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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Gleichbehandlung, Altersdiskriminierung, Diskriminierung: Alter, Abfindung
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Akten­zeichen: C-499/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 12.10.2010
   
Leit­sätze: Die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, nach der Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus ei­nem Ren­ten­sys­tem ge­zahlt wird, dem sie vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind, al­lein aus die­sem Grund ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung nicht be­zie­hen können, die da­zu be­stimmt ist, die be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung von Ar­beit­neh­mern mit ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als zwölf Jah­ren zu fördern.
Vor­ins­tan­zen:
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Große Kam­mer)

12. Ok­to­ber 2010(*)

„Richt­li­nie 2000/78/EG – Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters – Kei­ne Zah­lung ei­ner Ent­las­sungs­ab­fin­dung an Ar­beit­neh­mer, die An­spruch auf den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te ha­ben“

In der Rechts­sa­che C‑499/08

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Vest­re Lands­ret (Däne­mark) mit Ent­schei­dung vom 14. No­vem­ber 2008, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 19. No­vem­ber 2008, in dem Ver­fah­ren

In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark, han­delnd für Ole An­der­sen,

ge­gen

Re­gi­on Syddan­mark

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Große Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, K. Lena­erts, J.‑C. Bo­ni­chot und A. Ara­b­ad­jiev so­wie der Rich­ter G. Ares­tis, A. Borg Bart­het, M. Ilešič, J. Ma­le­n­ovský und L. Bay Lar­sen, der Rich­te­rin P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin) und des Rich­ters T. von Dan­witz,

Ge­ne­ral­anwältin: J. Ko­kott,

Kanz­ler: C. Strömholm, Ver­wal­tungsrätin,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. Fe­bru­ar 2010,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

– der In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark, han­delnd für M. An­der­sen, ver­tre­ten durch K. Schiold­ann, ad­vo­kat,

– der Re­gi­on Syddan­mark, ver­tre­ten durch M. Ul­rich, ad­vo­kat,

– der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch J. Be­ring Liis­berg und B. Weis Fogh als Be­vollmäch­tig­te,

– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Lum­ma und J. Möller als Be­vollmäch­tig­te,

– der un­ga­ri­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch G. Iván als Be­vollmäch­tig­ten,

– der nie­derländi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch C. M. Wis­sels und M. de Mol als Be­vollmäch­tig­te,

– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch N. B. Ras­mus­sen, J. En­e­gren und S. Schønberg als Be­vollmäch­tig­te,

nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 6. Mai 2010

fol­gen­des

Ur­teil

1

Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Art. 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).

2

Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen der In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark und der Re­gi­on Syddan­mark we­gen der Ent­las­sung von Herrn An­der­sen.

Recht­li­cher Rah­men

Rechts­vor­schrif­ten der Uni­on

3

Der 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:

„Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters stellt ein we­sent­li­ches Ele­ment zur Er­rei­chung der Zie­le der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en und zur Förde­rung der Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung dar. Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters können un­ter be­stimm­ten Umständen je­doch ge­recht­fer­tigt sein und er­for­dern da­her be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können. Es ist da­her un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist.“

4

Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist „Zweck die­ser Richt­li­nie … die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.

5

Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:

„(1) Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­deu­tet ‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.

(2) Im Sin­ne des Ab­sat­zes 1

a) liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde;

b) liegt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung, ei­nes be­stimm­ten Al­ters oder mit ei­ner be­stimm­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn:

i) die­se Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt, und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, oder

ii) der Ar­beit­ge­ber oder je­de Per­son oder Or­ga­ni­sa­ti­on, auf die die­se Richt­li­nie An­wen­dung fin­det, ist im Fal­le von Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung auf­grund des ein­zel­staat­li­chen Rechts ver­pflich­tet, ge­eig­ne­te Maßnah­men ent­spre­chend den in Ar­ti­kel 5 ent­hal­te­nen Grundsätzen vor­zu­se­hen, um die sich durch die­se Vor­schrift, die­ses Kri­te­ri­um oder die­ses Ver­fah­ren er­ge­ben­den Nach­tei­le zu be­sei­ti­gen.

