er­sicht­li­che Vergütung. Um ei­nen Be­treu­ungs­platz ein­zu­rich­ten, bedürfe es er­heb­li­cher In­ves­ti­tio­nen, die den Be­trag von 3.000,00 € über­stie­gen. Je­der in die­sem Sin­ne ein­ge­rich­te­te und be­trie­be­ne Be­treu­ungs­platz stel­le in der Bran­che ei­nen er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Wert dar, der den Be­trag von 3.000,00 € über­schrei­te. Wech­se­le

 

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ei­ne Mit­ar­bei­te­rin samt Be­treu­ungs­platz zu ei­nem an­de­ren Ju­gend­hil­feträger, so würden von die­sen re­gelmäßig ent­spre­chen­de Zah­lun­gen ge­leis­tet. Er, der Kläger, ge­he da­von aus und be­haup­te, dass dies auch im Fal­le der Be­klag­ten so ge­we­sen sei. Ei­nen ver­gleich­ba­ren Vermögens­vor­teil er­zie­le die Be­klag­te, wenn sie sich in dem Me­tier auf der Grund­la­ge der Be­treu­ungs­plätze selbständig ma­che. Der Be­klag­ten sei so­mit auf sei­ne, des Klägers, Kos­ten rechts­grund­los ein ent­spre­chen­der Vermögens­vor­teil zu­ge­flos­sen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten be­inhal­te § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 16.03.2007 we­der ei­nen pau­scha­lier­ten Scha­den­er­satz­an­spruch gemäß § 309 Ziff. 5 BGB noch ei­nen Ver­trags­stra­fen­an­spruch gemäß § 309 Ziff. 6 BGB. Es ge­he nicht dar­um, dass ihm, dem Kläger, ein ent­spre­chen­der Scha­den ent­stan­den sei, son­dern dar­um, dass der Be­klag­ten auf sei­ne Kos­ten rechts­grund­los ein ent­spre­chen­der Vermögens­vor­teil zu­ge­flos­sen sei. Es ge­he auch nicht um ei­ne durch ei­ne Ver­trags­stra­fe zu ahn­den­de schuld­haf­te Ver­trags­ver­let­zung der Be­klag­ten. Das Recht der Be­klag­ten, den Ar­beits­ver­trag or­dent­lich zu kündi­gen, sei un­be­strit­ten und könne schon des­halb nicht zu ei­ner Scha­den­er­satz­pflicht der Be­klag­ten führen. § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges ha­be der Be­klag­ten kei­nes­wegs die Möglich­keit ge­nom­men, sich sank­ti­ons­los aus dem Ar­beits­verhält­nis zu lösen. Die Zah­lungs­pflicht gemäß § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges knüpfe nicht an das Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis an, son­dern an die Ent­schei­dung der Be­klag­ten, die von ihm, dem Kläger, in­iti­ier­te, fi­nan­zier­te und ver­wal­te­te Wohn­grup­pe an­der­wei­tig, nämlich durch An­schluss an ei­nen an­de­ren Ju­gend­hil­feträger oder Ver­selbständi­gung selbst wirt­schaft­lich zu nut­zen. Er, der Kläger, ha­be in er­heb­li­chem Maße in die zu gründen­den Wohn­grup­pen in­ves­tie­ren müssen. Da­bei sei es um die sach­li­che Aus­stat­tung mit Mo­bi­li­ar, Ver­pfle­gung, Klei­dung, Miet­an­teil usw. so­wie die Ver­wal­tungs­auf­wen­dun­gen bei dem Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren gemäß § 45 KJHG und den Auf­wand im Zu­sam­men­hang mit der Dienst- und Fach­auf­sicht ge­gan­gen. Hin­zu sei die not­wen­di­ge Ak­qui­si­ti­on und das Know­how ge­kom­men, um die Wohn­grup­pen mit ent­spre­chen­den Ju­gend­li­chen be­le­gen zu können. Ei­ne in die­sem Sin­ne ein­ge­rich­te­te, aus­ge­stat­te­te und ver­wal­te­te Wohn­grup­pe stel­le ei­nen er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Wert dar. Für je­den Kon­kur­ren­ten sei ei­ne Mit­ar­bei­te­rin, die Wohn­grup­pen mit­brin­ge, von großem wirt­schaft­li­chem In­ter­es­se. In ei­nem sol­chen Fall würden re­gelmäßig Ab­stands­zah­lun­gen an die Ar­beit­neh­me­rin ge­leis­tet, um die­se zu ei­nem Wech­sel zu be­we­gen. Er, der Kläger, be­haup­te, dass auch die Be­klag­te von ih­rem jet­zi­gen Ar­beit­ge­ber wirt­schaft­li­che Zu­wen­dun­gen aus An­lass der Über­tra­gung der Wohn­grup­pen er­hal­ten ha­be. Zu­min­dest wer­de der neue Ar­beit­ge­ber der Be­klag­ten ei­ne Frei­stel­lung von den streit­ge­genständ­li­chen Ansprüchen zu­ge­sagt ha­ben, falls es zu ei­ner dies­bezügli­chen Ver­ur­tei­lung kom­me.

