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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebliche Lohngestaltung, Betriebsrat, Lohn und Gehalt
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 4 TaBV 18/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 24.06.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Beschluss vom 3.02.2010, 38 BV 198/08
   

4 TaBV 18/10
38 BV 198/08
(ArbG München)

Verkündet am: 24.06.2010

He­ger
Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt München

Im Na­men des Vol­kes

BESCHLUSS

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

 

1. Ge­samt­be­triebs­rat der B. G. GmbH & Co. oHG

- An­trag­stel­ler, Be­tei­lig­ter zu 1 und Be­schwer­deführer -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te:

2. Fir­ma B. G. GmbH & Co. oHG

- Be­tei­lig­te zu 2. und Be­schwer­de­geg­ne­rin -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te:

 

- 2 -

hat die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Anhörung vom 24. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Bur­ger und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter von Zez­schwitz und Heeb

für Recht er­kannt:

I. Die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1. - Ge­samt­be­triebs­rat - ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts München vom 3. Fe­bru­ar 2010 - 38 BV 198/08 - wird zurück­ge­wie­sen.

II. Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

G r ü n d e :

A.

Der An­trag­stel­ler - Ge­samt­be­triebs­rat - macht mit dem vor­lie­gen­den Fest­stel­lungs­an­trag ei­ne (deut­li­che­re) An­he­bung der Gehälter ei­nes spe­zi­fi­schen Teils der AT-An­ge­stell­ten auf­grund der Re­ge­lun­gen in ei­ner mit der Ar­beit­ge­be­rin und Be­tei­lig­ten zu 2 ab­ge­schlos­se­nen Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung gel­tend.

Die Ar­beit­ge­be­rin und Be­tei­lig­te zu 2 mit dem Haupt­sitz in M. ist nach dem Vor­brin­gen des Be­tei­lig­ten zu 1 aus der V. In. GmbH & Co. OHG her­vor­ge­gan­gen und führ­te vor ih­rer Um­wand­lung in die B. G. GmbH & Co. OHG, der Be­tei­lig­ten zu 2 des vor­lie­gen¬den Ver­fah­rens, die Fir­men­be­zeich­nung „B. Ig. GmbH & Co. KG“. Sie beschäftigt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land et­wa 1.400/1.500 Ar­beit­neh­mer, da­von - die An­ga­ben der Be­tei­lig­ten schwan­ken - ca. 900 Ta­rif­mit­ar­bei­ter und ca. 450 AT-An­ge­stell­te. Der Ge­samt­be­triebs­rat die­ses Un­ter­neh­mens und Be­tei­lig­te zu 1 des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens be­steht aus neun Mit­glie­dern.

 

- 3 -

Nach den bei der Ar­beit­ge­be­rin gel­ten­den Fir­men-Ent­gelt­ta­rif­verträgen (vor­ge­legt: Ent­gelt­ta­rif­ver­trag mit der IG Berg­bau, Che­mie, En­er­gie vom 27.04.2007 nebst An­la­gen, An­la­ge ASt 2, Bl. 15 - 27 d. A.) be­steht für Mit­ar­bei­ter, die dem Be­reich Ver­trieb/Ver­kauf zu­zu­ord­nen sind, die Ent­gelt­grup­pe V 4 als höchs­te Ent­gelt­grup­pe, während bei den sons­ti­gen Ar­beit­neh­mern (non-sa­les-Be­rei­che) die höchs­te Ta­rif­grup­pe die Ent­gelt­grup­pe E 8 ist. Hier­nach be­trug das jähr­li­che Grund­ge­halt je­weils zum Stich­tag 01.04.2007 für Mit­ar­bei­ter der Ent­gelt­grup­pe V 4 46.704.- € brut­to und für Mit­ar­bei­ter der Ent­gelt­grup­pe E 8 59.868.- € brut­to.
In ei­ner Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und dem Ge­samt­be­triebs­rat der, da­mals, B. Ig. GmbH & Co. vom 04.10.2001 nebst Pro­to­koll­no­tiz so-wie „Erklärung zur Ge­haltsüber­prüfungs­run­de 2001 im AT-Be­reich´“ eben­falls vom 04.10.2001 ist u. a. be­stimmt (An­la­ge ASt 5, Bl. 39 - 42 d. A.):

„§ 1 Gel­tungs­be­reich

Die­se Ver­ein­ba­rung gilt für al­le un­be­fris­tet beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter der B. Ig. GmbH & Co, so­weit sie nicht Ta­rif­mit­ar­bei­ter sind und an ihr Auf­ga­ben­ge­biet höhe­re An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den als an das der höchs­ten Ta­rif­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges. Lei­ten­de An­ge­stell­te i. S. d. § 5 Be­trVG sind von der Re­ge­lung aus­ge­nom­men.

