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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Alter, Altersdiskriminierung, Diskriminierung: Entschädigung, Diskriminierung: Bewerbung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 1044/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.03.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 5.10.2007, 7 Ca 350/07
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 15.09.2008, 14 Sa 1769/07
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

8 AZR 1044/08
14 Sa 1769/07 

Durch Be­schluss des Se­nats
Lan­des­ar­beits­ge­richt 

vom 13. Ju­li 2010 Nie­der­sach­sen 

- 8 AZR 1044/08 - be­rich­tigt.
23. Ju­li 2010
Krebste­kies, Amtsrätin

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

18. März 2010

UR­TEIL

Förs­ter, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin, Re­vi­si­onskläge­rin und An­schluss­re­vi­si­ons­be­klag­te,

pp.

Be­klag­te zu 1), Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1), Re­vi­si­ons­be­klag­te und An­schluss­re­vi­si­onskläge­rin,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. März 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des-
 


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ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Kog­lin und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Mall­mann für Recht er­kannt:


Die Re­vi­si­on der Kläge­rin und die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 15. No­vem­ber 2008 - 14 Sa 1769/07 - wer­den zurück­ge­wie­sen.

Von den Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens hat die Kläge­rin 91% und die Be­klag­te 9% zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch der Kläge­rin we­gen Be­nach­tei­li­gung auf­grund des Al­ters.

Die Be­klag­te bie­tet Ob­jekt­schutz, Mes­se- und Ver­an­stal­tungs­diens­te an und hat dafür auf dem Gelände der Mes­se H ein sog. Mes­sebüro ein­ge­rich­tet. Von dort aus or­ga­ni­sier­te sie Dienst­leis­tungs­aufträge, die ihr von der D AG H, der vor­ma­li­gen Be­klag­ten zu 2), er­teilt wur­den. Während der Hmes­se vom 16. bis 20. April 2007 soll­te die Be­klag­te die Be­su­cher­re­gis­trie­rung durchführen, mit der die ex­ak­te Be­su­cher­zahl er­mit­telt und die persönli­chen Be­su­cher­da­ten er­fasst wur­den. Die Be­su­cher­re­gis­trie­rung er­folg­te da­bei nach ei­nem ge­nau fest­ge­leg­ten Sys­tem, das deutsch­land­weit al­le Mes­se­ver­an­stal­ter an­er­kannt ha­ben und prak­ti­zie­ren.

Dafür such­te die Be­klag­te mit ei­ner Zei­tungs­an­zei­ge vom 4. April 2007 „Mit­ar­bei­ter mit min­des­tens ei­ner Fremd­spra­che zur Aus­hil­fe“. Die am 24. Fe­bru­ar 1959 ge­bo­re­ne Kläge­rin hat ein Hoch­schul­stu­di­um als Di­plomüber­set­ze­rin für Französisch und Spa­nisch ab­sol­viert und verfügt über gu­te Eng­lisch­kennt­nis­se. Seit 1986 ist sie bei ei­nem Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes im Fremd­spra­chen­dienst beschäftigt, war je­doch im April 2007 be­reits
 


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über ei­nen länge­ren Zeit­raum oh­ne Bezüge be­ur­laubt. Auf die Zei­tungs­an­non­ce be­warb sich die Kläge­rin noch am 4. April 2007 te­le­fo­nisch. Ihr Gesprächs­part­ner bei der Be­klag­ten war Herr L, der an die­sem Tag we­gen ei­nes kurz­fris­ti­gen Per­so­nal­man­gels bei den Ein­stel­lungs­gesprächen aus­half. We­gen der Fremd­spra­chen­kennt­nis­se der Kläge­rin merk­te Herr L sie zunächst für ei­ne Tätig­keit in der „Voll­re­gis­trie­rung“ vor, die mit 9,05 Eu­ro pro St­un­de vergütet wird. Bei der persönli­chen Vor­stel­lung im Mes­sebüro der Be­klag­ten noch am sel­ben Tag erklärte Herr L, nach­dem er die Ein­ga­be der Per­so­nal­da­ten der Kläge­rin in die EDV un­ter­bro­chen hat­te, für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit in der Voll­re­gis­trie­rung sei die Kläge­rin zu alt. Dies ha­be ei­ne Rück­spra­che mit der Beschäftig­ten Frau M der Be­klag­ten er­ge­ben und ba­sie­re auf ei­ner ent­spre­chen­den Vor­ga­be der D AG H. Die Kläge­rin kom­me je­doch für ei­ne an­de­re Tätig­keit mit ge­rin­ge­rer Vergütung in Be­tracht. Die Kläge­rin wies so­fort auf ei­ne aus ih­rer Sicht vor­lie­gen­de Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung hin und bat sich we­gen der an­de­ren Tätig­keit Be­denk­zeit aus.


Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 14. April 2007, der Be­klag­ten am 16. April 2007 zu­ge­gan­gen, mach­te die Kläge­rin ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch we­gen Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung gel­tend. Dar­auf­hin schlos­sen die Be­tei­lig­ten am 18. April 2007 ei­nen für die Zeit vom 16. bis 20. April 2007 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag über ei­ne Beschäfti­gung der Kläge­rin in der Be­su­cher­re­gis­trie­rung. Die Kläge­rin ar­bei­te­te vom 18. bis 20. April 2007 in der Voll­re­gis­trie­rung. Die Be­klag­te vergüte­te fünf Ar­beits­ta­ge auf der Ba­sis von 9,05 Eu­ro/St­un­de. Sie ent­schul­dig­te sich bei der Kläge­rin.


Un­ter dem 16. Mai 2007 ließ die Kläge­rin durch ih­re Anwälte er­neut ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch gel­tend ma­chen und er­hob schließlich mit Ein­gang bei Ge­richt am 12. Ju­li 2007 die vor­lie­gen­de Kla­ge.


Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te und die D AG H als vor­ma­li­ge Be­klag­te zu 2) hätten sie als Ge­samt­schuld­ne­rin­nen we­gen Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung zu entschädi­gen. Der An­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG set­ze kei­ne schwer­wie­gen­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung vor­aus. Die Höhe der Entschädi­gung müsse ab­schre­ckend sein, um präven­tiv zu wir­ken und den

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Ar­beit­ge­ber von künf­ti­gen Be­nach­tei­li­gun­gen ab­zu­hal­ten. 3/5 ei­ner hoch-ge­rech­ne­ten Jah­res­vergütung sei­en an­ge­mes­sen. Dem Entschädi­gungs­an­spruch könne nicht ihr - ru­hen­des - Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, da hin­sicht­lich ei­ner Ne­bentätig­keit für sie nur ei­ne An­zei­ge-, kei­ne Ge­neh­mi­gungs­pflicht be­stan­den ha­be.

So­weit für die Re­vi­si­on noch von Be­deu­tung hat die Kläge­rin be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Entschädi­gung, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, die je­doch nicht un­ter 11.294,35 Eu­ro lie­gen soll­te, nebst Zin­sen iHv. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 15. Ju­ni 2007 zu zah­len.


Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res An­tra­ges auf Kla­ge­ab­wei­sung dar­auf ver­wie­sen, der Beschäftig­te L ha­be am 4. April 2007 irrtümlich an­ge­nom­men, sei­tens der D AG H be­ste­he ei­ne Al­ters­vor­ga­be für die in der Voll­re­gis­trie­rung zu beschäfti­gen­den Aus­hil­fen. Für die Hmes­se 2007 ha­be sie im Be­reich der Be­su­cher­re­gis­trie­rung 19 Per­so­nen ein­ge­stellt, die älter als 40 ge­we­sen sei­en. Herr L, der Schu­lun­gen zum AGG er­hal­ten ha­be, ha­be nicht in Dis­kri­mi­nie­rungs­ab­sicht ge­han­delt. Der Entschädi­gungs­an­spruch set­ze ei­ne schwer­wie­gen­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung vor­aus. Sie ha­be nicht nur den ma­te­ri­el­len Scha­den der Kläge­rin er­setzt, son­dern et­wai­ge im­ma­te­ri­el­le Schäden durch Na­tu­ral­re­sti­tu­ti­on aus­ge­gli­chen; durch die tatsächli­che Beschäfti­gung ha­be die Kläge­rin Ge­nug­tu­ung er­fah­ren. Ein et­wa den­noch fest­zu­stel­len­der ver­blei­ben­der Scha­den über­stei­ge die Ge­ringfügig­keits­gren­ze nicht. Zu berück­sich­ti­gen sei auch, dass die Kläge­rin in An­be­tracht ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses im öffent­li­chen Dienst nicht die Stel­le bei der Be­klag­ten hätte an­tre­ten dürfen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die (ursprüng­lich auch ge­gen die D AG ge­rich­te­te) Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach Be­weis­auf­nah­me die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung iHv. 1.000,00 Eu­ro zu zah­len und die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer vom Se­nat ge­gen die Be­klag­te
 


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zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­ren An­trag auf Ver­ur­tei­lung zu ei­ner höhe­ren Entschädi­gung wei­ter, während die Be­klag­te mit der An­schluss­re­vi­si­on die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils be­gehrt.

Ent­schei­dungs­gründe

So­wohl die Re­vi­si­on der Kläge­rin als auch die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten sind un­be­gründet. Die Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Zah­lung ei­ner Entschädi­gung iHv. 1.000,00 Eu­ro nebst Zin­sen hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand. Ein höhe­rer Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG steht der Kläge­rin nicht zu.