 

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Die be­ruf­li­che Be­weg­lich­keit der Be­klag­ten sei durch den Ar­beits­ver­trag in kei­ner Wei­se be­ein­träch­tigt wor­den. Der Be­klag­ten sei es möglich ge­we­sen, oh­ne die Wohn­grup­pen je­der­zeit und oh­ne Zah­lungs­ver­pflich­tung den Ar­beits­platz zu wech­seln. Es sei nur dar­um ge­gan­gen, dass die Be­klag­te für die von ihr frei­wil­lig ent­schie­de­ne Mit­nah­me der Wohn­grup­pen ei­ne von vorn­her­ein ver­ein­bar­te Vergütung ha­be zah­len sol­len. Die Be­klag­te ha­be es von An­fang an dar­auf an­ge­legt, sich auf sei­ne, des Klägers, Kos­ten in un­red­li­cher Wei­se zu be­rei­chern. Er ha­be von den Kos­tenträgern für die drei bei der Be­klag­ten ein­ge­rich­te­ten Plätze mo­nat­lich 10.675,59 € be­zo­gen. Nach Ab­zug der da­von zu be­strei­ten­den lau­fen­den Kos­ten sei zu sei­nen Guns­ten ein Ge­winn ver­blie­ben. Durch das Aus­schei­den der Be­klag­ten sei er ge­zwun­gen ge­we­sen, die hierfür an­fal­len­den Ver­wal­tungs-und sons­ti­gen Kos­ten wei­ter auf­zu­brin­gen, weil er erst mit ei­ner zeit­li­chen Verzöge­rung auf die­se Verände­rung ha­be re­agie­ren können. Er, der Kläger müsse da­von aus­ge­hen, dass es die Be­klag­te von vorn­her­ein dar­auf an­ge­legt ha­be, sich zu sei­nen Las­ten zu be­rei­chern. Die Be­klag­te ha­be be­reits kurz nach Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses Kon­takt zu den Ju­gendämtern H1 und P3 W2 auf­ge­nom­men und dort ih­re Ab­sicht be­kun­det, den Ar­beit­ge­ber zu wech­seln und die von ihm, dem Kläger, zwi­schen­zeit­li­che ein­ge­rich­te­te Wohn­grup­pe mit drei Plätzen zu ei­nem an­de­ren Träger mit­zu­neh­men. Es sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­klag­te die­sen Wech­sel be­reits vor Be­nach­rich­ti­gung der Ju­gendämter mit­tels ei­nes Ver­tra­ges mit dem jetzt für sie zuständi­gen Träger, den Kran­ken­an­stal­ten in B4, ab­ge­si­chert ha­be. Wie er er­fah­ren ha­be, er­hal­te die Be­klag­te seit dem 30.06.2007 von den Kran­ken­an­stal­ten B4 mo­nat­lich 2.300,00 € pro Platz und Kind, so­mit ins­ge­samt 6.900,00 €. Die­ser er­heb­li­che Ver­dienst be­ru­he auf der Über­le­gung der Kran­ken­an­stal­ten B4, dass die Plätze be­reits ge­neh­migt, kom­plett ein­ge­rich­tet und ein­geführt so­wie mit ent­spre­chen­den Kin­dern aus­ge­stat­tet ge­we­sen sei­en.

