Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Bonus, Zielvereinbarung, Insolvenz
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 3 Sa 85/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 30.06.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München - 36 Ca 14709/09
   


Verkündet am: 30.06.2011

3 Sa 85/11

36 Ca 14709/09
(ArbG München)

Kübler
Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le


Lan­des­ar­beits­ge­richt München


Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

L.


- Kläger und Be­ru­fungskläger -
 


Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:
 


ge­gen

J.


- Be­klag­ter und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:
 


- 2 -

1. S.


2. W.

- Streit­verkünde­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te zu 1-2:

hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12. Mai 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ro­sen­fel­der und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kuh­le­mann und Schneid

für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 16.11.2010 - 36 Ca 14709/09 - un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im Übri­gen geändert:


1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 16.300,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 13.10.2009 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

2. Von den Kos­ten des Rechts­streits ha­ben der Kläger 2/3 und der Be­klag­te 1/3 zu tra­gen.

3. Die Re­vi­si­on wird für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­sen.

- 3 -


Tat­be­stand:


Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung des Be­klag­ten, an den Kläger ei­ne so­ge­nann­te Re­ten­ti­ons­prämie so­wie ei­ne an­tei­li­ge va­ria­ble Vergütung - so­ge­nann­ter jähr­li­cher Bo­nus - zu zah­len.


Der Kläger war bei der In­sol­venz­schuld­ne­rin bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin seit 01.06.2005 beschäftigt auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.06.2005, zu­letzt als über­ta­rif­li­cher An­ge­stell­ter in der Po­si­ti­on ei­nes Se­ni­or Di­rec­tor/Over­all Pro­gram Ma­na­ger mit ei­nem Jah­res­ziel­ein­kom­men in Höhe von 116.600,00 € brut­to. Das Jah­res­ziel­ein­kom­men setz­te sich nach Ziff. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges aus ei­nem fes­ten Jah­res­ge­halt in Höhe von zu­letzt 84.000,00 € brut­to (= mo­nat­lich 7.000,00 € brut­to) und ei­nem jähr­li­chen va­ria­blen Ein­kom­men - dem so­ge­nann­ten Bo­nus - bei Er­rei­chung fest­ge­leg­ter Zie­le in Höhe von zu­letzt 32.600,00 € brut­to bei ein­hun­dert­pro­zen­ti­ger Ziel­er­rei­chung im Geschäfts­jahr (01.10. bis 30.09. des Fol­ge­jah­res) zu­sam­men. Nach Ziff. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges wer­den die Zie­le jähr­lich auf der Grund­la­ge der je­weils gel­ten­den Richt­li­nie (Bo­nus & In­cen­ti­ve Gui­de­li­ne) in ei­ner ge­son­der­ten Ziel­ver­ein­ba­rung fest­ge­legt. Mit die­ser Richt­li­nie ist ei­ne Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung zur va­ria­blen Vergütung im über­ta­rif­li­chen Be­reich in der I. (ÜT-Bo­nus) vom 21.06.2005 ge­meint, die später ei­nen Nach­trag vom 28.06.2006 er­hielt. Nach dem Be­triebsüber­gang vom 01.05.2009 von der I. zur Q. - der nach­ma­li­gen In­sol­venz­schuld­ne­rin - wur­de die­se Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung durch die Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Va­ria­blen Vergütung im über­ta­rif­li­chen Be­reich in der Q. (ÜT-Bo­nus) vom 16.11.2006 er­setzt. Dort ist un­ter Ziff. 11.1 Ein­tritt/Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­re­gelt:


Die Re­geln für „Ein­tritt/Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses“ wer­den auch auf Mit­ar­bei­ter in der El­tern­zeit oder ei­nem Sab­ba­ti­cal an­ge­wen­det.

11.1.1 Ein­tritt im 1., 2. und 3. Quar­tal

Bei un­terjähri­gem ex­ter­nen Ein­tritt wird in­ner­halb der ers­ten drei Mo­na­te nach Ein­tritt ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen. Die Aus­zah­lung des Bo­nus gemäß Ziel­er­rei­chung er­folgt zeit­an­tei­lig nach Ab­lauf des Geschäfts­jah­res.

- 4 -

11.1.2 Ein­tritt im 4. Quar­tal

Bei Ein­tritt im 4. Quar­tal wer­den al­le Zie­le zu 100 % für die­ses Quar­tal aus­be­zahlt. 11.1.3 Be­en­di­gung im 1. und 2. Quar­tal des Geschäfts­jah­res
Die Ziel­er­rei­chung wird mit 100 % be­wer­tet. Der er­mit­tel­te Be­trag wird zeit­an­tei­lig im Mo­nat der End­ab­rech­nung aus­be­zahlt.

11.1.4 Be­en­di­gung im 3. oder 4. Quar­tal des Geschäfts­jah­res

Die Ziel­er­rei­chung für die in­di­vi­du­el­len Zie­le wird zum Beschäfti­gungs­en­de, der Ge­samt­ziel­er­rei­chungs­grad wird nach dem En­de des Geschäfts­jah­res, in dem das Beschäfti­gungs­verhält­nis en­det, be­wer­tet. Der er­mit­tel­te Be­trag wird zeit­an­tei­lig zu dem übli­chen Aus­zah­lungs­ter­min aus­ge­zahlt.

Mit Schrei­ben vom 26.10.2008 sag­te die In­sol­venz­schuld­ne­rin ei­ne Re­ten­ti­ons­prämie zu wie folgt:

„...

Wir freu­en uns, dass wir Ih­nen zum 31.03.2009 ei­nen ein­ma­li­gen Be­trag in Höhe von 29.150,00 € brut­to zu­sa­gen können. Die Aus­zah­lung des Be­tra­ges setzt vor-aus, dass Sie zu die­sem Zeit­punkt Ihr Ar­beits­verhält­nis mit der ... (In­sol­venz­schuld­ne­rin) nicht von sich aus gekündigt ha­ben. Die Aus­zah­lung er­folgt mit der nächs­ten Ge­halts­ab­rech­nung.“

Am 23.01.2009 stell­te die In­sol­venz­schuld­ne­rin ei­nen An­trag auf Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens we­gen Zah­lungs­unfähig­keit. Das Amts­ge­richt M. - In­sol­venz­ge­richt - ord­ne­te am sel­ben Tag die vorläufi­ge In­sol­venz­ver­wal­tung über das Vermögen der In­sol­venz­schuld­ne­rin an und be­stell­te den Be­klag­ten zum vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter mit
 


- 5 -

der An­ord­nung, dass Verfügun­gen des Schuld­ners nur mit Zu­stim­mung des vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ters wirk­sam sind.

