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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Änderungskündigung, Bestimmtheit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 19 Sa 1200/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.10.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 05.02.2014 - 37 Ca 10556/13
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

Verkündet

am 14. Ok­to­ber 2014

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
19 Sa 1200/14

37 Ca 10556/13
Ar­beits­ge­richt Ber­lin  

L.
Ge­richts­beschäftig­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Kam­mer 19,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. Ok­to­ber 2014
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. M als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter B. und Dr. H.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin
vom 5. Fe­bru­ar 2014 - 37 Ca 10556/13 - wird zurück­ge­wie­sen.

II. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Be­ru­fung zu tra­gen.

II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

M.  

B.  

H.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung.

Die Be­klag­te bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen beschäfti­gen die 1958 ge­bo­re­ne Kläge­rin seit dem 01.09.1972.

Gemäß dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag vom 03.01.2006 (An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift vom 18.07.2013, Bl 8-11 dA), dort § 3, fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis die für den Be­trieb oder Be­triebs­teil, in dem der Ar­beit­neh­mer beschäftigt ist, be­trieb­lich/fach­lich je­weils ein­schlägi­gen Ta­rif­verträgen in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung.

Seit dem 01.02.2006 er­folg­te die Beschäfti­gung der Kläge­rin im Be­trieb T. Di­rekt­ver­trieb und Be­ra­tung (DT­DB). Die­ser Be­trieb hat­te et­wa 400 MA.

Die Be­klag­te schloss mit der Ge­werk­schaft ver.di den TV Be­reichs­aus­nah­me DT­DB vom 21.06.2011 (An­la­ge B 1 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 18.10.2013, Bl 45f dA). Die­ser Ta­rif­ver­trag sieht vor, dass auf den Be­trieb DT­DB die Ta­rif­verträge der T. Deutsch­land GmbH in der je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung fin­den. Zu die­sen Ta­rif­verträgen zählt der TV Ra­tio TDG vom 01.04.2010 (An­la­ge B 2 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 18.10.2013, Bl. 47-65 dA), den die T. Deutsch­land GmbH eben­falls mit der Ge­werk­schaft ver.di schloss. Ge­werk­schaft und Ar­beit­ge­ber­sei­te la­gen bis zum 10.07.2013 oder 11.07.2013 von bei­den Sei­ten in Ab­we­sen­heit der je­wei­li­gen Ge­gen­sei­te un­ter­zeich­ne­te Fas­sun­gen die­ses Ta­rif­ver­trags vor.

Der TV Ra­tio TDG sieht in § 5 Ab­satz 3 vor, dass die Ände­rungskündi­gung zur Durch­set­zung der Beschäfti­gung in der Beschäfti­gungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit in Ab­wei­chung von den sonst gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Kündi­gungs­fris­ten mit ei­ner Kündi­gungs­frist von drei Wo­chen zum 15. oder zum En­de des Mo­nats aus­ge­spro­chen wer­den kann. In § 17 TV Ra­tio TDG ist als Da­tum des In-Kraft-Tre­tens des Ta­rif­ver­trags der 01.04.2010 be­stimmt.

Am 02.05.2013 schloss die Be­klag­te mit dem dort gewähl­ten Be­triebs­rat ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich zur Still­le­gung des Be­trie­bes DT­DB, wo­nach der Geschäfts­be­trieb zum 31.07.2013 er­satz­los ein­ge­stellt wer­den soll­te. Zum 31.07.2013 er­folg­te die Ein­stel­lung die­ses Be­triebs.

Mit Schrei­ben vom 10.06.2013 (An­la­ge K 8 zur Be­ru­fungs­be­gründung vom 16.07.2014, Bl 191f dA) un­ter­brei­te­te die Be­klag­te der Kläge­rin ein Ände­rungs­an­ge­bot nach § 5 Ab­satz 1 TV Ra­tio TDG. Die­ses lehn­te die Kläge­rin ab.

Mit E-Mail vom 19.06.2013 (An­la­ge BB 4 zur Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung vom 23.09.2014, Bl 248 dA) in­for­mier­te die Be­klag­te die Kläge­rin und wei­te­re Mit­ar­bei­ter darüber, dass der TV Ra­tio TDG fi­na­li­siert sei und in ei­ner Le­se­fas­sung im In­tra­net zugäng­lich. Die Kläge­rin konn­te den Ta­rif­ver­trags­text dort ein­se­hen.

Mit E-Mail vom 01.07.2013 (An­la­ge BB 7 zur Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung vom 23.09.2014, Bl 252 dA) un­ter­rich­te­te die Be­klag­te den Be­triebs­rat über die Ab­sicht, im Zu­ge der Ein­stel­lung des Be­triebs DT­DB der Kläge­rin ei­ne frist­gemäße be­triebs­be­ding­te Ände­rungskündi­gung nach § 5 Ab­satz 3 TV Ra­tio TDG aus­zu­spre­chen. Aus ei­ner An­la­ge in Ta­bel­len­form (An­la­ge BB 8 zum ge­nann­ten Schrift­satz, Bl 253ff dA) er­ga­ben sich für den Be­triebs­rat ver­schie­de­ne In­for­ma­tio­nen zur Per­son der Kläge­rin, dar­un­ter de­ren Ge­burts­da­tum, Wohn­ort so­wie die Tätig­keit als Sach­be­ar­bei­te­rin in der Geschäfts­stel­le.

Auf­grund Be­schluss­fas­sung am 04.07.2013 wi­der­sprach der Be­triebs­rat der Kündi­gungs­ab­sicht.

Mit Schrei­ben vom 08.07.2013 (An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift vom 18.07.2013, Bl 12f dA), der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am 10.07.2013, sprach die Be­klag­te der Kläge­rin die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.07.2013 aus. Die Kündi­gung war ver­bun­den mit dem An­ge­bot, das Ar­beits­verhält­nis in der Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit der Be­klag­ten zu den im TV Ra­tio TDG ge­nann­ten Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen.

Mit Schrei­ben vom 11.07.2013 (An­la­ge K 3 zur Kla­ge­schrift vom 18.07.2013, Bl 14f dA) erklärte die Kläge­rin der Be­klag­ten, sie neh­me das in der Ände­rungskündi­gung un­ter­brei­te­te Ver­trags­an­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt an, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt sei.

