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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Änderungskündigung, Bestimmtheit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 838/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 01.03.2016
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 05.02.2014 - 37 Ca 10556/13
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.10.2014 - 19 Sa 1200/14
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 838/14
19 Sa 1200/14
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
1. März 2016

UR­TEIL

Rad­t­ke, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Sep­tem­ber 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ra­chor, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Nie­mann so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gans und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Nie­le­bock für Recht er­kannt:

 

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1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 14. Ok­to­ber 2014 - 19 Sa 1200/14 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 5. Fe­bru­ar 2014 - 37 Ca 10556/13 - ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund der Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 8. Ju­li 2013 un­wirk­sam ist.

3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung

Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen seit Sep­tem­ber 1972 beschäftigt. Seit Fe­bru­ar 2006 war sie als Spe­zia­lis­tin Auf­trags­ma­nage­ment im Be­trieb „Te­le­kom Di­rekt­ver­trieb und Be­ra­tung“ (nach­fol­gend DT­DB) tätig. Gemäß § 3 des Ar­beits­ver­trags vom 3. Ja­nu­ar 2006 fan­den auf das Ar­beits­verhält­nis die für den Be­trieb oder Be­triebs­teil be­trieb­lich bzw. fach­lich ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung. Bei der Be­klag­ten sind re­gelmäßig mehr als zehn Ar­beit­neh­mer beschäftigt.

Un­ter dem 21. Ju­ni 2011 ver­ein­bar­te die Be­klag­te mit der Ge­werk­schaft ver.di den „Ta­rif­ver­trag Be­reichs­aus­nah­me DT­DB“. Er sah für Beschäftig­te im Be­trieb DT­DB vor, dass auf die­se - mit Aus­nah­me von drei hier nicht in­ter­es­sie­ren­den Re­gel­wer­ken - nicht die bei der Be­klag­ten gel­ten­den Ta­rif­verträge An­wen­dung fänden, son­dern die­je­ni­gen der Te­le­kom Deutsch­land GmbH (TDG) in der je­weils ak­tu­el­len Fas­sung. Die Re­ge­lun­gen des TV Ra­tio soll­ten da­bei mit der Maßga­be An­wen­dung fin­den, dass die Beschäfti­gungs- und Qua­li­fi­zie-

 

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rungs­ein­heit (BQE) im Sin­ne des TV Ra­tio die­je­ni­ge im Sin­ne des TV Ra­tio der Be­klag­ten (Viv­en­to) sei.

Ein TV Ra­tio der TDG war zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ta­rif­ver­trags Be­reichs­aus­nah­me DT­DB noch nicht ge­schlos­sen. Ge­werk­schaft und Ar­beit­ge­ber­sei­te la­gen von bei­den Sei­ten in Ab­we­sen­heit der je­weils an­de­ren Sei­te un­ter­zeich­ne­te Ver­trags­ur­kun­den frühes­tens am 10. Ju­li 2013, spätes­tens am 11. Ju­li 2013 vor. Die Un­ter­schrifts­zei­le trägt das Da­tum „01.04.2010“. Nach den Re­ge­lun­gen des TV Ra­tio TDG sind al­le Ar­beit­neh­mer, die vom Weg­fall glei­cher Ar­beitsplätze in ih­rer Ge­samt­heit be­trof­fen wer­den, in die BQE der TDG zu ver­set­zen. Sie er­hal­ten ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes ent­spre­chen­den Ände­rungs­ver­trags. Als Al­ter­na­ti­ve zum Ab­schluss ei­nes Ände­rungs­ver­trags können sie ei­nen Auflösungs­ver­trag mit Ab­fin­dungs­re­ge­lung wählen. Leh­ne ein Ar­beit­neh­mer die­se An­ge­bo­te ab, er­fol­ge ei­ne Kündi­gung un­ter Auf­recht­er­hal­tung des Ver­trags­an­ge­bots zur Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu geänder­ten Be­din­gun­gen in der BQE. Ab­wei­chend von den Be­stim­mun­gen des Man­tel­ta­rif­ver­trags gel­te dafür ei­ne Kündi­gungs­frist von drei Wo­chen zum 15. oder zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats. Es wer­de auf die am 1. April 2010 gel­ten­den ge­setz­li­chen, steu­er- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ab­ge­stellt. Soll­ten sich die­se ändern, so sei­en die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­pflich­tet, Ver­hand­lun­gen über ei­ne ent­spre­chen­de An­pas­sung des Ta­rif­ver­trags zu führen. In § 17 des Ta­rif­ver­trags heißt es, er tre­te am 1. April 2010 in Kraft.