§ 2 Ge­gen­stand

Die Höhe des je­weils zur Verfügung ste­hen­den Ge­samt­bud­gets legt die Geschäfts­lei­tung jähr­lich neu fest. Es be­steht kein Rechts­an­spruch auf die Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de.
...

§ 3 Zeit­punkt der Ge­haltsüber­prüfung

Die jähr­li­che Ge­haltsüber­prüfung wird so recht­zei­tig vor­ge­nom­men, dass die Ge­halts­verände­rung spätes­tens zum Stich­tag der jähr­li­chen ta­rif­li­chen Ge­halts­an­he­bun­gen er­fol­gen kann.
...

§ 4 Teil­nah­me­vor­aus­set­zun­gen

Grundsätz­lich neh­men al­le in § 1 die­ser Ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter, die sich zu dem Stich­tag der jähr­li­chen ta­rif­li­chen Ge­halts­an­he­bun­gen in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fin­den, an der Ge­halts­run­de teil, es sei denn, mit ih­nen ist ein Ent­wick­lungs­plan ver­ein­bart, der Re­ge­lun­gen zur Ge­halts­ent­wick­lung be­inhal­tet.

 

- 4 -

§ 6 Ent­schei­dungs­rah­men

Bis zu ei­nem Jah­res­ziel­ge­halt von we­ni­ger als 40 % über dem höchs­ten Ziel­ge­halt der obers­ten Ent­gelt­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges (E 8 bzw. V 4) muss der Erhöhungs­be­trag pro Mit­ar­bei­ter min­des­tens so hoch sein, wie der Be­trag, um den die obers­te Ent­gelt­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges (E 8 bzw. V 4) im lau­fen­den Ka­len­der­jahr an­ge­ho­ben wur­de.
...“

Die­se Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 ist nach dem Vor­brin­gen der Be­tei­lig­ten im Anhörungs­ter­min zu­letzt von der Ar­beit­ge­be­rin et­wa im Som­mer 2009 gekündigt wor­den.

Im Rah­men des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens mach­te der Ge­samt­be­triebs­rat - aus ei­ge­nem und eben­so aus über­tra­ge­nem Recht der Ein­zel­be­triebsräte - zunächst gel­tend, dass die Ar­beit­ge­be­rin zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­pflich­tet darüber sei, in wel­cher Höhe sie während des Geschäfts­jahrs 2007/2008 (01.04.1007 bis 31.03.2008) ih­ren Ar­beit­neh­mern i. S. d. § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 - al­so sol­chen AT-An­ge­stell­ten mit ei­nem Jah­res­ziel­ge­halt von we­ni­ger als 40 % über dem höchs­ten ta­rif­li­chen Ziel­ge­halt, an de­ren Auf­ga­ben­ge­biet höhe­re An­for­de­run­gen als nach der höchs­ten Ta­rif­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges ge­stellt würden - Ent­gel­terhöhun­gen oder Son­der­zah­lun­gen ge­zahlt ha­be, gleich­zei­tig die Un­ter­las­sung sol­cher Zah­lun­gen oh­ne Be­ach­tung des Mit­be­stim­mungs­rechts des Ge­samt­be­triebs­rats.

Das Ar­beits­ge­richt hat­te durch Teil­be­schluss vom 15.10.2008 den Anträgen des Ge­samt­be­triebs­rats hin­sicht­lich der ver­lang­ten Aus­kunfts­er­tei­lung, der Fest­stel­lung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts hier­zu und dem ent­spre­chen­den Un­ter­las­sungs­an­trag statt­ge­ge­ben. Die von der Ar­beit­ge­be­rin hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­schwer­de wur­de mit rechts­kräfti­gem Be­schluss der Be­schwer­de­kam­mer vom 30.04.2009 als un­zulässig ver­wor­fen.

Im Rah­men der Fort­set­zung des Ver­fah­rens macht der Ge­samt­be­triebs­rat nun­mehr durch Fest­stel­lungs­an­trag gel­tend, dass die Ar­beit­ge­be­rin den be­tref­fen­den Mit­ar­bei­tern im „AT-Be­reich“ für das Geschäfts­jahr 2007/2008 die ta­rif­li­che Ent­gel­terhöhung wei­ter­zu­rei­chen ha­be. Er be­gründet dies da­mit, dass die Ar­beit­ge­be­rin die Gehälter sämt­li­cher Mit­ar­bei­ter der obers­ten Ent­gelt­grup­pen des Ta­rif­be­reichs zum 01.04.2007 je­weils um 1,9 % erhöht ha­be. Ei­ne Erhöhung in na­he­zu glei­cher Höhe - von ins­ge­samt 1,86 % -

 