Auf die An­zei­ge sei­tens der Be­klag­ten vom 04.07.2013 teil­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit mit Schrei­ben vom 26.07.2013 (An­la­ge B 8 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 18.10.2013, Bl 75ff dA) mit, dass die Re­gel­sperr­frist nach § 18 KSchG zum 04.08.2013 ab­lau­fe und die Kündi­gun­gen nach Ab­lauf die­ses Ta­ges wirk­sam würden.

Mit der frist­ge­recht er­ho­be­nen Ände­rungskündi­gungs­schutz­kla­ge mach­te die Kläge­rin die Un­wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung we­gen Miss­ach­tung des be­son­de­ren ta­rif­ver­trag­li­chen Kündi­gungs­schut­zes, feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung, un­zulässig verkürz­ter Kündi­gungs­frist, feh­len­der ord­nungs­gemäßer Be­triebs­rats­anhörung und Nicht­be­ach­tung der ge­setz­li­chen Vor­ga­ben bei Mas­sen­ent­las­sun­gen gel­tend. Sie hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund der Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 08.07.2013 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie war der Auf­fas­sung, die Ände­rungskündi­gung sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt und un­ter Be­ach­tung der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen so­wie nach ord­nungs­gemäßer Be­tei­li­gung von Be­triebs­rat und Bun­des­agen­tur für Ar­beit wirk­sam aus­ge­spro­chen.

Mit Ur­teil vom 05.02.2014 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, das Ar­beits­verhält­nis sei durch die erklärte Ände­rungskündi­gung wirk­sam zum 05.08.2013 geändert wor­den. Die­se sei durch ei­ne Aus­nah­me­vor­schrift zur ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung der Unkünd­bar­keit ge­stat­tet. Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se, die die Kündi­gung be­ding­ten, sei­en mit der Sch­ließung des Be­triebs DT­DB ge­ge­ben. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl sei nicht durch­zuführen, da al­le Ar­beit­neh­mer die­ses Be­triebs gekündigt sei­en. Mit dem ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­ge­be­nen Ände­rungs­an­ge­bot ha­be sich die Be­klag­te auf ein von der Kläge­rin bil­li­ger­wei­se hin­zu­neh­men­des An­ge­bot be­schränkt. Die ab­gekürz­te Kündi­gungs­frist sei im Hin­blick auf die Be­schränkung der Kündi­gungs­wir­kung auf den Wech­sel in ei­ne Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit nicht zu be­an­stan­den. Be­triebs­rats­anhörung und An­zei­ge der Mas­sen­ent­las­sung ge­genüber der Bun­des­agen­tur sei­en ord­nungs­gemäß er­folgt. Hin­sicht­lich der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 147-150 dA) ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses, ihr am 19.05.2014 zu­ge­stell­te Ur­teil, rich­tet sich die am 16.06.2014 ein­ge­leg­te und am 18.07.2014 be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin. Mit der Be­ru­fung bringt die Kläge­rin ei­ne Rei­he von Gründen vor, wes­halb ih­rer Mei­nung nach die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung der Über­prüfung nicht stand­hal­te. So ha­be im Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs noch kein wirk­sa­mer TV Ra­tio TDG vor­ge­le­gen. Man­gels recht­zei­ti­ger Wirk­sam­keit des TV Ra­tio TDG sei nach dem ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­ver­trag ei­ne Kündi­gungs­frist von 7 Mo­na­ten zum En­de des Ka­len­der­mo­nats zu be­ach­ten ge­we­sen. Die erklärte Ände­rungskündi­gung ha­be so­mit auf ei­ne Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist ge­zielt und sei des­halb so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Aus­le­gung oder Um­deu­tung des Kündi­gungs­schrei­bens in ei­ne Ände­rungskündi­gung zum Zeit­punkt der ein­schlägi­gen Kündi­gungs­frist kämen nicht in Be­tracht. Ei­ne Rück­wir­kung könne dem TV Ra­tio TDG nicht bei­ge­mes­sen wer­den, weil ein ent­spre­chen­der Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht in der er­for­der­li­chen Klar­heit und Deut­lich­keit zum Aus­druck ge­kom­men sei. Mit der An­ga­be des 01.04.2010 hätten die Ta­rif­part­ner die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer über das tatsächli­che Un­ter­zeich­nungs­da­tum getäuscht. Über­dies schei­de die rück­wir­ken­de An­wen­dung vor­lie­gend im Hin­blick dar­auf aus, dass die Kläge­rin die durch die langjähri­ge Beschäfti­gung er­wor­be­nen verlänger­ten Kündi­gungs­fris­ten vollständig ver­lie­ren sol­le. Die­se ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ver­s­toße ge­gen die ge­setz­li­che Re­ge­lung zu den Kündi­gungs­fris­ten. Sie miss­ach­te de­ren Ziel­set­zung, in­dem sie älte­ren Ar­beit­neh­mern kei­ne ge­genüber der Grundkündi­gungs­frist verlänger­ten Fris­ten zu­bil­li­ge. Wei­ter sei die Kündi­gung un­wirk­sam, weil das gemäß den ta­rif­ver­trag­li­chen Vor­ga­ben vor­zu­schal­ten­de Ände­rungs­an­ge­bot er­folgt sei, als die maßgeb­li­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen noch nicht be­kannt ge­we­sen sei­en. Im Kündi­gungs­schrei­ben sei die An­nah­me­frist un­zulässig ab­gekürzt und während des Frist­lau­fes das Ände­rungs­an­ge­bot man­gels Be­kannt­heit des TV Ra­tio TDG un­be­stimmt ge­we­sen. Sch­ließlich sei die Be­triebs­rats­anhörung of­fen­sicht­lich un­vollständig, so dass die Kündi­gung be­reits aus die­sem Grun­de un­wirk­sam sei.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 05.02.2014 – 37 Ca 10556/13 – ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund der Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 08.07.2013 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ist der Auf­fas­sung, das Ar­beits­ge­richt ha­be die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Auf den Ab­schluss­zeit­punkt des TV Ra­tio TDG kom­me es be­reits des­halb nicht an, weil die ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auch nicht wirk­sam ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­verträge er­fas­sen würde. Je­den­falls aber sei der TV Ra­tio TDG am 10. oder 11. Ju­li 2014 mit dem dann voll­zo­ge­nen Aus­tausch der un­ter­zeich­ne­ten Ver­trags­ur­kun­den wirk­sam ge­wor­den. Da­bei könne die­ser Ta­rif­ver­trag gemäß der aus­drück­li­chen Re­ge­lung in sei­nem § 17 ab dem 01.04.2010 Gel­tung be­an­spru­chen. Ta­rif­verträge stünden un­ter dem im­ma­nen­ten Vor­be­halt ih­rer – rück­wir­ken­den - Abänder­bar­keit. Die Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats sei um­fas­send er­folgt. Bei ei­ner vollständi­gen Be­triebs­sch­ließung sei die Mit­tei­lung von So­zi­al­da­ten ent­behr­lich. Über­dies ha­be der Be­triebs­rat Zu­griff auf die So­zi­al- und Per­so­nal­da­ten der Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten ge­habt und hätte sich re­le­van­te So­zi­al­da­ten be­schaf­fen können.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung (Bl 145f dA), die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten so­wie die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist in der Sa­che oh­ne Er­folg.

