Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitskampf, Kirchliche Einrichtung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 AZR 611/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.11.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 01.09.2010, 28 Ca 105/10
Landesgericht Hamburg, Urteil vom 23.03.2011, 2 Sa 83/10
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 AZR 611/11
2 Sa 83/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ham­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
20. No­vem­ber 2012

UR­TEIL

Klapp, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

1.

Be­klag­ter, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter zu 1),

2.

Be­klag­ter, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter zu 2),

 

- 2 - 


hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. No­vem­ber 2012 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schwit­zer und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Hann für Recht er­kannt:

1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 23. März 2011 - 2 Sa 83/10 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Zulässig­keit von Ar­beits­kampf­maßnah­men in kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen.

Der kla­gen­de Ar­beit­ge­ber­ver­band ist ein rechtsfähi­ger Ver­ein mit Sitz in Kiel. Sei­ne Gründung im Jahr 1979 be­ruh­te auf ei­ner Ent­schei­dung der Syn­ode der vor­ma­li­gen Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che (NEK).

Nach Art. 19 der Ver­fas­sung der NEK vom 12. Ju­ni 1976 (Ver­fas­sung NEK, GV­OBl. S. 159) glie­dert sich das der Kir­che an­ver­trau­te Amt in ver­schie­de­ne Diens­te. Die in die­se Diens­te haupt-, ne­ben- und eh­ren­amt­lich Be­ru­fe­nen tra­gen die Ver­ant­wor­tung dafür, dass je­weils in ih­ren Auf­ga­ben­be­rei­chen der Auf­trag der Kir­che wahr­ge­nom­men wird. Da­mit die­nen sie der Ein­heit der Kir­che. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter neh­men im Rah­men ih­res be­son­de­ren Diens­tes ver­ant­wort­lich an der Aus­rich­tung von Verkündi­gung, Seel­sor­ge und Un­ter­wei­sung teil (Art. 21 Satz 1 Ver­fas­sung NEK).

 

- 3 - 

Im Be­reich der NEK gal­ten seit 1961 mit Ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­se­ne und als Ta­rif­verträge be­zeich­ne­te Ver­ein­ba­run­gen. Die NEK schloss auch nach der im Jahr 1978 aus­ge­spro­che­nen Emp­feh­lung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD) für den sog. „Drit­ten Weg“ Ta­rif­verträge ab. In dem Be­schluss der Syn­ode der NEK zur Ar­beits­rechts­re­ge­lung (Vier­te Ta­gung vom 17. - 19. Fe­bru­ar 1978 in Rends­burg) vom 18. Fe­bru­ar 1978 heißt es:

„Die ‚Vor­be­din­gun­gen’

...

Gemäß dem An­trag der Kir­chen­kreis­syn­ode Blan­ke­ne­se vom 19.11.1977 und dem An­trag der Kir­chen­kreis­syn­ode Kiel vom 18.1.1978 erklärt die Syn­ode der Nord­el­bi­schen Ev.-Luth. Kir­che ihr Ein­verständ­nis zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen mit den Ar­beit­neh­mer-Or­ga­ni­sa­tio­nen. Da­bei müssen fol­gen­de Be­din­gun­gen gewähr­leis­tet sein:

1. Gründung ei­nes ‚Ver­ban­des kirch­li­cher An­stel­lungs­träger’, dem die Nord­el­bi­sche Kir­che selbst bei­tritt und dem die Kir­chen­ge­mein­den, Kir­chen­krei­se so­wie de­ren Verbände so­wie die selbständi­gen Diens­te und Wer­ke bei­tre­ten können.

2. Erfüllung von Min­dest­be­din­gun­gen, mit de­nen der Be­son­der­heit des kirch­li­chen Diens­tes Rech­nung ge­tra­gen wird; da­zu gehören ins­be­son­de­re die in den An­la­gen IV und V zur Vor­la­ge 3 for­mu­lier­ten Be­din­gun­gen.

...

An­la­ge IV zu Vor­la­ge 3 der Fe­bru­ar-Syn­ode

Vor­be­din­gun­gen für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen durch die NEK

1. ...

2. Streik und Aus­sper­rung sind aus­ge­schlos­sen.

3. Es wird ei­ne unkünd­ba­re im Ta­rif­ver­trag ver­an­ker­te Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen.
...“

Das am 9. Ju­ni 1979 er­las­se­ne Kir­chen­ge­setz über die Re­ge­lung der Rechts­verhält­nis­se der in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter in der NEK (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz - ARRG-NEK) lau­tet:

 

- 4 - 

㤠1
Ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen

Die Ar­beits­be­din­gun­gen der in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che, ih­rer Kir­chen­krei­se, Kir­chen­ge­mein­den und de­ren Verbände ein­sch­ließlich ih­rer recht­lich un­selbständi­gen Diens­te, Wer­ke und Ein­rich­tun­gen sind nach den zwi­schen dem Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher An­stel­lungs­träger Nord­el­bi­en (VK­DA-NEK) und den Mit­ar­bei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen (Ge­werk­schaf­ten) ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen so­wie den sons­ti­gen vom VK­DA-NEK nach Maßga­be sei­ner Sat­zung ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen zu ge­stal­ten. ...

§ 2
Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­bot

Die Re­ge­lun­gen nach § 1 sind auf al­le Mit­ar­bei­ter an­zu­wen­den oh­ne Rück­sicht dar­auf, ob sie Mit­glie­der ei­ner Mit­ar­bei­ter­or­ga­ni­sa­ti­on sind oder nicht. Ei­ne Prüfung des Be­ste­hens von Mit­glied­schaf­ten ist un­zulässig.
...“

Der Kläger hat ca. 630 Mit­glie­der und ver­folgt aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Nach § 2 sei­ner Sat­zung vom 26. Sep­tem­ber 1979 idF vom 3. De­zem­ber 2009 ist sein Ver­bands­zweck die Wah­rung der In­ter­es­sen der Ver­eins­mit­glie­der an der Ein­heit­lich­keit der Ar­beits­be­din­gun­gen im kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Dienst. Hier­zu schließt der Kläger ins­be­son­de­re Ta­rif­verträge und Ver­ein­ba­run­gen ab, die dem glei­chen Zweck die­nen. Er ist da­bei an die Ent­schei­dung der Syn­ode im Rah­men des Kir­chen­ge­set­zes über die Re­ge­lung der Rechts­verhält­nis­se der in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Dienst­verhält­nis beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter in der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che vom 9. Ju­ni 1979 in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung ge­bun­den. Nach § 6 der Sat­zung sind die Mit­glie­der ua. ver­pflich­tet, die vom Ver­band ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge durch­zuführen. Sie dürfen ei­ge­ne Ta­rif­verträge und Ver­ein­ba­run­gen nur mit Zu­stim­mung des Ge­samt­vor­stan­des des Klägers oder des­sen Mit­glie­der­ver­samm­lung ab­sch­ließen.

 

- 5 - 

Der Kläger ver­ein­bar­te am 5. No­vem­ber 1979 mit den Ge­werk­schaf­ten ÖTV, DAG, dem Ver­band kirch­li­cher Mit­ar­bei­ter Nord­el­bi­en so­wie der Ge­werk­schaft Gar­ten­bau, Land- und Fort­wirt­schaft den „Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Grund­la­gen ei­ner kir­chen­gemäßen Ta­rif­part­ner­schaft“ (Grund­la­gen­ta­rif­ver­trag). Nach des­sen § 1 be­steht zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für die Dau­er des Grund­la­gen­ta­rif­ver­trags ei­ne ab­so­lu­te Frie­dens­pflicht. Am sel­ben Tag schloss der Kläger mit den vor­be­nann­ten Verbänden ei­ne Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung ab. Dar­in heißt es:

㤠1
Be­reit­schaft zur Sch­lich­tung

(1) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­hen von dem Ge­dan­ken aus, dass bei al­len Kol­lek­tivstrei­tig­kei­ten die Verständi­gung stets das er­stre­bens­wer­te Ziel sein muss.

(2) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­ba­ren da­her ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren, das zur An­wen­dung kom­men muss, wenn die zunächst durch­geführ­ten frei­en Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu kei­ner Verständi­gung geführt ha­ben oder aber ei­ne der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen oder Gesprächen über­haupt ab­lehnt.

(3) Zur Durchführung des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens wird ei­ne Sch­lich­tungs­stel­le er­rich­tet.

§ 2
Zu­sam­men­set­zung der Sch­lich­tungs­stel­le
(1) Die Sch­lich­tungs­stel­le setzt sich aus ei­nem un­par­tei­ischen Vor­sit­zen­den und in der ers­ten Sch­lich­tungs­run­de aus je zwei, in der Sch­lich­tung gemäß § 8 die­ser Ver­ein­ba­rung aus je vier von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu be­nen­nen­den Bei­sit­zern zu­sam­men. Sie sol­len zu kirch­li­chen Ämtern wähl­bar sein.

(2) Der Vor­sit­zen­de darf we­der haupt-, ne­ben- noch eh­ren­amt­lich im kirch­li­chen oder ge­werk­schaft­li­chen Dienst ste­hen.
...

§ 3
Ein­tritt in die Sch­lich­tung
(1) Sind die Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­schei­tert oder ver­wei­gert ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen, so

 

- 6 -

rich­tet die be­trei­ben­de Ta­rif­ver­trags­par­tei un­ter An­ga­be des Streit­fal­les, un­ter Be­nen­nung ih­rer Bei­sit­zer und un­ter Vor­schlag ei­nes un­par­tei­ischen Vor­sit­zen­den an die an­de­re Ta­rif­ver­trags­par­tei die schrift­li­che Auf­for­de­rung, in­ner­halb ei­ner einwöchi­gen Frist ih­re Bei­sit­zer zu be­nen­nen und zu dem Vor­schlag über den Vor­sit­zen­den Stel­lung zu neh­men.

(2) Kommt ei­ne Ei­ni­gung über den Vor­sit­zen­den nicht zu Stan­de, so be­stellt auf An­trag ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei der Präsi­dent des Land­ge­richts in Kiel den Vor­sit­zen­den.

(3) Die Ver­hand­lung gilt als ge­schei­tert, wenn ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei dies der an­de­ren Ta­rif­ver­trags­par­tei ge­genüber erklärt oder ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei es ab­lehnt, wei­ter oder über­haupt zu ver­han­deln.

(4) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind als­dann ver­pflich­tet, sich auf das Sch­lich­tungs­ver­fah­ren ein­zu­las­sen.

§ 4
Ver­fah­ren
(1) ...

(4) Die Sch­lich­tungs­stel­le hat durch Anhörung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Streit­punk­te und die für ih­re Be­ur­tei­lung we­sent­li­chen Verhält­nis­se klar­zu­stel­len. So­weit sie es für er­for­der­lich hält, kann sie Auskünf­te ein­ho­len, den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Bei­brin­gung von Un­ter­la­gen auf­ge­ben so­wie Aus­kunfts­per­so­nen und Sach­verständi­ge hören.
...

§ 6
Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le

(1) Kommt ei­ne Ei­ni­gung nach § 5 Abs. 1 nicht in­ner­halb von vier Wo­chen oder nach Ab­lauf ei­ner im bei­der­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men ver­ein­bar­ten Verlänge­rung die­ser Frist zu Stan­de, so ent­schei­det die Sch­lich­tungs­stel­le mit Mehr­heit. Kein Mit­glied der Sch­lich­tungs­stel­le darf sich der Stim­me ent­hal­ten.

...

(4) Der Vor­sit­zen­de verkündet im An­schluss an die Ver­hand­lung nach Be­ra­tung mit den Bei­sit­zern die schrift­lich ab­ge­fass­te und von den Mit­glie­dern der Sch­lich­tungs­stel­le un­ter­zeich­ne­te Ent­schei­dung. Sie ist - ver­se­hen mit ei­ner schrift­li­chen Be­gründung -

 

- 7 -

den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch ei­nen ein­ge­schrie­be­nen Brief zu­zu­stel­len.

(5) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind ver­pflich­tet, in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat dem Vor­sit­zen­den der Sch­lich­tungs­stel­le durch ein­ge­schrie­be­nen Brief die An­nah­me oder Ab­leh­nung der Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le be­kannt zu ge­ben. Die Frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des schrift­li­chen Ent­schei­des der Sch­lich­tungs­stel­le (Ab­satz 4).

(6) Die Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le hat im Fal­le der An­nah­me durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die ma­te­ri­el­le Wir­kung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges.

§ 7
Aus­set­zung des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens
(1) Lehnt ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei die Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le ganz oder teil­wei­se ab, so gilt das Ver­fah­ren für die Dau­er ei­nes Mo­nats als aus­ge­setzt. ...

(2) Während die­ser Frist sol­len die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­su­chen, zu ei­ner Verständi­gung zu kom­men. Er­folgt kei­ne Verständi­gung, so setzt der Vor­sit­zen­de nach Ab­lauf der Aus­set­zungs­frist ei­nen wei­te­ren Ver­hand­lungs­ter­min an. Die Sch­lich­tungs­stel­le ist gemäß § 2 Abs. 1 um je zwei von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu be­nen­nen­de zusätz­li­che Bei­sit­zer zu ergänzen. Die Zu­sam­men­set­zung der Sch­lich­tungs­stel­le soll im Übri­gen un­verändert blei­ben, es sei denn, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wünschen in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men ih­re Neu­be­set­zung. Die §§ 3 bis 5 fin­den An­wen­dung.

§ 8
Er­neu­te Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le
(1) Die Sch­lich­tungs­stel­le ist an die vor­an­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dung nicht ge­bun­den. Sie soll er­neut frei ent­schei­den.

(2) Die Sch­lich­tungs­stel­le fasst ih­re Ent­schei­dung mit Zwei­drit­tel­mehr­heit. Im Übri­gen fin­det § 6 Abs. 1 bis 5 ent­spre­chen­de An­wen­dung.

