Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Aufhebungsvertrag: Anfechtung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 10 Sa 99/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.10.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Iserlohn - 4 Ca 1201/12
   

10 Sa 99/13:
4 Ca 1201/12
ArbG Iser­lohn

Verkündet am 25. Ok­to­ber 2013

Wel­ler, Re­gie­rungs­beschäftig­te,

als Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen



hat die 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 25. Ok­to­ber 2013
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. Nie­mann als Vor­sit­zen­den
so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hirt­ham­mer
und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Su­lew­ski
für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Iser­lohn vom 11. De­zem­ber 2012 – 4 Ca 1201/12 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

2

Tat­be­stand


Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags.

Die Kläge­rin war seit Ok­to­ber 1991 als Kran­ken­schwes­ter bei der Be­klag­ten beschäftigt.

Mit­te März 2012 teil­ten die Schwes­ternschüle­rin­nen K1 und P1 mit, dass die Kläge­rin, nach­dem sie sich ver­ge­wis­sert hat­te, dass der Sta­ti­ons­lei­ter nichts mit­be­kommt, am 5. März 2012 der Schwes­ternschüle­rin P1 ei­ne Ta­blet­te des ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Be­ru­hi­gungs­mit­tels Ta­vor (Wirk­stoff Lo­ra­ze­pam; Wirk­stoff­klas­se Ben­zo­dia­ze­pi­ne) mit der Be­mer­kung „Hier, gib ihm mal die Ta­blet­te, dann ist hier gleich Ru­he" zur Ver­ab­rei­chung an ei­nen Pa­ti­en­ten über­ge­ben ha­be, der ver­mehrt ge­schellt hat­te, weil er uri­nie­ren muss­te. Die Schwes­ternschüle­rin P1 ha­be nach Rück­spra­che mit der Schwes­terschüle­rin K1 die Ta­blet­te nicht ge­ge­ben, weil – als sol­ches un­strei­tig – in der Pa­ti­en­ten­kur­ve ei­ne Be­darfs­me­di­ka­ti­on nicht an­ge­ord­net war. Die Schwes­ternschüle­rin K1 be­rich­te­te zu­dem, dass die Kläge­rin dem Pa­ti­en­ten ei­ni­ge Ta­ge vor­her oh­ne ärzt­li­che An­ord­nung ei­nen Dau­er­ka­the­ter ge­legt ha­be, weil er so oft schell­te, und die Schwes­ternschüle­rin P1 eröff­ne­te, dass die Kläge­rin sie am 9. März 2012 an­ge­wie­sen ha­be, das Bett ei­ner „ner­ven­den" Pa­ti­en­tin außer Reich­wei­te der Klin­gel zu schie­ben und ihr auch die Schel­le nicht in die Hand zu ge­ben, weil die Pa­ti­en­tin sonst die gan­ze Zeit schel­len würde. Oh­ne wei­te­re Kennt­nis der an­ge­ord­ne­ten Me­di­ka­ti­on ha­be die Kläge­rin dann ei­ne Ta­blet­te aus der Kit­tel­ta­sche ge­holt und sie der Pa­ti­en­tin in die Wan­gen­ta­sche ge­steckt. Nach An­ga­be der Kläge­rin ha­be es sich um ein Me­di­ka­ment ge­gen Durch­fall ge­han­delt. Die Schwes­terschüle­rin P1 sei sich je­doch si­cher, dass es sich aber­mals um ei­ne Ta­blet­te Ta­vor ge­han­delt ha­be. Un­strei­tig leer­te die Kläge­rin an ih­rem letz­ten Ar­beits­tag vor dem Ur­laub ih­re Kit­tel­ta­schen und bot die her­aus­ge­nom­me­nen Ta­blet­ten – laut der Schwes­terschüle­rin K1 wie­der­um sol­che des Me­di­ka­ments Ta­vor – spaßes­hal­ber in der Run­de der Pfle­ge­kräfte an. Zu die­sen Vorwürfen exis­tiert ei­ne No­tiz über ein Gespräch zwi­schen der Pra­xis­an­lei­tung und der Schwes­ternschüle­rin K1 vom 15. März 2012 (Bl. 62 d.A.), ein Pro­to­koll über ein

3

Gespräch zwi­schen der stell­ver­tre­ten­den Pfle­ge­dienst­lei­te­rin und der Schwes­ternschüle­rin K1 vom 19. März 2012 (Bl. 63 d.A.) und ei­ne schrift­li­che Sach­ver­halts­schil­de­rung der Schwes­ternschüle­rin P1 vom 20. März 2012 (Bl. 61 d.A.).

Mit ei­nem von der Kläge­rin nach ih­rer Ur­laubsrück­kehr am 31. März 2012 vor­ge­fun­de­nen Schrei­ben vom 21. März 2012 bat der Ver­wal­tungs­di­rek­tor B1 der Be­klag­ten um ein Gespräch und stell­te die Kläge­rin wi­der­ruf­lich von der Ver­pflich­tung frei, ih­re Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen.

Das Gespräch fand am 3. April 2012 um 10:30 Uhr im Bei­sein des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den R1, des Pfle­ge­dienst­lei­ters H1 und der stell­ver­tre­ten­den Pfle­ge­dienst­lei­te­rin E1 statt. Es wur­de ver­ein­bart, dass sich die Kläge­rin um 13:30 Uhr mel­det, um mit­zu­tei­len, ob sie ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ab­sch­ließt. Zum avi­sier­ten Zeit­punkt un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en ei­nen von der Be­klag­ten zwi­schen­zeit­lich vor­for­mu­lier­ten Auf­he­bungs­ver­trag (Bl. 26 - 27 d.A.), nach wel­chem das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des 30. April 2012 en­de­te.

Mit An­walts­schrei­ben vom 25. Mai 2012 ließ die Kläge­rin die An­fech­tung ih­rer zum Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags führen­den An­nah­me­erklärung we­gen wi­der­recht­li­cher Dro­hung und arg­lis­ti­ger Täuschung erklären.

Mit der am 25. Mai 2012 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin zum ei­nen die Fest­stel­lung be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch den Auf­he­bungs­ver­trag vom 30. April 2012 auf­gelöst wor­den ist. Zum an­de­ren hat sie die Fest­stel­lung ver­folgt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund an­de­rer Tat­bestände en­det, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 30. April 2012 hin­aus fort­be­steht.

Die Kläge­rin hat zu­sam­men­ge­fasst vor­ge­tra­gen: Am Mor­gen des 3. April 2012 ha­be aus­sch­ließlich der Ver­wal­tungs­di­rek­tor ge­spro­chen und sich da­bei die Be­rich­te der Schwes­ternschüle­rin­nen zu Ei­gen ge­macht. Die auch dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den nicht vor­ab be­kannt ge­mach­ten Vorwürfe sei­en ihr nicht ge­nau eröff­net und ihr sei kei­ne Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wor­den, zu den als be­wie­sen zu­grun­de ge­leg­ten

