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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Sozialplan, Diskriminierung: Alter, Abfindung: Diskriminierung, Diskriminierung: Abfindung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 6 Sa 613/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.09.2011
   
Leit­sätze:

1.Die Be­triebs­par­tei­en dürfen in ei­nem So­zi­al­plan un­ter­schied­li­che Be­rech­nungs­for­meln für Ab­fin­dun­gen ren­ten­na­her und ren­ten­fer­ner Jahrgänge zu­grun­de le­gen. In­so­weit ist es nicht zu be­an­stan­den, wenn als Stich­tag die Voll­endung des 58. Le­bens­jah­res zu­grun­de ge­legt wird.

2.Für die ren­ten­na­hen Jahrgänge kann die Ab­fin­dung so be­rech­net wer­den, dass die Zeit bis zum re­gulären Ren­ten­ein­tritt über­brückt wird. Hin­ge­gen ist es in der Re­gel nicht zulässig, die Ab­fin­dung auf die Zeit bis zum frühestmögli­chen Ren­ten­ein­tritt zu be­gren­zen, so­fern der Ar­beit­neh­mer die Ren­te nur mit ei­ner Kürzung be­an­spru­chen könn­te und sich ent­schließt, kei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te zu be­an­tra­gen. Die Grundsätze, die der EuGH mit der Ent­schei­dung vom 12.10.2010 - C-499/08 - ("An­der­sen") auf­ge­stellt hat, sind auch bei So­zi­alplänen zu be­ach­ten (Ab­wei­chung von LAG Rhein­land-Pfalz v. 10.03.2011 - 10 Sa 547/10 -). Ob et­was an­de­res dann gilt, wenn der­art we­ni­ge Mit­tel vor­han­den sind, dass ein an­ge­mes­se­ner Aus­gleich des Ar­beits­platz­ver­lus­tes für sämt­li­che Ar­beit­neh­mer aus­ge­schlos­sen ist, bleibt un­ent­schie­den.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 11.04.2011 - 12 Ca 5887/10
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 26.03.2013, 1 AZR 813/11
   

Te­nor:

I.

Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 11.04.2011 - AZ: 12 Ca 5887/10 - teil­wei­se ab­geändert.

1.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 39.217,95 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.05.2011 zu zah­len.

2.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger ei­nen wei­te­ren Be­trag in Höhe von 16.901,07 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.05.2011 zu zah­len.

II.

Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung des Klägers ge­gen das vor­ge­nann­te Ur­teil wird zurück­ge­wie­sen.

III.

Die Kos­ten des Rechts­streits ers­ter In­stanz tra­gen der Kläger zu 80% und die Be­klag­te zu 20%. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ha­ben der Kläger zu 79% und die Be­klag­te zu 21% zu tra­gen.

IV.

Die Re­vi­si­on wird für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nur noch über die Zah­lung ei­ner höhe­ren So­zi­al­plan­ab­fin­dung ein­sch­ließlich ei­nes Ju­biläums­gel­des, nach­dem erst­in­stanz­lich zunächst auch über die Wirk­sam­keit be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen ge­strit­ten wor­den ist.

Die Be­klag­te gehört zu ei­nem großen Luft- und Raum­fahrt-Kon­zern. Sie verfügte bis­lang in Deutsch­land über Stand­or­te in E., F., I., T., V., C. und V.. Der am 02.07.1948 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Kläger war in der Zeit vom 05.06.1974 bis zum 31.03.2011 bei der Be­klag­ten in de­ren E. Be­trieb so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt. Sein letz­tes mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt be­trug 5.633,69 €.

Im Jahr 2010 traf die Be­klag­te die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, ei­ni­ge Stand­or­te, dar­un­ter den Be­trieb in E. zu schließen, und die Ar­beitsplätze auf an­de­re Stand­or­te zu ver­la­gern. Über die Ge­samt­maßnah­me führ­te die Be­klag­te Ver­hand­lun­gen mit ih­rem Ge­samt­be­triebs­rat. Die In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen wur­den im Rah­men ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le am 27.04.2010 für ge­schei­tert erklärt. Un­ter dem Da­tum des 16.06.2010 ei­nig­ten sich die Be­klag­te und der Ge­samt­be­triebs­rat auf den Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans, der u.a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen enthält:

"1. Gel­tungs­be­reich

1.1 Die­ser So­zi­al­plan gilt für al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­bei­ter­neh­mer (Beschäftig­te) der F.-Be­trie­be T., F., I., E. und V., die in Fol­ge der be­triebsändern­den Maßnah­men im Zu­ge des Pro­jekts Tri­go­ni­um von ei­ner Ver­la­ge­rung ih­res Ar­beits­plat­zes an ei­nen an­de­ren Ar­beits­ort be­trof­fen sind und das Ver­set­zungs­schrei­ben er­hal­ten ha­ben.

...

2.4.Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis

Es wer­den kei­ne Ab­fin­dun­gen gewährt, wenn ein Beschäftig­ter in ei­nem zu­mut­ba­ren Ar­beits­verhält­nis wei­ter­beschäftigt wer­den kann und die Wei­ter­beschäfti­gung ab­lehnt. Die Zu­mut­bar­keit be­stimmt sich gemäß An­la­ge 1 die­ses So­zi­al­plans und in An­leh­nung an § 112 Abs.5 Ziff. 2 Be­trVG.

Soll­te die Wei­ter­beschäfti­gung an dem neu­en Ar­beits­ort nicht zu­mut­bar sein und der Beschäftig­te sich für ein Aus­schei­den aus der F. ent­schei­den, erhält er ei­ne ein­ma­li­ge Ab­fin­dung gemäß den nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen.

...

Beschäftig­te, die zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses das 58. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, fal­len aus­sch­ließlich un­ter die Re­ge­lung der Zif­fer 2.5.

1. Be­rech­nung der Ab­fin­dung

1.1.Als Grund­be­trag wer­den ein­heit­lich EU­RO 2.500,-- ge­zahlt.

1.2.Als Stei­ge­rungs­be­trag er­hal­ten aus­schei­den­de Beschäftig­te fol­gen­de Ab­fin­dungs­leis­tung:

Le­bens­al­ter x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Brut­to­mo­nats­ent­gelt

Für die Er­mitt­lung der Ab­fin­dung gel­ten fol­gen­de De­fi­ni­tio­nen:

Le­bens­al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit

Jah­re zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses,

be­rech­net auf zwei Stel­len nach dem Kom­ma und auf ei­ne Stel­le hin­ter dem Kom­ma kaufmännisch ge­run­det.

Brut­to­mo­nats­ent­gelt

Das Brut­to­mo­nats­ent­gelt (BME) er­rech­net sich aus dem Durch­schnitt der mo­nat­li­chen Bezüge der letz­ten 12 voll ab­ge­rech­ne­ten Mo­na­te, wo­bei in die Be­rech­nung des Ge­samt­ver­diens­tes die Mehr­ar­beits­vergütun­gen und die auf die Mehr­ar­beit ent­fal­len­den Zu­schläge nicht ein­be­zo­gen wer­den; aus­ge­nom­men sind außer­dem Leis­tun­gen für Auf­wen­dun­gen der Beschäftig­ten, die während der be­zahl­ten Aus­fall­zeit nicht ent­ste­hen, z.B. be­zahl­te Rei­se­zei­ten, Fahr­kos­ten­er­stat­tun­gen, Rei­se­spe­sen, Zuschüsse, Dienst­wa­gen­ent­gel­te.

...

1.4.Ju­biläums­zah­lun­gen

Wird das Ar­beits­verhält­nis vor Voll­endung des 25jähri­gen, 40jähri­gen oder 50jähri­gen Dienst­ju­biläums be­en­det, erhält der Beschäftig­te die Ju­biläums­zah­lung nach den be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen, wenn vom Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Er­rei­chen des 25jähri­gen Dienst­ju­biläums nicht mehr als zwei Jah­re und bis zum Er­rei­chen des 40jähri­gen oder 50jähri­gen Dienst­ju­biläums nicht mehr als fünf Jah­re feh­len.

2.5Regelungen für Beschäftig­te, die bei Aus­schei­den das 58. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben:

2.5.1.Die­se Re­ge­lun­gen gel­ten für al­le Beschäftig­ten, die zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses das Min­dest­al­ter von 58 Jah­ren er­reicht ha­ben, bis zum frühestmögli­chen Ein­tritt in die ge­setz­li­che Ren­te.

2.5.2.Das Un­ter­neh­men gewährt dem aus­schei­den­den Beschäftig­ten 85 % des um die ge­setz­li­chen Abzüge, die gewöhn­lich an­fal­len, ver­min­der­ten
Brut­to­mo­nats­ent­gelts (pau­scha­lier­tes Net­to­ent­gelt gemäß ge­setz­li­cher Min­dest­net­to­ent­gelt­ta­bel­le) un­ter An­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des auf die Dau­er sei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens in ei­ner Brut­to-Ab­fin­dungs­sum­me. ...

2.5.2.1.Bei der Be­rech­nung die­ses pau­scha­lier­ten Net­to­ent­gelts wird

(1) die zum Zeit­punkt des Aus­schei­dens des Beschäftig­ten gülti­ge ge­setz­li­che Min­dest­net­to­ent­gelt­ta­bel­le und

(2) die Steu­er­klas­se, die für den Beschäftig­ten zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ser Re­ge­lung gilt, zu­grun­de ge­legt.

Für ei­nen nachträgli­chen Wech­sel ei­ner Steu­er­klas­se hat der Beschäftig­te wich­ti­ge Gründe dar­zu­le­gen; Gründe, die auf die Op­ti­mie­rung der Ab­fin­dung ab­zie­len, sind aus­ge­schlos­sen.