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hätten im sel­ben Geschäfts­jahr 2007/2008 (01.04.2007 bis 31.03.2008) al­lein ein­zel­ne (ins­ge­samt 98) Mit­ar­bei­ter des außer­ta­rif­lich vergüte­ten Be­reichs ins­ge­samt in der Sum­me er­hal­ten. Nach der auf­grund des rechts­kräfti­gen Teil­be­schlus­ses vom 15.10.2008 von der Ar­beit­ge­be­rin er­teil­ten Aus­kunft hätten zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter des „AT-Be­reichs“ in die­sem Zeit­raum zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten in un­ter­schied­li­cher Höhe auf, so die Ar­beit­ge­be­rin, je­weils in­di­vi­du­el­ler Ba­sis und aus un­ter­schied­li­chen Gründen Ge­halts­erhöhun­gen er­hal­ten, die je­doch als sol­che Teil ei­nes ent­spre­chen­den „Bud­gets“ sei­en - wie dies im Rah­men frühe­rer Ge­halts­run­den zwi­schen den Be­tei­lig­ten je­weils so be­trach­tet wor­den sei -, wes­halb auch die an­de­ren, bis­her nicht do­tier­ten, Mit­ar­bei­ter die­ses „AT-Be­reichs“ An­spruch auf ent­spre­chen­de Ent­gel­terhöhung für die­sen Zeit­raum ha­ben müss­ten. Da­ge­gen führt die Ar­beit­ge­be­rin aus, dass sämt­li­che Ge­halts­erhöhun­gen während des Geschäfts­jah­res 2007/2008 je­weils auf in­di­vi­du­el­len Ent­schei­dun­gen der je­wei­li­gen Vor­ge­setz­ten be­ruht hätten und zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten er­folgt sei­en, wes­halb es kei­ne „Bud­getent­schei­dung“ der Ar­beit­ge­be­rin für den „AT-Be­reich“ und ins­be­son­de­re nicht für den hier ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Per­so­nen­kreis ge­ge­ben ha­be. Die vom Ge­samt­be­triebs­rat er­mit­tel­te Sum­menähn­lich­keit der ku­mu­lier­ten in­di­vi­du­el­len An­he­bungs­beträge mit der Ta­rif­erhöhung be­ru­he auf ei­nem Zu­fall. Es sei auch in der Ver­gan­gen­heit nicht so ge­we­sen, dass sich die Be­tei­lig­ten stets darüber ei­nig ge­we­sen sei­en, dass in­di­vi­du­ell er­folg­te Ge­halts­erhöhun­gen je­weils als Teil ei­nes ent­spre­chen­den „Bud­gets“ an­ge­se­hen hätten wer­den sol­len.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit wei­te­rem Be­schluss vom 03.02.2010, der den Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des Ge­samt­be­triebs­rats am 08.02.2010 zu­ge­stellt wur­de, den noch rechtshängi­gen Fest­stel­lungs­an­trag mit der Be­gründung ab­ge­wie­sen, dass die Aus­le­gung der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 nach den hier­bei maßgeb­li­chen Grundsätzen er­ge­be, dass die­se nur für den Fall gel­ten sol­le, dass tatsächlich ei­ne all­ge­mei­ne Ge­haltsüber­prüfung im außer­ta­rif­li­chen Be­reich durch­geführt wer­de - wel­che Vor­aus­set­zung für das ver­fah­rens­ge­genständ­li­che Geschäfts­jahr 2007/2008 nicht vor­ge­le­gen ha­be. Ei­ne sol­che für al­le in der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten AT-Mit­ar­bei­ter ha­be we­der zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt statt­ge­fun­den noch ha­be gem. § 2 die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ein An­spruch auf Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de be­stan­den. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be le­dig­lich für ei­nen Teil der AT-Mit­ar­bei­ter die Gehälter zu ganz un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten erhöht. Da­mit lägen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne

 

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An­wend­bar­keit die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung und da­mit für ei­nen An­spruch aus § 6 hier­aus nicht vor. Die vom An­trag­stel­ler be­gehr­te Fest­stel­lung er­ge­be sich auch nicht dar-aus, dass die Ar­beit­ge­be­rin mögli­cher­wei­se ein Mit­be­stim­mungs­recht des Ge­samt­be­triebs­rats gem. § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG da­durch ver­letzt ha­be, dass sie im Geschäfts­jahr 2007/2008 an 98 AT-Mit­ar­bei­ter Ge­halts­erhöhun­gen oh­ne sei­ne Be­tei­li­gung er­bracht ha­be oder sich hier­aus ein be­stimm­ter Aus­zah­lungs­be­trag er­ge­be, der ggf. als Bud­get in­ter­pre­tiert wer­den könne. Der be­gehr­te An­spruch könne sich al­lein aus § 6 die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben und schei­de des­halb bei de­ren Nicht­an­wend­bar­keit aus.