4

Vorfällen Stel­lung zu neh­men. Der Ver­wal­tungs­di­rek­tor ha­be dann erklärt: „Sie können froh sein, dass ich die schrift­li­chen Stel­lung­nah­men der Schwes­ternschüle­rin­nen noch ab­ge­fan­gen ha­be. Sonst wäre das nach O1 ge­gan­gen. Dann würde das Gan­ze mitt­ler­wei­le beim Staats­an­walt lie­gen. Der würde Sie in der Luft zer­reißen. Dann wird Ih­nen auch das Staats­ex­amen ab­er­kannt." Die Kläge­rin ha­be den Auf­he­bungs­ver­trag nur auf­grund die­ser Dro­hun­gen un­ter­zeich­net. Die aus­ge­spro­che­nen Dro­hun­gen (Be­stra­fung und Ab­er­ken­nung des Staats­ex­amens) sei­en schon des­halb rechts­wid­rig ge­we­sen, weil der Sach­ver­halt nicht aus­er­mit­telt ge­we­sen sei. Der Ver­wal­tungs­di­rek­tor ha­be der Kläge­rin wi­der bes­se­res Wis­sen und un­ter Miss­ach­tung der ar­beits­ver­trag­li­chen Treue­pflicht zur Ver­mei­dung dras­ti­scher Sank­tio­nen an­ge­ra­ten, das Ar­beits­verhält­nis ein­ver­nehm­lich zu be­en­den. Die so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen sei­en der Kläge­rin nicht be­kannt ge­we­sen. Auf­grund des Zeit­drucks ha­be sie sich nicht in­for­mie­ren können. Zu­dem ha­be ei­ne arg­lis­ti­ge Täuschung dar­in ge­le­gen, dass der Ver­wal­tungs­di­rek­tor von ei­nem Schrei­ben der Schwes­ternschüle­rin K1 ge­spro­chen ha­be. In der Sa­che könne nicht ein­fach auf die Aus­sa­gen der bei­den Schwes­terschüle­rin­nen ab­ge­stellt wer­den. Am 5. März 2012 könn­te gemäß ei­ner ständig geübten Pra­xis im Hau­se der Be­klag­ten das nicht dem BtMG un­ter­fal­len­de, für das Kran­ken­haus­per­so­nal frei zugäng­li­che Me­di­ka­ment Ta­vor „auf Zu­ruf" von ei­nem Arzt ver­ord­net und dann le­dig­lich ein ent­spre­chen­der Ver­merk in der Pa­ti­en­ten­kur­ve ver­ges­sen wor­den sein. Auf­grund der Viel­zahl der be­han­del­ten Pa­ti­en­ten auf der per­ma­nent über­be­leg­ten Sta­ti­on könne die Kläge­rin sich zwar an den kon­kre­ten Vor­gang nicht mehr er­in­nern. Sie ha­be je­doch grundsätz­lich im­mer Rück­spra­che mit ei­nem Arzt ge­hal­ten, be­vor sie Ta­vor oder ein an­de­res Me­di­ka­ment ge­ge­ben ha­be. Die Kläge­rin be­strei­te, dass sie die Schwes­terschüle­rin P1 auf­ge­for­dert ha­be, das Bett ei­ner Pa­ti­en­tin aus der Reich­wei­te der Klin­gel zu stel­len und dass sie der Pa­ti­en­tin statt des be­haup­te­ten Durch­fall­mit­tels ei­ne Ta­blet­te Ta­vor ver­ab­reicht ha­be. Den tran­su­re­thra­len Bla­sen­ka­the­ter ha­be sie dem Pa­ti­en­ten in der irrtümli­chen An­nah­me ge­legt, dass er nach­fol­gend ei­nen su­pra­pu­bi­schen Bla­sen­ka­the­ter er­hal­ten soll­te. Die Kläge­rin ha­be mehr scherz­haft ih­re Kit­tel­ta­schen ge­leert, um den Kol­le­gen zu ver­sinn­bild­li­chen, dass sie jetzt ih­ren Ur­laub an­tre­ten wer­de. Ob sich un­ter den her­aus­ge­nom­me­nen Ta­blet­ten auch sol­che des Me­di­ka­ments Ta­vor be­fun­den ha­ben, er­in­ne­re sie nicht.

5

Die Kläge­rin hat un­ter Rück­nah­me des wei­te­ren Fest­stel­lungs­an­trags zu­letzt be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch den Auf­he­bungs­ver­trag vom 3. April 2012 auf­gelöst wor­den ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat zu­sam­men­ge­fasst vor­ge­tra­gen: In dem Gespräch am 3. April 2012 sei­en der Kläge­rin die von den Schwes­ternschüle­rin­nen er­ho­be­nen Vorwürfe kon­kret erläutert wor­den. Die Kläge­rin sei zur Stel­lung­nah­me auf­ge­for­dert wor­den und ha­be – als sol­ches un­strei­tig – ge­ant­wor­tet, dass sie sich le­dig­lich „dumpf" an den Pa­ti­en­ten und über­haupt nicht an das ver­ab­reich­te Me­di­ka­ment er­in­nern könne. Der Ver­wal­tungs­di­rek­tor ha­be dar­auf erklärt, dass nach sei­ner An­sicht das Ar­beits­verhält­nis durch ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ein­ver­nehm­lich zu be­en­den sei. An­de­ren­falls ha­be die Kläge­rin mit ei­ner Straf­an­zei­ge zu rech­nen. Zu­dem könne ein Ar­beits­ver­bot als Kran­ken­schwes­ter er­las­sen wer­den. Die an­ge­droh­te Hin­zu­zie­hung der Staats­an­walt­schaft sei nicht rechts­wid­rig ge­we­sen. Es hätten ge­nug An­halts­punk­te vor­ge­le­gen, um die Kläge­rin we­gen des Ver­dachts der Körper­ver­let­zung, des Ver­s­toßes ge­gen § 29 Abs. 6 BtMG und des Ver­s­toßes ge­gen § 5 Heil­prak­ti­ker­ge­setz an­zei­gen zu dürfen. Zu­dem hätte die Be­klag­te we­nigs­tens ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung aus­spre­chen können. Ei­ne Täuschung sei nicht er­folgt. Der Ver­wal­tungs­di­rek­tor ha­be nicht erklärt, dass ihm auch ein Schrei­ben der Schwes­ternschüle­rin K1 vor­lie­ge.

Das Ar­beits­ge­richt hat nach Ver­neh­mung der Zeu­gen B1, R1, H1 und E1 (Bl. 105 - 111 d.A.) mit Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2012 (Bl. 112 - 119 d.A.) die Kla­ge mit der Be­gründung ab­ge­wie­sen, dass ei­ne Dro­hung mit der Ab­er­ken­nung des Ex­amens nicht be­wie­sen sei und ei­ne Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge je­den­falls nicht wi­der­recht­lich ge­we­sen wäre.

6

Ge­gen das ihr am 27. De­zem­ber 2012 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 16. Ja­nu­ar 2013 ein­ge­leg­te und nach Frist­verlänge­rung bis zum 27. März 2013 an die­sem Tag be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin.

Die Kläge­rin wen­det sich un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens zur Sach- und Rechts­la­ge ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts und trägt ergänzend vor: Ent­ge­gen dem Ar­beits­ge­richt sei nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me die Kläge­rin mit ei­nem emp­find­li­chen Übel (staats­an­walt­schaft­li­ches Er­mitt­lungs­ver­fah­ren und be­rufs­recht­li­che Kon­se­quen­zen) be­droht wor­den. Es spie­le kei­ne Rol­le, ob der Ver­wal­tungs­di­rek­tor mein­te, ei­ne di­rek­te Dro­hung zu täti­gen. Die Kläge­rin ha­be sich je­den­falls be­droht gefühlt, auch wenn die Äußerun­gen aus Sicht des Ver­wal­tungs­di­rek­tors und der stell­ver­tre­ten­den Pfle­ge­dienst­lei­te­rin als „all­ge­mei­ne Aufklärung" ver­packt ge­we­sen sei­en. Die Dro­hun­gen sei­en auch wi­der­recht­lich ge­we­sen. Hin­rei­chen­de Ver­dachts­mo­men­te hätten nicht vor­ge­le­gen. Der Kläge­rin sei – als sol­ches un­strei­tig – kei­ne Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wor­den, an­hand der Pa­ti­en­ten­un­ter­la­gen die Vorgänge zu re­kon­stru­ie­ren. Straf­tat­bestände sei­en of­fen­sicht­lich nicht ver­wirk­licht wor­den. Die An­dro­hung be­rufs­recht­li­cher Kon­se­quen­zen ge­genüber der mehr als 20 Jah­re be­an­stan­dungs­los bei der Be­klag­ten „ge­fahr­ge­neigt" beschäftig­ten Kläge­rin sei aber­wit­zig ge­we­sen. Die Be­klag­te be­haup­te selbst nicht, dass die Kläge­rin ein ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Me­di­ka­ment ei­genmäch­tig tatsächlich ver­ab­reicht ha­be. Das ver­se­hent­li­che Le­gen ei­nes Ka­the­ters sei auf Ab­laufstörun­gen in der Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­klag­ten zurück­zuführen. In dem un­sub­stan­ti­iert be­haup­te­ten Fall der Pa­ti­en­tin wer­de es so ge­we­sen sein, dass die Kläge­rin sich im Raum be­fand und ver­mei­den woll­te, dass die Pa­ti­en­tin zusätz­li­ches Per­so­nal her­an­zog, das dann an an­de­rer Stel­le ge­fehlt hätte. Der Ver­wal­tungs­di­rek­tor hätte als Ver­ant­wort­li­cher für das Wohl und We­he der Pa­ti­en­ten je­den­falls nicht be­gründen können, dass er auf­grund des Ab­schlus­ses ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags die Pa­ti­en­ten oder de­ren An­gehöri­ge nicht über aus sei­ner Sicht ver­wirk­lich­te Straf­tat­bestände in­for­miert und da­mit ei­ne Straf­ver­fol­gung oder die Durch­set­zung zi­vil­recht­li­cher Ansprüche ver­ei­telt. Hier wer­de deut­lich, dass die Be­klag­te kein In­ter­es­se dar­an hat­te, die er­ho­be­nen Vorwürfe tatsächlich auf­zuklären, son­dern dass es ihr ein­zig dar­um ge­gan­gen sei, Scha­den in der öffent­li­chen Dar­stel­lung vom Kran­ken­haus ab­zu­wen­den. Die Be­klag­te, de­ren ei­ge­ne Rechtsgüter kei­nes­falls ver­letzt wor­den sei­en, ha­be der