2.5.2.2.Das Brut­to­mo­nats­ent­gelt er­gibt sich aus dem letz­ten mo­nat­li­chen Grun­dent­gelt zuzüglich re­gelmäßig ge­zahl­ter Zu­la­gen und Zu­schläge, die bei der Be­rech­nung des ta­rif­li­chen Ur­laubs- und Weih­nachts­gel­des berück­sich­tigt wer­den. Nicht zu berück­sich­tig­ten sind das Ur­laubs- und Weih­nachts­geld, Über­stun­den­vergütung und Pau­schal­vergütung von Mehr­ar­beit, vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen gemäß Ta­rif­ver­trag (VwL, AvwL), die er­satz­wei­se an außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te gewähr­te mo­nat­li­che Zu­la­ge, Ju­biläums­geld und an­de­re ein­ma­li­ge geld­li­che Zu­wen­dun­gen. Die­ses Brut­to­mo­nats­ent­gelt erhöht sich um 5,83% des letz­ten mo­nat­li­chen Grun­dent­gelts. Bei außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten mit va­ria­blen Ge­halts­be­stand­tei­len gilt als Brut­to­mo­nats­ent­gelt das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ziel­jah­res­ein­kom­men ge­teilt durch 12. Es wird das
Ziel­jah­res­ein­kom­men des Ka­len­der­jah­res vor dem Aus­schei­den zu­grun­de ge­legt.

2.5.2.3. Bei der An­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des wird grundsätz­lich von dem vor­aus­sicht­li­chen Be­zug aus­ge­gan­gen, der in der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Be­rech­nung mit dem 24-fa­chen des mo­nat­li­chen Ar­beits­lo­sen­gel­des zu­grun­de ge­legt wird. Bei der Be­rech­nung die­ses vor­aus­sicht­li­chen Ar­beits­lo­sen­gel­des wer­den

(1) die zum Zeit­punkt des Aus­schei­dens gülti­gen So­zi­al­da­ten des Beschäftig­ten und

(2) die Steu­er­klas­se, die für den Beschäftig­ten zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ser Re­ge­lung gilt, zu­grun­de ge­legt.

Die­se hy­po­the­ti­sche Be­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des gilt auch dann, wenn im Ein­zel­fall das tatsächlich ge­zahl­te Ar­beits­lo­sen­geld da­von ab­weicht. Et­was an­de­res gilt al­len­falls dann, wenn der Ge­setz­ge­ber die der Be­rech­nung zu­grun­de lie­gen­de Be­zugs­dau­er gemäß SGB III nachträglich zu Las­ten des Beschäftig­ten verkürzt oder die Be­zugs­dau­er 24 Mo­na­te über­steigt (z. B. Ent­fall der Sperr­frist) oder ei­ne Verkürzung der Be­zugs­dau­er des Ar­beits­lo­sen­gel­des, z. B. durch Ru­hens­zeit der Sperr­zeit, un­ter 24 Mo­na­te er­folgt, de­ren al­lei­ni­ge Ur­sa­che der Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges ist.

Für ei­nen nachträgli­chen Wech­sel sei­ner Steu­er­klas­se hat der Beschäftig­te wich­ti­ge Gründe dar­zu­le­gen; dies gilt ins­be­son­de­re bei ei­nem Wech­sel der Steu­er­klas­se, der zu ei­nem nied­ri­ge­ren Ar­beits­lo­sen­geld im Ver­gleich zur ers­ten Be­rech­nung führt.

2.5.2.4.Die Sum­me, die sich nach Ab­zug des vor­aus­sicht­li­chen Ar­beits­lo­sen­gel­des er­rech­net, erhöht sich um ei­nen pau­scha­len Zu­schlag von 15 %. Hier­aus er­gibt sich die dann aus­zu­zah­len­de Brut­to­ab­fin­dungs­sum­me.

...

5.Fällig­keit der Leis­tun­gen

Der Ab­fin­dungs­an­spruch ent­steht mit dem Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und wird ei­nen Mo­nat da­nach zur Zah­lung fällig. Er­hebt ein Beschäftig­ter Kündi­gungs­schutz­kla­ge oder greift er sei­nen Auf­he­bungs­ver­trag vor dem Ar­beits­ge­richt an, wird der An­spruch auf die Ab­fin­dung erst fällig, wenn das ge­richt­li­che Ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen ist und/oder rechts­kräftig fest­steht, dass das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist.

..."

In der An­la­ge 1 zum So­zi­al­plan ha­ben die Be­triebs­par­tei­en fest­ge­legt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Ar­beits­platz­wech­sel nicht zu­mut­bar ist. Un­ter an­de­rem ist dies der Fall, wenn "der Beschäftig­te zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des So­zi­al­plans das 58. Le­bens­jahr voll­endet hat". We­gen der nähe­ren Ein­zel­hei­ten des So­zi­al­plans nebst An­la­ge 1 wird auf die zur Ge­richts­ak­te ge­reich­te An­la­ge K 6, Bl. 26 - 35 d.A., Be­zug ge­nom­men.

Die im So­zi­al­plan erwähn­ten be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen fin­den sich in ei­ner Be­triebs­ord­nung vom 01.01.1993 (An­la­ge K 10, Bl. 46 - 58 d.A.). Bezüglich des Ju­biläums­gel­des enthält die­se un­ter Zif­fer 6.17 fol­gen­de Re­ge­lung:

"6.17Folgende Dienst­ju­biläen wer­den ge­fei­ert:

-das 25. Ju­biläum

-das 40. Ju­biläum

-das 50. Ju­biläum

...

Das Ju­biläums­geld beträgt

-zum 25. Dienst­ju­biläum

zwei Mo­nats­ein­kom­men

-zum 40. Dienst­ju­biläum

drei Mo­nats­ein­kom­men

-zum 50. Dienst­ju­biläum

drei Mo­nats­ein­kom­men.

Das Ju­biläums­geld wird auch ge­zahlt an Ru­he­geld­empfänger, die in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten nach ih­rer Pen­sio­nie­rung ein Dienst­ju­biläum be­ge­hen würden. Die Zah­lung er­folgt durch die Zen­tral­ab­tei­lung Ru­he­geld, Z415-F....".

Die Be­klag­te in­for­mier­te den Kläger mit ei­nem Schrei­ben vom 22.06.2010 darüber, dass sich sein Ar­beits­platz ab dem 10.08.2010 in V. be­fin­de. Gleich­zei­tig bat sie ihn um Mit­tei­lung, ob er der Ver­set­zung zu­stim­me. Der Kläger, der mit Aus­nah­me des Le­bens­al­ters kei­nes der in der An­la­ge 1 zum So­zi­al­plan auf­geführ­ten Kri­te­ri­en für ei­ne Un­zu­mut­bar­keit des Ar­beits­platz­wech­sels erfüllt, lehn­te es ab, nach V. zu wech­seln. Dar­auf­hin kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 31.03.2011. Den hier­ge­gen er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­an­trag hat der Kläger im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz am 11.04.2011 zurück­ge­nom­men. Ei­ne von der Be­klag­ten vor­sorg­lich erklärte Ände­rungskündi­gung zum 31.05.2011 hat der Kläger eben­falls zunächst in die­sem Ver­fah­ren an­ge­grif­fen, die Kla­ge dann aber mit Schrift­satz vom 18.02.2011 zurück­ge­nom­men. Gleich­zei­tig hat er die Kla­ge auf Ab­fin­dungs­zah­lun­gen er­wei­tert.

Die Be­klag­te er­rech­ne­te für den Kläger ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch in Höhe von 4.974,62 €. Die­sen Be­trag zahl­te sie be­reits an den Kläger aus. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Ab­fin­dungs­be­rech­nung wird auf die An­la­ge B 5, Bl. 155 d.A., Be­zug ge­nom­men.

In der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz hat der Kläger zusätz­lich den Ab­fin­dungs-Grund­be­trag gemäß Zif­fer 2.4 1.1, ei­nen an­hand sei­nes Le­bens­al­ters und sei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit er­rech­ne­ten Stei­ge­rungs­be­trag gemäß Zif­fer 2.4 1.2 abzüglich des er­hal­te­nen Ab­fin­dungs­be­tra­ges von 4.974,62 € so­wie die Ju­biläums­zah­lung gemäß Zif­fer 2.4. 1.4 des So­zi­al­plans gel­tend ge­macht. Er hat die An­sicht ver­tre­ten, die Re­ge­lun­gen in Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans vom 16.06.2010 ent­hiel­ten ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung. Dem­ent­spre­chend stünden ihm die für un­ter 58-jähri­ge vor­ge­se­he­nen Ansprüche gemäß Zif­fer 2.4 des So­zi­al­plans zu.

