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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Bezugnahmeklausel, AGB, Allgemeine Geschäftsbedingungen
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 5 Sa 628/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.08.2010
   
Leit­sätze: Um ei­ne Glo­bal­ver­wei­sung han­delt es sich im­mer dann, wenn ei­ne Viel­zahl ta­rif­ver­trag­li­cher Be­stim­mun­gen kon­kret auf das Ar­beits­verhält­nis zur An­wen­dung ge­lan­gen, die nicht auf ei­nen Re­ge­lungs­kom­plex be­schränkt sind und im Ver­gleich mit den spe­zi­el­len Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges ein deut­li­ches Ge­wicht ha­ben. Re­gelt der Ar­beits­ver­trag hin­ge­gen na­he­zu al­le we­sent­li­chen rechts­er­heb­li­chen Be­rei­che ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch ei­genständi­ge vom Ta­rif­ver­trags­sys­tem ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen und Be­stim­mun­gen, so­dass für den An­wen­dungs­be­reich der ergänzend in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge na­he­zu kaum mehr Raum ver­bleibt, dann fehlt es an ei­ner zur Pri­vi­le­gie­rung des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB führen­den Glo­bal­ver­wei­sung.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 5.02.2010, 7 Ca 561/09
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

NIE­DERSACHSEN

 

Verkündet am:

19.08.2010

Ge­richts­an­ge­stell­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le


IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

5 Sa 628/10

7 Ca 561/09 ArbG Han­no­ver

In dem Rechts­streit

Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter,

ge­gen

Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin,

hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand-lung vom 19. Au­gust 2010 durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Ku­bi­cki,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Red­de­ha­se,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Kuck 

für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 05.02.2010 - 7 Ca 561/09 - ab­geändert:

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Kläger zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

- 2 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz nur noch um den An­spruch des Klägers auf Zah­lung ei­ner Jah­res­son­der­zah­lung für das Jahr 2005.

We­gen des ge­sam­ten erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, Bl. 2 und 3 des­sel­ben, Bl. 42 und 43 der Ge­richts­ak­te, ver­wie­sen.

Mit Ur­teil vom 05.02.2010 hat das Ar­beits­ge­richt Han­no­ver dem Kläger die Jah­res­son­der­leis­tung für das Jahr 2005 in Höhe von 2.516,00 € nebst Zin­sen zu­ge­spro­chen und im übri­gen die Kla­ge ab­ge­wie­sen. We­gen der ge­nau­en Ein­zel­hei­ten der Te­n­o­rie­rung wird auf den Te­nor des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, Bl. 41 und 42 der Ge­richts­ak­te, we­gen der Ein­zel­hei­ten der recht­li­chen Würdi­gung auf die Ent­schei­dungs­gründe die­ses Ur­teils Bl. 4 - 8 des­sel­ben, Bl. 44 - 48 der Ge­richt­ak­te, ver­wie­sen.

Die­ses Ur­teil ist der Be­klag­ten am 24.03.2010 zu­ge­stellt wor­den. Hier­ge­gen hat sie mit ei­nem am 21.04.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 23.06.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet, nach­dem das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­vor mit Be­schluss vom 25.05.2010 (Diens­tag nach Pfingst­mon­tag) an­trags­gemäß bis zum 24.06.2010 verlängert hat­te.

Mit ih­rer Be­ru­fung ver­folgt die Be­klag­te das erst­in­stanz­li­che Ziel der voll­umfäng­li­chen Klag­ab­wei­sung wei­ter. Sie wie­der­holt und ver­tieft ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag vom 15.01.1990 ent­hal­te ei­ne Glo­bal­ver­wei­sung auf den Rah­men­ta­rif­ver­trag für An­ge­stell­te im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk im Land Nie­der­sach­sen, so­dass in die­sem Ta­rif­werk nor­mier­te Aus­schluss­frist von 2 Mo­na­ten nicht zu be­an­stan­den sei. Im Übri­gen macht sie gel­tend, das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil ha­be rechts­feh­ler­haft ih­re Verjährungs­ein­re­de ver­kannt.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 05.02.2010,
Az.: 7 Ca 561/09, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

