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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsübergang, Beschäftigungsgesellschaft, Insolvenz
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 572/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.10.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Siegburg, Urteil vom 16.12.2009 - 2 Ca 1638/09 G
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 25.2.2011 - 3 Sa 673/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 572/11
3 Sa 673/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Köln

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

25. Ok­to­ber 2012

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. Ok­to­ber 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ei­mer und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Go­the für Recht er­kannt:
 


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Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 25. Fe­bru­ar 2011 - 3 Sa 673/10 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.


Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung und den Fort­be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.


Der Kläger war bei der I In­no­mo­ti­ve GmbH (im Fol­gen­den: In­sol­venz­schuld­ne­rin) bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin im Be­trieb in B tätig. Die In­sol­venz­schuld­ne­rin beschäftig­te dort ein­sch­ließlich der zu die­sem Be­trieb gehören­den Be­triebsstätten in D und M so­wie des Be­triebs H zu­sam­men mehr als 1.600 Ar­beit­neh­mer.


Mit Be­schluss des Amts­ge­richts B vom 1. April 2007 war über das Vermögen der In­sol­venz­schuld­ne­rin das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net wor­den. Der In­sol­venz­ver­wal­ter führ­te den Be­trieb zunächst fort.


Die Be­klag­te, die ursprüng­lich un­ter N Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH fir­mier­te, schloss am 12. März 2008 mit dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro-In­dus­trie NRW und der IG Me­tall, Be­zirks­lei­tung NRW, ei­nen Be­triebs- und Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag (BTV). In die­sem heißt es ua.:


„Vor­be­mer­kung:


Die Ge­sell­schaft be­ab­sich­tigt, Vermögens­ge­genstände (As­sets) der sich in der In­sol­venz be­find­li­chen I In­no­mo­ti­ve GmbH (nach­fol­gend ‚I In­no­mo­ti­ve‘) so­wie der I In­dus­tries GmbH (nach­fol­gend ‚I In­dus­tries‘) zu er­wer­ben. ...


Der Zeit­punkt des Er­werbs der Vermögens­ge­genstände (Voll­zugs­zeit­punkt) wird im Rah­men die­ses Ta­rif­ver­trags als ‚Zeit­punkt des Er­werbs’ be­zeich­net; die­ser steht zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ses Ta­rif­ver­trags noch nicht de­fi­ni­tiv fest. Die Ge­sell­schaft wird die IG Me­tall über den
 


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Zeit­punkt des Er­werbs un­verzüglich schrift­lich (Te­le­fax genügt) in­for­mie­ren.“


§ 3 BTV re­gelt, wie vie­le der bei der In­sol­venz­schuld­ne­rin täti­gen Ar­beit­neh­mer von der Be­klag­ten ab dem Zeit­punkt des Er­werbs - be­fris­tet oder un­be­fris­tet - beschäftigt wer­den soll­ten. Da­nach soll­te die Be­klag­te zum Zeit-punkt des Er­werbs des Be­triebs B in­klu­si­ve der zu die­sem Be­trieb gehören­den Be­triebsstätten in D und M so­wie des Be­triebs H ins­ge­samt 1.132 Ar­beit­neh­mer un­be­fris­tet und 400 be­fris­tet (inkl. der Aus­zu­bil­den­den) beschäfti­gen.


Der In­sol­venz­ver­wal­ter schloss am 21. März 2008 mit der Be­klag­ten ei­nen Kauf­ver­trag über die Be­triebs­mit­tel der In­sol­venz­schuld­ne­rin. Die­ser Kauf­ver­trag stand ursprüng­lich un­ter der so­ge­nann­ten „Clo­sing-Be­din­gung“, dass sämt­li­che Ar­beit­neh­mer der In­sol­venz­schuld­ne­rin dem In­sol­venz­ver­wal­ter ein un­wi­der­ruf­li­ches An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges zur Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der In­sol­venz­schuld­ne­rin und zum Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit der Beschäfti­gungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ge­sell­schaft M GmbH (im Fol­gen­den: BQG) un­ter­brei­ten. Vor dem ge­plan­ten Er­werb ei­nig­ten sich der In­sol­venz­ver­wal­ter und die Be­klag­te auf ei­ne ge­ringfügi­ge Ab­wei­chung von der vor­ge­nann­ten 100%-Quo­te.


Am 28. April 2008 ver­ein­bar­te der In­sol­venz­ver­wal­ter mit dem Be­triebs­rat und der IG Me­tall ei­ne zu­gleich als In­ter­es­sen­aus­gleich und Ta­rif­ver­trag ab­ge­schlos­se­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung (BV Auf­fang­struk­tu­ren). In § 3 Abs. 1 der BV Auf­fang­struk­tu­ren heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:


„§ 3 In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan


(1) [Ge­gen­stand und Durchführung der Be­triebsände­rung] Auf­grund der wirt­schaft­li­chen La­ge des Be­trie­bes ist ei­ne Fortführung im Rah­men des In­sol­venz­ver­fah­rens auf Grund der wei­ter­hin ent­ste­hen­den Ver­lus­te, die zu ei­ner Mas­se­schmäle­rung führen würde, nicht möglich. Ei­ne Über­tra­gung des Be­triebs auf ei­nen Be­triebs­er­wer­ber ist des­halb zwin­gend not­wen­dig, an­sons­ten muss der Be­trieb vom In­sol­venz­ver­wal­ter ab­ge­wi­ckelt und zum nächst mögli­chen Zeit­punkt still­ge­legt wer­den. ...