Dies gel­te auch für die Ju­biläums­geld­zah­lun­gen. Hier­zu hat er vor­ge­tra­gen, das Ar­beits­verhält­nis hätte zwar oh­ne die Kündi­gun­gen - un­strei­tig - spätes­tens En­de Ju­li 2013 und da­mit vor der Voll­endung des Dienst­ju­biläums ge­en­det. Gleich­wohl hätte ihm aber nach der Be­triebs­ord­nung das Ju­biläums­geld zu­ge­stan­den, weil er in­ner­halb von 12 Mo­na­ten nach der Pen­sio­nie­rung das Dienst­ju­biläum be­gan­gen hätte.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Be­trag i. H. v. 2.500,00 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 % -Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

2.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen wei­te­ren Be­trag i. H. v. 231.746,87 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

3.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen wei­te­ren Be­trag i. H. v. 16.901,07 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

hilfs­wei­se,

fest­zu­stel­len, dass der So­zi­al­plan zwi­schen der Be­kla­gen und de­ren Ge­samt­be­triebs­rat vom 16.6.2010 we­gen un­zulässi­ger Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung un­wirk­sam sei und nach neu­en Ver­tei­lungs­grundsätzen ver­han­delt wer­den müsse.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Re­ge­lun­gen un­ter Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans sei­en gemäß § 10 Satz 3 Nr.6 AGG wirk­sam. Es lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen das ge­mein­schafts­recht­li­che Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor. Das Ur­teil des EuGH vom 12.10.2010 - AZ: C 499/08 - in Sa­chen An­der­sen könne nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Dem ste­he schon ent­ge­gen, dass die fi­nan­zi­el­len Mit­tel für ei­nen So­zi­al­plan be­grenzt sei­en, was bei ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung wie der­je­ni­gen in Däne­mark nicht der Fall sei. Zu­dem ha­be der Kläger die Möglich­keit ge­habt, sei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit bei der Be­klag­ten in V. fort­zu­set­zen, was er aber ab­ge­lehnt ha­be. Da­mit lie­ge ei­ne an­de­re Kon­stel­la­ti­on vor, als in dem vom EuGH ent­schie­de­nen Sach­ver­halt. Der EuGH ha­be nämlich das An­sin­nen älte­rer Ar­beit­neh­mer, nicht aus dem Ar­beits­verhält­nis ge­drängt zu wer­den, son­dern wei­ter­hin be­ruf­lich tätig zu sein, für schutzwürdig er­ach­tet. Ansprüche auf die Ju­biläums­geld­zah­lun­gen gemäß Zif­fer 2.4 1.4 des So­zi­al­plans ha­be der Kläger schon des­halb nicht, weil er selbst im Fal­le des Fort­be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 65. Le­bens­jahr das Dienst­ju­biläum nicht ver­wirk­licht hätte.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 11.04.2011 ab­ge­wie­sen und sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet:

Die Dif­fe­ren­zie­rung nach Al­ters­grup­pen in den Zif­fern 2.4 und 2.5 des So­zi­al­plans sei nach § 10 Satz 3 Nr.6 AGG zulässig. Die­se ge­setz­li­che Norm sei auch nicht eu­ro­pa­rechts­wid­rig. Den Be­triebs­par­tei­en ha­be es ent­spre­chend dem zu­kunfts­ge­rich­te­ten Entschädi­gungs­cha­rak­ter der So­zi­al­plan­leis­tun­gen ermöglicht wer­den sol­len, die­se bei ren­ten­na­hen Ar­beit­neh­mern stärker an den tatsächlich ein­tre­ten­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len zu ori­en­tie­ren. Auch die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 12.10.2010 in Sa­chen An­der­sen ha­be hier­an nichts geändert. Die Be­triebs­par­tei­en ver­folg­ten beim Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans ei­nen gänz­lich an­de­ren Zweck als die dem Ver­fah­ren "An­der­sen" zu­grun­de lie­gen­de däni­sche Re­ge­lung. Es ge­he nicht um ei­nen Über­gang in ein neu­es Ar­beits­verhält­nis, son­dern al­lein um den Aus­gleich von wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len auf Ba­sis ei­ner Er­mes­sens­ent­schei­dung. Der An­spruch auf Ju­biläums­geld­zah­lun­gen sei aus­ge­schlos­sen, da der Kläger sein Dienst­ju­biläum oh­ne­hin nicht bei der Be­klag­ten voll­endet hätte, weil er zu­vor - mit Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res - aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den wäre.

Ge­gen die­ses Ur­teil, wel­ches dem Kläger am 20.04.2011 zu­ge­stellt wor­den ist, hat er am 09.05.2011 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se so­gleich be­gründet.

Der Kläger rügt, das Ar­beits­ge­richt ha­be ver­kannt, dass § 10 S.3 Nr.6 AGG nicht mit eu­ropäischem Recht ver­ein­bar sei, da er es er­lau­be, Ar­beit­neh­mer von Ab­fin­dungs­zah­lun­gen aus­zu­sch­ließen, weil sie An­spruch auf ei­ne vor­zei­ti­ge - gekürz­te - Al­ters­ren­te hätten. Ge­nau dies ha­be der EuGH in der Sa­che "An­der­sen" mit sei­ner Ent­schei­dung vom 12.10.2010 für un­wirk­sam er­ach­tet. Selbst wenn aber § 10 S. 3 Nr.6 AGG nicht ge­mein­schafts­rechts­wid­rig wäre, so ha­be das Ar­beits­ge­richt die gemäß § 10 S.2 AGG er­for­der­li­che Verhält­nismäßig­keitsprüfung nicht vor­ge­nom­men. Hier­zu trägt der Kläger vor, er hätte, wenn er die vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te in An­spruch ge­nom­men hätte, ei­nen le­bens­lan­gen Ren­ten­ab­schlag von 7,2% hin­neh­men müssen. Ei­nen ent­spre­chen­den An­trag ha­be er aber - un­strei­tig - nicht ge­stellt. Statt­des­sen neh­me er - un­strei­tig - Ar­beits­lo­sen­geld in An­spruch, was aber selbst­verständ­lich nied­ri­ger sei als das zu­letzt be­zo­ge­ne Ent­gelt. Hierfür er­hal­te er aber eben­so we­nig ei­nen Aus­gleich wie für die letz­ten vier Mo­na­te bis zum Ren­ten­be­ginn, in de­nen er kein Ar­beits­lo­sen­geld mehr be­zie­hen könne. Sch­ließlich sei nicht ein­zu­se­hen, dass er kein Ju­biläums­geld er­hal­te, ob­wohl ihm ein sol­ches zu­ge­stan­den hätte, wenn er re­gulär zum 01.08.2013 in Ru­he­stand ge­gan­gen wäre.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 11.04.2011, AZ: 12 Ca 5887/10, ab­zuändern und

1.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Be­trag i. H. v. 2.500,00 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 % -Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

2.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen wei­te­ren Be­trag i. H. v. 231.746,87 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

3.die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen wei­te­ren Be­trag i. H. v. 16.901,07 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Fällig­keit zu zah­len;

hilfs­wei­se für den Fall ei­nes - ge­ge­be­nen­falls teil­wei­sen - Un­ter­lie­gens mit ei­nem der drei Haupt­anträge,

fest­zu­stel­len, dass der So­zi­al­plan zwi­schen der Be­kla­gen und de­ren Ge­samt­be­triebs­rat vom 16.6.2010 we­gen un­zulässi­ger Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung un­wirk­sam sei und nach neu­en Ver­tei­lungs­grundsätzen ver­han­delt wer­den müsse.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil. Ergänzend zu ih­rem erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gen weist sie dar­auf hin, es könne nicht sein, dass der Kläger ei­ne Ab­fin­dung er­hal­te, die so hoch sei, dass er ins­ge­samt mehr Geld­leis­tun­gen er­hiel­te, als wenn er bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze ge­ar­bei­tet hätte.

We­gen des wei­te­ren Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils, das Sit­zungs­pro­to­koll vom 08.07.2011 so­wie ergänzend auf sämt­li­che ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe:

A.

Die Be­ru­fung ist zulässig, aber un­be­gründet.

I. Es be­ste­hen kei­ne Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung. Sie ist nach Maßga­be der §§ 66 Abs.1, 64 Abs.6 ArbGG i. V. m. § 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Sie ist auch statt­haft gemäß § 64 Abs.1, 2 Zif­fer b) ArbGG.

II. Die Be­ru­fung ist in dem aus dem Te­nor er­sicht­li­chen Um­fang be­gründet, im Übri­gen hin­ge­gen un­be­gründet.

1. Dem Kläger steht gemäß Zif­fer 2.5.2 des So­zi­al­plans vom 16.06.2011 ein zusätz­li­cher Ab­fin­dungs­an­spruch in Höhe von 39.217,95 € brut­to zu. Ein darüber hin­aus­ge­hen­der Ab­fin­dungs­an­spruch be­steht - ab­ge­se­hen von den Ju­biläums­geld­zah­lun­gen - nicht.

a) Zif­fer 2.5.2 des So­zi­al­plans kann als An­spruchs­grund­la­ge für den An­trag zu 2) zu­grun­de ge­legt wer­den, ob­wohl der Kläger sei­nen An­spruch le­dig­lich auf Zif­fer 2.4 1.2 des So­zi­al­plans gestützt hat. In­so­weit han­delt es sich aber nicht um ei­nen an­de­ren Streit­ge­gen­stand, son­dern le­dig­lich um ei­ne - von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen­de - an­der­wei­ti­ge An­spruchs­grund­la­ge. Auch wenn den Zah­lun­gen nach Zif­fer 2.5 ei­ne gänz­lich an­de­re Be­rech­nungs­for­mel zu­grun­de liegt als der­je­ni­gen gemäß Zif­fer 2.4 1.2, han­delt es sich der Sa­che nach je­weils um Ab­fin­dun­gen zum Aus­gleich für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes in­fol­ge der dem So­zi­al­plan zu­grun­de lie­gen­den Be­triebsände­rung. Un­abhängig da­von hat der Kläger im Zwei­fel sei­nen An­spruch je­den­falls hilfs­wei­se auf Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans gestützt, denn er ist dem dies­bezügli­chen Hin­weis der Kam­mer in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht ent­ge­gen ge­tre­ten.

b) Dem Kläger steht nach Zif­fer 2.5.2 ein Ab­fin­dungs­an­spruch in Höhe des Be­tra­ges zu, der sich nach Maßga­be der dor­ti­gen Re­ge­lun­gen "auf die Dau­er sei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens" er­rech­net.

aa) Die Re­ge­lung in Zif­fer 2.5.1 des So­zi­al­plans, die ei­ne Be­gren­zung auf die Zeit "bis zum frühestmögli­chen Ein­tritt in die ge­setz­li­che Ren­te" vor­sieht, ist un­wirk­sam. Sie verstößt ge­gen § 75 Abs.1 Be­trVG, da sie ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters be­inhal­tet. Die Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ist nicht durch die Son­der­re­ge­lung des § 10 S.3 Nr. 6 AGG ge­deckt.

