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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Außerordentliche Kündigung, Eidesstattliche Versicherung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 18 Sa 1663/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 29.05.2015
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Paderborn, Urteil vom 24.10.2014, 3 Ca 1013/14
   

Te­nor:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 24.10.2014 – 3 Ca 1013/14 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung.

Die Be­klag­te will die streit­be­fan­ge­ne Kündi­gung dar­auf stützen, dass der Kläger im Rah­men ei­nes einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens, das zwi­schen den Par­tei­en anhängig war, ei­ne un­rich­ti­ge ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben ha­be.

Der 1955 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 01.10.1984 bei der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgänge­rin gemäß den Re­ge­lun­gen des Dienst­ver­tra­ges vom 27.01.1985 so­wie der Ergänzung zum Dienst­ver­trag vom 21.09.1989 als lei­ten­de Pfle­ge­kraft bzw. Pfle­ge­dienst­lei­ter mit ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ent­gelt in Höhe von 5.516,64 € beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den kraft ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me die Richt­li­ni­en für Ar­beits­verträge in Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des (AVR) An­wen­dung.

Der Kläger übte sei­ne Tätig­keit als Pfle­ge­dienst­lei­ter zunächst im W-Hos­pi­tal aus. Im Jahr 2010 er­folg­te ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Zu­sam­menführung der Kran­kenhäuser W, K, B und T. Über­ge­ord­ne­ter Pfle­ge­di­rek­tor in Per­so­nal­uni­on mit der Pfle­ge­dienst­lei­tung für die Häuser Bund T wur­de Herr P. Zum 01.01.2013 fu­sio­nier­ten die vor­ge­nann­ten vier Kran­kenhäuser. Da­mit ein­her­ge­hend struk­tu­rier­te die Be­klag­te die Pfle­ge­dienst­lei­tung der­ge­stalt um, dass die Funk­ti­on ei­nes Pfle­ge­dienst­lei­ters für al­le vier Kran­kenhäuser ge­mein­sam ein­ge­rich­tet wur­de. Da der Mit­ar­bei­ter P zum 30.09.2012 kündig­te, war die Stel­le des Pfle­ge­dienst­lei­ters für al­le vier Häuser va­kant. Ab dem 01.10.2012 über­trug die Be­klag­te dem Kläger die­se Funk­ti­on pro­be­wei­se für ein Jahr. Für die­se Zeit soll­te der Kläger ei­ne Zu­la­ge in Höhe des Un­ter­schieds­be­tra­ges zwi­schen der Ent­gelt­grup­pe 11 a und 12 der An­la­ge 31 zu den AVR er­hal­ten. Die Be­klag­te in­for­mier­te den Kläger mit Schrei­ben vom 02.08.2012 darüber, dass sie nach ei­nem Drei­vier­tel­jahr endgültig ent­schei­den wer­de, ob dem Kläger die­se Stel­le auf Dau­er über­tra­gen wer­de. Mit Schrei­ben vom 11.09.2013 teil­te die Be­klag­te dem Kläger mit, dass die pro­be­wei­se Über­tra­gung der Funk­ti­on des Pfle­ge­dienst­lei­ters für die vier Kran­kenhäuser um ein hal­bes Jahr bis zum 31.03.2014 verlängert wer­de. Aus der Funk­ti­ons­be­schrei­bung der Pfle­ge­dienst­lei­tung im Kran­ken­haus er­gibt sich, dass die Pfle­ge­dienst­lei­tung für die Or­ga­ni­sa­ti­on des Per­so­nal­ein­sat­zes zuständig ist.

Im Be­reich der Pfle­ge beschäftigt die Be­klag­te ne­ben ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern auch Ser­vice­kräfte ei­nes Un­ter­neh­mens der E-Grup­pe. Die­se Ser­vice­kräfte wer­den für ein­fa­che Tätig­kei­ten im Pfle­ge­be­reich, wie bei­spiels­wei­se Es­sens­trans­port, ein­ge­setzt. Nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten han­delt es sich bei dem Ein­satz die­ser Ser­vice­kräfte um Ar­beit­neh­merüber­las­sung auf der Grund­la­ge ei­ner Rah­men­ver­ein­ba­rung, die mit dem Drit­t­un­ter­neh­men ab­ge­schlos­sen und durch quar­tals­wei­se ge­trof­fe­ne Kon­tin­gent­ver­ein­ba­run­gen aus­gefüllt wur­de, wo­bei der Kläger zu ent­schei­den hat­te, ob der Per­so­nal­be­darf durch ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter (un­ter Ausschöpfung von Zeit­kon­ten oder Ein­stel­lung neu­er Ar­beit­neh­mer) oder durch Ser­vice­kräfte des Drit­t­un­ter­neh­mens ab­ge­deckt wur­de. Der Kläger er­hielt, so hat die Be­klag­te wei­ter vor­ge­tra­gen, die Vor­ga­be, dass er ein Kon­tin­gent in Höhe von ins­ge­samt 400 Pfle­ge­kräften (be­ste­hend aus ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern und Ser­vice­kräften des Drit­t­un­ter­neh­mens) nicht zu über­schrei­ten ha­be.