(3) Die Ent­schei­dung hat die ma­te­ri­el­le Wir­kung ei­nes
Ta­rif­ver­tra­ges.
...“

 

- 8 - 

Die NEK schloss sich am 27. Mai 2012 mit der Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Meck­len­burgs und der Pom­mer­schen Evan­ge­li­schen Kir­che zur Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che in Nord­deutsch­land (Nord­kir­che) zu­sam­men. Die Nord­kir­che ist ei­ne Lan­des­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land. Nach § 55 Abs. 1 des Einführungs­ge­set­zes zur Ver­fas­sung der Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che in Nord­deutsch­land vom 7. Ja­nu­ar 2012 (EinführungsG Nord­kir­che, GV­OBl. S. 94) sind Ar­beit­neh­mer, die bei In­kraft­tre­ten der Ver­fas­sung in ei­nem pri­vat­recht­li­chen An­stel­lungs­verhält­nis zur NEK stan­den, Mit­ar­bei­ten­de der Nord­kir­che. Das ARRG-NEK und der Grund­la­gen­ta­rif­ver­trag gel­ten nach Wirk­sam­wer­den der Gründung der Nord­kir­che wei­ter (§ 56 Abs. 2 EinführungsG Nord­kir­che). Die Ar­beits­rechts­set­zung für die recht­lich selbstständi­gen Dia­ko­ni­schen Wer­ke rich­tet sich je­weils nach dem zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens der Ver­fas­sung in den Dia­ko­ni­schen Wer­ken gel­ten­den Recht (§ 56 Abs. 6 EinführungsG Nord­kir­che). Der­zeit sind die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer im Be­reich der ehe­ma­li­gen NEK im We­sent­li­chen in dem „Kirch­li­cher Ar­beit­neh­me­rin­nen Ta­rif­ver­trag“ (KAT) vom 1. De­zem­ber 2006 und dem „Kirch­li­cher Ta­rif­ver­trag Dia­ko­nie“ (KTD) vom 15. Au­gust 2002 ge­re­gelt.

Der Be­klag­te zu 2) ist der Bun­des­ver­band des Ver­bands der an­ge­stell­ten und be­am­te­ten Ärz­te in Deutsch­land (Bun­des­ver­band). Be­klag­ter zu 1) ist des­sen Lan­des­ver­band Ham­burg (Lan­des­ver­band).

Der Bun­des­ver­band for­der­te den Kläger mit Schrei­ben vom 22. Mai 2007 zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags für die Ärz­te bei den kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen An­stel­lungs­trägern der NEK auf. In sei­nem Ant­wort­schrei­ben vom 15. Ju­ni 2007 mach­te der Kläger sei­ne Ver­hand­lungs­be­reit­schaft von dem vor­he­ri­gen Ab­schluss des Grund­la­gen­ta­rif­ver­trags abhängig. Im Schrei­ben vom 19. De­zem­ber 2008 erklärte der Lan­des­ver­band, dass die Ta­rif­ver­hand­lun­gen un­ter den vom Kläger ge­stell­ten Be­din­gun­gen nicht fort­ge­setzt würden.

Der Lan­des­ver­band wand­te sich in ei­nem Schrei­ben vom 19. Au­gust 2009 an die Geschäftsführung der Be­thes­da All­ge­mei­nes Kran­ken­haus gGmbH

 

- 9 - 

(Be­thes­da gGmbH) in Ham­burg-Ber­ge­dorf. In die­sem teil­te er mit, dass sich die Ärz­te des Kran­ken­hau­ses in ei­ner Ur­ab­stim­mung für ei­nen Streik ab dem 31. Au­gust 2009 aus­ge­spro­chen hätten, um den Kläger zum Ab­schluss ei­nes arzt­spe­zi­fi­schen Ta­rif­ver­trags zu zwin­gen. Die Be­thes­da gGmbH ist aus ei­nem Zu­sam­men­schluss des All­ge­mei­nen Kran­ken­hau­ses Ber­ge­dorf mit dem Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus Be­thes­da ent­stan­den. Sie ist Mit­glied im Dia­ko­ni­schen Werk Ham­burg - Lan­des­ver­band der In­ne­ren Mis­si­on e. V. und beschäftigt ca. 500 Ar­beit­neh­mer, da­von ca. 90 Ärz­te. Die Be­thes­da gGmbH gehörte zu­vor dem Ver­band der ham­bur­gi­schen Kran­ken­haus­ar­beit­ge­ber (KAH) an. Während ih­rer dor­ti­gen Mit­glied­schaft fan­den zwi­schen ihr und dem Lan­des­ver­band Ver­hand­lun­gen über die Über­nah­me des TV-Ärz­te KAH statt. Die­se blie­ben er­folg­los und führ­ten letzt­end­lich zum Aus­tritt der Be­thes­da gGmbH aus dem KAH und zu ih­rem Bei­tritt beim Kläger.

Der Kläger for­der­te den Lan­des­ver­band am 20. Au­gust 2009 zur Un­ter­las­sung des an­gekündig­ten Streiks auf und erklärte er­neut Ver­hand­lungs­be­reit­schaft un­ter den Vor­be­hal­ten ei­ner ab­so­lu­ten Frie­dens­pflicht und dem Ab­schluss ei­ner Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung. Da der Lan­des­ver­band hier­auf nicht re­agier­te, be­an­trag­ten der Kläger und die Be­thes­da gGmbH ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung mit dem An­trag, es dem Lan­des­ver­band zu un­ter­sa­gen, „Kampf­maßnah­men in den Be­trie­ben und Un­ter­neh­men der Be­thes­da gGmbH selbst durch­zuführen, zu über­neh­men oder durchführen zu las­sen, ins­be­son­de­re die Ar­beit­neh­mer die­ses Be­trie­bes zu Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen oder auf­ru­fen zu las­sen“. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg wies den An­trag durch Ur­teil vom 27. Au­gust 2009 (- 5 Ga 3/09 - Ar­buR 2009, 430) ab. Ge­gen das den Verfügungsklägern am 1. Sep­tem­ber 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die­se kein Rechts­mit­tel ein­ge­legt. Der Streik wur­de am 31. Au­gust 2009 durch­geführt.

Der Kläger hat ge­meint, das Führen von Ar­beitskämp­fen in den Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der sei ge­ne­rell un­zulässig. Die­se sei­en ent­we­der un­mit­tel­bar oder durch ih­re Mit­glied­schaft in den Dia­ko­ni­schen Wer­ken der NEK zu­ge­ord­net. Die Erfüllung ih­res geis­tig-re­li­giösen Auf­trags könne nicht oh­ne Preis­ga­be ih­res kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses un­ter den Vor­be­halt ei­nes Ar­beits­kamp­fes ge­stellt wer­den. Der christ­lich mo­ti­vier­te Dienst am Nächs­ten

 

- 10 -

dürfe nicht - auch nicht vorüber­ge­hend - we­gen ei­nes Ar­beits­kamp­fes aus­ge­setzt wer­den. Die­se Ent­schei­dung be­ru­he auf der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit und da­mit der un­mit­tel­bar durch Art. 4 GG geschütz­ten Re­li­gi­ons­ausübung. Dienst­stel­len­lei­tung und Ar­beit­neh­mer bil­de­ten ei­ne Dienst­ge­mein­schaft, de­ren Ge­dan­ke den ge­sam­ten Dienst in den Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der präge. Durch ei­nen Ar­beits­kampf wer­de die Dienst­ge­mein­schaft auf­gelöst. Die Mit­glie­der des Klägers würden we­gen ih­res christ­li­chen Be­kennt­nis­ses un­ter kei­nen Umständen zum Mit­tel der Aus­sper­rung oder an­de­ren Ab­wehr­maßnah­men grei­fen. Hier­durch ent­ste­he ei­ne gestörte Ar­beits­kampf­pa­rität. Die mit ei­nem Ar­beits­kampf ver­bun­de­nen Be­ein­träch­ti­gun­gen des kirch­li­chen Diens­tes stell­ten ei­nen schwer­wie­gen­den Ein­griff in das Selbst­be­stim­mungs­recht der NEK dar. Art. 9 Abs. 3 GG könne ei­nen sol­chen nicht recht­fer­ti­gen, da die Norm kein „für al­le gel­ten­des Ge­setz“ sei. Eben­so führe die Abwägung der von Art. 9 Abs. 3 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV geschütz­ten Grund­rechts­po­si­tio­nen nicht zur Rechtmäßig­keit von Ar­beitskämp­fen im Be­reich der NEK. De­ren Selbst­be­stim­mungs­recht würde hier­durch un­verhält­nismäßig be­schränkt und letzt­lich ent­wer­tet. Die Kon­fliktlösung durch ei­nen Ar­beits­kampf sei nicht er­for­der­lich. Das er­for­der­li­che Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht wer­de durch ein ver­bind­li­ches Sch­lich­tungs­ver­fah­ren her­ge­stellt. Bei der ge­bo­te­nen Abwägung der bei­der­sei­ti­gen Grund­rechts­po­si­tio­nen über­wie­ge das In­ter­es­se der kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber an ei­nem Streik­ver­bot ge­genüber dem In­ter­es­se der Ge­werk­schaf­ten an ei­ner kampf­wei­sen Durch­set­zung ih­rer For­de­run­gen.

Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt, 

1a die Be­klag­ten zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, die Ar­beit­neh­mer in den Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers zu Streiks, Warn­streiks oder sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in den Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen,

hilfs­wei­se zu 1a.,

1b die Be­klag­ten zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, die Ar­beit­neh­mer in den Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers zu Streiks, Warn­streiks oder sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks,

 

- 11 - 

Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in den Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit den Be­klag­ten auf der Grund­la­ge des ARRG-NEK bei vor­he­ri­gem Ab­schluss ei­ner Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung, die in­halts­gleich mit der be­ste­hen­den Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung vom 5. No­vem­ber 1979 ist, be­reit ist,

hilfs­wei­se zu 1b.,

1c. die Be­klag­ten zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, das bei den Mit­glie­dern des Klägers beschäftig­te ärzt­li­che Per­so­nal zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit den Be­klag­ten auf der Grund­la­ge des ARRG-NEK bei vor­he­ri­gem Ab­schluss ei­ner Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung, die in­halts­gleich mit der be­ste­hen­den Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung vom 5. No­vem­ber 1979 ist, be­reit ist,

2. den Be­klag­ten für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro an­zu­dro­hen.

Die Be­klag­ten ha­ben be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Sie ha­ben ge­meint, we­gen der Ent­schei­dung der NEK für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen, gel­te un­mit­tel­bar das Ta­rif­ver­trags­ge­setz. Zur Auf­recht­er­hal­tung der durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie sei der Ar­beits­kampf un­erläss­lich. Dass Streiks ein ge­eig­ne­tes Kampf­mit­tel zur Durch­set­zung von Ar­beits­be­din­gun­gen sei­en, sei un­be­strit­ten. Das Führen von Ar­beitskämp­fen sei nicht un­verhält­nismäßig. Durch Streik­maßnah­men so­wie de­ren An­dro­hung wer­de erst ein Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht her­ge­stellt. Die Durchführung von Ar­beitskämp­fen ge­genüber den Mit­glie­dern des Klägers sei auch un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer Re­li­gi­ons­frei­heit zulässig. Streiks und die da­mit ein­her­ge­hen­de zeit­wei­se Ein­schränkung der Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung müsse sich am Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ori­en­tie­ren. Das kirch­li­che Verständ­nis von der Dienst­ge­mein­schaft könne das Streik­recht nicht aus­sch­ließen. Es würden zahl­rei­che Ar­beit­neh­mer im kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Be­reich beschäftigt, die kei­nen Dienst am Nächs­ten leis­te­ten. Der frei­wil­li­ge Aus­sper-

 

- 12 - 

rungs­ver­zicht könne den Be­klag­ten nicht das grund­recht­lich gewähr­leis­te­te Streik­recht neh­men. Für die Mit­glie­der des Klägers bestünden al­ter­na­ti­ve Mit­tel der Strei­k­ab­wehr. Die struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der Ar­beit­neh­mer wer­de durch die pa­ritäti­sche Be­set­zung der Sch­lich­tungs­stel­le nicht aus­ge­gli­chen. Dort könn­ten die Ar­beit­neh­mer nicht den glei­chen Druck auf­bau­en wie im Ar­beits­kampf. Wie die staat­li­che sei auch ei­ne kirch­li­che Zwangs­sch­lich­tung mit der Ko­ali­ti­ons­frei­heit un­ver­ein­bar.

Das Ar­beits­ge­richt hat die erst­in­stanz­lich al­lein ge­stell­ten Anträge zu 1a und 1b so­wie den An­trag zu 2 ab­ge­wie­sen. Hier­ge­gen hat der Kläger Be­ru­fung ein­ge­legt und sei­ne Anträge um den Hilfs­an­trag zu 1c er­wei­tert. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­ne zu­letzt ge­stell­ten Anträge wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet.

A. Die Kla­ge ist zulässig.

I. Die Anträge bedürfen der Aus­le­gung.

1. Die Anträge zu 1a und 1b sind nach ih­rem Wort­laut auf die Un­ter­las­sung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber sämt­li­chen Ar­beit­neh­mern ge­rich­tet, die in den Ein­rich­tun­gen der beim Kläger or­ga­ni­sier­ten Mit­glie­der beschäftigt sind. Ei­ne Be­schränkung auf das ärzt­li­che Per­so­nal enthält nur der Hilfs­an­trag zu 1c. Dies ent­spricht dem An­trags­verständ­nis des Klägers. Die­ser hat in den Vor­in­stan­zen zur Be­gründung der Anträge zu 1a und 1b an­geführt, Spar­ten­ge­werk­schaf­ten sei­en be­rech­tigt, auch die nicht oder an­ders or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer an­de­rer Be­rufs­grup­pen zum Streik auf­zu­ru­fen. Von den Anträgen zu 1a und 1b wird da­her je­der Auf­ruf so­wohl an die bei den Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten Mit­glie­der als auch an an­ders oder nicht or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer er­fasst.