Der Kläger hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 9.000,00 € nebst Jah­res­zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 03.08.2007 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

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Sie hat vor­ge­tra­gen, § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 16.03.2007 sei als un­wirk­sam an­zu­se­hen. Der Ar­beits­ver­trag vom 16.03.2007 sei ein vom Kläger vor­for­mu­lier­tes, in­halt­lich vor­ge­ge­be­nes Ver­trags­werk, des­sen ein­zel­ne Ver­trags­be­din­gun­gen zwi­schen den Par­tei­en vor bzw. bei Ver­trags­ab­schluss nicht ver­han­delt wor­den sei­en, so­dass die §§ 305 ff. BGB An­wen­dung fänden. Fas­se man § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges als pau­scha­lier­te Scha­den­er­satz­re­ge­lung auf, ver­s­toße die­se Klau­sel ge­gen § 309 Ziff. 5 b BGB. Ge­he man ei­ner Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung aus, ver­s­toße die Klau­sel ge­gen § 309 Ziff. 6 BGB.

Des­sen un­ge­ach­tet lau­fe § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges im Er­geb­nis dar­auf hin­aus, ihr, der Be­klag­ten, das wirt­schaft­li­che Ar­beit­ge­ber­ri­si­ko auf­zubürden, ab­ge­se­hen da­von, dass die­se Klau­sel auch ihr be­ruf­li­ches Fort­kom­men in un­zulässi­ger Wei­se er­schwe­re. Dem­ent­spre­chend ver­s­toße § 4 auch ge­gen § 307 BGB. Sie, die Be­klag­te, be­strei­te zu­dem, dass der Kläger ei­nen Auf­wand ge­habt ha­be, der durch Leis­tun­gen des Ju­gend­hil­feträgers nicht ge­deckt wor­den sei.

Durch Ur­teil vom 20.02.2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Ge­gen die­se Ent­schei­dung, die dem Kläger am 05.03.2008 zu­ge­stellt wor­den ist, rich­tet sich die Be­ru­fung des Klägers, die am 19.03.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen und am 31.03.2008 be­gründet wor­den ist.

Der Kläger ver­tritt wei­ter die Auf­fas­sung, die Par­tei­en hätten rechts­wirk­sam in § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 die Zah­lung ei­ner Ablösungs­entschädi­gung un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­ein­bart. Die ge­neh­mig­ten, mit Sach­wer­ten aus­ge­stat­te­ten und mit ent­spre­chen­den Kin­dern be­leg­ten Wohn­grup­pen stell­ten ei­ne Art Be­triebs­ein­heit dar, die auf dem ein­schlägi­gen Markt ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Wert dar­stell­ten. An­de­re Ju­gend­hil­feträger sei­en be­reit, mögli­chen Ver­trags­part­nern bei Über­tra­gung der­ar­ti­ger Wohn­grup­pen er­heb­li­che wirt­schaft­li­che Ge­gen­leis­tun­gen zu ver­spre­chen. Dies sei der Be­klag­ten be­kannt ge­we­sen. Ein über­neh­men­der Ju­gend­hil­feträger brau­che die Über­tra­gung le­dig­lich dem zuständi­gen Ju­gend­amt an­zu­zei­gen und könne so­dann da­von aus­ge­hen, ab Über­tra­gung die vol­le mo­nat­li­che Vergütung für die je­wei­li­ge Wohn­grup­pe zu er­hal­ten. Im Fal­le der Be­klag­ten sei­en dies mo­nat­lich 10.675,59 € ge­we­sen. In­wie­fern der Ge­gen­stand der Be­stim­mung des § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges un­klar ge­blie­ben sei, sei nicht nach­zu­voll­zie­hen. Die Be­klag­te ha­be die fa­mi­li­en­ana­lo­gen Wohn­grup­pen tatsächlich über­nom­men und in Ge­winn­ab­sicht ei­nem neu­en

 

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Ju­gend­hil­feträger, den B5 An­stal­ten B4 an­ge­dient. Sie ha­be da­mit den An­schluss der Wohn­grup­pen an den neu­en Ju­gend­hil­feträger ermöglicht und ver­an­lasst. Seit­her - und auch als Ge­gen­leis­tung für die Über­tra­gung der Wohn­grup­pen - ver­ein­nah­me Mo­nat für Mo­nat 6.900,00 €, ei­nen Be­trag, der weit über den Bezügen bei ihm, dem Kläger, lie­ge.