A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: We­gen Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung bei der Ein­stel­lung ste­he der Kläge­rin ein Entschädi­gungs­an­spruch iHv. 1.000,00 Eu­ro aus § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG zu. Die­ser set­ze we­der ei­ne schwer­wie­gen­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung der Kläge­rin noch ein Ver­schul­den der Be­klag­ten vor­aus. Die zunächst we­gen ih­res Al­ters ver­wei­ger­te Ein­stel­lung der Kläge­rin in der Voll­re­gis­trie­rung ver­s­toße ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG. Das Ver­hal­ten des Herrn L sei der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen. Die später doch er­folg­te Ein­stel­lung der Kläge­rin las­se die un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­lung iSv. § 3 Abs. 1 AGG nicht ent­fal­len. Die­se sei nicht nach den §§ 8 ff. AGG ge­recht­fer­tigt. Un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les sei ei­ne Entschädi­gung von 1.000,00 Eu­ro an­ge­mes­sen. Zu Las­ten der Be­klag­ten sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­nach­tei­li­gung vorsätz­lich er­folgt und kei­ne Recht­fer­ti­gung er­kenn­bar sei. Für die Be­klag­te spre­che die kur­ze Dau­er der Dis­kri­mi­nie­rung, der Er­satz des ma­te­ri­el­len Scha­dens und die aus­drück­li­che Ent­schul­di­gung. Die Entschädi­gung müsse ab­schre­cken­de Wir­kung ha­ben, je­doch sei auch die zu er­war­ten­de Brut­to­mo­nats­vergütung zu berück­sich­ti­gen, was sich aus § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG ab­lei­ten las­se.
 


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B. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin und die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten sind zulässig.

I. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist zulässig. 


1. Es kann da­hin­ste­hen, ob die von der Kläge­rin mit Schrift­satz vom 30. De­zem­ber 2008 ein­ge­leg­te und mit wei­te­rem Schrift­satz vom 30. Ja­nu­ar 2009 be­gründe­te Re­vi­si­on zulässig war. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te in sei­nem Ur­teil vom 15. Sep­tem­ber 2008 die Re­vi­si­on nur für die Be­klag­te (zu 1)) zu­ge­las­sen. Dies hielt die Kläge­rin aus pro­zess­recht­li­chen Erwägun­gen für rechts­feh­ler­haft, wes­we­gen sie zunächst un­ter dem 25. No­vem­ber 2008 Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­leg­te (- 8 AZN 1117/08 -), die­se so­dann un­ter dem 30. De­zem­ber 2008 be­gründe­te und zu­gleich mit ge­son­der­tem Schrift­satz Re­vi­si­on ein­leg­te. Die nur hin­sicht­lich der Be­klag­ten (zu 1)) ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Kläge­rin war er­folg­reich (Be­schluss des Se­nats vom 19. März 2009 - 8 AZN 1117/08 -). Nach § 72a Abs. 6 Satz 2 ArbGG galt da­her die Re­vi­si­on der Kläge­rin als schon mit der form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, al­so als mit Schrift­satz vom 25. No­vem­ber 2008 ein­ge­legt. Das mit Schrift­satz vom 30. De­zem­ber 2008 ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel stell­te ei­ne wei­te­re, zwei­te Re­vi­si­ons­ein­le­gung dar.


2. Ein Ur­teil kann von ei­ner Par­tei nur mit ei­nem Rechts­mit­tel an­ge­grif­fen wer­den, so dass auch bei zwei Ein­le­gungs­ak­ten nur von ei­nem Rechts­mit­tel aus­zu­ge­hen ist (GK-ArbGG/Mi­kosch Stand März 2010 § 74 Rn. 22). Über die­ses Rechts­mit­tel ist ein­heit­lich zu ent­schei­den, selbst wenn ei­ne Par­tei ge­gen ei­ne be­stimm­te Ent­schei­dung mehr­fach Be­ru­fung oder Re­vi­si­on ein­ge­legt hat (st. Rspr. des Bun­des­ar­beits­ge­richts und des Bun­des­ge­richts­hofs, vgl. BAG 18. No­vem­ber 2009 - 5 AZR 41/09 - EzA ArbGG 1979 § 66 Nr. 43; 13. Sep­tem­ber 1972 - 2 AZB 32/71 - BA­GE 24, 432 = AP ZPO § 519b Nr. 8; BGH 15. Fe­bru­ar 2005 - XI ZR 171/04 - zu A II 1 der Gründe, MDR 2005, 824; 29. Ju­ni 1966 - VI ZR 86/56 - BGHZ 45, 380, 383). Ih­re Re­vi­si­on vom 25. No­vem­ber 2008 hat die Kläge­rin frist- und form­gemäß be­gründet. Der Be­schluss des Se­nats über die Zu­las­sung der Re­vi­si­on auch für sie wur­de der Kläge­rin am 26. März 2009 zu­ge­stellt, ihr Schrift­satz zur Re­vi­si­ons­be­gründung
 


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vom 17. April 2009 wahrt die ge­setz­li­che Be­gründungs­frist nach § 72a Abs. 6 Satz 3, § 74 Abs. 1 Satz 1 ArbGG.

