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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Auslegung, Arbeitsvertrag, AGB, Rückkehrrecht
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 15 Sa 180/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.11.2016
   
Leit­sätze: Wird von ei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber ein un­be­fris­te­tes Rück­kehr­recht "für den Fall der Sch­ließung/Auflösung der Be­triebs­kran­ken­kas­se X" ein­geräumt, ist hier­von die Sch­ließung ei­nes Rechts­nach­fol­gers nicht um­fasst.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 15.11.2011, 16 Ca 10557/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
15 Sa 180/12

16 Ca 10557/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

Verkündet

am 23.05.2012

F.
Ge­richts­beschäftig­te
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

pp


hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 15. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. Mai 2012
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau Z. und Herrn Sp.

für Recht er­kannt:

I.
Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 15.11.2011 –16 Ca 10557/11– ab­geändert.

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

II.
Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin zu tra­gen.

III.
Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin zu­ge­las­sen.

 

K.  

Z.  

Sp.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten – wie in zahl­rei­chen Par­al­lelfällen – über ein Rück­kehr­recht der Kläge­rin zu ih­rem frühe­ren Ar­beit­ge­ber, dem hie­si­gen be­klag­ten Land. Die­ses ist ei­nes der Mus­ter­ver­fah­ren.

Die am ….. 1970 ge­bo­re­ne Kläge­rin war ursprüng­lich bei dem be­klag­ten Land im Be­reich der Be­triebs­kran­ken­kas­se (BKK) beschäftigt. Sie er­hielt zu­letzt ei­ne Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe VIb BAT.

Un­ter dem 29. Mai 1997 schlos­sen der Se­nat von Ber­lin und die Ber­li­ner Be­zir­ke ei­ner­seits und der Haupt­per­so­nal­rat und ver­schie­de­ne Ge­werk­schaf­ten an­de­rer­seits ei­ne „Ver­ein­ba­rung über den Um­gang mit der Per­so­nalüber­hang­si­tua­ti­on zur Beschäfti­gungs­si­che­rung“. Gem. Ziff. 2 Abs. 3 Satz 2 gilt die­se Ver­ein­ba­rung nicht für den Über­gang von Ar­beits­verhält­nis­sen auf ei­nen an­de­ren Träger. Die Sätze 3 bis 5 lau­ten:

„Wird im Zu­sam­men­hang mit dem Über­gang von Ar­beits­verhält­nis­sen auf ei­nen an­de­ren Träger ei­ne Ver­ein­ba­rung mit ei­ner der un­ter­zeich­nen­den Ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­sen, gilt die Ver­ein­ba­rung über den Um­gang mit der Per­so­nalüber­hang­si­tua­ti­on zur Beschäfti­gungs­si­che­rung auch nicht für die Beschäftig­ten, die ei­nen Be­triebsüber­gang gem. § 613a BGB wi­der­spre­chen.

Die Part­ner die­ser Ver­ein­ba­rung ver­pflich­ten sich, bezüglich be­ab­sich­tig­ter Träger­wech­sel Ver­ein­ba­run­gen im Sin­ne des vor­ste­hen­den Ab­sat­zes in part­ner­schaft­li­chem Geis­te aus­zu­han­deln. Die For­de­rung nach Ver­ein­ba­rung ei­nes Rück­kehr­rechts nach voll­zo­ge­nem Träger­wech­sel kann nur im zwin­gen­den Aus­nah­me­fall in die­sen Ver­hand­lun­gen er­ho­ben wer­den.“

Mit Schrei­ben vom 8. Au­gust 1995 lehn­te das be­klag­te Land ge­genüber der BKK die wei­te­re Über­nah­me der Per­so­nal­kos­ten für die Führung der Kran­ken­kas­se ab. Nach § 147 Abs. 2 SGB V hat­te dies zur Fol­ge, dass die ent­spre­chen­de Be­triebs­kran­ken­kas­se spätes­tens nach Ab­lauf von drei Jah­ren die bis­her mit der Führung der Geschäfte der Kran­ken­kas­se be­auf­trag­ten Per­so­nen zu über­neh­men hat­te, wenn die­se zu­stimm­ten. An­fang 1998 un­ter­brei­te­te die BKK den im Geschäfts­be­reich der Kas­se beschäftig­ten Mit­ar­bei­tern we­gen der zum 1. Ja­nu­ar 1999 be­ab­sich­tig­ten Über­nah­me des Per­so­nals An­ge­bo­te auf Ab­schluss neu­er Ar­beits­verträge. Die­se An­ge­bo­te konn­ten von den Beschäftig­ten bis zum 25. Mai 1998 an­ge­nom­men wer­den.

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Un­ter dem 20. April 1998 schrieb der In­nen­se­na­tor des be­klag­ten Lan­des al­le vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer an und tei­le ih­nen u. a. Fol­gen­des mit:

„Vor­aus­ge­setzt, dass Sie dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die BKK B. zu­ge­stimmt ha­ben, freue ich mich, Ih­nen mit­tei­len zu können, dass der Se­nat von Ber­lin Ih­nen ein un­be­fris­te­tes Rück­kehr­recht zum Land Ber­lin für den Fall der Sch­ließung/Auflösung der BKK B. einräumt.“

Kur­ze Zeit nach Er­halt die­ses Schrei­bens schloss die Kläge­rin den ihr an­ge­bo­te­nen Ar­beits­ver­trag mit der BKK B. für die Zeit ab dem 1. Ja­nu­ar 1999 ab.