(1) So­zi­alpläne un­ter­lie­gen wie an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen der ge­richt­li­chen Rechtmäßig­keits­kon­trol­le. Die­se sind dar­auf zu über­prüfen, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht wie ins­be­son­de­re dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­ein­bar sind (BAG v. 23.03.2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972, Rn. 13). Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ha­ben nach § 75 Abs. 1 Be­trVG darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in der Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über­wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te in § 75 Abs. 1 Be­trVG über­nom­men. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Be­triebs­an­gehöri­gen aus ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grund ist da­her nur un­ter den im AGG nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig. Sind die­se erfüllt, ist auch der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­wahrt (BAG v. 23.03.2010 a.a.O., Rn. 14).

Nach § 7 Abs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Der Be­griff der Be­nach­tei­li­gung be­stimmt sich nach § 3 AGG. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung kann aber nach § 10 AGG un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig sein. § 10 Satz 1 und 2 AGG ge­stat­ten die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und wenn die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind (BAG v. 23.03.2010 a.a.O., Rn. 15). Nach § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG können die Be­triebs­par­tei­en ei­ne nach Al­ter oder Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung vor­se­hen, in der sie die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­ti­gen, oder auch Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­sch­ließen, weil die­se, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld I, ren­ten­be­rech­tigt sind. Mit die­ser Vor­schrift hat der Ge­setz­ge­ber den Be­triebs­par­tei­en ei­nen Ge­stal­tungs- und Be­ur­tei­lungs­spiel­raum eröff­net, der es ih­nen un­ter den in der Vor­schrift be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ermöglicht, das Le­bens­al­ter als Be­mes­sungs­kri­te­ri­um für die So­zi­al­plan­ab­fin­dung her­an­zu­zie­hen (BAG v. 23.03.2010 a.a.O., Rn. 16).

(2) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts darf im Rah­men des § 10 S.3 Nr.6 AGG auf den frühestmögli­chen Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te ab­ge­stellt wer­den, selbst wenn der vor­zei­ti­ge Ren­ten­be­zug für den Ar­beit­neh­mer zu ei­ner Kürzung der Al­ters­ren­te führt (vgl. BAG v. 23.03.2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972; eben­so zur Rechts­la­ge vor In­kraft­tre­ten des AGG: BAG v. 30.09.2008 - 1 AZR 684//07 - AP Nr. 197 zu § 112 Be­trVG 1972; so auch schon BAG v. 26.07.1988 - 1 AZR 156/87 - AP Nr. 45 zu § 112 Be­trVG 1972). Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die­se Recht­spre­chung im Hin­blick auf die Ent­schei­dung des EuGH in Sa­chen "An­der­sen" (Ur­teil vom 12.10.2010 - C-499/08 - NZA 2010, 1341) noch auf­recht er­hal­ten blei­ben kann oder ob § 10 S.3 Nr.6 eu­ro­pa­rechts­kon­form da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den muss, dass auf den tatsächli­chen vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­zug oder aber auf das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen der Re­gel­al­ters­ren­te ab­zu­stel­len ist. Un­abhängig hier­von ist Zif­fer 2.5.1 des So­zi­al­plans vom 16.06.2011 je­den­falls des­halb un­wirk­sam, weil die In­ter­es­sen der älte­ren Ar­beit­neh­mer un­verhält­nismäßig be­ein­träch­tigt wer­den.

Selbst wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 S.3 Nr.6 AGG vor­lie­gen, so be­darf es im­mer der Prüfung am Maßstab des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes, ob die kon­kre­te Re­ge­lung ge­eig­net so­wie an­ge­mes­sen und er­for­der­lich im Sin­ne des § 10 Satz 2 AGG ist (BAG v. 12.04.2011 - 1 AZR 743/09 - DB 2011, 1641 ff., Rn. 19, 28; BAG v. 23.03.2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972, Rn. 28). In die­sem Rah­men ist stets zu prüfen, ob die kon­kret ge­trof­fe­ne Re­ge­lung den ge­setz­li­chen und uni­ons­recht­li­chen An­for­de­run­gen ent­spricht (BAG v. 12.04.2011 a.a.O., Rn. 19). Letz­te­res ist hier nicht der Fall.

Nach ständi­ger Recht­spre­chung des BAG ha­ben So­zi­alpläne ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on (BAG v. 23.03.2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972, Rn. 29; BAG v. 26.05.2009 - 1 AZR 212/08 - n.v., zi­tiert nach ju­ris, Rn. 13). Geld­leis­tun­gen in Form ei­ner Ab­fin­dung stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar, son­dern sol­len die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes durch Be­triebsände­rung ver­ur­sach­ten Ar­beits­platz­ver­lus­tes aus­glei­chen oder zu­min­dest ab­mil­dern. Die Be­triebs­par­tei­en können die­se Nach­tei­le auf­grund ih­res Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raums in ty­pi­sier­ter und pau­scha­lier­ter Form aus­glei­chen (BAG v. 23.03.2010 a.a.O; BAG v. 26.05.2009 - 1 AZR 198/08 - AP Nr. 200 zu § 112 Be­trVG 1972). Da­zu können sie die übermäßige Begüns­ti­gung, die älte­re Beschäftig­te mit langjähri­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit bei ei­ner am Le­bens­al­ter und an der Be­triebs­zu­gehörig­keit ori­en­tier­ten Ab­fin­dungs­be­rech­nung er­fah­ren, durch ei­ne Kürzung für ren­ten­na­he Jahrgänge zurückführen, um ei­ne aus Sicht der Be­triebs­par­tei­en ver­tei­lungs­ge­rech­te Ab­mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Be­triebsände­rung zu ermögli­chen (BAG v. 23.03.2010 a.a.O.). Dies kann auch in der Wei­se er­fol­gen, dass ein Sys­tem­wech­sel vor­ge­nom­men wird, die Ab­fin­dung für älte­re Ar­beit­neh­mer al­so nach ei­ner an­de­ren For­mel be­rech­net wird als die jünge­rer Ar­beit­neh­mer (vgl. hier­zu BAG v. 26.05.2009 - 1 AZR 212/08 - n.v., zi­tiert nach ju­ris). Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben in­so­weit ei­nen Ge­stal­tungs­spiel­raum (BAG v. 26.05.2009 a.a.O., Rn. 19).

Die­sen Ge­stal­tungs­spiel­raum ha­ben die Be­triebs­par­tei­en hier über­schrit­ten. Die Be­gren­zung der Ab­fin­dungs­be­rech­nung auf die Zeit bis zum frühestmögli­chen Ren­ten­be­zug ist je­den­falls im vor­lie­gen­den Fall nicht an­ge­mes­sen.

Das Ziel, ei­ne übermäßige Begüns­ti­gung älte­rer Ar­beit­neh­mer zu ver­hin­dern, hätte auch er­reicht wer­den können, wenn ei­ne Be­gren­zung der Ab­fin­dungs­be­rech­nung auf die Zeit bis zum re­gulären Ren­ten­be­zug vor­ge­nom­men wor­den wäre. Durch das Ab­stel­len auf den frühestmögli­chen Ren­ten­be­zug wer­den die älte­ren Ar­beit­neh­mer un­verhält­nismäßig be­las­tet. Es wird in­so­weit nicht berück­sich­tigt, dass es den Ar­beit­neh­mern frei steht, ob sie ei­ne Ren­te mit der Fol­ge ei­ner le­bens­lan­gen Kürzung be­an­tra­gen oder aber dem Ar­beits­markt wei­ter zur Verfügung ste­hen, in­dem sie sich ar­beits­los mel­den.

Im Fall "An­der­sen" hat der EuGH ent­schie­den, dass Art. 2 und 6 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­he, die ei­nen an­sons­ten ge­ge­be­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nicht nur dann aus­sch­ließt, wenn ein Ar­beit­neh­mer von sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te be­zieht, son­dern auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne sol­che be­zie­hen könn­te, aber auf die­se Möglich­keit ver­zich­tet, um sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn wei­ter zu ver­fol­gen. Hier­durch würde Ar­beit­neh­mern, die be­reits ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen könn­ten, die wei­te­re Ausübung ih­res Rechts, zu ar­bei­ten, er­schwert (EuGH v. 12.10.2010 a.a.O., Rn. 45). Außer­dem könn­ten hier­durch Ar­beit­neh­mer ge­zwun­gen wer­den, ei­ne nied­ri­ge­re Al­ters­ren­te an­zu­neh­men als die, die sie be­an­spru­chen könn­ten, wenn sie bis in ein höhe­res Al­ter be­rufstätig blie­ben (EuGH v. 12.10.2010 a.a.O., Rn. 46).

Ei­ne ent­spre­chen­de Un­gleich­be­hand­lung er­gibt sich, wenn man in ei­nem So­zi­al­plan da­nach dif­fe­ren­ziert, ob ein Ar­beit­neh­mer vor­zei­tig ei­ne - gekürz­te - Al­ters­ren­te be­zie­hen kann oder nicht. Es gibt kei­nen ent­schei­den­den Un­ter­schied hin­sicht­lich des Zwecks der Ab­fin­dungs­zah­lung nach däni­schem Recht, wel­ches der EuGH - Ent­schei­dung zu­grun­de lag, und ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung. Die Ab­fin­dung der vom EuGH be­ur­teil­ten däni­schen Rechts­norm hat das Ziel, den Über­gang älte­rer Ar­beit­neh­mer, die über ei­ne lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber verfügen, in ei­ne neue Beschäfti­gung zu er­leich­tern (EuGH v. 12.10.2010 a.a.O., Rn. 27). Dies ent­spricht der be­reits oben dar­ge­leg­ten zu­kunfts­be­zo­ge­nes Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on deut­scher So­zi­alpläne.