Die Par­tei­en sei­en auch be­rech­tigt ge­we­sen, die in § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges ge­trof­fe­ne Re­ge­lung zu ver­ein­ba­ren. Die Ver­trags­frei­heit, d. h. die Frei­heit des Ein­zel­nen, sei­ne Le­bens­verhält­nis­se durch Ver­trag ei­gen­ver­ant­wort­lich zu ge­stal­ten, sei die Haupter­schei­nungs­form der Pri­vat­au­to­no­mie und gehöre zu den grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en un­se­rer Rechts­ord­nung. Sie sei als Teil des Rechts auf freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­tet. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts fin­de die­ses Grund­recht im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Be­schränkung in den Vor­schrif­ten über die all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Zu Recht ha­be das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 we­der ei­nen pau­scha­li­sier­ten Scha­den­er­satz noch ei­ne Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung ent­hal­te. § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges un­ter­fal­le aber auch nicht § 308 Ziff. 7 BGB. Die­se Vor­schrift fin­de kei­ne An­wen­dung, weil die ver­ein­bar­te Zah­lung nicht von der Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses abhängig ge­macht wor­den sei. Die Be­klag­te ha­be je­der­zeit kündi­gen können, oh­ne mit ei­ner Zah­lungs­ver­pflich­tung kon­fron­tiert zu wer­den. Der An­spruch auf Zah­lung der Ablösungs­entschädi­gung sei aus­sch­ließlich von ei­ner an­der­wei­ti­gen Über­tra­gung der Wohn­grup­pen abhängig ge­macht wor­den.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Min­den vom 20.02.2008 – 2 Ca 1566/07 – ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 9.000,00 € nebst Jah­res­zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 03.08.2007 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.

 

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Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil und trägt vor, der An­stel­lungs­ver­trag vom 16.03.2007 sei ein For­mu­lar­ver­trag, der der Kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB un­ter­lie­ge. § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges ver­s­toße zum ei­nen ge­gen § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB. Denn die Ver­trags­klau­sel be­nach­tei­li­ge sie, die Be­klag­te, ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben in un­an­ge­mes­se­ner Wei­se. Die Wohn­grup­pe ha­be kei­ne „Be­triebs­ein­heit" dar­ge­stellt und für sie, die Be­klag­te, auch kei­nen mer­kan­ti­len oder sons­ti­gen Wert ge­habt. Die Ausrüstung der Wohn­grup­pe mit Sach­mit­teln (Möbeln usw.) sei nicht ihr, der Be­klag­ten, zu­ge­wen­det wor­den, son­dern gehöre ei­gen­tums­recht­lich den be­treu­ten Kin­dern bzw. Ju­gend­li­chen. Dem Kläger sei­en hierfür sei­ner­zeit fi­nan­zi­el­le Mit­tel des Ju­gend­am­tes zur Verfügung ge­stellt wor­den. Er ha­be dem­ent­spre­chend kei­nen Auf­wand ge­habt, den sie, die Be­klag­te, zu entschädi­gen ha­be. Sie ha­be auch vom jet­zi­gen Träger der Wohn­grup­pe kei­ne fi­nan­zi­el­len oder sons­ti­gen Zu­wen­dun­gen für die „Über­tra­gung" der Wohn­grup­pen er­hal­ten. Sie sei viel­mehr als Ho­no­rar­kraft tätig und er­hal­te hierfür ei­ne ka­len­dertägli­che Ho­no­rar­pau­scha­le von 56,55 €. Darüber hin­aus wer­de für je­des be­treu­te Kind ei­ne Be­treu­ungs­pau­scha­le in Höhe von der­zeit 18,45 € täglich ge­zahlt. Im Er­geb­nis sol­le sie al­so für in ih­rem Vermögen nicht exis­ten­te Wer­te Entschädi­gun­gen zah­len. Hier­durch wer­de sie in ih­rer be­ruf­li­chen Fort­ent­wick­lung bei ei­nem Wech­sel des Trägers un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