In ei­nem am 25.02.2014 geführ­ten Gespräch teil­te die Be­klag­te dem Kläger mit, dass ei­ne dau­er­haf­te Über­tra­gung der Auf­ga­ben als Pfle­ge­dienst­lei­tung für al­le vier Kran­kenhäuser nicht er­fol­gen wer­de. Mit Schrei­ben vom 31.03.2014 teil­te die Be­klag­te dem Kläger so­dann schrift­lich mit, dass die be­fris­tet über­tra­ge­ne Führungs­po­si­ti­on mit Ab­lauf des 31.03.2014 und da­mit auch die dem Kläger nach § 18 Abs. 3 An­la­ge 31 AVR gewähr­te Zu­la­ge ent­fal­le. Zu­gleich erklärte die Be­klag­te ge­genüber dem Kläger die Kündi­gung des Dienst­verhält­nis­ses aus sons­ti­gen wich­ti­gen Gründen zum Zwe­cke der Her­ab­grup­pie­rung um ei­ne Ent­gelt­grup­pe zum Ab­lauf des 30.09.2014, hilfs­wei­se zum nächst zulässi­gen Ter­min. Sie bot dem Kläger zu­gleich die Fort­set­zung des Dienst­verhält­nis­ses zu geänder­ten Ver­trags­be­din­gun­gen ab dem 01.10.2014 als Kran­ken­pfle­ger in der mo­bi­len Pfle­ge der Ca­ri­tas Pfle­ge­sta­ti­on im Be­reich Süd mit der Vergütungs­grup­pe KR 10 an. Mit Schrei­ben vom 01.04.2014 teil­te der Kläger der Be­klag­ten mit, dass er der Wei­sung der Be­klag­ten, als Kran­ken­pfle­ger in der mo­bi­len Pfle­ge tätig zu wer­den, nur un­ter Vor­be­halt Fol­ge leis­te. Zu­gleich nahm der Kläger das mit der Ände­rungskündi­gung un­ter­brei­te­te An­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung an. Ge­gen die Ände­rungskündi­gung er­hob der Verfügungskläger Ände­rungs­schutz­kla­ge beim Ar­beits­ge­richt Pa­der­born (Ak­ten­zei­chen: 1 Ca 545/14).

Zu­dem for­der­te der Kläger in ei­nem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Pa­der­born (Ak­ten­zei­chen: 2 Ga 4/14) im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes, wei­ter­hin als Pfle­ge­dienst­lei­ter beschäftigt zu wer­den. In die­sem Ver­fah­ren hat die Be­klag­te vor­ge­tra­gen, der Kläger ha­be sich auf der ihm über­tra­ge­nen Stel­le als Pfle­ge­dienst­lei­tung für sämt­li­che Ein­rich­tun­gen nicht bewährt und die Auf­ga­ben ei­nes Ge­samt­pfle­ge­lei­ters nicht ord­nungs­gemäß wahr­ge­nom­men. Da­bei hat die Be­klag­te u.a. mo­niert, der Kläger ha­be im Jahr 2013 den Ein­satz von 423,39 Voll­kräften ver­an­lasst und da­mit die Höchst­vor­ga­be von 400 Kräften deut­lich über­schrit­ten. Mit Ur­teil vom 10.04.2014 hat die 2. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born den An­trag des Klägers auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zurück­ge­wie­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat zur Be­gründung im We­sent­li­chen Fol­gen­des aus­geführt: So­weit der Kläger be­geh­re, als Pfle­ge­dienst­lei­ter für al­le vier Kran­kenhäuser vorläufig wei­ter­beschäftigt zu wer­den, feh­le es an dem er­for­der­li­chen Verfügungs­grund; der Kläger ha­be nicht of­fen­sicht­lich ei­nen An­spruch auf die­se Art der Beschäfti­gung, da die Über­tra­gung der Pfle­ge­dienst­lei­tung für al­le vier Kran­kenhäuser an ihn nur pro­be­wei­se er­folgt sei und zum 31.03.2014 ha­be en­den sol­len. So­weit der Kläger be­geh­re, vorläufig mit der Auf­ga­be als lei­ten­de Pfle­ge­kraft im Pfle­ge­dienst­leis­tungs­team beschäftigt zu wer­den, könne der An­trag kei­nen Er­folg ha­ben, da nicht fest­ste­he, dass es ei­ne der­ar­ti­ge Funk­ti­on bei der Be­klag­ten über­haupt ge­be. So­weit der Kläger schließlich be­an­tragt ha­be, der Be­klag­ten auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, ihn als Kran­ken­pfle­ger in der mo­bi­len Pfle­ge zu beschäfti­gen, feh­le es an ei­nem Verfügungs­an­spruch; es sei für den Kläger auch im Fal­le der Rechts­wid­rig­keit die­ser Wei­sung zu­mut­bar, die Ar­beit zunächst auf­zu­neh­men und die Rechtmäßig­keit der Wei­sung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren über­prüfen zu las­sen, zu­mal auch die Be­klag­te da­von aus­ge­he, dass der Kläger die­se Tätig­keit vor dem 30.09.2014 nicht schul­de.