Am 12. Au­gust 1998 kam es zu ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem be­klag­ten Land ei­ner­seits und den Ge­werk­schaf­ten ÖTV und DAG an­de­rer­seits. § 2 Abs. 2 lau­tet:

„Die Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se auf Grund des § 147 Abs. 2 SGB V vom Land Ber­lin auf die BKK B. über­ge­gan­gen sind, ha­ben das Recht, im Fal­le ei­ner Ver­ei­ni­gung (§ 150 SGB V) so­weit sie selbst von Per­so­nal­frei­set­zun­gen im Zu­ge der Ver­ein­ba­rung be­trof­fen sind, ei­ner Auflösung (§ 152 SGB V) und ei­ner Sch­ließung (§ 153 SGB V) in ein Ar­beits­verhält­nis zum Land Ber­lin zurück­zu­keh­ren.

Die Se­nats­ver­wal­tung für In­ne­res wird den ge­nann­ten Ar­beit­neh­mern die Be­gründung ei­nes neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Land Ber­lin in ei­nem Auf­ga­ben­ge­biet, für das der Ar­beit­neh­mer nach sei­nen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten ge­eig­net ist, im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an das bei der BKK B. be­en­de­te Ar­beits­verhält­nis zu den für das Land Ber­lin zum Zeit­punkt der Neu­be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten­den ta­rif­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen an­bie­ten.“

Die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on der BKK war 1998 an­ge­spannt. 1999 ka­men Gerüch­te über ei­ne Sch­ließung auf.

Zum 1. Ja­nu­ar 2004 schloss sich die BKK mit der Be­triebs­kran­ken­kas­se H. zur neu­en C. BKK zu­sam­men.

Mit Schrei­ben vom 16. Ju­ni 2004 teil­te ver.di dem be­klag­ten Land auf An­fra­ge Fol­gen­des mit:

„Auf­grund die­ser Fu­si­on zum 1. Ja­nu­ar 2004 und der sie ergänzen­den ta­rif­li­chen Verständi­gung mit der C. BKK se­hen wir die Grund­la­ge der VBSV BKK als nicht mehr ge­ge­ben an, so­dass sie mit Wir­kung der Fu­si­on der BKKen in B. und H. zur C. BKK ent­behr­lich ge­wor­den ist.

… Soll­ten Sie wie wir mit dem Ein­tre­ten der Fu­si­on zum 01. Ja­nu­ar 2004 die Wir­kung der VBSV BKK vom 12. Au­gust 1998 als be­en­det an­se­hen und mit der

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unbüro­kra­ti­schen Ver­fah­rens­wei­se bezüglich ei­ner mögli­chen An­wen­dung der sinn­gemäßen Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der in der BKK B. er­brach­ten Beschäfti­gungs- und Dienst­zei­ten ein­ver­stan­den sein, bit­ten wir Sie le­dig­lich um ei­ne kur­ze schrift­li­che Bestäti­gung.“


Hier­auf er­wi­der­te das be­klag­te Land un­ter dem 21. Ju­ni 2004:

„… un­ter Be­zug­nah­me auf Ihr o. g. Schrei­ben bestäti­ge ich Ih­nen, dass mit dem Ein­tre­ten der Fu­si­on der BKK B. mit der BKK H. zur C. BKK zum 01. Ja­nu­ar 2004 die Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ver­ein­ba­rung BKK (VBSV BKK) vom 12. Au­gust 1998 als be­en­det an­ge­se­hen wird.“


Die C. BKK fu­sio­nier­te zum 1. Ja­nu­ar 2005 mit der BKK Ba. und der Be..

Durch Be­scheid vom 4. Mai 2011 ord­ne­te das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt die Sch­ließung der C. BKK zum Ab­lauf des 30. Ju­ni 2011 an.

Noch im Mai 2011 mach­te die Kläge­rin ge­genüber dem be­klag­ten Land ein Rück­kehr­recht schrift­lich gel­tend. Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge ver­folgt sie die­ses Ziel wei­ter.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich die An­sicht ver­tre­ten, das Rück­kehr­recht ste­he ihr ins­be­son­de­re auf Grund des Schrei­bens des In­nen­se­na­tors vom 20. April 1998 zu.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, ihr An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags ab dem 01.07.2011 an­zu­neh­men und sie ab dem 01.07.2011 zu den Be­din­gun­gen, die sie auf­grund des ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom 02.08.1993 zum Zeit­punkt des 31.12.1998 be­stan­den, wie­der zu beschäfti­gen;

2. hilfs­wei­se, das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, sie gem. § 2 Abs. 2 der Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ver­ein­ba­rung BKK vom 12.08.1998, ab­ge­schlos­sen zwi­schen der Be­klag­ten und den Ge­werk­schaf­ten ÖTV und DAG, ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit dem Land Ber­lin zu un­ter­brei­ten.