§ 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges ver­s­toße zu­dem ge­gen § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, weil die Be­stim­mung in­halt­lich un­klar sei. Der Kläger ge­he von ei­nem an­ti­zi­pier­ten Kauf­ver­trag aus, der al­ler­dings Leis­tung und Ge­gen­leis­tung nicht be­nen­ne. Hier­auf ha­be be­reits das Ar­beits­ge­richt hin­ge­wie­sen und an­ge­merkt, dass es sich hier um ei­ne Ab­wick­lungs­klau­sel han­de­le. Be­reits hier­aus fol­ge, dass die ge­nann­te Klau­sel kei­nen ein­deu­ti­gen In­halt ha­be und auch kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­le­gung ermögli­che. Ge­he man, wie das Ar­beits­ge­richt, von ei­ner Ab­wick­lungs­klau­sel aus, so sei die­se nach § 308 Ziff. 7 BGB un­wirk­sam.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

 

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E N T S C H E I D UN­GSGRÜNDE :

I.

Die Be­ru­fung des Klägers ist an sich statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II.

Der Sa­che nach hat die Be­ru­fung in­des kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Denn der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung von 9.000,00 € ge­gen die Be­klag­te. Ei­ne An­spruchs­grund­la­ge hierfür ist nicht ge­ge­ben.

1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kann in § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 nicht der Ab­schluss ei­nes an­ti­zi­pier­ten Kauf­ver­tra­ges über die in der Woh­nung der Be­klag­ten ein­ge­rich­te­ten Be­treu­ungs­plätze ge­se­hen wer­den.

a) Gemäß § 433 Abs. 1 BGB wird der Verkäufer ei­ner Sa­che durch den Kauf­ver­trag ver­pflich­tet, dem Käufer die Sa­che zu über­ge­ben und das Ei­gen­tum an der Sa­che zu ver­schaf­fen, während der Käufer ver­pflich­tet ist, dem Verkäufer den ver­ein­bar­ten Kauf­preis zu zah­len und die ge­kauf­te Sa­che ab­zu­neh­men. Beim Rechts­kauf gemäß § 453 BGB ist der Verkäufer ver­pflich­tet, dem Käufer das Recht, das ver­kauft wird, zu ver­schaf­fen. Ein Recht wird dem Käufer da­durch ver­schafft, dass der Verkäufer es un­mit­tel­bar für den Käufer be­gründet oder es ihm überträgt.

b) Aus­ge­hend von die­sen recht­li­chen Grund­la­gen ist nicht er­sicht­lich, wel­che Sa­che oder wel­ches Recht der Kläger an die Be­klag­te gemäß § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 ver­kauft ha­ben könn­te.

aa) Die Be­klag­te hat gemäß § 1 Abs. 3 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 dem Kläger drei Be­treu­ungs­plätze und die zur Be­treu­ung not­wen­di­gen Räume zur Verfügung

 

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ge­stellt und hat hierfür ei­nen mo­nat­li­chen pau­scha­len Wohn­kos­ten­zu­schuss er­hal­ten. Mit frist­ge­rech­ter Kündi­gung des An­stel­lungs­ver­tra­ges durch die Be­klag­te vom 25.05.2007 und Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 30.06.2007 war die­se Pflicht der Be­klag­ten be­gin­nend mit dem 01.07.2007 ent­fal­len. Die Be­klag­te konn­te da­mit seit die­sem Zeit­punkt über die Räume ih­rer Woh­nung un­ein­ge­schränkt verfügen und sie nach ih­rer Vor­stel­lung nut­zen.
Dem­ent­spre­chend war sie nicht ge­hin­dert, die­se Räume ei­nem an­de­ren Ju­gend­hil­feträger zu über­las­sen, da­mit die­ser dort – wie der Kläger – Kin­der und Ju­gend­li­che be­treu­en lässt, oder die Räume selbst in die­sem Sin­ne zu nut­zen. Der An­stel­lungs­ver­trag vom 16.03.2007 enthält kei­ne Re­ge­lun­gen, die die Be­klag­te nach Be­en­di­gung der ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen mit dem Kläger hier­an in ir­gend­ei­ner Wei­se hin­dern könn­ten.