7

Kläge­rin nicht zu­sa­gen können, dass ein Straf­ver­fah­ren aus­bleibt und ha­be selbst ein sol­ches nicht ein­lei­ten können. Der Kläge­rin sei ein Sach­ver­halt mit­ge­teilt wor­den, der für sie tatsächlich nicht be­droh­lich war. Durch die Un­ter­zeich­nung des Auf­he­bungs­ver­trags ha­be sie über­haupt kei­nen Vor­teil ge­habt. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Kläge­rin wird auf de­ren Schriftsätze vom 27. März 2013 (Bl. 142 - 147 d.A.), vom 9. Ok­to­ber 2013 (Bl. 197 - 200 d.A.) und vom 25. Ok­to­ber 2013 (Bl. 219 - 222 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Die Kläge­rin be­an­tragt zu­letzt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis be­steht.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens zur Sach- und Rechts­la­ge und trägt ergänzend vor: Selbst wenn man ent­ge­gen dem Er­geb­nis der – an sich ent­behr­lich ge­we­se­nen – Be­weis­auf­nah­me da­von aus­gin­ge, dass der Kläge­rin tatsächlich erklärt wor­den sei, wenn sie den Auf­he­bungs­ver­trag nicht un­ter­schrei­be, wer­de die Staats­an­walt­schaft ein­ge­schal­tet und müsse sie mit ei­nem Be­rufs­ver­bot rech­nen, stell­te sich ei­ne sol­che Dro­hung je­den­falls nicht als wi­der­recht­lich dar. Ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber ha­be bei dem ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ei­ne In­for­ma­ti­on der Staats­an­walt­schaft und die da­mit ver­bun­de­nen straf- und be­rufs­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für die Kläge­rin ernst­haft in Erwägung zie­hen und die­se ge­genüber der Kläge­rin all­ge­mein schil­dern dürfen. Die Be­klag­te ha­be an­ge­sichts des in­ne­ren Zu­sam­men­hangs mit dem Ar­beits­verhält­nis ei­ne Straf­an­zei­ge erwägen dürfen, ob­wohl nicht ih­re straf­recht­lich geschütz­ten Rechtsgüter ver­letzt wur­den. Rich­ti­ger­wei­se sei der Kläge­rin al­ler­dings nur erläutert wor­den, dass bei Be­kannt­wer­den der Vorwürfe mit ei­ner Straf­an­zei­ge und mögli­chen wei­te­ren Kon­se­quen­zen zu rech­nen sei, wes­halb bei­de Par­tei­en ein In­ter­es­se dar­an hätten, die Vorgänge nicht öffent­lich wer­den zu las­sen. Der Kläge­rin sei­en le­dig­lich die

8

Kon­se­quen­zen für den Fall auf­ge­zeigt wor­den, dass die Vorwürfe den Raum ver­ließen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Be­klag­ten wird auf de­ren Schriftsätze vom 28. Mai 2013 (Bl. 174 - 178 d.A.), vom 10. Ok­to­ber 2013 (Bl. 201 - 205 d.A.) und vom 18. Ok­to­ber 2013 (Bl. 210 - 213 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

A.

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.

I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Es fehlt nicht an der er­for­der­li­chen Be­schwer. So läge es zwar, wenn die Kläge­rin ihr Schluss­be­geh­ren ers­ter In­stanz nicht ein­mal teil­wei­se wei­ter­ver­folgt, son­dern ei­nen völlig neu­en An­trag ge­stellt hätte (vgl. BAG 10. Fe­bru­ar 2005 - 6 AZR 183/04 - Rn. 14 mwN, NZA 2005, 597). Das ist je­doch nicht der Fall. Die ge­bo­te­ne Aus­le­gung ana­log §§ 133, 157 BGB er­gibt, dass die Kläge­rin vor dem Ar­beits­ge­richt ent­ge­gen der miss­lun­ge­nen For­mu­lie­rung ih­res Schluss­an­trags bis zu­letzt ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 256 Abs. 1 ZPO be­trie­ben hat. Der von ihr schein­bar gewähl­te punk­tu­el­le An­trag (Nicht­auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch ei­nen be­stimm­ten Be­en­di­gungs­tat­be­stand) ist le­dig­lich bei An­grif­fen ge­gen die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung (§ 4 Satz 1 KSchG) oder ei­ner Be­fris­tung (§ 17 Satz 1 Tz­B­fG) statt­haft. Um die Nich­tig­keit ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags gel­tend zu ma­chen, steht als Fest­stel­lungs­an­trag aus­sch­ließlich der auf den (Fort-) Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zu rich­ten­de An­trag nach § 256 Abs. 1 ZPO zur Verfügung (vgl. BAG 8. Mai 2008 - 6 AZR 517/07 - Rn. 16, NZA 2008, 1148; 28. No­vem­ber 2007 - 6 AZR 1108/06 - Rn. 15, NZA 2008, 348). Der da­mit ein­zig sach­ge­rech­ten Aus­le­gung ih­res erst­in­stanz­li­chen Schluss­an­trags als all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin in der Kla­ge­schrift ei­nen wei­te­ren, aus­drück­lich als „selbständi­ge all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gem. § 256 ZPO" be­zeich­ne­ten An­trag
 


9

an­gekündigt hat­te. So­weit sich die­ser nach­ran­gi­ge, weil auf et­wai­ge späte­re Be­en­di­gungs­tat­bestände zie­len­de Fest­stel­lungs­an­trag mit dem ver­blie­be­nen ers­ten An­trag über­schnit­ten ha­ben soll­te, war er nicht nur überflüssig, son­dern we­gen an­der­wei­ti­ger Rechtshängig­keit auch nach § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO un­zulässig und ist des­halb kon­se­quen­ter­wei­se zurück­ge­nom­men wor­den. Ihm ließ sich je­den­falls nicht im Um­kehr­schluss ent­neh­men, dass die Kläge­rin die Nich­tig­keit des Auf­he­bungs­ver­trags be­wusst mit ei­nem un­statt­haf­ten Kla­ge­an­trag gel­tend ma­chen woll­te.

II. Die Be­ru­fung ist un­be­gründet. Die in obi­ger Aus­le­gung zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet.

1. Die auf Fest­stel­lung des ge­genwärti­gen Be­stands ei­nes Rechts­verhält­nis­ses ge­hen­de Kla­ge ist zulässig. Das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se liegt vor. Die Be­klag­te berühmt sich der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Auf­he­bungs­ver­trag vom 3. April 2012. Ei­ne Leis­tungs­kla­ge ist nicht vor­ran­gig. Sie könn­te, oh­ne dass der Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses in Rechts­kraft erwüchse (§ 322 Abs. 1 ZPO), nur ein­zel­ne Ansprüche aus dem von der Kläge­rin als nicht be­en­det an­ge­se­he­nen Ver­trags­verhält­nis er­fas­sen.

2. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Ar­beits­verhält­nis mehr. Die­ses ist mit Ab­lauf des 30. April 2012 be­en­det wor­den. Der Auf­he­bungs­ver­trag vom 3. April 2012 ist wirk­sam. Das hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt.

a) Die Kläge­rin hat den Auf­he­bungs­ver­trag nicht wirk­sam mit der Nich­tig­keits­fol­ge des § 142 Abs. 1 BGB an­ge­foch­ten. Es fehlt ein An­fech­tungs­grund iSd. ein­zig in Be­tracht kom­men­den § 123 Abs. 1 BGB. Die Kläge­rin ist we­der durch wi­der­recht­li­che Dro­hung noch durch arg­lis­ti­ge Täuschung zum Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags be­stimmt wor­den.

aa) Die Kläge­rin ist nicht durch wi­der­recht­li­che Dro­hung zum Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags be­stimmt wor­den.
 


10

(1) Es fehlt be­reits an ei­ner mit dem er­for­der­li­chen „Nöti­gungs­wil­len" erklärten Dro­hung.