Am 01.04.2009, 9:00 Uhr, eröff­ne­te das Amts­ge­richt M. - In­sol­venz­ge­richt - das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen der In­sol­venz­schuld­ne­rin we­gen Zah­lungs­unfähig­keit und Über­schul­dung und be­stell­te den Be­klag­ten zum In­sol­venz­ver­wal­ter.

Die­ser gab mit E-Mail vom 20.04.2009 be­kannt, dass der va­ria­ble An­teil für über­ta­rif­li­che Mit­ar­bei­ter mit Wir­kung zum 01.04.2009 im Um­fang von mo­nat­lich ei­nem Zwölf­tel als fi­xer Ein­kom­mens­be­stand­teil auf der Ba­sis des ein­hun­dert­pro­zen­ti­gen Wer­tes ge­zahlt wer­de. Ab April 2009 er­hielt der Kläger ei­nen mo­nat­li­chen va­ria­blen An­teil in Höhe von 2.716,67 € brut­to aus­ge­zahlt.

Der Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit Schrei­ben vom 20.07.2009 zum 31.10.2009 und stell­te den Kläger ab 01.08.2009 von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de im Ver­lauf ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses zum 31.07.2009 be­en­det.

Der Kläger ver­langt vom Be­klag­ten, ei­nen an­tei­li­gen Bo­nus für den Zeit­raum Ok­to­ber 2008 bis ein­sch­ließlich März 2009 in Höhe von 16.300,00 € brut­to so­wie die Re­ten­ti­ons­prämie in Höhe von 29.150,00 € brut­to.

Er hat die For­de­rung auf die Re­ten­ti­ons­prämie in Höhe von 29.150,00 € im Ver­lauf des Be­ru­fungs­ver­fah­rens - mit Schrei­ben vom 05.05.2011 - zur In­sol­venz­ta­bel­le an­ge­mel­det.

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, der An­spruch auf den Bo­nus er­ge­be sich als Scha­den­er­satz­an­spruch, weil die In­sol­venz­schuld­ne­rin ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung, mit dem Kläger ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung für das Geschäfts­jahr 2008/2009 zu schließen, nicht nach­ge­kom­men sei. Dem­ge­genüber ha­be der Kläger sei­ne Ar­beits­leis­tung in der Zeit von Ok­to­ber 2008 bis März 2009 er­bracht. Der Kläger meint, es lie­ge in­so­weit ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 In­sO vor, da es sich um ei­nen An­spruch auf Son­der­leis­tung han­de­le, der an be­son­de­re Anlässe ge­knüpft sei und sich nicht ein­zel­nen Mo­na­ten oder


- 6 -

Zeit­ab­schnit­ten zu­ord­nen las­se. Die­ser An­spruch sei des­halb erst mit dem 30.09.2009 ent­stan­den.

Der Kläger ist des wei­te­ren der Auf­fas­sung, ihm ste­he der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie zu, weil die im Schrei­ben der In­sol­venz­schuld­ne­rin vom 20.10.2008 an­geführ­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sei­en. Das Ar­beits­verhält­nis ha­be am 01.04.2009 un­gekündigt fort­be­stan­den. Ins­be­son­de­re sei es nicht vom Kläger gekündigt wor­den. Die Re­ten­ti­ons­prämie sei im April 2009, mit­hin nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens, zahl­bar ge­we­sen, so dass auch in­so­weit ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 In­sO vor­lie­ge.

Der Be­klag­te ist da­ge­gen der Auf­fas­sung, dem Kläger stünden die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche nicht zu. Die Bo­nus­zah­lung be­tref­fe ei­ne ein­fa­che In­sol­venz­for­de­rung im Sin­ne von § 38 In­sO, da der Bo­nus­an­spruch dem Kläger während des Geschäfts­jah­res 2008/2009, eben­so wie der An­spruch auf das mo­nat­li­che Grund­ge­halt, mo­nat­lich, al­so pro ra­ta tem­po­ris, ent­stan­den sei. Es han­de­le sich um ei­ne mo­nats­be­zo­ge­ne Ent­gelt­leis­tung. Dies er­ge­be sich auch aus der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 28.06.2006, die ei­ne zeit­an­tei­li­ge Aus­zah­lung bei un­terjähri­gem Ein- oder Aus­tritt aus dem Ar­beits­verhält­nis vor­se­he.

Nach Auf­fas­sung des Be­klag­ten schei­det der An­spruch auf die gel­tend ge­mach­te Re­ten­ti­ons­prämie schon des­halb aus, weil es sich um ei­ne In­sol­venz­for­de­rung han­de­le. Bei wirk­sa­mer Zu­sa­ge wäre der An­spruch mit Ab­lauf des 31.03.2009 ent­stan­den, wo­ge­gen das In­sol­venz­ver­fah­ren erst am 01.04.2009 eröff­net wor­den sei. Die späte­re Fällig­keit führe nicht da­zu, dass die In­sol­venz­for­de­rung zu ei­ner Mas­se­ver­bind­lich­keit wer­de. Ab­ge­se­hen da­von ste­he dem An­spruch die Ein­re­de der An­fecht­bar­keit gemäß § 146 Abs. 2 In­sO ent­ge­gen, weil die Zu­sa­ge so­wohl nach § 133 Abs. 1 In­sO (vorsätz­li­che Gläubi­ger­be­nach­tei­li­gung) als auch nach § 134 In­sO (un­ent­gelt­li­che Leis­tung) an­fecht­bar sei.

Der Be­klag­te hat mit Schrift­satz vom 11.12.2009 den im Zeit­punkt der Zu­sa­ge der Re­ten­ti­ons­prämie am­tie­ren­den Vor­stands­mit­glie­dern der In­sol­venz­schuld­ne­rin den Streit verkündet. Die­se sind mit Schrift­satz vom 02.11.2010 dem Rechts­streit auf der Sei­te des Be­klag­ten bei­ge­tre­ten.