Die Be­klag­te war nach Be­en­di­gung des An­stel­lungs­ver­tra­ges mit Ab­lauf des 30.06.2007 auch nicht ge­hin­dert, ih­re Ar­beits­kraft an­der­wei­tig zu ver­wer­ten und zu die­sem Zwe­cke bei­spiels­wei­se ei­nen Ar­beits­ver­trag mit ei­nem Kon­kur­ren­ten des Klägers ab­zu­sch­ließen, der die Be­treu­ung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen be­inhal­tet. Denn der An­stel­lungs­ver­trag vom 16.03.2007 enthält kein so­ge­nann­tes nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot.

bb) Durf­te die Be­klag­te da­mit un­ein­ge­schränkt die Räume ih­rer Woh­nung ei­nem an­de­ren Ju­gend­hil­feträger zur Be­treu­ung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen über­las­sen und mit die­sem Träger ei­nen Ar­beits­ver­trag mit dem In­halt der Be­treu­ung die­ser Kin­der und Ju­gend­li­chen ab­sch­ließen, so ist nicht er­sicht­lich, wel­che Sa­che bzw. wel­ches Recht der Kläger der Be­klag­ten gemäß § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 ver­kau­fen könn­te. Ge­gen­stand ei­nes Kauf­ver­tra­ges können nur Sa­chen oder Rech­te sein, die der Kläger der Be­klag­ten auch ver­schaf­fen könn­te. Dar­an fehlt es im vor­lie­gen­den Fall. So­weit die in den Räum­en der Be­klag­ten un­ter­ge­brach­ten Kin­der in Fra­ge ste­hen, kommt ein ir­gend­wie ge­ar­te­tes Recht auf Be­treu­ung die­ser Kin­der, das er ge­gen ei­ne Vergütung auf die Be­klag­te über­tra­gen könn­te, nicht in Be­tracht. Das Recht bzw. die Pflicht, die in den Räum­en der Be­klag­ten un­ter­ge­brach­ten Kin­der zu be­treu­en, kann nicht ver­kauft wer­den.

2. So­weit die Ein­rich­tung der Räume in der Woh­nung der Be­klag­ten mit Möbeln und Be­triebs­mit­tel so­wie die Aus­stat­tung der Kin­der mit Klei­dung, Spiel­zeug und Lern­mit­teln in Fra­ge steht, kann der Kläger nach Be­en­di­gung des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 hierfür nicht ei­ne Ablösungs­entschädi­gung von 3.000,00 € je Be­treu­ungs­platz ver­lan­gen. Soll­te der Kläger Ei­gentümer die­ser Ge­genstände sein, was die Be­klag­te un­ter Hin­weis dar­auf, dass die­se mit Mit­teln des Ju­gend­am­tes be­schafft wor­den und Ei­gen­tum der be­treu­ten Kin­der sei­en, be­strit­ten hat, so ist der Kläger nicht ge­hin­dert, die Be­klag­te auf

 

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Her­aus­ga­be die­ser Ge­genstände in An­spruch zu neh­men. Ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für das Be­geh­ren des Klägers, hierfür ei­nen Pau­schal­be­trag in Höhe von 3.000,00 € je Be­treu­ungs­platz zu er­hal­ten, ist nicht er­sicht­lich.

3. Ein An­spruch auf Zah­lung von 9.000,00 € steht dem Kläger auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes pau­scha­lier­ten Scha­den­er­sat­zes zu. Un­abhängig da­von, dass der Kläger selbst einräumt, dass § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 kei­nen scha­den­er­satz­recht­li­che Re­ge­lung be­inhal­tet, wäre ei­ne da­hin­ge­hen­de Klau­sel gemäß § 309 Ziff. 5 BGB als un­wirk­sam an­zu­se­hen.