I.

Die Be­ru­fung ist zulässig.

Ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu der Ände­rungskündi­gungs­schutz­kla­ge als Be­stands­strei­tig­keit ist nach § 64 Ab­satz 2 Buchst. c ArbGG die Be­ru­fung statt­haft. Die Be­ru­fung ist un­ter Be­ach­tung der Fris­ten aus § 66 Ab­satz 1 ArbGG ein­ge­legt und – den in­halt­li­chen An­for­de­run­gen aus §§ 64 Ab­satz 6 Satz 1 ArbGG, 520 Ab­satz 3 ZPO genügend – be­gründet.

Vor­lie­gend ist es für die Zulässig­keit der Be­ru­fung unschädlich, dass die Kläge­rin bin­nen der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist kei­ne aus­drück­li­chen Be­ru­fungs­anträge an­gekündigt hat. Die Vor­schrift des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO, wo­nach die Be­ru­fungs­be­gründung Be­ru­fungs­anträge zu ent­hal­ten hat, soll den Be­ru­fungskläger im In­ter­es­se der Be­schleu­ni­gung des Be­ru­fungs­ver­fah­rens da­zu an­hal­ten, sich ein­deu­tig über Um­fang und Ziel sei­nes Rechts­mit­tels zu erklären und Be­ru­fungs­ge­richt so­wie Pro­zess­geg­ner über Um­fang und In­halt sei­ner An­grif­fe möglichst schnell und zu­verlässig ins Bild zu set­zen. Sie er­for­dert dafür nicht un­be­dingt ei­nen förm­li­chen An­trag. Viel­mehr reicht es aus, wenn die in­ner­halb der Be­gründungs­frist ein­ge­reich­ten Schriftsätze des Be­ru­fungsklägers ih­rem ge­sam­ten In­halt nach ein­deu­tig er­ge­ben, in wel­chem Um­fang und mit wel­chem Ziel das Ur­teil an­ge­foch­ten wer­den soll (BGH 22.03.2006 – VIII ZR 212/04 – NJW 2006, 2705). Aus­rei­chend ist es, wenn die Be­gründung den Schluss auf die Wei­ter­ver­fol­gung des erst­in­stanz­li­chen Be­geh­rens zulässt. Im Grund­satz ist da­bei da­von aus­zu­ge­hen, dass ein Rechts­mit­tel im Zwei­fel ge­gen die ge­sam­te an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung ge­rich­tet ist, die­se al­so in­so­weit an­greift, als der Rechts­mitt­elführer durch sie be­schwert ist (BGH 29.03.2012 – V ZB 176/11 – ju­ris, Rn 6). Da­nach stand vor­lie­gend in Aus­le­gung der recht­zei­tig ein­ge­gan­gen Be­ru­fungs­be­gründung zum Ab­lauf der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist fest, dass die Kläge­rin ihr erst­in­stanz­li­ches Be­geh­ren wei­ter­ver­folgt und die ent­spre­chen­de Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung be­gehrt.

II.

In der Sa­che bleibt die Be­ru­fung oh­ne Er­folg.

Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend und mit zu­tref­fen­der Be­gründung er­kannt hat, ist die Ände­rungskündi­gung nicht we­gen feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung oder aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam. Die er­ken­nen­de Kam­mer teilt da­mit die Auf­fas­sung der 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg aus dem Ur­teil vom 15.07.2014 in dem weit­ge­hend par­al­le­len Ver­fah­ren 7 Sa 662/14.

1. 

Ge­gen die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts, wes­halb die an­ge­grif­fe­ne Ände­rungskündi­gung nicht der ta­rif­ver­trag­li­chen Unkünd­bar­keit un­terfällt, er­hebt die Be­ru­fung kei­ne Einwände.

2.  

Die an­ge­grif­fe­ne Ände­rungskündi­gung ist als be­triebs­be­ding­te Ände­rungskündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt iSv § 2 Satz 1, § 1 Ab­satz 2 KSchG, weil sich die Be­klag­te bei Vor­lie­gen ei­nes Kündi­gungs­grun­des dar­auf be­schränkt hat, der Kläge­rin sol­che Ände­run­gen an­zu­bie­ten, die die­se bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss.

a) Wie das Ar­beits­ge­richt aus­geführt hat, folgt der be­triebs­be­ding­te Kündi­gungs­grund aus der Sch­ließung des Be­triebs DT­DB zum 31.07.2013. Ei­ne Ände­rungskündi­gung ist durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se iSv § 1 Ab­satz 2 KSchG be­dingt, wenn sich der Ar­beit­ge­ber zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­me ent­schlos­sen hat, bei de­ren in­ner­be­trieb­li­cher Um­set­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers ent­we­der ganz oder je­den­falls zu den bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen entfällt (BAG 24.05.2012 – 2 AZR 163/11 – NZA-RR 2013, 74, Rn 12, 14). Vor­lie­gend hat­te sich die Be­klag­te vor dem maßgeb­li­chen Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs da­zu ent­schlos­sen, den Beschäfti­gungs­be­trieb der Kläge­rin zu schließen. Durch des­sen Sch­ließung ist das Beschäfti­gungs­bedürf­nis im Wirk­sam­keits­zeit­punkt der Kündi­gung ent­fal­len. Eben­so zu­tref­fend ist der Hin­weis des Ar­beits­ge­richts, dass ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor die­sem Hin­ter­grund nicht durch­zuführen war, da al­len Ar­beit­neh­mern des Be­triebs gekündigt wur­de.