Das be­klag­te Land hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.


Das be­klag­te Land hat erst­in­stanz­lich ge­meint, dass ein Rück­kehr­recht schon mit der ers­ten Fu­si­on am 1. Ja­nu­ar 2004 un­ter­ge­gan­gen sei, denn ei­ne Fu­si­on stel­le nach §§ 144, 150

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SGB V ei­ne Sch­ließung dar. Das Rück­kehr­recht sei nur auf Umstände bei der BKK B. be­zo­gen ge­we­sen und könne nicht auf de­ren Rechts­nach­fol­ger er­streckt wer­den.

Mit Ur­teil vom 15. No­vem­ber 2011 hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge mit dem Haupt­an­trag statt­ge­ge­ben. Es hat hier­zu im We­sent­li­chen aus­geführt, dass die Zu­sa­ge ei­nes Rück­kehr­rechts im Schrei­ben vom 20.04.1998 un­ter Berück­sich­ti­gung des Sinn und Zwecks nicht nur auf die Sch­ließung der BKK B., son­dern auch auf die der Rechts­nach­fol­ge­rin be­zo­gen sei. So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Fein­hei­ten bezüglich Fu­sio­nie­run­gen sei­en den Ar­beit­neh­mern in der Re­gel nicht be­kannt. Durch das Schrei­ben des Se­na­tors soll­te be­wirkt wer­den, dass die Ar­beit­neh­mer dem Über­gang ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se nichts in den Weg le­gen und dafür im Ge­gen­zug die Si­cher­heit er­hal­ten, dass ih­nen un­be­fris­tet die Möglich­keit zu­steht, im Fall der Auflösung oder Sch­ließung ih­res neu­en Ar­beit­ge­bers zum si­che­ren Ar­beit­ge­ber Land Ber­lin zurück­keh­ren zu können. Ei­ne an­der­wei­ti­ge Aus­le­gung des Schrei­bens vom 20. April 1998 würde zu dem Er­geb­nis führen, dass selbst die Fu­si­on der BKK mit ei­ner be­lie­big klei­nen Kran­ken­kas­se für ei­nen be­lie­big kur­zen Zeit­raum das Rück­kehr­recht zum Erlöschen ge­bracht hätte. Dies gel­te um­so mehr, da der Se­na­tor ein „un­be­fris­te­tes Rück­kehr­recht“ ein­geräumt ha­be.

Hier­ge­gen wen­det sich die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des. Es ist der An­sicht, dass die Kla­ge un­zulässig sei, da das Kla­ge­be­geh­ren un­be­stimmt sei. Die Kla­ge sei auch un­be­gründet. Es ha­be kei­nen übe­rein­stim­men­den Wil­len ge­ge­ben, dass die er­teil­te Zu­sa­ge auch nach ei­ner Fu­si­on für die dann ent­ste­hen­den Be­triebs­kran­ken­kas­sen gel­ten soll­te. Auch müsse die wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen­la­ge des Erklären­den berück­sich­tigt wer­den. Man ha­be nicht das wirt­schaft­li­che Ri­si­ko, das sich bei an­de­ren Be­triebs­kran­ken­kas­sen oder Rechts­nach­fol­gern nach ei­ner Fu­si­on er­ge­be, über­neh­men wol­len, da in die­sen Fällen nur ge­rin­ge Ein­flussmöglich­kei­ten über den Ver­wal­tungs­rat bestünden. Fer­ner sei das Mo­tiv der Kläge­rin zu berück­sich­ti­gen. Die­se ha­be ih­re Tätig­keit wei­ter ausüben wol­len. Wei­ter­hin sei die Vergütung höher ge­we­sen. Auch das Ver­hal­ten von ver.di und der Se­nats­ver­wal­tung für In­ne­res nach Ver­trags­schluss be­zo­gen auf die VBSV spre­che für die­se Aus­le­gung. In den ent­spre­chen­den Schrei­ben hätten die Par­tei­en zum Aus­druck ge­bracht, dass nach der Fu­si­on in 2004 die VBSV be­en­det wor­den sei. Ei­ne Aus­le­gung über den Wort­laut des Schrei­bens vom 20. April 1998 hin­aus käme nicht in Be­tracht.

Das be­klag­te Land be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin – 16 Sa 10557/11 – vom 15. No­vem­ber 2011 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

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Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen;

2. hilfs­wei­se für den Fall, dass die Be­ru­fung nicht zurück­ge­wie­sen wird, weil die Be­ru­fungs­kam­mer die Be­den­ken des be­klag­ten Lan­des zur Zulässig­keit der Kla­ge teilt und/oder die Kla­ge für un­be­gründet hält we­gen des an­geb­lich feh­len­den An­spruchs der Kläge­rin auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu den Be­din­gun­gen ih­res al­ten Ar­beits­ver­tra­ges;

das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, das An­ge­bot der Kläge­rin auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges als An­ge­stell­te be­gin­ne mit dem 01.07.2011 in Voll­zeittätig­keit mit Vergütung nach Vergütungs­grup­pe VI b BAT nach Maßga­be des Ta­rif­ver­tra­ges zur An­glei­chung des Ta­rif­rechts des Lan­des Ber­lin an das Ta­rif­recht der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder (An­glei­chungs-TV Land Ber­lin) vom 14.10.2010 an­zu­neh­men und sie wie­der zu beschäfti­gen.