…“

6

Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:

„Im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf

a) die Be­din­gun­gen – ein­sch­ließlich Aus­wahl­kri­te­ri­en und Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen – für den Zu­gang zu un­selbständi­ger und selbständi­ger Er­werbstätig­keit, un­abhängig von Tätig­keits­feld und be­ruf­li­cher Po­si­ti­on, ein­sch­ließlich des be­ruf­li­chen Auf­stiegs;

b) den Zu­gang zu al­len For­men und al­len Ebe­nen der Be­rufs­be­ra­tung, der Be­rufs­aus­bil­dung, der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und der Um­schu­lung, ein­sch­ließlich der prak­ti­schen Be­rufs­er­fah­rung;

c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts;

d) die Mit­glied­schaft und Mit­wir­kung in ei­ner Ar­beit­neh­mer‑ oder Ar­beit­ge­ber­or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, de­ren Mit­glie­der ei­ner be­stimm­ten Be­rufs­grup­pe an­gehören, ein­sch­ließlich der In­an­spruch­nah­me der Leis­tun­gen sol­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen.“

7

Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:

„(1) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.

Der­ar­ti­ge Un­gleich­be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen:

a) die Fest­le­gung be­son­de­rer Be­din­gun­gen für den Zu­gang zur Beschäfti­gung und zur be­ruf­li­chen Bil­dung so­wie be­son­de­rer Beschäfti­gungs‑ und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für Ent­las­sung und Ent­loh­nung, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen, älte­ren Ar­beit­neh­mern und Per­so­nen mit Fürsor­ge­pflich­ten zu fördern oder ih­ren Schutz si­cher­zu­stel­len;

b) die Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter, die Be­rufs­er­fah­rung oder das Dienst­al­ter für den Zu­gang zur Beschäfti­gung oder für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le;

c) die Fest­set­zung ei­nes Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder auf­grund der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand.

(2) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt.“

Na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten

8

§ 2a des Lov om rets­for­hol­det mel­lem ar­be­jds­gi­ve­re og funk­ti­onærer (Ge­setz über Rechts­verhält­nis­se zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern, im Fol­gen­den: Funk­ti­onærlov) enthält die fol­gen­den Be­stim­mun­gen zur Ent­las­sungs­ab­fin­dung:

„(1) Wird das Dienst­verhält­nis ei­nes An­ge­stell­ten, der im sel­ben Be­trieb 12, 15 oder 18 Jah­re lang un­un­ter­bro­chen beschäftigt war, gekündigt, hat der Ar­beit­ge­ber bei der Ent­las­sung des An­ge­stell­ten ei­nen Be­trag in Höhe von 1, 2 bzw. 3 Mo­nats­gehältern zu zah­len.

(2) Abs. 1 fin­det kei­ne An­wen­dung, wenn der An­ge­stell­te bei sei­nem Aus­schei­den ei­ne Volks­ren­te erhält.

(3) Erhält der An­ge­stell­te bei sei­ner Ent­las­sung ei­ne Al­ters­ren­te vom Ar­beit­ge­ber und ist der An­ge­stell­te dem ent­spre­chen­den Ren­ten­sys­tem vor Voll­endung des 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten, entfällt die Ent­las­sungs­ab­fin­dung.

…“

9

Das vor­le­gen­de Ge­richt legt dar, dass der An­spruch auf die Ent­las­sungs­ab­fin­dung nach ständi­ger na­tio­na­ler Recht­spre­chung ent­fal­le, wenn ein pri­va­tes Ren­ten­sys­tem, zu dem der Ar­beit­ge­ber Beiträge ent­rich­tet ha­be, im Fall der Ent­las­sung die Möglich­keit des Be­zugs ei­ner Al­ters­ren­te eröff­ne, und zwar auch dann, wenn der An­ge­stell­te die­ses Recht nicht ausüben möch­te. Dies gel­te auch dann, wenn der Ren­ten­be­trag we­gen des vor­zei­ti­gen Ein­tritts in den Ru­he­stand gekürzt wer­de.

10

Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de durch das Ge­setz Nr. 1417 vom 22. De­zem­ber 2004 zur Ände­rung des Ge­set­zes über das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf dem Ar­beits­markt u. a. (Lov om ænd­ring af lov om for­bud mod forskels­be­hand­ling på ar­be­jds­mar­ke­det m. v.) in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt.

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­ge

11

Herr An­der­sen wur­de am 1. Ja­nu­ar 1979 vom Sønder­jyl­lands Amtsråd (Kreis­tag Südjütland), jetzt Re­gi­on Syddan­mark (Re­gi­on Süddäne­mark), ein­ge­stellt.