Hier­ge­gen rich­tet sich die Be­schwer­de des Ge­samt­be­triebs­rats mit Schrift­satz sei­ner Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten vom 05.03.2010, am sel­ben Tag zunächst per Te­le­fax beim Lan­des­ar­beits­ge­richt München ein­ge­gan­gen, zu de­ren Be­gründung er mit am sel­ben Tag ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz vom 07.04.2010 aus­geführt hat, dass sich aus der Aus­le­gung der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 nach den hier­bei gel­ten­den Grundsätzen er­ge­be, dass sich die Ar­beit­ge­be­rin hier­mit ver­pflich­tet ha­be, jähr­lich ein­mal ein Ge­samt­bud­get für al­le po­ten­zi­el­len Ge­halts­erhöhun­gen im „AT-Be­reich“ fest­zu­set­zen. Set­ze sie kein sol­ches jähr­li­ches Ge­samt­bud­get fest, ha­be sie es dann auch zu un­ter­las­sen, mit dem Ge­samt­be­triebs­rat nicht ab­ge­stimm­te sog. „in­di­vi­du­el­le“ Ge­halts­erhöhun­gen vor­zu­neh­men. § 2 die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung set­ze nicht et­wa ein, wie auch im­mer ge­ar­te­tes, Ge­samt­bud­get vor­aus und ord­ne dann des­sen Ver­tei­lung an, son­dern viel­mehr um­ge­kehrt, dass die Ar­beit­ge­be­rin nur ein Bud­get pro Jahr für die Ge­halts­erhöhun­gen fest­set­zen dürfe. Nach den er­teil­ten Auskünf­ten der Ar­beit­ge­be­rin ha­be die­se im ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Zeit­raum in 98 Fällen und da­mit bei mehr als ei­nem Fünf­tel der 439 AT-Beschäftig­ten in­di­vi­du­el­le Ge­halts­erhöhun­gen je­weils we­gen be­haup­te­ter „her­vor­ra­gen­der Leis­tun­gen“, we­gen „aus­ge­spro­chen gu­ter Leis­tun­gen“, we­gen „außer­gewöhn­li­chen Ein­sat­zes“, we­gen „be­son­de­rer Leis­tun­gen“ usw. vor­ge­nom­men. Be­reits in der zeit­gleich mit dem Ab­schluss der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 un­ter­zeich­ne­ten Erklärung zur Ge­haltsüber­prüfungs­run­de 2001 im „AT-Be­reich“ ha­be die Ar­beit­ge­be­rin erklärt ge­habt, dass die vor Ab­schluss die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­nom­me­nen in­di­vi­du­el­len Ge­halts­erhöhun­gen Be­stand­teil des dor­ti­gen Ge­samt­bud­gets sei­en - worüber die Be­tei­lig­ten sich eben­so je­weils in fol­gen­den Ge­halts­run­den ei­nig ge­we­sen sei­en. Auch aus Sinn und Zweck die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung fol­ge,

 

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dass die­se nicht ein­mal gel­ten und ein­mal nicht gel­ten könne, abhängig da­von, ob die Ar­beit­ge­be­rin je­weils ein all­ge­mei­nes Bud­get für all­ge­mei­ne Ge­halts­erhöhun­gen zur Verfügung stel­le oder nicht, in letz­te­rem Fall le­dig­lich in­di­vi­du­el­le Ge­halts­erhöhun­gen im Ein­zel­fall gewähren wol­le. Von ih­rer Sys­te­ma­tik her schließe die­se Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung sons­ti­ge In­di­vi­dual­aus­nah­men aus. Da­her er­ge­be sich für den ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Zeit­raum, dass sich nach der Ta­rif­run­de 2007 das Ent­gelt­del­ta zwi­schen dem al­ten und dem neu­en Ziel­ge­halt gemäß Ent­gelt­ta­rif­ver­trag auf 1.300,20 € brut­to be­lau­fen ha­be, wes­halb un­ter die 40 %-Gren­ze i. S. der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 die Gehälter von ins­ge­samt 310 AT-Mit­ar­bei­tern ge­fal­len sei­en, wor­aus sich für die­se Per­so­nen­grup­pe ein Erhöhungs­be­trag - Ge­samt­bud­get - von ins­ge­samt 403.062.- € (brut­to) er­ge­be, wel­cher um rund die Hälf­te un­ter dem von der Ar­beit­ge­be­rin ver­wen­de­ten Bud­get für das nämli­che Geschäfts­jahr 2007/2008 lie­ge. Auch lie­ge ein kol­lek­ti­ver Tat­be­stand i. S. d. § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG vor. Da­mit hätten auch die an­de­ren AT-An­ge­stell­ten mit ei­nem Jah­res­ziel­ge­halt von we­ni­ger als 40 % über dem höchs­ten Jah­res­ziel­ge­halt der obers­ten Ta­ri­fent­gelt­grup­pen An­spruch auf ei­ne ent­spre­chen­de Ge­halts­erhöhung.