(a) Dro­hung ist die vom Geg­ner ernst ge­nom­me­ne Ankündi­gung ei­nes zukünf­ti­gen Übels, das nach Be­kun­dung des Dro­hen­den und der An­sicht des Geg­ners vom Dro­hen­den her­bei­geführt wer­den kann und soll, wenn der Be­droh­te die an­ge­son­ne­ne Wil­lens­erklärung nicht ab­gibt (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 1998 - 8 AZR 457/97 - zu I 4 d aa der Gründe, NZA 1999, 417; BGH 7. Ju­ni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 1 a der Gründe, NJW 1988, 2599). Die Dro­hung muss von dem Aus­nut­zen ei­ner Zwangs­la­ge ab­ge­grenzt wer­den. Sie er­for­dert, dass der Dro­hen­de das Übel ir­gend­wie in Aus­sicht stellt. Es genügt nicht, wenn der An­fech­ten­de bei Ab­ga­be der Wil­lens­erklärung le­dig­lich er­war­tet hat, der an­de­re Teil wer­de ihm bei Nicht­ab­ga­be der Erklärung ein Übel zufügen, wenn sich die­se Befürch­tung al­lein aus der ob­jek­ti­ven Sach­la­ge er­gibt, nicht aber von dem an­de­ren Teil her­vor­ge­ru­fen oder bestärkt wird (vgl. BAG 9. März 1995 - 2 AZR 644/94 - zu 2 der Gründe, NZA 1996, 875; BGH 22. No­vem­ber 1995 - XII ZR 227/94 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1996, 1281; 7. Ju­ni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 1 d der Gründe, NJW 1988, 2599). Die Dro­hung muss nicht aus­drück­lich aus­ge­spro­chen wer­den. Sie kann auch ver­steckt (zB durch ei­ne War­nung oder ei­nen Hin­weis auf nach­tei­li­ge Fol­gen) oder durch schlüssi­ges Ver­hal­ten er­fol­gen (vgl. BAG 9. März 1995 - 2 AZR 644/94 - zu 2 der Gründe, NZA 1996, 875; BGH 22. No­vem­ber 1995 - XII ZR 227/94 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1996, 1281; 7. Ju­ni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 1 a der Gründe, NJW 1988, 2599). Der Be­droh­te muss den Erklärun­gen des Dro­hen­den ent­nom­men ha­ben, die­ser wer­de dafür sor­gen, dass das an­ge­droh­te Übel ein­tritt, wenn er – der Be­droh­te – die Wil­lens­erklärung nicht ab­ge­ben soll­te (vgl. BGH 22. No­vem­ber 1995 - XII ZR 227/94 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1996, 1281). Maßgeb­lich für die An­nah­me, es lie­ge ei­ne ernst­zu­neh­men­de Dro­hung vor, ist nicht die Mei­nung des Dro­hen­den, son­dern die Sicht des Be­droh­ten (vgl. BGH 22. No­vem­ber 1995 - XII ZR 227/94 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1996, 1281; 6. Mai 1982 - VII ZR 208/81 - zu II 1 b der Gründe, NJW 1982, 2301). Es ent­schei­det der Empfänger­ho­ri­zont (vgl. BAG 9. März 1995 - 2 AZR 644/04 - zu 2 der Gründe, NZA 1996, 875). Die Dro­hung muss al­ler­dings vorsätz­lich er­fol­gen, dh. der Dro­hen­de muss be­wusst den Zweck ver­fol­gen, den Be­droh­ten zur Ab­ga­be ei­ner be­stimm­ten Wil­lens­erklärung zu ver­an­las­sen (vgl. BAG 5. April 1978 - 4 AZR 621/76 - BB 1978, 1467; BGH 22.
 


11

No­vem­ber 1995 - XII ZR 227/94 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1996, 1281). Die Be­weis­last für al­le Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des An­fech­tungs­grun­des und da­mit auch für die Dro­hung und den er­for­der­li­chen „Er­pres­sungs­wil­len" (so BAG 5. April 1978 - 4 AZR 621/76 - BB 1978, 1467) trifft den An­fech­ten­den (vgl. BGH 19. April 2005 - X ZR 15/04 - Rn. 19, NJW 2005, 2766).

(b) Nach dem pro­to­kol­lier­ten Er­geb­nis der erst­in­stanz­lich durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me, für de­ren Wie­der­ho­lung durch das Be­ru­fungs­ge­richt kei­ne Ver­an­las­sung be­stand, lässt sich nicht iSv. § 286 Abs. 1 ZPO mit ei­nem für das prak­ti­sche Le­ben brauch­ba­ren Grad von Ge­wiss­heit (vgl. BGH 14. De­zem­ber 1993 - VI ZR 221/92 - zu II 2 a der Gründe, NJW-RR 1994, 567) fest­stel­len, dass die Kläge­rin für den Fall des Nicht­ab­schlus­ses ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags we­nigs­tens ver­steckt mit ei­ner Ein­schal­tung der Staats­an­walt­schaft be­droht wor­den ist. Die Be­weis­auf­nah­me hat al­len­falls bestätigt, dass die Be­klag­te ob­jek­tiv die Möglich­keit ge­habt hätte, ei­ne Straf­an­zei­ge ge­gen die Kläge­rin zu er­stat­ten oder die Vorwürfe ge­genüber den be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten oder de­ren An­gehöri­gen of­fen­zu­le­gen, dass mögli­cher­wei­se die Kläge­rin sich vor ei­ner Straf­an­zei­ge durch den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags ret­ten woll­te und dass even­tu­ell al­le an dem Gespräch Be­tei­lig­ten sich des­sen be­wusst wa­ren. In Rich­tung ei­ner Dro­hung weist ne­ben dem miss­verständ­li­chen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag der Be­klag­ten mit Schrift­satz vom 15. Ju­ni 2012 (dort S. 4 - 5 = Bl. 58 - 59 d.A.) zwar die Aus­sa­ge des Zeu­gen R1. Die­ser hat be­kun­det, dass die Kläge­rin erklären soll­te, ob sie mit ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag ein­ver­stan­den sei, an­sons­ten würde die Staats­an­walt­schaft ein­ge­schal­tet. Die Kläge­rin sei vor die Wahl „Auflösungs­ver­trag oder Staats­an­walt" ge­stellt wor­den. Die Zeu­gin E1 hat ei­ne aus­drück­li­che Dro­hung ver­neint und ei­ne ver­steck­te Dro­hung nicht bestätigt. Sie er­in­ne­re nicht, dass ei­ne Wenn-dann-Ver­knüpfung mit dem Auf­he­bungs­ver­trag her­ge­stellt wor­den sei. Ihr sei ins­be­son­de­re nicht er­in­ner­lich, dass der Zeu­ge B1 erklärt ha­be, falls die Kläge­rin den Auf­he­bungs­ver­trag nicht un­ter­zeich­ne, wer­de die Sa­che zur Staats­an­walt­schaft ge­hen. Nach den Aus­sa­gen der Zeu­gen B1 und H1 kann selbst ei­ne ver­steck­te Dro­hung nicht an­ge­nom­men wer­den. Der Zeu­ge B1 hat nicht nur an­ge­ge­ben, dass er die Kon­se­quen­zen des der Kläge­rin vor­ge­wor­fe­nen Fehl­ver­hal­tens le­dig­lich all­ge­mein ge­schil­dert und kei­ne Ver­knüpfung mit dem Auf­he­bungs­ver­trag her­ge­stellt ha­be. Er will der Kläge­rin auch erklärt ha­ben, dass man auf­pas­sen müsse, dass das bri­san­te The­ma nicht in die