4. Ein An­spruch des Klägers auf Zah­lung von 9.000,00 € gemäß § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 ist auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung be­gründet. Falls in § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges ei­ne Be­stim­mung zu se­hen sein soll­te, durch die die Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe für den Fall ver­spro­chen wird, dass die Be­klag­te sich vom Ver­trag löst, wäre die­se Klau­sel gemäß § 309 Zif­fer 6 BGB un­wirk­sam. Dies sieht auch der Kläger so, der selbst der Auf­fas­sung ist, dass § 4 kei­ne Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung enthält.

5. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt er­kannt, dass § 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 16.03.2007 der Sa­che nach ei­ne Ver­ein­ba­rung be­tref­fend die Ab­wick­lung des zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges enthält. Dem Sach­vor­trag des Klägers ist zu ent­neh­men, dass die Ablösungs­entschädi­gung dem Aus­gleich für Ver­wal­tungs-, Ma­te­ri­al-und Ak­qui­si­ti­ons­auf­wand bei ei­ner Ver­trags­auflösung un­ter der Vor­aus­set­zung dient, dass die Be­klag­te sich mit der in ih­ren Räum­en be­ste­hen­den Wohn­grup­pe ei­nem an­de­ren Ju­gend­hil­feträger an­sch­ließt oder sich selbständig macht. Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung ist je­doch vor dem Hin­ter­grund des § 308 Ziff. 7 BGB als un­wirk­sam an­zu­se­hen. Die er­ken­nen­de Kam­mer folgt in­so­weit den Gründen der ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung und sieht gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen von ei­ner Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­gründe ab. Das zweit­in­stanz­li­che Vor­brin­gen des Klägers recht­fer­tigt kei­ne Abände­rung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils, son­dern gibt nur An­lass zu fol­gen­den ergänzen­den Be­mer­kun­gen:

Wenn dem Kläger da­durch Kos­ten ent­ste­hen, dass er ei­ne länge­re Zeit benötigt, um sei­nen Ver­wal­tungs­ap­pa­rat dar­an an­zu­pas­sen, dass die bei der Be­klag­ten ein­ge­rich­te­te

 

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Wohn­grup­pe nicht mehr zu be­treu­en ist, so kann er sich ei­nen Aus­gleich hierfür nicht durch Ver­ein­ba­rung der so­ge­nann­ten Ablösungs­entschädi­gung in Höhe von 3.000,00 € je Platz ver­schaf­fen. Hier­durch wälzt der Kläger das grundsätz­lich durch ihn zu tra­gen­de Ar­beit­ge­ber­ri­si­ko auf die Be­klag­te ab und er­schwert ihr be­ruf­li­ches Fort­kom­men da­mit in un­zulässi­ger Wei­se. Um sei­nen Ver­wal­tungs­ap­pa­rat an die veränder­te Si­tua­ti­on an­zu­pas­sen, hätte der Kläger al­len­falls – im Rah­men des recht­lich Zulässi­gen – mit der Be­klag­ten ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist ver­ein­ba­ren können, da­mit er während die­ser Zeit Ge­le­gen­heit hat, die Ur­sa­chen für die von ihm gel­tend ge­mach­ten Kos­ten zu be­sei­ti­gen, z. B. sei­ne Ver­wal­tung bzw. sei­nen per­so­nal­the­ra­peu­ti­schen Dienst zu ver­klei­nern.

Will er des Wei­te­ren ver­hin­dern, dass die Be­klag­te die wirt­schaft­li­chen Möglich­kei­ten, wel­che die bei ihr ein­ge­rich­te­te Wohn­grup­pe of­fen­sicht­lich bie­tet, nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist an­der­wei­tig nutzt, so muss er – so­weit dies recht­lich zulässig ist – ge­ge­be­nen­falls ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­ba­ren.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO.

Der Streit­wert hat sich im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht geändert.

Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: (0361) 2636 - 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Wend­ling 

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