Die Be­klag­te leg­te den Be­trieb DT­DB zum 31. Ju­li 2013 still. Zu­vor hat­te sie am 2. Mai 2013 mit dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ge­schlos­sen. Sie bot der Kläge­rin so­wohl ei­nen Ände­rungs­ver­trag als auch ei­nen Auf-he­bungs­ver­trag zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung an. Die Kläge­rin nahm kei­nes der An­ge­bo­te an.

Mit E-Mail vom 19. Ju­ni 2013 in­for­mier­te die Be­klag­te die Kläge­rin und wei­te­re Mit­ar­bei­ter darüber, dass der TV Ra­tio TDG „fi­na­li­siert“ und in ei­ner Le­se­fas­sung im In­tra­net zugäng­lich sei. Die Kläge­rin konn­te den Text dort ein­se­hen.

 

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Nach Anhörung des Be­triebs­rats und Er­stat­tung ei­ner Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit kündig­te die Be­klag­te das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 8. Ju­li 2013 „un­ter Be­ach­tung der Kündi­gungs­frist von drei Wo­chen zum 15. ei­nes Mo­nats oder zum Mo­nats­en­de mit Wir­kung zum Ab­lauf des 31.07.2013, hilfs­wei­se zum nächst zulässi­gen Ter­min“. Zu­gleich bot sie der Kläge­rin die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses „ab dem 01.08.2013, hilfs­wei­se ab dem nächst zulässi­gen Ter­min ... in der Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit Viv­en­to ... zu den in Ab­schnitt 1 des TV Ra­tio TDG (nebst An­la­gen) ge­nann­ten Be­din­gun­gen“ an. Die Kündi­gung ging der Kläge­rin am 10. Ju­li 2013 zu. Die Kläge­rin nahm das Ände­rungs­an­ge­bot mit Schrei­ben vom 11. Ju­li 2013 un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen an.

Die Kläge­rin hat sich mit der vor­lie­gen­den Kla­ge recht­zei­tig ge­gen die Ände­rung ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen ge­wandt. Sie ist der An­sicht ge­we­sen, die Ände­rungskündi­gung sei we­gen Miss­ach­tung des be­son­de­ren ta­rif­ver­trag­li­chen Kündi­gungs­schut­zes, feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung, nicht hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit des Ände­rungs­an­ge­bots, un­zulässig verkürz­ter Kündi­gungs­frist, nicht ord­nungs­gemäßer Be­triebs­rats­anhörung und „Nicht­be­ach­tung der ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zur Mas­sen­ent­las­sung“ un­wirk­sam.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt 

fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund der Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 8. Ju­li 2013 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Ände­rungskündi­gung für wirk­sam, ins­be­son­de­re für hin­rei­chend be­stimmt ge­hal­ten. Der TV Ra­tio TDG ha­be rück­wir­kend seit dem 1. April 2010 Wir­kung ent­fal­tet. Die Kündi­gung sei we­gen der Be­triebs­sch­ließung so­zi­al ge­recht­fer­tigt und un­ter Be­ach­tung der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen so­wie nach ord­nungs­gemäßer Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats und der Bun­des­agen­tur für Ar­beit wirk­sam erklärt wor­den.

 

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Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätte der Ände­rungs­schutz­kla­ge auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hin statt­ge­ben müssen.

I. Die Re­vi­si­on ist ent­ge­gen der von der Be­klag­ten geäußer­ten Zwei­fel nicht des­halb un­be­gründet, weil die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts un­zulässig ge­we­sen wäre.

1. Ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung muss gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 bis Nr. 4 ZPO er­ken­nen las­sen, in wel­chen Punk­ten tatsäch­li­cher oder recht­li­cher Art das an­ge­foch­te­ne Ur­teil nach An­sicht des Be­ru­fungsklägers un­rich­tig ist und auf wel­chen Gründen die­se An­sicht im Ein­zel­nen be­ruht. Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Be­ru­fungs­be­gründung die Umstände be­zeich­nen, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung durch das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und de­ren Er­heb­lich­keit für das Er­geb­nis der Ent­schei­dung er­gibt. Die Be­ru­fungs­be­gründung muss des­halb auf den zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fall zu­ge­schnit­ten sein und sich mit den recht­li­chen oder tatsächli­chen Ar­gu­men­ten des an­ge­foch­te­nen Ur­teils be­fas­sen, wenn sie die­se bekämp­fen will. Für die er­for­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ur­teils­gründen der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es nicht aus, die tatsächli­che oder recht­li­che Würdi­gung durch das Ar­beits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und le­dig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len (BAG 13. Mai 2015 - 2 AZR 531/14 - Rn. 18; 11. No­vem­ber 2014 - 3 AZR 404/13 - Rn. 18).

2. Die Be­ru­fungs­be­gründung der Kläge­rin genügt die­sen An­for­de­run­gen. Sie zeigt aus­rei­chend deut­lich auf, in wel­chen Punk­ten die Kläge­rin das erst­in­stanz­li­che Ur­teil für feh­ler­haft hält.

 

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a) Die Kläge­rin hat gerügt, der TV Ra­tio TDG sei erst nach Zu­gang der Kündi­gung wirk­sam ge­wor­den und ent­fal­te kei­ne Rück­wir­kung. Vor Ein­tritt der Wirk­sam­keit des TV Ra­tio TDG sei es recht­lich nicht möglich ge­we­sen, ihr ein An­ge­bot gemäß des­sen § 5 Abs. 1 zu un­ter­brei­ten. Oh­ne ein sol­ches An­ge­bot wie­der­um sei die Kündi­gung un­wirk­sam. Darüber hin­aus sei Fol­ge des erst späte­ren Wirk­sam­wer­dens des Ta­rif­ver­trags, dass der Be­triebs­rat nicht ord­nungs­gemäß in­for­miert wor­den sei. Die Kündi­gung ver­s­toße da­her ge­gen § 102 Be­trVG. Man­gels ei­nes wirk­sa­men Ta­rif­ver­trags sei auch das mit der Kündi­gung ver­bun­de­ne Ände­rungs­an­ge­bot nicht hin­rei­chend be­stimmt ge­we­sen.

b) Da­mit hat sich die Kläge­rin in aus­rei­chen­dem Maße ge­gen das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil ge­wandt. Sie hat dar­ge­legt, aus wel­chen Gründen die Kündi­gung ih­rer An­sicht nach un­wirk­sam sei. Zwar be­ruh­ten ih­re Ausführun­gen aus­sch­ließlich auf der erst mit der Be­ru­fungs­be­gründung vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­che, dass der TV Ra­tio TDG zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung noch nicht wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men sei. Ob die­ser Vor­trag nach § 67 ArbGG vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu berück­sich­ti­gen war, ist aber kei­ne Fra­ge der Zulässig­keit der Be­ru­fung, son­dern ih­rer Be­gründet­heit (vgl. GMP/Ger­mel­mann 8. Aufl. § 64 Rn. 76). Es kann of­fen­blei­ben, ob es für die Zulässig­keit der Be­ru­fung zu­min­dest der Dar­le­gung be­durf­te, wes­halb das neue Vor­brin­gen nach Auf­fas­sung der Kläge­rin gemäß § 67 ArbGG zu­zu­las­sen sei. Die Kläge­rin hat sich für die frag­li­che Tat­sa­che auf Ausführun­gen in dem Ur­teil ei­nes Ar­beits­ge­richts be­ru­fen, wel­ches erst nach dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz im vor­lie­gen­den Rechts­streit verkündet wor­den war.

II. Die Ände­rungs­schutz­kla­ge (§ 4 Satz 2 KSchG) ist be­gründet. Das mit der Kündi­gung der Be­klag­ten vom 8. Ju­li 2013 ver­bun­de­ne Ände­rungs­an­ge­bot war nicht hin­rei­chend be­stimmt. Die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund der Ände­rungskündi­gung ist da­mit un­wirk­sam. Ob sie dies auch aus an­de­ren Gründen ist, be­darf kei­ner Ent­schei­dung.