- 7 -

Das Ar­beits­ge­richt München hat mit En­dur­teil vom 16.11.2010 - 36 Ca 14709/09 -, auf das hin­sicht­lich des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts so­wie des strei­ti­gen Vor­trags der Par­tei­en im ers­ten Rechts­zug, der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträge und der Ein­zel­hei­ten der recht­li­chen Erwägun­gen des Erst­ge­richts ver­wie­sen wird, die Kla­ge voll­umfäng­lich ab­ge­wie­sen mit der Be­gründung, we­der der An­spruch auf Er­satz des Bo­nus­scha­dens noch der An­spruch auf die Re­ten­ti­ons­prämie sei­en Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO, die den In­sol­venz­ver­wal­ter ver­pflich­te­ten. Viel­mehr han­de­le es sich um Ansprüche für die Zeit vor In­sol­ven­zeröff­nung, die nach § 108 In­sO nur als In­sol­venzgläubi­ger gel­tend zu ma­chen und nach § 174 In­sO zur In­sol­venz­ta­bel­le an­zu­mel­den sei­en. Der An­spruch auf Bo­nus für Ok­to­ber 2008 bis März 2009 in Form ei­nes Scha­den­er­satz­an­spruchs be­tref­fe zwar ei­ne Leis­tung mit Ent­gelt­cha­rak­ter. Auch be­ste­he ein Scha­den­er­satz­an­spruch in Höhe des für die Zie­l­erfüllung zu­ge­sag­ten Bo­nus, wenn der Ar­beit­ge­ber schuld­haft kein Gespräch über die Ziel­er­rei­chung geführt ha­be. Da der Bo­nus­an­spruch je­doch in Zeit­ab­schnit­ten ent­ste­he, was sich aus Ziff. 12.2 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung (Ar­beits­platz­wech­sel/Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung) so­wie aus der Kol­lek­tiv­re­ge­lung über den Bo­nus­an­spruch bei un­terjähri­gem Ein­tritt er­ge­be, sei das En­de des Geschäfts­jah­res nicht Be­din­gung für die Ent­ste­hung des An­spruchs. Ent­ste­he der Bo­nus­an­spruch aber in Zeit­ab­schnit­ten, sei die strei­ti­ge Bo­nus­for­de­rung ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO, weil das In­sol­venz­ver­fah­ren am 01.04.2009, 9:00 Uhr, eröff­net wor­den sei, während der strei­ti­ge Bo­nus vor­her, nämlich je­weils zum Mo­nats­letz­ten, ent­stan­den sei. Auch der An­spruch auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie, der je­den­falls mit Ab-lauf des 31.03.2009, 0:00 Uhr ent­stan­den sei, sei kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit gemäß § 55 Abs. 2 Nr. 2 In­sO, weil die In­sol­ven­zeröff­nung erst am 01.04.2009, 9:00 Uhr, statt­ge­fun­den ha­be. Die späte­re Fällig­keit sei für die Ent­ste­hung der For­de­rung nicht maßgeb­lich. Vor­aus­set­zung für die Zah­lung sei laut Zu­sa­ge vom 21.10.2008, dass der Kläger das Ar­beits­verhält­nis nicht selbst zum 31.03.2009 gekündigt ha­be. Die­se Vor­aus­set­zung sei un­strei­tig mit Ab­lauf des 31.03.2009 erfüllt ge­we­sen mit der Fol­ge der Ent­ste­hung des An­spruchs um 0:00 Uhr. Die­se Aus­le­gung ent­spre­che Sinn und Zweck der Re­ten­ti­ons­prämie nach den ei­ge­nen Be­haup­tun­gen des Klägers - Bin­dung der Ar­beit­neh­mer bis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt zum Woh­le des Be­triebs. Die­se auf 31.03.2009 be­fris­te­te Be­triebs-treue kom­me der Mas­se nicht mehr zu­gu­te.
 


- 8 -

Der Kläger hat ge­gen das ihm am 21.12.2010 zu­ge­stell­te En­dur­teil vom 16.11.2010 mit ei­nem am 21.01.2011 beim Be­ru­fungs­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 21.02.2011 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Er wie­der­holt sei­nen be­reits im ers­ten Rechts­zug vor­ge­brach­ten Rechts­stand­punkt und meint, die zeit­an­tei­li­ge Zu­ord­nung des Bo­nus bzw. der va­ria­blen Vergütung für die Mo­na­te Ok­to­ber 2008 bis März 2009 durch das Ar­beits­ge­richt sei rechts­feh­ler­haft, weil der Bo­nus­an­spruch erst mit Ab­lauf des Geschäfts­jah­res ent­stan­den sei, als fest­ge­stan­den ha­be, wel­che Zie­le der Kläger tatsächlich in der Pe­ri­ode er­reicht hat­te. Er trägt vor, der Bo­nus für die ge­nann­ten Mo­na­te sei nicht et­wa gemäß E-Mail des Be­klag­ten vom 20.04.2009 auf Ba­sis des hun­dert­pro­zen­ti­gen Werts aus­ge­zahlt wor­den. Der Kläger be­tont, der Bo­nus­an­spruch sei nicht je­weils zum Mo­nats­letz­ten ent­stan­den, auch wenn bei un­terjähri­gem Ein- und Aus­tritt ei­ne zeit­an­tei­li­ge Aus­zah­lung er­fol­gen soll­te. Laut Ar­beits­ver­trag han­de­le es sich um ei­nen Jah­res­bo­nus. Be­mes­sungs­zeit­raum sei das vol­le Geschäfts­jahr. Der Er­folg müsse am En­de des Geschäfts­jah­res mess­bar sein. Der Ziel­er­rei­chungs­grad müsse gemäß Ziff. 11.5 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung spätes­tens bis 31.12. des auf die Ziel­pe­ri­ode fol­gen­den Geschäfts­jah­res fest­ge­stellt sein. Da­mit las­se sich der An­spruch ge­ra­de nicht ein­zel­nen Mo­na­ten zu­ord­nen. Selbst wenn sich die Zie­le in mo­nat­li­che Etap­pen un­ter­tei­len ließen, set­ze die Ent­ste­hung des Bo­nus nicht zwangsläufig die mo­nat­li­che hun­dert­pro­zen­ti­ge Er­rei­chung der ein­zel­nen Etap­pen vor­aus. Die Schluss­rech­nung wer­de am En­de des Geschäfts­jah­res ge­macht. Die For­de­rung ent­ste­he so­mit zum En­de des Geschäfts­jah­res, wor­an auch die zeit­an­tei­li­ge Gewährung bei un­terjähri­gem Ein- und Aus­tritt nichts ände­re. Die Stich­tags­re­ge­lung führe nicht zu ei­nem un­bil­li­gen Er­geb­nis für die Mas­se. Denn der Kläger ha­be die Ar­beits­leis­tung zur Mas­se er­bracht.