Das be­klag­te Land be­an­tragt auch hin­sicht­lich die­ses Hilfs­an­tra­ges,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin hält das erst­in­stanz­li­che Ur­teil für zu­tref­fend.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des hat in vol­lem Um­fang Er­folg. Das erst­in­stanz­li­che Ur­teil war da­her ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

A.

Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Hin­sicht­lich der ein­zel­nen Da­ten wird auf die Fest­stel­lun­gen in der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 23.05.2012 ver­wie­sen.

B.

Die Be­ru­fung ist auch be­gründet, denn die Sch­ließung der C. BKK hat nicht zur Fol­ge, dass der Kläge­rin ein Rück­kehr­recht zum be­klag­ten Land zu­steht.

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I.

Die Kla­ge ist zulässig. Sie ist auch hin­rei­chend be­stimmt i.S.d. § 253 ZPO. Der Haupt­an­trag ist hin­rei­chend be­stimmt, da hin­sicht­lich der Ar­beits­be­din­gun­gen auf den In­halt des ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en Be­zug ge­nom­men wird. Auch der ers­te Hilfs­an­trag ist hin­rei­chend be­stimmt. In­so­fern ver­langt die Kläge­rin vom be­klag­ten Land die Ab­ga­be ei­nes An­ge­bots auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges gemäß den nähe­ren Be­din­gun­gen der Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ver­ein­ba­rung BKK.


II.

Die Kla­ge ist je­doch nicht be­gründet. Das be­klag­te Land ist schon des­we­gen nicht zu ei­nem Ver­trags­schluss mit der Kläge­rin ver­pflich­tet, weil die Sch­ließung der C. BKK kein Rück­kehr­recht der Kläge­rin be­gründet hat. Da­her wa­ren die kläge­ri­schen Anträge – egal in wel­cher Form – ab­zu­wei­sen.

1. Das Rück­kehr­recht er­gibt sich nicht aus der VBSV vom 12.08.1998.

Das dort ge­re­gel­te Rück­kehr­recht be­trifft nur Umstände, die bei der BKK B. ein­tre­ten. Verände­run­gen bei Rechts­nach­fol­gern der BKK wer­den nicht er­fasst.

Schon § 1 re­gelt hin­sicht­lich des An­wen­dungs­be­reichs „den Über­gang der Ar­beit­neh­mer des Lan­des Ber­lin auf die Be­triebs­kran­ken­kas­se des Lan­des Ber­lin (BKK B.)“. Wei­te­re Übergänge auf Rechts­nach­fol­ger der BKK wer­den ge­ra­de nicht erwähnt, ob­wohl die Par­tei­en – wie es sich aus § 2 Abs. 2 VBSV er­gibt – die Pro­ble­ma­tik ei­ner Fu­si­on nach § 150 SGB V durch­aus ge­se­hen ha­ben.

Auch aus an­de­ren Re­ge­lun­gen er­gibt sich, dass die VBSV nur Umstände bei der BKK re­geln woll­te. So hat nach § 2 Abs. 2 Satz 2 die ent­spre­chen­de Se­nats­ver­wal­tung den Ar­beit­neh­mern, de­nen ein Rück­kehr­recht zu­steht, „im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an das bei der BKK B. be­en­de­te Ar­beits­verhält­nis“ ein neu­es Ar­beits­verhält­nis an­zu­bie­ten. Von wei­te­ren Rechts­nach­fol­gern ist kei­ne Re­de. Nach § 2 Abs. 4 muss der rück­kehr­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer spätes­tens sechs Wo­chen „vor der Be­en­di­gung sei­nes mit der BKK B. be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses“ sei­ne Wie­der­ein­stel­lung schrift­lich be­an­tra­gen.

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Aus all dem er­gibt sich, dass nur Re­ge­lun­gen für die BKK und nicht für wei­te­re Rechts­nach­fol­ger ge­trof­fen wur­den. Hierfür spricht auch Nr. 2 Abs. 3 Satz 5 der „Ver­ein­ba­rung über den Um­gang mit der Per­so­nalüber­hang­si­tua­ti­on zur Beschäfti­gungs­si­che­rung“. Da­nach kann die For­de­rung nach Ver­ein­ba­rung ei­nes Rück­kehr­rechts nach voll­zo­ge­nem Träger­wech­sel „nur im zwin­gen­den Aus­nah­me­fall“ er­ho­ben wer­den. Gem. § 3 VBSV ist die VBSV ei­ne Ver­ein­ba­rung über den Um­gang mit der Per­so­nalüber­hang­si­tua­ti­on. Wenn schon beim ers­ten Träger­wech­sel, al­so auf die BKK B. als öffent­lich recht­li­che Körper­schaft, ein Rück­kehr­recht für die Zeit da­nach nur re­strik­tiv zu ver­ein­ba­ren war, dann kann auch des­we­gen ein Rück­kehr­recht bei Rechts­nach­fol­gern nur bei ganz be­son­de­ren Umständen an­ge­nom­men wer­den, die sich je­doch in der VBSV nicht nie­der­ge­schla­gen ha­ben.