12

Mit Schrei­ben vom 22. Ja­nu­ar 2006 kündig­te die Re­gi­on Syddan­mark das Ar­beits­verhält­nis von Herrn An­der­sen zum En­de des Mo­nats Au­gust 2006. In ei­nem Schieds­ver­fah­ren wur­de fest­ge­stellt, dass die­se Kündi­gung un­ge­recht­fer­tigt war.

13

Nach dem En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Re­gi­on Syddan­mark ent­schied sich der zu die­sem Zeit­punkt 63 Jah­re al­te Herr An­der­sen dafür, nicht in den Ru­he­stand zu tre­ten, son­dern sich bei den zuständi­gen Stel­len ar­beits­los zu mel­den.

14

Am 2. Ok­to­ber 2006 ver­lang­te Herr An­der­sen von sei­nem frühe­ren Ar­beit­ge­ber die Zah­lung der Ent­las­sungs­ab­fin­dung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern, wofür er ei­ne Dienst­zeit von mehr als 18 Jah­ren gel­tend mach­te.

15

Am 14. Ok­to­ber 2006 wies die Re­gi­on Syddan­mark die­sen An­trag gestützt auf § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov mit der Be­gründung zurück, dass Herr An­der­sen ei­ne von sei­nem Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­te Ren­te be­zie­hen könne.

16

Die für Herrn An­der­sen han­deln­de Ge­werk­schaft In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark er­hob ge­gen die­se Ent­schei­dung Kla­ge vor dem Vest­re Lands­ret. Wie sich aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt, macht die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens gel­tend, § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov stel­le ei­ne nicht mit den Art. 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78 zu ver­ein­ba­ren­de Dis­kri­mi­nie­rung von Ar­beit­neh­mern dar, die älter als 60 Jah­re sei­en; dem tritt die Re­gi­on Syddan­mark ent­ge­gen.

17

Un­ter die­sen Umständen hat der Vest­re Lands­ret das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

Ist das Ver­bot ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters in den Art. 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78 so aus­zu­le­gen, dass es ei­nen Mit­glied­staat dar­an hin­dert, ei­nen Rechts­zu­stand bei­zu­be­hal­ten, der be­inhal­tet, dass ein Ar­beit­ge­ber bei der Kündi­gung des Dienst­verhält­nis­ses ei­nes An­ge­stell­ten, der 12, 15 oder 18 Jah­re lang un­un­ter­bro­chen im sel­ben Be­trieb beschäftigt war, im Fall der Ent­las­sung ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von ei­nem, zwei oder drei Mo­nats­gehältern zah­len muss, die­se Ab­fin­dung aber nicht zu zah­len ist, wenn der An­ge­stell­te bei sei­ner Ent­las­sung die Möglich­keit hat, ei­ne Al­ters­ren­te aus ei­nem Ren­ten­sys­tem zu be­zie­hen, zu dem der Ar­beit­ge­ber Beiträge ge­leis­tet hat?

Zur Vor­la­ge­fra­ge

18

Um auf die Fra­ge des vor­le­gen­den Ge­richts zu ant­wor­ten, ist zu prüfen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che na­tio­na­le Re­ge­lung in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt und, wenn ja, ob es sich um ei­ne we­gen des Al­ters dis­kri­mi­nie­ren­de Maßnah­me han­delt, die ge­ge­be­nen­falls als nach Art. 6 der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wer­den kann.

19

Was als Ers­tes die Fra­ge be­trifft, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt, er­gibt sich so­wohl aus dem Ti­tel und den Erwägungs­gründen als auch aus dem In­halt und der Ziel­set­zung die­ser Richt­li­nie, dass die­se ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – bie­tet.

20

Im Ein­zel­nen er­gibt sich aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se im Rah­men der auf die Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len“, in Be­zug auf u. a. „die Beschäfti­gungs‑ und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“, gilt.

21

In­dem er ei­ne gan­ze Grup­pe von Ar­beit­neh­mern all­ge­mein vom Be­zug der Ent­las­sungs­ab­fin­dung aus­sch­ließt, be­trifft § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov al­so die Ent­las­sungs­be­din­gun­gen die­ser Ar­beit­neh­mer im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78. Die­se ist da­her auf ei­ne Si­tua­ti­on, wie sie dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit zu­grun­de liegt, an­wend­bar.