1. Die Ände­rungskündi­gung ist ein aus zwei Wil­lens­erklärun­gen zu­sam­men­ge­setz­tes Rechts­geschäft. Zur Kündi­gungs­erklärung muss als zwei­tes

 

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Ele­ment ein be­stimm­tes, zu­min­dest be­stimm­ba­res und so­mit den Vor­aus­set­zun­gen des § 145 BGB ent­spre­chen­des An­ge­bot zur Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu geänder­ten Be­din­gun­gen hin­zu­kom­men (BAG 20. Fe­bru­ar 2014 - 2 AZR 346/12 - Rn. 38, BA­GE 147, 237; 16. De­zem­ber 2010 - 2 AZR 576/09 - Rn. 21). Das Ände­rungs­an­ge­bot muss so kon­kret ge­fasst sein, dass es der Ar­beit­neh­mer oh­ne wei­te­res an­neh­men kann. Ihm muss klar sein, wel­che Ver­trags­be­din­gun­gen künf­tig gel­ten sol­len. Nur so kann er ei­ne ab­ge­wo­ge­ne Ent­schei­dung über die An­nah­me oder Ab­leh­nung des An­ge­bots tref­fen. Er muss von Ge­set­zes we­gen in­ner­halb ei­ner recht kur­zen Frist auf das Ver­trags­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers re­agie­ren und sich ent­schei­den, ob er es ab-lehnt, ob er es mit oder ob er es oh­ne Vor­be­halt an­nimmt. Schon im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit muss des­halb das Ände­rungs­an­ge­bot zwei­fels­frei klar­stel­len, zu wel­chen Ver­trags­be­din­gun­gen das Ar­beits­verhält­nis künf­tig fort­be­ste­hen soll. Un­klar­hei­ten ge­hen zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers. Sie führen zur Un­wirk­sam­keit der Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen (BAG 20. Ju­ni 2013 - 2 AZR 396/12 - Rn. 18; 29. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 523/10 - Rn. 29).

2. Die­sen An­for­de­run­gen genügte das der Kläge­rin mit der Ände­rungskündi­gung un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot nicht.

a) Das Ände­rungs­an­ge­bot lau­te­te auf ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses „ab dem 01.08.2013, hilfs­wei­se ab dem nächst zulässi­gen Ter­min ... in der Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit Viv­en­to der Deut­schen Te­le­kom AG zu den in Ab­schnitt 1 des TV Ra­tio TDG (nebst An­la­gen) ge­nann­ten Be­din­gun­gen“. Es nahm da­mit Be­zug auf die sich aus dem näher be­zeich­ne­ten Ta­rif­ver­trag er­ge­ben­den Be­din­gun­gen.

b) Die­se Be­din­gun­gen wa­ren zu dem für die Be­ur­tei­lung der Wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung maßgeb­li­chen Zeit­punkt ih­res Zu­gangs nicht hin­rei­chend be­stimmt oder zu­min­dest be­stimm­bar. Ein „TV Ra­tio TDG“ exis­tier­te noch nicht. Da er bei Kündi­gungs­zu­gang nicht un­ter Wah­rung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses des § 1 Abs. 2 TVG zu­stan­de ge­kom­men war, lag al­len­falls ein ab­ge­stimm­ter Ent­wurf vor, aber kein Ta­rif­ver­trag.

 