Der Ge­samt­be­triebs­rat und Be­tei­lig­te zu 1 be­an­tragt:

Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts München vom 03.02.2010 - Az.: 3 BV 198/08 - wird ab­geändert und ins­ge­samt wie folgt neu ge­fasst:

Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­tei­lig­te zu 2) für das Geschäfts­jahr 2007/2008 (01.04.2007 bis 31.03.2008) den Mit­ar­bei­tern der Be­tei­lig­ten zu 2), an de­ren Auf­ga­ben­ge­biet höhe­re An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den als an das der höchs­ten Ta­rif­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges vom 27.04.2007 und die ein Jah­res­ziel­ge­halt von we­ni­ger als 40 % über dem höchs­ten Ziel­ge­halt der obers­ten Ent­gelt­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges (E 8 bzw. V 4) be­zie­hen, für die­sen Zeit­raum ei­ne Ge­halts­erhöhung zu zah­len hat, die min­des­tens den Erhöhungs­be­trag er­reicht, um den die obers­te Ent­gelt­grup­pe des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges (E 8 bzw. V 4) im Geschäfts­jahr 2007/2008 an­ge­ho­ben wur­de.

 

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Die Ar­beit­ge­be­rin und Be­tei­lig­te zu 2 trägt zur Be­gründung ih­res An­trags auf Zurück­wei­sung der Be­schwer­de vor, dass sich das Be­geh­ren des Ge­samt­be­triebs­rats nur auf die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 stützen könne, wo je­doch aus­drück­lich ge­re­gelt sei, dass kein Rechts­an­spruch auf die Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de be­ste­he und die Geschäfts­lei­tung für den Fall der Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de ein zur Verfügung ste­hen­des Ge­samt­bud­get jähr­lich neu fest­le­ge - erst wenn dies der Fall und das Ge­samt­bud­get vor­ge­ge­ben sei­en, begännen mögli­che Ver­tei­lungs­kri­te­ri­en zu wir­ken. Im hier ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Geschäfts­jahr 2007/2008 ha­be die Geschäfts­lei­tung kein zur Verfügung ste­hen­des Ge­samt­bud­get fest­ge­legt, wes­halb für außer­ta­rif­li­che Mit­ar­bei­ter kein Rechts­an­spruch auf Ge­halts­erhöhun­gen und da­mit lo­gi­scher­wei­se auch kei­ne Ver­pflich­tung zur Ge­halts­an­he­bung für den Teil der außer­ta­rif­li­chen Mit­ar­bei­ter gem. § 6 die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung be­ste­he. Aus er­folg­ten In­di­vi­dual­ge­halts­erhöhun­gen in die­sem Zeit­raum könne kei­ne „Bud­getent­schei­dung“ der Ar­beit­ge­be­rin i. S. die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ab­ge­lei­tet wer­den. Im Übri­gen sei ei­ne mögli­che „Bud­getent­schei­dung“ lo­gi­scher­wei­se nur dann zu tref­fen, wenn das Bud­get den sich aus § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 er­ge­ben­den Min­dest­be­trag über­schrei­te.

We­gen des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten im wei­te­ren Be­schwer­de­ver­fah­ren im Übri­gen wird auf die Schriftsätze vom 07.04.2010, vom 18.05.2010 und vom 07.06.2010 Be­zug ge­nom­men.

B.

Die zulässi­ge Be­schwer­de hat in der Sa­che kei­nen Er­folg.

I.

Die Be­schwer­de des Ge­samt­be­triebs­rats und Be­tei­lig­ten zu 1 ist statt­haft und form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 87 Abs. 1 und Abs. 2, 89 Abs. 1 und Abs. 2, 66 Abs. 1 ArbGG, 518, 519 ZPO) und da­mit zulässig.

 

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II.

Die Be­schwer­de des Ge­samt­be­triebs­rats und Be­tei­lig­ten zu 1 ist un­be­gründet.
Dies folgt un­ge­ach­tet der Erwägun­gen des Ar­beits­ge­richts be­reits dar­aus, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich die Be­schwer­de­kam­mer an­sch­ließt, der (Ge­samt-)Be­triebs­rat sol­che Ansprüche wie hier mit sei­nem (Fest­stel­lungs-)An­trag auch in des­sen letz­ter Fas­sung mit dem da­mit ge­woll­ten Er­geb­nis nicht gel­tend ma­chen kann.