22

Was als Zwei­tes die Fra­ge be­trifft, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält, so be­deu­tet nach dem Wort­laut die­ser Vor­schrift „‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 [die­ser Richt­li­nie] ge­nann­ten Gründe ge­ben darf“. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde.

23

Im vor­lie­gen­den Fall führt § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov da­zu, be­stimm­ten Ar­beit­neh­mern den An­spruch auf die Ent­las­sungs­ab­fin­dung al­lein aus dem Grund vor­zu­ent­hal­ten, weil sie zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus ei­nem Ren­ten­sys­tem ge­zahlt wird, dem sie vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind. Aus der Ak­te er­gibt sich aber, dass der Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te ein Min­dest­al­ter vor­aus­setzt, das im Fall von Herrn An­der­sen kol­lek­tiv­ver­trag­lich auf 60 Jah­re fest­ge­setzt wur­de. Die­se Be­stim­mung stützt sich so­mit auf ein Kri­te­ri­um, das un­trenn­bar mit dem Al­ter der Ar­beit­neh­mer ver­bun­den ist.

24

Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung enthält folg­lich ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne von Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.

25

Als Drit­tes ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein kann.

26

Nach Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 stellt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.

27

Um die Le­gi­ti­mität des mit der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Re­ge­lung ver­folg­ten Ziels zu be­ur­tei­len, ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass die Ent­las­sungs­ab­fin­dung, wie das vor­le­gen­de Ge­richt un­ter Hin­weis auf die Erläute­run­gen zum Ent­wurf des Funk­ti­onærlov aus­geführt hat, das Ziel hat, den Über­gang älte­rer Ar­beit­neh­mer, die über ei­ne lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber verfügen, in ei­ne neue Beschäfti­gung zu er­leich­tern. Zum an­de­ren zei­gen die von dem vor­le­gen­den Ge­richt zi­tier­ten Erläute­run­gen zu die­ser ge­setz­ge­be­ri­schen Maßnah­me, dass, so­weit der Ge­setz­ge­ber den An­spruch auf die­se Ab­fin­dung auf die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer be­schränken woll­te, die zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung kei­ne Al­ters­ren­te be­an­spru­chen konn­ten, die­se Be­schränkung auf der Fest­stel­lung be­ruh­te, dass sich Per­so­nen, die ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen könn­ten, im All­ge­mei­nen dafür ent­schei­den würden, aus dem Ar­beits­markt aus­zu­schei­den.

28

In ih­ren schrift­li­chen Erklärun­gen hat die däni­sche Re­gie­rung aus­geführt, die in § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov vor­ge­se­he­ne Be­schränkung stel­le auf ein­fa­che und sinn­vol­le Wei­se si­cher, dass die Ar­beit­ge­ber ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mern mit lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit kei­ne dop­pel­te Entschädi­gung zahl­ten, die kei­nem beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Ziel die­nen würde.

29

Das mit der Ent­las­sungs­ab­fin­dung ver­folg­te Ziel des Schut­zes von Ar­beit­neh­mern mit lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit und ih­rer be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung fällt in die Ka­te­go­rie der rechtmäßigen Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik und Ar­beits­markt im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78.

30

Gemäß die­ser Be­stim­mung können die­se Zie­le Un­gleich­be­hand­lun­gen in Ab­wei­chung vom Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters recht­fer­ti­gen, die u. a. in Zu­sam­men­hang ste­hen mit der „Fest­le­gung be­son­de­rer … Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für Ent­las­sung und Ent­loh­nung, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von … älte­ren Ar­beit­neh­mern … zu fördern oder ih­ren Schutz si­cher­zu­stel­len“.

31

Dem­nach ist bei Zie­len wie den mit der frag­li­chen na­tio­na­len Re­ge­lung ver­folg­ten grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass sie ge­eig­net sind, ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ und „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“, wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 vor­ge­se­hen, zu recht­fer­ti­gen.