b) Das der Kläge­rin mit der Kündi­gung un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot ist hin­rei­chend be­stimmt und war von der Kläge­rin bil­li­ger­wei­se hin­zu­neh­men. Zur Be­gründung wird in­so­weit auf die im Fol­gen­den wie­der­ge­ge­be­nen Ausführun­gen aus der be­reits an­geführ­ten Ent­schei­dung der 7. Kam­mer des LAG Ber­lin-Bran­den­burg (15.07.2014 – 7 Sa 662/14) ver­wie­sen.

„2.2.2.1 Mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. z.B. BAG v. 29. Sep­tem­ber 2011 – 2 AZR 523/10 - EzA § 2 KSchG Nr 83 mwN) ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ein mit der Kündi­gung un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot ein­deu­tig be­stimmt, zu­min­dest be­stimm­bar sein muss (BAG v. 29. Sep­tem­ber 2011 – 2 AZR 523/10 – a.a.O; BAG v. 10. Sep­tem­ber 2009 – 2 AZR 822/07 – a.a.O.). Das Ände­rungs­an­ge­bot muss so kon­kret ge­fasst sein, dass es ei­ner An­nah­me durch den Ar­beit­neh­mer oh­ne Wei­te­res zugäng­lich ist. Ihm muss - ggf. nach Aus­le­gung gem. §§ 133, 157 BGB - zwei­fels­frei zu ent­neh­men sein, wel­che Ar­beits­be­din­gun­gen künf­tig gel­ten sol­len. Da der Ar­beit­neh­mer von Ge­set­zes we­gen in­ner­halb kur­zer Frist auf das Ver­trags­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers re­agie­ren und sich ent­schei­den muss, ob er die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen ab­lehnt, ob er sie mit oder oh­ne Vor­be­halt an­nimmt, ist dies schon im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit zu for­dern. Nur so kann der Ar­beit­neh­mer ei­ne ab­ge­wo­ge­ne Ent­schei­dung über die An­nah­me oder Ab­leh­nung des An­ge­bots tref­fen. Un­klar­hei­ten ge­hen zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers. Sie führen zur Un­wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung (BAG v. 29. Sep­tem­ber 2011 – 2 AZR 523/10 mwN, aaO).

Wei­ter­hin muss die­ses Ände­rungs­an­ge­bot auf sol­che Ände­run­gen be­grenzt sein, die der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss (BAG vom 29. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 523/10 – a.a.O.; vom 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 822/07 - BA­GE 132, 78). Ob der Ar­beit­neh­mer ei­ne ihm vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss, ist nach dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz zu er­mit­teln. Die Ände­run­gen müssen ge­eig­net und er­for­der­lich sein, um den In­halt des Ar­beits­ver­trags den geänder­ten Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen müssen für al­le Ver­tragsände­run­gen vor­lie­gen. Aus­gangs­punkt ist die be­ste­hen­de ver­trag­li­che Re­ge­lung. Die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen dürfen sich nicht wei­ter vom bis­he­ri­gen In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fer­nen, als dies zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels er­for­der­lich ist (BAG v. 29. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 451/10 - AP Nr 151 zu § 2 KSchG 1969; 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 822/07 - aaO).

Maßgeb­li­cher Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit ei­ner (Ände­rungs-) Kündi­gung ist der des Kündi­gungs­zu­gangs (29. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 451/10 – a.a.O.).

2.2.2.2 Die­sen An­for­de­run­gen hält die streit­ge­genständ­li­che Ände­rungskündi­gung stand.

2.2.2.2.1 Das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten zur Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses war hin­rei­chend be­stimmt bzw. be­stimm­bar. Die Kläge­rin konn­te es mit ei­nem ein­fa­chen „ja“ an­neh­men bzw. mit ei­nem „nein“ ab­leh­nen (vgl. da­zu BAG v. 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 822/07 – mwN – a.a.O). Die Be­klag­te hat der Kläge­rin mit der Kündi­gung an­ge­bo­ten, das Ar­beits­verhält­nis als Ar­beit­neh­me­rin im Sin­ne von § 5 Abs. 1 TV Ra­tio TDG in der Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ein­heit V. der Deut­schen T. AG zu den in Ab­schnitt 1 des TV Ra­tio TDG (nebst An­la­gen) ge­nann­ten Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Da­mit wa­ren die zukünf­tig gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen auch für die Kläge­rin nach Maßga­be des ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­tra­ges fest­ge­legt. Die Be­stimm­bar­keit der neu­en Ar­beits­be­din­gun­gen kann sich auch aus an­wend­ba­ren Ta­rif­verträgen er­ge­ben (BAG v. 26. April 2004 – 2 AZR 628/03 BA­GE 112, 58).

2.2.2.2.1.1 Ei­ner Wie­der­ga­be der im TV Ra­tio TDG auf­geführ­ten Ar­beits­be­din­gun­gen be­durf­te es we­der un­ter dem As­pekt der Be­stimm­bar­keit noch un­ter dem As­pekt des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses. Hier fol­gen die zukünf­tig gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen aus dem TV Ra­tio TDG, auf den in der Ände­rungskündi­gung aus­drück­lich in Be­zug ge­nom­men wird. Sie sind dort im Ab­schnitt I, auf den im Kündi­gungs­schrei­ben Be­zug ge­nom­men wird, im Ein­zel­nen auf­geführt. So­weit sich aus dem Ta­rif­ver­trag kei­ne Ände­run­gen er­ge­ben, ver­bleibt es – wor­auf das Ände­rungs­an­ge­bot eben­falls ver­weist - bei den ursprüng­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen.