Zur Ver­mei­dung der Be­triebs­still­le­gung oh­ne über­tra­gen-de Sa­nie­rung ist da­her ge­plant, die Be­triebs­mit­tel der I In­no­mo­ti­ve zum 01.06.2008 an ei­nen Drit­ten zu über­tra-

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gen. Der Drit­te (die N Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH ...) hat je­doch die vor­he­ri­ge Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se der Beschäftig­ten ver­bun­den mit dem Über­tritt in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft zur Be­din­gung der Über­nah­me der Be­triebs­mit­tel ge­macht, weil ei­ne Fortführung des Be­trie­bes mit der ge­sam­ten Be­leg­schaft und auch der Ein­tritt in al­le Ar­beits­verhält­nis­se nach § 613 a BGB aus sei­ner Sicht nicht möglich ist. ...

Die Ar­beits­verhält­nis­se al­ler vom Gel­tungs­be­reich die­ser Ver­ein­ba­rung er­fass­ten Beschäftig­ten sol­len da­her zum Ab­lauf des 31.05.2008 durch Auf­he­bungs­verträge im Rah­men von so ge­nann­ten 3-sei­ti­gen Verträgen be­en­det wer­den, um ei­ne über­tra­gen­de Sa­nie­rung nach dem Sa­nie­rungs­mo­dell wie es letzt­lich den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts (8 AZR 324/97, 8 AZR 349/06) zu Grun­de liegt, zu ermögli­chen.

...

(3) [Zu­stan­de­kom­men des 3-sei­ti­gen Ver­trags] Zu die­sem Zweck ver­pflich­tet sich der Ar­beit­ge­ber al­len in der An­la­ge 2 ge­nann­ten Beschäftig­ten den in­di­vi­du­ell an­ge­pass­ten - in der Mus­ter­fas­sung - als An­la­ge 3 bei­gefügten 3-sei­ti­gen Ver­trag aus­zuhändi­gen, so­fern und so­weit die­se in der Trans­fer­ge­sell­schaft ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung fort­set­zen. Der be­trof­fe­ne Beschäftig­te hat nach Überg­a­be des hin­sicht­lich der of­fe­nen Punk­te auf ihn an­ge­pass­ten 3-sei­ti­gen Ver­trags (3 Aus­fer­ti­gun­gen) bis zum 14.05.2008, 16 Uhr (Über­le­gungs­frist) die Möglich­keit, die­sen Ver­trag zu un­ter­zeich­nen und dem Ar­beit­ge­ber zu über­ge­ben.

Nach­fol­gend wird der Ar­beit­ge­ber die von den Beschäftig­ten durch Un­ter­zeich­nung der 3-sei­ti­gen Verträge ab­ge­ge­be­nen An­ge­bo­te an­neh­men. Die Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ar­beit­ge­ber und das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Beschäftig­ten und der m kommt zu den ge­nann­ten Ter­mi­nen zu­stan­de, wenn die m durch Un­ter­zeich­nung der je­wei­li­gen 3-sei­ti­gen Verträge die An­ge­bo­te eben­falls an­nimmt. Die Beschäftig­ten ver­zich­ten auf den Zu­gang der An­nah­me des An­ge­bots durch m. Die An­nah­me der An­ge­bo­te der Beschäftig­ten kann auf Grund des Ver­fah­rens bis zum Ab­lauf des 31.05.2008 dau­ern; bis da­hin sind die Beschäftig­ten an ih­re An­ge­bo­te ge­bun­den.

...

(4) [Ar­beits­verhält­nis mit der m] Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Beschäftig­ten und der m ist be­fris­tet. Die Beschäftig­ten gemäß An­la­ge 2 ha­ben ei­nen An­spruch auf ei­ne Ver­weil­dau­er von 12 Mo­na­ten in der Trans­fer­ge­sell-

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schaft ab dem Ein­tritts­da­tum 01.06.2008.“


In der An­la­ge 1 zur BV Auf­fang­struk­tu­ren sind al­le Beschäftig­ten der In­sol­venz­schuld­ne­rin auf­geführt.