Auch der Schrift­wech­sel zwi­schen ver.di und der Se­nats­ver­wal­tung für I. ver­deut­licht, dass die ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en da­von aus­gin­gen, dass die VBSV kei­ne Grund­la­ge für Umstände bie­ten soll­te, die mögli­cher­wei­se später bei der C. BKK ein­tre­ten würden. Auch die Se­nats­ver­wal­tung für I. sieht we­gen der Fu­si­on die VBSV „als be­en­det“ an. Für die Zu­kunft wird zwi­schen den Par­tei­en nur noch ge­re­gelt, wel­che Zei­ten als Beschäfti­gungs- und Dienst­zeit dann an­zu­rech­nen ist, wenn die ursprüng­lich über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer – aus wel­chen Gründen auch im­mer – zum Land Ber­lin zurück­keh­ren.

2. Das Rück­kehr­recht er­gibt sich auch nicht aus der Ge­samt­zu­sa­ge des be­klag­ten Lan­des in Ge­stalt des Schrei­bens vom 6. April 1998. Das dort ge­re­gel­te Rück­kehr­recht be­trifft eben­falls nur Umstände, die bei der BKK B. ein­tre­ten. Verände­run­gen bei Rechts­nach­fol­gern der BKK wer­den nicht er­fasst.

2.1 Ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge ist ein an al­le Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­trie­bes oder ein nach abs­trak­ten Merk­ma­len be­stimm­ten Teil von ih­nen in all­ge­mei­ner Form ge­rich­te­te aus­drück­li­che Erklärung des Ar­beit­ge­bers, be­stimm­te Leis­tun­gen er­brin­gen zu wol­len. Ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me die­ser Erklärung wird nicht er­war­tet. Sie er­folgt viel­mehr gem. § 151 BGB (BAG, 23.09.2009 – 5 AZR 628/08 – ju­ris Rd­nr. 22).

Ei­ne sol­che Ge­samt­zu­sa­ge liegt hier vor. Der Se­nat von Ber­lin hat das Rück­kehr­recht al­len bei der Be­triebs­kran­ken­kas­se beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern ein­geräumt. Hierüber hat der In­nen­se­na­tor in gleich­lau­ten­den Schrei­ben an al­le Ar­beit­neh­mer in­for­miert. Ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me die­ses Ver­trags­an­ge­bo­tes war nach § 151 BGB ent­behr­lich.

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2.2 Die Ge­samt­zu­sa­ge stellt gleich­zei­tig ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung dar (§ 305 Abs. 1 Satz 1 BGB).

Die Be­din­gun­gen des Rück­kehr­rechts wa­ren vom be­klag­ten Land vor­for­mu­liert und für ei­ne Viel­zahl von Verträgen mit den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mern ge­stellt wor­den.

In­so­fern un­ter­lie­gen die Be­din­gun­gen ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge auch ei­ner In­halts­kon­trol­le nach §§ 305 ff. BGB (ErfK–Preis §§ 305-310 BGB Rd­nr. 22).

2.3 Ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge ist nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wird, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners zu­grun­de zu le­gen sind. Von Be­deu­tung ist auch der von den Ver­trags­part­nern ver­folg­te ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck (BAG 17.01.2012 – 3 AZR 135/10 Rd­nr. 25).

Glei­ches gilt für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen „sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­se der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die nicht am Wil­len der kon­kre­ten Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist der Wort­laut ei­nes For­mu­lar­ver­tra­ges nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. Von Be­deu­tung für das Aus­le­gungs­er­geb­nis sind fer­ner der von den Ver­trags­par­tei­en ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck so­wie der je­weils an­de­ren Sei­te er­kenn­ba­re In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten.“ (BAG 23.02.2011 – 10 AZR 101/10 – NZA – RR 2012, 122; ju­ris Rd­nr. 22).

- 11 -

2.4 Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze ist nach An­sicht der hie­si­gen Kam­mer fest­zu­stel­len, dass sich das zu­ge­sag­te Rück­kehr­recht nur auf ei­ne Sch­ließung/Auflösung der BKK be­zieht und nicht auf Umstände bei späte­ren Rechts­nach­fol­gern.

2.4.1 Schon der Ver­trags­wort­laut be­zieht sich nur auf „den Fall der Sch­ließung/Auflösung der BKK B.“. Ir­gend­wel­che Rechts­nach­fol­ger wer­den nicht an­ge­spro­chen, sind so­mit vom Ver­trags­wort­laut auch nicht ge­meint.

2.4.2 Selbst wenn man den Ver­trags­wort­laut nicht als ein­deu­tig an­se­hen will, dann ist aus der Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se eben­falls nicht fest­stell­bar, dass Rechts­nach­fol­ger mit ein­ge­schlos­sen sein soll­ten.

a) Im In­ter­net sind et­li­che Ent­schei­dun­gen zu fin­den, die Re­ge­lun­gen zu ei­nem Rück­kehr­recht ent­hal­ten.