32

Wei­ter ist zu prüfen, ob die Mit­tel, die zur Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le ein­ge­setzt wer­den, die­ser Vor­schrift ent­spre­chend „an­ge­mes­sen und er­for­der­lich“ sind. Im vor­lie­gen­den Fall ist zu prüfen, ob § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov es er­laubt, die vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Zie­le zu er­rei­chen, oh­ne zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer zu führen, de­nen auf­grund die­ser Vor­schrift die­se Ab­fin­dung vor­ent­hal­ten wird, weil sie zum Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te be­rech­tigt sind, für die der Ar­beit­ge­ber Beiträge ent­rich­tet hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la, C‑411/05, Slg. 2007, I‑8531, Rand­nr. 73).

33

In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum bei der Wahl der Maßnah­men zur Er­rei­chung ih­rer Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik verfügen (Ur­tei­le vom 22. No­vem­ber 2005, Man­gold, C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Rand­nr. 63, und Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 68). Die­ser Wer­tungs­spiel­raum darf je­doch nicht da­zu führen, dass der Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters aus­gehöhlt wird (Ur­teil vom 5. März 2009, Age Con­cern Eng­land, C‑388/07, Slg. 2009, I‑1569, Rand­nr. 51).

34

Die Ent­las­sungs­ab­fin­dung al­lein für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer vor­zu­se­hen, die zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung kei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, zu der ihr Ar­beit­ge­ber Beiträge ge­leis­tet hat, ist aber im Hin­blick auf das vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­te Ziel, Ar­beit­neh­mer stärker zu schützen, de­ren Über­gang in ei­ne an­de­re Beschäfti­gung sich auf­grund der Dau­er ih­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit als schwie­rig dar­stellt, nicht un­vernünf­tig. § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov er­laubt es auch, die Möglich­kei­ten ei­nes Miss­brauchs zu be­gren­zen, der dar­in läge, dass ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung bezöge, die da­zu be­stimmt ist, ihn bei sei­ner Su­che nach ei­ner neu­en Beschäfti­gung zu un­terstützen, ob­wohl er in den Ru­he­stand tritt.

35

So­mit ist fest­zu­stel­len, dass ei­ne Vor­schrift wie § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov nicht of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net ist, um das vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­te le­gi­ti­me beschäfti­gungs­po­li­ti­sche Ziel zu er­rei­chen.

36

Es bleibt noch zu prüfen, ob die­se Maßnah­me über das hin­aus­geht, was er­for­der­lich ist, um das vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen.

37

Hier­zu geht aus den Ausführun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts so­wie der Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens und der däni­schen Re­gie­rung her­vor, dass der Ge­setz­ge­ber in Ausübung des wei­ten Er­mes­sens, über das er im Be­reich der So­zi­al- und Beschäfti­gungs­po­li­tik verfügt, ei­nen Aus­gleich der le­gi­ti­men, aber ge­genläufi­gen In­ter­es­sen an­ge­strebt hat.

38

Die­sen Erklärun­gen zu­fol­ge nahm der Ge­setz­ge­ber ei­ne Abwägung vor zwi­schen dem Schutz der Ar­beit­neh­mer, die der Dau­er ih­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit nach im All­ge­mei­nen zu den älte­ren gehören, und dem der jünge­ren Ar­beit­neh­mer, die kei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung be­an­spru­chen können. Die vom vor­le­gen­den Ge­richt zi­tier­ten Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en zum Ge­setz Nr. 1417 vom 22. De­zem­ber 2004, mit dem die Richt­li­nie 2000/78 um­ge­setzt wur­de, be­leg­ten in­so­fern, dass der Ge­setz­ge­ber die Tat­sa­che berück­sich­tigt ha­be, dass die Ent­las­sungs­ab­fin­dung als In­stru­ment des verstärk­ten Schut­zes ei­ner nach Maßga­be der Dau­er ih­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit de­fi­nier­ten Ka­te­go­rie von Ar­beit­neh­mern ei­ne Form der Un­gleich­be­hand­lung zu­las­ten jünge­rer Ar­beit­neh­mer dar­stel­le. So weist die däni­sche Re­gie­rung dar­auf hin, dass es die in § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov vor­ge­se­he­ne Be­gren­zung des An­wen­dungs­be­reichs der Ent­las­sungs­ab­fin­dung er­lau­be, ei­ne so­zia­le Schutz­maßnah­me, die nicht auf die jünge­ren Ar­beit­neh­mer an­ge­wen­det wer­den sol­le, nicht über das Maß des Er­for­der­li­chen aus­zu­deh­nen.