12

Pres­se kom­me, dass er das nicht wol­le. Dem ent­spricht die Aus­sa­ge des Zeu­gen H1. Die­ser hat be­kun­det, es sei le­dig­lich erläutert wor­den, wel­che Kon­se­quen­zen ein­träten, falls der Vor­fall zur Staats­an­walt­schaft ge­tra­gen würde, dass die Wei­ter­ga­be der Vorwürfe aber nicht im In­ter­es­se der Be­klag­ten lie­ge. Un­strei­tig stand nach al­le­dem zwar die Fra­ge ei­nes staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lungs­ver­fah­rens und der dar­aus mögli­cher­wei­se er­wach­sen­den Kon­se­quen­zen nicht oh­ne Zu­tun der Be­klag­ten im Raum. Sie wur­de viel­mehr von dem Zeu­gen B1 in den Raum ge­stellt. Da je­doch kein An­halt dafür be­steht, dass dem miss­verständ­li­chen „An­fangs­vor­trag" der Be­klag­ten und der – im Übri­gen eher wer­ten­den – Be­kun­dung des Zeu­gen R1 mehr Über­zeu­gungs­kraft zu­kommt als den Aus­sa­gen der Zeu­gen B1 und H1, kann ei­ne we­nigs­tens ver­steck­te Dro­hung nicht fest­ge­stellt wer­den. In­dem die letzt­ge­nann­ten Zeu­gen erklärt ha­ben, der Kläge­rin sei mit­ge­teilt wor­den, dass – was durch­aus nach­voll­zieh­bar er­scheint – die Wei­ter­ga­be der Vorwürfe nicht im In­ter­es­se der Be­klag­ten lie­ge, lässt sich je­den­falls nicht aus­rei­chend si­cher an­neh­men, dass nach den Ge­samt­umständen der Äußerun­gen des Zeu­gen B1 die be­schrie­be­nen nach­tei­li­gen Fol­gen ge­ra­de oder nur im Fall des Nicht­ab­schlus­ses des Auf­he­bungs­ver­trags ein­tre­ten soll­ten (vgl. BGH 7. Ju­ni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 1 d der Gründe, NJW 1988, 2599). Ei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung im Sin­ne der Kläge­rin ist zum ei­nen auch nicht des­halb möglich, weil un­strei­tig nach der Un­ter­zeich­nung des Auf­he­bungs­ver­trags der Zeu­ge B1 der Kläge­rin ver­si­chert hat, dass nichts nach außen ge­lan­ge und die Un­ter­la­gen ver­nich­tet würden. Hier­aus lässt sich nicht zu­verlässig fol­gern, dass an­de­ren­falls die Un­ter­la­gen nicht nur „für den Fall der Fälle" ver­wahrt, son­dern an die Staats­an­walt­schaft oder die be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten wei­ter­ge­ge­ben wor­den wären. Zum an­de­ren ist die An­nah­me ei­ner Dro­hung nicht des­halb zwin­gend, weil an­sons­ten ein Vor­teil für die Kläge­rin durch den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags nicht er­sicht­lich wäre. Das gilt schon des­halb, weil die Kläge­rin an­ge­nom­men ha­ben könn­te, dass die frei­wil­li­ge Auf­ga­be des Ar­beits­verhält­nis­ses bei ei­nem auch oh­ne Zu­tun der Be­klag­ten nicht gänz­lich aus­ge­schlos­se­nen „Auf­flie­gen" der Vorfälle das In­ter­es­se an ei­ner Straf­ver­fol­gung und Be­stra­fung re­du­zier­te (vgl. zur Be­rech­ti­gung ei­ner sol­chen An­nah­me nur AG Frank­furt 11. Ja­nu­ar 2010 - 920A Ls 3530 Js 202270/09 - 3014 - zu V der Gründe, PflR 2010, 585). Zu­dem hat nach der un­strei­tig ge­blie­be­nen Be­kun­dung des Zeu­gen B1 die Kläge­rin nach Un­ter­zeich­nung des Auf­he­bungs­ver­trags erklärt, dass sie

13

ei­gent­lich gar nicht mehr als Kran­ken­schwes­ter ar­bei­ten wol­le, weil die Be­las­tun­gen so groß sei­en.

(c) So­fern trotz der nach­voll­zieh­bar be­haup­te­ten Erklärun­gen, dass ein Be­kannt­wer­den der Vorfälle auch nicht im In­ter­es­se der Be­klag­ten lie­ge, gleich­wohl aus dem Ho­ri­zont der Kläge­rin die An­nah­me ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ge­we­sen sein soll­te, dass ihr für den Fall des Nicht­ab­schlus­ses ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags mit ei­ner Wei­ter­ga­be der Vorwürfe ge­droht wur­de, ließe sich je­den­falls ein ent­spre­chen­der „Er­pres­sungs­wil­le" der Be­klag­ten nicht fest­stel­len. Es ist we­der von der Kläge­rin vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich, dass es dem Zeu­gen B1 dar­um ging, mit dem Hin­weis auf ein mögli­ches Er­mitt­lungs­ver­fah­ren die Wil­lens­bil­dung der Kläge­rin in dem Sin­ne zu be­ein­flus­sen, dass je­ne an­neh­men soll­te, ge­ra­de oder nur bei Nicht­un­ter­zeich­nung ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags wer­de die Be­klag­te für die Ein­lei­tung ei­nes staats­an­walt­schaft­li­chen Ver­fah­rens „sor­gen". Viel­mehr kann es der Be­klag­ten auch „bloß" dar­um ge­gan­gen sein, der Kläge­rin die Trag­wei­te des ihr an­ge­las­te­ten Fehl­ver­hal­tens vor Au­gen zu führen und sie so zu ver­an­las­sen, ih­re Eig­nung als Kran­ken­schwes­ter und ihr In­ter­es­se an ei­ner Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. In die­sem Sin­ne ha­ben sich zu­min­dest die Zeu­gen B1, H1 und E1 erklärt.

(2) Im Übri­gen wäre die vorsätz­li­che Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge zum Zwe­cke des Ab­schlus­ses ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags un­ter den ge­ge­be­nen Umständen nicht wi­der­recht­lich ge­we­sen.

(a) Ei­ne Dro­hung ist wi­der­recht­lich, wenn das Mit­tel, dh. das an­ge­droh­te Ver­hal­ten, oder der Zweck, dh. die ab­genötig­te Wil­lens­erklärung, oder je­den­falls die Ver­knüpfung von bei­dem wi­der­recht­lich ist (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 1998 - 8 AZR 457/97 - zu I 4 d bb der Gründe, NZA 1999, 417). Der Ein­satz ei­nes an sich er­laub­ten Mit­tels zur Er­rei­chung ei­nes nicht ver­bo­te­nen Zwecks (Zweck-Mit­tel-Re­la­ti­on) ist wi­der­recht­lich, wenn sich die Ver­knüpfung als so­zi­al in­adäquat dar­stellt (vgl. Münch­KommBGB/ Arm­brüster 6. Aufl. § 123 Rn. 107; Stau­din­ger/Sin­ger Neu­be­ar­bei­tung 2011 § 123 Rn. 75). Es ist zu fra­gen, ob die Be­nut­zung die­ses Mit­tels für die­sen Zweck ge­gen das An­stands­gefühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den oder ge­gen Treu und Glau­ben verstößt. Da­zu be­darf es ei­ner

14

Ge­samtwürdi­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung der Be­lan­ge der Be­tei­lig­ten; ins­be­son­de­re ist zu prüfen, ob der Dro­hen­de an der Er­rei­chung des von ihm er­streb­ten Er­folgs ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se hat und ob die Dro­hung da­zu ein an­ge­mes­se­nes Mit­tel dar­stellt (vgl. BGH 4. No­vem­ber 1982 - VII ZR 11/82 - zu II 1 b der Gründe, NJW 1983, 384; 6. Mai 1982 - VII ZR 208/81 - zu II 2 a der Gründe, NJW 1982, 2301). Hier­nach wird die An­dro­hung ei­ner Straf­an­zei­ge zum Zwe­cke der Auflösung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses (nur) dann als un­an­ge­mes­sen und so­mit rechts­wid­rig an­ge­se­hen, wenn dies das Er­geb­nis ei­ner Ge­samtwürdi­gung al­ler Umstände un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung der Be­lan­ge so­wohl des Be­droh­ten als auch des Dro­hen­den ist (vgl. BAG 30. Ja­nu­ar 1986 - 2 AZR 196/85 - zu BI4b bb der Gründe, NZA 1987, 91; LAG Hamm 22. Ju­li 2009 - 3 Sa 426/09 - ju­risRn. 103, LAG Ba­den-Würt­tem­berg 27. Ok­to­ber 1983 - 11 Sa 103/83 - ju­ris). Maßgeb­lich ist, ob ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber ei­ne Straf­an­zei­ge ernst­haft in Erwägung zie­hen würde. Da­bei kommt es ei­ner­seits auf das Ge­wicht des er­ho­be­nen Vor­wurfs an. An­de­rer­seits muss das Be­geh­ren des Dro­hen­den mit der an­zu­zei­gen­den Straf­tat in ei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang ste­hen (vgl. BAG 30. Ja­nu­ar 1986 - 2 AZR 196/85 - zu BI4b bb der Gründe, NZA 1987, 91; LAG Hamm 22. Ju­li 2009 - 3 Sa 426/09 - ju­risRn. 105). Das ist der Fall, wenn das Ar­beits­verhält­nis durch die be­tref­fen­de Straf­tat kon­kret berührt wird (vgl. LAG Hamm 22. Ju­li 2009 - 3 Sa 426/09 - ju­risRn. 106). Aus­ge­hend von dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass die Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge als adäquat zu wer­ten ist, wenn zum ei­nen der der An­zei­ge zu­grun­de lie­gen­de Sach­ver­halt mit der For­de­rung in ei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang steht und zum an­de­ren der Dro­hen­de kei­ne un­an­ge­mes­se­nen oder ihm ma­te­ri­ell­recht­lich nicht zu­ste­hen­den Vor­tei­le er­strebt (vgl. Stau­din­ger/Sin­ger Neu­be­ar­bei­tung 2011 § 123 Rn. 76), ist ei­ne Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge zum Zwe­cke des Ab­schlus­ses ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags je­den­falls dann nicht wi­der­recht­lich, wenn die zur An­zei­ge zu brin­gen­de Straf­tat zu­gleich ei­ne Ver­trags­pflicht­ver­let­zung von sol­chem Ge­wicht dar­stellt, dass ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber ei­ne den Re­ge­lun­gen des Auf­he­bungs­ver­trags in et­wa ent­spre­chen­de Kündi­gung ernst­haft in Be­tracht zie­hen durf­te (vgl. zu den dies­bezügli­chen Maßstäben BAG 28. No­vem­ber 2007 - 6 AZR 1108/06 - Rn. 48, NZA 2008, 348; 15. De­zem­ber 2005 - 6 AZR 1977/05 - zu II 1 c der Gründe, NZA 2006, 841; 27. No­vem­ber 2003 - 2 AZR 135/03 - zu BI2a der Gründe, NZA 2004, 597; BGH 19. April 2005 - X ZR 15/04 - zu II 6 a der Gründe, NJW 2005, 2766). Die
 