- 3 -

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fung wird auf ih­re Schriftsätze vom 23.06. und 13.07.2010 ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

A.
Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 64, 66 ArbGG 519, 520 ZPO).

Ins­be­son­de­re ist der An­trag auf Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist gemäß § 222 ZPO, 193 BGB frist­wah­rend beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

B.
Die Be­ru­fung ist be­gründet. Sie führt zur Abände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und zur Ab­wei­sung der Kla­ge ins­ge­samt.

Der Kläger hat kei­nen An­spruch ge­genüber der Be­klag­ten auf Zah­lung der Jah­res­son­der­leis­tung 2005 in Höhe von 2.516,00 € brut­to nach § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges in Ver­bin­dung mit § 12 des in Be­zug ge­nom­me­nen RTV für An­ge­stell­te im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk im Land Nie­der­sach­sen. Denn die­ser An­spruch ist we­gen feh­len­der recht­zei­ti­ger schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung gemäß § 15 die­ses Ta­rif­ver­tra­ges (im Fol­gen­den RTV 2001) ver­fal­len.

1.
Nach § 15 RTV 2001 ver­fal­len al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, wenn sie nicht in­ner­halb von 2 Mo­na­ten nach Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei schrift­lich er­ho­ben wer­den.

Die­se Aus­schluss­frist hat der Kläger mit sei­ner erst­ma­li­gen schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung am 13.08.2009 nicht ge­wahrt. Denn die Aus­schluss­frist be­gann am 01.01.2006 zu lau­fen. In­so­weit folgt das Be­ru­fungs­ge­richt den Ausführun­gen des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils,

 

- 4 -

de­nen zu­fol­ge auf­grund ei­ner St­un­dungs­ab­re­de je­den­falls das Jah­res­en­de 2005 ab­ge­war­tet wer­den muss­te, so­dass die Fällig­keit des streit­ge­genständ­li­chen An­spru­ches erst am 01.01.2006 be­gann (so die in­so­weit über­zeu­gen­den Ausführun­gen zu Bl. 6 des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, Ziff. 1 a bb der Ent­schei­dungs­gründe).

2.
Dem Kläger ob­lag es auch zur Ver­mei­dung von Rechts­nach­tei­len, die­se Aus­schluss­frist ein­zu­hal­ten. Ih­re Ein­hal­tung ist ins­be­son­de­re nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der treu­wid­ri­gen Be­ru­fung gemäß § 242 BGB auf die Aus­schluss­frist ent­behr­lich. Ins­be­son­de­re hat der Kläger un­ter Hin­weis auf das be­haup­te­te Gespräch mit dem Mit­ar­bei­ter H. B. nach Er­halt der Ab­rech­nung für den Mo­nat April 2006 kei­nen Sach­ver­halt stich­hal­tig dar­ge­stellt, der ei­ne Be­ru­fung auf die Ein­hal­tung der ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist als treu­wid­rig er­schei­nen lässt. Der Sach­vor­trag des Klägers lässt zum ei­nen nicht er­ken­nen, die­se be­haup­te­te Be­spre­chung ha­be die Jah­res­son­der­zah­lung des Jah­res 2005 zum Ge­gen­stand ge­habt. Sie be­traf viel­mehr al­lein die Son­der­zah­lung des Jah­res 2006. Zum an­de­ren war zum Zeit­punkt des be­haup­te­ten Gespräches (nach Er­halt der Ab­rech­nung für den Mo­nat April 2006) die zwei­mo­na­ti­ge ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist des § 15 RTV 2001 an­ge­sichts der Fällig­keit die­ses An­spru­ches zum 01.01.2006 be­reits ab­ge­lau­fen. Darüber hin­aus lässt auch sein Sach­vor­trag nicht er­ken­nen, dass Herr H. B., der un­strei­tig da­mals nicht Geschäftsführer der Be­klag­ten ge­we­sen ist, rechts­ver­bind­li­che Erklärun­gen für die Be­klag­te ab­ge­ben durf­te.