Am 3. Mai 2008 fand ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung statt, in der die Be­leg­schaft der In­sol­venz­schuld­ne­rin über das den oben ge­nann­ten Ver­ein­ba­run­gen zu­grun­de lie­gen­de „BQG-Mo­dell“ in­for­miert wur­de. In der Präsen­ta­ti­on des In­sol­venz­ver­wal­ters heißt es ua.:


„f. Ri­si­ko­geschäft

Der Ab­schluss des 3-sei­ti­gen Ver­tra­ges stellt für Sie ein Ri­si­ko­geschäft dar: Sie he­ben Ihr Ar­beits­verhält­nis mit I In­no­mo­ti­ve auf, un­ge­wiss ist aber, ob der Er­wer­ber mit Ih­nen ei­nen neu­en Ar­beits­ver­trag ab­sch­ließen wird. Sch­ließt der Er­wer­ber mit Ih­nen kei­nen neu­en Ar­beits­ver­trag ab, wird ab dem 01.06.2008 das auf 12 Mo­na­te be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis mit der m durch­geführt.“

Al­le Ar­beit­neh­mer er­hiel­ten so­dann ei­nen vor­for­mu­lier­ten „3-sei­ti­gen Ver­trag“ vor­ge­legt. We­sent­li­cher In­halt die­ses Ver­tra­ges war die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der In­sol­venz­schuld­ne­rin zum 31. Mai 2008, 24:00 Uhr, und die Be­gründung ei­nes neu­en sach­grund­los auf ein Jahr be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit der BQG mit Wir­kung zum 1. Ju­ni 2008, 0:00 Uhr. Bei vier wei­te­ren von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten und den Ar­beit­neh­mern aus­gehändig­ten Ver­trags­do­ku­men­ten, wel­che die­se un­ter­zeich­nen soll­ten, han­del­te es sich um ei­nen un­be­fris­te­ten und drei un­ter­schied­lich lan­ge (12, 20, 32 Mo­na­te) be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit der Be­klag­ten, die je­weils am 1. Ju­ni 2008 um 0:30 Uhr be­gin­nen soll­ten. Die Ver­trags­entwürfe wa­ren von der Be­klag­ten noch nicht un­ter­zeich­net. Der Kläger un­ter­zeich­ne­te den drei­sei­ti­gen Ver­trag und gab die vier vor­be­rei­te­ten schrift­li­chen Ver­trags­an­ge­bo­te ab. Die In­sol­venz­schuld­ne­rin und die BQG un­ter­schrie­ben den drei­sei­ti­gen Ver­trag. Am 30. Mai 2008 un­ter­zeich­ne­te die Be­klag­te den von ihr vor­for­mu­lier­ten Ver­trag, der ein auf 32 Mo­na­te bis zum 31. Ja­nu­ar 2011 be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis vor­sah. In die­sem Ver­trag heißt es ua.:
 


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„Vor­be­mer­kung


Der Mit­ar­bei­ter bie­tet der Ge­sell­schaft den Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags zu den nach­fol­gend auf­geführ­ten Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen an. Er ist an die­ses An­ge­bot bis ein­sch­ließlich 1. Ju­ni 2008 un­wi­der­ruf­lich ge­bun­den.


§ 1
Ver­trags­dau­er, Be­fris­tung

1.1 Der Mit­ar­bei­ter wird mit Wir­kung zum 1. Ju­ni 2008, 0:30 Uhr, ein­ge­stellt.

1.2 Der Ar­beits­ver­trag ist gemäß § 14 Abs. 2a Tz­B­fG be­fris­tet und en­det am 31. Ja­nu­ar 2011, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf. Für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten ergänzend die Re­ge­lun­gen des § 13 die­ses Ar­beits­ver­tra­ges.“

Die Be­klag­te nahm ins­ge­samt, wie im BTV vor­ge­se­hen, rund 1.500 Ar­beits­ver­trags­an­ge­bo­te an, von de­nen 400 auf den Ab­schluss be­fris­te­ter Verträge ge­rich­tet wa­ren. Am 31. Mai 2008 bestätig­ten der In­sol­venz­ver­wal­ter und die Be­klag­te, dass der zwi­schen ih­nen ge­schlos­se­ne Kauf­ver­trag über al­le we­sent­li­chen Vermögens­ge­genstände der In­sol­venz­schuld­ne­rin voll­zo­gen wer­de. Die Be­klag­te führ­te die Pro­duk­ti­on mit den über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mern in den bis­he­ri­gen Be­triebsstätten ab dem 1. Ju­ni 2008 fort.

Mit sei­ner am 25. Ju­ni 2009 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger den Be­stand ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten gel­tend ge­macht.


Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­fris­tung ver­s­toße ge­gen das An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. We­gen des er­folg­ten Be­triebsüber­gangs sei die Be­klag­te als „der­sel­be“ Ar­beit­ge­ber im Sin­ne die­ser Vor­schrift an­zu­se­hen. Außer­dem über­schrei­te die Be­fris­tungs­dau­er die nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG zulässi­ge Höchst­gren­ze von zwei Jah­ren. Der drei­sei­ti­ge Ver­trag ha­be der Um­ge­hung der an­sons­ten bei Kündi­gun­gen er­for­der­li­chen So­zi­al­aus­wahl ge­dient und sei da­her we­gen Um­ge­hung der Rechts­fol­gen des § 613a BGB un­wirk­sam. Die Ver­ein­ba­rung stel­le auch kein Ri­si­ko­geschäft im Sin­ne der so­ge­nann­ten BQG-Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts dar. Tatsächlich
 


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stel­le er nur ein ein­sei­ti­ges An­ge­bot des Klägers auf Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses für den Fall dar, dass der Er­wer­ber dies nicht fort­set­zen wol­le. Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung sei mit § 613a BGB nicht zu ver­ein­ba­ren.


Mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2008 und 29. Mai 2009 hat der Kläger ge­genüber dem In­sol­venz­ver­wal­ter und der BQG die An­fech­tung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung und Dro­hung erklärt.

Der Kläger hat be­an­tragt 


fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31. Ja­nu­ar 2011 auf­gelöst wor­den ist.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. 


Zunächst be­strei­tet sie das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs. Wei­ter ist sie der An­sicht, dass, soll­te ein Be­triebsüber­gang von der In­sol­venz­schuld­ne­rin auf sie vor­ge­le­gen ha­ben, das Ar­beits­verhält­nis des Klägers nicht mit über­ge­gan­gen sei, weil die­ses zu­vor auf­grund des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges wirk­sam auf­gelöst wor­den sei. Ei­ne Um­ge­hung des § 613a BGB lie­ge nicht vor. Der Ab­schluss des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges ha­be für den Ar­beit­neh­mer ein Ri­si­ko­geschäft dar­ge­stellt. Der Kläger ha­be letzt­lich den Ver­trag frei­wil­lig un­ter­zeich­net. Fer­ner müsse Berück­sich­ti­gung fin­den, dass das vor­lie­gen­de „BQG-Mo­dell“ von al­len Be­tei­lig­ten, ins­be­son­de­re auch der Ge­werk­schaft, mit­ge­tra­gen wor­den sei und dass dem BTV als Ta­rif­ver­trag ei­ne ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr zu­kom­me. Ins­be­son­de­re ha­be es sich bei der gan­zen Trans­ak­ti­on um kein Schein­geschäft ge­han­delt.


Fer­ner meint sie, dass die Ver­ein­ba­rung der Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit ihr auf 32 Mo­na­te als sach­grund­lo­se Be­fris­tung nach dem Tz­B­fG zulässig ge­we­sen sei. Auf das so­ge­nann­te An­schluss­ver­bot iSv. § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG könne sich der Kläger nicht stützen, weil we­gen des feh­len­den Be­triebsüber­gangs und der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers mit der In­sol­venz­schuld­ne­rin zum 31. Mai 2008 kein Vor­ar­beits­verhält­nis iSd. § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG be­stan­den ha­be. Auch ver­hal­te sich der Kläger
 


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wi­dersprüchlich, wenn er sich auf die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges be­ru­fe.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter, während der Kläger die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.


Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist nicht durch ei­ne Be­fris­tung auf­gelöst wor­den.

A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne kla­ge­statt­ge­ben­de Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Die Be­klag­te ha­be den Be­trieb der In­sol­venz­schuld­ne­rin gemäß § 613a Abs. 1 BGB im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs über­nom­men. Der Kläger ha­be im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen, dass die Be­klag­te sämt­li­che Vermögens­wer­te der In­sol­venz­schuld­ne­rin über­nom­men ha­be und die Pro­duk­ti­on na­he­zu naht­los fort­ge­setzt wor­den sei. Die Be­klag­te ha­be die glei­chen Auf­träge am sel­ben Pro­duk­ti­ons­ort mit den­sel­ben Pro­duk­ti­ons­mit­teln und mit ei­nem we­sent­li­chen Teil der frühe­ren Mit­ar­bei­ter der In­sol­venz­schuld­ne­rin fort­geführt. Die­sen Sach­vor­trag ha­be die Be­klag­te nicht sub­stan­zi­iert be­strit­ten.


Rechts­fol­ge die­ses Be­triebsüber­gangs sei der Ein­tritt der Be­klag­ten in die Rech­te und Pflich­ten der im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se. Der drei­sei­ti­ge Ver­trag, der auf ein Aus­schei­den des Klägers aus dem Ar­beits­verhält­nis ge­rich­tet war, sei we­gen Um­ge­hung des § 613a Abs. 1 BGB gemäß § 134 BGB un­wirk­sam. Es könne da­hin­ge­stellt blei­ben, ob dem Kläger ein neu­es Ar­beits­verhält­nis be­reits ver­bind­lich in Aus­sicht ge­stellt wor­den sei. Nach den zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lun­gen des BTV und der BV Auf­fang­struk­tu­ren sei von ei­ner „Wei­ter­beschäfti­gungs­quo­te“ von rund 93 %


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aus­zu­ge­hen. Ent­schei­dend sei je­den­falls, dass die erwähn­te Ver­trags­ge­stal­tung ei­ne Um­ge­hung der von § 613a Abs. 1 BGB ver­folg­ten Ver­trags­kon­ti­nuität be­zwe­cke. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl ha­be of­fen­sicht­lich um­gan­gen wer­den sol­len. Die Ge­set­zes­um­ge­hung ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt ins­be­son­de­re im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­gangs be­jaht, bei dem mit den Ar­beit­neh­mern zeit­gleich Auf­he­bungs­verträge mit dem Veräußerer und neue Ar­beits­verhält­nis­se mit dem Be­triebsüber­neh­mer ver­ein­bart wor­den sei­en. Die Si­tua­ti­on sei im vor­lie­gen­den Fall ähn­lich, da sich die Ar­beit­neh­mer durch die Ab­ga­be der vier Ver­trags­an­ge­bo­te, die auf den Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten und drei­er be­fris­te­ter Verträge mit der Er­wer­be­rin ge­rich­tet ge­we­sen sei­en, ge­bun­den hätten.