1. a) Im kol­lek­tiv­recht­li­chen, mit­be­stim­mungs­recht­li­chen, Sinn ist der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat - hier ggf. dem Ge­samt­be­triebs­rat als Par­tei der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 - ge­genüber ver­pflich­tet, ei­ne (Ge­samt-)Be­triebs­ver­ein­ba­rung so durch­zuführen, wie sie ab­ge­schlos­sen wur­de. Dies folgt aus der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung selbst - de­ren Rechts­wirk­sam­keit un­ter­stellt (da­zu un­ten 2.) - bzw. aus § 77 Abs. 1 Satz 1 (i. V. m. § 51 Abs. 5) Be­trVG.
Der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che An­spruch auf Durchführung der (Ge­samt-)Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist je­doch von den durch sie be­gründe­ten in­di­vi­du­al­recht­li­chen, ma­te­ri­ell­recht­li­chen, Ansprüchen der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer zu un­ter­schei­den. Die­se Ansprüche kann der Be­triebs­rat nicht im ei­ge­nen Na­men gel­tend ma­chen. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­recht hat dem Be­triebs­rat nicht die Rol­le ei­nes ge­setz­li­chen Pro­zess­stand­schaf­ters zu­ge­wie­sen. Der In­di­vi­du­al­rechts­schutz darf nicht auf das Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ver­la­gert wer­den - die Ar­beit­neh­mer können nicht die Kos­ten für die Gel­tend­ma­chung ih­rer In­di­vi­du­al­rech­te durch Ein­schal­tung des Be­triebs­rats auf den Ar­beit­ge­ber abwälzen. Für die Ab­gren­zung sind auch nicht die For­mu­lie­rungsküns­te des An­trag­stel­lers aus­schlag­ge­bend: Ent­schei­dend ist, was der Be­triebs­rat mit sei­nem An­trag letzt­lich be­gehrt (vgl. BAG, B. v. 18.01.2005, 3 ABR 21/04, AP Nr. 24 zu § 77 Be­trVG 1972 Be­triebs­ver­ein­ba­rung - III. 2. der Gründe -: hier war der ge­stell­te, vom BAG als sol­cher als un­zulässig an­ge­se­he­ne, Leis­tungs­an­trag in ei­nen, in­so­weit zulässi­gen, Fest­stel­lungs­an­trag - wie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ge­stellt - um­ge­deu­tet, die­ser aber eben auch in­so­weit als un­zulässig, weil kei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­strei­tig­keit be­gründend, an­ge­se­hen wor­den; BAG, B. v. 17.10.1989, 1 ABR 31/87, AP Nr. 53 zu § 112 Be­trVG 1972; s. eben­so LAG Köln, B. v. 05.10.2009, 5 TaBV 51/09; LAG Schles­wig-

 

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Hol­stein, B. v. 15.09.2009, 5 TaBV 9/09; LAG Köln, B. v. 01.12.2003, 4 TaBV 35/03 - sämt­li­che in Ju­ris do­ku­men­tiert -).

b) Des­halb ist der Ge­samt­be­triebs­rat aus die­sen Gründen nicht be­fugt, die mit sei­nem (auch Fest­stel­lungs-)An­trag letz­ter Fas­sung an­ge­streb­te Wei­ter­ga­be der ta­rif­li­chen Ent­gel­terhöhung für die höch­stein­grup­pier­ten Ta­rif­an­ge­stell­ten (von, so sei­ne - nicht grundsätz­lich be­strit­te­ne - Be­rech­nung, 1,9 % zum hier maßgeb­li­chen Stich­tag 01.04.2007) an die dem An­wen­dungs­be­reich des § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 un­ter­fal­len­den AT-An­ge­stell­ten (al­so sol­che mit ei­nem Jah­res­ziel­ge­halt von we­ni­ger als 40 % über dem höchs­ten Ziel­ge­halt der obers­ten ta­rif­li­chen Ent­gelt­grup­pen) im Geschäfts­jahr 2007/2008 aus ei­ge­nem Recht, für die­se, im Er­geb­nis pro­zess­stand­schaft­lich, gel­tend zu ma­chen. Dies könn­te al­lein durch die hier­von er­fass­ten AT-An­ge­stell­ten selbst, aus de­ren ei­ge­nem Recht, in­di­vi­du­ell ge­sche­hen - die Rechts­wirk­sam­keit der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung als ein­zi­ger Rechts­grund­la­ge hierfür un­ter­stellt.

2. Da­mit kann of­fen blei­ben, ob die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.10.2001 über­haupt - je­den­falls in­so­weit - als rechts­wirk­sam an­zu­se­hen wäre und ob sich, ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts, dann hier­aus ein (in­di­vi­du­el­ler) Rechts­an­spruch ab­lei­ten ließe. Le­dig­lich ergänzend und in der hier­nach ge­bo­te­nen Kürze wird, im An­schluss an die Erörte­run­gen im Anhörungs­ter­min im Be­schwer­de­ver­fah­ren, dar­auf hin­ge­wie­sen:

a) Wie die Ar­beit­ge­be­rin an­deu­tungs­wei­se zu Recht ausführt, ist die Re­ge­lung der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung - die for­ma­le Zuständig­keit des Ge­samt­be­triebs­rats zu de­ren Ab­schluss ins­be­son­de­re aus ei­ge­nem Recht (§ 50 Abs. 1 Be­trVG) un­ter­stellt - an­satz­wei­se na­he­zu per­plex und da­mit mögli­cher­wei­se rechts­un­wirk­sam - teil- oder, da wohl un­teil­bar, ins­ge­samt rechts­un­wirk­sam -:

Nach § 2 die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung legt die Ar­beit­ge­be­rin - wenn­gleich oh­ne „Rechts­an­spruch auf die Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de“ (ge­genüber dem (Ge­samt-)Be­triebs­rat bzw. den ein­zel­nen AT-An­ge­stell­ten) - jähr­lich frei­wil­lig ein et­wai­ges Ge­samt­bud­get für ei­ne Ent­gel­tan­he­bung bei den An­ge­stell­ten des ge­sam­ten „AT-Be­reichs“ (un­ter und ab 40 % ober­halb der höchs­ten Ta­rif­ziel­gehälter) fest (was da­mit

 

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auch un­ter­blei­ben - Null be­tra­gen - kann). Fin­det auf­grund fa­kul­ta­ti­ver Ar­beit­ge­ber­ent­schei­dung, un­ter Zur­verfügung­stel­lung ei­nes Ge­samt­bud­gets für ei­ne Ge­halts­erhöhung sämt­li­cher AT-An­ge­stell­ten­be­rei­che, hier­nach ei­ne „Ge­halts­run­de“ statt, ha­ben sämt­li­che zum Ent­schei­dungs­zeit­punkt un­be­fris­tet und un­gekündigt beschäftig­ten AT-Mit­ar­bei­ter (außer­halb ei­nes et­wai­gen in­di­vi­du­el­len Ent­wick­lungs­plans, § 2 aE) An­spruch auf Teil­nah­me hier­an (§§ 4 und 1 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung). Je­doch ha­ben in die­sem Fall ei­ner statt­fin­den­den Ge­halts­run­de die­je­ni­gen AT-An­ge­stell­ten, de­ren Jah­res­ziel­ge­halt bis knapp 40 % über dem höchs­ten ta­rif­li­chen Ziel­ge­halt (nach Ent­gelt­grup­pen E 8 bzw. V 4 des je­wei­li­gen Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges) liegt, dann gleich­zei­tig An­spruch auf min­des­tens die bei den höchs­ten Ta­ri­fent­gelt­grup­pen er­folg­te Ta­rif­erhöhung (§ 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung - wo­bei der Wort­laut die­ser Be­stim­mung mit ih­rem Ab­stel­len auf den „Be­trag“ der er­folg­ten Ta­rif­erhöhung eben­falls nicht spon­tan ein­deu­tig er­ken­nen lässt, ob da­mit der ab­so­lu­te Ent­gelt­be­trag ei­ner wei­ter­zu­ge­ben­den Erhöhung in die­sem „AT-Be­reich“ (in Sum­me) oder, wie dies hier wohl oh­ne wei­te­res der Ge­samt­be­triebs­rat an­neh­men will, der pro­zen­tua­le Be­trag, i. S. ei­ner Syn­chro­nität der Ge­halts­ent­wick­lung bei­der Ar­beit­neh­mer­grup­pen, ge­meint sein soll ...).

Dies be­deu­tet (in bei­den denk­ba­ren Aus­le­gungs­al­ter­na­ti­ven) aber, dass ein et­wai­ges An­he­bungs-Ge­samt­bud­get der Ar­beit­ge­be­rin gleich­zei­tig sum­menmäßig nach un­ten fi­xiert wäre: min­des­tens in Höhe des pro­zen­tua­len An­he­bungs­be­tra­ges für die höch­stein­grup­pier­ten Ta­rif­an­ge­stell­ten oder des Be­trags der Sum­men der dor­ti­gen Ta­rif­erhöhungs­beträge x Kopf­zahl der hier er­fass­ten Grup­pe der AT-An­ge­stell­ten. Hier­nach hat der Ar­beit­ge­ber al­so nur die Wahl zwi­schen gänz­lich un­ter­las­se­ner An­he­bung über­haupt (kein Ge­samt­bud­get/kei­ne „Ge­halts­run­de“) oder ei­ner Erhöhung dann um min­des­tens den Be­trag bzw. den Pro­zent­satz der Ta­rif­erhöhung im obers­ten Ta­rif­be­reich an die von § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung er­fass­te Grup­pe der AT-An­ge­stell­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin kann so­nach, für die un­ter § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung fal­len­den (zwei­fel­los zah­lenmäßig über­wie­gen­den) AT-An­ge­stell­ten, kein Ge­samt­bud­get un­ter­halb die­ser Sum­me bzw. die­ses Pro­zent­sat­zes zur Verfügung stel­len ... Dies re­strin­giert die, grundsätz­lich er­for­der­li­che, Ent­schei­dungs­op­ti­on der Ar­beit­ge­be­rin und ist zu­min­dest we­nig nach­voll­zieh­bar bzw. wi­dersprüchlich (wenn nicht an­satz­wei­se un­sin­nig) - mit wel­chen mögli­chen Fol­gen auch im­mer.