3.
§ 15 RTV 2001 ist auch wirk­sam ver­ein­bart wor­den.

a)
Der Ar­beits­ver­trag hat in § 3 wirk­sam die Ta­rif­verträge des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks ein­zel­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­men. Sie um­fasst sämt­li­che für An­ge­stell­te gel­ten­den Ta­rif­verträge des Gebäuderei­ni­ger­hand­wer­kes des Lan­des Nie­der­sach­sen.

aa)
Die Be­zug­nah­me­klau­sel ist als vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gung nach §§ 305 ff. BGB zu be­ur­tei­len.

 

- 5 -

bb)
Die­se Be­zug­nah­me­klau­sel ist un­ter je­dem denk­ba­ren recht­li­chen Ge­sichts­punkt wirk­sam. Sie ist nicht über­ra­schend und des­halb Ver­trags­be­stand­teil ge­wor­den (§ 305 c Abs. 1 BGB). Ver­wei­sun­gen auf ein­schlägi­ge Ta­rif­verträge sind im Ar­beits­le­ben als Ge­stal­tungs­in­stru­ment so ver­brei­tet, dass ih­re Auf­nah­me in For­mu­lar­verträge ge­ne­rell nicht überr­schend ist (BAG, Ur­teil vom 06.05.2009, Az.: 10 AZR 390/08 - AP Nr. 44 zu § 307 BGB m.w.N.).

cc)
Die­se Be­zug­nah­me­klau­sel ist nicht mehr­deu­tig oder un­klar im Sin­ne des § 305 c Abs. 2 BGB. Denn die Be­zug­nah­me auf die je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge der in Fra­ge kom­men­den Spar­te sind ein­deu­tig die Ta­rif­verträge der Bran­che, der der Ar­beit­ge­ber an­gehört. Darüber hin­aus sind die Ta­rif­verträge ge­meint, die bei Ta­rif­bin­dung auf­grund des persönli­chen, des geo­gra­phi­schen und des fach­li­chen Gel­tungs­be­rei­ches her ein­schlägig sind. Die­se Zu­sam­menhänge sind klar er­kenn­bar, auch der Kläger hat sie durch­schaut.

dd)
Im Übri­gen be­nach­tei­ligt die Ver­wei­sungs­klau­sel den Kläger nicht un­an­ge­mes­sen, weil ei­ne Ver­wei­sung auf Vor­schrif­ten ei­nes an­de­ren Re­ge­lungs­wer­kes nicht zur In­trans­pa­renz führt. Die­se Ver­wei­sungs­klau­sel ist nicht gemäß § 307 Abs. 1 S. 2 BGB rechts­un­wirk­sam (BAG, a.a.O.; Ur­teil vom 18.09.2007, Az.: 9 AZR 822/06 EZA Nr. 6 zu § 310 BGB 2002).

b)
Ei­ne In­halts­kon­trol­le der in Be­zug ge­nom­me­nen Aus­schluss­frist hat auf­grund der Pri­vi­le­gie­rung des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB, der­zu­fol­ge Ta­rif­verträge Rechts­vor­schrif­ten gleich ste­hen, nicht zu er­fol­gen. Die­ses gilt je­den­falls dann, wenn sich die in Be­zug­nah­me nicht auf ein­zel­ne Vor­schrif­ten ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges be­schränkt, weil erst die Ge­samt­heit der Re­ge­lun­gen ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges die Ver­mu­tung be­gründet, die di­ver­gie­ren­den In­ter­es­sen sei­en an­ge­mes­sen aus­ge­gli­chen (BAG, Ur­teil vom 06.05.2009, a.a.O.; BAG, Ur­teil vom 28.06.2007, Az.: 6 AZR 750/06 - AP Nr. 27 zu § 307 BGB; ErfK-Preiss, 10. Aufl., § 305 bis 310 BGB, 230, Rd­Nr. 13 - 15).