Die glei­che Rechts­fol­ge er­ge­be sich aus § 14 Abs. 2 Satz 2, § 16 Tz­B­fG. Das An­schluss­ver­bot grei­fe im vor­lie­gen­den Fal­le ein, weil das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zunächst im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen sei und erst nach die­sem Zeit­punkt die Be­fris­tung ver­ein­bart wor­den sei.


B. Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.

I. Die im Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Be­fris­tung ist nicht nach § 14 Tz­B­fG zulässig. Da­mit gilt der Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen (§ 16 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG).


1. Der Kläger hat den Fort­be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses über das vor­ge­se­he­ne Be­fris­tungs­en­de hin­aus mit­tels ei­ner Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG gel­tend ge­macht.


Die Drei­wo­chen­frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG ist ge­wahrt. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es un­be­denk­lich, dass die Kla­ge be­reits vor Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit er­ho­ben wor­den ist (vgl. BAG 23. Ju­ni 2010 - 7 AZR 1021/08 - Rn. 12, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 76 = EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 8).
 


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2. Die Be­klag­te be­ruft sich zu Un­recht dar­auf, dass die sach­grund­lo­se Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers durch § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt sei. Die Zulässig­keits­vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung lie­gen nämlich nicht vor. Das so­ge­nann­te An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG ver­bie­tet ei­ne sol­che.


a) Sch­ließt ein Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Be­triebs­er­wer­ber im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­gangs ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ab, so wird grundsätz­lich die Iden­tität der Ar­beit­ge­ber ge­wahrt, da der Er­wer­ber nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in Be­zug auf das Ar­beits­verhält­nis Rechts­nach­fol­ger des Be­triebs­veräußerers ge­wor­den ist (vgl. BAG 18. Au­gust 2005 - 8 AZR 523/04 - zu II 1 c der Gründe, BA­GE 115, 340 = AP BGB § 620 Auf­he­bungs­ver­trag Nr. 31 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 40). Liegt zwar an sich ein Be­triebsüber­gang vor, wird das Ar­beits­verhält­nis des Klägers hier­von aber nicht er­fasst, weil es vor dem Zeit­punkt des Über­gangs wirk­sam - zB auf­grund ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges - auf­gelöst wor­den ist, so steht § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG dem Ab­schluss ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung mit dem Be­triebs­er­wer­ber nicht ent­ge­gen (vgl. BAG 18. Au­gust 2005 - 8 AZR 523/04 - aaO).


b) Im Streit­fal­le lag die für das An­schluss­ver­bot er­for­der­li­che Iden­tität auf Ar­beit­ge­ber­sei­te vor, weil ein Be­triebsüber­gang von der In­sol­venz­schuld­ne­rin auf die Be­klag­te statt­ge­fun­den hat­te. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers war am 1. Ju­ni 2008, 0:00 Uhr, auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Es war nicht auf­grund des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges, der ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers zum 31. Mai 2008, 24:00 Uhr, vor­sieht, be­en­det wor­den. Die­ser Ver­trag hat die Kon­ti­nuität des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht un­ter­bro­chen, da er we­gen Um­ge­hung des § 613a Abs. 1 BGB nach § 134 BGB nich­tig ist.


aa) Der Be­trieb B, in dem der Kläger beschäftigt war, ist am 1. Ju­ni 2008 im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, dass die Pro­duk­ti­on naht­los fort­geführt wor­den sei, dass die we­sent­li­chen Be­triebs­mit­tel über­nom­men und am sel­ben Pro­duk­ti­ons­stand­ort die lau­fen­den Auf­träge ab­ge­ar­bei­tet wor­den sei­en. Auch sei der ar­beits­tech­ni­sche Zweck un­verändert


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ge­blie­ben und ein Großteil der Be­leg­schaft über­nom­men wor­den. Die­se Fest­stel­lun­gen sind für das Re­vi­si­ons­ge­richt bin­dend (§ 559 Abs. 2 ZPO). Dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf­grund die­ser fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen auf das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs schließt, ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.


bb) Die vom Kläger im Rah­men des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges ab­ge­schlos­se­ne Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung mit Wir­kung zum 31. Mai 2008, 24:00 Uhr, ist we­gen Ge­set­zes­um­ge­hung nach § 613a Abs. 1, § 134 BGB nich­tig.