Der Kläger hat ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung (Ak­ten­zei­chen: 10 Sa­Ga 16/14, LAG Hamm) ein­ge­legt. Mit der Be­ru­fung hat der Kläger sei­nen Beschäfti­gungs­an­trag wei­ter ver­folgt. Der Kläger hat das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil, mit dem sein An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung ab­ge­wie­sen wur­de, im We­sent­li­chen mit dem Ar­gu­ment an­ge­grif­fen, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts han­de­le es sich bei der Wahr­neh­mung der Auf­ga­be als Pfle­ge­dienst­lei­tung für die Be­triebsstätten in ih­rer Ge­samt­heit nicht um die pro­be­wei­se Über­tra­gung ei­ner höher zu be­wer­ten­den Tätig­keit; viel­mehr ent­spre­che die­se Tätig­keit dem In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges. Hilfs­wei­se hat der Kläger Ausführun­gen zum Vor­brin­gen der Be­klag­ten, er ha­be sich nicht bewährt, ge­macht und in die­sem Zu­sam­men­hang u. a. dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ser­vice­kräfte der Dritt­fir­ma nicht in den or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ar­beits­ab­lauf der Pfle­ge ein­ge­glie­dert sei­en, da sie kei­ne pfle­ge­ri­sche Leis­tung ge­genüber Pa­ti­en­ten er­bräch­ten, es han­de­le sich um „Erfüllungs­ge­hil­fen im Rah­men ei­nes Dienst­leis­tungs­ver­trags mit ei­ner Fremd­fir­ma“.

Mit der Be­ru­fungs­be­gründung hat der Kläger ei­ne ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung vor­ge­legt. Die letz­ten bei­den Absätze die­ser ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung lau­ten wie folgt:

„In der Per­so­nal­be­darfs­rech­nung der Verfügungs­be­klag­ten sind Ar­beit­neh­mer der Fir­ma E auf­geführt. Es han­delt sich um Ser­vice­kräfte als Hil­fen im Trans­port­dienst und der Aus­ga­be des Es­sens, die nicht in den or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ar­beits­ab­lauf der Pfle­ge ein­ge­glie­dert sind, da sie kei­ne pfle­ge­ri­sche Leis­tung ge­genüber Pa­ti­en­ten er­brin­gen. Es han­delt sich um Erfüllungs­ge­hil­fen im Rah­men ei­nes Dienst­leis­tungs­ver­trags mit ei­ner Fremd­fir­ma. Sie ent­las­ten die Pfle­ge­kräfte von außer­halb der Pfle­ge zu er­le­di­gen­den Rou­ti­ne­auf­ga­ben. Da die Mit­ar­bei­ter der Fremd­fir­men ih­re Vergütung von ih­rem Ar­beit­ge­ber er­hal­ten, han­delt es sich nicht um Per­so­nal­kos­ten, son­dern um Sach­kos­ten. Für den Ab­schluss der Ver­ein­ba­run­gen und den In­halt der Rechts­be­zie­hun­gen mit Fremd­fir­men ist die Ver­wal­tungs­lei­tung zuständig.

Ich ha­be we­der tatsächlich noch recht­lich ei­nen Ein­fluss auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ei­ner Fremd­fir­ma. Die Pfle­ge­dienst­lei­tung ist zuständig für die Ar­beit­neh­mer in der Pfle­ge (Me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te im Sta­ti­ons­dienst, As­sis­ten­ten in der Pfle­ge, Kran­ken­pfle­ge­hel­fer, Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ger, Fach­kran­ken­pfle­ger). Es muss sich um Ar­beit­neh­mer han­deln, die ei­ne pfle­ge­ri­sche Leis­tung ge­genüber den Pa­ti­en­ten er­brin­gen.“

Mit zwei Schrei­ben vom 13.06.2014 hörte die Be­klag­te die ge­mein­sa­me Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der Kran­kenhäuser, der Zen­tral­ver­wal­tung und des MVZ Strah­len­the­ra­pie und On­ko­lo­gie so­wie vor­sorg­lich die ge­mein­sa­me Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der Se­nio­renhäuser und der Ca­rit­as­pfle­ge­sta­tio­nen zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung des Klägers an. Die Be­klag­te teil­te mit, die Kündi­gung er­fol­ge vor dem Hin­ter­grund, dass der Kläger in der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung der Wahr­heit zu­wi­der be­haup­te­te, er ha­be kei­nen Ein­fluss auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer des Drit­t­un­ter­neh­mens.

Mit Schrei­ben vom 23.06.2014, dem Kläger am 23.06.2014 zu­ge­gan­gen, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger außer­or­dent­lich frist­los.