Der Kläger hält auch dar­an fest, dass der An­spruch auf die Re­ten­ti­ons­prämie kei­ne In­sol­venz­for­de­rung sei. Die Fortführung des Un­ter­neh­mens sei kei­ne Vor­aus­set­zung des An­spruchs. Die Zu­sa­ge sei für Be­triebs­treue ge­ge­ben wor­den, nicht aber für die Fortführung des Un­ter­neh­mens. Der Kläger tritt der Auf­fas­sung des Be­klag­ten ent­ge­gen, die Zu­sa­ge sei an­fecht­bar. Es lie­ge we­der ei­ne Gläubi­ger­be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 133 In­sO noch ei­ne un­ent­gelt­li­che Leis­tung gemäß § 134 In­sO vor, son­dern ein „sach­ge­rech­ter Sa­nie­rungs­ver­such“. Vor al­lem ha­be der Kläger kei­ne Kennt­nis von ei­nem Gläubi­ger­be­nach­tei­li­gungs­vor­satz der In­sol­venz­schuld­ne­rin oder ei­ner dro­hen­den Zah­lungs­unfähig­keit ge-


- 9 -

habt. Da der An­spruch auf die Re­ten­ti­ons­prämie mit der Ge­halts­ab­rech­nung für April 2009 fällig ge­wor­den sei, han­de­le es sich um ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit.

Hilfs­wei­se macht der Kläger gel­tend, er ha­be je­den­falls An­spruch auf Fest­stel­lung der For­de­rung auf Zah­lung des Re­ten­ti­ons­bo­nus zur In­sol­venz­ta­bel­le, da die Zu­sa­ge vom 21.10.2008 nicht an­fecht­bar sei. Er meint, die im dies­bezüglich ge­stell­ten Hilfs­an­trag ent­hal­te­ne Kla­geände­rung sei zulässig.

Der Kläger be­an­tragt:

I. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 16.11.2010, zu­ge­stellt am 21.12.2010, - 36 Ca 14709/09 - wird auf­ge­ho­ben.

II. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­nen Be­trag in Höhe von 45.450,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Hilfs­wei­se:

a) Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­nen Be­trag in Höhe von 16.300,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

b) Die For­de­rung des Klägers in Höhe von 29.150,00 € wird zur In­sol­venz­ta­bel­le fest­ge­stellt.

III. Der Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

Der Be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen und dem Kläger die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens auf­zu­er­le­gen.
 


- 10 -

Er tritt den Ent­schei­dungs­gründen des En­dur­teils vom 16.11.2010 bei und meint ins­be­son­de­re, wenn die Ho­no­rie­rung der Be­triebs­treue bis ein­sch­ließlich 31.03.2009 Zweck der Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie sei, sei die­ser Zweck spätes­tens mit Ab­lauf des 31.03.2009 er­reicht wor­den, mit­hin vor Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens am 01.04.2009, 9:00 Uhr. Die Zahl­bar­keit bzw. Fällig­keit sei für die Ent­ste­hung der For­de­rung nicht ent­schei­dend. Vor­sorg­lich hält der Be­klag­te die Ein­re­de der An­fecht­bar­keit auf­recht.

Der Be­klag­te bleibt da­bei, dass der Ziel­bo­nus als Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung zeit­ab­schnitts­be­zo­gen ent­stan­den sei. Dar­an ände­re die Aus­zah­lung laut Be­triebs­ver­ein­ba­rung erst nach Ab­lauf des Geschäfts­jah­res und die Fest­stell­bar­keit des Ziel­er­rei­chungs­gra­des am En­de der Ziel­pe­ri­ode nichts. Selbst wenn der Bo­nus­an­spruch nicht je­weils zum Mo­nats­letz­ten entstünde, stel­le der gel­tend ge­mach­te Scha­den­er­satz­an­spruch den­noch kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit dar, da dass die Scha­den­er­satz­pflicht auslösen­de Er­eig­nis - Nicht­ab­schluss ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung mit dem Kläger bis spätes­tens 01.12.2008 gemäß Ziff. 9.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006 - von der nach­ma­li­gen In­sol­venz­schuld­ne­rin vor In­sol­ven­zeröff­nung ver­ur­sacht wor­den sei.

Den im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ge­stell­ten Hilfs­fest­stel­lungs­an­trag des Klägers hält der Be-klag­te für un­zulässig, weil die For­de­rung auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie nicht an­ge­mel­det, ge­prüft und be­strit­ten wor­den sei. Es feh­le so­mit ei­ne zwin­gen­de Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung für die Zulässig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge.

Im Übri­gen meint der Be­klag­te, die Hilfs­fest­stel­lungs­kla­ge sei auch un­be­gründet, weil die For­de­rung ein­re­de­be­haf­tet sei.

Hin­sicht­lich des sons­ti­gen Vor­trags der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 21.02.2011 und 05.05.2011, des Be­klag­ten vom 15.03.2011 und 31.05.2011 so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 12.05.2011 ver­wie­sen.


- 11 -

Ent­schei­dungs­gründe:


Die zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers ist teil­wei­se be­gründet.