2.2.2.2.1.2 Das Ände­rungs­an­ge­bot ist auch hin­sicht­lich des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­tra­ges be­stimmt, je­den­falls aber be­stimm­bar. We­der be­durf­te es da­zu ei­ner da­tumsmäßigen Kenn­zeich­nung des Ta­rif­ver­tra­ges noch muss­te der Ta­rif­ver­trag zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung wirk­sam sein. Der Ta­rif­ver­trag, nach des­sen Be­din­gun­gen sich das Ar­beits­verhält­nis zukünf­tig rich­ten soll­te, ist mit TV Ra­tio TDG hin­rei­chend be­zeich­net. Es konn­te sich da­bei nur um den nämli­chen Ta­rif­ver­trag han­deln. Der TV Ra­tio TDG vom 1.4.2010 hat kei­ne Vorgänger­re­ge­lung. Es gibt nur die­sen ei­nen TV Ra­tio TDG, der – un­abhängig von dem Da­tum sei­ner Un­ter­zeich­nung – gemäß sei­nem § 17 am 1. April 2010 in Kraft ge­tre­ten ist, und da­mit für den Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung Wirk­sam­keit für sich be­an­sprucht. Die Be­klag­te hat die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit den dort auf­geführ­ten Be­din­gun­gen an­ge­bo­ten. Zwei­fel zum In­halt des Ände­rungs­an­ge­bots konn­ten da­durch nicht her­vor­ge­ru­fen wer­den.

2.2.2.2.1.3 Für die Be­stimm­bar­keit des Ände­rungs­an­ge­bots kam es auch nicht dar­auf an, ob die Be­klag­te am 19.6.2013 ei­ne „fi­na­li­sier­te“ Fas­sung des Ta­rif­ver­tra­ges ins Netz ge­stellt hat, was zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist. (Dies trifft für den vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­den Sach­ver­halt nicht zu. Hier ist es un­strei­tig, dass die Kläge­rin ent­spre­chend un­ter­rich­tet wur­de, Anm. d. Verf.) Denn un­abhängig von ei­ner et­wai­gen Veröffent­li­chung ei­ner fi­na­li­sier­ten Fas­sung ziel­te das An­ge­bot der Be­klag­ten auf die Ar­beits­be­din­gun­gen ab, wie sie im Ta­rif­ver­trag in der zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung gel­ten­den Fas­sung auf­geführt wa­ren. In die­sem Sin­ne war das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten aus Sicht des Erklärungs­empfängers nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te (§§ 133, 157 BGB) zu ver­ste­hen. Mit dem Ver­weis auf die­sen Ta­rif­ver­trag lässt sich aber schon im Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung der In­halt des Ände­rungs­an­ge­bots klar be­stim­men. Die­ser In­halt ist ei­ner ein­sei­ti­gen Ände­rung durch die Ar­beit­ge­be­rin ent­zo­gen. Es ist zwar rich­tig, dass oh­ne Veröffent­li­chung des Ta­rif­ver­tra­ges die Kläge­rin persönlich von den ein­zel­nen Ar­beits­be­din­gun­gen, wie sie in Ab­schnitt I des Ta­rif­ver­tra­ges auf­geführt wur­den, in­so­weit kei­ne Kennt­nis neh­men konn­te, als die­se nicht schon in dem In­for­ma­ti­ons­schrei­ben der Be­klag­ten wie­der­ge­ge­ben wur­den. Das macht das An­ge­bot in­des nicht un­be­stimm­bar. Grund­la­ge des Ände­rungs­an­ge­bots ist der Ta­rif­ver­trag mit dem In­halt, den die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für den Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung ver­ein­bart ha­ben, hier al­so der TV Ra­tio TDG vom 01.04.2010. Die Si­tua­ti­on der Kläge­rin stellt sich hier nicht an­ders da, als wenn der Ta­rif­ver­trag mit Wir­kung für bei­de Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­ter­zeich­net, aber noch nicht für Drit­te veröffent­lich wäre oder aber die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Ta­rif­ver­trag ein­ver­nehm­lich nach Zu­gang der Kündi­gung noch ändern würden. Auch dann würden sich die Ar­beits­be­din­gun­gen – für die Kläge­rin nur auf­grund der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me­klau­sel abs­trakt, nicht aber in den kon­kre­ten Ände­run­gen vor­her­seh­bar – ändern.

2.2.2.2.1.4 Für die Be­stimm­bar­keit des Ände­rungs­an­ge­bots kam es auch nicht dar­auf an, wann der Ta­rif­ver­trag mit Un­ter­zeich­nung bei­der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Wirk­sam­keit er­lang­te. Wie oben be­reits aus­geführt, be­zieht sich das Ände­rungs­an­ge­bot auf den nämli­chen Ta­rif­ver­trag, der nach dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­reits ab dem 1.4.2010 wirk­sam wer­den soll­te.

2.2.2.2.1.5 Das Ände­rungs­an­ge­bot wahrt das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB. Es ent­spricht der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG v. 25. April 2013 – 2 AZR 960/11 - EzA § 20 GVG Nr 8; v. 16. De­zem­ber 2010 – 2 AZR 576/09 - EzA § 2 KSchG Nr 81), dass der In­halt des Ände­rungs­an­ge­bots im Kündi­gungs­schrei­ben nur An­klang ge­fun­den ha­ben muss. Dies ist mit der Be­zug­nah­me auf die im TV Ra­tio TDG ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen der Fall.

2.2.2.3 Die Be­klag­te hat mit ih­rer Ände­rungskündi­gung der Kläge­rin die nach Maßga­be des Kündi­gungs­grun­des am we­nigs­ten be­ein­träch­ti­gen­den Ände­run­gen an­ge­bo­ten.