Der Kläger hat sich mit der beim Ar­beits­ge­richt Pa­der­born am 03.07.2014 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ge­gen die aus­ge­spro­che­ne frist­lo­se Kündi­gung ge­wandt, die er für rechts­un­wirk­sam hält. Kla­ge­er­wei­ternd hat er ei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch gel­tend ge­macht. Der Kläger hat - zu­sam­men­ge­fasst - vor­ge­tra­gen, dass die von ihm ab­ge­ge­be­ne ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung vom 03.06.2014 nicht un­rich­tig sei. Er ha­be le­dig­lich den Per­so­nal­ein­satz der ihm fach­lich und or­ga­ni­sa­to­risch un­ter­stell­ten Pfle­ge­kräfte, die ei­nen Ar­beits­ver­trag mit dem Recht­sträger der Ein­rich­tung ha­ben, ge­plant. Nicht rich­tig sei, dass er in al­lei­ni­ger Ver­ant­wor­tung fest­ge­legt ha­be, ob Ser­vice­mit­ar­bei­ter der Fremd­fir­ma E in der Pfle­ge im Rah­men der Ausschöpfung von Zeit­kon­ten und Mehr­ar­beit aus ei­ge­nem Pool oder von ei­ner Dritt­fir­ma ein­ge­setzt wer­den. Er ha­be auch nicht re­gelmäßig auf­grund ei­ge­ner ko­or­di­na­ti­ver Pla­nung ent­schie­den, ob ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter oder Mit­ar­bei­ter der Fremd­fir­ma ein­ge­setzt würden. Im Rah­men des einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens ha­be er mit sei­ner ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung erklärt, dass für den Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung und den In­halt der Rechts­be­zie­hun­gen mit der Fremd­fir­ma die Ver­wal­tungs­lei­tung zuständig sei. Nach dem ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont ha­be sich der In­halt sei­ner Äußerung auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer nach den Re­ge­lun­gen der Ver­ein­ba­run­gen be­zo­gen. Selbst wenn die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung am­bi­va­lent sein soll­te und miss­verständ­lich in­ter­pre­tiert wer­den könn­te, ha­be er le­dig­lich fahrlässig ge­han­delt. Kei­nes­falls ha­be er vorsätz­lich ei­ne fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben.

Der Kläger hat be­an­tragt,

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der Kläger vorsätz­lich ei­ne fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben ha­be; dies stel­le ei­nen frist­lo­sen Kündi­gungs­grund dar. Die Be­klag­te hat - zu­sam­men­ge­fasst - vor­ge­tra­gen, der Kläger als Pfle­ge­dienst­lei­tung ha­be den Per­so­nal­be­darf ge­plant. Ihm ha­be da­bei ein Mit­ar­bei­ter­kon­tin­gent von 400 Voll­zeit­pfle­ge- und Pfle­ge­hilfs­kräften aus ei­nem ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter­be­stand und Mit­ar­bei­tern der Un­ter­neh­mens­grup­pe E zur Verfügung ge­stan­den. Mit sei­ner ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung ha­be der Kläger glaub­haft ma­chen wol­len, dass er kei­nes­wegs im Rah­men ei­ner Er­pro­bung ge­schei­tert sei und tatsächlich hin­sicht­lich des Ein­sat­zes der Ser­vice­kräfte der Fremd­fir­ma kei­nen Ein­fluss ge­nom­men ha­be, was falsch sei. Tatsächlich sei der Kläger aber für den ko­or­di­na­ti­ven Ein­satz und die An­zahl der beschäftig­ten Pfle­ge­kräfte und so­mit für die Er­mitt­lung des Be­darfs ver­ant­wort­lich ge­we­sen. Der Kläger als Pfle­ge­dienst­lei­tung ha­be die Einsätze und da­mit die An­zahl der As­sis­ten­ten in der Pfle­ge ge­plant. Wenn er sich für die Ein­stel­lung ei­nes As­sis­ten­ten in der Pfle­ge ent­schie­den ha­be, so sei der Beschäfti­gungs­be­darf für ei­ne Ser­vice­kraft der Leih­ar­beits­fir­ma ent­fal­len und um­ge­kehrt. In­so­weit ha­be der Kläger Ein­fluss auf die An­zahl der Mit­ar­bei­ter der Fremd­fir­ma ge­habt. Die Ausschöpfung des Kon­tin­gents von Ser­vice­kräften sei da­von abhängig ge­we­sen, wel­chen Be­darf der Kläger als Pfle­ge­dienst­lei­tung ge­mel­det ha­be. Hin­sicht­lich des Pfle­ge­be­rei­ches sei das so ge­sche­hen, dass der Kläger dem Mit­ar­bei­ter L den Be­darf über­mit­telt ha­be und die­ser - wenn der Kläger nicht selbst Kon­takt mit der Fremd­fir­ma auf­ge­nom­men ha­be - den Be­darf an Leih­ar­beits­kräften der Fremd­fir­ma ge­mel­det ha­be, die so­dann ei­nen geänder­ten Kon­tin­gent­ver­trag vor­ge­legt ha­be. Mit sei­ner Erklärung ha­be der Kläger jeg­li­che Ein­fluss­nah­me in Ab­re­de ge­stellt. Von ei­ner bloß fahrlässi­gen Un­rich­tig­keit könne nicht aus­ge­gan­gen wer­den, zu­mal ein Hin­weis auf die Straf­bar­keit in der Erklärung ent­hal­ten ge­we­sen sei. Auf­grund sei­ner Ver­trau­ens­stel­lung und des er­heb­li­chen Miss­brauchs die­ser Ver­trau­ens­stel­lung sei die In­ter­es­sen­abwägung zu Las­ten des Klägers zu tref­fen.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ent­hal­te schon kei­ne ob­jek­tiv un­zu­tref­fen­den Tat­sa­chen­an­ga­ben. Die An­ga­ben des Klägers sei­en so zu ver­ste­hen, dass er we­der tatsächlich noch recht­lich ei­nen Ein­fluss auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ei­ner Fremd­fir­ma be­zo­gen auf den Ab­schluss der Ver­ein­ba­run­gen ha­be. Selbst wenn aber ei­ne fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ob­jek­tiv vor­ge­le­gen ha­be, sei dem Kläger vorsätz­li­ches Han­deln nicht vor­zu­wer­fen. Auf­grund der Umstände des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der 30-jähri­gen Beschäfti­gung des Klägers und der nicht un­er­heb­li­chen Her­ab­stu­fung des Klägers im Rah­men der Ände­rungskündi­gung, hätte die Be­klag­te ei­ne Ab­mah­nung aus­spre­chen müssen. – Im Übri­gen wird, auch zur nähe­ren Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stan­des, auf das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil Be­zug ge­nom­men.