39

Außer­dem hat die däni­sche Re­gie­rung aus­geführt, dass mit der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Maßnah­me der Schutz der Ar­beit­neh­mer und die In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­ber ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den soll­ten. So­mit sol­le mit ihr im Ein­klang mit dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz und mit dem Er­for­der­nis der Miss­brauchs­bekämp­fung gewähr­leis­tet wer­den, dass die Ent­las­sungs­ab­fin­dung nur den Per­so­nen ge­zahlt wer­de, für die sie be­stimmt sei, d. h. den­je­ni­gen, die wei­ter ar­bei­ten woll­ten, aber we­gen ih­res Al­ters im All­ge­mei­nen größere Schwie­rig­kei­ten hätten, ei­ne neue Stel­le zu fin­den. Mit die­ser Maßnah­me las­se sich ver­mei­den, dass die Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen wären, Per­so­nen die Ent­las­sungs­ab­fin­dung zu gewähren, de­nen sie außer­dem ab ih­rer Ent­las­sung ei­ne Al­ters­ren­te zah­len würden.

40

Aus die­sen Ge­sichts­punk­ten er­gibt sich, dass § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov, so­weit er die Ar­beit­neh­mer vom Be­zug der Ent­las­sungs­ab­fin­dung aus­sch­ließt, die zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung ei­ne Al­ters­ren­te ih­res Ar­beit­ge­bers be­zie­hen wer­den, nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung der Zie­le, die er mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen will, er­for­der­lich ist.

41

Die­se Fest­stel­lung lässt al­ler­dings noch kei­ne ab­sch­ließen­de Be­ant­wor­tung der vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­stell­ten Fra­ge zu. Die­ses hat nämlich aus­geführt, dass die ge­nann­te Vor­schrift Per­so­nen, die tatsächlich ei­ne Al­ters­ren­te ih­res Ar­beit­ge­bers er­hiel­ten, die­je­ni­gen gleich­stel­le, die zum Be­zug ei­ner sol­chen Ren­te be­rech­tigt sei­en.

42

Der däni­sche Ge­setz­ge­ber ist zwar tätig ge­wor­den, um zu ver­mei­den, dass ein sol­cher Aus­schluss die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer zu stark be­ein­träch­tigt. Seit 1996 sieht § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov nämlich vor, dass der Aus­schluss vom Be­zug der Ent­las­sungs­ab­fin­dung nicht für Ar­beit­neh­mer gilt, die dem Al­ters­ren­ten­sys­tem des Ar­beit­ge­bers nach der Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind. Die­se Be­stim­mung er­laubt es so­mit, den­je­ni­gen Ar­beit­neh­mern die Ab­fin­dung zu gewähren, die zwar zum Be­zug ei­ner Ren­te be­rech­tigt sind, aber nicht über ei­ne hin­rei­chend lan­ge Zu­gehörig­keit zu ih­rem Be­triebs­ren­ten­sys­tem verfügen, um Ren­ten­ansprüche in ei­ner Höhe gel­tend ma­chen zu können, die ih­nen ein vernünf­ti­ges Ver­sor­gungs­ein­kom­men si­chert.

43

Gleich­wohl be­wirkt § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov im­mer noch, dass al­le Ar­beit­neh­mer vom Be­zug der Ent­las­sungs­ab­fin­dung aus­ge­schlos­sen sind, die zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te ih­res Ar­beit­ge­bers ha­ben und die die­sem Ren­ten­sys­tem vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind. So­mit ist zu prüfen, ob ein sol­cher Aus­schluss nicht über das hin­aus­geht, was zur Ver­wirk­li­chung der ver­folg­ten Zie­le er­for­der­lich ist.