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aa) Das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Ta­rif­ver­trags als ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­trags rich­tet sich nach den Vor­schrif­ten des all­ge­mei­nen Zi­vil­rechts (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - Rn. 14). Es be­darf übe­rein­stim­men­der Wil­lens­erklärun­gen - An­trag und An­nah­me -, ge­rich­tet auf Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags. Darüber hin­aus stellt § 1 Abs. 2 TVG für Ta­rif­verträge ein Schrift­for­mer­for­der­nis iSd. § 126 BGB auf. Ta­rif­verträge müssen schrift­lich nie­der­ge­legt und von bei­den Sei­ten un­ter­zeich­net wer­den. Die nöti­ge Schrift­form dient der Klar­stel­lung des Ver­trags­in­halts und da­mit dem Ge­bot der Nor­men­klar­heit (BAG 10. No­vem­ber 1982 - 4 AZR 1203/79 - BA­GE 40, 327; 9. Ju­li 1980 - 4 AZR 564/78 - BA­GE 34, 42). Wird der An­trag auf Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags ge­genüber ei­nem Ab­we­sen­den erklärt, ist des­sen An­nah­me­erklärung er­for­der­lich. Die­se ist wie der An­trag ei­ne emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung. Ist für ei­nen Ver­trag ge­setz­lich die Schrift­form vor­ge­se­hen, wird die An­nah­me­erklärung erst in dem Zeit­punkt wirk­sam (§ 130 Abs. 1 Satz 1 BGB), in dem sie dem an­de­ren Teil in der vor­ge­schrie­be­nen Form zu­geht (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - aaO). Es reicht nicht aus, dass der Empfänger des An­trags die Ver­trags­ur­kun­de un­ter­zeich­net und den an­de­ren Teil hierüber in ei­ner Form, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 126 BGB nicht wahrt, in Kennt­nis setzt (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - aaO; BGH 30. Mai 1962 - VIII ZR 173/61 - zu II 2 der Gründe; 30. Ju­li 1997 - VIII ZR 244/96 - zu II 2 b bb der Gründe mwN; vgl. auch BAG 16. Ok­to­ber 1991 - 2 AZR 156/91 - zu II 4 d der Gründe). Et­was an­de­res gilt nur dann, wenn nach § 151 Satz 1 BGB ei­ne An­nah­me­erklärung ent­behr­lich ist (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - aaO).

bb) So­lan­ge der „TV Ra­tio TDG“ nicht form­wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men war, stand nicht zwei­fels­frei fest, ob und mit wel­chem In­halt er wirk­sam würde. So­lan­ge wie­der­um war das auf ihn ver­wei­sen­de Ände­rungs­an­ge­bot zu un­be­stimmt.

(1) Ge­gen die Un­be­stimmt­heit des Ände­rungs­an­ge­bots im Zeit­punkt sei­nes Zu­gangs bei der Kläge­rin am 10. Ju­li 2013 lässt sich nicht mit Er­folg anführen, in ei­nem Ar­beits­ver­trag könne ggf. auch auf nich­ti­ge oder nicht mehr wirk­sa­me

 

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Ta­rif­verträge Be­zug ge­nom­men wer­den, so­weit nicht de­ren in­halt­li­che Fest­le­gun­gen auch als ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen nich­tig sei­en (vgl. da­zu BAG 14. De­zem­ber 2011 - 4 AZR 26/10 - Rn. 43). Dies be­sagt nicht, dass die in Be­zug ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen nicht je­den­falls hin­rei­chend be­stimmt sein müss­ten. Das wie­der­um sind sie nicht, so­lan­ge ihr In­halt man­gels wirk­sa­men Ab­schlus­ses noch geändert wer­den kann.

(2) Kei­ner Ent­schei­dung be­darf, ob das Ände­rungs­an­ge­bot hin­rei­chend be­stimmt ge­we­sen wäre, wenn dar­in auf ei­ne ge­nau be­zeich­ne­te Ent­wurfs­fas­sung ei­nes noch nicht form­wirk­sam zu­stan­de ge­kom­me­nen Ta­rif­ver­trags ver­wie­sen wor­den wäre. Ein sol­ches Ände­rungs­an­ge­bot hat die Be­klag­te nicht un­ter­brei­tet. Es kommt da­her auch nicht dar­auf an, dass ei­ne von der Be­klag­ten so be­zeich­ne­te „fi­na­li­sier­te“ Fas­sung des Ta­rif­ver­trags für die Kläge­rin im In­tra­net ein­seh­bar war. Für die Kläge­rin war nicht et­wa zwei­fels­frei er­kenn­bar, dass nach dem Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten die Be­din­gun­gen ent­spre­chend ei­ner sol­chen „fi­na­li­sier­ten“ Fas­sung hätten gel­ten sol­len.