Das Ur­teil des ers­ten Rechts­zu­ges ist der Be­klag­ten am 11.11.2014 zu­ge­stellt wor­den.

Sie hat mit ei­nem Schrift­satz, der am 25.11.2014 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist, Be­ru­fung ein­ge­legt und die Be­ru­fung mit ei­nem am 09.02.2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet, nach­dem zu­vor die Frist zur Be­ru­fungs­be­gründung bis zum 09.02.2015 verlängert wor­den war.

Die Be­klag­te hält das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil für un­rich­tig. Der Kläger ha­be in der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung po­si­tiv erklärt, we­der recht­lich noch tatsächlich Ein­fluss auf die An­zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer zu ha­ben. Die­se Erklärung sei falsch. Die Be­klag­te be­haup­tet, im Rah­men der Kon­tin­gent­ver­ein­ba­run­gen mit dem Drit­t­un­ter­neh­men sei fest­ge­stell­ter Per­so­nal­be­darf ab­ge­ru­fen wor­den. Die Schicht­ka­pa­zität ha­be der Kläger be­stimmt. Er ha­be im De­zem­ber 2012 so­gar ei­genständig Per­so­nal des Drit­t­un­ter­neh­mens an­ge­for­dert. Gewöhn­li­cher­wei­se ha­be er den Ver­wal­tungs­lei­ter, Herrn L, auf­ge­for­dert, die Be­stel­lung des Per­so­nals zu ver­an­las­sen. Al­lei­n­ent­schei­den­der sei der Kläger ge­we­sen. Herr L ha­be sich mit dem Per­so­nal­be­stand der Pfle­ge nicht be­fasst. Dem Kläger sei auch be­wusst ge­we­sen, dass er die Per­so­nal­ver­ant­wor­tung für die An­zahl der Pfle­ge­kräfte tra­ge. Ihm sei­en die Mit­ar­bei­ter­bestände re­gelmäßig in Gesprächen erläutert wor­den; bei die­sen Gesprächen ha­be der Kläger Mit­ar­bei­ter­lis­ten über die An­zahl der beschäftig­ten Ser­vice­kräfte des Drit­t­un­ter­neh­mens und die hier­durch ent­ste­hen­den Kos­ten er­hal­ten.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 24.10.2014 – 3 Ca 1013/14 – auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger äußert Zwei­fel hin­sicht­lich der Zulässig­keit der Be­ru­fung. Die Be­ru­fungs­be­gründung neh­me nicht Be­zug auf die Fest­stel­lun­gen und Rechts­ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts hin­sicht­lich der Not­wen­dig­keit ei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung. Nach Auf­fas­sung des Klägers liegt ei­ne fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung nicht vor. Er ha­be le­dig­lich zum Aus­druck brin­gen wol­len, dass für den Ab­schluss der Ver­ein­ba­run­gen und den In­halt der Rechts­be­zie­hun­gen mit der Fremd­fir­ma die Ver­wal­tungs­lei­tung und nicht die Pfle­ge­dienst­lei­tung zuständig sei. Der Kläger be­haup­tet, er ha­be nicht al­lein be­stimmt, zu wel­chen Schich­ten ei­ge­ne oder Fremd­mit­ar­bei­ter ein­ge­setzt wur­den. Das Kon­tin­gent an Dritt­kräften sei im Rah­men des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges fest­ge­legt wor­den; für die kon­kre­te Aus­wahl der Ser­vice­kräfte des Drit­t­un­ter­neh­mens sei de­ren Vor­ar­bei­te­rin zuständig ge­we­sen. Die Dis­po­si­ti­on über den kon­kre­ten Ein­satz der Mit­ar­bei­ter des Drit­t­un­ter­neh­mens ha­be in der Kom­pe­tenz des Ver­wal­tungs­lei­ters ge­le­gen.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze nebst An­la­gen ergänzend Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig.

1. Die Be­klag­te hat die Be­ru­fung form- und frist­ge­recht gemäß § 66 Abs. 1 ArbGG ein­ge­legt und be­gründet.

2. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers genügt die Be­ru­fungs­be­gründung den An­for­de­run­gen des § 520 Abs. 3 ZPO. Die Be­klag­te setzt sich in der
Be­ru­fungs­be­gründung mit den tra­gen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der.

Sie greift die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts an, so­weit das Ar­beits­ge­richt dar­auf ab­ge­stellt hat, ei­ne ob­jek­tiv fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung lie­ge nicht vor. Die­ser Punkt war aus Sicht des Ar­beits­ge­richts auch maßgeb­lich im Rah­men der Erwägun­gen zur Er­for­der­lich­keit ei­ner Ab­mah­nung (vgl. I. 1 b cc der erst­in­stanz­li­chen Ur­teils­gründe).