44

Aus den Erklärun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts und der däni­schen Re­gie­rung er­gibt sich, dass die­ser Aus­schluss auf dem Ge­dan­ken be­ruht, dass die Ar­beit­neh­mer im All­ge­mei­nen aus dem Ar­beits­markt aus­schei­den, wenn sie ei­ne von ih­rem Ar­beit­ge­ber ge­zahl­te Al­ters­ren­te be­zie­hen können und die­sem Ren­ten­sys­tem vor Voll­endung des 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind. Auf­grund die­ser an das Al­ter an­knüpfen­den Be­ur­tei­lung könn­te ein Ar­beit­neh­mer, der, ob­wohl er die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner von sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­zahl­ten Ren­te erfüllt, auf die­se vorüber­ge­hend ver­zich­ten möch­te, um sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn wei­ter zu ver­fol­gen, die Ent­las­sungs­ab­fin­dung, die doch sei­nem Schutz die­nen soll, nicht er­hal­ten. In­dem sie das le­gi­ti­me Ziel ver­folgt, zu ver­mei­den, dass die­se Ab­fin­dung Per­so­nen zu­gu­te­kommt, die kei­ne neue Stel­le su­chen, son­dern ein Er­satz­ein­kom­men in Form ei­ner Al­ters­ren­te ei­nes be­trieb­li­chen Ren­ten­sys­tems be­zie­hen wol­len, läuft die in Re­de ste­hen­de Maßnah­me so­mit dar­auf hin­aus, ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mern, die auf dem Ar­beits­markt blei­ben wol­len, die­se Ab­fin­dung al­lein aus dem Grund vor­zu­ent­hal­ten, dass sie u. a. auf­grund ih­res Al­ters ei­ne sol­che Ren­te in An­spruch neh­men können.

45

Die­se Maßnah­me er­schwert Ar­beit­neh­mern, die be­reits ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die wei­te­re Ausübung ih­res Rechts, zu ar­bei­ten, weil sie beim Über­gang in ein neu­es Beschäfti­gungs­verhält­nis – im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern mit gleich lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit – kei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung er­hal­ten.

46

Außer­dem ver­wehrt es die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me ei­ner gan­zen durch das Kri­te­ri­um des Al­ters de­fi­nier­ten Ka­te­go­rie von Ar­beit­neh­mern, vorüber­ge­hend auf die Zah­lung ei­ner Al­ters­ren­te durch ih­ren Ar­beit­ge­ber zu­guns­ten der Gewährung der Ent­las­sungs­ab­fin­dung zu ver­zich­ten, die da­zu be­stimmt ist, ih­nen zu hel­fen, ei­ne neue Stel­le zu fin­den. Sie kann so­mit die­se Ar­beit­neh­mer zwin­gen, ei­ne nied­ri­ge­re Al­ters­ren­te an­zu­neh­men als die, die sie be­an­spru­chen könn­ten, wenn sie bis in ein höhe­res Al­ter be­rufstätig blie­ben, was für sie ei­nen auf lan­ge Sicht er­heb­li­chen Ein­kom­mens­ver­lust nach sich zöge.

47

Hier­aus folgt, dass § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov, in­dem er die Zah­lung der Ent­las­sungs­ab­fin­dung an ei­nen Ar­beit­neh­mer, der, ob­wohl er ei­ne von sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­zahl­te Al­ters­ren­te be­zie­hen kann, vorüber­ge­hend auf die­se Ren­te ver­zich­ten möch­te, um sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn wei­ter zu ver­fol­gen, nicht zulässt, zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer führt, die sich in die­ser Si­tua­ti­on be­fin­den, und da­mit über das hin­aus­geht, was zur Ver­wirk­li­chung der mit die­ser Vor­schrift ver­folg­ten so­zi­al­po­li­ti­schen Zie­le er­for­der­lich ist.

48

So­mit kann die sich aus § 2a Abs. 3 des Funk­ti­onærlov er­ge­ben­de Un­gleich­be­hand­lung nicht gemäß Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein.

49

Folg­lich ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, nach der Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus ei­nem Ren­ten­sys­tem ge­zahlt wird, dem sie vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind, al­lein aus die­sem Grund ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung nicht be­zie­hen können, die da­zu be­stimmt ist, die be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung von Ar­beit­neh­mern mit ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als zwölf Jah­ren zu fördern.

Kos­ten

50

Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Große Kam­mer) für Recht er­kannt:

Die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, nach der Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen können, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus ei­nem Ren­ten­sys­tem ge­zahlt wird, dem sie vor Voll­endung ih­res 50. Le­bens­jahrs bei­ge­tre­ten sind, al­lein aus die­sem Grund ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung nicht be­zie­hen können, die da­zu be­stimmt ist, die be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung von Ar­beit­neh­mern mit ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als zwölf Jah­ren zu fördern.

Un­ter­schrif­ten

* Ver­fah­rens­spra­che: Dänisch.

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu

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