(3) Es wäre auch nicht aus­rei­chend, wenn der Ta­rif­ver­trag zwar nach Zu­gang der Ände­rungskündi­gung, aber noch in­ner­halb der Frist zur An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots durch die Kläge­rin zu­stan­de ge­kom­men wäre. Das Ände­rungs­an­ge­bot muss be­reits im Kündi­gungs­zeit­punkt hin­rei­chend be­stimmt sein. Die Kündi­gung ist ei­ne ein­sei­ti­ge emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung, mit der ein Ge­stal­tungs­recht aus­geübt wird (allgM, vgl. nur APS/Preis 4. Aufl. Grund­la­gen D Rn. 10). Nur dann, wenn al­le Vor­aus­set­zun­gen für die Ausübung des Ge­stal­tungs­rechts im Zeit­punkt ih­res Zu­gangs beim Erklärungs­geg­ner vor­lie­gen, kann die - dann wirk­sa­me - Kündi­gung ihr Ge­stal­tungs­ziel er­rei­chen (APS/Preis aaO Rn. 11). Der Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit ei­ner Kündi­gung ist da­her der ih­res Zu­gangs, ih­re Wirk­sam­keit be­stimmt sich nach den in die­sem Zeit­punkt ge­ge­be­nen ob­jek­ti­ven Verhält­nis­sen (BAG 23. Ok­to­ber 2014 - 2 AZR 644/13 - Rn. 21, BA­GE 149, 367; 27. Fe­bru­ar 1997 - 2 AZR 160/96 - zu II 2 c der Gründe, BA­GE 85, 194; APS/Preis aaO

 

- 10 - 

Rn. 11; für die so­zia­le Recht­fer­ti­gung ei­ner Kündi­gung nach § 1 KSchG KR/Grie­be­ling 10. Aufl. § 1 KSchG Rn. 235 mwN).

cc) Der TV Ra­tio TDG war in dem Zeit­punkt, als die Ände­rungskündi­gung der Kläge­rin zu­ging, noch nicht form­wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men.

(1) Ge­werk­schaft und Ar­beit­ge­ber­sei­te la­gen von bei­den Sei­ten in Ab­we­sen­heit der je­weils an­de­ren Sei­te un­ter­zeich­ne­te Ver­trags­ur­kun­den erst „bis zum 10. oder 11. Ju­li 2013“ vor. Da­mit steht nur fest, dass die schrift­li­che An­nah­me bei der an­de­ren Sei­te nicht nach dem 11. Ju­li 2013 ein­ge­gan­gen ist. Das schließt ih­ren Ein­gang erst nach Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens bei der Kläge­rin nicht aus. Die­se hat die Ände­rungskündi­gung be­reits am 10. Ju­li 2013 er­hal­ten.

(2) Ei­ner Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt, um der Be­klag­ten Ge­le­gen­heit zu ge­ben, ggf. zu ei­nem frühe­ren Zu­gang vor­zu­tra­gen, be­durf­te es nicht. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat hat der Be­klag­ten­ver­tre­ter auf Nach­fra­ge erklärt, der Zeit­punkt des Zu­gangs der zu­letzt von der TDG un­ter­zeich­ne­ten Ver­trags­ur­kun­de bei ver.di sei nicht wei­ter aufklärbar.

c) Der Um­stand, dass der TV Ra­tio TDG nach sei­nem § 17 be­reits zum 1. April 2010 in Kraft tre­ten soll­te, ändert nichts an der Un­be­stimmt­heit des Ände­rungs­an­ge­bots im Zeit­punkt der Kündi­gung. Es liegt zwar grundsätz­lich - so­weit Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­te nicht ent­ge­gen­ste­hen - in der Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, ei­ne rück­wir­ken­de Be­gründung oder Ein­schränkung ta­rif­li­cher Ansprüche vor­zu­se­hen (vgl. BAG 24. Ok­to­ber 2007 - 10 AZR 878/06 - Rn. 18; 17. Ju­li 2007 - 9 AZR 1089/06 - Rn. 16; 22. Ok­to­ber 2003 - 10 AZR 152/03 - zu II 2 a der Gründe, BA­GE 108, 176). Der maßgeb­li­che Zeit­punkt für die Wirk­sam­keit der Kündi­gung als Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rechts durch ein­sei­ti­ge emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung ist aber nicht ta­rif­dis­po­si­tiv.

 

- 11 - 

III. Die Kos­ten des Rechts­streits hat nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO die Be­klag­te zu tra­gen.

 

Kreft 

Nie­mann 

Ra­chor

Gans 

Nie­le­bock

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