Mit dem An­griff auf die Ent­schei­dung über den Kündi­gungs­schutz­an­trag setzt sich die Be­klag­te zu­gleich auch hin­rei­chend mit der Ent­schei­dung über den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag aus­ein­an­der. Denn die Wei­ter­beschäfti­gung setzt ei­ne statt­ge­ben­de Ent­schei­dung über den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus.

3. So­weit der Kläger­ver­tre­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung dar­auf hin­ge­wie­sen hat, die Be­klag­te ha­be be­an­tragt, das erst­in­stanz­li­che Ur­teil „auf­zu­he­ben“ (und nicht: „ab­zuändern“), da­her lie­ge kein Be­ru­fungs- son­dern le­dig­lich ein Re­vi­si­ons­an­trag vor, ist dem ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass der An­trag of­fen­sicht­lich als Be­ru­fungs­an­trag ge­meint ist. Die Be­klag­te hat mit dem Schrift­satz vom 25.11.2014 Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil ein­ge­legt hat und im Be­gründungs­schrift­satz vom 09.02.2015 (dort Sei­te 2, Bl. 229 d. A.) aus­geführt, die „Be­ru­fung“ wen­de sich ge­gen die Aus­le­gung der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Klägers durch das Ar­beits­ge­richt.

II.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat je­doch in der Sa­che kei­nen Er­folg.

1. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht ent­schie­den, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 23.06.2014 nicht auf­gelöst wur­de.

a) Die Kündi­gung gilt nicht be­reits nach § 7 i. V. m. § 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG als von An­fang an rechts­wirk­sam, da der Kläger die Kündi­gung recht­zei­tig in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist gemäß § 4 Satz 1 KSchG an­ge­grif­fen hat.

b) Die Kündi­gung ist als frist­lo­se Kündi­gung rechts­un­wirk­sam, da es an ei­nem wich­ti­gen Grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB fehlt.

aa) Das Ar­beits­ge­richt ist rich­tig da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ab­ga­be ei­ner fal­schen ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung durch den Ar­beit­neh­mer auch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­ge ver­mag (BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13 m. w. N.). Denn ein sol­ches Ver­hal­ten stellt - un­abhängig von sei­ner Straf­bar­keit - ei­ne er­heb­li­che Ver­let­zung der Ne­ben­pflicht dar, auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men und sie in zu­mut­ba­rem Um­fang zu wah­ren. Ent­spre­chen­des gilt, wenn der Ar­beit­neh­mer in ei­nem Ge­richts­ver­fah­ren mit dem Ar­beit­ge­ber leicht­fer­tig Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen auf­stellt, de­ren Un­halt­bar­keit auf der Hand liegt (BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13 m. w. N.).

bb) Im Streit­fall hat der Kläger kei­ne vorsätz­lich fal­sche ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben.

(1) Falsch ist ei­ne Be­haup­tung, wenn sie im Hin­blick auf ih­ren Ge­gen­stand der Wahr­heit nicht ent­spricht, al­so die Wirk­lich­keit un­zu­tref­fend wie­der­gibt. Das ist der Fall, wenn der In­halt der Aus­sa­ge mit der ob­jek­ti­ven Sach­la­ge nicht übe­rein­stimmt (BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13). Vor­satz be­steht im Wis­sen und Wol­len der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung. Be­ding­ter Vor­satz reicht aus. Der an Ei­des Statt Erklären­de muss die Un­rich­tig­keit sei­ner Be­haup­tun­gen er­ken­nen und de­ren Un­wahr­heit in sei­nem Erklärungs­wil­len auf­neh­men; er muss die Un­vollständig­keit und Un­rich­tig­keit zu­min­dest für möglich hal­ten und bil­li­gend in Kauf neh­men (BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13, Ur­teil vom 11.07.2013 - 2 AZR 994/12).

(2) Die Be­klag­te meint, der Kläger ha­be in der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung vom 48 03.06.2014 un­rich­ti­ger­wei­se be­haup­tet, kei­nen Ein­fluss auf die Zahl der Ser­vice­kräfte des Drit­t­un­ter­neh­mens der E-Grup­pe ge­nom­men zu ha­ben, die im Pfle­ge­be­reich der Be­klag­ten ein­ge­setzt wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt nimmt zu­guns­ten der Be­klag­ten an, dass ei­ne sol­che Erklärung falsch ge­we­sen wäre, da der Kläger den Be­darf an Ser­vice­kräften des Drit­t­un­ter­neh­mens selbst er­mit­telt und dann an den Ver­wal­tungs­lei­ter zwecks An­for­de­rung der benötig­ten Kräfte wei­ter­ge­ge­ben hat. Die­ser Erklärungs­ge­halt lässt sich der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Klägers je­doch nicht bei­mes­sen.