Grundsätz­lich gewährt § 613a BGB kei­nen Schutz vor der ein­ver­nehm­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne sach­li­chen Grund. Auf­grund der Ver­trags­frei­heit können die Ver­trags­par­tei­en auch im Rah­men des § 613a BGB die Kon­ti­nuität des Ar­beits­ver­tra­ges be­en­den. Der Ar­beit­neh­mer könn­te nämlich dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Be­triebs­er­wer­ber auch wi­der­spre­chen und da­mit den Ein­tritt der Rechts­fol­gen des § 613a BGB ver­hin­dern. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats ist der Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit ei­nem Be­triebs­veräußerer und da­mit zu­sam­menhängend der Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­ner BQG trotz ei­nes an­sch­ließen­den Be­triebsüber­gangs grundsätz­lich wirk­sam, wenn die Ver­ein­ba­rung auf das endgülti­ge Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers aus dem Be­trieb ge­rich­tet ist. § 613a BGB wird je­doch um­gan­gen, wenn der Auf­he­bungs­ver­trag die Be­sei­ti­gung der Kon­ti­nuität des Ar­beits­verhält­nis­ses bei gleich­zei­ti­gem Er­halt des Ar­beits­plat­zes be­zweckt, weil zu­gleich ein neu­es Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart oder zu­min­dest ver­bind­lich in Aus­sicht ge­stellt wur­de (st. Rspr., vgl. BAG 18. Au­gust 2011 - 8 AZR 312/10 - Rn. 32, AP BGB § 613a Nr. 414 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 128). Dies gilt auch, wenn der Ar­beit­neh­mer die Um­ge­hung des § 613a BGB da­mit be­gründet, es sei zwar nicht aus­drück­lich aus­ge­spro­chen wor­den, je­doch nach den ge­sam­ten Umständen klar ge­we­sen, dass er vom Be­triebs­er­wer­ber ein­ge­stellt wer­de. Die­se Umstände hat der Ar­beit­neh­mer näher dar­zu­le­gen und ggf. zu be­wei­sen. Auch in die­sem Fal­le liegt die ob­jek­ti­ve Zweck­set­zung des Auf­he­bungs­ver­tra­ges in der Be­sei­ti­gung der Kon­ti­nuität des Ar­beits­verhält­nis­ses bei gleich­zei­ti­gem Er­halt des Ar­beits­plat­zes. Die­se Prüfung
 


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berück­sich­tigt auch in an­ge­mes­se­ner Wei­se die für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­ste­hen­de, sei­ne rechts­geschäft­li­che Ent­schei­dungs­frei­heit be­ein­träch­ti­gen­de Druck­si­tua­ti­on (vgl. BAG 18. Au­gust 2005 - 8 AZR 523/04 - zu II 2 d der Gründe, BA­GE 115, 340 = AP BGB § 620 Auf­he­bungs­ver­trag Nr. 31 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 40). Fehlt es an dem gleich­zei­ti­gen Ab­schluss oder dem In­aus­sicht­stel­len ei­nes neu­en Ar­beits­ver­tra­ges, so stellt sich der Auf­he­bungs­ver­trag für den Ar­beit­neh­mer als ein - im Rah­men der Ver­trags­frei­heit zulässi­ges - Ri­si­ko­geschäft dar, weil nicht klar ist, ob der Be­triebs­er­wer­ber den Ar­beit­neh­mer über­neh­men wird (vgl. BAG 10. De­zem­ber 1998 - 8 AZR 324/97 - zu B II der Gründe, BA­GE 90, 260 = AP BGB § 613a Nr. 185 = EzA BGB § 613a Nr. 175).


Nach die­sen Grundsätzen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht an­ge­nom­men, das Ar­beits­verhält­nis des Klägers sei nicht wirk­sam zum 31. Mai 2008 auf­gelöst wor­den.


Dem Kläger durf­te es auf­grund der ge­sam­ten Umstände klar sein, dass er von der Be­klag­ten als der Be­triebs­er­wer­be­rin ein­ge­stellt wer­de.


Ihm wur­de auf der Be­triebs­ver­samm­lung vom 3. Mai 2008 der vor­for­mu­lier­te drei­sei­ti­ge Ver­trag vor­ge­legt. Gleich­zei­tig wur­den ihm mit der Bit­te um Un­ter­zeich­nung vier von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­te Verträge aus­gehändigt. Die­se sa­hen die Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­fris­te­ten und drei­er be­fris­te­ter Ar­beits­verträge (12, 20, 32 Mo­na­te) mit der Be­klag­ten vor. In der Vor­be­mer­kung zu die­sen Ar­beits­verträgen heißt es:


„Der Mit­ar­bei­ter bie­tet der Ge­sell­schaft den Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags zu den nach­fol­gend auf­geführ­ten Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen an. Er ist an die­ses An­ge­bot bis ein­sch­ließlich 1. Ju­ni 2008 un­wi­der­ruf­lich ge­bun­den.“

Die­se Verträge ent­hal­ten ua. kon­kre­te Ver­ein­ba­run­gen über die Art der in Aus­sicht ge­nom­me­nen Tätig­keit, das Ar­beits­ent­gelt, die Ar­beits­zeit, den Ur­laub und über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses so­wie über die An­rech­nung der bis­he­ri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit auf das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten.
 