Der An­spruch auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie ist kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO, die ge­genüber dem In­sol­venz­ver­wal­ter un­mit­tel­bar gel­tend ge­macht wer­den könn­te, son­dern ei­ne In­sol­venz­for­de­rung, die vor In­sol­ven­zeröff­nung ent­stan­den ist und so­mit nach § 108 Abs. 3 In­sO vom Kläger nur als In­sol­venzgläubi­ger gel­tend zu ma­chen und nach § 174 In­sO zur In­sol­venz­ta­bel­le an­zu­mel­den ist. Die Be­ru­fung ist in­so­weit un­be­gründet. Der An­spruch auf Scha­den­er­satz in Höhe des ent­gan­ge­nen jähr­li­chen Bo­nus be­trifft da­ge­gen ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit, die ge­genüber dem Be­klag­ten un­mit­tel­bar gel­tend ge­macht wer­den kann. Da die Vor­aus­set­zun­gen die­ses Scha­den­er­satz­an­spruchs vor­lie­gen, sind Kla­ge und Be­ru­fung in­so­weit be­gründet.

Der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vom Kläger neu ge­stell­te An­trag auf Fest­stel­lung des An­spruchs auf den Re­ten­ti­ons­bo­nus zur In­sol­venz­ta­bel­le ist un­zulässig, weil es, wie der Be­klag­te rich­tig er­kannt hat, an ei­ner Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung - je­den­falls: Prüfung und Be­strei­ten der For­de­rung durch den In­sol­venz­ver­wal­ter - fehlt.

1. Dem Ar­beits­ge­richt ist dar­in zu fol­gen, dass der An­spruch auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie un­be­gründet ist, weil es sich nicht um ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO han­delt.

a) Es kann of­fen blei­ben, ob es sich - wie das Ar­beits­ge­richt im An­schluss an BAG 27.09.2007 (6 AZR 275/06, Rn. 20) an­ge­nom­men hat - um ei­ne Leis­tung mit Ent­gelt­cha­rak­ter im wei­tes­ten Sin­ne han­delt oder, wie der Be­klag­te an­nimmt, um ei­ne un­ent­gelt­li­che Leis­tung im Sin­ne von § 134 Abs. 1 In­sO. Je­den­falls han­delt es sich um kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 Alt. 2 In­sO, de­ren Erfüllung für die Zeit nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens er­fol­gen muss.

b) Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht im An­schluss an das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG 19.07.2007 - 6 AZR 1087/06 - Rn. 19; BAG 27.09.2007 - 6 AZR 975/06 - Rn. 18) aus­geführt, § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO er­fas­se Ver­bind­lich­kei­ten noch nicht vollständig erfüll­ter ge-


- 12 -

gen­sei­ti­ger Verträge. Die Re­ge­lung stel­le si­cher, dass der Gläubi­ger, der noch voll zur Mas­se leis­ten muss, auch die vol­le Ge­gen­leis­tung erhält und die Mas­se nicht auf sei­ne Kos­ten be­rei­chert wird. So­weit Ar­beits­verhält­nis­se be­trof­fen sei­en, be­ru­he die Vor­schrift auf dem Grund­ge­dan­ken, dass der Ar­beit­neh­mer trotz In­sol­venz sei­ne ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung er­brin­gen müsse und da­her im Ge­gen­zug sei­ne ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ansprüche be­hal­ten sol­le. Un­ter die ge­nann­te Vor­schrift fie­len al­le Lohn- und Ge­halts­ansprüche, die aus der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern nach Ver­fah­ren­seröff­nung durch den In­sol­venz­ver­wal­ter erwüch­sen, und zwar in der Höhe, die sich aus dem je­wei­li­gen Ar­beits­ver­trag er­ge­be, so­wie al­le sons­ti­gen Ansprüche, die sich aus dem Fort-be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses ergäben. Für die Ein­ord­nung als Mas­se- oder In­sol­venz­for­de­rung sei mit­hin ent­schei­dend, ob der gel­tend ge­mach­te An­spruch vor oder nach der In­sol­venz­ver­fah­ren­seröff­nung ent­stan­den sei, wo­bei nicht auf die Fällig­keit, son­dern auf den Zeit­punkt des Ent­ste­hens der For­de­rung ab­zu­stel­len sei (BAG 19.07.2007 - 6 AZR 1087/06 - Rn. 19).


c) Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, dass bei Zu­grun­de­le­gung die­ser Maßstäbe der An­spruch auf Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie je­den­falls mit Ab­lauf des 31.03.2009, 24:00 Uhr = am 01.04.2009, 0:00 Uhr, ent­stan­den sei. Denn in die­sem Zeit-punkt war die Vor­aus­set­zung des Ent­ste­hens die­ser Leis­tung laut Zu­sa­ge­schrei­ben vom 21.10.2008 - Un­ter­las­sung der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Kläger als Zu­sa­ge­empfänger von sich aus „zu die­sem Zeit­punkt“ - erfüllt und, wie der Be­klag­te zu Recht ausführt, der Zweck der Leis­tung er­reicht. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob für das Ent­ste­hen des An­spruchs auf die Re­ten­ti­ons­zah­lung be­reits das Un­ter­las­sen ei­ner Ar­beit­neh­merkündi­gung zum 31.03.2009 aus­reicht, al­so ei­ner Kündi­gung mit die­sem Be­en­di­gungs­ter­min, oder ob das Un­ter­las­sen des Aus­spruchs ei­ner Kündi­gung bis ein­sch­ließlich 31.03.2009 ge­for­dert ist - wo­von das Be­ru­fungs­ge­richt aus­geht. Denn bei bei­den Va­ri­an­ten ist die im Zu­sa­ge­schrei­ben ge­nann­te Vor­aus­set­zung für die Zah­lung der Re­ten­ti­ons­prämie erfüllt.


d) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kommt es nicht auf den im Zu­sa­ge­schrei­ben ge­nann­ten Aus­zah­lungs­ter­min, al­so auf die Fällig­keit der Zah­lung, an. Die Vor­aus­set­zung, dass der Zu­sa­ge­empfänger das Ar­beits­verhält­nis „zu die­sem Zeit­punkt“ nicht von sich aus gekündigt ha­be, be­zieht sich auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Satz, in dem der



- 13 -

Bin­dungs­zeit­raum mit dem Pas­sus „bis 31. März 2009“ de­fi­niert ist, nicht aber auf den nach­fol­gen­den Satz, der den Aus­zah­lungs­zeit­punkt fest­legt. Sonst müss­te es heißen: „Die Aus­zah­lung setzt vor­aus, dass Sie zum Zeit­punkt der Aus­zah­lung (oder aber: der nach­fol­gen­den Ge­halts­ab­rech­nung bzw. der nach­fol­gend ge­re­gel­ten Aus­zah­lung oder ähn­li­ches) ... nicht von sich aus gekündigt ha­ben“.