Um ei­ne sol­che Glo­bal­ver­wei­sung auf ei­nen ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag, im Ge­gen­satz zu ei­ner Ein­zel­ver­wei­sung auf ein­zel­ne Be­stim­mun­gen oder ei­ner Teil­ver­wei­sung auf ab­ge-

 

- 6 -

schlos­se­ne Re­ge­lungs­kom­ple­xe, die mögli­cher­wei­se nicht der Pri­vi­le­gie­rung des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB un­ter­fal­len, han­delt es sich hier.

Die Ver­wei­sungs­norm im Ar­beits­ver­trag hat den Rechtscha­rak­ter ei­ner Glo­bal­ver­wei­sung, auch wenn der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en ei­ni­ge in­di­vi­du­el­le Re­ge­lun­gen be­inhal­tet, die von den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen ab­wei­chen. Um ei­ne Glo­bal­ver­wei­sung han­delt es sich im­mer dann, wenn ei­ne Viel­zahl ta­rif­ver­trag­li­cher Be­stim­mun­gen kon­kret auf das Ar­beits­verhält­nis zur An­wen­dung ge­lan­gen, die nicht auf ei­nen Re­ge­lungs­kom­plex be­schränkt sind und im Ver­gleich mit den spe­zi­el­len Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges ein deut­li­ches Ge­wicht ha­ben. Re­gelt der Ar­beits­ver­trag hin­ge­gen na­he­zu al­le we­sent­li­chen rechts­er­heb­li­chen Be­rei­che ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch ei­genständi­ge vom Ta­rif­ver­trags­sys­tem ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen und Be­stim­mun­gen, so­dass für den An­wen­dungs­be­reich der ergänzend in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge na­he­zu kaum mehr Raum ver­bleibt, dann fehlt es an ei­ner zur Pri­vi­le­gie­rung des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB führen­den Glo­bal­ver­wei­sung. Um die ei­ne Fall­kon­stel­la­ti­on von der an­de­ren ab­zu­gren­zen, hat ein Ab­gleich der ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen mit den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen zu er­fol­gen, wel­cher be­zo­gen auf den Zeit­punkt vor­ge­nom­men wer­den muss, zu dem der Ar­beits­ver­trag und die in Be­tracht kom­men­den Ta­rif­verträge mit­ein­an­der erst­mals kon­kur­rier­ten.

Der vom Be­ru­fungs­ge­richt durch­geführ­te Ab­gleich der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges vom 15.01.1990 mit dem sei­ner­zeit gel­ten­den Rah­men­ta­rif­ver­trag im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk vom 25.06.1987 (im Fol­gen­den: RTV 1987) führt zur Be­wer­tung als Glo­bal­ver­wei­sung.

Im Ein­zel­nen:

Die §§ 1 und 2 des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­ten Be­stim­mun­gen über die ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en, die Tätig­keit des Klägers und sei­nen Dienst­an­tritt. Der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen sind in ei­nem Ta­rif­ver­trag nicht ent­hal­ten, be­tref­fen viel­mehr in­di­vi­du­ell aus­sch­ließlich das Ar­beits­verhält­nis. In § 2 ist die Re­ge­lung ei­ner Pro­be­zeit von 6 Mo­na­ten ver­ein­bart. Die­se 6monatige Dau­er ei­ner Pro­be­zeit weicht von der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung (RTV 1987, dort § 2 Nr. 3 S. 2) ab, greift je­doch die Kündi­gungs­frist in­ner­halb ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit wie­der auf (§ 14 Nr. 3 RTV 1987).

 

- 7 -

Die im Ar­beits­ver­trag un­ter § 3 ent­hal­te­ne Vergütungs­be­stim­mung ist in­di­vi­du­el­le, wo­bei ei­ner­seits der RTV 1987 die Vergütungshöhe nicht un­mit­tel­bar re­gel­te, je­doch ei­ne Ein­grup­pie­rung in ein ta­rif­ver­trag­li­ches Vergütungs­sys­tem ge­ne­rell vor­sah. Von die­sem Mo­dell weicht der Ar­beits­ver­trag ab.