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Letzt­lich muss­te es aus der Sicht des Klägers, der auf­ge­for­dert wor­den war, al­le vier ihm von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten und vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträge zu un­ter­zeich­nen, klar sein, dass die Be­klag­te ei­nen die­ser Verträge un­ter­schrei­ben wer­de und es da­mit zum Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten oder ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit die­ser kom­men wer­de. An­ders konn­te der Kläger die Vor­ge­hens­wei­se der Be­klag­ten nicht ver­ste­hen. Ein Be­triebs­er­wer­ber, der sich ta­rif­ver­trag­lich ver­pflich­tet hat, die über­wie­gen­de An­zahl der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs­veräußerers zu über­neh­men (sc. nach dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten 1.292 von knapp 1.800 Ar­beit­neh­mern der In­sol­venz­schuld­ne­rin) und ei­nem Ar­beit­neh­mer vier Ar­beits­verträge mit un­ter­schied­li­chen Be­stim­mun­gen über die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­legt, er­weckt zwangsläufig bei ihm den Ein­druck, dass er zu den­je­ni­gen Ar­beit­neh­mern gehört, wel­che vom Be­triebs­er­wer­ber über­nom­men wer­den sol­len, und dass es nur noch in des­sen Er­mes­sen steht, zu wel­chen Be­din­gun­gen hin­sicht­lich der Dau­er des neu zu be­gründen­den Ar­beits­verhält­nis­ses die­se Über­nah­me er­fol­gen soll.


In­so­weit hat der Streit­fall Ähn­lich­keit mit dem „Lot­te­rie-Ur­teil“ (BAG 18. Au­gust 2011 - 8 AZR 312/10 - Rn. 35, AP BGB § 613a Nr. 414 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 128), in wel­chem der Se­nat aus­geführt hat:


„Im Zeit­punkt ei­nes zu un­ter­stel­len­den wirk­sa­men Ver­trags­ab­schlus­ses ... hat­te der Kläger je­doch im Sin­ne der Recht­spre­chung des Se­nats ein neu­es Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten ‚zu­min­dest ver­bind­lich in Aus­sicht ge­stellt‘ be­kom­men, da man ihn ein vor­for­mu­lier­tes Ver­trags­an­ge­bot hat­te un­ter­zeich­nen las­sen und am 29. Mai 2009 die Chan­ce von 352 zu 452 be­stand, ei­nen Ar­beits-ver­trag mit der Be­klag­ten zu be­kom­men. Das be­deu­tet mehr als ‚in Aus­sicht stel­len‘. Das An­ge­bot war viel­mehr ‚ver­bind­lich‘, weil sich auch die Be­klag­te zu die­sem Zeit-punkt be­reits an den Los­ent­scheid ge­bun­den hat­te. Es soll­te nur noch die Be­din­gung ‚Losglück‘ ein­tre­ten, da­mit die Be­klag­te ih­rer­seits das Ver­trags­an­ge­bot des Klägers am 1. Ju­ni 2006 ge­gen­zeich­nen muss­te.“



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Dem „Losglück“ ent­spricht im Streit­fal­le die Ent­schei­dung der Be­klag­ten über die Dau­er des in Aus­sicht ge­stell­ten neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses (dh. „un­be­fris­tet“ oder 12-, 20-, 32-mo­na­ti­ge Be­fris­tung).


cc) Et­was an­de­res folgt nicht dar­aus, dass der Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te aus der In­sol­venz her­aus er­folgt ist. § 613a BGB ist in der In­sol­venz un­ein­ge­schränkt an­wend­bar, so­fern es um den Be­stands­schutz der Ar­beits­verhält­nis­se geht (vgl. BAG 25. Ok­to­ber 2007 - 8 AZR 917/06 - Rn. 27 ff., AP BGB § 613a Nr. 333 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 82). Es be­steht auch kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner be­son­ders „sa­nie­rungs­freund­li­chen“ Aus­le­gung der Norm. Durch § 613a BGB soll ins­be­son­de­re ver­hin­dert wer­den, dass ei­ne Be­triebs­veräußerung zum An­lass ge­nom­men wird, die er­wor­be­nen Be­sitzstände der Ar­beit­neh­mer ab­zu­bau­en. Da­ge­gen be­zweckt § 613a BGB nicht, Sa­nie­run­gen im Fal­le von Be­triebsüber­nah­men zu ermögli­chen oder zu er­leich­tern (BAG 19. März 2009 - 8 AZR 722/07 - Rn. 26, BA­GE 130, 90 = AP BGB § 613a Nr. 369 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 108).


In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch von Be­deu­tung, dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber von der ihm durch Art. 5 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG vom 12. März 2001 ein­geräum­ten Möglich­keit, für die In­sol­venz von der Richt­li­nie ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen zu tref­fen, kei­nen Ge­brauch mehr macht. So hat er bei­spiels­wei­se die Un­an­wend­bar­keit des § 613a BGB auf ei­ne Be­triebsüber­tra­gung im Ge­samt­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren im Bei­tritts­ge­biet bis zum 31. De­zem­ber 1998 be­grenzt (Art. 232 § 5 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB).

dd) Dem Kläger ist es auch nicht ver­wehrt, sich dar­auf zu be­ru­fen, dass ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges un­zulässig war, weil sein Ar­beits­verhält­nis durch den Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen war. Ins­be­son­de­re liegt kein Fall der Ver­wir­kung (§ 242 BGB) vor. Nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG muss ein Ar­beit­neh­mer die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung bin­nen ei­ner Frist von drei Wo­chen nach dem ver­ein­bar­ten En­de des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ge­richt­lich gel­tend ma­chen. Vor Ab­lauf die­ser vom Ge­setz­ge­ber vor­ge­se­he­nen Frist tritt kei­ne Ver­wir­kung ein. Die­se Frist war zum Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung noch nicht ver­stri­chen.
 