Ei­ne Über­tra­gung der vom EuGH im Fall "An­der­sen" - auf­ge­stell­ten Grundsätze auf So­zi­alpläne nach Deut­schem Recht ist auch nicht et­wa des­halb ge­ne­rell aus­ge­schlos­sen, weil es bei ei­nem So­zi­al­plan - an­ders als bei ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung wie in Däne­mark - nur ein be­grenz­tes Vo­lu­men zu ver­tei­len gibt. Der da­hin­ge­hen­den Auf­fas­sung in Recht­spre­chung (LAG Rhein­land-Pfalz v. 10.03.2011 - 10 Sa 547/10 -, n.v., zi­tiert nach ju­ris, Rn. 47) und Li­te­ra­tur (Rolfs BB 2010, 2894, 2895) folgt die Kam­mer nicht. Zwar ist es rich­tig, dass die zur Verfügung ste­hen­den Mit­tel von den Be­triebs­par­tei­en op­ti­miert wer­den und sie dar­auf ach­ten müssen, dass kei­ne Grup­pe übermäßig be­vor­zugt wird. Auch ist es zu­tref­fend, dass die Erhöhung der Ab­fin­dun­gen älte­rer Ar­beit­neh­mer zu ei­ner Ver­rin­ge­rung der Ab­fin­dung jünge­rer Ar­beit­neh­mer führen würde. Der be­grenz­te "Topf" der zur Verfügung ste­hen­den Mit­tel recht­fer­tigt aber für sich ge­nom­men kei­ne Un­gleich­be­hand­lung. Wäre dies an­ders, dürf­te § 75 Abs. 1 Be­trVG auf So­zi­alpläne we­gen de­ren be­grenz­ten Vo­lu­mens über­haupt kei­ne An­wen­dung fin­den. Auch wenn die Mit­tel be­grenzt sind, be­deu­tet dies nicht, dass die Ver­tei­lung ein­sei­tig zu Las­ten ei­ner Grup­pe ge­hen darf.

Ob trotz der "An­der­sen" - Ent­schei­dung des EuGH ge­ge­be­nen­falls dann et­was an­de­res gel­ten kann, wenn der­art we­ni­ge Mit­tel für ei­nen So­zi­al­plan vor­han­den sind, dass ein an­ge­mes­se­ner Aus­gleich des Ar­beits­platz­ver­lus­tes für al­le Ar­beit­neh­mer gänz­lich aus­ge­schlos­sen ist, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Ein sol­cher Fall liegt hier je­den­falls nicht vor. Die So­zi­al­plan­ansprüche für Ar­beit­neh­mer bis ein­sch­ließlich 57 Jah­re sind der­art großzügig be­mes­sen, dass nicht ernst­haft an­ge­nom­men wer­den kann, ei­ne an­de­re Ver­tei­lung hätte zwangsläufig da­zu geführt, dass die So­zi­al­plan­ab­fin­dung bei jünge­ren Ar­beit­neh­mern die Über­brückungs­funk­ti­on nicht mehr hätte erfüllen können.

Ei­ne Ab­wei­chung von den Grundsätzen der An­der­sen-Ent­schei­dung des EuGH recht­fer­tigt sich im Streit­fall auch nicht dar­aus, dass die Mit­ar­bei­ter die Möglich­keit ge­habt hätten, an ei­nem an­de­ren Stand­ort der Be­klag­ten wei­ter­zu­ar­bei­ten. Da die­se Möglich­keit al­len un­ter Zif­fer 2.4 und Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans fal­len­den Ar­beit­neh­mern zu­ge­stan­den hätte, kann sich hier­aus kein sach­li­cher Grund für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen jünge­ren und älte­ren Ar­beit­neh­mern er­ge­ben. Die über 57-Jähri­gen, die ein Ar­beits­platz­an­ge­bot ab­ge­lehnt ha­ben, weil ih­nen die­ses auf­grund der Re­ge­lun­gen in der An­la­ge 1 des So­zi­al­plans nicht zu­mut­bar war, be­fin­den sich in der­sel­ben Si­tua­ti­on wie jünge­re Ar­beit­neh­mer, je­den­falls so­lan­ge sie sich auf Ar­beits­su­che be­fin­den. Sch­ließlich ist es un­er­heb­lich, dass An­la­ge 1 des So­zi­al­plans die Ar­beit­neh­mer, die das 58. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, ge­genüber jünge­ren Ar­beit­neh­mern begüns­tigt, in­dem al­lein das Er­rei­chen des Le­bens­al­ters da­zu führt, dass das Ar­beits­platz­an­ge­bot als un­zu­mut­bar gilt. Al­ler­dings kann die­se Re­ge­lung da­zu führen, dass ein 58-Jähri­ger ei­nen So­zi­al­plan­an­spruch erhält, während ein 57-Jähri­ger in glei­cher Si­tua­ti­on hier­von aus­ge­schlos­sen wäre, so­fern nicht ei­nes der an­de­ren Un­zu­mut­bar­keits­kri­te­ri­en erfüllt wäre. Den­noch folgt hier­aus nicht, dass des­we­gen bei älte­ren Ar­beit­neh­mern die Ab­fin­dung we­gen des mögli­chen vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­zugs be­grenzt wer­den kann. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Re­ge­lung gemäß Zif­fer 2.5.1 al­lein für die­je­ni­gen Per­so­nen gel­ten würde, die aus­sch­ließlich we­gen des Le­bens­al­ters über­haupt ei­nen So­zi­al­plan­an­spruch er­wer­ben würden. Tatsächlich können aber auch bei Per­so­nen, die älter als 57 Jah­re sind, zusätz­lich die an­de­ren Kri­te­ri­en erfüllt sein, die ei­ne An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots als un­zu­mut­bar er­schei­nen las­sen (z.B.: Kin­der, die ei­ne all­ge­mein­bil­den­de Schu­le be­su­chen oder sich in der Aus­bil­dung be­fin­den; Ehe¬oder Le­bens­part­ner mit ei­nem Ar­beits­verhält­nis, das min­des­tens ge­nau­so lan­ge be­steht wie das des Be­trof­fe­nen; Schwer­be­hin­de­rung). Da der So­zi­al­plan bezüglich der Höhe der Ab­fin­dung nicht nach den Gründen der Un­zu­mut­bar­keit dif­fe­ren­ziert, kann dies auch nicht zu ei­ner Recht­fer­ti­gung der Al­ters­dif­fe­ren­zie­rung be­zo­gen auf den mögli­chen vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­zug führen.

bb) Die Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung in Zif­fer 2.5.1 hat nicht die Un­wirk­sam­keit der ge­sam­ten Re­ge­lung un­ter Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans zur Fol­ge.

(1) Ist ein Teil ei­nes So­zi­al­plans un­wirk­sam, so führt dies nicht zwin­gend zur Un­wirk­sam­keit des ge­sam­ten So­zi­al­plans. Es ist viel­mehr zu prüfen, ob die ver­blei­ben­de Re­ge­lung auch oh­ne den un­wirk­sa­men Teil ei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung enthält (BAG v. 19.02.2008 - 1 AZR 1004/06 - AP Nr. 191 zu § 112 Be­trVG 1972, Rn.40; BAG v. 28.03.2007 - 10 AZR 719/05 - AP Nr. 184 zu § 112 Be­trVG 1972; BAG v. 22.03.2005 - 1 ABR 64/03 - AP Nr. 26 zu § 4 TVG Gel­tungs­be­reich; BAG v. 21.01.2003 - 1 ABR 9/02 - AP Nr. 1 zu § 21a Be­trVG 1972). Stellt sich der ver­blei­ben­de Teil ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung als ei­ne wei­ter­hin sinn­vol­le und an­wend­ba­re Re­ge­lung dar, so kommt es für de­ren iso­lier­te
Wei­ter­gel­tung auf ei­nen mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­len der Be­triebs­par­tei­en re­gelmäßig nicht an (BAG v. 21.01.2003 a.a.O.). Dies folgt aus dem Norm­cha­rak­ter ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, der es eben­so wie bei Ta­rif­verträgen und Ge­set­zen ge­bie­tet, im In­ter­es­se der Kon­ti­nuität und Rechts­beständig­keit ei­ner ge­setz­ten Ord­nung die­se so­weit auf­recht zu er­hal­ten, wie sie auch oh­ne den un­wirk­sa­men Teil ih­re Ord­nungs­funk­ti­on noch ent­fal­ten kann (vgl. wie­der­um BAG v. 19.02.2008 a.a.O., Rn. 39).

(2) Im Streit­fall kann der So­zi­al­plan auch auf­recht­er­hal­ten wer­den, oh­ne dass ei­ne Be­gren­zung auf den frühestmögli­chen Ein­tritt in die ge­setz­li­che Ren­te vor­ge­nom­men wird. Bei Strei­chung der Sil­be "frühest" bleibt ei­ne in sich ge­schlos­se­ne sinn­vol­le Re­ge­lung be­ste­hen.

In die­sem Fall wird die Ab­fin­dung ent­we­der durch den tatsächli­chen Ren­ten­ein­tritt, die Vor­aus­set­zun­gen des Be­zugs ei­ner un­gekürz­ten Al­ters­ren­te und/oder auf den Zeit­punkt des re­gulären Aus­schei­dens aus dem Be­trieb be­grenzt.

(a) Ein Ab­stel­len auf den tatsächli­chen Ren­ten­ein­tritt ist un­pro­ble­ma­tisch möglich. Der EuGH hat in der Ent­schei­dung "An­der­sen" klar­ge­stellt, dass ei­ne Ab­fin­dung nicht ge­zahlt wer­den müsse, wenn ein Ar­beit­neh­mer sich ent­schließe, vor­zei­tig ei­ne Al­ters­ren­te in An­spruch zu neh­men (vgl. EuGH v. 12.10.2010 - C-499/08 - NZA 2010, 1341 ff., Rn. 40). Der sach­li­che Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung liegt in die­sem Fall nicht im Al­ter be­gründet, son­dern in der Tat­sa­che, dass ein Ar­beit­neh­mer nicht mehr dem Ar­beits­markt zur Verfügung steht und aus die­sem Grund auch kei­ner Über­brückungs- und Aus­gleichs­leis­tung für die­se Zeit mehr be­darf.