15

Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge kann sich we­gen un­zu­rei­chen­der Sach­ver­halts­aufklärung als vor­schnel­le und über­zo­ge­ne Re­ak­ti­on dar­stel­len (vgl. LAG Hamm 22. Ju­li 2009 - 3 Sa 426/09 - ju­risRn. 109 ff.). In­des muss der Dro­hen­de das dem Ar­beit­neh­mer an­ge­las­te­te Ver­hal­ten nicht (be­reits) be­wei­sen können. Es genügt, dass ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber bei Aus­spruch der Dro­hung von ei­nem straf­ba­ren Ver­hal­ten aus­ge­hen durf­te (vgl. BAG 22. Ju­li 2010 - 8 AZR 144/09 - Rn. 39, NZA 2011, 743). Für die Fra­ge, ob er zu­gleich ei­ne ent­spre­chen­de Kündi­gung in Be­tracht zie­hen durf­te, ist sein ob­jek­tiv mögli­cher und da­mit hy­po­the­ti­scher Kennt­nis­stand maßgeb­lich. Es sind auch die – zB erst im Pro­zess ge­won­ne­nen – Er­kennt­nis­se wei­te­rer Er­mitt­lun­gen, die ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber zur Aufklärung des Sach­ver­halts an­ge­stellt hätte, zu berück­sich­ti­gen (vgl. BAG 16. No­vem­ber 1979 - 2 AZR 1041/77 - zu I 3 a der Gründe, DB 1980, 1450; 22. De­zem­ber 1982 - 2 AZR 282/82 - zu B II 1 der Gründe, NJW 1983, 2782; 24. Ja­nu­ar 1985 - 2 AZR 317/84 - zu III 1 der Gründe, NZA 1986, 25; LAG Rhein­land-Pfalz 24. April 2012 - 3 Sa 545/11 - ju­risRn. 41). Die Be­weis­last für die Umstände, die die Dro­hung als wi­der­recht­lich er­schei­nen las­sen, trifft nach vor­he­ri­ger Ab­stu­fung der Dar­le­gungs­las­ten (vgl. BAG 28. No­vem­ber 2007 - 6 AZR 1108/06 - Rn. 55, NZA 2008, 348) eben­falls den an­fech­ten­den Ar­beit­neh­mer (vgl. BAG 3. Ju­li 2003 - 2 AZR 327/02 - ju­risRn. 16).

(b) Im Streit­fall wäre die An­dro­hung ei­ner „ei­ge­nen" Straf­an­zei­ge zum Zwe­cke der ein­ver­nehm­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht un­ter dem ein­zig in Be­tracht kom­men­den As­pekt ei­ner so­zi­al in­adäqua­ten Zweck-Mit­tel-Ver­knüpfung wi­der­recht­lich ge­we­sen.

(aa) Die Be­klag­te hätte nicht ei­ne zufällig be­kannt ge­wor­de­ne Straf­tat der Kläge­rin aus­ge­nutzt. Die Vorwürfe stan­den in ei­nem un­auflösli­chen Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis. Ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber durf­te ei­ne Straf­an­zei­ge (§ 158 Abs. 1 St­PO) ernst­lich erwägen. Zwar schied ei­ne Straf­bar­keit nach § 29 BtMG aus. Der in dem Me­di­ka­ment Ta­vor ent­hal­te­ne Wirk­stoff Lo­ra­ze­pam un­ter­fiel nur dann der sei­ner­zeit gel­ten­den An­la­ge III zum BtMG, wenn die be­tref­fen­de Zu­be­rei­tung ent­we­der wei­te­re Stof­fe der An­la­gen I bis III zum BtMG oder als Mo­no­präpa­rat je ab­ge­teil­ter Form (zB Ta­blet­te) mehr als 2,5 mg Lo­ra­ze­pam ent­hielt. An­de­ren­falls han­del­te es sich um ei­ne sog. aus­ge­nom­me­ne Zu­be­rei­tung. Han­delsüblich wird Ta­vor mit ma­xi­mal 2,5 mg pro Ta­blet­te ver­trie­ben. Ab­wei­chen­des hat die Be­klag­te


16

nicht vor­ge­tra­gen. Je­doch durf­te sie auf­grund der ihr be­rich­te­ten Vorfälle vom 5. und 9. März 2012 (Wei­ter­ga­be ei­ner Ta­blet­te Ta­vor an die Schwes­terschüle­rin P1 zur nicht ärzt­lich an­ge­ord­ne­ten Ver­ab­rei­chung an ei­nen des Öfte­ren schel­len­den Pa­ti­en­ten und nicht ärzt­lich ver­ord­ne­te Ga­be ei­ner Ta­blet­te Ta­vor an ei­ne „ner­ven­de" Pa­ti­en­tin) trotz nicht aus­drück­lich vor­ge­tra­ge­ner nicht un­er­heb­li­cher Be­ein­träch­ti­gun­gen des körper­li­chen Wohl­emp­fin­dens oder der körper­li­chen Un­ver­sehrt­heit (vgl. BGH 11. Ju­li 2012 - 2 StR 60/12 - Rn. 8, NStZ-RR 2012, 340) der be­trof­fe­nen Pa­ti­en­tin von zwei Fällen ei­ner zu­min­dest ver­such­ten gefähr­li­chen Körper­ver­let­zung gemäß §§ 224 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2; 22; 23; 25 Abs. 1 StGB aus­ge­hen (vgl. LG Frank­furt 29. Fe­bru­ar 2012 - 5/24 Ns-3530 Js 202270/09 [21/10] - ju­risRn. 58). Der we­nigs­tens be­ding­te Vor­satz lag auf­grund der Wir­kun­gen und Ne­ben­wir­kun­gen des Mit­tels Ta­vor (vgl. den Bei­pack­zet­tel) na­he. Zu­dem kam we­gen des als sol­ches un­strei­ti­gen Le­gens ei­nes tran­su­re­thra­len Bla­sen­ka­the­ters ei­ne Straf­bar­keit we­gen vorsätz­li­cher (§ 223 Abs. 1 StGB) oder zu­min­dest fahrlässi­ger (§ 229 StGB) Körper­ver­let­zung in Be­tracht. Für ein sol­cher­maßen straf­ba­res Ver­hal­ten der Kläge­rin la­gen be­reits am 3. April 2012 An­halts­punk­te vor, die ei­ne Straf­an­zei­ge kei­nes­falls als vor­schnell er­schei­nen ließen. Die bei­den Schwes­ternschüle­rin­nen hat­ten ent­spre­chen­de kon­kre­te Vorwürfe ge­gen die Kläge­rin er­ho­ben. Die zuständi­gen Ärz­te hat­ten nach Kur­ven­durch­sicht bestätigt, dass bei dem be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten kei­ne Dau­er- oder Be­darfs­me­di­ka­ti­on bezüglich ei­nes Ben­zo­dia­ze­pins be­stand (vgl. das Schrei­ben vom 19. März 2012, Bl. 64 d.A.). Nach den Be­kun­dun­gen der erst­in­stanz­lich ver­nom­me­nen Zeu­gen – ein­sch­ließlich des Zeu­gen R1 – ist die Be­haup­tung der Be­klag­ten je­den­falls nicht wi­der­legt, dass der Kläge­rin ein­gangs des Gesprächs die Vorwürfe hin­rei­chend kon­kret ge­schil­dert wor­den sind. Die um Stel­lung­nah­me er­such­te Kläge­rin erklärte un­strei­tig, sich nur „dumpf" an die be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten und über­haupt nicht an die ge­ge­be­nen Me­di­ka­men­te zu er­in­nern. Im Übri­gen sind die Ein­las­sun­gen der Kläge­rin an­ge­sichts der ge­nau­en Schil­de­rung der Abläufe durch die Be­klag­te noch im Rechts­streit nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert und teils ne­ben der Sa­che. Die all­ge­mein, oh­ne Zu­sam­men­hang zu den kon­kre­ten Vorgängen geäußer­te Ver­mu­tung, das Mit­tel Ta­vor könn­te gemäß ei­ner „geübten Pra­xis" von ei­nem Arzt „auf Zu­ruf" ver­ord­net und an­sch­ließend le­dig­lich die Ein­tra­gung in die Pa­ti­en­ten­kur­ve ver­ges­sen wor­den sein, ist nicht ge­eig­net, den ent­stan­de­nen Ver­dacht zu ent­kräften oder auch nur ab­zu­schwächen. Das gilt um­so mehr, als die Kläge­rin zum ei­nen selbst vorträgt,