§ 4 des Ar­beits­ver­tra­ges mit sei­ner Re­ge­lung über Ent­gelt­fort­zah­lung und Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers im Krank­heits­fall weicht von den Be­stim­mun­gen des RTV 1987 (dort § 7) deut­lich ab und enthält ei­ne ab­wei­chen­de Re­ge­lung.

Die §§ 5 und 7 des Ar­beits­ver­tra­ges, wel­che ein po­li­zei­li­ches Führungs­zeug­nis so­wie ein Wett­be­werbs­ver­bot be­tref­fen, re­geln nichts ge­genüber dem RTV 1987 ab­wei­chen­des, da ei­ne sol­che Re­ge­lung in die­sem Ta­rif­ver­trag nicht vor­ge­se­hen war. § 6 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­weist bezüglich der Ur­laubs­re­ge­lung pau­schal auf die an­zu­wen­den­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen.

§ 9 die­ses Ver­tra­ges nor­miert als Kündi­gungs­frist ei­ne sol­che von 6 Wo­chen zum Quar­tals­en­de. Er ent­spricht da­mit der Grundkündi­gungs­frist des § 14 Nr. 1 RTV 1987. So­weit der Ar­beits­ver­trag kei­nen Ver­weis auf die verlänger­ten Kündi­gungs­fris­ten ent­hielt, ist dies unschädlich, weil sich zum da­ma­li­gen Zeit­punkt die verlänger­ten Kündi­gungs­fris­ten aus dem Ge­setz er­ga­ben, auf wel­che gleich­falls § 14 Nr. 1 RTV 1987 pau­schal und de­kla­ra­to­risch ver­wies. Zusätz­lich ist im Ar­beits­ver­trag ge­genüber dem RTV 1987 noch die Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses im Ren­ten­fall ge­re­gelt.

Ei­ne Ge­samt­schau der ar­beits­ver­trag­li­chen und der sei­ner­zeit gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen des Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges zeigt, dass we­sent­li­che un­ter­schied­li­che Be­rei­che des Ar­beits­verhält­nis­ses pau­schal und glo­bal durch die Ver­wei­sung des Ta­rif­ver­tra­ges er­fasst wer­den soll­ten. Es han­delt sich ins­be­son­de­re um die Re­ge­lung über die Ar­beits­zeit (§ 3 RTV 1987), die Re­ge­lung über Ar­beits­be­frei­ung (§ 6 RTV 1987), die Re­ge­lun­gen über Auswärts­beschäfti­gung und Ur­laub (§§ 10, 11 RTV 1987), die Re­ge­lung über die Jah­res­son­der­vergütung (§ 13 RTV 1987) und die Re­ge­lung über die Aus­schluss­fris­ten (§ 16 RTV 1987).

Da­mit sind in­halt­lich we­sent­li­che, aus un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen stam­men­de Re­ge­lun­gen auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel durch den Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt wor­den, so­dass bei der recht­li­chen Be­ur­tei­lung von ei­ner Glo­bal­ver­wei­sung aus­zu­ge­hen

 

- 8 - 

ist. Mit­hin ist die zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist zulässig und nicht an § 307 BGB zu mes­sen.

C.
Der Kläger hat als vollständig un­ter­le­ge­ne Par­tei gemäß 91 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG war die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­zu­las­sen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det, wie sich aus der Ur­teils­for­mel er­gibt, die Re­vi­si­on statt.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hen.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99113 Er­furt

oder

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt.

Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 – 20 00

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt müssen sich die Par­tei­en durch Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Be­vollmäch­tig­te sind außer Rechts­anwälten nur die in § 11 Ab­satz 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 ArbGG be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­ge­las­sen. Die­se müssen in Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

 

Ku­bi­cki 

Red­de­ha­se 

Kuck

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