Wohl am häufigs­ten an­zu­tref­fen, sind Re­ge­lun­gen bei der Deut­schen T.. Das Rück­kehr­recht be­zieht sich auf die „Ka­bel­ge­sell­schaft bzw. Rechts­nach­fol­ger“ (BAG, 19.10.2011 – 7 AZR 672/10 – BB 2012, 1088; ju­ris Rd­nr. 4 f).

Die Freie und Han­se­stadt H. ver­pflich­tet sich, ehe­ma­li­ge Ar­beit­neh­mer dann wie­der zu beschäfti­gen, wenn nach erst­ma­li­ger Aus­glie­de­rung auf ei­ne An­stalt (BAG, 19.10.2011
– 5 AZR 138/10 – ju­ris Rd­nr. 3), ein Un­ter­neh­men (BAG, 22.10.2009 – 8 AZR 286/08 – ju­ris Rd­nr. 2) oder ei­ne Stif­tung (LAG Ham­burg, 30.07.2009 – 7 Sa 62/08 – ju­ris Rd­nr. 5) ei­ne wei­te­re Überführung „in ei­ne an­de­re Träger­schaft oh­ne Mehr­heits­be­tei­li­gung der Frei­en und Han­se­stadt H.“ statt­fin­det. Glei­ches gilt für den Fall der Veräußerung der Mehr­heits­be­tei­li­gung an ei­ner GmbH (LAG Ham­burg, 02.02.2010 – 4 Sa 38/09 – ju­ris Rd­nr. 6).

Das Land Ber­lin si­cher­te in 1995 per Ge­setz „für den Zeit­raum von drei Jah­ren“ ein Rück­kehr­recht „im Fal­le ei­ner Rechts­formände­rung der An­stalt“ zu (LAG Ber­lin, 07.01.2007 – 13 Sa 1927/04 – ju­ris Rd­nr. 6).

Im Be­reich der Pri­vat­wirt­schaft si­cher­te ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft ein Wie­der­ein­tritts­recht zu, falls das neue Un­ter­neh­men „von an­de­ren Ei­gentümern über­nom­men oder auf­gelöst wur­de bzw. die Pro­dukt­li­nie ein­ge­stellt wird“ (BAG, 14.01.2004 – 7 AZR 311/03 – ju­ris Rd­nr. 4).

- 12 -

Ei­ne an­de­re Ak­ti­en­ge­sell­schaft ga­ran­tiert in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ein Rück­kehr­recht „so­fern ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung in­ner­halb der neu­en Ge­sell­schaft aus be­trieb­li­chen Gründen nicht mehr möglich ist“ (LAG Rhein­land-Pfalz, 10.05.2011 – 1 Sa 656/10 – ju­ris Rd­nr. 8). Das LAG Rhein­land-Pfalz hat hier­zu ent­schie­den, dass ei­ne Rück­nah­me­ver­pflich­tung bei ei­nem Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf späte­re Rechts­nach­fol­ger nicht be­ste­he (aaO Rd­nr. 65). Erst viel späte­re schrift­li­che Zu­sa­gen an­ge­sichts der ge­plan­ten wei­te­ren Aus­glie­de­rung hätten zur Wei­ter­gel­tung der Rück­kehr­zu­sa­ge geführt (eben­da).

b) All dies zeigt, dass die be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se sehr wohl in der La­ge sind zu er­ken­nen, dass für den Fall wei­te­rer Recht­sträger­wech­sel Vor­sor­ge ge­trof­fen wer­den kann. Dar­aus ist um­ge­kehrt zu schluss­fol­gern, dass – wie hier – bei Feh­len ei­ner Re­ge­lung zu Si­tua­tio­nen bei Rechts­nach­fol­gern die­se in das Rück­kehr­recht nicht ein­be­zo­gen sind.

2.4.3 Auch bei Berück­sich­ti­gung von Sinn und Zweck der Re­ge­lung ist nach der hier ver­tre­te­nen An­sicht kein an­de­res Er­geb­nis zu recht­fer­ti­gen.

Der Sinn und Zweck ei­nes ein­geräum­ten Rück­kehr­rechts be­steht dar­in, den je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer von mögli­chen Nach­tei­len, die mit dem Ar­beit­ge­ber­wech­sel ver­bun­den sein könn­ten, zu schützen (BAG, 14.01.2004 – 7 AZR 311/03 – ju­ris Rd­nr. 24) und sie ggf. da­mit zu ei­nem Wech­sel zu be­we­gen.