(b) Je­den­falls kann die Ab­fin­dung auf den Zeit­punkt des mögli­chen Ein­tritts in den Ru­he­stand ab­ge­stellt wer­den, so­fern das re­guläre Ren­ten­al­ter er­reicht wird.

Ei­ne sol­che Re­ge­lung ist von § 10 S.2 so­wie S.3 Nr.6 AGG ge­deckt. Sie ist an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, denn über das Er­rei­chen des Re­gel-Ren­ten­al­ters hin­aus sind die Ar­beit­neh­mer nicht mehr schutzwürdig. Die Be­triebs­par­tei­en dürfen im Rah­men ei­ner zulässi­gen pau­scha­len Be­ur­tei­lung da­von aus­ge­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer ab die­sem Zeit­punkt fi­nan­zi­ell ab­ge­si­chert ist. Selbst wenn ein Ar­beit­neh­mer wei­ter­hin dem Ar­beits­markt zur Verfügung ste­hen möch­te, kann er sei­nem Be­rufs­wunsch oh­ne Ver­zicht auf die Al­ters­ren­te nach­kom­men, da die sog. Hin­zu­ver­dienst­gren­ze gemäß § 34 Abs.2 S.1 SGB VI nur vor Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze gilt (vgl. Kütt­ner - Schle­gel, Per­so­nal­buch, 18. Auf­la­ge 2011, Stich­wort: Rent­ner­beschäfti­gung, Rn. 14). Die vom EuGH be­an­stan­de­te Si­tua­ti­on, dass Ar­beit­neh­mer ge­zwun­gen würden, ei­ne nied­ri­ge­re Al­ters­ren­te an­zu­neh­men (sie­he EuGH v. 12.10.2010 a.a.O., Rn. 47), ist dann nicht ge­ge­ben.

(c) Un­abhängig von den obi­gen Ausführun­gen un­ter Zif­fer (2) (a) und (b) ist die So­zi­al­plan­ab­fin­dung je­den­falls auf den Zeit­punkt der re­gulären Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­grenzt. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung von Zif­fer 2.5.2 des So­zi­al­plans.

(aa) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG sind So­zi­alpläne als Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen be­son­de­rer Art we­gen ih­rer aus § 77 Abs. 4 Satz 1, § 112 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG fol­gen­den nor­ma­ti­ven Wir­kung wie Ta­rif­verträge und Ge­set­ze aus­zu­le­gen. Aus­zu­ge­hen ist dem­ent­spre­chend zunächst vom Wort­laut und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Darüber hin­aus kommt es auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Be­stim­mung an. Von be­son­de­rer Be­deu­tung sind fer­ner Sinn und Zweck der Re­ge­lung. Der tatsächli­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en ist zu berück­sich­ti­gen, so­weit er in dem Re­ge­lungs­werk sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­nem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Verständ­nis der Re­ge­lung führt (vgl. nur BAG v. 26.08.2008 - 1 AZR 349/07 - n.v., Rn. 14; BAG v. 13.03.2007 - 1 AZR 262/06 - AP Nr. 183 zu § 112 Be­trVG 1972).

(bb) Bei An­wen­dung der vor­ge­nann­ten Grundsätze er­gibt sich zwei­fels­frei, dass die Ab­fin­dungs­be­rech­nung auf die Zeit be­grenzt ist, die das Ar­beits­verhält­nis ma­xi­mal fort­ge­dau­ert hätte, wenn es nicht in­fol­ge der Be­triebsände­rung ge­en­det hätte, die Grund­la­ge des So­zi­al­plans war.

Dies er­gibt sich be­reits aus der For­mu­lie­rung "auf die Dau­er sei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens". Darüber hin­aus ent­spricht die­se Be­gren­zung auch dem Sinn und Zweck der Ab­fin­dungs­re­ge­lung, wel­che die Nach­tei­le in­fol­ge der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung aus­glei­chen, nicht aber den Ar­beit­neh­mern Vor­tei­le ver­schaf­fen soll.

(3) Es ist nicht er­sicht­lich, dass die Teil­un­wirk­sam­keit von Zif­fer 2.5.1 des So­zi­al­plans vom 16.06.2020 zu ei­ner der Be­klag­ten un­zu­mut­ba­ren Erhöhung des Ge­samt­vo­lu­mens führen würde.

Ei­ne mit der Kor­rek­tur ei­ner ein­zel­nen Be­stim­mung ei­nes So­zi­al­plans mit­tel­bar ver­bun­de­ne Aus­deh­nung des vor­ge­se­he­nen Fi­nanz­vo­lu­mens hat der Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig hin­zu­neh­men, so­lan­ge die Mehr­be­las­tung durch die Kor­rek­tur im Verhält­nis zum Ge­samt­vo­lu­men des So­zi­al­plans nicht "ins Ge­wicht fällt" (BAG v. 19.02.2008 - 1 AZR 1004//06 - AP Nr. 191 zu § 112 Be­trVG 1972, Rn. 42; BAG v. 21.10.2003 - 1 AZR 407/02 - AP Nr. 163 zu § 112 Be­trVG 1972, zu III 1 der Ent­schei­dungs­gründe). Hier ist we­der von der Be­klag­ten gel­tend ge­macht wor­den noch sonst er­sicht­lich, dass es für sie ei­ne nicht mehr hin­zu­neh­men­de Aus­deh­nung des Ge­samt­vo­lu­mens des So­zi­al­plans zur Fol­ge hat, wenn es ihr ver­wehrt ist, die Be­rech­nung der Ab­fin­dung gemäß Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans auf den Zeit­punkt des frühestmögli­chen Ren­ten­be­zugs zu be­gren­zen. Der feh­len­de dies­bezügli­che Ein­wand geht zu ih­ren Las­ten (vgl. hier­zu BAG v. 19.02.2008 a.a.O., Rn. 42).

cc) Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans ist auch nicht aus an­de­ren Gründen in Gänze un­wirk­sam.

Der So­zi­al­plan verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht, so­weit er zwi­schen Ar­beit­neh­mern mit ei­nem Le­bens­al­ter von bis zu 57 Jah­ren und älte­ren Mit­ar­bei­tern dif­fe­ren­ziert. Es liegt in­so­weit kein Ver­s­toß ge­gen § 75 Abs.1 Be­trVG vor.

(1) Der bei Aus­ge­stal­tung von So­zi­alplänen be­ste­hen­de Ge­stal­tungs- und Be­ur­tei­lungs­spiel­raum der Be­triebs­par­tei­en schließt Ty­pi­sie­run­gen und
Pau­scha­lie­run­gen ein (BAG v. 26.05.2009 - 1 AZR 212/08 - n.v., zi­tiert nach ju­ris, Rn. 14; BAG v. 11.11.2008 - 1 AZR 475/07 - AP Nr. 196 zu § 112 Be­trVG 1972, Rn. 20 ff). Glei­ches gilt für Stich­tags­re­ge­lun­gen (BAG v. 26.05.2009 a.a.O.). Die da­mit ver­bun­de­nen Härten müssen im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit hin­ge­nom­men wer­den, wenn sich die Wahl des Zeit­punkts am ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und so­mit sach­lich ver­tret­bar ist und das auch auf die zwi­schen den Grup­pen ge­zo­ge­nen Gren­zen zu­trifft (BAG v. 26.05.2009 a.a.O.; BAG v. 30.09.2008 - 1 AZR 684/07 - AP Nr. 197 zu § 112 Be­trVG 197, Rn. 29). Die Grup­pen­bil­dung muss al­ler­dings sach­lich ge­recht­fer­tigt sein. Dies ist bei ei­nem am Le­bens­al­ter ori­en­tier­ten Stich­tag der Fall, wenn er sich an den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len ori­en­tiert, wel­che die Ar­beit­neh­mer durch den Ver­lust ih­res Ar­beits­plat­zes zu be­sor­gen ha­ben (vgl. BAG v. 26.05.2009 a.a.O., Rn. 17).

Hier­nach durf­ten die Be­triebs­par­tei­en als Stich­tag für die Dif­fe­ren­zie­run­gen nach dem So­zi­al­plan die Voll­endung des 58. Le­bens­jah­res wählen. In­so­weit durf­ten die Be­triebs­par­tei­en da­von aus­ge­hen, dass sich ab die­sem Zeit­punkt die zu er­war­ten­den Ver­lus­te bis zu ei­nem Ren­ten­be­ginn bzw. dem Zeit­punkt des re­gulären Aus­schei­dens pro­blem­los er­rech­nen las­sen. Je wei­ter hin­ge­gen die Ar­beit­neh­mer von der Al­ters­ren­te ent­fernt sind, des­to schwie­ri­ger wäre ei­ne Be­rech­nung (vgl. zu die­sem Ge­sichts­punkt: BAG v. 26.05.2009 a.a.O., Rn. 18). Die mit dem Stich­tag ver­bun­de­ne Fol­ge, dass ein un­mit­tel­bar vor der Voll­endung des 58. Le­bens­jah­res ste­hen­der Ar­beit­neh­mer un­ter Umständen ei­ne höhe­re Ab­fin­dung erhält als der­je­ni­ge, der die­ses ge­ra­de voll­endet hat, ist ei­ne der Härten, die mit Stich­tags­re­ge­lun­gen übli­cher­wei­se ver­bun­den und im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit hin­zu­neh­men sind (vgl. BAG v. 26.05.2009 a.a.O., Rn. 17; ex­pli­zit zu ei­ner Gren­ze von 58 Jah­ren: BAG v. 30.09.2008 - 1 AZR 684/07 - AP Nr. 197 zu § 112 Be­trVG 197, Rn. 39).