2.2.2.3.1 Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass der Beschäfti­gungs­be­trieb der Kläge­rin zum 31. Ju­li 2013 still­ge­legt wur­de. Da­mit sind die Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten für die Kläge­rin dort auf Dau­er ent­fal­len. Da es an­der­wei­ti­ge freie Ar­beitsplätze im Un­ter­neh­men – auch zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen - nicht gab, hätte das Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Be­en­di­gungskündi­gung be­en­det wer­den müssen. We­ni­ger ein­schnei­den­de An­ge­bo­te als die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bei der Beschäfti­gungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ge­sell­schaft V. konn­te die Be­klag­te der Kläge­rin nicht an­bie­ten. Da­bei hat sich die Be­klag­te mit ih­rem An­ge­bot an den durch den Ta­rif­ver­trag Ra­tio TDG ge­steck­ten Rah­men ge­hal­ten.“

3.

Ob die Schluss­fol­ge­run­gen der Kläge­rin hin­sicht­lich der Rechts­fol­gen ei­ner feh­ler­haft gewähl­ten Kündi­gungs­frist zu­tref­fen, kann da­hin ge­stellt blei­ben. Be­reits ihr Aus­gangs­punkt trägt nicht. Die in dem Kündi­gungs­schrei­ben ge­nann­te Kündi­gungs­frist ist zu­tref­fend, weil sie der wirk­sa­men ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung im TV Ra­tio TDG ent­spricht, die auf­grund der ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­zug­nah­me auf Ta­rif­verträge auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fin­det.

a) In Ab­wei­chung von der ge­setz­li­chen aber auch der an­sons­ten gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung be­stimmt § 5 Ab­satz 3 TV Ra­tio TDG für die Ände­rungskündi­gung zur Durch­set­zung des Beschäfti­gungs­an­ge­bots ei­ne Kündi­gungs­frist von drei Wo­chen zum 15. oder zum Mo­nats­en­de.

b) Ei­ne sol­che Ab­wei­chung von den ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­fris­ten aus § 622 BGB ist den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch § 622 Ab­satz 4 BGB er­laubt.

aa) § 622 Ab­satz 4 Satz 1 BGB er­laubt den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Ab­wei­chun­gen von den Absätzen 1-3 der Vor­schrift und da­mit von der ge­setz­li­chen Grundkündi­gungs­frist, den ge­setz­li­chen Kündi­gungs­ter­mi­nen, den in Abhängig­keit von der Beschäfti­gungs­zeit verlänger­ten Kündi­gungs­fris­ten und der Kündi­gungs­frist für die Pro­be­zeit. Nach der zu­tref­fen­den Recht­spre­chung des BAG ist den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­mit ei­ne wei­te Ab­wei­chungs­be­fug­nis ein­geräumt (BAG 23.04.2008 – 2 AZR 21/07 – NZA 2008, 960, Rn 14ff). Der Wort­laut der ge­setz­li­chen Öff­nungs­klau­sel enthält kei­ner­lei Ein­schränkun­gen. Nach der Be­gründung des Ge­set­zes­ent­wurfs (BT-Drs 12/4902, S. 9) sind sämt­li­che Ele­men­te der Re­ge­lung zu den Kündi­gungs­fris­ten ein­sch­ließlich der Vor­aus­set­zun­gen für verlänger­te Kündi­gungs­fris­ten zur Dis­po­si­ti­on der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­stellt. Der vom Ge­setz­ge­ber gewähl­te Be­griff „ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen“ um­fasst ne­ben der Verlänge­rung auch die Verkürzung der ge­setz­li­chen Fris­ten (Müller-Glöge, Fs Schaub, 497, 499). Da­mit er­laubt die ge­setz­li­che Re­ge­lung die durch § 5 Ab­satz 3 TV Ra­tio TDG ver­ein­bar­te Ab­wei­chung, wie sie in der Abkürzung der Grundkündi­gungs­frist auf drei Wo­chen und ih­rer Aus­deh­nung auf al­le Ar­beits­verhält­nis­se un­abhängig von de­ren Beschäfti­gungs­dau­er be­steht.

bb) Ent­ge­gen der Be­ru­fung verstößt die Ta­rif­norm nicht ge­gen ein die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bin­den­des Ge­bot, älte­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne verlänger­te Kündi­gungs­frist zu­bil­li­gen zu müssen. Ein sol­ches Ge­bot ist ent­ge­gen ei­ner in Li­te­ra­tur (KR-Spil­ger BGB § 622 Rn 214) und Recht­spre­chung (ArbG Ber­lin 10.09.2014 – 54 Ca 10559/13) ver­tre­te­nen Auf­fas­sung nicht an­zu­er­ken­nen. Das BAG hat ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung an­er­kannt, die ein­heit­li­che Kündi­gungs­fris­ten oh­ne Staf­fe­lung nach Al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit für Be­trie­be mit we­ni­ger als 20 Mit­ar­bei­tern vor­sah (BAG 23.04.2008 – 2 AZR 21/07 – NZA 2008, 960, Rn 14ff). Die dort ge­ge­be­ne Be­gründung, der Min­dest­schutz für älte­re Mit­ar­bei­ter wer­de un­abhängig von der ein­geräum­ten Kündi­gungs­frist durch die ge­setz­li­che Re­ge­lung bezüglich der Kündi­gungs­gründe in § 1 Ab­satz 3 Satz 1 KSchG ge­wahrt, greift auch für Be­trie­be mit mehr als 20 Ar­beit­neh­mern. Von Ge­set­zes we­gen müssen Ta­rif­verträge nicht der Ziel­set­zung des Ge­setz­ge­bers ent­spre­chen, älte­re Ar­beit­neh­mer durch länge­re Kündi­gungs­fris­ten zu schützen (Müller-Glöge, Fs Schaub, 497, 500).

cc) Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ausführt, ist in die­sem Zu­sam­men­hang außer­dem zu be­ach­ten, dass die vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­den Fris­ten al­lein für ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­te Ände­rungskündi­gun­gen Gel­tung be­an­spru­chen. Der ta­rif­nor­mun­ter­wor­fe­ne Ar­beit­neh­mer verfügt so­mit über die Möglich­keit, durch die An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­mei­den und statt­des­sen das Ar­beits­verhält­nis zu ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten geänder­ten Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Die Kündi­gungs­frist re­gelt dann nicht die Frist zwi­schen Erklärung der Kündi­gung und Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern zwi­schen Erklärung und Wirk­sam­wer­den der – ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­ge­be­nen – Ände­run­gen. Hier­in ist ein we­ni­ger gra­vie­ren­der Ein­griff zu se­hen, so dass be­reits aus die­sem Grund die Ver­let­zung ei­nes ge­bo­te­nen Min­dest­schut­zes nicht an­ge­nom­men wer­den kann.