Un­be­strit­ten be­fan­den sich die hie­si­gen Ar­beit­neh­mer bei dem be­klag­ten Land in sehr si­che­ren Ar­beits­verhält­nis­sen, je­den­falls was den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses an­ging. Hätten sie je­doch die er­for­der­li­che Zu­stim­mung gem. § 147 Abs. 2 Satz 6 SGB V zum Ar­beit­ge­ber­wech­sel nicht er­teilt, hätte für sie der ehe­ma­li­ge Ar­beits­platz nicht wei­ter zur Verfügung ge­stan­den. An­ge­sichts der Per­so­nalüber­hang­si­tua­ti­on beim be­klag­ten Land in die­ser Zeit hätten die­se Ar­beit­neh­mer dann da­mit rech­nen müssen, ir­gend­wo ein­ge­setzt zu wer­den, im Ex­trem­fall beim un­be­lieb­ten So­zi­al­amt. In­so­fern hat­ten die Ar­beit­neh­mer durch­aus ein Ei­gen­in­ter­es­se dar­an, zur BKK zu wech­seln, was mögli­cher­wei­se auch da­durch ge­stei­gert wur­de, dass die Vergütung
– ent­spre­chend dem Vor­trag des be­klag­ten Lan­des – dort höher war.

Ge­gen ei­nen Wech­sel sprach aus Sicht der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer die wirt­schaft­lich un­ge­si­cher­te La­ge bei der BKK. In­so­fern schien ei­ne Sch­ließung/Auflösung der BKK je­den­falls als möglich, was den Ver­lust des Ar­beits­verhält­nis­ses mit ein­ge­schlos­sen hätte.

- 13 -

Selbst wenn aus die­sem Sze­na­rio die Not­wen­dig­keit ab­ge­lei­tet wird, dass das be­klag­te Land den Ar­beit­neh­mern at­trak­ti­ve An­ge­bo­te hätte un­ter­brei­ten müssen, so be­sagt dies nichts darüber, wie weit die An­ge­bo­te zu ge­hen hätten.

Die Ab­si­che­rung bezüglich ei­ner Sch­ließung bei der BKK ist durch­aus ein at­trak­ti­ves An­ge­bot. Hier­bei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Einräum­ung des Rück­kehr­rechts an­de­re na­he lie­gen­de Ri­si­ken des Ar­beits­platz­ver­lus­tes nicht ab­deck­te (vgl. in­so­fern BAG, 14.01.2004 – 7 AZR 311/03 – ju­ris Rd­nr. 24). Die Ge­samt­zu­sa­ge schloss be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen durch die BKK nicht aus, die an­ge­sichts der wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on durch­aus rea­lis­tisch wa­ren. Wenn selbst sol­che na­he lie­gen­den Ri­si­ken nicht ab­ge­deckt wer­den, dann fehlt es auch an An­halts­punk­ten, über den Wort­laut hin­aus die Ab­si­che­rung von Ri­si­ken selbst bei wei­te­ren Rechts­nach­fol­gern in die­se Zu­sa­ge hin­ein zu in­ter­pre­tie­ren.

Die Si­tua­ti­on nach ei­ner Fu­si­on ähnelt in der Re­gel auch nicht der Aus­gangs­si­tua­ti­on bei der BKK. Fu­sio­nen er­fol­gen auf frei­wil­li­ger Ba­sis. Re­gelmäßig wird da­mit das Ziel ver­folgt, durch Sy­ner­gie­ef­fek­te die wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen zu stärken. Die Ge­fahr ei­ner Sch­ließung rückt da­mit in wei­te­re Fer­ne. Eben­falls schwin­det die Ein­flussmöglich­keit des be­klag­ten Lan­des auf die­se neue Be­triebs­kran­ken­kas­se, da die Re­präsen­tanz im Ver­wal­tungs­rat der Kran­ken­kas­se ab­nimmt. An­ge­sichts die­ser Si­tua­ti­on und der In­ter­es­sen­la­ge des be­klag­ten Lan­des hätte es ganz be­son­de­re An­halts­punk­te be­durft, um an­neh­men zu können, dass das be­klag­te Land ein Rück­kehr­recht im Fal­le der Sch­ließung bei ei­nem Rechts­nach­fol­ger hätte einräum­en wol­len. Die­se sind nach hie­si­ger Auf­fas­sung nicht ge­ge­ben.

Ei­ne an­de­re In­ter­pre­ta­ti­on der Rück­kehr­klau­sel lässt sich auch nicht da­mit be­gründen, dass das be­klag­te Land an­de­ren­falls je­der­zeit die Möglich­keit be­ses­sen hätte, sich durch ei­ne auch nur kurz­zei­tig nach dem Per­so­nalüber­gang statt­fin­den­de Fu­si­on mit ei­ner an­de­ren Be­triebs­kran­ken­kas­se von der Ver­pflich­tung ge­genüber den über­ge­gan­ge­nen Mit­ar­bei­tern zu lösen. Pro­ble­ma­tisch wäre dies nur, wenn an­sch­ließend ei­ne Sch­ließung der neu ge­gründe­ten Kran­ken­kas­se stattfände. Es be­ste­hen schon er­heb­li­che Be­den­ken, ob dies an­ge­sichts des Er­for­der­nis­ses der Zu­stim­mung der Auf­sichts­behörde zu ei­ner Fu­si­on rea­lis­tisch ist. Im Übri­gen wäre solch ein Vor­ge­hen auch dem Ein­wand des Rechts­miss­brauchs aus­ge­setzt.