 

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b) Wei­ter scheint es hier­nach an ei­ner aus­rei­chen­den Ko­or­di­na­ti­on der Re­ge­lun­gen
un­ter § 4 und § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung zu feh­len, als im Fal­le der Zur­verfügung­stel­lung ei­nes Ge­samt­bud­gets/der Durchführung ei­ner Ge­halts­run­de dann grundsätz­lich al­le AT-An­ge­stell­ten i. S. d. § 4 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung - al­so auch die­je­ni­gen des höher­be­zahl­ten Be­rei­ches, die nicht un­ter die Un­ter­grup­pe des § 6 fal­len, weil sie ein Jah­res­ziel­ge­halt von 40 % und mehr des obers­ten Ta­rif­be­reichs er­hal­ten - grundsätz­lich ei­nen An­spruch auf Ge­halts­erhöhung er­wer­ben, wo­bei je­doch die im pro­zen­tua­len Verhält­nis oder sum­menmäßig fi­xier­ten An­he­bungs­ansprüche der quan­ti­ta­tiv über­wie­gen­den Grup­pe der („un­te­ren“) AT-An­ge­stell­ten nach § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung im­mer zu­min­dest ei­nen si­gni­fi­kan­ten Teil des Erhöhungs­bud­gets ausschöpfen wer­den.

c) Sch­ließlich muss da­mit nicht ent­schie­den wer­den, ob - wie das Ar­beits­ge­richt be­reits kri­tisch an­ge­deu­tet hat - ei­ne für ei­nen Erhöhungs­an­spruch der von § 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung (un­ge­ach­tet der Fra­ge de­ren Wirk­sam­keit über­haupt) er­fass­ten un­te­ren AT-An­ge­stell­ten­grup­pe maßgeb­li­che grundsätz­li­che Ent­schei­dung über die Zur­verfügung­stel­lung ei­nes Ge­samt­bud­gets für ei­ne AT-Ge­halts-Erhöhung je­den­falls im ob­jek­ti­ven Er­geb­nis schlicht da­durch un­ter­lau­fen wer­den kann, wie die Ar­beit­ge­be­rin hier of­fen­sicht­lich oh­ne wei­te­res an­neh­men will, dass ein­fach in­di­vi­du­el­le Ge­halts­erhöhun­gen zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten ver­meint­lich oh­ne Sys­tem, im Er­geb­nis qua „Na­sen­prämie“ - wenn­gleich aus je­weils für sich be­trach­tet si­cher­lich nicht un­nach­voll­zieh­ba­ren in­di­vi­du­el­len (Leis­tungs-)Ge­sichts­punk­ten -, vor­ge­nom­men wer­den - oder ob, wie der Ge­samt­be­triebs­rat hier­zu nicht oh­ne Über­zeu­gungs­kraft ar­gu­men­tiert, dies je­den­falls im Er­geb­nis dann als ein Ge­samt­bud­get an­ge­se­hen wer­den müss­te, zu­min­dest als kol­lek­ti­ver Tat­be­stand im mit­be­stim­mungs­recht­li­chen Sinn (§ 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG). Für Ers­te­res könn­ten im Rah­men der maßgeb­li­chen Grundsätze der Aus­le­gung ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung sys­te­ma­tisch und his­to­risch al­ler­dings der In­halt der „Erklärung zur Ge­haltsüber­prüfungs-run­de 2001 im AT-Be­reich´“ vom 04.10.2001 so­wie die Über­le­gung spre­chen, dass, wohl ent­ge­gen der In­ten­ti­on der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom sel­ben Tag, an­dern­falls das dort ver­fah­rens­tech­nisch ge­re­gel­te Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG im Er­geb­nis leer­lau­fen würde, un­schwer um­gan­gen wer­den könn­te

 

- 13 -

III.

Da dem Ver­fah­ren über die Klärung der kon­kre­ten Pro­blem­stel­lung hin­aus kei­ne grundsätz­li­che Be­deu­tung zu­kommt, be­stand für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de gem. §§ 92 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2, 72 Abs. 2 ArbGG kei­ne Ver­an­las­sung.

Ge­gen die­sen Be­schluss ist des­halb die Rechts­be­schwer­de nur ge­ge­ben, wenn sie das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­grund ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, auf de­ren Möglich­keit und Vor­aus­set­zun­gen gem. § 92 a ArbGG der Ge­samt­be­triebs­rat und Be­tei­lig­te zu 1 hin­ge­wie­sen wird, zu­las­sen soll­te.

 

Bur­ger 

von Zez­schwitz 

Heeb

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