 

- 13 -

2. Mit dem An­trag zu 1c ver­langt der Kläger von den Be­klag­ten die Un­ter­las­sung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber dem bei den Mit­glie­dern des Klägers beschäftig­ten ärzt­li­chen Per­so­nal. Von die­sem Be­griff wer­den die Ar­beit­neh­mer er­fasst, die als Arzt in den Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers tätig sind. Der An­trag er­fasst nicht nur die in Ham­burg ge­le­ge­nen Ein­rich­tun­gen, so­weit de­ren Träger beim Kläger or­ga­ni­siert sind. Ei­ne Be­schränkung auf Träger im Ge­biet der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg enthält das schriftsätz­li­che Vor­brin­gen des Klägers nicht. Die­ser woll­te mit sei­nem An­trag zu 1c nach sei­nen Ausführun­gen im Schrift­satz vom 28. Fe­bru­ar 2011 auch Ar­beits­kampf­maßnah­men des bei der Hein­rich Sen­gel­mann Kran­ken­haus gGmbH in Barg-feld-Ste­gen und der Fach­kli­ni­ken Nord­fries­land gGmbH in Bredstedt beschäftig­ten ärzt­li­chen Per­so­nals er­fas­sen. Ein ent­spre­chen­des An­trags­verständ­nis hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat auf Nach­fra­ge bestätigt.

3. So­weit sich die Anträge ge­gen den Bun­des­ver­band rich­ten, sind sie da­hin ge­hend zu ver­ste­hen, dass des­sen Un­ter­las­sungs­pflich­ten un­abhängig von de­nen des Lan­des­ver­bands ge­genüber sämt­li­chen Ar­beit­neh­mern gel­ten sol­len, die in Ein­rich­tun­gen der Mit­glie­der des Klägers beschäftigt sind. Nach den Ausführun­gen in der Kla­ge­schrift soll hier­durch ver­hin­dert wer­den, dass die von ei­nem ob­sie­gen­den Ur­teil nicht er­fass­ten Lan­des­verbände die von dem Bun­des­ver­band ein­ge­lei­te­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men fortführen.

II. Die so ver­stan­de­nen Kla­ge­anträge sind hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

1. Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO sind Anträge, mit de­nen die Un­ter­las­sung von Hand­lun­gen ver­langt wird, so ge­nau zu be­zeich­nen, dass der In­an­spruch­ge­nom­me­ne im Fal­le ei­ner dem An­trag ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ein­deu­tig er­ken­nen kann, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen was von ihm ver­langt wird. Für ihn muss auf­grund des Un­ter­las­sungs­ti­tels er­kenn­bar sein, wel­che Hand­lun­gen er künf­tig zu un­ter­las­sen hat, um sich rechtmäßig ver­hal­ten zu können (BAG 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 9, EzA SGB IX § 95 Nr. 4). Die Prüfung, wel­che Ver­hal­tens­wei­sen der Schuld­ner un­ter­las­sen soll, darf

 

- 14 -

nicht durch ei­ne un­ge­naue An­trags­for­mu­lie­rung und ei­nen dem­ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Ti­tel aus dem Er­kennt­nis- in das Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Al­ler­dings dürfen die An­for­de­run­gen in­so­weit auch nicht über­spannt wer­den, da an­dern­falls ef­fek­ti­ver Rechts­schutz ver­ei­telt würde. Dem­ent­spre­chend sind die Ge­rich­te auch ver­pflich­tet, Anträge nach Möglich­keit so aus­zu­le­gen, dass ei­ne Sach­ent­schei­dung er­ge­hen kann (vgl. BAG 22. Mai 2012 - 1 ABR 11/11 - Rn. 15, DB 2012, 2351). Zu­kunfts­ge­rich­te­te Ver­bo­te las­sen sich häufig nur ge­ne­ra­li­sie­rend for­mu­lie­ren. Die Not­wen­dig­keit ge­wis­ser Sub­sum­ti­ons­pro­zes­se im Rah­men ei­ner et­wa er­for­der­lich wer­den­den Zwangs-voll­stre­ckung steht da­her der Ver­wen­dung ausfüllungs­bedürf­ti­ger Be­grif­fe in ei­nem Un­ter­las­sungs­ti­tel und dem dar­auf ge­rich­te­ten An­trag nicht ge­ne­rell ent­ge­gen (BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 1 AZR 972/08 - Rn. 11, BA­GE 132, 140).

2. Die­sen An­for­de­run­gen genügen die Anträge.

a) Bei den vom Kläger ge­stell­ten Un­ter­las­sungs­anträgen han­delt es sich zwar um Glo­balanträge, die ei­ne un­be­stimm­te Viel­zahl mögli­cher zukünf­ti­ger Fall­ge­stal­tun­gen er­fas­sen. Dies steht ih­rer Be­stimmt­heit nicht ent­ge­gen, weil sie auf aus­nahms­los al­le denk­ba­ren Fälle ge­rich­tet sind. Ob die Anträge für sämt­li­che Fälle be­rech­tigt sind, be­trifft ih­re Be­gründet­heit und nicht de­ren Zulässig­keit (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 25, BA­GE 122, 134).

b) Die Anträge zu 1a und 1b las­sen mit der er­for­der­li­chen Deut­lich­keit er­ken­nen, wel­che Auf­ru­fe den Be­klag­ten je­weils un­ter­sagt wer­den sol­len. Sie be­zie­hen sich ih­rem Wort­laut nach nicht nur auf Auf­ru­fe zu den im An­trag ge­nann­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men mit ei­nem be­stimm­ten Streik­ziel. Was Streiks und Warn­streiks sind, ist im Ein­zel­fall oh­ne Wei­te­res fest­stell­bar. Hierüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en auch kein Streit. Mit dem Merk­mal „sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen“ will der Kläger er­kenn­bar sons­ti­ge Ar­beits­kampf­for­men in den An­trag ein­be­zie­hen, die von ei­nem ge­werk­schaft­li­chen Kampf­auf­ruf er­fasst sind. Mit dem Be­griff „Auf­ruf“ wird ei­ne nach Zeit­punkt, Ort und Teil­neh­mer­kreis näher be­zeich­ne­te Auf­for­de­rung zu ei­ner be­stimm­ten kon­kre­ten Ar­beits­kampf­maßnah­me be­zeich­net.

 

- 15 -

c) Eben­so ist der Be­griff „Mit­glieds­ein­rich­tung“ hin­rei­chend kon­kret. Hier­un­ter sind or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­hei­ten in kirch­li­cher oder dia­ko­ni­scher
Träger­schaft zu ver­ste­hen, in de­nen Mit­ar­bei­ter auf­grund von Dienst­verträgen tätig sind. Er er­fasst al­le Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten kirch­li­cher und ka­ri­ta­ti­ver Art, wie et­wa Kran­kenhäuser, Hei­me, Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen, so­weit de­ren Träger zum Zeit­punkt des Ar­beits­kamp­fes Mit­glied des Klägers sind.

d) Mit dem An­trag zu 1b will der Kläger Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag­ten ver­hin­dern, so­lan­ge und so­weit er selbst zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen be­reit ist, die Be­klag­ten aber den vor­he­ri­gen Ab­schluss ei­ner Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung ver­wei­gern. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat der Kläger bei­den Be­klag­ten die Auf­nah­me der Ta­rif­ver­hand­lun­gen nach dem Ab­schluss ei­ner Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung an­ge­bo­ten. De­ren In­halt er­gibt sich aus der Veröffent­li­chung im Ge­setz- und Ver­ord­nungs­blatt der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­che vom 2. Ja­nu­ar 1980 (GV­OBl. 1980 S. 12). Die im An­trag for­mu­lier­te Be­din­gung ist nur von dem Wil­len der je­wei­li­gen Be­klag­ten abhängig. Die­se können al­so be­ur­tei­len, ob sie ge­gen ei­ne et­wai­ge aus­ge­ur­teil­te Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung ver­s­toßen. Im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren kann auch fest­ge­stellt wer­den, ob die Be­reit­schaft des Klägers bei der Durchführung der im An­trag be­schrie­be­nen Ar­beits­kampf­maßnah­men fort­be­stan­den hat oder nicht und die Be­klag­ten das An­ge­bot auf Ab­schluss der Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung an­ge­nom­men ha­ben.

B. Die Anträge sind un­be­gründet. Der Kläger hat kei­nen An­spruch ge­genüber den Be­klag­ten auf ei­ne ge­richt­li­che Un­ter­sa­gung von Ar­beitskämp­fen in den Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der. Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­klag­ten rechts­feh­ler­haft für be­rech­tigt ge­hal­ten, Ar­beitskämp­fe in den der NEK zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen durch­zuführen. Die Kla­ge er­weist sich den-noch als un­be­gründet, weil die Vor­aus­set­zun­gen des al­lein in Be­tracht kom­men­den Un­ter­las­sungs­an­spruchs aus § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht vor­lie­gen.

I. Der Kläger be­sitzt die er­for­der­li­che Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on. Ein ta­rif­ver­trags­sch­ließen­der Ar­beit­ge­ber­ver­band hat ge­gen ei­ne Ge­werk­schaft nach § 1004

 

- 16 -

Abs. 1 BGB iVm. § 823 Abs. 1 BGB, Art. 9 Abs. 3 GG ei­nen ei­ge­nen An­spruch auf Un­ter­las­sung rechts­wid­ri­ger Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­gen sei­ne Mit­glie­der (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 54, BA­GE 122, 134). Ei­ne sol­che Ver­let­zung sei­ner aus Art. 9 Abs. 3 GG fol­gen­den Rechts­stel­lung macht der Kläger gel­tend. Nach sei­ner Auf­fas­sung sind Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­gen die der NEK zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der aus­nahms­los rechts­wid­rig.

II. Zu Un­recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, ein ge­ne­rel­les Streik­ver­bot in den bei dem Kläger or­ga­ni­sier­ten Ein­rich­tun­gen der NEK sei nicht durch das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht ge­deckt. Die Ent­schei­dung der NEK, die Ar­beits­be­din­gun­gen der Beschäftig­ten sol­cher Ein­rich­tun­gen durch Ta­rif­ver­trag zu re­geln, so­weit sich die Ge­werk­schaft ei­ner Sch­lich­tung un­ter­wirft und da­mit auf Ar­beits­kampf­maßnah­men ver­zich­tet, dient dem Schutz des re­li­giösen Be­kennt­nis­ses und schränkt die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der Be­klag­ten ver­fas­sungs­kon­form ein.

1. Der Schutz­be­reich des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts er­fasst die in­di­vi­du­al­recht­li­che wie kol­lek­tiv­recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.

a) Nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV ord­net und ver­wal­tet je­de Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze. Hier­zu gehören al­le Maßnah­men, die in Ver­fol­gung der vom kirch­li­chen Grund­auf­trag her be­stimm­ten Auf­ga­ben zu tref­fen sind, wie zB Vor­ga­ben struk­tu­rel­ler Art, aber auch die Per­so­nal­aus­wahl und die mit die­sen Ent­schei­dun­gen un­trenn­bar ver­bun­de­ne Vor­sor­ge zur Si­cher­stel­lung der „re­li­giösen Di­men­si­on“ des Wir­kens im Sin­ne kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses. Dies schließt die recht­li­che Vor­sor­ge für die Wahr­neh­mung kirch­li­cher Diens­te durch den Ab­schluss pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verträge ein (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 1 b bis c der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf. Sie darf des­halb die

 

- 17 -

ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes, das kirch­li­che Pro­pri­um, nicht in Fra­ge stel­len. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt da­her für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 1 d der Gründe, aaO).

b) Er­streckt sich der Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts auf die Ent­schei­dung, die Ar­beits­verhält­nis­se kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer ein­heit­lich aus­zu­ge­stal­ten, al­so das „Ob“, kann die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft auch das „Wie“ der Aus­ge­stal­tung be­stim­men. Da­zu gehört die Ent­schei­dung über die Art und Wei­se der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung, al­so der Ge­stal­tungs­mit­tel. Da­nach kann ei­ne Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft grundsätz­lich darüber be­fin­den, ob sie die Ar­beits­be­din­gun­gen durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen re­gelt oder in Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen ver­ein­bart (von Cam­pen­hau­sen/de Wall Staats­kir­chen­recht 4. Aufl. S. 184; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 326; Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 42; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 27 ff.; Schu­bert RdA 2011, 270, 274).

2. Ent­schei­det sich ei­ne christ­li­che Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft da­zu, das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten, wird auch die­se Ent­schei­dung vom Selbst­be­stim­mungs­recht um­fasst. Das gilt un­abhängig da­von, ob der Be­griff der Dienst­ge­mein­schaft in sei­nem theo­lo­gi­schen Ur­sprung völlig geklärt oder im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che ein­heit­lich ist oder nicht (vgl. da­zu Ju­ri­na Zev­KR 1984, 171 ff.; Hei­nig Zev­KR 2009, 62, 72 f.; Jous­sen RdA 2007, 328, 331; Lührs Die Zu­kunft der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen S. 115 ff.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 34 ff.).

a) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gehört zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, dass die­se der Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes auch dann, wenn sie ihn auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen re­geln, das Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft

 

- 18 -

ih­rer Mit­ar­bei­ter zu­grun­de le­gen können (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 1 d der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Dienst­ge­mein­schaft wur­zelt nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che ei­ner­seits im Pries­ter­tum al­ler Gläubi­gen, in dem mit der Tau­fe ein­her­ge­hen­den Auf­trag, Gott in geis­ti­ger Ein­kehr und Zu­wen­dung an die Welt zu die­nen, an­de­rer­seits knüpft sie funk­tio­nal an den Mis­si­ons­auf­trag der Kir­che an (Hei­nig Zev­KR 2009, 62, 73; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 35). Sie ver­bin­det al­le am kirch­li­chen Auf­trag Teil­neh­men­den un­abhängig da­von, auf wel­cher ver­trag­li­chen Grund­la­ge und in wel­cher Ein­rich­tung sie tätig sind (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Mit Dienst­ge­mein­schaft wird da­mit das theo­lo­gisch ge­prägte Selbst­verständ­nis des Diens­tes der Gläubi­gen in der Kir­che und durch die Kir­che an der Welt um­schrie­ben, nach dem je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht. Aus­fluss des­sen ist ei­ne ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung der je­wei­li­gen Dienst­ge­ber und der Dienst­neh­mer für das ge­deih­li­che Wir­ken der Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie (vgl. KGH-EKD 9. Ok­to­ber 2006 - II-0124/M35-06 - Rn. 58, NZA 2007, 761).

b) Da­nach ver­langt das Be­ste­hen ei­ner Dienst­ge­mein­schaft kei­ne kon­fes­sio­nel­le Ge­bun­den­heit al­ler Beschäftig­ten zu ei­ner christ­li­chen - hier zur evan­ge­li­schen - Kir­che. Es ist viel­mehr Aus­druck des kirch­li­chen Diens­tes selbst, der durch den Auf­trag be­stimmt wird, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden. Hier­an wir­ken al­le Beschäftig­ten durch ih­re Tätig­keit und dem­nach un­ge­ach­tet ih­res in­di­vi­du­el­len Glau­bens oder ih­rer welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen mit (Art. 19 Satz 2, Art. 21 Ver­fas­sung NEK; all­ge­mein Ham­mer Kirch­li­ches Ar­beits­recht S. 175; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 4 Rn. 24). Die Dienst­ge­mein­schaft hängt des­halb nicht da­von ab, ob oder in wel­chem Um­fang nicht evan­ge­li­sche Chris­ten oder Nicht­chris­ten in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung beschäftigt sind. Eben­so we­nig kommt es dar­auf an, ob die je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­se verkündi­gungs­na­he oder verkündi­gungs­fer­ne Tätig­kei­ten be­tref­fen. Auch in­so­weit ent­schei­det die Kir­che darüber, was Teil ih­res Be­kennt­nis­ses ist, ob ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung ih­rem Be­kennt­nis ent­spricht und sich auf die Dienst­ge­mein­schaft aus­wirkt (vgl.

 

- 19 -

BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).

3. Das Selbst­be­stim­mungs­recht er­fasst auch die Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens, in dem die kol­lek­ti­ven Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zu­stan­de kom­men. Zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV gehört nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis das dia­ko­ni­sche Wir­ken als Aus­druck des christ­li­chen Be­kennt­nis­ses (vgl. BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 3 der Gründe, BVerfGE 53, 366). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, in wel­cher Wei­se ei­ne Ein­rich­tung ih­ren dia­ko­ni­schen Auf­trag wahr­nimmt. Er­fasst sind viel­mehr al­le der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 1 a der Gründe mwN, BVerfGE 70, 138). Oh­ne Be­deu­tung ist des­halb, ob sich der Be­trieb ei­ner dia­ko­ni­schen Ein­rich­tung sub­stan­zi­ell von dem nicht­kirch­li­cher Träger un­ter­schei­det. Die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft hat grundsätz­lich die Kom­pe­tenz zur Qua­li­fi­zie­rung ei­ner An­ge­le­gen­heit als ei­ge­ne (Hes­se in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 1 S. 521, 541 f.; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 304). Sie ent­schei­det darüber, wie sie ihr Glau­bens­be­kennt­nis lebt. Da sie ihr Wir­ken in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen als täti­ge Nächs­ten­lie­be und so­zia­len Dienst am Men­schen be­greift, ist dies zu­gleich Aus­druck ih­res Glau­bens­be­kennt­nis­ses (Schu­bert RdA 2011, 270, 273). Dies gilt auch dann, wenn die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft beim Be­trieb dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen im Wett­be­werb mit nicht­kirch­li­chen Trägern steht.

4. Die Aus­rich­tung der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung der NEK am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.

a) Die Be­haup­tung ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft, ei­ne An­ge­le­gen­heit sei ih­re ei­ge­ne, un­ter­liegt ei­ner ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Plau­si­bi­litätskon­trol­le. Genügen die ein­zel­nen Vor­ga­ben ei­ner der­ar­ti­gen Kon­trol­le, sind

 

- 20 -

staat­li­che Ge­rich­te hier­an ge­bun­den, es sei denn, sie begäben sich da­durch in Wi­der­spruch zu Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG), so­wie den gu­ten Sit­ten iSd. § 138 BGB oder dem sog. ord­re pu­blic ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).

b) Da­nach be­trifft die Ent­schei­dung der NEK, ih­re kol­lek­ti­ve Ar­beits­rechts­ord­nung auf der Grund­la­ge des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes zu re­geln und die­ses ent­spre­chend dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft zu mo­di­fi­zie­ren, ei­ne ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit iSd. Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV. Es ist nach­voll­zieh­bar, dass es nach ih­rem in Art. 19, Art. 21 Ver­fas­sung NEK zum Aus­druck ge­kom­me­nen Selbst­verständ­nis Auf­trag des kirch­li­chen Diens­tes ist, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden, hier­bei Dienst­ge­ber und Dienst­neh­mer ei­ne Dienst­ge­mein­schaft bil­den und dar­in ver­su­chen, die nicht zu leug­nen­den In­ter­es­sen­kon­flik­te ko­ope­ra­tiv und nicht kon­fron­ta­tiv zu lösen. Das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung ste­hen auch nicht im Wi­der­spruch zu sons­ti­gen Prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung. Die grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen und da­mit auch Art. 9 Abs. 3 GG sind nicht oh­ne Wei­te­res Teil des ord­re pu­blic (so aber Kühling AuR 2001, 241, 243 f.). Ein sol­ches Verständ­nis führ­te zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung der Kir­chen. Die­se könn­ten ihr Selbst­be­stim­mungs­recht nur in­so­weit in An­spruch neh­men, wie an­de­re grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen hier­von nicht be­ein­träch­tigt wer­den. Ei­ne der­ar­ti­ge Grund­rechts­bin­dung käme ei­ner von Art. 1 Abs. 3 GG für die staat­li­che Ge­walt an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung weit­ge­hend gleich und gin­ge darüber hin­aus, als sie be­reits den Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts be­grenz­te. Kon­flik­te des Selbst­be­stim­mungs­rechts mit an­de­ren grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen be­tref­fen je­doch nicht den Schutz­be­reich, son­dern des­sen Be­schränk­bar­keit (vgl. da­zu BVerfG 19. De­zem­ber 2000 - 2 BvR 1500/97 - [Zeu­gen Je­ho­vas] zu C V 1 b der Gründe, BVerfGE 102, 370).

 

- 21 -

5. Die Ent­schei­dung der NEK, bei ei­nem Schei­tern von Ta­rif­ver­hand­lun­gen durch ein ob­li­ga­to­ri­sches Sch­lich­tungs­ver­fah­ren den In­ter­es­sen­kon­flikt zu lösen, schließt den Ar­beits­kampf zur Durch­set­zung der wech­sel­sei­ti­gen Ta­rif­for­de­run­gen der Dienst­ge­ber­sei­te und der Ge­werk­schaf­ten aus.

a) Nach der am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ori­en­tier­ten Ver­fah­rens­kon­zep­ti­on des von der NEK an­ge­wand­ten Ta­rif­ver­trags­sys­tems wer­den die Ta­rif­verträge grundsätz­lich durch die Ge­werk­schaf­ten und den Kläger als Ver­tre­ter der Dienst­ge­ber­sei­te aus­ge­han­delt. Le­dig­lich im Kon­flikt­fall ob­liegt es ei­ner Sch­lich­tungs­stel­le nach Maßga­be der Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung (SchlV), an­stel­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne nor­ma­ti­ve Re­ge­lung zu be­sch­ließen. Ent­spre­chend dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft sol­len da­mit die In­ter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern nicht im We­ge wech­sel­sei­ti­ger Kon­fron­ta­ti­on, son­dern durch Ko­ope­ra­ti­on un­ter Wah­rung des Ge­bots der Pa­rität ver­bind­lich zum Aus­gleich ge­bracht wer­den (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Die­se Kon­zep­ti­on be­ruht auf der Über­zeu­gung, dass nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht und in ei­ner dar­auf ge­rich­te­ten Dienst­ge­mein­schaft In­ter­es­sen­ge­gensätze durch Ver­hand­lun­gen und wech­sel­sei­ti­ges Nach­ge­ben ggf. mit Hil­fe ei­nes neu­tra­len Drit­ten über­wun­den wer­den.

b) Das bei der NEK be­ste­hen­de Sch­lich­tungs­stel­len­ver­fah­ren kann von je­der Ta­rif­ver­trags­par­tei ein­ge­lei­tet wer­den, wenn die zunächst durch­geführ­ten frei­en Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu kei­ner Verständi­gung geführt ha­ben oder aber ei­ne der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen oder Gesprächen über­haupt ab­lehnt (§ 1 Abs. 2, § 3 Abs. 1 SchlV). Die­se setzt sich aus ei­nem un­par­tei­ischen Vor­sit­zen­den und ei­ner je­weils glei­chen Zahl von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu be­nen­nen­den Bei­sit­zer zu­sam­men (§ 2 Abs. 1 Satz 1 SchlV). Auf den un­par­tei­ischen Vor­sit­zen­den müssen sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ni­gen, an­sons­ten wird er auf An­trag ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei vom Präsi­den­ten des Land­ge­richts Kiel be­stellt (§ 3

 

- 22 -

Abs. 1 und Abs. 2 SchlV). Die Sch­lich­tungs­stel­le ent­schei­det im Kon­flikt­fall mit Stim­men­mehr­heit, bei der Ab­stim­mung darf sich kein Mit­glied der Sch­lich­tungs­stel­le der Stim­me ent­hal­ten (§ 6 Abs. 1 SchlV). Die­se Ent­schei­dung wird ver­bind­lich, so­fern nicht ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei die Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le ganz oder teil­wei­se ab­lehnt (§ 7 Abs. 1 SchlV). Wird bin­nen ei­nes Mo­nats zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kei­ne Ei­ni­gung über den Ge­gen­stand der ab­ge­lehn­ten Ent­schei­dung er­zielt, trifft die Sch­lich­tungs­stel­le ei­ne er­neu­te Ent­schei­dung mit Zwei­drit­tel­mehr­heit (§ 8 Abs. 1 und Abs. 2 SchlV).

c) Das für den Fall ei­ner Nicht­ei­ni­gung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en von der NEK be­stimm­te Ver­fah­ren schließt den Ar­beits­kampf zur Durch­set­zung der wech­sel­sei­ti­gen Ta­rif­for­de­run­gen aus. Die­ser ist dar­auf ge­rich­tet, durch das Vor­ent­hal­ten von Ar­beits­kraft und ei­nen hier­durch aus­gelösten wirt­schaft­li­chen Scha­den Druck auf die Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zuüben, da­mit die­se über die Ar­beits­be­din­gun­gen über­haupt ver­han­delt und so­mit je­nes Kräfte­gleich­wicht ge­schaf­fen wird, das ein Zu­stan­de­kom­men ei­ner Re­ge­lung und die sach­ge­rech­te Lösung des zu­grun­de lie­gen­den In­ter­es­sen­kon­flikts erst ermöglicht. Die­se Kampfmöglich­keit wi­der­spricht je­doch dem Grund­ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft. Die da­mit ver­bun­de­ne Ar­beits­nie­der­le­gung würde nicht nur den kirch­li­chen Dienst am Nächs­ten sus­pen­die­ren und da­mit die Erfüllung des Mis­si­ons­auf­trags hin­dern, son­dern aus Sicht der Kir­chen auch ei­ne be­ste­hen­de Ge­mein­sam­keit von Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern auflösen (vgl. Jous­sen RdA 2007, 328, 333).

6. Ein Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men in kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen kol­li­diert mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft, mit dem Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der kol­lek­tiv im We­ge von Ta­rif­verträgen aus­zu­han­deln und hierfür Ar­beitskämp­fe zu führen.

a) Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet nicht nur die Bil­dung und den Be­stand ei­ner Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on, son­dern auch de­ren ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung. Der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts ist da­bei nicht von vorn­her­ein auf ei­nen Kern­be­reich ko­ali­ti­onsmäßiger Betäti­gun­gen be­schränkt, die für die Si­che­rung

 

- 23 -

des Be­stands der Ko­ali­tio­nen un­erläss­lich sind, er er­streckt sich viel­mehr auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen (BVerfG 6. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvR 978/05 - Rn. 21, BVerfGK 10, 250). Da­zu gehört auch die Ta­rif­au­to­no­mie als das Recht, Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zu­han­deln und durch Verträge ver­bind­lich für die Mit­glie­der zu re­geln. Die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen in Kol­lek­tiv­verträgen dient der Ver­wirk­li­chung der In­ter­es­sen der struk­tu­rell un­ter­le­ge­nen Ar­beit­neh­mer. Ei­ne wir­kungs­vol­le In­ter­es­sen­durch­set­zung ist den Ge­werk­schaf­ten nur möglich, wenn sie ih­ren For­de­run­gen durch Streiks Nach­druck ver­lei­hen können. Der Ar­beits­kampf ist des­halb funk­tio­nal auf die Ta­rif­au­to­no­mie be­zo­gen und in­so­weit grund­recht­lich geschützt (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 1 a der Gründe, BVerfGE 84, 212; 10. Sep­tem­ber 2004 - 1 BvR 1191/03 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGK 4, 60). Ein Grund­recht auf Streik, los­gelöst von sei­ner funk­tio­na­len Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­au­to­no­mie, gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG nicht.

b) In den Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist grundsätz­lich auch die ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ein­be­zo­gen. Die­ses Grund­recht ent­fal­tet gemäß Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG un­mit­tel­ba­re Dritt­wir­kung ge­genüber pri­vat­recht­lich als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein oder ge­meinnützi­ge GmbH oder in sons­ti­ger Wei­se or­ga­ni­sier­te kirch­li­che Ein­rich­tun­gen (Ri­char­di in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 2 S. 929 f.; Schu­bert RdA 2011, 270, 272). Be­die­nen sich die­se zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen des Pri­vat­rechts, neh­men sie grundsätz­lich in Be­zug auf ih­re Beschäftig­ten ei­ne Ar­beit­ge­ber­stel­lung ein. In­so­weit gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG den Ge­werk­schaf­ten auch das Recht, mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te über Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der zu ver­han­deln, ver­bind­li­che Ab­re­den vor al­lem durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zu tref­fen und ih­ren For­de­run­gen nach der Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen und der Durch­set­zung be­stimm­ter Re­ge­lun­gen mit Streik Nach­druck zu ver­lei­hen.

7. Für die Auflösung die­ser Kol­li­si­ons­la­ge ist es oh­ne Be­lang, ob Art. 9 Abs. 3 GG we­gen sei­ner un­mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung den An­for­de­run­gen des Schran­ken­vor­be­halts aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV genügt oder

 

- 24 -

nicht. Die­se im Schrift­tum kon­tro­vers dis­ku­tier­te Fra­ge be­darf kei­ner Ent­schei­dung des Se­nats (ab­leh­nend Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 9 Rn. 30 f.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 55 f.; auch Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 45; zwei­felnd of­fen­bar Ri­char­di/Thüsing AuR 2002, 94, 96; dies befürwor­tend Os­wald Streik­recht im kirch­li­chen Dienst und in an­de­ren ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen S. 88; Czy­choll Anm. LA­GE GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 88; Kühling AuR 2001, 241, 247; Ga­mill­scheg FS Zeu­ner S. 39, 45; Wald­hoff GS Hein­ze S. 995, 1004). In bei­den Fällen wären die Ar­beits­ge­rich­te we­gen ih­rer durch Art. 1 Abs. 3 GG an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung ge­hin­dert, bei ei­ner - wie vor­lie­gend - Aus­le­gung und An­wen­dung ei­ner zi­vil­recht­li­chen Un­ter­las­sungs­norm das völli­ge Zurück­wei­chen ei­nes Grund­rechts zu­guns­ten ei­nes an­de­ren hin­zu­neh­men. Sie sind viel­mehr ge­hal­ten, im We­ge ei­ner Güter­abwägung nach dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz ei­nen Aus­gleich der je­weils kon­fli­gie­ren­den grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen her­bei­zuführen. Die­se Pflicht entfällt nicht schon des­we­gen, weil es sich bei Art. 9 Abs. 3 GG eben­so wie bei Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG um vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te han­delt. Das hin­dert ein Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung zum Schutz ei­ner an­de­ren nicht. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts können auch vor­be­halt­los gewähr­te Grund­rech­te zum Schutz an­de­rer Grund­rech­te oder grund­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen ein­ge­schränkt wer­den (vgl. BVerfG 24. No­vem­ber 2010 - 1 BvF 2/05 - Rn. 147, BVerfGE 128, 1). In die­sem Sin­ne hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt et­wa die Kol­li­si­on des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts mit der durch Art. 5 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Wis­sen­schafts­frei­heit un­ter Her­an­zie­hung des Grund­sat­zes der prak­ti­schen Kon­kor­danz auf­gelöst (BVerfG 28. Ok­to­ber 2008 - 1 BvR 462/06 - [Lüde­mann] Rn. 47, 65, BVerfGE 122, 89).

8. Der Grund­satz prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt nach ei­nem scho­nen­den Aus­gleich der ge­genläufi­gen, glei­cher­maßen ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten In­ter­es­sen mit dem Ziel ih­rer Op­ti­mie­rung (BVerfG 7. März 1990 - 1 BvR 266/86 ua. - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 81, 278). Die durch die

 

- 25 -

Rück­sicht­nah­me auf kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­wer­te not­wen­dig wer­den­de Annäherung kann nicht ge­ne­rell, son­dern nur im Ein­zel­fall durch Güter­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Ei­ne da­mit ein­her­ge­hen­de Be­gren­zung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter In­ter­es­sen darf da­bei nicht wei­ter ge­hen, als es not­wen­dig ist, um die Kon­kor­danz kon­fli­gie­ren­der Rechtsgüter her­zu­stel­len (Hes­se Grundzüge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 20. Aufl. Rn. 72; eben­so Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. III/2 S. 656). Das Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung muss zum Schutz der an­de­ren ge­bo­ten sein (vgl. Ja­rass in Ja­rass/Pie­roth GG 11. Aufl. Vorb. vor Art. 1 Rn. 52). Für die er­for­der­li­che Abwägung gibt die Ver­fas­sung kein be­stimm­tes Er­geb­nis vor, ver­wehrt aber pau­scha­le Vor­ran­gent­schei­dun­gen, wie sie die Par­tei­en des Ver­fah­rens je­weils für sich in An­spruch neh­men (für den Kläger ins­be­son­de­re Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 26 ff.; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 10 Rn. 20 f.; Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. IV/1 [2006] S. 2091; Kem­per in v. Man­goldt/Klein/St­arck GG Bd. I 6. Aufl. Art. 9 Abs. 3 Rn. 200; Man­ter­feld KuR 2011, 86, 100; für die Ge­werk­schafts­sei­te Kühling AuR 2001, 241 ff.).

9. Die hier­nach vor­zu­neh­men­de Güter­abwägung be­trifft nicht den ge­sam­ten Be­reich der je­wei­li­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen, son­dern ist auf den Aus­gleich der kon­kre­ten Kol­li­si­ons­la­ge be­schränkt. Das Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft und die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft schließen sich nicht wech­sel­sei­tig völlig aus. Zur Kol­li­si­on führt viel­mehr erst die Ausübung ei­ner be­stimm­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung. Das ist hier die Ent­schei­dung für ein be­stimm­tes Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen von Beschäftig­ten, die auf der Grund­la­ge pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se in der Dia­ko­nie oder im kirch­li­chen Dienst tätig sind und für die staat­li­ches Ar­beits­recht gilt (Schu­bert RdA 2011, 270, 274). Hier­bei wol­len sich Kir­che wie Ge­werk­schaft des staat­li­chen Ta­rif­rechts be­die­nen. In die­sem si­chert die Möglich­keit zum Ar­beits­kampf den­je­ni­gen Ver­hand­lungs­druck, der An­ge­mes­sen­heit und Rich­tig­keit der Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se ga­ran­tiert. Die­sen will die NEK

 

- 26 -

ent­spre­chend dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft durch ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren und ei­nen da­mit ver­bun­de­nen Ver­zicht auf Ar­beits­kampf­maßnah­men er­rei­chen, von des­sen vor­he­ri­ger Ver­ein­ba­rung sie die Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen abhängig macht. Dem­ge­genüber setzt die Ge­werk­schaft dar­auf, durch An­dro­hung und Ein­satz von Ar­beits­kampf­maßnah­men zu ei­nem fai­ren In­ter­es­sen­aus­gleich zu kom­men. Das Ge­bot prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt da­her nur ei­nen Ver­gleich die­ser bei­den Kon­zep­te und de­ren scho­nens­te Annäherung.

a) So­wohl das Re­ge­lungs­ver­fah­ren der Kir­che als auch das der Ge­werk­schaft ist dar­auf ge­rich­tet, durch au­to­nom aus­ge­han­del­te Ta­rif­verträge den von der staat­li­chen Rechts­ord­nung frei ge­las­se­nen Raum des Ar­beits­le­bens sinn­voll zu ord­nen und für die Ta­rif­ge­bun­de­nen ver­bind­lich zu re­geln. Da­zu be­die­nen sie sich des staat­li­chen Ta­rif­rechts, das den Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags, die den In­halt, den Ab­schluss oder die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Ta­rif­ge­bun­de­nen be­tref­fen, un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung ver­leiht (§ 4 Abs. 1 TVG). Aus­nah­men hier­von lässt § 4 TVG nur zu, so­weit der Ta­rif­ver­trag sie ge­stat­tet oder es sich um Ände­run­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers han­delt (§ 4 Abs. 3 TVG). Das ga­ran­tiert die Ver­bind­lich­keit von Ta­rif­ab­schlüssen als Min­dest­ar­beits­be­din­gung. Ab­wei­chun­gen zu­las­ten ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­neh­mer sind dem Dienst­ge­ber ver­wehrt. Die Nut­zung die­ses Kon­zepts ermöglicht al­so der Ge­werk­schaft ei­ne ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Betäti­gung zu­guns­ten ih­rer Mit­glie­der. Da­mit können sie sich in ei­nem durch Art. 9 Abs. 3 GG zen­tral gewähr­leis­te­ten Be­reich betäti­gen. Ih­re At­trak­ti­vität und die da­mit ein­her­ge­hen­de Möglich­keit zur Mit­glie­der­wer­bung sind we­ni­ger schwer be­trof­fen als im Ver­fah­ren des sog. Drit­ten We­ges (da­zu BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 -). Sie können zu­dem Ta­rif­ver­hand­lun­gen durch die von ih­nen be­stimm­ten Per­so­nen führen und müssen dafür nicht De­le­gier­te ein­schal­ten.

b) Ein fai­rer und an­ge­mes­se­ner Aus­gleich wi­der­strei­ten­der Ar­beits­ver­trags­in­ter­es­sen im We­ge kol­lek­ti­ver Ver­hand­lun­gen ver­langt aber nach annähernd glei­cher Ver­hand­lungsstärke und Durch­set­zungs­kraft (vgl. BVerfG

 

- 27 -

26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212). Die­se las­sen sich we­der for­mal und si­tua­ti­ons­un­ge­bun­den fest­stel­len noch nor­ma­tiv an­ord­nen (BAG 10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 822/79 - zu A IV 1 a der Gründe, BA­GE 33, 140). Im Sys­tem der Ta­rif­au­to­no­mie wer­den sie durch die An­dro­hung oder den Ein­satz von Kampf­maßnah­men ge­si­chert. Ab­wei­chend hier­von will die Kir­che ent­spre­chend ih­rem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft den Ar­beits­kampf zur Her­stel­lung ei­nes Ver­hand­lungs­gleich­ge­wichts aus­sch­ließen und durch ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren er­set­zen, das ih­rem durch Art. 4 GG geschütz­ten Be­kennt­nis Rech­nung trägt. Ei­ne da­mit ver­bun­de­ne Mo­di­fi­ka­ti­on des staat­li­chen Ta­rif­rechts ist zwar zum Schutz re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit zu ak­zep­tie­ren. Doch muss die Kir­che Rück­sicht auf die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 9 Abs. 3 GG neh­men. Ihr Sch­lich­tungs­mo­dell darf das Kon­zept der Ta­rif­au­to­no­mie nur in­so­weit verändern, wie es für die Wah­rung ih­res Leit­bil­des er­for­der­lich ist und ein Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht ermöglicht. Nur in­so­weit ist es mit dem so­zi­al­staat­li­chen Ge­samt­kon­zept, das Art. 9 Abs. 3 GG zu­grun­de liegt, ver­ein­bar.

aa) Zum Aus­gleich der struk­tu­rel­len Ver­hand­lungs­schwäche der Ar­beit­neh­mer be­darf es - so­weit der Ar­beits­kampf hierfür nicht zur Verfügung steht - wei­te­rer In­stru­men­te, die ge­eig­net sind, Ver­hand­lungs­blo­cka­den zu lösen und die Kom­pro­miss­be­reit­schaft der Ge­gen­sei­te zu fördern. Das da­mit ver­bun­de­ne Ziel, ein „kol­lek­ti­ves Bet­teln“ der Ar­beit­neh­mer zu ver­mei­den, kann durch ei­ne pa­ritätisch und zwin­gend ver­ein­bar­te Sch­lich­tung er­reicht wer­den. Al­ler­dings ist ei­ne Zwangs­sch­lich­tung zur Ver­mei­dung von Ar­beitskämp­fen mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit un­ver­ein­bar. Das gilt je­doch nur für staat­lich an­ge­ord­ne­te Sch­lich­tungs­ver­fah­ren (vgl. BVerfG 6. Mai 1964 - 1 BvR 79/62 - zu B III 2 a der Gründe, BVerfGE 18, 18). Es hin­dert Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht dar­an, sich im Rah­men der ih­nen zu­ste­hen­den Ta­rif­au­to­no­mie dar­auf zu verständi­gen, dass im Kon­flikt­fall an die Stel­le ei­ner Ei­ni­gung ein Sch­lich­tungs­spruch tritt (ErfK/Die­te­rich 13. Aufl. Art. 9 GG Rn. 286).

 

- 28 -

bb) Ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren ist dem Grun­de nach zur Her­stel­lung ei­nes Ver­hand­lungs­gleich­ge­wichts ge­eig­net, da die mit die­ser Ent­schei­dungs­struk­tur ver­bun­de­nen Unwägbar­kei­ten so­wie die Ver­la­ge­rung der Kon­fliktlösung auf ei­ne an­de­re Ver­hand­lungs­ebe­ne bei den vor­ge­la­ger­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen die Be­reit­schaft zum Kom­pro­miss fördert und die Ge­werk­schaft nicht in die Rol­le ei­nes Bitt­stel­lers zwingt. Das setzt al­ler­dings vor­aus, dass die Ar­beit­ge­ber­sei­te die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen nur von der Ein­wil­li­gung der Ge­werk­schaft in ei­ne ob­li­ga­to­ri­sche Sch­lich­tung abhängig ma­chen kann und für die­sen Fall das Führen von Ta­rif­ver­hand­lun­gen nicht ver­wei­gert. Sch­ließlich kann ei­ne Sch­lich­tung ih­ren Zweck auch nur er­rei­chen, wenn die An­ru­fung der Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on und die Über­lei­tung des Ver­fah­rens in die­ses Gre­mi­um der Ge­werk­schaft un­ein­ge­schränkt of­fen steht und im Fal­le ei­ner Nicht­ei­ni­gung bei­der Sei­ten die Un­abhängig­keit und Neu­tra­lität des Vor­sit­zen­den auch durch das Be­stel­lungs­ver­fah­ren ge­wahrt wird.

10. Da­nach hat das Streik­recht der Be­klag­ten ge­genüber dem im Zwei­ten Weg zum Aus­druck kom­men­den Selbst­be­stim­mungs­recht der NEK zurück­zu­tre­ten.

a) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts folgt die Zulässig­keit von Streik und an­de­ren Ar­beits­kampf­maßnah­men nicht schon aus der Ent­schei­dung der NEK, die Ar­beits­be­din­gun­gen der in ih­ren Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer durch Ta­rif­verträge aus­zu­ge­stal­ten. Al­ler­dings ist die­se im Jahr 1978 nicht der Emp­feh­lung der EKD für die Einführung des Drit­ten We­ges ge­folgt und schließt - an­ders als die an­de­ren Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen in Deutsch­land - wei­ter­hin Ta­rif­verträge mit Ge­werk­schaf­ten ab. Zwar fal­len die ab­ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen als Fol­ge der Rechts­wahl der NEK in den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes. Dies führt aber nicht zu ei­ner un­ein­ge­schränk­ten An­wen­dung des für die Er­streik­bar­keit von Ta­rif­verträgen gel­ten­den Ar­beits­kampf­rechts. Viel­mehr sind die Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes zu be­ach­ten. Die NEK ist nicht ge­hal­ten, sich ent­we­der für das Zu­stan­de­kom­men von Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen auf dem Drit­ten Weg oder der un­ein­ge­schränk­ten Über­nah­me des aus ih­rer Sicht „welt­li­chen“ Ta­rif­ver-

 

- 29 -

trags­sys­tems zu ent­schei­den. Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht ist un­ge­ach­tet der ge­trof­fe­nen Rechts­wahl auch bei der Fra­ge, wie Ta­rif­verträge für die der NEK zu­ge­ord­ne­ten Ein­hei­ten zu­stan­de kom­men, von Be­deu­tung. Es ist da­her von Ver­fas­sungs we­gen ge­bo­ten, den Kir­chen nicht nur den Ab­schluss von zunächst un­ver­bind­li­chen kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen auf dem Drit­ten Weg zu ermögli­chen, son­dern auch die nor­ma­ti­ve Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen mit den ta­rif­zuständi­gen Ge­werk­schaf­ten un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes (vgl. BAG 25. März 2009 - 7 AZR 710/07 - Rn. 30, BA­GE 130, 146). Die Fra­ge, ob schon der ar­beits­kampf­recht­li­che Grund­satz der Kampf­pa­rität zur Rechts­wid­rig­keit von Streiks führt (ver­nei­nend BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - zu B III 11 a cc der Gründe), stellt sich da­nach nicht.

b) Die in der SchlV vor­ge­se­he­ne Kon­fliktlösung durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und ei­nen neu­tra­len Sch­lich­ter er­weist sich als ein ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nes Ver­fah­ren, um zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ein Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht her­zu­stel­len, an dem es an­sons­ten we­gen der Un­zulässig­keit von Ar­beits­kampf­maßnah­men feh­len würde. Der nach der SchlV an die Stel­le ei­ner Ta­rif­ei­ni­gung tre­ten­de Spruch der Sch­lich­tungs­stel­le ist da­zu be­stimmt, Patt­si­tua­tio­nen bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen im Be­reich der NEK auf­zulösen. Der Spruch muss die ge­gen­sei­ti­gen In­ter­es­sen der kirch­li­chen Dienst­ge­ber und der Ge­werk­schafts­mit­glie­der an­ge­mes­sen berück­sich­ti­gen und zu ei­nem bil­li­gen Aus­gleich brin­gen. Zur Vor­be­rei­tung ih­rer Ent­schei­dung hat die Sch­lich­tungs­stel­le nach Maßga­be des § 4 Abs. 4 SchlV den hierfür maßgeb­li­chen Sach­ver­halt auf­zuklären. Es ist we­der er­sicht­lich noch von den Be­klag­ten dar­ge­tan, dass das von der NEK ge­re­gel­te Ver­fah­ren un­ge­eig­net ist, im Kon­flikt­fall ei­ne be­frie­di­gen­de Lösung der be­ste­hen­den In­ter­es­sen­ge­gensätze zwi­schen der Dienst­ge­ber- und der Ar­beit­neh­mer­sei­te her­bei­zuführen. Der Spruch hat grundsätz­lich kei­nen an­de­ren Rechtscha­rak­ter als ei­ne von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­te Ta­rif­norm. Die Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le ist ei­ner Ein­fluss­nah­me durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ent­zo­gen. Die Gel­tung der durch Spruch zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lung kann

 

- 30 -

durch ei­ne Kündi­gung be­en­det oder durch ei­ne nach­fol­gen­de Ta­rif­norm er­setzt wer­den.

c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ist die Ver­hand­lungs­pa­rität zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch nicht des­halb gestört, weil für die Durch­set­zung der ar­beit­neh­mer­sei­tig er­ho­be­nen Ta­rif­for­de­run­gen im Kon­flikt­fall ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit er­for­der­lich sein soll. Dies ist nicht der Fall. Nach der SchlV kann die nach § 6 Abs. 1 SchlV mit ein­fa­cher Mehr­heit ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung nur durch ei­ne an­ders­lau­ten­de er­neu­te Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le nach § 8 SchlV ab­geändert wer­den. Kommt bei der Ab­stim­mung die nach § 8 Abs. 2 SchlV er­for­der­li­che Zwei­drit­tel­mehr­heit nicht zu­stan­de, bleibt es bei der zu­vor von der Sch­lich­tungs­stel­le nach § 6 Abs. 1 SchlV ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung. Nur wenn die Sch­lich­tungs­stel­le ei­ne auf­he­ben­de oder abändern­de Sach­ent­schei­dung trifft, tritt die­se an die Stel­le der vor­an­ge­gan­ge­nen Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te kann da­her nicht durch ei­ne Ab­leh­nung der mit Stim­men­mehr­heit ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le und dem Er­for­der­nis ei­ner er­neu­ten Ent­schei­dung der Sch­lich­tungs­stel­le mit Zwei­drit­tel­mehr­heit ei­ne Blo­cka­de der ar­beit­neh­mer­sei­tig er­ho­be­nen Ta­rif­for­de­run­gen er­rei­chen.

d) Fer­ner be­geg­net we­der die Zu­sam­men­set­zung der Sch­lich­tungs­stel­le noch das Ver­fah­ren zur Be­stel­lung ih­res un­abhängi­gen Vor­sit­zen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken. Nach § 2 SchlV ob­liegt die Be­nen­nung der Bei­sit­zer al­lein den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Zwar sol­len die Bei­sit­zer und da­mit auch die von der Ge­werk­schaft zu be­nen­nen­den zu kirch­li­chen Ämtern wähl­bar sein. Das schränkt je­doch die Aus­wahl­be­fug­nis der Ge­werk­schaft nicht in ver­fas­sungs­recht­lich zu be­an­stan­de­ner Wei­se ein. Die­ses Qua­li­fi­ka­ti­ons­er­for­der­nis soll die Sachnähe der Bei­sit­zer si­chern. Als Soll­vor­schrift er­laubt sie es der Ge­werk­schaft in be­gründe­ten Fällen ab­zu­wei­chen. Hin­sicht­lich der Per­son des Vor­sit­zen­den si­chert § 2 Abs. 2 SchlV des­sen Un­abhängig­keit. Die dar­in ge­re­gel­te Un­ver­ein­bar­keit mit kirch­li­chen oder ge­werk­schaft­li­chen Auf­ga­ben­stel­lun­gen schließt ei­ne dar­auf be­zo­ge­ne Abhängig­keit aus. So­weit sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht auf die Per­son des Vor­sit­zen­den ei­ni­gen können, hin­dert § 3

 

- 31 -

Abs. 2 SchlV, dass sich ei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei ge­gen die an­de­re durch­setzt. Da­zu wird ei­nem - von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­abhängi­gen - Re­präsen­tan­ten der staat­li­chen Ge­richts­bar­keit ein ein­sei­ti­ges Be­stel­lungs­recht zu­ge­wie­sen.

11. Die­se Güter­abwägung steht im Ein­klang mit Uni­ons- und Völker­recht.

a) Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (GRC) ist vor­lie­gend nicht an­wend­bar.

aa) Nach die­ser Vor­schrift ha­ben al­le Ar­beit­neh­mer so­wie die Ar­beit­ge­ber oder ih­re je­wei­li­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten das Recht, Ta­rif­verträge auf den ge­eig­ne­ten Ebe­nen aus­zu­han­deln und zu schließen so­wie bei In­ter­es­sen­kon­flik­ten kol­lek­ti­ve Maßnah­men zur Ver­tei­di­gung ih­rer In­ter­es­sen, ein­sch­ließlich Streiks, zu er­grei­fen (da­zu Bry­de SR 2012, 2, 9 ff.; Thüsing/Traut RdA 2012, 65). Al­ler­dings ist der Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts nicht eröff­net. Die Eu­ropäische Uni­on hat gemäß Art. 153 Abs. 5 AEUV kei­ne Kom­pe­tenz zur Re­ge­lung des Ko­ali­ti­ons­rechts, Streik­rechts so­wie des Aus­sper­rungs­rechts. Gemäß Art. 51 Abs. 2 GRC dehnt die Grund­rech­te­char­ta den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts auch nicht über die Zuständig­kei­ten der Uni­on hin­aus aus und be­gründet we­der neue Zuständig­kei­ten noch neue Auf­ga­ben für die Uni­on und ändert auch nicht die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten und Auf­ga­ben. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on über­prüft le­dig­lich im Licht der Grund­rech­te­char­ta das Uni­ons­recht in den Gren­zen der der Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten (EuGH 15. No­vem­ber 2011 - C-256/11 - [De­re­ci ua.] Rn. 71, NVwZ 2012, 97).

bb) Ei­ne An­wen­dungs­pflicht für Uni­ons­recht wird auch nicht durch Art. 6 Abs. 3 EUV eröff­net. Zwar sind nach Art. 6 Abs. 3 EUV die Grund­rech­te der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die dar­in ge­re­gel­te Re­li­gi­ons-und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit als all­ge­mei­ne Grundsätze Teil des Uni­ons­rechts. Doch re­gelt die­se Vor­schrift nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on nicht das Verhält­nis zwi­schen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und den Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten und

 

- 32 -

be­stimmt auch nicht, wel­che Kon­se­quen­zen ein na­tio­na­les Ge­richt aus ei­nem Wi­der­spruch zwi­schen den durch die Kon­ven­ti­on gewähr­leis­te­ten Rech­ten und ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts zu zie­hen hat. Die in Art. 6 Abs. 3 EUV ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ge­bie­tet ei­nem na­tio­na­len Ge­richt nicht, im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs zwi­schen ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts und der Kon­ven­ti­on de­ren Be­stim­mun­gen un­mit­tel­bar an­zu­wen­den und ei­ne mit ihr un­ver­ein­ba­re na­tio­na­le Re­ge­lung un­an­ge­wen­det zu las­sen (EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).

cc) Zur An­wend­bar­keit der GRC und des EUV ist kein Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren nach Art. 267 Abs. 3 AEUV durch­zuführen. Auf­grund der Ent­schei­dung des EuGH vom 16. Ja­nu­ar 2008 (- C-361/07 - [Po­lier] Slg. 2008, I-6) ist hin­rei­chend geklärt, dass ein na­tio­na­ler Sach­ver­halt oh­ne An­knüpfungs­punkt an das Uni­ons­recht den Gel­tungs­be­reich der GRC nicht eröff­net. Glei­ches gilt für die aus Art. 6 EUV fol­gen­den An­wen­dungs­pflich­ten na­tio­na­ler Ge­rich­te (vgl. EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).

b) Die ge­bo­te­ne völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes for­dert eben­falls kein an­de­res Er­geb­nis.

aa) Die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ih­re Zu­satz­pro­to­kol­le sind eben­so wie die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grundsätze des Grund­ge­set­zes als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen. Dies ver­langt al­ler­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Gleich­set­zung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes mit de­nen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men der Wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on, so­weit dies me­tho­disch ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist. Das Grund­ge­setz setzt der völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung al­ler­dings auch Gren­zen: Die­se darf nicht zu ei­ner Be­schränkung des durch das Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten Grund­rechts­schut­zes führen. Das schließt auch Art. 53 EM­RK

 

- 33 -

aus (BVerfG 4. Mai 2011 - 2 BvR 2333/08 ua. - [Si­che­rungs­ver­wah­rung] Rn. 93 f. mwN, BVerfGE 128, 326).

bb) Vor­lie­gend sind die durch Art. 9 EM­RK gewähr­leis­te­te Re­li­gi­ons­frei­heit und die durch Art. 11 EM­RK geschütz­te Ver­samm­lung- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit zu berück­sich­ti­gen.

(1) Gemäß Art. 9 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht auf Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit. Die­se Frei­heits­rech­te dürfen nach Abs. 2 die­ser Be­stim­mung nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die öffent­li­che Si­cher­heit, zum Schutz der öffent­li­chen Ord­nung, Ge­sund­heit oder Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ist die in Art. 9 EM­RK ga­ran­tier­te Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit ei­ner der Grund­pfei­ler der „de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft” im Sin­ne der Kon­ven­ti­on. Sie ist in ih­rer re­li­giösen Di­men­si­on ei­nes der wich­tigs­ten Ele­men­te, das die Iden­tität der Gläubi­gen und ih­re Auf­fas­sung vom Le­ben be­stimmt. Aus dem Recht des Gläubi­gen auf Re­li­gi­ons­frei­heit ein­sch­ließlich des Rechts, sei­ne Re­li­gi­on in Ge­mein­schaft mit an­de­ren zu be­ken­nen, folgt die Er­war­tung, dass Gläubi­ge sich frei und oh­ne willkürli­che staat­li­che Ein­grif­fe zu­sam­men­sch­ließen können. Das un­abhängi­ge Be­ste­hen von Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für den Plu­ra­lis­mus in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft und da­mit Kernstück des durch Art. 9 EM­RK gewähr­ten Schut­zes (EGMR [I. Sek­ti­on] 5. April 2007 - 18147/02 - [Sci­en­to­lo­gy Kir­che Mos­kau/Russ­land] Rn. 71 f., NJW 2008, 495). Das Recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit schließt da­bei je­de Be­ur­tei­lung der Le­gi­ti­mität der re­li­giösen Über­zeu­gun­gen oder de­ren Aus­drucks­for­men durch den Staat aus (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 74).

(2) Nach Art. 11 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht, sich frei und fried­lich mit an­de­ren zu ver­sam­meln und sich frei mit an­de­ren zu­sam­men­zu­sch­ließen; da­zu gehört auch das Recht, zum Schutz sei­ner In­ter­es­sen Ge­werk­schaf­ten zu gründen oder ih­nen bei­zu­tre­ten. Nach Abs. 2

 

- 34 -

die­ser Be­stim­mung darf die Ausübung die­ser Rech­te nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die na­tio­na­le oder öffent­li­che Si­cher­heit, zur Auf­recht­er­hal­tung der Ord­nung oder zur Verhütung von Straf­ta­ten, zum Schutz der Ge­sund­heit oder der Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Das Recht, Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit dem Ar­beit­ge­ber zu führen, ist nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ein we­sent­li­ches Ele­ment des in Art. 11 EM­RK ga­ran­tier­ten Rechts (da­zu EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] Rn. 144 und 154, NZA 2010, 1425; EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] Rn. 24, NZA 2010, 1423; da­zu Clau­dia Schu­bert AöR 137 [2012] S. 92 ff.). Al­ler­dings kann ein Ar­beit­ge­ber, des­sen Be­rufs­ethos auf der Re­li­gi­on be­ruht, von sei­nen An­ge­stell­ten be­son­de­re Loya­litäts­pflich­ten ver­lan­gen, so­weit die­se nach ei­ner Abwägung der maßgeb­li­chen In­ter­es­sen ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung stand­hal­ten (EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - [Schüth] Rn. 69, NZA 2011, 279).

cc) Die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der Be­klag­ten wird auch nicht durch das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht der NEK aus­ge­schlos­sen (eben­so Jous­sen in Es­se­ner Gespräche zum The­ma Staat und Kir­che Bd. 46 [2012] S. 53, 89 f.; Wal­ter Zev­KR 2012, 233, 259 f.). Der Ge­richts­hof hat mit sei­nen Ent­schei­dun­gen zu Art. 11 EM­RK viel­mehr ver­deut­licht, dass an die Recht­fer­ti­gung ei­ner Ein­schränkung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und des da­mit ver­bun­de­nen Streik­rechts nicht un­er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len sind. Gleich­wohl kann auch der jüngst er­gan­ge­nen Ent­schei­dung in der Sa­che „Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun“ (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 -) so­wie den zum Streik­recht im öffent­li­chen Dienst er­gan­ge­nen Ur­tei­len (EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] NZA 2010, 1425 und EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] NZA 2010, 1423) nicht die un­ein­ge­schränk­te Zulässig­keit von Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ent­nom­men wer­den. An­ders als der öffent­li­che Dienst können sich Kir­chen ih­rer­seits auf die durch die Eu­ropäische
Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on geschütz­te Re­li­gi­ons­frei­heit be­ru­fen.

 

- 35 -

Dem­ent­spre­chend for­dert der Ge­richts­hof bei ei­ner Kol­li­si­on die­ser bei­den Rech­te ei­ne verhält­nismäßige Abwägung (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 79 f.). Das geht über die An­for­de­run­gen ei­ner Abwägung zur Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz für die Auflösung ei­ner kon­kre­ten Grund­rechts­kol­li­si­on nicht hin­aus.

c) Der Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen steht schließlich we­der die Eu­ropäische So­zi­al­char­ta (ESC, BGBl. II 1964 S. 1262) noch das ILO-Ab­kom­men Nr. 87 ent­ge­gen.

aa) Die ESC stellt ei­ne von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­gan­ge­ne völker­recht­li­che Ver­pflich­tung dar, de­ren Re­geln die Ge­rich­te be­ach­ten müssen, wenn sie die im Ge­set­zes­recht bezüglich der Ord­nung des Ar­beits­kamp­fes be­ste­hen­den Lücken an­hand von Wer­tent­schei­dun­gen der Ver­fas­sung ausfüllen (BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 104, 155; Be­p­ler FS Wißmann S. 97, 106). Ei­ne Ein­schränkung oder Be­gren­zung des in Teil II Art. 6 Nr. 4 ESC an­er­kann­ten Streik­rechts ist nach Teil V Art. 31 Abs. 1 ESC nur zulässig, wenn die­se ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer oder zum Schutz der öffent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung, der Si­cher­heit des Staa­tes, der Volks­ge­sund­heit und der Sitt­lich­keit not­wen­dig sind (BAG 12. Sep­tem­ber 1984 - 1 AZR 342/83 - zu B II 2 c der Gründe, BA­GE 46, 322). Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer, die ge­eig­net sind, das Streik­recht ein­zu­schränken, er­ge­ben sich aus der ver­fas­sungs­recht­lich und völker­recht­lich an­er­kann­ten Re­li­gi­ons­frei­heit. In­so­weit be­darf es auch hier ei­ner verhält­nismäßigen Abwägung bei­der Gewähr­leis­tun­gen.

bb) Auch das Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) über die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und den Schutz des Ver­ei­ni­gungs­rech­tes vom 9. Ju­li 1948 lässt ei­ne Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zu. Es gehört zum ein­fa­chen in­ner­staat­li­chen Recht (Zu­stim­mungs­ge­setz vom 20. De­zem­ber 1956, BGBl. II S. 2072, in Kraft seit dem 20. März 1958, laut Be­kannt­ma­chung vom 2. Mai 1958, BGBl. II S. 113). Sei­ne Gewähr­leis­tun­gen ge­hen je­doch nicht über die

 

- 36 -

Grundsätze hin­aus, die oh­ne­hin durch Art. 9 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich gel­ten (BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - zu B I 5 c der Gründe, BVerfGE 58, 233).

III. Gleich­wohl er­weist sich die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis als rich­tig. Der Kläger hat kei­ne durch Tat­sa­chen be­gründe­te Be­sorg­nis dar­ge­tan, dass die Be­klag­ten durch Streiks oder sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen zukünf­tig das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht von Mit­glie­dern des Klägers ver­let­zen wer­den. Die Be­klag­ten ha­ben we­der rechts­wid­rig ge­han­delt noch ist sol­ches künf­tig zu befürch­ten.

1. Der An­spruch des Ar­beit­ge­ber­ver­bands auf Un­ter­las­sung rechts­wid­ri­ger Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­gen sei­ne Mit­glie­der setzt das Be­ste­hen ei­ner Wie­der­ho­lungs- oder ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr vor­aus.

a) Ei­ne auf § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. § 823 Abs. 1 BGB, Art. 9 Abs. 3 GG gestütz­te Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten kommt in Be­tracht, wenn die­se be­reits durch Ar­beits­kampf­maßnah­men ei­ne geschütz­te Rechts­po­si­ti­on des Klägers ver­letzt ha­ben und die Ge­fahr der Wie­der­ho­lung, dh. die auf Tat­sa­chen ge­gründe­te ernst­li­che Be­sorg­nis wei­te­rer Störun­gen, be­steht. Der all­ge­mei­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch setzt - im Ge­gen­satz zur vor­beu­gen­den Un­ter­las­sungs­kla­ge - vor­aus, dass ei­ne Rechts­ver­let­zung be­reits statt­ge­fun­den hat und ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­steht. Ein zu­kunfts­be­zo­ge­ner Un­ter­las­sungs­an­trag ist be­gründet, wenn das be­an­stan­de­te Ver­hal­ten des Störers rechts­wid­rig in ei­ne geschütz­te Rechts­po­si­ti­on des Be­rech­tig­ten ein­ge­grif­fen hat und die­ses auch schon zum Zeit­punkt sei­ner Be­ge­hung rechts­wid­rig war (vgl. BGH 14. April 2011 - I ZR 50/09 - Rn. 13, MDR 2011, 1059). Dies folgt aus § 1004 Abs. 2 BGB, wo­nach der Ab­wehran­spruch aus­ge­schlos­sen ist, wenn der Ei­gentümer zur Dul­dung ver­pflich­tet ist. Die Rechts­wid­rig­keit be­zieht sich da­bei nicht auf die Hand­lung, die zur Be­ein­träch­ti­gung führt, son­dern auf den durch sie ge­schaf­fe­nen Störungs­zu­stand (Bam­ber­ger/Roth/Fritz­sche BGB 3. Aufl. Bd. 2 § 1004 Rn. 53). Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist die ob­jek­ti­ve Ge­fahr der er­neu­ten Be­ge­hung ei­ner kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung. Die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­schränkt sich da­bei nicht auf die iden­ti­sche Ver­let­zungs­form, son­dern um-

 

- 37 -

fasst al­le im Kern gleich­ar­ti­gen Ver­let­zungs­for­men (BGH 9. Sep­tem­ber 2004 - I ZR 93/02 - zu II 4 b der Gründe, GRUR 2005, 443).

b) Ein auf § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. § 823 Abs. 1 BGB, Art. 9 Abs. 3 GG gestütz­ter Un­ter­las­sungs­an­spruch be­steht auch, so­weit ernst­haf­te und greif­ba­re tatsächli­che An­halts­punk­te dafür vor­han­den sind, dass die Be­klag­ten in na­her Zu­kunft rechts­wid­ri­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber Mit­glie­dern des Klägers durchführen. Der auf ei­ne erst­ma­li­ge Be­ge­hung gestütz­te vor­beu­gen­de Un­ter­las­sungs­an­spruch be­steht, wenn ein rechts­wid­ri­ger Ein­griff in ein ab­so­lu­tes Recht oder ein sonst vom Recht geschütz­tes Gut oder In­ter­es­se un­mit­tel­bar dro­hend be­vor­steht. Es muss zu befürch­ten sein, dass der An­spruchs­geg­ner die zu un­ter­las­sen­de Hand­lung demnächst vor­neh­men wird. Die sie be­gründen­den Umstände müssen die dro­hen­de Ver­let­zungs­hand­lung so kon­kret er­ken­nen las­sen, dass sich für al­le Tat­be­stands­merk­ma­le zu­verlässig be­ur­tei­len lässt, ob sie ver­wirk­licht sind (BGH 13. März 2008 - I ZR 151/05 - Rn. 17, NJW-RR 2009, 184). Ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr kann auch be­gründen, wer sich des Rechts berühmt, be­stimm­te Hand­lun­gen vor­neh­men zu dürfen. Ei­ne sol­che Berühmung kann un­ter Umständen auch in Erklärun­gen zu se­hen sein, die im Rah­men der Rechts­ver­tei­di­gung in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ab­ge­ge­ben wer­den. Ei­ne Rechts­ver­tei­di­gung be­gründet ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr nicht schon dann, wenn al­lein der ei­ge­ne Rechts­stand­punkt ver­tre­ten wird, um sich die Möglich­keit ei­nes ent­spre­chen­den Ver­hal­tens für die Zu­kunft of­fen­zu­hal­ten, son­dern erst dann, wenn den Erklärun­gen bei Würdi­gung der Ein­zel­umstände des Fal­les auch die Be­reit­schaft zu ent­neh­men ist, sich un­mit­tel­bar oder in na­her Zu­kunft in die­ser Wei­se zu ver­hal­ten (BGH 17. Au­gust 2011 - I ZR 57/09 - Rn. 44, BGHZ 191, 19). An­ders als bei der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr spricht für das Vor­lie­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr kei­ne Ver­mu­tung, so dass der­je­ni­ge, der sie gel­tend macht, al­le Umstände dar­le­gen und be­wei­sen muss, aus de­nen sie sich im kon­kre­ten Fall er­ge­ben soll (Te­plitz­ky 10. Aufl. Ka­pi­tel 10 Rn. 8).

c) Bei der Wie­der­ho­lungs- und der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr han­delt es sich um ma­te­ri­el­le An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des Un­ter­las­sungs­an­spruchs (vgl.

 

- 38 -

BGH 19. Ok­to­ber 2004 - VI ZR 292/03 - zu II 3 a der Gründe, NJW 2005, 594). Stützt sich der Kläger zur Be­gründung sei­nes Un­ter­las­sungs­be­geh­rens so­wohl auf ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr we­gen ei­ner be­haup­te­ten Ver­let­zungs­hand­lung als auch auf ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr we­gen be­stimm­ter Erklärun­gen der Be­klag­ten, han­delt es sich um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­genstände, da die ein­heit­li­che Rechts­fol­ge aus un­ter­schied­li­chen Le­bens­sach­ver­hal­ten her­ge­lei­tet wird (vgl. BGH 23. Fe­bru­ar 2006 - I ZR 272/02 - Rn. 25, BGHZ 166, 253).

d) Die Be­ur­tei­lung der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist eben­so wie die ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr im We­sent­li­chen tatsäch­li­cher Na­tur und in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur be­schränkt dar­auf nach­prüfbar, ob das Be­ru­fungs­ge­richt von rich­ti­gen recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten aus­ge­gan­gen ist und kei­ne we­sent­li­chen Tat­umstände außer Acht ge­las­sen hat (vgl. BGH 14. Ok­to­ber 1994 - V ZR 76/93 - zu II 4 b der Gründe, NJW 1995, 132).

2. Nach die­sen Grundsätzen ist die ge­gen den Bun­des­ver­band ge­rich­te­te Un­ter­las­sungs­kla­ge ab­zu­wei­sen. Es fehlt be­reits an ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Der Bun­des­ver­band hat in der Ver­gan­gen­heit we­der selbst Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­genüber Mit­glie­dern des Klägers durch­geführt noch sich an Streik­maßnah­men des Lan­des­ver­bands be­tei­ligt. Es ist auch we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich, dass sol­che Hand­lun­gen des Bun­des­ver­bands kon­kret zu befürch­ten sind. Darüber hin­aus be­steht auch kei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr. Al­lein die Möglich­keit, dass der Bun­des­ver­band rechts­wid­ri­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men des Lan­des­ver­bands als ei­ge­ne fortführt, be­gründet nicht die An­nah­me ei­ner sol­chen Ge­fahr.

3. Die ge­gen den Lan­des­ver­band ge­rich­te­ten Glo­balanträge blei­ben schon des­halb oh­ne Er­folg, weil es so­wohl an ei­ner Wie­der­ho­lungs- wie auch Erst­be­ge­hungs­ge­fahr in Be­zug auf in Schles­wig-Hol­stein ge­le­ge­nen Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers fehlt. Der Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich des Lan­des­ver­bands ist auf das Ge­biet der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg be­schränkt. Dies folgt aus § 1 Abs. 1 der Sat­zung des Lan­des­ver­bands vom 11. Fe­bru­ar 1976 idF vom 3. April 2006. Da­nach or­ga­ni­siert die­ser die in Ham­burg täti­gen und dort an­ge­stell­ten Ärz­te. Es ist we­der er­sicht­lich noch vor­ge­tra­gen, dass der Lan­des-

 

- 39 -

ver­band Ar­beitskämp­fe in Ein­rich­tun­gen außer­halb sei­nes Zuständig­keits­be­reichs durch­geführt hat oder sol­che Maßnah­men un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen.

4. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes de­lik­ti­schen Un­ter­las­sungs­an­spruchs ge­genüber dem be­klag­ten Lan­des­ver­band lie­gen auch des­halb nicht vor, weil der Kläger bis­her nicht in ei­ner durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Rechts­po­si­ti­on be­ein­träch­tigt wor­den ist. Der Se­nat hat auf­grund der sich aus der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 27. Au­gust 2009 (- 5 Ga 3/09 - Ar­buR 2009, 430) er­ge­ben­den Bin­dungs­wir­kung da­von aus­zu­ge­hen, dass der Lan­des­ver­band den am 31. Au­gust 2009 von ihm or­ga­ni­sier­ten Streik im Be­thes­da All­ge­mei­nen Kran­ken­haus durchführen durf­te. In­so­weit fehlt es an ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

a) Die Rechts­kraft ei­nes frühe­ren Ur­teils über den­sel­ben Streit­ge­gen­stand ist als ne­ga­ti­ve Pro­zess­vor­aus­set­zung auch in der Re­vi­si­ons­in­stanz von Amts we­gen zu be­ach­ten. Aber auch dann, wenn ei­ne im Vor­pro­zess rechts­kräftig ent­schie­de­ne Rechts­fra­ge le­dig­lich Vor­fra­ge für die Ent­schei­dung des nach­fol­gen­den Rechts­streits ist, hat das Re­vi­si­ons­ge­richt die sich aus der Rechts­kraft der frühe­ren Ent­schei­dung er­ge­ben­de Bin­dungs­wir­kung auch oh­ne Rüge ei­nes Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zu berück­sich­ti­gen (BGH 16. Ja­nu­ar 2008 - XII ZR 216/05 - Rn. 9, NJW 2008, 1227).

b) Die Grundsätze über die Rechts­kraft und die Bin­dungs­wir­kung von Un­ter­las­sungs­ur­tei­len (§ 322 Abs. 1 ZPO) gel­ten auch in den Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes.

aa) Bei den Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes han­delt es sich um Er­kennt­nis­ver­fah­ren. Auf die­se fin­den die Vor­schrif­ten des Ers­ten und Zwei­ten Buchs der ZPO An­wen­dung. Die­se wer­den le­dig­lich ver­drängt, so­weit die Be­stim­mun­gen in §§ 916 ff. ZPO über den Ar­rest und die einst­wei­li­ge Verfügung Son­der­re­ge­lun­gen ent­hal­ten. Da­nach gilt der in § 322 Abs. 1 ZPO für das Er­kennt­nis­ver­fah­ren nor­mier­te Grund­satz der ma­te­ri­el­len Rechts­kraft auch für das einst­wei­li­ge Verfügungs­ver­fah­ren. Die §§ 927, 936 ZPO ste­hen ei­ner sol­chen Sicht­wei­se nicht ent­ge­gen (Stürner ZZP 2012, 3, 14). Die Vor-

 

- 40 -

schrif­ten re­geln nur die be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­he­bung des Ar­res­tes und der einst­wei­li­gen Verfügung und ergänzen funk­tio­nal die Be­stim­mun­gen über die Abände­rung (§ 323 ZPO) so­wie die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge (§ 767 ZPO). Die­se set­zen aber ge­ra­de die Be­stands­kraft der zu­vor er­wirk­ten Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes vor­aus. Für die ma­te­ri­el­le Rechts­kraft von einst­wei­li­gen Verfügun­gen spricht auch die sich aus § 929 Abs. 1 ZPO er­ge­ben­de Ver­wei­sung auf die Ti­tel­um­schrei­bung (§ 727 ZPO) und die da­mit ver­bun­de­ne Rechts­kraft­re­ge­lung in § 325 ZPO (Baur FS Schie­der­mair S. 19, 25 f.). Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes sind da­her ei­ner - al­ler­dings durch den Vor­be­halt er­leich­ter­ter Abänder­bar­keit durch das Ge­richt (§ 927 ZPO) be­schränk­ten - Rechts­kraft fähig (BGH 9. De­zem­ber 2004 - III ZR 200/04 - zu I 6 der Gründe, BGHZ 161, 298). Dass auch ei­ne im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes er­gan­ge­ne Ent­schei­dung Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kann, ist an­er­kannt (vgl. BGH 31. Mai 2012 - I ZR 45/11 - Rn. 36, MDR 2012, 982; Baur Stu­di­en zum einst­wei­li­gen Rechts­schutz S. 80 f.; Stürner ZZP 2012, 3, 19).

bb) Rechts­kräfti­ge Ur­tei­le ent­fal­ten gemäß § 322 Abs. 1 ZPO nur in­so­weit Bin­dungs­wir­kung für ein nach­fol­gen­des Ver­fah­ren, als über den durch die Kla­ge er­ho­be­nen An­spruch ent­schie­den wor­den ist. Sie be­schränkt sich auf den un­mit­tel­ba­ren Ge­gen­stand des Ur­teils, dh. auf die Rechts­fol­ge, die auf­grund ei­nes be­stimm­ten Sach­ver­halts bei Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung den Ent­schei­dungs­satz bil­det. Ein­zel­ne Ur­teils­ele­men­te, tatsächli­che Fest­stel­lun­gen und recht­li­che Fol­ge­run­gen, auf de­nen die ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung auf­baut, wer­den da­ge­gen von der Rechts­kraft nicht er­fasst (BGH 26. Ju­ni 2003 - I ZR 269/00 - zu II 1 a der Gründe, NJW 2003, 3058). Da­nach be­steht ei­ne Bin­dungs­wir­kung, wenn der In­halt der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung zum Tat­be­stand der im neu­en Pro­zess gel­tend ge­mach­ten Rechts­fol­ge gehört (Ro­sen­berg/Schwab/Gott­wald Zi­vil­pro­zess­recht 17. Aufl. § 154 Rn. 8). Der rechts­kräftig fest­ge­stell­te An­spruch bil­det nach ma­te­ri­el­lem Recht ei­ne Vor­aus­set­zung für die Ent­schei­dung über den Ge­gen­stand des Zweit­pro­zes­ses (Münch­Komm ZPO/Gott­wald 3. Aufl. § 322 Rn. 50). Das Ge­richt hat die im ers­ten Pro­zess rechts­kräftig ent­schie­de­ne Rechts­fol­ge im zwei­ten Ver­fah­ren zu­grun­de zu

 

- 41 -

le­gen, wenn die­se ei­ne Vor­fra­ge dar­stellt. Bei ei­ner kla­ge­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung ist der aus der Be­gründung zu er­mit­teln­de, die Rechts­fol­ge be­stim­men­de, aus­schlag­ge­ben­de Ab­wei­sungs­grund Teil des in Rechts­kraft er­wach-sen­den Ent­schei­dungs­sat­zes und nicht al­lein ein Ele­ment der Ent­schei­dungs­be­gründung (BGH 24. Ju­ni 1993 - III ZR 43/92 - zu III 1 der Gründe, NJW 1993, 3204; 6. Ok­to­ber 1989 - V ZR 263/86 - zu II 2 b der Gründe, WM 1989, 1897).

cc) Bei ei­ner Un­ter­las­sungs­kla­ge be­steht die be­gehr­te Rechts­fol­ge in dem Ver­bot ei­ner be­stimm­ten - als rechts­wid­rig an­ge­grif­fe­nen - Ver­hal­tens­wei­se (Ver­let­zungs­form), die der Kläger in sei­nem An­trag ab­stra­hie­rend be­schrei­ben muss. Die Rechts­kraft der vor­an­ge­gan­ge­nen Ent­schei­dung wird durch den Kla­ge­an­trag so­wie die vom An­trag­stel­ler vor­ge­tra­ge­ne und vom Ge­richt die­ser Ent­schei­dung zu­grun­de ge­leg­te Ver­let­zungs­hand­lung be­grenzt. Die­se stellt den Kla­ge­grund dar, durch den der Streit­ge­gen­stand der Un­ter­las­sungs­kla­ge ne­ben dem Kla­ge­ziel be­stimmt wird. In Rechts­kraft erwächst der in die Zu­kunft ge­rich­te­te Ver­bots­aus­spruch nicht als sol­cher, son­dern nur in sei­nem Be­zug auf die vom Ge­richt fest­ge­stell­te Ver­let­zungs­hand­lung (BGH 23. Fe­bru­ar 2006 - I ZR 272/02 - Rn. 29, BGHZ 166, 253). Bei ei­nem Un­ter­las­sungs­an­spruch wird ei­ne Ent­schei­dung über des­sen Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen zum Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­trof­fen, auf die das Ur­teil er­geht (BGH 31. Mai 2012 - I ZR 45/11 - Rn. 36, MDR 2012, 982). Wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen, steht da­mit zu­gleich die Be­rech­ti­gung des Be­klag­ten zu dem vom An­trag um­fass­ten Han­deln fest (BGH 14. Ok­to­ber 1964 - V ZR 249/62 - NJW 1965, 42).

c) Für den vom Kläger auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr gestütz­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch fehlt es an ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­let­zungs­hand­lung.

aa) Der Kläger hat sich als Zu­wi­der­hand­lung al­lein auf den vom Lan­des­ver­band am 31. Au­gust 2009 im Be­thes­da All­ge­mei­nen Kran­ken­haus durch­geführ­ten Streik be­ru­fen. Das Ar­beits­ge­richt hat den da­ge­gen ge­rich­te­ten Un­ter­las­sungs­an­trag ab­ge­wie­sen. Sei­ne Ent­schei­dung ist in for­mel­le Rechts­kraft er­wach­sen. In sei­nen Gründen hat das Ge­richt den Un­ter­las­sungs­an­spruch aus Rechts­gründen ver­neint und sämt­li­che von den Verfügungsklägern ge­gen die

 

- 42 -

Zulässig­keit des Ar­beits­kamp­fes an­geführ­ten Gründe gewürdigt. Zu die­sen gehörte auch die Un­zulässig­keit der an­gekündig­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men we­gen des da­mit ver­bun­de­nen Ein­griffs in die durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV geschütz­te Rechts­po­si­ti­on des Kran­ken­haus­trägers. Das ar­beits-ge­richt­li­che Ur­teil ist nicht mit der feh­len­den Glaub­haft­ma­chung oder ei­nem feh­len­den Verfügungs­grund be­gründet. Bei dem An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung han­delt es sich nicht um ei­ne sol­che, die als Re­ge­lungs-oder Si­che­rungs­verfügung nur zu ei­ner vorüber­ge­hen­den Si­che­rung des von den Verfügungsklägern gel­tend ge­mach­ten An­spruchs führen soll­te. Viel­mehr war sie als Leis­tungs­verfügung auf ei­ne Un­ter­sa­gung des ab dem 31. Au­gust 2009 be­ab­sich­tig­ten Streiks und da­mit auf die Vor­weg­nah­me der Haupt­sa­che ge­rich­tet.

bb) Mit der Rechts­kraft der kla­ge­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung steht als die aus dem vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt sich für die Par­tei­en er­ge­ben­de Rechts­fol­ge bin­dend fest, dass der Lan­des­ver­band am 31. Au­gust 2009 zur Durchführung des an­gekündig­ten Streiks be­rech­tigt war. Dies steht ei­ner er­neu­ten Prüfung ih­rer Rechtmäßig­keit im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ent­ge­gen. Der Un­ter­las­sungs­an­spruch war im Vor­pro­zess aus­ge­ur­teil­ter Streit­ge­gen­stand und nicht nur ei­ne Vor­fra­ge für den Ent­schei­dungs­aus­spruch, die nicht in Rechts­kraft erwächst. Dies ent­spricht der Rechts­la­ge bei Leis­tungs­ur­tei­len. So ent­fal­tet die rechts­kräfti­ge Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be Bin­dungs­wir­kung in ei­nem Fol­ge­pro­zess, für den es als Vor­fra­ge dar­auf an­kommt, ob die zur Her­aus­ga­be ver­ur­teil­te Par­tei die Her­aus­ga­be ver­wei­gern darf (BGH 31. Mai 2012 - I ZR 45/11 - Rn. 37, MDR 2012, 982). Die Berück­sich­ti­gung der vom Lan­des­ver­band am 31. Au­gust 2009 durch­geführ­ten Ar­beits­kampf­maßnah­me als rechts­wid­ri­ge Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts des be­trof­fe­nen Kran­ken­haus­trägers schei­det da­nach aus.

cc) Die vor­ste­hen­den Grundsätze zur Tat­be­stands­wir­kung ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren ste­hen nicht im Wi­der­spruch zu den Rechtssätzen in der Se­nats­ent­schei­dung vom 10. De­zem­ber 2002 (- 1 AZR 96/02 - zu B II 2 der Gründe, BA­GE 104, 155). In

 

- 43 -

die­ser hat der Se­nat das Ver­schul­den der kampfführen­den Ge­werk­schaft für ei­nen rechts­wid­ri­gen Streik um ei­nen Fir­men­ta­rif­ver­trag be­jaht, ob­wohl ein da­ge­gen ge­rich­te­ter Un­ter­las­sungs­an­trag des Un­ter­neh­mens im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren rechts­kräftig ab­ge­wie­sen wor­den ist. Der Se­nat hat den von der Ge­werk­schaft geführ­ten Ar­beits­kampf für rechts­wid­rig ge­hal­ten, weil die­se die ge­genüber dem be­streik­ten Un­ter­neh­men be­ste­hen­de re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht ver­letzt hat­te. Die­ser recht­li­che Ge­sichts­punkt war nicht Ge­gen­stand des einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens. Die Verfügungskläge­rin hat­te ihr Un­ter­las­sungs­be­geh­ren nicht auf das Be­ste­hen von ein­schlägi­gen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen gestützt. Auch die im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren an­ge­ru­fe­nen Ge­rich­te sind auf die Frie­dens­pflicht nicht ein­ge­gan­gen.

5. Für ei­nen auf § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. § 823 Abs. 1 BGB, Art. 9 Abs. 3 GG gestütz­ten (vor­beu­gen­den) Un­ter­las­sungs­an­spruch fehlt es an ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr. An­halts­punk­te, aus de­nen sich ei­ne ernst­haf­te und greif­ba­re Ge­fahr er­ge­ben könn­te, dass der Lan­des­ver­band in Zu­kunft zu rechts­wid­ri­gen Ar­beitskämp­fen in Mit­glieds­ein­rich­tun­gen des Klägers auf­ru­fen wird, sind we­der er­sicht­lich noch von die­sem vor­ge­tra­gen. Eben­so hat sich der Kläger nicht auf ver­fah­rens­ge­genständ­li­che Ausführun­gen des Lan­des­ver­bands be­zo­gen, die das Vor­lie­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr na­he­le­gen.

Schmidt

Linck

Koch

Schwit­zer

Hann

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 AZR 611/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880