Auch der mit der un­ter­schied­li­chen Be­rech­nungs­for­mel ver­bun­de­ne Sys­tem­wech­sel verstößt nicht ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen
Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (vgl. BAG v. 26.05.2009 - 1 AZR 212/08 - n.v., zi­tiert nach ju­ris, Rn. 18; BAG v. 20.01.2009 - 1 AZR 740/07 - AP Nr. 198 zu § 112 Be­trVG 1972, Rn. 18). Die Be­triebs­par­tei­en sind nicht ver­pflich­tet, sich in­ner­halb ei­nes So­zi­al­plans auf ei­ne Be­rech­nungs­for­mel zu be­schränken. Viel­mehr gehört es zu ih­rem Ge­stal­tungs­spiel­raum, ver­schie­de­ne For­meln zu kom­bi­nie­ren (BAG v. 26.05.2009 a.a.O.).

(2) Die un­ter­schied­li­chen Be­rech­nungs­for­meln in Zif­fer 2.4 und Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans be­inhal­ten kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters.

Die ent­spre­chen­den So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen sind - mit Aus­nah­me des Ab­stel­lens auf die Möglich­keit ei­nes vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­zugs - von § 10 Satz 3 Nr. 6 Alt.2 AGG ge­deckt. Sie sind auch nicht un­verhält­nismäßig im Sin­ne von § 10 Satz 2 AGG. Durch Zif­fer 2.5 des So­zi­al­plans soll ver­hin­dert wer­den, dass Ar­beit­neh­mer auf­grund ih­res Le­bens­al­ters ei­ne über­pro­por­tio­nal ho­he Ab­fin­dung er­hal­ten, die - wie es beim Kläger der Fall wäre - ge­ge­be­nen­falls die durch die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­tre­ten­den Ver­lus­te weit über­schrei­ten würden. Zur Erfüllung die­ses Zwecks ist die Re­ge­lung in Zif­fer 2.5 - so­weit sie nicht auf den frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginn ab­stellt - so­wohl ge­eig­net als auch er­for­der­lich. Sie ist darüber hin­aus auch an­ge­mes­sen, denn die In­ter­es­sen der älte­ren Ar­beit­neh­mer sind genügend be­ach­tet wor­den. Die­se er­hal­ten für die Zeit bis zur re­gulären Al­ters­ren­te ei­nen Aus­gleich, der un­gefähr ih­rem Ver­lust ent­spricht.

(3) Es gibt auch kei­nen Grund, dar­an zu zwei­feln, dass § 10 Satz 3 Nr.6 AGG nicht mit Art. 6 Abs.1 S.1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ver­ein­bar wäre, wenn bei der Be­gren­zung der Ab­fin­dung nicht auf den mögli­chen vor­zei­ti­gen - gekürz­ten - Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te, son­dern auf den Be­ginn der re­gulären Al­ters­ren­te ab­ge­stellt wird. In­so­weit be­darf es kei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens (vgl. BAG v. 23.03.2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972). Ab dem Zeit­punkt, in dem ein Ar­beit­neh­mer die re­guläre Al­ters­ren­te be­zie­hen kann, ist kei­ne Über­brückung der Ar­beits­lo­sig­keit durch Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung mehr er­for­der­lich. Ers­tens en­det oh­ne­hin in al­ler Re­gel das Ar­beits­verhält­nis kraft Ver­ein­ba­rung mit dem re­gulären Al­ters­ren­ten­be­ginn. Zwei­tens steht dem Ar­beit­neh­mer je­den­falls ei­ne un­gekürz­te Al­ters­ren­te zu. Er kann dem­nach durch das Feh­len ei­ner Ab­fin­dung nicht ge­zwun­gen wer­den, Kürzun­gen bei sei­ner Al­ters­ren­te in Kauf zu neh­men. Auf die­sen As­pekt hat aber der EuGH in der An­der­sen-Ent­schei­dung ab­ge­stellt (EuGH v. 12.10.2010 - C-499/08 - NZA 2010, 1341 ff., Rn. 46).

dd) Die Höhe des dem Kläger gemäß Zif­fer 2.5 über die be­reits ge­leis­te­te Zah­lung hin­aus noch zu­ste­hen­den Ab­fin­dungs­an­spruchs er­rech­net sich wie folgt:

Das pau­scha­lier­te Net­to­ent­gelt gemäß Zif­fer 2.5.2.1 des So­zi­al­plans beträgt un­strei­tig 3.118,44 €, wie der von der Be­klag­ten er­teil­ten Ab­rech­nung der So­zi­al­plan­ab­fin­dung zu ent­neh­men ist. Bei 28 zu über­brücken­den Mo­na­ten (01.04.2011 bis 31.07.2013) er­rech­net sich ein Be­trag von 87.316,32 €. Hier­von ist das Ar­beits­lo­sen­geld für ma­xi­mal 24 Mo­na­te in Höhe von un­strei­tig 2.037 €/ Mo­nat, al­so ein Ge­samt­be­trag von 48.888,00 € in Ab­zug zu brin­gen. Der Dif­fe­renz­be­trag von 38.428,32 € ist gemäß Zif­fer 2.5.2.4 um ei­nen pau­scha­len Zu­schlag von 15%, al­so um 5.764,25 € zu erhöhen, wor­aus sich die Brut­to­ab­fin­dungs­sum­me von 44.192,57 € er­gibt. Abzüglich der be­reits ge­leis­te­ten Ab­fin­dung von 4.974,62 €, ver­bleibt der aus­ge­ur­teil­te Be­trag in Höhe von 39.217,95 €.

c) Ein An­spruch des Klägers auf Zah­lung wei­te­rer 2.500,- € gemäß Zif­fer 2.4 1.1 (Ab­fin­dungs­grund­be­trag) be­steht nicht, da er auf­grund sei­nes Le­bens­al­ters nicht un­ter die ent­spre­chen­de Re­ge­lung fällt. Ei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung ist hier­in aus den oben dar­ge­stell­ten Gründen ei­nes zulässi­gen Sys­tem­wech­sels der Be­rech­nungs­for­mel nicht zu se­hen.

2. Dem Kläger steht auf­grund des be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes gemäß § 75 Abs.1 Be­trVG ein An­spruch auf Ju­biläums­zah­lun­gen gemäß Zif­fer 2.4 1.4 des So­zi­al­plans vom 16.06.2010 in Ver­bin­dung mit Zif­fer 6.17 der Be­triebs­ord­nung vom 01.01.1993 zu.

a) So­weit die Be­triebs­par­tei­en Beschäftig­te, die zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses das 58. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, von dem An­spruch gemäß Zif­fer 2.4 1.4 des So­zi­al­plans aus­ge­nom­men ha­ben, stellt dies ei­ne un­zulässi­ge Dif­fe­ren­zie­rung we­gen des Al­ters gemäß § 75 Abs.1 Be­trVG dar.

Es gibt kei­nen sach­li­chen Grund für die­se Dif­fe­ren­zie­rung. Ins­be­son­de­re kann es kei­nen sach­li­chen Grund dar­stel­len, dass älte­re Ar­beit­neh­mer auf­grund der Ren­tennähe nicht mehr im glei­chen Maße schutzwürdig sind wie jünge­re Ar­beit­neh­mer. Zif­fer 2.4 1.4 dient nämlich nicht wie sons­ti­ge Ab­fin­dungs­leis­tun­gen der Über­brückung ei­ner mögli­chen Ar­beits­lo­sig­keit, son­dern soll ei­nen Aus­gleich dafür schaf­fen, dass Ar­beit­neh­mer al­lein des­halb die zu er­war­ten­den Ju­biläum­s­leis­tun­gen nicht er­hal­ten, weil sie in­fol­ge der Be­triebsände­rung, die Grund­la­ge des So­zi­al­plans ist, ih­ren Ar­beits­platz vor­zei­tig ver­lie­ren. In­so­weit be­fin­den sich älte­re Ar­beit­neh­mer aber in der­sel­ben Si­tua­ti­on wie jünge­re Ar­beit­neh­mer.

b) Der An­spruch ist auch nicht et­wa da­durch aus­ge­schlos­sen, dass der Kläger auch dann, wenn das Ar­beits­verhält­nis nicht vor­zei­tig ge­en­det hätte, sein Dienst­ju­biläum nicht im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis hätte voll­enden können, weil er vor­her - mit Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res - in den Ru­he­stand ge­tre­ten wäre.

Dem Kläger hätte in die­sem Fall das Ju­biläums­geld gemäß Zif­fer 6.17 Satz 5 der Be­triebs­ord­nung vom 01.01.1993 den­noch zu­ge­stan­den, da er in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten nach der Pen­sio­nie­rung das Dienst­ju­biläum be­gan­gen hätte. Ei­ne et­wai­ge Dif­fe­ren­zie­rung im So­zi­al­plan da­nach, ob ein Ar­beit­neh­mer oh­ne die Be­triebsände­rung das Ju­biläums­geld vor oder nach der Pen­sio­nie­rung er­hal­ten hätte, würde aber wie­der­um ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­s­toßen. Die­ser Grund­satz ist eben­falls im Rah­men des § 75 Abs.1 Be­trVG zu be­ach­ten, da die dor­ti­ge Aufzählung von Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten nicht ab­sch­ließend ist, wie der For­mu­lie­rung "ins­be­son­de­re" zu ent­neh­men ist (vgl. nur Fit­ting/En­gels/Schmidt/Tre­bin­ger/Lin­sen­mai­er, Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz mit Wahl­ord­nung, § 75 Be­trVG Rn. 30). Ein Sach­grund für die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung ist nicht er­sicht­lich. Von dem auf­grund der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­tre­ten­den Ver­lust der Ju­biläums­geld­leis­tun­gen sind Ar­beit­neh­mer, die die in Zif­fer 6.17 der Be­triebs­ord­nung ge­re­gel­te Ju­biläums­zeit in­ner­halb von 12 Mo­na­ten nach der Pen­sio­nie­rung voll­endet hätten, in glei­cher Wei­se be­trof­fen wie Ar­beit­neh­mer, die ihr Dienst­ju­biläum im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis hätten be­ge­hen können.

c) Auch in­so­weit ist wie­der­um nicht er­sicht­lich, dass sich aus der Leis­tung zusätz­li­cher Ju­biläums­geld­zah­lun­gen ei­ne für die Be­klag­te un­zu­mut­ba­re Erhöhung des So­zi­al­plan­vo­lu­mens er­gibt.

d) Der dies­bezügli­che An­trag des Klägers ist auch nicht als zur­zeit un­be­gründet ab­zu­wei­sen. Er ist nämlich be­reits ent­stan­den und fällig.