17

dass sie nur „grundsätz­lich" Rück­spra­che mit ei­nem Arzt ge­hal­ten ha­be, be­vor sie Ta­vor oder ein an­de­res Me­di­ka­ment ge­ge­ben ha­be. Zum an­de­ren lässt sie sich über­haupt nicht zu der laut der Schwes­ternschüle­rin P1 ge­fal­le­nen Äußerung „Hier, gib ihm mal die Ta­blet­te, dann ist hier gleich Ru­he" ein und be­strei­tet sie un­sub­stan­ti­iert so­wie oh­ne Be­weis­an­tritt die Be­haup­tung der Schwes­ternschüle­rin K1, dass sie – die Kläge­rin – sich zu­vor ver­ge­wis­sert ha­be, dass der Sta­ti­ons­lei­ter nichts mit­be­kommt. Der tat­sa­chen­ar­men, er­neut nicht un­ter Be­weis ge­stell­ten Schil­de­rung der Kläge­rin lässt sich auch nicht nach­voll­zieh­bar ent­neh­men, auf­grund wel­cher „Ab­laufstörun­gen in der Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­klag­ten" sie sich zu dem ei­genständi­gen Le­gen ei­nes Ka­the­ters ver­an­lasst glau­ben durf­te. Das der Kläge­rin vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten lässt sich nicht pau­schal mit ei­ner „enor­men Ar­beitsüber­las­tung" und ei­ner per­ma­nen­ten Über­be­le­gung der Sta­ti­on recht­fer­ti­gen. Gänz­lich ab­we­gig ist es, die Kläge­rin da­durch ent­las­ten zu wol­len, dass sie ei­ne „ge­fahr­ge­neig­te Tätig­keit" ausübe, bei der lau­fend – wenn auch re­gelmäßig ge­recht­fer­tigt – der Tat­be­stand der Körper­ver­let­zung ver­wirk­licht wer­de. Nach dem nicht wi­der­leg­ten Vor­trag der Be­klag­ten hat die Kläge­rin nicht irrtümlich Recht­fer­ti­gungs­gründe an­ge­nom­men, son­dern „se­hen­den Au­ges" nicht ärzt­lich an­ge­ord­ne­te, sonst in­di­zier­te oder von dem Pa­ti­en­ten gewünsch­te Hand­lun­gen ei­genmäch­tig und ei­gennützig vor­ge­nom­men.

(bb) Mit dem Ab­schluss ei­nes die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. April 2012 vor­se­hen­den Auf­he­bungs­ver­trags hätte die Be­klag­te kei­nen un­an­ge­mes­se­nen oder ihr ma­te­ri­ell­recht­lich nicht zu­ste­hen­den Vor­teil er­strebt. Un­ter den ge­ge­be­nen Umständen hätte ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber zu­gleich ei­ne außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung nach § 626 BGB ernst­haft in Be­tracht zie­hen dürfen. Durch das ihr sub­stan­ti­iert an­ge­las­te­te und von ihr auch im Pro­zess nicht wi­der­leg­te Ver­hal­ten hat die Kläge­rin ei­nen an sich wich­ti­gen Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB ge­setzt. Trotz der langjähri­gen be­an­stan­dungs­frei­en Beschäfti­gung ist an­ge­sichts der Schwe­re der gleich meh­re­ren er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zun­gen nicht er­sicht­lich, dass bei ei­ner um­fas­sen­den Abwägung ihr In­ter­es­se an der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses we­nigs­tens für den – vol­len – Lauf der Kündi­gungs­frist das In­ter­es­se der Be­klag­ten an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit ho­her Wahr­schein­lich­keit über­wo­gen hätte. Das wäre aber er­for­der­lich, weil von dem Ar­beit­ge­ber nicht zu ver­lan­gen ist, dass er bei sei­ner Abwägung die mögli­che

18

Be­ur­tei­lung des Ar­beits­ge­richts „trifft". Die Kündi­gungs­erklärungs­frist des § 626 Abs. 2 BGB be­gann erst ab vollständi­ger po­si­ti­ver Kennt­nis ei­nes Kündi­gungs­be­rech­tig­ten (des Ver­wal­tungs­di­rek­tors?) und da­mit zu­min­dest nicht vor der Anhörung der Kläge­rin nach de­ren Ur­laubsrück­kehr am 3. April 2012 zu lau­fen (vgl. LAG Hamm 19. April 2012 - 15 Sa 248/12 - ju­risRn. 66).

(cc) Die Dro­hung mit der Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge wäre ei­ner­seits nicht des­halb treu­wid­rig (§ 242 BGB) ge­we­sen, weil die Be­klag­te oh­ne­hin mit ei­ner Straf­ver­fol­gung der Kläge­rin ge­rech­net hätte. Dass theo­re­tisch ei­ne Straf­ver­fol­gung un­abhängig von ei­ner Straf­an­zei­ge der Be­klag­ten hätte statt­fin­den können, spielt kei­ne Rol­le. Denn prak­tisch hing die Straf­ver­fol­gung – wie sich im Nach­hin­ein bestätigt hat – von ei­ner „ei­ge­nen" An­zei­ge der Be­klag­ten oder zu­min­dest der Eröff­nung der Vorwürfe ge­genüber den be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten oder de­ren An­gehöri­gen ab (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 1998 - 8 AZR 457/97 - zu I 4 d ee der Gründe, NZA 1999, 417). Mit der Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge hätte die Be­klag­te an­de­rer­seits nicht funk­ti­ons­wid­rig von ei­nem Straf­ver­fah­ren Ge­brauch ge­macht, ob­gleich sie selbst nicht Ver­letz­te iSv. § 77 StGB war. Ab­ge­se­hen da­von, dass nach § 158 Abs. 1 St­PO das ein­ge­schränk­te Recht zum – zu­mal auch bei §§ 223, 229 StGB gemäß § 230 StGB nicht zwin­gend not­wen­di­gen – Straf­an­trag von dem je­der­mann zu­ste­hen­den Recht zur Straf­an­zei­ge zu un­ter­schei­den ist, hätte die Be­klag­te da­mit rech­nen müssen, dass es bei Aus­spruch ei­ner (außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen) Kündi­gung zu ei­ner strei­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Kläge­rin ge­kom­men wäre. In­so­fern hätte es Sinn ge­macht, den Sach­ver­halt durch die staat­li­chen Er­mitt­lungs­behörden vollständig aufklären zu las­sen (vgl. BAG 22. Ju­li 2010 - 8 AZR 144/09 - Rn. 39, NZA 2011, 743). Bis da­hin hätte die Be­klag­te schon durch die An­zei­gen­er­stat­tung zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie ein Ver­hal­ten wie das in Re­de ste­hen­de nicht re­ak­ti­ons­los hin­nimmt. Ei­ne sach­wid­ri­ge Be­nut­zung des Straf­ver­fah­rens hätte da­mit nicht vor­ge­le­gen (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg 18. Ja­nu­ar 1999 - 14 Sa 101/98 - ju­risRn. 52).