c) Der TV Ra­tio TDG ist für den maßgeb­li­chen Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs wirk­sam.

aa) Ta­rif­verträge bedürfen nach der Re­ge­lung in § 1 Ab­satz 2 TVG der Schrift­form. Aus der An­wen­dung der §§ 126, 130 Ab­satz 1 BGB folgt, dass bei Un­ter­zeich­nung in Ab­we­sen­heit der Ge­gen­sei­te die schrift­li­che und un­ter­zeich­ne­te An­nah­me­erklärung der Ge­gen­sei­te zu­ge­hen muss, da­mit der Ver­trags­schluss wirk­sam wird (BAG 07.07.2010 – 4 AZR 1023/08 – NZA-RR 2011, 30, Rn 14). Dies ist vor­lie­gend am 10.07.2013 oder je­den­falls bis zum 11.07.2013 ge­sche­hen.

bb) Die Kündi­gung fällt in den zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich des TV Ra­tio TDG. Der dem Ta­rif­ver­trag von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei­ge­mes­se­ne Wirk­sam­keits­be­ginn am 01.04.2010 ist aus­drück­lich in § 17 TV Ra­tio TDG fest­ge­legt. Die von der Kläge­rin an­geführ­te Täuschung über das Ab­schluss­da­tum durch die An­ga­be ei­nes Da­tums aus 2010 im Ti­tel des Ta­rif­ver­trags be­ein­träch­tigt nicht die Klar­heit und Ein­deu­tig­keit die­ser Ta­rif­norm.

cc) Soll­te der TV Ra­tio TDG erst nach der Kündi­gung wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men sein, weil der dafür maßge­ben­de Zu­gang der un­ter­schrie­be­nen Fas­sung bei dem Ta­rif­part­ner nach dem Kündi­gungs­zu­gang liegt, so würde die dar­aus re­sul­tie­ren­de Rück­wir­kung zulässig sein. Auch in­so­weit wird auf die Ausführun­gen aus den be­reits an­geführ­ten Ent­schei­dungs­gründen zu dem Ur­teil des LAG-Ber­lin-Bran­den­burg vom 15.07.2014 – 7 Sa 662/14 – ver­wie­sen.

„2.2.2.3.3.4.2.1 Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts tra­gen ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen auch während der Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges den im­ma­nen­ten Vor­be­halt ih­rer rück­wir­ken­den Abänder­bar­keit durch Ta­rif­ver­trag in sich (vgl. BAG v. 24. März 2011 – 6 AZR 765/09 –,ju­ris mwN; v. 27. Ok­to­ber 2010 - 10 AZR 410/09 - Rn. 17, ZTR 2011, 172; 24. Ok­to­ber 2007 - 10 AZR 878/06 - NZA 2008, 131). Dies gilt selbst für be­reits ent­stan­de­ne und fällig ge­wor­de­ne, noch nicht ab­ge­wi­ckel­te Ansprüche (sog. „wohl­er­wor­be­ne Rech­te“). Die Kom­pe­tenz der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zur Ände­rung von Ta­rif­verträgen um­fasst auch die Möglich­keit, Kündi­gungs­fris­ten rück­wir­kend zu Un­guns­ten der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu ändern und zwar mit Wir­kung für be­reits aus­ge­spro­che­ne Kündi­gun­gen (BAG v. 18.09.1997 – 2 AZR 614/96 – RzK I 3e Nr. 67; Hes­se in Münch­Ko zum BGB 6. Aufl. 2012; a.A. Löwisch TVG 3. Aufl. § 1 Rz. 890). Da­bei ist die Ge­stal­tungs­frei­heit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zur rück­wir­ken­den Ände­rung nur durch den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes der Nor­mun­ter­wor­fe­nen be­grenzt. In­so­weit gel­ten die glei­chen Re­geln wie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bei der Rück­wir­kung von Ge­set­zen. Ob und ab wann die Ta­rif­un­ter­wor­fe­nen mit ei­ner ta­rif­li­chen Neu­re­ge­lung rech­nen müssen, ist ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls (BAG v. 24. März 2011 – 6 AZR 765/09 a.a.O; v. 23. No­vem­ber 1994 – 4 AZR 879/93 – a.a.O). Das Ver­trau­en in die Fort­gel­tung ei­ner Ta­rif­norm ist dann nicht mehr schutzwürdig, wenn und so­bald die Nor­mun­ter­wor­fe­nen mit ei­ner Ände­rung rech­nen müssen (BAG 22. Ok­to­ber 2003 - 10 AZR 152/03 - BA­GE 108, 176, 183). Maßge­bend sind in­so­weit die Umstände des je­wei­li­gen Ein­zel­falls. Da­bei hat der Weg­fall des Ver­trau­ens­schut­zes nicht zur Vor­aus­set­zung, dass der ein­zel­ne Ta­rif­un­ter­wor­fe­ne po­si­ti­ve Kennt­nis von den zu­grun­de lie­gen­den Umständen hat. Ent­schei­dend und aus­rei­chend ist viel­mehr die Kennt­nis der be­trof­fe­nen Krei­se (BAG vom 24. März 2011 – 6 AZR 765/09 –, ju­ris).

Da­nach schei­det vor­lie­gend ei­ne un­zulässi­ge Rück­wir­kung hin­sicht­lich der Abkürzung der Kündi­gungs­fris­ten durch § 5 Ab­satz 3 TV Ra­tio TDG aus. Zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung muss­te die Kläge­rin mit ei­ner wirk­sa­men Ände­rung der Kündi­gungs­fris­ten rech­nen. Aus der In­for­ma­ti­on durch die E-Mail vom 19.06.2014 war ihr be­kannt, dass der TV Ra­tio TDG an die­sem Tag fi­na­li­siert war. Der Du­den nennt als Wort­be­deu­tung von fi­na­li­sie­ren: „endgültig ver­ein­ba­ren, ver­bind­lich be­sch­ließen.“ Die Kläge­rin wuss­te al­so, dass die Ver­hand­lun­gen über die­sen Ta­rif­ver­trag ab­ge­schlos­sen wa­ren und sie konn­te des­sen Be­din­gun­gen zur Kennt­nis neh­men. Über­dies war die Kündi­gungs­frist im Ände­rungskündi­gungs­schrei­ben ge­nannt. Die Kläge­rin konn­te da­her schon bei Zu­gang der Kündi­gung nicht mehr auf ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist ver­trau­en.