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ee) Da das Ar­beits­verhält­nis des Klägers am 1. Ju­ni 2008, 0:00 Uhr, dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs, auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen war, konn­te die­se gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG mit ihm ei­nen sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag nicht wirk­sam ver­ein­ba­ren. Die Be­klag­te hat das von dem Kläger ab­ge­ge­be­ne An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes bis zum 31. Ja­nu­ar 2011 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges zwar am 30. Mai 2008, al­so noch vor dem ge­plan­ten Be­triebsüber­gang am 1. Ju­ni 2008, an­ge­nom­men. Nach § 1 Zif­fer 1.1 des Ar­beits­ver­tra­ges soll­te der Kläger aber erst mit Wir­kung ab 1. Ju­ni 2008, 0:30 Uhr, ein­ge­stellt wer­den. Da­mit war die Be­klag­te in­fol­ge des Be­triebsüber­gangs zu­min­dest für ei­ne hal­be St­un­de Ar­beit­ge­be­rin des Klägers auf­grund ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ge­wor­den. Im An­schluss dar­an war ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung des über­ge­gan­ge­nen un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG zulässig.


3. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2a Tz­B­fG lie­gen eben­falls nicht vor. Es kann da­bei da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Norm nach ih­rem Sinn und Zweck An­wen­dung fin­det, wenn die Neu­gründung des Un­ter­neh­mens im Er­geb­nis nur dem Zweck dient, ei­nen be­reits be­ste­hen­den Be­trieb fort­zuführen. Nach § 14 Abs. 2a Satz 4 Tz­B­fG gilt das An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG nämlich auch für sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen bei Neu­gründun­gen.


4. Ei­nen Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG hat die Be­klag­te nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­legt. Ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung kann nicht al­lein in dem ge­plan­ten Be­triebsüber­gang lie­gen (BAG 30. Ok­to­ber 2008 - 8 AZR 855/07 - Rn. 40, AP BGB § 613a Nr. 359 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 102). Es ist aber nicht aus­ge­schlos­sen, wie auch § 613a Abs. 4 Satz 2 BGB zeigt, dass an­de­re mit der Veräußerung des Be­triebs zu­sam­men­tref­fen­de Umstände als der Wech­sel des Ar­beit­ge­bers ei­nen sach­li­chen Be­fris­tungs­grund dar­stel­len (BAG 2. De­zem­ber 1998 - 7 AZR 579/97 - zu II 3 b der Gründe, AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 207 = EzA BGB § 620 Nr. 161). Ist ein Sach­grund für die Be­fris­tung ge­ge­ben, so liegt in al­ler Re­gel kei­ne Um­ge­hung des § 613a
 


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BGB vor (vgl. BAG 15. Fe­bru­ar 1995 - 7 AZR 680/94 - zu II 3 der Gründe, AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 166 = EzA BGB § 620 Nr. 130).


Ei­nen sach­li­chen Be­fris­tungs­grund, ins­be­son­de­re ei­nen sol­chen we­gen ei­nes nur vorüber­ge­hen­den be­trieb­li­chen Be­darfs gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG, hat die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Be­klag­te nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­tan. Es ist nicht er­sicht­lich, dass im Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung der Be­fris­tung im Mai 2008 die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt war, der Be­darf für die Beschäfti­gung des Klägers wer­de vor­aus­sicht­lich En­de Ja­nu­ar 2011 ent­fal­len. Der all­ge­mei­ne Hin­weis, die Be­fris­tungs­re­ge­lung sei Teil der Über­nah­me des Be­triebs der In­sol­venz­schuld­ne­rin aus der In­sol­venz, ist nicht aus­rei­chend. Dar­an ändert auch nichts, dass be­reits der mit der Ge­werk­schaft IG Me­tall ab­ge­schlos­se­ne BTV die auf 12, 20 bzw. 32 Mo­na­te be­fris­te­te Über­nah­me von Ar­beit­neh­mern der In­sol­venz­schuld­ne­rin vor­sieht. Von der Be­stim­mung des § 14 Abs. 1 Tz­B­fG darf nämlich zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers auch nicht durch ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­ge­wi­chen wer­den (§ 22 Tz­B­fG).


II. Die von der Be­klag­ten ge­gen das Be­ru­fungs­ur­teil er­ho­be­nen Ver­fah­rensrügen grei­fen nicht durch. Der Se­nat sieht in­so­weit nach § 564 Satz 1 ZPO iVm. § 72 Abs. 5 ArbGG von ei­ner Be­gründung ab.


C. Die Be­klag­te hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.

Hauck 

Böck 

Brein­lin­ger

Ei­mer 

C. Go­the

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