Der An­spruch ist ab­wei­chend von den Ju­biläums­geld­leis­tun­gen gemäß Zif­fer 6.17 nicht erst mit dem Dienst­ju­biläum - oder ge­ge­be­nen­falls dem Ein­tritt in den Ru­he­stand - zu zah­len, son­dern ent­steht grundsätz­lich gemäß Zif­fer 5 Abs.1 S.1 des So­zi­al­plans mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und wird ei­nen Mo­nat später fällig. Bei den un­ter Zif­fer 2.4 1.4 ge­re­gel­ten Ju­biläum­s­leis­tun­gen han­delt es sich um Ab­fin­dun­gen im Sin­ne von Zif­fer 5 Abs.1 S.1 des So­zi­al­plans. In der ge­sam­ten Zif­fer 2.4 wer­den Ab­fin­dungs­leis­tun­gen ge­re­gelt, wie der ein­lei­ten­den For­mu­lie­rung im zwei­ten Ab­satz zu ent­neh­men ist: "Soll­te die Wei­ter­beschäfti­gung an dem neu­en Ar­beits­ort nicht zu­mut­bar sein und der Beschäftig­te sich für ein Aus­schei­den aus der F. ent­schei­den, erhält er ei­ne ein­ma­li­ge Ab­fin­dung gemäß den nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen" (Her­vor­he­bung durch Un­ter­zeich­ner). Dem­ent­spre­chend folgt hin­ter Zif­fer 1 ei­ne für die Re­ge­lun­gen der Zif­fern 1.1 bis 1.4 ein­heit­lich gel­ten­de Über­schrift "Be­rech­nung der Ab­fin­dung". Sch­ließlich ent­spricht der Ab­fin­dungs­cha­rak­ter auch dem Sinn und Zweck der Zah­lun­gen gemäß Zif­fer 2.4 1.4, denn die­se be­inhal­ten kei­ne zusätz­li­che Be­loh­nung für das tatsächli­che Dienst­ju­biläum, son­dern stel­len ei­ne Entschädi­gung dafür dar, dass die in der Be­triebs­ord­nung ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ju­biläums­zah­lung we­gen der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr er­reicht wer­den können.

3. Dem Kläger ste­hen Zin­sen im aus­ge­ur­teil­ten Um­fang zu.

a) Die Kla­ge ist auch in­so­weit zulässig.

Die feh­len­de An­ga­be des Da­tums, ab dem Zin­sen ver­langt wer­den, führt hier nicht zur Un­zulässig­keit des An­trags gemäß § 253 Abs.1 Nr.2 ZPO. Aus­rei­chend ist nämlich, wenn der Zins­be­ginn be­stimm­bar ist (vgl. für den Be­ginn der sog. Pro­zess­zin­sen nur Zöller - Gre­ger, ZPO, 28. Auf­la­ge 2010, § 253 Rn.16a). Dies ist hier der Fall, weil der Kläger sich auf die Fällig­keit gemäß dem ein­schlägi­gen So­zi­al­plan be­ruft. Da die­ser zur Ak­te ge­reicht wor­den ist, lässt sich der Zins­be­ginn zwei­fels­frei be­stim­men.

b) Al­ler­dings be­steht ein Zins­an­spruch so­wohl gemäß § 286 Abs.1, Abs.2 Nr.1 BGB als auch gemäß § 291 BGB, je­weils in Ver­bin­dung mit § 288 Abs.1 BGB, erst ab dem auf die Fällig­keit fol­gen­den Tag.

Ver­zug kann erst ein­tre­ten, wenn am Tag der Fällig­keit nicht ge­leis­tet wor­den ist. Für die Pro­zess­zin­sen gilt ent­ge­gen des in­so­weit miss­verständ­li­chen Wort­lauts des § 291 S.1 HS.2 BGB nichts an­de­res. Da die Pro­zess­zin­sen eben­so wie die Ver­zugs­zin­sen die Funk­ti­on ha­ben, den Nach­teil aus­zu­glei­chen, den der Gläubi­ger da­durch er­lei­det, dass er in­fol­ge nicht recht­zei­ti­ger Zah­lung des Schuld­ners dar­an ge­hin­dert ist, ei­nen be­stimm­ten Geld­be­trag zu nut­zen [vgl. hier­zu BAG v. 07.03.2001 - GS 1/00 - NZA 2001, 1195, zu Zif­fer III. 4. b) bb) der Gründe], kann erst nach dem frucht­los ab­ge­lau­fe­nen Fällig­keits­tag ein auf die Zin­sen ge­rich­te­ter Scha­den­er­satz­an­spruch ent­ste­hen.

c) Im Streit­fall er­gibt sich dar­aus ein Zins­be­ginn ab dem 01.05.2011.

Gemäß Zif­fer 5 des So­zi­al­plans ist der Ab­fin­dungs­an­spruch des Klägers am 31.03.2010 - dem Tag der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - ent­stan­den und ei­nen Mo­nat später, al­so gemäß § 188 Abs.2, 3 BGB am 30.04.2010 fällig ge­wor­den. Ab dem 01.05.2010 ist der An­spruch gemäß §§ 288 Abs.1, 291 BGB zu ver­zin­sen.

4. Der Hilfs­an­trag ist ab­zu­wei­sen.

a) Die Kam­mer hat über den Hilfs­an­trag zu ent­schei­den. Der Kläger hat aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass die­ser für den Fall ge­stellt wer­de, dass er mit ei­nem der drei Haupt­anträge zu­min­dest teil­wei­se un­ter­lie­ge.

b) Der An­trag ist teil­wei­se un­zulässig, im Übri­gen gemäß § 256 Abs.1 ZPO zulässig.

aa) Un­zulässig ist der An­trag, als der Kläger in den An­trag die Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung mit auf­nimmt. Das Vor­lie­gen oder Nicht­vor­lie­gen ei­ner Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ist kein Rechts­verhält­nis, son­dern ei­ne Rechts­fra­ge. Es gehört aber nicht zu den Auf­ga­ben der Ge­rich­te Rechts­gut­ach­ten zu er­stel­len.

bb) Im Übri­gen ist der An­trag aber zulässig.

Bei dem So­zi­al­plan han­delt es sich um ein Rechts­verhält­nis im Sin­ne des § 256 ZPO. Zwar ist die­ser nicht zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­sen wor­den, den­noch kann sich die Kla­ge hier­auf be­zie­hen, da sich der So­zi­al­plan gemäß § 112 Abs.1 S.3 i.V.m. § 77 Abs.4 Be­trVG un­mit­tel­bar und zwin­gend für den Kläger als Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten gilt.

Das gemäß § 256 Abs.1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­gibt sich dar­aus, dass Fälle denk­bar sind, in de­nen Re­ge­lun­gen ei­nes So­zi­al­plans gemäß § 75 Abs.1 Be­trVG un­wirk­sam sind, sich den­noch aber kein An­spruch auf ei­ne höhe­re Ab­fin­dung er­gibt, weil das So­zi­al­plan­vo­lu­men in nicht hin­nehm­ba­rer Wei­se aus­ge­dehnt würde. In die­sem Fall kann die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit ei­nes So­zi­al­plans un­ter Umständen da­zu führen, dass die Be­triebs­par­tei­en sich ver­an­lasst se­hen, Ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes neu­en So­zi­al­plans auf­zu­neh­men.

c) Der An­trag ist aber nicht be­gründet.

Der So­zi­al­plan ist nicht in Gänze un­wirk­sam. Auf die obi­gen Ausführun­gen bezüglich der et­wai­gen Un­wirk­sam­keit we­gen ei­ner Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung wird ver­wie­sen. Sons­ti­ge Un­wirk­sam­keits­gründe - et­wa die feh­len­de Zuständig­keit des Ge­samt­be­triebs­rats - sind nicht gel­tend ge­macht wor­den und auch nicht oh­ne ei­nen ent­spre­chen­den Sach­vor­trag der Par­tei­en in sons­ti­ger Wei­se er­kenn­bar.

Selbst wenn der So­zi­al­plan aber un­wirk­sam wäre, so hätte der Kläger oh­ne­hin kei­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen mit dem Ge­samt­be­triebs­rat zum Ab­schluss ei­nes neu­en So­zi­al­plans. Aus § 112 Be­trVG er­ge­ben sich nur Ansprüche des Be­triebs­rats (bzw. Ge­samt­be­triebs­rats) zur Durchführung von Ver­hand­lun­gen und den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs, nicht des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers (vgl. LAG Rhein­land-Pfalz v. 10.03.2011 - 10 Sa 547/10 -, n.v., zi­tiert nach ju­ris, Rn. 53).

B.

I. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 64 Abs.6 ArbGG, 92 Abs.1 ZPO und ent­spricht dem wech­sel­sei­ti­gen Ob­sie­gen bzw. Un­ter­lie­gen. Da­bei ist die Kam­mer da­von aus­ge­gan­gen, dass der erst­in­stanz­li­che An­trag auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung zum 31.03.2011 und des Fort­be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.05.2011, der zunächst gleich­zei­tig mit den Zah­lungs­anträgen anhängig war, mit zwei Gehältern zu be­wer­ten und der Hilfs­an­trag auf 12.000,- € zu schätzen ist.

II. Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs.2 Nr.1 so­wie Nr.2 ArbGG zu­ge­las­sen.

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