4.  

Die mit dem Kündi­gungs­schrei­ben mit­ge­teil­te, un­zulässig verkürz­te An­nah­me­frist für das Ände­rungs­an­ge­bot ist oh­ne Aus­wir­kun­gen auf die Wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung

a) Nach der ge­setz­li­chen Re­ge­lung in § 2 Satz 2 KSchG muss der Ar­beit­neh­mer die Vor­be­halts­an­nah­me in­ner­halb der Kündi­gungs­frist, spätes­tens je­doch in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung erklären. Die­se ge­setz­li­che Frist ist zwin­gend. Für den Ar­beit­neh­mer nach­tei­li­ge Ab­wei­chun­gen von den Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes können nicht ver­ein­bart oder ein­sei­tig durch den Ar­beit­ge­ber fest­ge­legt wer­den (BAG 18.05.2006 – 2 AZR 230/05 – ju­ris, Rn 17). Die in dem Kündi­gungs­schrei­ben ein­geräum­te Frist von ei­ner Wo­che ab Zu­gang ist so­mit un­wirk­sam und die Kläge­rin hätte die Vor­be­halts­an­nah­me wirk­sam bis zum Ab­lauf der ge­setz­li­chen Frist am 31.07.2013 erklären können (vgl. KR-Rost/Kreft, KSchG § 2, Rn 77b).

b) Die un­zulässig kur­ze Be­stim­mung der An­nah­me­frist führt je­doch nicht zur Un­wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung. Die An­nah­me ei­ner sol­chen Rechts­fol­ge würde nicht ge­recht­fer­tigt sein. Sie ist im KSchG nicht vor­ge­se­hen und auch nicht zum Schutz des Ar­beit­neh­mers vor Miss­brauch ge­bo­ten (BAG 18.05.2006 – 2 AZR 230/05 – ju­ris, Rn 22ff; 01.02.2007 – 2 AZR 44/06 – ju­ris, Rn 20).

5.

Die Kündi­gung ist nicht nach § 102 Be­trVG un­wirk­sam. Die dort vor­ge­schrie­be­ne Anhörung des Be­triebs­rats vor Aus­spruch der Kündi­gung ist vor­lie­gend er­folgt. Die Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats war ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­ru­fung nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich un­vollständig. Der für den Kündi­gungs­ent­schluss der Be­klag­ten maßge­ben­de Sach­ver­halt er­gab sich für den Be­triebs­rat aus der E-Mail vom 01.07.2013. Zwar ist grundsätz­lich zu ver­lan­gen, dass dem Be­triebs­rat Fa­mi­li­en­stand und Un­ter­halts­pflich­ten des Ar­beit­neh­mers mit­ge­teilt wer­den. Dies gilt aber nicht für sol­che Fälle ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung, in de­nen ei­ne So­zi­al­aus­wahl nach der für den Be­triebs­rat er­kenn­ba­ren Auf­fas­sung des Ar­beit­ge­bers we­gen der Still­le­gung des ge­sam­ten Be­triebs nicht vor­zu­neh­men ist. Dann ist es für den Be­triebs­rat of­fen­kun­dig, dass ei­ne Aus­wahl nach so­zia­len Ge­sichts­punk­ten aus­schei­det und des­halb ei­ne Erörte­rung der Fra­ge mit dem Ar­beit­ge­ber oder die Her­an­zie­hung der So­zi­al­da­ten zur Be­gründung ei­nes Wi­der­spruchs nach § 102 Ab­satz 3 Nr. 1 Be­trVG nicht in Be­tracht kom­men. Die Mit­tei­lung der ge­nann­ten So­zi­al­da­ten hat dann kei­nen denk­ba­ren recht­li­chen Zweck mehr, so dass sie un­ter­blei­ben kann (BAG 13.05.2004 – 2 AZR 329/03 – NZA 2004, 1037). Die feh­len­de Un­ter­rich­tung des Be­triebs­ra­tes über Fa­mi­li­en­stand und Un­ter­halts­pflich­ten ist des­halb vor­lie­gend unschädlich. Auf die von der Be­klag­ten gel­tend ge­mach­te Un­ter­rich­tungsmöglich­keit für den Be­triebs­rat über die So­zi­al­da­ten der Kläge­rin kommt es nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich an.

Ent­spre­chen­des gilt für das eben­falls nicht mit­ge­teil­te So­zi­al­da­tum Be­triebs­zu­gehörig­keit. Die­ses war auch nicht im Hin­blick auf et­wa zur An­wen­dung kom­men­de verlänger­te Kündi­gungs­fris­ten mit­zu­tei­len. Nach der vor­lie­gend an­wend­ba­ren ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung zu den Kündi­gungs­fris­ten kam un­abhängig von der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­ne ein­heit­li­che Kündi­gungs­frist zur An­wen­dung.

6.

Sch­ließlich ist die Kündi­gung nicht nach § 18 KSchG un­wirk­sam. Die für Mas­sen­ent­las­sun­gen nach § 17 KSchG er­for­der­li­che An­zei­ge ist vor­lie­gend er­folgt, so dass die an­ge­grif­fe­ne Ände­rungskündi­gung gemäß dem Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit mit Ab­lauf der Mo­nats­frist aus § 18 Ab­satz 1 KSchG wirk­sam wer­den konn­te.

III.

Nach der Re­ge­lung in § 97 Ab­satz 1 ZPO wa­ren die Kos­ten der von ihr oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Be­ru­fung der Kläge­rin auf­zu­er­le­gen.

Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Ab­satz 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt
(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem oder ei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwältin­nen und Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46b ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
Für die Be­klag­te ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Hin­weis der Geschäfts­stel­le
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

Dr. M  

B.  

Dr. H

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