II. Auch die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten ist zulässig. Die Re­vi­si­ons­be­gründung der Kläge­rin vom 17. April 2009 wur­de ihr am 24. April 2009 zu­ge­stellt. Die An­sch­ließung der Be­klag­ten ging am Mon­tag, den 25. Mai 2009 und da­mit in­ner­halb ei­nes Mo­nats beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein (§ 554 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Auf die be­reits früher er­folg­te Be­gründung der zusätz­lich ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on der Kläge­rin kommt es nicht an. Da sich die Re­vi­si­on der Kläge­rin als Fort­set­zung des Be­schwer­de­ver­fah­rens dar­stellt, § 72a Abs. 6 Satz 1 ArbGG, kommt es auf die in­ner­halb der Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist nach § 72a Abs. 6 Satz 3 ArbGG er­folg­te Re­vi­si­ons­be­gründung und ih­re Zu­stel­lung an den Geg­ner für den Be­ginn der An­sch­ließungs­frist nach § 554 Abs. 2 Satz 2 ZPO an.

C. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. 


I. Der auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung ge­rich­te­te Kla­ge­an­trag ist zulässig, ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO).

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin die Höhe der von ihr be­gehr­ten Entschädi­gung in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt hat. Nach § 15 Abs. 2 AGG kann ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld ver­langt wer­den. Dem Ge­richt wird da­mit hin­sicht­lich der Höhe der Entschädi­gung ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­geräumt (vgl. BT-Drucks. 16/1780 S. 38). Ist die Höhe des Be­tra­ges nach bil­li­gem Er­mes­sen des Ge­richts zu be­stim­men, ist ein un­be­zif­fer­ter Zah­lungs­an­trag zulässig. Die Kläge­rin muss al­ler­dings Tat­sa­chen, die das Ge­richt bei der Be­stim­mung des Be­tra­ges her­an­zie­hen soll, be­nen­nen und die Größen­ord­nung der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung an­ge­ben (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 22, AP AGG § 15 Nr. 1 = EzA AGG § 15 Nr. 1; 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - BA­GE 127, 367 = AP SGB IX § 81 Nr. 15 = EzA SGB IX § 81 Nr. 17; 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 807/05 - Rn. 12, BA­GE 119, 262 = AP SGB IX § 81 Nr. 13 = EzA SGB IX § 81 Nr. 14). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die Kläge­rin hat ei­nen Sach­ver­halt dar­ge­legt, der

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dem Ge­richt die Fest­set­zung der Höhe ei­ner Entschädi­gung ermöglicht, und An­ga­ben zur Größen­ord­nung die­ser Entschädi­gung ge­macht.

II. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet, so­weit die Kläge­rin nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG ei­ne höhe­re Entschädi­gung als die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­setz­ten 1.000,00 Eu­ro be­an­sprucht.


1. Mit dem Ge­setz zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung (Um­set­zungs­ge­setz) vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. I S. 1897) ist am 18. Au­gust 2006 das AGG in Kraft ge­tre­ten. Für Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen des Al­ters, die zeit­lich nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes lie­gen, gel­ten die §§ 1 bis 18 AGG oh­ne Ein­schränkung (§ 33 AGG, Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 33 Rn. 3). So­wohl die Be­wer­bung der Kläge­rin am 4. April 2007 als auch die zunächst er­folg­te Ab­leh­nung für ei­ne Stel­le in der Voll­re­gis­trie­rung am sel­ben Tag la­gen zeit­lich nach In­kraft­tre­ten des AGG.


2. Die Par­tei­en un­ter­fal­len dem persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG.

a) Die Kläge­rin galt schon im Zeit­punkt ih­rer Be­nach­tei­li­gung als Beschäftig­te, § 6 Abs. 1 Satz 1 in Verb. mit Satz 2 AGG, oh­ne dass es da­bei dar­auf ankäme, ob sie für die Tätig­keit in der Voll­re­gis­trie­rung ob­jek­tiv ge­eig­net war. Die ob­jek­ti­ve Eig­nung ei­ner Be­wer­be­rin ist kei­ne Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für ei­nen An­spruch nach § 15 Abs. 1 oder 2 in Verb. mit § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG (BAG 18. März 2010 - 8 AZR 77/09 -; of­fen­ge­las­sen 28. Mai 2009 - 8 AZR 536/08 - AP AGG § 8 Nr. 1 = EzA AGG § 8 Nr. 1). Der Wort­laut des § 6 Abs. 1 Satz 1 AGG bie­tet kei­nen An­halts­punkt für das Er­for­der­nis ei­nes sol­chen Tat­be­stands­merk­mals. Für ei­ne Aus­le­gung über den Wort­laut hin­aus be­steht auch an­ge­sichts des § 3 Abs. 1 AGG kein Bedürf­nis. Ob die sub­jek­ti­ve Ernst­haf­tig­keit der Be­wer­bung Vor­aus­set­zung der Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on ist (so zu BGleiG BAG 27. April 2000 - 8 AZR 295/99 - zu II 2 e der Gründe, BGleiG E.II.2.1 BGB § 611a Nr. 2), kann hier of­fen­blei­ben. An­halts­punk­te dafür, dass die Be­wer­bung


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der Kläge­rin nicht ernst­haft war, be­ste­hen schon an­ge­sichts der später er­folg­ten Ein­stel­lung und Beschäfti­gung nicht.

b) Die Be­klag­te ist Ar­beit­ge­be­rin iSd. AGG, weil sie mit­tels ei­ner Zei­tungs­an­zei­ge um Be­wer­bun­gen, al­so um Beschäftig­te iSd. § 6 Abs. 1 AGG ge­wor­ben hat, § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG.


3. Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG hat die Kläge­rin we­gen ih­res Scha­dens, der nicht Vermögens­scha­den ist, ei­nen An­spruch auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld, weil die Be­klag­te sie ent­ge­gen § 7 Abs. 1 in Verb. mit § 1 AGG we­gen ih­res Al­ters be­nach­tei­ligt hat (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 28, AP AGG § 15 Nr. 1 = EzA AGG § 15 Nr. 1).

a) Die Be­klag­te hat die Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters un­mit­tel­bar iSd. § 3 Abs. 1 AGG be­nach­tei­ligt.

aa) Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 1 AGG liegt vor, wenn ei­ne Per­son bei ei­ner Maßnah­me iSd. § 2 Abs. 1 AGG we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on, wo­bei die sich nach­tei­lig aus­wir­ken­de Maßnah­me di­rekt an das ver­bo­te­ne Merk­mal an­knüpfen muss (BAG 14. Au­gust 2007 - 9 AZR 943/06 - BA­GE 123, 358 = AP AGG § 33 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 611a Nr. 5).


bb) Die auf die Be­wer­bung der Kläge­rin hin am 4. April 2007 er­folg­te Ent­schei­dung der Be­klag­ten, die Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters nicht in der Voll­re­gis­trie­rung ein­zu­stel­len, be­traf den Zu­gang der Kläge­rin zu un­selbständi­ger Er­werbstätig­keit, stell­te al­so ei­ne Maßnah­me iSd. § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG dar.


cc) Da­bei hat die Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters, al­so we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des, ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on, § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG.

(1) Die Kläge­rin wur­de ungüns­ti­ger be­han­delt als tatsächli­che oder po­ten­ti­el­le Be­wer­be­rin­nen, denn ih­re Be­wer­bung für ei­ne Beschäfti­gung in der
 


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Voll­re­gis­trie­rung wur­de - zunächst - am 4. April 2007 ab­ge­lehnt. Dies stellt ei­ne ungüns­ti­ge Be­hand­lung dar, un­abhängig da­von, ob die Kläge­rin bei „pas­sen­dem“ Al­ter ein­ge­stellt wor­den wäre (BAG 28. Mai 2009 - 8 AZR 536/08 - AP AGG § 8 Nr. 1 = EzA AGG § 8 Nr. 1; BVerfG 16. No­vem­ber 1993 - 1 BvR 258/86 - BVerfGE 89, 276).


(2) Die ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Kläge­rin er­folg­te in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG, denn die Kläge­rin erfüll­te die Vor­aus­set­zung, ob­jek­tiv für die Beschäfti­gung in der Voll­re­gis­trie­rung ge­eig­net zu sein. Ver­gleich­bar iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG ist die Aus­wahl­si­tua­ti­on nur für Ar­beit­neh­mer, die glei­cher­maßen die ob­jek­ti­ve Eig­nung für die zu be­set­zen­de Stel­le auf­wei­sen. Zu Recht wird für das Vor­lie­gen ei­ner Be­nach­tei­li­gung ver­langt, dass ei­ne Per­son, die an sich für die Tätig­keit ge­eig­net wäre, nicht aus­gewählt oder schon nicht in Be­tracht ge­zo­gen wur­de (so aus­drück­lich BAG 5. Fe­bru­ar 2004 - 8 AZR 112/03 - BA­GE 109, 265 = AP BGB § 611a Nr. 23 = EzA BGB 2002 § 611a Nr. 3; Däubler/Bertz­bach-Däubler AGG 2. Aufl. § 7 Rn. 9; Adom­eit/Mohr AGG § 22 Rn. 27; ErfK/Schlach­ter 10. Aufl. § 6 AGG Rn. 3; aA: vgl. Schiek/Ko­cher AGG § 22 Rn. 25, § 3 Rn. 7; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 26. No­vem­ber 2008 - 15 Sa 517/08 - LA­GE AGG § 22 Nr. 1). Könn­te auch ein ob­jek­tiv un­ge­eig­ne­ter Be­wer­ber im­ma­te­ri­el­le Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG ver­lan­gen, stünde dies nicht im Ein­klang mit dem Schutz­zweck des AGG. Das AGG will vor un­ge­recht­fer­tig­ter Be­nach­tei­li­gung schützen, nicht ei­ne un­red­li­che Ge­sin­nung des (po­ten­ti­el­len) Ar­beit­ge­bers sank­tio­nie­ren. Die ob­jek­ti­ve Eig­nung ist al­so kei­ne un­ge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung der Be­wer­be­rei­gen­schaft, son­dern Kri­te­ri­um der „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ iSd. § 3 Abs. 1 AGG (BAG 18. März 2010 - 8 AZR 77/09 -). Maßgeb­lich für die ob­jek­ti­ve Eig­nung ist da­bei nicht das for­mel­le An­for­de­rungs­pro­fil des je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bers, son­dern die An­for­de­run­gen, wel­che an die je­wei­li­ge Tätig­keit nach der im Ar­beits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung ge­stellt wer­den (Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 3 Rn. 15; vgl. Däubler/Bertz­bach-Däubler aaO). Dass die Kläge­rin für ei­ne Beschäfti­gung in der Voll­re­gis­trie­rung ob­jek­tiv ge­eig­net war, steht zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit und an­ge­sichts ih­rer später doch er­folg­ten Beschäfti­gung außer Fra­ge.
 


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(3) Die Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin er­folg­te nach der von dem Beschäftig­ten L am 4. April 2007 ge­ge­be­nen Be­gründung we­gen ih­res Al­ters. Es reicht für die Kau­sa­lität des ver­bo­te­nen Merk­mals iSd. § 7 Abs. 1, § 3 Abs. 1 AGG aus, wenn in ei­nem Mo­tivbündel, das die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat, das Merk­mal als Kri­te­ri­um ent­hal­ten ge­we­sen ist (BAG 18. März 2010 - 8 AZR 77/09 -; 21. Ju­li 2009 - 9 AZR 431/08 - Rn. 40, AP SGB IX § 82 Nr. 1 = EzA SGB IX § 82 Nr. 1; BVerfG 16. No­vem­ber 1993 - 1 BvR 258/86 - BVerfGE 89, 276). Die Kläge­rin wur­de am 4. April 2007 we­gen ih­res Al­ters nicht für die Voll­re­gis­trie­rung ein­ge­stellt, selbst dann nicht, als sie um­ge­hend dar­auf hin-wies, sie wer­de we­gen ih­res Al­ters dis­kri­mi­niert. Ei­ne Ein­stel­lung er­folg­te viel­mehr erst, nach­dem sie mit ih­rem Schrei­ben vom 14. April 2007 ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch gel­tend ge­macht hat­te. Da­mit war für die Ab­leh­nungs­ent­schei­dung vom 4. April 2007 ge­ra­de das Le­bens­al­ter der Kläge­rin ent­schei­dend.


dd) Die ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Kläge­rin am 4. April 2007 wird we­der durch die später vor­ge­nom­me­ne Ein­stel­lung noch durch die tatsächli­che Beschäfti­gung der Kläge­rin ab 18. April 2007 auf­ge­ho­ben. Die un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung ist auch nicht nach § 8 oder § 10 AGG ge­recht­fer­tigt oder nach § 5 AGG zulässig ge­we­sen.


ee) Das Ver­hal­ten des Beschäftig­ten L am 4. April 2007 ist der Be­klag­ten auch zu­zu­rech­nen.

Be­dient sich der Ar­beit­ge­ber bei der An­bah­nung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ge­ner Mit­ar­bei­ter oder Drit­ter (zB der Bun­des­agen­tur für Ar­beit), so trifft ihn die vol­le Ver­ant­wort­lich­keit für de­ren Ver­hal­ten (zu § 611a BGB aF BAG 5. Fe­bru­ar 2004 - 8 AZR 112/03 - zu II 2 b bb (2) der Gründe, BA­GE 109, 265 = AP BGB § 611a Nr. 23 = EzA BGB 2002 § 611a Nr. 3; Stof­fels RdA 2009, 204, 207 f.).

ff) Der An­spruch auf Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG setzt kei­nen schuld­haf­ten Ver­s­toß des Ar­beit­ge­bers ge­gen ein Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot vor­aus (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 61 ff., AP AGG § 15 Nr. 1 =

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EzA AGG § 15 Nr. 1). We­der aus dem Wort­laut noch aus der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik er­gibt sich zwin­gend, dass ein Entschädi­gungs­an­spruch nur bei Vor­lie­gen der in § 15 Abs. 1 Satz 1 und 2 AGG ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben ist. Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ge­set­zes spricht dafür, dass mit § 15 Abs. 2 AGG ei­ne ver­schul­dens­un­abhängi­ge Haf­tung be­gründet wer­den soll­te. Dies ent­spricht auch ei­ner ge­mein­schafts­rechts­kon­for­men Aus­le­gung (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 67, aaO). Da­her kann im Rah­men von § 15 Abs. 2 AGG da­hin­ste­hen, ob das Be­ru­fungs­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat, das strit­ti­ge Vor­brin­gen der Be­klag­ten zur Schu­lung des Beschäftig­ten L sei nicht hin­rei­chend sub­stan­zi­iert. Dar­auf kann es nur bei ei­nem ver­schul­dens­abhängi­gen Scha­dens­er­satz­an­spruch an­kom­men.

b) Die Be­klag­te ist we­gen des ihr zu­re­chen­ba­ren Ver­s­toßes ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot nach § 15 Abs. 2 AGG ver­pflich­tet, der Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld zu zah­len. Ei­ne schwer­wie­gen­de Ver­let­zung ih­res all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts oder ei­ne er­heb­li­che Be­nach­tei­li­gung sind nicht er­for­der­lich. Dem steht be­reits der Wort­laut des § 15 AGG ent­ge­gen, nach dem nur ein „Scha­den, der nicht Vermögens­scha­den ist“, vor­lie­gen muss. § 15 Abs. 2 AGG enthält ei­ne ei­genständi­ge An­spruchs­grund­la­ge für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch. Die Grundsätze, die für den An­spruch auf Schmer­zens­geld bei Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts gel­ten, sind nicht an­zu­wen­den (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 70 ff. mwN, AP AGG § 15 Nr. 1 = EzA AGG § 15 Nr. 1). Viel­mehr ist vom Vor­lie­gen ei­nes im­ma­te­ri­el­len Scha­dens aus­zu­ge­hen, wenn ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot fest­steht. Der Ge­setz­ge­ber woll­te mit der Schaf­fung des § 15 Abs. 2 AGG die For­de­run­gen der Richt­li­ni­en so­wie der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs nach ei­ner wirk­sa­men und ver­schul­dens­un­abhängig aus­ge­stal­te­ten Sank­ti­on bei Ver­let­zung des Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­tes erfüllen. In der Ge­set­zes­be­gründung wur­de klar­ge­stellt, dass die Entschädi­gung aus­sch­ließlich für im­ma­te­ri­el­le Schäden gewährt wird, die re­gelmäßig bei ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Be­nach­tei­li­gung aus den in § 1 AGG ge­nann­ten Gründen vor­lie­gen, wo­bei § 15 Abs. 2 AGG ge­genüber § 253 BGB die spe­zi­el­le­re Norm ist (BT-Drucks. 16/1780 S. 38). Es kann da­bei auch
 


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da­hin­ste­hen, ob in be­stimm­ten Aus­nah­mefällen ein im­ma­te­ri­el­ler Scha­den des­we­gen zu ver­nei­nen ist, weil die Be­nach­tei­li­gung so ge­rin­ge Aus­wir­kun­gen hat­te, dass die Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nicht mehr in an­ge­mes­se­nem Verhält­nis zur Be­nach­tei­li­gung stünde. Denn vor­lie­gend wur­de die Kläge­rin be­wusst und un­mit­tel­bar we­gen ih­res Al­ters ungüns­ti­ger be­han­delt, ob­wohl sie un­verzüglich Dis­kri­mi­nie­rung gel­tend mach­te und sie wur­de erst tatsächlich ein­ge­stellt, nach­dem sie Entschädi­gung ver­langt hat­te. Zu ei­ner tatsächli­chen Beschäfti­gung kam es nur an drei der ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen fünf Ta­ge. Die­se Aus­wir­kun­gen las­sen ei­ne Entschädi­gung nicht als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen.


4. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat schließlich oh­ne Rechts­feh­ler der Höhe nach auf ei­ne Entschädi­gung von 1.000,00 Eu­ro er­kannt.

a) Bei der Ent­schei­dung der Fra­ge, wel­che Entschädi­gung an­ge­mes­sen iSv. § 15 Abs. 2 AGG ist, be­steht für die Ge­rich­te ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum, in­ner­halb des­sen sie die Be­son­der­hei­ten je­des ein­zel­nen Fal­les zu berück­sich­ti­gen ha­ben (BT-Drucks. 16/1780 S. 38). § 15 Abs. 2 AGG ent­spricht der Re­ge­lung zum Schmer­zens­geld in § 253 BGB. Hängt die Höhe des Entschädi­gungs­an­spruchs von ei­nem Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ab, dann ist die Be­mes­sung des Entschädi­gungs­an­spruchs grundsätz­lich Auf­ga­be des Tatrich­ters (Se­nat 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 80, AP AGG § 15 Nr. 1 = EzA AGG § 15 Nr. 1; zu ei­nem Schmer­zens­geld­an­spruch nach § 253 Abs. 2 BGB 25. Ok­to­ber 2007 - 8 AZR 593/06 - BA­GE 124, 295 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 7; 16. Mai 2007 - 8 AZR 709/06 - BA­GE 122, 304 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5 = EzA BGB 2002 § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 6). Die Fest­set­zung der an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung ob­liegt dem­nach nur ei­ner ein­ge­schränk­ten Über­prüfung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt. Das Be­ru­fungs­ur­teil muss das Bemühen um ei­ne an­ge­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung al­ler maßgeb­li­chen Umstände er­ken­nen las­sen und darf nicht ge­gen Rechtssätze, Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen ha­ben (BGH 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97 - BGHZ 138, 388).
 


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b) Die Fest­set­zung der Entschädi­gung iHv. 1.000,00 Eu­ro durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt hält ei­ner sol­chen ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.


aa) Bei der Fest­set­zung ei­ner an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung durch das Tat­ge­richt sind al­le Umstände des Ein­zel­fal­les zu berück­sich­ti­gen. Zu die­sen zählen et­wa die Schwe­re und Art der Be­nach­tei­li­gung, ih­re Dau­er und Fol­gen, der An­lass und der Be­weg­grund des Han­delns, der Grad der Ver­ant­wort­lich­keit des Ar­beit­ge­bers, et­wa ge­leis­te­te Wie­der­gut­ma­chung oder er­hal­te­ne Ge­nug­tu­ung und das Vor­lie­gen ei­nes Wie­der­ho­lungs­fal­les. Fer­ner ist der Sank­ti­ons­zweck der Norm zu berück­sich­ti­gen, so­dass die Höhe auch da­nach zu be­mes­sen ist, was zur Er­zie­lung ei­ner ab­schre­cken­den Wir­kung er­for­der­lich ist. Der Ar­beit­ge­ber soll von künf­ti­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen ab­ge­hal­ten wer­den, wo­bei die Entschädi­gung in ei­nem an­ge­mes­se­nen Verhält­nis zum er­lit­te­nen Scha­den ste­hen muss (BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 82 mwN, AP AGG § 15 Nr. 1 = EzA AGG § 15 Nr. 1; BT-Drucks. 16/1780 S. 38; Wen­de­ling-Schröder/St­ein AGG § 15 Rn. 39 f.; Bau­er/Göpfert/Krie­ger § 15 Rn. 36).


bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die we­sent­li­chen Umstände bei der Fest­set­zung der Entschädi­gung berück­sich­tigt. Ein Ver­s­toß ge­gen Rechtssätze, Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze liegt nicht vor.


Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf die zunächst er­folg­te Ab­leh­nung ei­ner Ein­stel­lung für die Voll­re­gis­trie­rung ab­ge­stellt. Nicht zu be­an­stan­den ist, dass es die verhält­nismäßig kur­ze Dau­er der Be­ein­träch­ti­gung der Kläge­rin berück­sich­tigt hat, dass die Be­klag­te auf das Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben der Kläge­rin mit dem Beschäfti­gungs­an­ge­bot in der Voll­re­gis­trie­rung um Wie­der­gut­ma­chung bemüht war, dass sie ihr die Vergütung für fünf vol­le Ta­ge aus­be­zahlt hat und dass die Kläge­rin durch die Ent­schul­di­gung der Be­klag­ten Ge­nug­tu­ung er­hal­ten hat. Dass es an­de­rer­seits ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung als re­gelmäßig schwer­wie­gen­der als ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung an­ge­se­hen hat, ist rechts­feh­ler­frei, eben­so, dass es die vorsätz­li­che Be­nach­tei­li­gung in die Abwägung ein­be­zo­gen hat. Der Grad ei­nes et­wa vor­lie­gen­den Ver­schul­dens kann bei der Höhe der Entschädi­gung berück-

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sich­tigt wer­den (grundsätz­lich da­zu BAG 18. Ja­nu­ar 2007 - 8 AZR 250/06 - Rn. 35, AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 § 611 Ar­beit­neh­mer­haf­tung Nr. 2). Zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt wei­ter berück­sich­tigt, dass die Kläge­rin trotz ih­res Hin­wei­ses auf Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung am 4. April 2007 für die Voll­re­gis­trie­rung nicht ein­ge­stellt wur­de. Zu Recht hat es un­berück­sich­tigt ge­las­sen, dass der Beschäftig­te L mögli­cher­wei­se hin­sicht­lich ei­ner Al­ters­vor­ga­be der D AG ei­nem Irr­tum un­ter­lag. Die Be­klag­te durf­te mit oder oh­ne Vor­ga­be von drit­ter Sei­te die Kläge­rin nicht we­gen ih­res Al­ters dis­kri­mi­nie­ren. Es kann da­hin­ste­hen, ob bei dem Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG den Be­nach­tei­lig­ten wie beim ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz ei­ne Scha­dens­min­de­rungs­pflicht (§ 254 Abs. 2 Satz 1 BGB) trifft. Denn auch bei An­nah­me der an­ge­bo­te­nen Beschäfti­gung auf ei­nem nied­ri­ger vergüte­ten Ar­beits­platz hätte sich der im­ma­te­ri­el­le Scha­den der Kläge­rin in­fol­ge der Ab­leh­nung we­gen ih­res Al­ters nicht ge­min­dert. Der nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­zo­ge­ne Schluss, ei­ne sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters bei der Be­klag­ten sei nicht be­wie­sen, verstößt we­der ge­gen Rechtssätze noch ge­gen Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze. