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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Arbeitsunfähigkeit, Krankheit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 318/15
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.05.2016
   
Leit­sätze: Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Ar­beit­neh­mers für die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG um­fasst ne­ben der Tat­sa­che
der Ar­beits­unfähig­keit als sol­cher auch de­ren Be­ginn und En­de.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Herne, Urteil vom 21.10.2014, 3 Ca 3517/13
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 26.03.2015, 16 Sa 1711/14
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

5 AZR 318/15
16 Sa 1711/14
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Hamm

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
25. Mai 2016

UR­TEIL

Klei­nert, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 25. Mai 2016 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Volk so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Dom­brow­sky und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Mattausch für Recht er­kannt:

 

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1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 26. März 2015 - 16 Sa 1711/14 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. 

Der 1951 ge­bo­re­ne Kläger war vom 2. No­vem­ber 2010 bis zum 31. Ok­to­ber 2013 bei der Be­klag­ten als Ar­bei­ter beschäftigt ge­gen ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung von 1.900,00 Eu­ro.

Vom 9. Sep­tem­ber bis ein­sch­ließlich Sonn­tag, den 20. Ok­to­ber 2013, war der Kläger von sei­nem Haus­arzt Dr. L we­gen ei­nes lum­ba­len Fa­cet­ten­syn­droms ar­beits­unfähig krank­ge­schrie­ben. Am 17. Ok­to­ber 2013 such­te der Kläger sei­nen Haus­arzt er­neut auf, ua. we­gen zu­neh­men­der Schul­ter­schmer­zen. Ei­ne (zusätz­li­che) Krank­schrei­bung er­folg­te an die­sem Tag nicht. Am Mon­tag, dem 21. Ok­to­ber 2013 at­tes­tier­te Dr. L dem Kläger we­gen Schul­ter­schmer­zen mit ei­ner Erst­be­schei­ni­gung Ar­beits­unfähig­keit bis zunächst 5. No­vem­ber 2013, mit ei­ner Fol­ge­be­schei­ni­gung bis vor­aus­sicht­lich 1. De­zem­ber 2013.

Für den Mo­nat Ok­to­ber 2013 zahl­te die Be­klag­te dem Kläger 1.266,67 Eu­ro brut­to, Ent­gelt­fort­zah­lung für die Zeit vom 21. bis zum 31. Ok­to­ber 2013 leis­te­te sie nicht.

Der Kläger hat gel­tend ge­macht, er sei ab dem 21. Ok­to­ber 2013 auf­grund ei­ner neu­en Krank­heit ar­beits­unfähig ge­we­sen. Bis da­hin ha­be ei­ne im Frühjahr 2013 bei ei­nem Ar­beits­un­fall er­lit­te­ne Schul­ter­ver­let­zung trotz ge­le­gent­li­cher leich­te­rer Be­schwer­den und Wet­terfühlig­keit Ar­beits­unfähig­keit nicht ver­ur­sacht. Am Mon­tag, dem 21. Ok­to­ber 2013, sei er beim An­zie­hen mit der

 

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Schul­ter an ei­nen Türrah­men ges­toßen und ha­be we­gen star­ker Schmer­zen nicht zur Ar­beit ge­hen können.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 633,33 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. No­vem­ber 2013 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und gel­tend ge­macht, der Kläger sei be­reits am 17. Ok­to­ber 2013 we­gen sei­ner Schul­ter­ver­let­zung ar­beits­unfähig ge­we­sen. Nach dem Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­falls ha­be ih­re Ent­gelt­fort­zah­lungs­pflicht mit dem Ab­lauf von sechs Wo­chen am 20. Ok­to­ber 2013 ge­en­det.

Das Ar­beits­ge­richt hat nach Ver­neh­mung des be­han­deln­den Arz­tes Dr. L der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Kla­ge­an­trag wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht der Be­ru­fung der Be­klag­ten statt­ge­ge­ben. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Der Kläger hat für die Zeit vom 21. bis zum 31. Ok­to­ber 2013 kei­nen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall.

I. Wird der Ar­beit­neh­mer nach wie­der­her­ge­stell­ter Ar­beitsfähig­keit er­neut krank­heits­be­dingt ar­beits­unfähig, oh­ne dass ihn ein Ver­schul­den trifft, ent­steht nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG grundsätz­lich ein neu­er An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung für die Dau­er von sechs Wo­chen, wenn die Ar­beits­unfähig­keit auf ei­ner an­de­ren Krank­heit be­ruht. Dies gilt je­doch nicht un­ein­ge­schränkt:

1. Stellt sich die neue Er­kran­kung als ei­ne Fort­set­zung der frühe­ren Er­kran­kung dar, weil - trotz ver­schie­de­ner Krank­heits­sym­pto­me - die wie­der­hol­te

 

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Ar­beits­unfähig­keit auf dem­sel­ben nicht be­ho­be­nen Grund­lei­den be­ruht, liegt ei­ne Fort­set­zungs­er­kran­kung vor (BAG 13. Ju­li 2005 - 5 AZR 389/04 - zu I 4 der Gründe, BA­GE 115, 206; 14. No­vem­ber 1984 - 5 AZR 394/82 - zu 1 der Gründe, BA­GE 47, 195). Bei ei­ner sol­chen ist der Ar­beit­ge­ber nach § 3 Abs. 1 Satz 2 EFZG nur dann zur Ent­gelt­fort­zah­lung ver­pflich­tet, wenn der Ar­beit­neh­mer vor der er­neu­ten Ar­beits­unfähig­keit min­des­tens sechs Mo­na­te nicht in­fol­ge der­sel­ben Krank­heit ar­beits­unfähig war (Nr. 1) oder seit Be­ginn der ers­ten Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge der­sel­ben Krank­heit ei­ne Frist von zwölf Mo­na­ten ab­ge­lau­fen ist (Nr. 2).

Die Ar­beits­unfähig­keit des Klägers ab dem 21. Ok­to­ber 2013 war nicht durch ei­ne Fort­set­zungs­er­kran­kung be­dingt. Das steht zwi­schen den Par­tei­en (nun­mehr) außer Streit. Das lum­ba­le Fa­cet­ten­syn­drom, das die Ar­beits­unfähig­keit in der Zeit vom 9. Sep­tem­ber bis zum 20. Ok­to­ber 2013 be­gründe­te, und die Er­kran­kung der Schul­ter be­ruh­ten nicht auf ei­nem ein­heit­li­chen Grund­lei­den.

2. Nach dem Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­falls ist der An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG auf die Dau­er von sechs Wo­chen seit Be­ginn der Ar­beits­unfähig­keit be­schränkt, wenn während be­ste­hen­der Ar­beits­unfähig­keit ei­ne neue Krank­heit auf­tritt, die eben­falls Ar­beits­unfähig­keit zur Fol­ge hat. In die­sem Fall kann der Ar­beit­neh­mer bei ent­spre­chen­der Dau­er der durch bei­de Er­kran­kun­gen ver­ur­sach­ten Ar­beits­ver­hin­de­rung die Sechs-Wo­chen-Frist nur ein­mal in An­spruch neh­men. Ein neu­er Ent­gelt­fort­zah­lungs­an­spruch ent­steht nur, wenn die ers­te krank­heits­be­ding­te Ar­beits­ver­hin­de­rung be­reits in dem Zeit­punkt be­en­det war, in dem die wei­te­re Er­kran­kung zu ei­ner er­neu­ten Ar­beits­ver­hin­de­rung führt (BAG 10. Sep­tem­ber 2014 - 10 AZR 651/12 - Rn. 13, BA­GE 149, 101; 13. Ju­li 2005 - 5 AZR 389/04 - zu I 4 der Gründe, BA­GE 115, 206). Das ist an­zu­neh­men, wenn der Ar­beit­neh­mer zwi­schen zwei Krank­hei­ten tatsächlich ge­ar­bei­tet hat oder je­den­falls ar­beitsfähig war, sei es auch nur für we­ni­ge außer­halb der Ar­beits­zeit lie­gen­de St­un­den (BAG 12. Ju­li 1989 - 5 AZR 377/88 - zu II 2 der Gründe mwN). Maßgeb­lich für die Dau­er der Ar­beits­unfähig­keit und da­mit für das En­de des

 

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Ver­hin­de­rungs­falls ist die Ent­schei­dung des Arz­tes, der Ar­beits­unfähig­keit - un­abhängig von der in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers - im Zwei­fel bis zum En­de ei­nes Ka­len­der­tags be­schei­ni­gen wird (an­ders noch BAG 12. Ju­li 1989 - 5 AZR 377/88 - zu III 1 der Gründe mwN, hier­an wird nicht fest­ge­hal­ten). Da­bei ist es un­er­heb­lich, ob das En­de der Ar­beits­unfähig­keit auf ei­nen Ar­beits- oder ar­beits­frei­en Tag fällt (vgl. BAG 10. Sep­tem­ber 2014 - 10 AZR 651/12 - Rn. 17 mwN, BA­GE 149, 101; 14. Sep­tem­ber 1983 - 5 AZR 70/81 - zu 2 b der Gründe, BA­GE 43, 291).

a) Der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt erst­mals in der Ent­schei­dung vom 12. Sep­tem­ber 1967 (- 1 AZR 367/66 - BA­GE 20, 90) ent­wi­ckel­te Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­falls (seit­her st. Rspr., vgl. zB BAG 2. De­zem­ber 1981 - 5 AZR 89/80 - BA­GE 37, 172; 2. Fe­bru­ar 1994 - 5 AZR 345/93 - BA­GE 75, 340; 13. Ju­li 2005 - 5 AZR 389/04 - BA­GE 115, 206) hat im Schrift­tum weit­ge­hend Zu­stim­mung ge­fun­den (sh. nur ErfK/Rein­hard 16. Aufl. § 3 EFZG Rn. 43; HWK/Schlie­mann 7. Aufl. § 3 EFZG Rn. 93; Schaub/Linck ArbR-HdB 16. Aufl. § 98 Rn. 54; Sch­mitt EFZG 7. Aufl. § 3 Rn. 285, je­weils mwN) und ist vom Ge­setz­ge­ber bei mehr­fa­chen No­vel­lie­run­gen des Rechts der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall nicht kor­ri­giert wor­den. Ihm liegt die Erwägung zu­grun­de, dass die Sechs-Wo­chen-Frist, in­ner­halb de­rer der Ar­beit­neh­mer in Ab­wei­chung vom all­ge­mei­nen Schuld­recht aus so­zia­len Gründen das Ar­beits­ent­gelt trotz Nicht­leis­tung der Ar­beit er­hal­ten soll, nicht an die Krank­heit (in der frühe­ren Be­griff­lich­keit: das Unglück), son­dern an die Ar­beits­ver­hin­de­rung an­knüpft und es des­halb nicht dar­auf an­kommt, ob den Ar­beit­neh­mer während ei­ner krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­ver­hin­de­rung „ein neu­es Unglück trifft“, das sei­ner­seits zu ei­ner Ar­beits­ver­hin­de­rung geführt hätte, wenn ei­ne sol­che nicht be­reits auf­grund des frühe­ren Unglücks (der frühe­ren Krank­heit) be­stan­den hätte (BAG 12. Sep­tem­ber 1967 - 1 AZR 367/66 - BA­GE 20, 90; vgl. zur Ent­wick­lung im Ein­zel­nen BAG 10. Sep­tem­ber 2014 - 10 AZR 651/12 - Rn. 14 - 17, BA­GE 149, 101).

b) Nach der nicht mit ei­ner Ver­fah­rensrüge an­ge­grif­fe­nen, für den Se­nat bin­den­den (§ 559 Abs. 2 ZPO) Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat der

 

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Kläger kurz vor dem En­de der we­gen des lum­ba­len Fa­cet­ten­syn­droms at­tes­tier­ten Ar­beits­unfähig­keit am 17. Ok­to­ber 2013 sei­nen Haus­arzt er­neut und auch we­gen zu­neh­men­der Schul­ter­schmer­zen auf­ge­sucht. Ob der krank­haf­te Zu­stand der Schul­ter des Klägers (zum Be­griff der Krank­heit vgl. et­wa BAG 9. Ja­nu­ar 1985 - 5 AZR 415/82 - zu I 1 der Gründe, BA­GE 48, 1; ErfK/ Rein­hard § 3 EFZG Rn. 4 ff.; HWK/Schlie­mann § 3 EFZG Rn. 34 ff., je­weils mwN) be­reits vor dem 21. Ok­to­ber 2013 die Ar­beits­unfähig­keit des Klägers be­dingt hat, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ge­blie­ben und konn­te durch die Ver­neh­mung des be­han­deln­den Arz­tes nicht geklärt wer­den.

II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat bei sei­ner Be­weis­las­tent­schei­dung im Er­geb­nis zu Recht an­ge­nom­men, das Ri­si­ko, nicht (mehr) fest­stel­len zu können, ob Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge ei­ner be­stimm­ten Krank­heit erst ab dem vom be­han­deln­den Arzt at­tes­tier­ten Zeit­punkt be­stan­den hat oder schon während ei­ner un­mit­tel­bar vor­an­ge­hen­den sechswöchi­gen Ar­beits­unfähig­keit auf­grund ei­ner an­de­ren Krank­heit ein­ge­tre­ten ist, ha­be der Ar­beit­neh­mer zu tra­gen.

1. Für ih­re ge­gen­tei­li­ge - auch vom Ar­beits­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung zu­grun­de ge­leg­ten - Auf­fas­sung kann sich die Re­vi­si­on nicht auf die Recht­spre­chung zur Fort­set­zungs­er­kran­kung stützen.

Die recht­li­che Be­wer­tung der Fort­set­zungs­er­kran­kung in § 3 Abs. 1 Satz 2 EFZG ist ei­ne durch Ge­setz zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers ge­trof­fe­ne Aus­nah­me­re­ge­lung von dem all­ge­mei­nen Grund­satz der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall (vgl. BAG 4. De­zem­ber 1985 - 5 AZR 656/84 - zu I 2 der Gründe). Zwar muss der Ar­beit­neh­mer, der in­ner­halb der Zeiträume des § 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Nr. 2 EFZG länger als sechs Wo­chen ar­beits­unfähig ist, dar­le­gen, dass kei­ne Fort­set­zungs­er­kran­kung vor­liegt und - be­strei­tet der Ar­beit­ge­ber den Ein­tritt ei­ner neu­en Krank­heit - den Arzt von der Schwei­ge­pflicht ent­bin­den. Doch hat die Fol­gen der Nich­ter­weis­lich­keit ei­ner Fort­set­zungs­er­kran­kung der Ar­beit­ge­ber zu tra­gen, weil nach der sprach­li­chen Fas­sung des § 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Nr. 2 EFZG ihn und nicht den Ar­beit­neh­mer die ob­jek­ti­ve Be­weis­last trifft (BAG 13. Ju­li 2005 - 5 AZR 389/04 - zu I 5 der Gründe, BA­GE 115, 206; eben­so die hM im Schrift­tum, vgl. nur ErfK/Rein­hard § 3 EFZG

 

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Rn. 44; HWK/Schlie­mann § 3 EFZG Rn. 111; Schaub/Linck ArbR-HdB § 98 Rn. 61; Sch­mitt EFZG § 3 Rn. 293, je­weils mwN).

2. Im Un­ter­schied da­zu be­trifft der Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­falls nicht ei­ne vom Ar­beit­ge­ber ein­zu­wen­den­de Aus­nah­me, son­dern ei­ne der Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Mel­det sich der Ar­beit­neh­mer in un­mit­tel­ba­rem An­schluss an den aus­geschöpften Sechs-Wo­chen-Zeit­raum des § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG er­neut mit ei­ner Erst­be­schei­ni­gung ar­beits­unfähig krank, be­strei­tet der Ar­beit­ge­ber mit der Be­ru­fung auf den Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­falls, dass Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge der „neu­en“ Krank­heit erst jetzt ein­ge­tre­ten sei.

Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG trägt - nach all­ge­mei­nen Grundsätzen - der Ar­beit­neh­mer (BAG 13. Ju­li 2005 - 5 AZR 389/04 - zu I 6 der Gründe, BA­GE 115, 206; 26. Fe­bru­ar 2003 - 5 AZR 112/02 - zu I 1 der Gründe, BA­GE 105, 171). Eben­so wie er für die Tat­sa­che der Ar­beits­unfähig­keit als sol­cher be­weis­pflich­tig ist, trifft ihn auch für de­ren Be­ginn und En­de die ob­jek­ti­ve Be­weis­last.

3. Für Dar­le­gung und Nach­weis von Be­ginn und En­de ei­ner auf ei­ner be­stimm­ten Krank­heit be­ru­hen­den Ar­beits­unfähig­keit kann sich der Ar­beit­neh­mer zunächst auf die ärzt­li­che Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung stützen (zu de­ren Be­weis­wert sh. BAG 26. Fe­bru­ar 2003 - 5 AZR 112/02 - zu I 1 der Gründe, BA­GE 105, 171; zu den neu­en Vor­dru­cken für Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen vgl. Klei­ne­brink Ar­bRB 2016, 93).

Ist je­doch un­strei­tig oder bringt der Ar­beit­ge­ber ge­wich­ti­ge In­di­zi­en dafür vor, dass die er­neu­te Ar­beits­unfähig­keit auf ei­ner Krank­heit be­ruht, die be­reits vor dem at­tes­tier­ten Be­ginn der Ar­beits­unfähig­keit be­stan­den hat, und zu ei­ner Krank­heit, we­gen de­rer der Ar­beit­neh­mer be­reits durch­ge­hend sechs Wo­chen ar­beits­unfähig war, hin­zu­ge­tre­ten ist, muss der Ar­beit­neh­mer als Vor­aus­set­zung des Ent­gelt­fort­zah­lungs­an­spruchs den von ihm be­haup­te­ten Be­ginn der „neu­en“ krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­ver­hin­de­rung be­wei­sen. Dafür steht ihm das Zeug­nis des be­han­deln­den Arz­tes als Be­weis­mit­tel zur Verfügung.

 

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4. Der Kläger konn­te nicht be­wei­sen, erst am 21. Ok­to­ber 2013 we­gen der Schul­ter­ver­let­zung ar­beits­unfähig ge­wor­den zu sein. Da­von hat der Se­nat nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts aus­zu­ge­hen.

Da­nach such­te der Kläger vor dem En­de der Ar­beits­unfähig­keit we­gen des lum­ba­len Fa­cet­ten­syn­droms am 17. Ok­to­ber 2013 je­den­falls auch we­gen zu­neh­men­der Schul­ter­schmer­zen er­neut sei­nen Haus­arzt auf, der sich no­tier­te: „Schul­ter­schmer­zen neh­men zu. Am Mon­tag geht er zum Or­thopäden“. Dr. L konn­te als - erst­in­stanz­lich ver­nom­me­ner - Zeu­ge we­der bestäti­gen noch aus­sch­ließen, dass der Kläger we­gen der schmer­zen­den Schul­ter erst am 21. Ok­to­ber 2013 ar­beits­unfähig wur­de und nicht schon am 17. Ok­to­ber 2013 war. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf­grund der Be­weis­auf­nah­me - im Ein­klang mit der Be­weiswürdi­gung des Ar­beits­ge­richts - in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se ein non li­quet an­ge­nom­men.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 

Müller-Glöge 

Biebl 

Volk

Dom­brow­sky 

Mattausch

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