Der Kläger hat in der von der Be­klag­ten be­an­stan­de­ten For­mu­lie­rung der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung erklärt: „Ich ha­be we­der tatsächlich noch recht­lich ei­nen Ein­fluss auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ei­ner Fremd­fir­ma“. Durch die Ver­wen­dung des un­be­stimm­ten Ar­ti­kels „ei­ner“ wird deut­lich, dass die­se Aus­sa­ge nicht kon­kret auf die Ser­vice­kräfte der Un­ter­neh­mens­grup­pe E be­zo­gen, son­dern all­ge­mein ge­meint ist. Sie ist im Zu­sam­men­hang zu se­hen mit den vor­her­ge­hen­den Ausführun­gen des Klägers zu den Ser­vice­kräften: „Es han­del­te sich um Erfüllungs­ge­hil­fen im Rah­men ei­nes Dienst­leis­tungs­ver­trags mit ei­ner Fremd­fir­ma“. Der Kläger will in­so­weit er­kenn­bar die Rechts­an­sicht ver­tre­ten, die Ser­vice­kräfte sei­en kei­ne Leih­ar­beit­neh­mer, son­dern Mit­ar­bei­ter ei­nes selbständig täti­gen Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­mens. Auf der­ar­ti­ge Ar­beits­kräfte, die der Be­klag­ten nicht als Leih­ar­beit­neh­mer über­las­sen wer­den, hätte der Kläger in der Tat kei­nen Ein­fluss, ins­be­son­de­re nicht auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ei­ner „Fremd­fir­ma“. Die Rechts­auf­fas­sung, bei den Ser­vice­kräften han­de­le es sich nicht um Leih­ar­beit­neh­mer, hat der Kläger kon­se­quen­ter­wei­se auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ver­tre­ten, in­dem er be­reits erst­in­stanz­lich (Schrift­satz vom 17.10.2014, dort S. 3, Bl. 165 d. A.) ausführen ließ, die Ser­vice­kräfte sei­en „nicht in den or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ab­lauf der Ein­rich­tung in­te­griert, da es Erfüllungs­ge­hil­fen ei­ner Fremd­fir­ma im Rah­men ei­nes Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trags ge­we­sen sind“.

Zu berück­sich­ti­gen ist auch der Stel­len­wert, den die hier in Re­de ste­hen­de Äußerung in der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung aus Sicht des Erklären­den für den Aus­gang des einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens hat­te (vgl. BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13). Es lie­gen kei­ne An­halts­punk­te für die An­nah­me vor, der Kläger ha­be ge­meint, die Äußerung zum feh­len­den Ein­fluss auf die Zahl der ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer ei­ner Fremd­fir­ma sei er­for­der­lich ge­we­sen, um das an­ge­streb­te Ver­fah­rens­ziel der Wei­ter­beschäfti­gung zu er­rei­chen. Der Kläger hat das Wei­ter­beschäfti­gungs­be­geh­ren in der Be­ru­fungs­be­gründung im Rah­men des einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens hauptsächlich auf an­de­re Ar­gu­men­te gestützt. Er hat vor­ran­gig vor­ge­tra­gen, es lie­ge kei­ne pro­be­wei­se Über­tra­gung ei­ner höher zu be­wer­ten­den Tätig­keit vor, viel­mehr ent­spre­che die Tätig­keit als Pfle­ge­dienst­lei­tung für die Be­triebsstätten in der Ge­samt­heit dem In­halt sei­nes Ar­beits­ver­trags. Im Übri­gen hat er die Wei­sung, als Kran­ken­pfle­ger in der mo­bi­len Pfle­ge­sta­ti­on tätig zu wer­den, mit dem Ar­gu­ment an­ge­grif­fen, dass die Zu­wei­sung ei­ner sol­chen Tätig­keit ei­ne Ände­rungskündi­gung er­for­de­re und die Tätig­keit be­reits vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­ge­wie­sen wor­den sei. Nur hilfs­wei­se hat der Kläger die be­an­stan­de­te Äußerung im Rah­men sei­nes Vor­brin­gens zur feh­len­den Bewährung ge­macht. Dass der Kläger an­nahm, durch die Erklärung im Rah­men des Hilfs­vor­brin­gens (das sich über­wie­gend auch mit an­de­ren Ge­sichts­punk­ten aus­ein­an­der­setzt und ins­be­son­de­re die vom Kläger vor­ge­nom­me­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men der Per­so­nal­ein­satz­pla­nung aufführt) wer­fe auf die Rechts­sa­che ein ganz fal­sches Licht, ist nicht ernst­haft an­zu­neh­men.

cc) Der Vor­wurf, der Kläger ha­be die ei­des­statt­li­che Erklärung im Hin­blick auf die in Re­de ste­hen­de Pas­sa­ge nicht vor­sich­tig ge­nug for­mu­liert und ha­be in­so­weit leicht­fer­tig zu­min­dest miss­verständ­li­che An­ga­ben ge­macht, ver­mag ei­ne frist­lo­se Kündi­gung nicht zu recht­fer­ti­gen.

In­so­weit er­weist sich die Kündi­gung als un­verhält­nismäßig. Als Mit­tel zur Her­beiführung künf­ti­ger Ver­trags­treue hätte ei­ne Ab­mah­nung aus­ge­reicht.