2.4.4 So­weit das Rück­kehr­recht als „un­be­fris­tet“ be­zeich­net wird, führt dies eben­falls nicht zu ei­ner an­de­ren Aus­le­gung. Da­mit wird nur die Ab­gren­zung zu den in der Pra­xis nicht unübli­chen be­fris­te­ten Rück­kehr­rech­ten vor­ge­nom­men. Dies be­trifft die zeit­li­che Di­men­si­on,

- 14 -

nicht die Be­din­gun­gen des Rück­kehr­rechts. Für ei­nen durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ner war dies auch er­kenn­bar.

2.4.5 Für das hier vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gungs­er­geb­nis spricht in­di­rekt auch die Ent­wick­lung nach Ver­trags­schluss. In der VBSV vom 12.08.1998 wird das Rück­kehr­recht nur auf Umstände be­zo­gen, die bei der BKK ein­tre­ten. Ei­ne der­ar­ti­ge Be­schränkung in ei­ner Ver­ein­ba­rung mit den Ge­werk­schaf­ten macht je­doch kei­nen Sinn, wenn ver­meint­lich vier Mo­na­te vor­her das be­klag­te Land al­len in­ter­es­sier­ten Ar­beit­neh­mern ein Rück­kehr­recht auch be­zo­gen auf Umstände ein­geräumt hätte, die sich auf Rechts­nach­fol­ger be­zie­hen.

Aus den glei­chen Gründen ist auch die In­ter­pre­ta­ti­on des be­klag­ten Lan­des nicht nach­voll­zieh­bar, dass die Ge­samt­zu­sa­ge in Ge­stalt des Schrei­bens vom 20. April 1998 auch den Fall ei­ner Fu­si­on um­fas­sen sol­le. War­um soll in der VBSV ein Rück­kehr­recht trotz ei­ner der­art wei­ten Zu­sa­ge dann nur be­ste­hen, wenn die Fu­si­on mit Per­so­nal­ab­bau ver­bun­den ist und die ent­spre­chen­den Ar­beit­neh­mer da­von be­trof­fen wer­den?

2.4.6 Die hier vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung ent­spricht auch den Er­geb­nis­sen der Recht­spre­chung in ähn­li­chen Fällen. Wird ein Rück­kehr­recht bei Ein­tritt von Be­din­gun­gen bei ei­ner kon­kret be­zeich­ne­ten Ge­sell­schaft ein­geräumt, dann er­streckt die Recht­spre­chung die­se Wir­kun­gen nicht auf wei­te­re Rechts­nach­fol­ger (BAG, 14.01.2004 – 7 AZR 311/03 – ju­ris Rd­nr. 24; LAG Rhein­land-Pfalz, 10.05.2011 – 1 Sa 656/10 – ju­ris Rd­nr. 65).

3. Da der Kläge­rin ein Rück­kehr­recht nicht zu­steht, ist das be­klag­te Land nicht ver­pflich­tet, das An­ge­bot der Kläge­rin auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges an­zu­neh­men. Der ers­te Hilfs­an­trag ist eben­falls nicht be­gründet. So ist das be­klag­te Land man­gels Rück­kehr­recht auch nicht ver­pflich­tet, der Kläge­rin ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu un­ter­brei­ten.

Der von der Kläge­rin mit Schrift­satz vom 10.05.2012 erst­mals er­ho­be­ne wei­te­re Hilfs­an­trag ist nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len, da die hierfür von ihr auf­ge­stell­ten Be­din­gun­gen nicht zu­tref­fen. Die Be­ru­fungs­kam­mer hält die Kla­ge für zulässig. Die Be­gründet­heit der Kla­ge schei­tert auch nicht al­lein dar­an, dass statt des Ab­schlus­ses ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu den ursprüng­li­chen Be­din­gun­gen die Kon­kre­ti­sie­rung der Be­din­gun­gen ent­spre­chend dem nun­mehr ge­stell­ten Hilfs­an­trag hätten er­fol­gen müssen.

- 15 -

C.

Die Kläge­rin hat als un­ter­le­ge­ne Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§ 91 ZPO).

Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG zu­zu­las­sen, da mit die­ser Ent­schei­dung von den Ur­tei­len der Kam­mern 4, 14, 8 und 6 des hie­si­gen Lan­des­ar­beits­ge­richts ab­ge­wi­chen wird.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt
(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

- 16 -

und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Für das be­klag­te Land ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gem. § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
 

Hin­weis der Geschäfts­stel­le
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.


K.  

Z.  

K. (für Sp.)

 

- 17 -

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
15 Sa 180/12 und
16 Ca 10557/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin  

Be­schluss

In Sa­chen

pp


wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 23.05.2012 – 15 Sa 180/12 – wie folgt be­rich­tigt:

Auf Sei­te 3, Zei­le 9 muss es statt „Ver­ein­ba­rung“ rich­tig „Ver­ei­ni­gung“ heißen.

Es han­delt sich um ei­nen Schreib­feh­ler, der nach § 319 Abs. 1 ZPO zu be­rich­ti­gen sind.

Ber­lin, den 3. Au­gust 2012
Kam­mer 15

Der Vor­sit­zen­de
K.
Vor­sit­zen­der Rich­ter
am Lan­des­ar­beits­ge­richt 


 

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zur Übersicht 15 Sa 180/12  

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