Da so­mit der An­spruch am 31.03.2009, 24:00 Uhr = 01.04.2009, 0:00 Uhr, ent­stan­den ist, mit­hin vor In­sol­ven­zeröff­nung am 01.04.2009, 9:00 Uhr, liegt kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit gemäß § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO vor. Der Be­klag­te ist nicht pas­siv­le­gi­ti­miert.

2. Der auf Scha­den­er­satz we­gen des ent­gan­ge­nen In­cen­ti­ve-Bo­nus gemäß § 280 Abs. 1 und 3 BGB i. V. m. §§ 283, 252 BGB ge­rich­te­te An­spruch be­trifft da­ge­gen kei­ne In­sol­venz­for­de­rung, son­dern ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 Alt. 2 In­sO. Da die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen sol­chen Scha­den­er­satz­an­spruch in der gel­tend ge­mach­ten Höhe vor­lie­gen, ist die Kla­ge in­so­weit be­gründet.

a) Nach Ziff. 4b des Ar­beits­ver­tra­ges vom 28.06.2005 hat der Kläger An­spruch auf ei­nen jähr­li­chen Bo­nus bei Er­rei­chen fest­ge­leg­ter Zie­le, der für das Geschäfts­jahr 2008/2009 (01.10.2008 bis 30.09.2009) bei 100 % Ziel­er­rei­chung 32.600,00 € brut­to beträgt.

b) Die Ar­beit­ge­be­rin des Klägers und nach­ma­li­ge In­sol­venz­schuld­ne­rin hat ent­ge­gen Ziff. 9.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006 nicht bis spätes­tens 01.12.2009 für die Dau­er des lau­fen­den Geschäfts­jah­res ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung mit dem Kläger ge­trof­fen und auch kein Gespräch über die Ziel­er­rei­chung geführt, oh­ne dass Gründe für die­se Un­ter­las­sung vor­ge­tra­gen oder er­sicht­lich wären.

Hat der Ar­beit­neh­mer nach dem Ar­beits­ver­trag ei­nen An­spruch auf ei­nen va­ria­blen Ge­halts­be­stand­teil, der von der Er­rei­chung zu ver­ein­ba­ren­der Zie­le abhängig ist, und kommt ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung nicht zu­stan­de, ist der Ar­beit­ge­ber aber nach Ab­lauf der Ziel­pe­ri­ode gemäß § 280 Abs. 1 und Abs. 3, 283 Satz 1, 252 BGB ver­pflich­tet, dem Ar­beit­neh­mer we­gen der ent­gan­ge­nen Vergütung Scha­den­er­satz zu leis­ten, wenn er das Nicht­zu­stan­de­kom­men der Ziel­ver­ein­ba­rung zu ver­tre­ten hat. Da­bei ob­liegt es re­gelmäßig dem Ar-


- 14 -

beit­ge­ber, die Initia­ti­ve zum Ab­schluss ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung zu er­grei­fen und ein kon­kre­tes An­ge­bot vor­zu­le­gen. Un­ter­bleibt dies, ver­letzt der Ar­beit­ge­ber die aus der Ver­ein­ba­rung der va­ria­blen ziel­abhängi­gen Vergütung re­sul­tie­ren­de Ver­hand­lungs­pflicht (BAG 12.05.2010 - 10 AZR 390/09 - Rn. 11; BAG 10.12.2008 - 10 AZR 889/07 - Rn. 12). Al­ler­dings ist der Ar­beit­ge­ber nach § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht zur Leis­tung von Scha­den­er­satz ver­pflich­tet, wenn er das Nicht­zu­stan­de­kom­men ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung nicht zu ver­tre­ten hat. Weist der Ar­beit­ge­ber nach, dass er sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung, für je­de Ziel­pe­ri­ode ge­mein­sam mit dem Ar­beit­neh­mer Zie­le fest­zu­le­gen, nach­ge­kom­men ist und dem Ar­beit­neh­mer Zie­le vor­ge­schla­gen hat, die die­ser nach ei­ner auf den Zeit­punkt des An­ge­bots be­zo­ge­nen Pro­gno­se hätte er­rei­chen können, fehlt es an ei­ner Ver­let­zung der Ver­hand­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers und da­mit an ei­ner Vor­aus­set­zung für den Scha­den­er­satz­an­spruch des Ar­beit­neh­mers.

Vor­lie­gend hat die Ar­beit­ge­be­rin des Klägers und nach­ma­li­ge In­sol­venz­schuld­ne­rin nicht nur ent­ge­gen der ein­schlägi­gen Kol­lek­tiv­re­ge­lung ih­re Ver­pflich­tung zum Ab­schluss ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung bzw. zur Er­grei­fung ei­ner ent­spre­chen­den Initia­ti­ve ver­letzt. Es ist auch nicht er­kenn­bar, dass sie dies nicht zu ver­tre­ten hätte, so dass man­gels Ent­las­tungs­be­wei­ses von ei­nem Ver­tre­tenmüssen aus­zu­ge­hen ist.

c) Die Höhe des aus­zu­glei­chen­den Scha­dens be­misst sich nach dem für den Fall der Ziel­er­rei­chung zu­ge­sag­ten Bo­nus. Die­ser ist bei der abs­trak­ten Scha­dens­be­rech­nung nach § 252 Satz 2 BGB Grund­la­ge für die Er­mitt­lung des dem Ar­beit­neh­mer zu er­set­zen­den Scha­dens (BAG 12.12.2007 - 10 AZR 97/07 - Rn. 50).