Be­ruht die Ver­trags­pflicht­ver­let­zung auf steu­er­ba­rem Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers, ist grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass sein künf­ti­ges Ver­hal­ten schon durch die An­dro­hung von Fol­gen für den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses po­si­tiv be­ein­flusst wer­den kann. Ei­ner Ab­mah­nung be­darf es nach Maßga­be des auch in § 314 Abs. 2 i. V. m. § 323 Abs. 2 BGB zum Aus­druck kom­men­den Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes nur dann nicht, wenn be­reits von vorn­her­ein er­kenn­bar ist, dass ei­ne Ver­hal­tensände­rung auch nach Ab­mah­nung nicht zu er­war­ten steht, oder wenn es sich um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, dass selbst de­ren erst­ma­li­ge Hin­nah­me dem Ar­beit­ge­ber nach ob­jek­ti­ven Maßstäben un­zu­mut­bar und da­mit of­fen­sicht­lich – auch für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar– aus­ge­schlos­sen ist (BAG, Ur­teil vom 31.07.2014 - 2 AZR 434/13, Ur­teil vom 11.07.2013 - 2 AZR 994/12, Ur­teil vom 25.10.2012 - 2 AZR 495/11).

Im Streit­fall wiegt das Ver­hal­ten des Klägers nicht so schwer, dass ei­ne Ab­mah­nung ent­behr­lich ge­we­sen wäre. Zwar mag der Kläger ei­ner Fehl­vor­stel­lung Vor­schub ge­leis­tet ha­ben, so­weit er ausführt, kei­nen Ein­fluss auf den Ein­satz von Ar­beit­neh­mern ei­ner Fremd­fir­ma ge­habt zu ha­ben. Es ist nicht ganz fern­lie­gend, dass bei flüch­ti­gem Le­sen der Ein­druck ent­ste­hen könn­te, der Kläger wol­le da­mit sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Zahl der kon­kret ein­ge­setz­ten Ser­vice­kräfte des Drit­t­un­ter­neh­mens in Ab­re­de stel­len. Dem Kläger kann aber man­gels ent­spre­chen­der An­halts­punk­te nicht un­ter­stellt wer­den, er ha­be durch ei­ne ver­zer­ren­de Dar­stel­lung in die­sem Punkt, dem nach der Ar­gu­men­ta­ti­on des Klägers im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren nur ne­bensächli­che Be­deu­tung zu­kommt, letzt­lich den Aus­gang des Ver­fah­rens ent­schei­dend zu sei­nen Guns­ten be­ein­flus­sen wol­len. Zu berück­sich­ti­gen ist in­so­weit auch, dass der Kläger emo­tio­nal stark be­las­tet war, weil ihm die Be­klag­te die Tätig­keit ei­nes Kran­ken­pfle­gers zu­wies, die im Ver­gleich zu sei­nen vor­he­ri­gen Tätig­kei­ten im Rah­men der Pfle­ge­dienst­leis­tung deut­lich ge­ring­wer­ti­ger ist. Zieht man fer­ner in Be­tracht, dass das Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt der Kündi­gung na­he­zu 30 Jah­re (je­den­falls for­mal) un­be­an­stan­det durch­geführt wur­de, so be­stand für die Be­klag­te kein An­lass zu der An­nah­me, ei­ne Ab­mah­nung sei nicht aus­rei­chend, um künf­ti­ges gleich­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten zu un­ter­bin­den.

c) Die Kündi­gung vom 23.06.2014 ist auch nicht als or­dent­li­che Kündi­gung wirk­sam.

Die frist­lo­se Kündi­gung kann nicht gemäß § 140 BGB in ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung um­ge­deu­tet wer­den. Auch ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung wäre rechts­un­wirk­sam. Denn der Kläger war gemäß § 14 Abs. 5 AVR Ca­ri­tas bei Zu­gang der Kündi­gung or­dent­lich nicht mehr künd­bar; er hat­te nämlich ei­ne Dienst­zeit von mehr als 15 Jah­ren zurück­ge­legt und das 40. Le­bens­jahr be­reits voll­endet. Außer­dem hörte die Be­klag­te die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nur zu ei­ner außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung, nicht je­doch zu ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung des Klägers an.

2. Da die Kündi­gung un­wirk­sam ist, hat der Kläger ge­gen die Be­klag­te ei­nen An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung un­ter Berück­sich­ti­gung der Ände­run­gen aus der Ände­rungskündi­gung vom 31.03.2014.

Dies hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ent­schie­den. Auf die ent­spre­chen­den Ausführun­gen im erst­in­stanz­li­chen Ur­teil, die die Be­klag­te im Be­ru­fungs­rechts­zug nicht an­ge­grif­fen hat, wird Be­zug ge­nom­men.

Zwar hat der Kläger sei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch auf den Zeit­punkt bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss die­ses Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens be­grenzt. Die Ver­ur­tei­lung zur Wei­ter­beschäfti­gung ist gleich­wohl im zwei­ten Rechts­zug auf­recht­zu­er­hal­ten; § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO steht dem nicht ent­ge­gen. Zwar hat das Be­ru­fungs­ge­richt die Re­vi­si­on im Ur­teil nicht zu­ge­las­sen. In­des­sen ist (im Sin­ne des kläger­sei­ti­gen An­trags) nicht von ei­nem rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens aus­zu­ge­hen, so­lan­ge zu­min­dest nicht die Fris­ten für ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ab­ge­lau­fen sind oder die­se zurück­ge­wie­sen wur­de.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der er­folg­los ein­ge­leg­ten Be­ru­fung zu tra­gen.

Es be­stand kei­ne Ver­an­las­sung, die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

Ins­be­son­de­re wirft der Rechts­streit kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge von grundsätz­li­cher Be­deu­tung auf.

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