(dd) Sch­ließlich kann da­hin­ste­hen, ob im Rah­men der Zweck-Mit­tel-Ver­knüpfung zu prüfen ist, ob es an­ge­mes­sen war, für den Fall des Zu­stan­de­kom­mens ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags von ei­ner Straf­an­zei­ge ab­zu­se­hen. Mit ei­nem sol­chen Ver­zicht hätte die nicht zur Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge ver­pflich­te­te Be­klag­te eben­falls nicht

19

zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie das Straf­ver­fah­ren funk­ti­ons­wid­rig hätte be­nut­zen wol­len. Das gilt, ob­gleich durch die be­haup­te­ten Hand­lun­gen der Kläge­rin aus­sch­ließlich straf­recht­lich geschütz­te Rechtsgüter der be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten ver­letzt wur­den. Mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fiel nicht nur das Aufklärungs­in­ter­es­se der Be­klag­ten, son­dern war auch wei­te­ren Gefähr­dun­gen von Pa­ti­en­ten der Be­klag­ten vor­ge­beugt (vgl. VG Düssel­dorf 30. März 2009 - 11 K 7540/08 - ju­risRn. 50 ff.). Die Kläge­rin war we­nigs­tens vorläufig als Kran­ken­schwes­ter „aus dem Ver­kehr ge­zo­gen". Da­mit war die An­nah­me nicht sach­fremd, dass die be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten als die iSv. § 77 StGB Ver­letz­ten kein ge­stei­ger­tes In­ter­es­se an ei­ner straf­recht­li­chen Ver­fol­gung mehr hat­ten. Hier­ge­gen kann nicht ein­ge­wandt wer­den, dass Sinn ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses rechts­tech­nisch nicht ei­ne Be­stra­fung, son­dern die Ver­mei­dung künf­ti­ger Ver­trags­ver­let­zun­gen ist (vgl. BAG 26. No­vem­ber 2009 - 2 AZR 751/08 - Rn. 10, NZA 2010, 823). Der Zweck von Stra­fe (§§ 38 ff. StGB) ist nicht nur Re­pres­si­on, son­dern zu­gleich Ge­ne­ral- und Spe­zi­al­präven­ti­on. Die Gren­ze zwi­schen Re­pres­si­on und Präven­ti­on fließt in be­son­de­rem Maße, wenn ne­ben ei­ner Stra­fe die Verhängung ei­ner Maßre­gel der Bes­se­rung und Si­che­rung (§§ 61 ff. StGB) in Be­tracht kommt. Bei die­sen han­delt es sich nicht um ver­gel­ten­de, schuld­aus­glei­chen­de, son­dern um spe­zi­al­präven­ti­ve Re­ak­tio­nen auf ei­ne (An­lass-)Straf­tat (vgl. BVerfG 11. Ju­li 2013 - 2 BvR 2302/11 - ju­risRn. 58 mwN für die Si­che­rungs­ver­wah­rung). Das gilt na­ment­lich für das Be­rufs­ver­bot gemäß § 70 StGB, des­sen von der Be­klag­ten als mögli­che Kon­se­quenz er­wo­ge­ne Verhängung im vor­lie­gen­den Fall zu­min­dest nicht völlig fern­lie­gend war (vgl. AG Frank­furt 11. Ja­nu­ar 2010 - 920A Ls 3530 Js 202270/09 - 3014 - ju­risRn. 48 f.; an­ders dann nur auf­grund der be­son­de­ren Pro­gno­se im Ein­zel­fall die Be­ru­fungs­in­stanz: LG Frank­furt 29. Fe­bru­ar 2012 - 5/24 Ns-3530 Js 202270/09 [21/10]). Da ein Be­rufs­ver­bot grundsätz­lich zeit­lich be­fris­tet ist und zur Bewährung aus­ge­setzt wer­den kann (vgl. OVG Müns­ter 3. Fe­bru­ar 2004 - 13 B 2369/03 - Me­dR 2004, 327 zur Be­gründung ei­nes be­rufs­recht­li­chen Über­hangs für die An­ord­nung des Ru­hens der Ap­pro­ba­ti­on), bleibt ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus den Gründen der mögli­chen An­lass­straf­tat kaum da­hin­ter zurück.

(c) Die Dro­hung mit ei­ner Of­fen­le­gung der Vorfälle ge­genüber den be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten oder de­ren An­gehöri­gen wäre erst recht nicht un­an­ge­mes­sen und da­mit



20

eben­falls nicht wi­der­recht­lich ge­we­sen. Oh­ne den Auf­he­bungs­ver­trag hätte die Be­klag­te die „Flucht nach vor­ne" an­tre­ten dürfen. Mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durf­te sie die be­tref­fen­den Pa­ti­en­ten als „gesühnt", ih­re an­de­ren Pa­ti­en­ten als künf­tig geschützt und sich selbst als für den Fall des an­der­wei­ti­gen Be­kannt­wer­dens der Vorfälle vor zi­vil­recht­li­chen oder auf­sichts­behörd­li­chen Kon­se­quen­zen bes­ser „ge­feit" an­se­hen.

bb) Die Kläge­rin ist nicht durch arg­lis­ti­ge Täuschung zum Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags be­stimmt wor­den. Es kann da­hin­ste­hen, ob ihr mit­ge­teilt wor­den ist, dass ei­ge­ne schrift­li­che Stel­lung­nah­men zwei­er Schwes­terschüle­rin­nen vorlägen. Zum ei­nen hat die Kläge­rin we­der vor­ge­tra­gen, noch ist oh­ne Wei­te­res an­zu­neh­men, dass der Ver­wal­tungs­di­rek­tor bei ei­ner sol­chen, am In­halt der er­ho­be­nen Vorwürfe nichts ändern­den Erklärung das für die An­nah­me von Arg­list er­for­der­li­che Be­wusst­sein iS zu­min­dest be­ding­ten Vor­sat­zes ge­habt hätte, die Wil­lens­bil­dung der Kläge­rin zu be­ein­flus­sen (vgl. BGH 12. No­vem­ber 1986 - IVa ZR 186/85 - zu II a der Gründe, VersR 1987, 91; 28. April 1971 - VIII 258/69 - zu II 3 d der Gründe, NJW 1971, 1795; OLG Hamm 26. No­vem­ber 1993 - 20 U 214/93 - zu 2 der Gründe, NJW-RR 1995, 286). Zum an­de­ren be­haup­tet die Kläge­rin selbst nicht, dass die Vor­spie­ge­lung der Exis­tenz ei­ner ei­ge­nen schrift­li­chen Sach­ver­halts­schil­de­rung auch der Schwes­ternschüle­rin K1 für ih­re Ent­schei­dung zum Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­trags ursächlich ge­we­sen wäre.

b) Der Auf­he­bungs­ver­trag ist nicht aus sons­ti­gen Gründen un­wirk­sam. Der Kläge­rin ist ei­ne Be­denk­zeit ein­geräumt wor­den. Al­lein de­ren Feh­len könn­te oh­ne­hin nicht die Un­wirk­sam­keit des Auf­he­bungs­ver­trags gemäß § 242 BGB be­gründen (vgl. BAG 27. No­vem­ber 2003 - 2 AZR 135/03 - zu B III der Gründe, NZA 2004, 597). Das mögli­che Aus­nut­zen ei­ner see­li­schen Zwangs­la­ge der Kläge­rin ist auch sonst nicht un­ter Umständen er­folgt, die den Auf­he­bungs­ver­trag nach § 138 Abs. 1 BGB nich­tig mach­ten. Ins­be­son­de­re hat sich die Be­klag­te, die durch­aus auch ei­ne außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung in Be­tracht zie­hen durf­te, durch den Auf­he­bungs­ver­trag nicht be­wusst ei­nen übermäßigen Vor­teil ver­schafft (vgl. BGH 7. Ju­ni 1988 - IX ZR 245/86 - zu II der Gründe, NJW 1988, 2599). So­weit der Kläge­rin ent­ge­gen Ziff. 8 und 9 des Auf­he­bungs­ver­trags so­zi­al­recht­li­che Nach­tei­le der An­nah­me­erklärung nicht be­wusst ge­we­sen sein soll­ten und dem die Ver­let­zung von
 


21

Aufklärungs­pflich­ten durch die Be­klag­te zu­grun­de ge­le­gen ha­ben soll­te, könn­te dies auch im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes (§§ 280 ff., 249 ff. BGB) schon des­halb nicht die Rück­ab­wick­lung des Auf­he­bungs­ver­trags im We­ge der sog. Na­tu­ral­re­sti­tu­ti­on be­gründen, weil die Kläge­rin al­lein durch die erörter­ten ver­meint­li­chen Dro­hun­gen zur Auf­ga­be des Ar­beits­verhält­nis­ses be­stimmt wor­den sein will. Die Kläge­rin hat selbst nicht be­haup­tet, dass sie den Auf­he­bungs­ver­trag trotz der von ihr be­haup­te­ten Wil­lens­be­ein­flus­sun­gen bei vol­ler Kennt­nis der so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Nach­tei­le nicht ab­ge­schlos­sen hätte.


B.

Die Kläge­rin hat nach § 97 Abs. 1 ZPO bei un­veränder­tem Streit­wert die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen.

C.

Gründe für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on nach § 72 Abs. 2 ArbGG lie­gen nicht vor.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung
Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.

Dr. Nie­mann 

Hirt­ham­mer 

Su­lew­ski

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 10 Sa 99/13  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880