Dies be­deu­tet, dass der Kläger für das Geschäfts­jahr 2008/2009 (01.10.2008 bis 30.09.2009) An­spruch auf ei­nen In­cen­ti­ve-Bo­nus in Höhe des 100-Pro­zent-Werts, al­so 32.600,00 € brut­to hat. Da er hier­von gemäß E-Mail vom 20.04.2009 (für die Zeit ab 01.04.2009) mo­nat­lich ein Zwölf­tel (des Jah­res­werts) er­hal­ten hat, steht noch ein aus­zu­glei­chen­der Scha­den in Höhe der Hälf­te des Jah­res­bo­nus bei hun­dert­pro­zen­ti­ger Ziel­er­rei­chung of­fen. Dies sind 16.300,00 € brut­to.

d) Der Be­klag­te ist in Be­zug auf den An­spruch auf den In­cen­ti­ve-Bo­nus pas­siv­le­gi­ti­miert. Denn es han­delt sich um ei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2
 


- 15 -

Alt. 2 In­sO, die, weil sie nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens ent­stan­den ist, im Sin­ne der ge­nann­ten Be­stim­mung für die Zeit nach In­sol­ven­zeröff­nung zu erfüllen ist.

Es be­darf kei­ner nähe­ren Erörte­rung darüber, dass die­ser An­spruch ei­ne Leis­tung mit Ent­gelt­cha­rak­ter be­trifft, da es sich um ei­nen Be­stand­teil des ar­beits­ver­trag­li­chen Jah­res-ar­beits­ent­gelt-Gefüges han­delt. Die Leis­tung wird als Ge­gen­leis­tung für den Ge­samt­er­folg der Ar­beits­leis­tung des Klägers im Geschäfts­jahr er­bracht.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts und des Be­klag­ten han­delt es sich da­ge­gen nicht um ei­ne Leis­tung, die in Zeit­ab­schnit­ten - mo­nats­wei­se - ent­steht. Denn die Be­mes­sung und Zah­lung er­folgt ent­spre­chend dem Ziel­er­rei­chungs­grad im Geschäfts­jahr, der - wie auch die von den Par­tei­en her­an­ge­zo­ge­nen Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen zei­gen - grundsätz­lich erst mit Ab­lauf des Geschäfts­jah­res fest­ge­stellt wer­den kann. Da­mit kann der An­spruch, wor­auf der Kläger zu Recht hin­weist, nicht ein­zel­nen Mo­na­ten zu­ge­ord­net wer­den. Selbst wenn sich die Zie­le in mo­nat­li­che Etap­pen­zie­le un­ter­tei­len ließen, setzt die Ent­ste­hung des Bo­nus nicht zwangsläufig die mo­nat­li­che Er­rei­chung des 100-Pro­zent-Werts in den ein­zel­nen Etap­pen vor­aus. Viel­mehr könn­te dann die Un­ter­erfüllung der Zie­le in ein­zel­nen Mo­nats­etap­pen durch die Übe­r­erfüllung in an­de­ren Mo­nats­zeiträum­en kom­pen­siert wer­den. Ab­ge­se­hen da­von ist hier - wie in der Re­gel - völlig of­fen, ob - und ge­ge­be­nen­falls wel­che - Ein­zel­zie­le auf Teil-Zeiträume des Geschäfts­jah­res be­zo­gen sind bzw. in sol­chen Teil-Zeiträum­en erfüllt wer­den können oder müssen. Dies ist ei­ne Fol­ge da­von, dass durch den In­cen­ti­ve-Bo­nus ge­ra­de nicht Mo­nats­leis­tun­gen, son­dern ei­ne Jah­res­leis­tung ho­no­riert wer­den soll.

Dar­an ändert auch die zeit­an­tei­li­ge Gewährung bei un­terjähri­gem Ein- oder Aus­tritt (Ziff. 11.1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006) oder im Fal­le ei­nes Ar­beits­platz­wech­sels bzw. ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung (Ziff. 11.2 der ge­nann­ten Be­triebs­ver­ein­ba­rung), fer­ner bei Wech­sel der dis­zi­pli­na­ri­schen Führungs­kraft (Ziff. 11.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung) nichts. Denn die Be­gren­zung auf den zeit­an­tei­li­gen An­spruch be­trifft in die­sen Fällen nur die Be­mes­sung der An­spruchshöhe un­ter Verkürzung des Be­zugs­zeit­raums. Die­se Verkürzung des Re­fe­renz­zeit­raums be­deu­tet nicht, dass ein Wech­sel von ei­ner mo­natsüberg­rei­fen­den Be­trach­tungs­wei­se zu ei­ner mo­nats­be­zo­ge­nen Cha­rak­te­ris­tik des In­cen­ti­ve-Bo­nus-An­spruchs stattfände. Viel­mehr bleibt es da­bei, dass es sich um die Ho­no­rie­rung

- 16 -

der Ge­samt­leis­tung des Ar­beit­neh­mers in ei­nem mo­natsüberg­rei­fen­den Zeit­raum han­delt. Die Verkürzung des Be­zugs­zeit­raums in den ge­nann­ten Fällen be­trifft nicht das Sys­tem - den Cha­rak­ter - der Leis­tung, son­dern ist dem An­lie­gen ei­ner möglichst ge­rech­ten, „fai­ren“ Be­rech­nung des Bo­nus ge­schul­det.


„Zeit­ab­schnitt“ im Sin­ne von § 614 Satz 2 BGB ist mit­hin grundsätz­lich das Geschäfts­jahr, in den ge­nann­ten Fällen ei­ner Verkürzung des Be­mes­sungs­zeit­raums der verkürz­te Zeit-raum, nicht aber die für das Fix­ge­halt maßge­ben­de „Mo­nats­tak­tung“. Die Be­ru­fungs­kam­mer ver­mag dem Be­klag­ten nicht dar­in zu fol­gen, dass die für die Zah­lung des In­cen­ti­ve-Bo­nus maßge­ben­de Ar­beits­leis­tung Mo­nat für Mo­nat er­bracht wer­de un­ge­ach­tet der Fest­stell­bar­keit des Ziel­er­rei­chungs­gra­des am En­de der Ziel­pe­ri­ode.

Dar­an ändert auch die Zu­grun­de­le­gung ei­nes Ziel­er­rei­chungs­gra­des von 100 % im Fal­le ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im ers­ten und zwei­ten Quar­tal des Geschäfts­jah­res gemäß Ziff. 11.1.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006 und die Zu­sa­ge va­ria­bler An­tei­le für über­ta­rif­li­che und Führungs­kreis-Mit­ar­bei­ter in Höhe von mo­nat­lich ei­nem Zwölf­tel als fi­xer Ein­kom­mens­be­stand­teil auf der Ba­sis des 100-Pro­zent-Werts durch E-Mail der Q. Com­mu­ni­ca­ti­on vom 12.04.2009 nichts. Bei dem An­satz des 100-Pro­zent-Werts in Ziff. 11.1.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung han­delt es sich le­dig­lich um ei­ne un­wi­der­leg­li­che Ver­mu­tung im Rah­men der Be­rech­nung der Höhe des Bo­nus, im Fal­le der Zu­sa­ge vom 20.04.2009 geht es um ei­ne Annäherung der va­ria­blen Vergütung an ei­ne Fix­vergütung oder gar um ei­ne Um­wand­lung der va­ria­blen Vergütung in ei­ne fes­te Vergütung, al­ler­dings je­den­falls nicht un­ter Verände­rung des Cha­rak­ters der va­ria­blen Vergütung für die Zeit von Ok­to­ber 2008 bis ein­sch­ließlich März 2009. Wäre für das Geschäfts­jahr 2008/2009 mit dem Kläger ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wor­den, müss­te un­ter Berück­sich­ti­gung der E-Mail vom 20.04.2009 für den Rumpf­zeit­raum Ok­to­ber 2008 bis ein-schließlich März 2009 ana­log Ziff. 11.2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006 ei­ne zeit­an­tei­li­ge Be­wer­tung der Ziel­er­rei­chung so­wie ei­ne ent­spre­chen­de zeit­an­tei­li­ge Aus­zah­lung des Bo­nus - al­ler­dings im­mer noch „nach Ab­lauf des Geschäfts­jah­res“ (vgl. Ziff. 11.2 Abs. 3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung) - er­fol­gen.

Nach al­lem han­delt es sich beim streit­ge­genständ­li­chen An­spruch auf nicht erfüll­te In­cen­ti­ve-Bo­nus-Leis­tung für das Geschäfts­jahr 2008/2009 um ei­ne Ver­bind­lich­keit, de­ren Er-
 


- 17 -

füllung für die Zeit nach der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens im Sin­ne von § 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO er­fol­gen muss.

e) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten ist der Bo­nus­an­spruch nicht schon des-halb kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit, son­dern ei­ne In­sol­venz­for­de­rung, weil dass die Er­satz­pflicht auslösen­de Er­eig­nis von der Schuld­ne­rin vor In­sol­ven­zeröff­nung ver­ur­sacht wur­de.

Zwar trifft es zu, dass nach Ziff. 9.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 16.11.2006 die Ziel­ver­ein­ba­run­gen grundsätz­lich bis spätes­tens 01.12. für die Dau­er des lau­fen­den Geschäfts­jah­res ab­zu­sch­ließen sind. Gleich­wohl ent­steht in den Fällen der vom Ar­beit­ge­ber ver­letz­ten Pflicht zur Her­beiführung ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung der Scha­den­er­satz­an­spruch - eben­so wie der An­spruch auf die va­ria­ble Vergütung selbst - erst mit Ab­lauf des Geschäfts­jah­res. Denn der Se­kundäran­spruch kann nicht vor dem Primäran­spruch ent­ste­hen, auf des­sen Ver­ei­te­lung er auf­baut.

f) Die Fra­ge der An­fecht­bar­keit gemäß §§ 146 Abs. 2, 133 Abs. 1 Satz 1, 134 Abs. 1 In­sO stellt sich hin­sicht­lich des An­spruchs auf Scha­den­er­satz we­gen des ent­gan­ge­nen In­cen­ti­ve-Bo­nus nicht.

3. Der Hilfs­an­trag des Klägers auf Fest­stel­lung der For­de­rung des Klägers in Höhe von 29.150,00 € zur In­sol­venz­ta­bel­le ist un­zulässig.

Zwar hat der Kläger mit Schrei­ben vom 05.05.2011 die­se For­de­rung un­ter An­ga­be des Rechts­grun­des „Zu­sa­ge/Re­ten­ti­on Pay­ment“ zur In­sol­venz­ta­bel­le an­ge­mel­det.

Gleich­wohl kann über die­sen An­trag nicht ent­schie­den wer­den, weil in­so­weit - wie der Be­klag­te zu Recht ausführt - ei­ne in je­der La­ge des Ver­fah­rens von Amts we­gen zu prüfen­de Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung fehlt. Auch wenn die­se For­de­rung an­ge­mel­det ist, muss sie, ehe ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 179 ff. In­sO zulässig ist, ge­prüft und be­strit­ten wor­den sein. Dass dies ge­sche­hen wäre, er­gibt sich aus dem Vor­trag des Klägers nicht und ist auch nicht er­sicht­lich. Die Fol­ge ist, dass die­ser Fest­stel­lungs­an­trag als un­zulässig ab­zu­wei­sen ist (BAG 16.06.2004 - 5 AZR 521/03; ErfK/Müller-Glöge, 11. Aufl., Einführung In­sO Rn. 13).
 


- 18 -

4. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO und § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO.

5. Die Re­vi­si­on wird für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu sind der nach­fol­gen­den Be­leh­rung zu ent­neh­men.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil können bei­de Par­tei­en Re­vi­si­on ein­le­gen.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.

Die Re­vi­si­on muss beim


Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt


Post­an­schrift:
Bun­des­ar­beits­ge­richt
99113 Er­furt

Te­le­fax-Num­mer:
0361 2636-2000
 

ein­ge­legt und be­gründet wer­den.


- 19 -

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Es genügt auch die Un­ter­zeich­nung durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten der Ge­werk­schaf­ten und von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände
- für ih­re Mit­glie­der
- oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der

oder

von ju­ris­ti­schen Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich in wirt­schaft­li­chem Ei­gen­tum ei­ner der im vor­ge­nann­ten Ab­satz be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen,
- wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt
- und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In je­dem Fall muss der Be­vollmäch­tig­te die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de

Dr. Ro­sen­fel­der 

Kuh­le­mann 

Schneid

Hin­weis der Geschäfts­stel­le:

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, al­le Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 3 Sa 85/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880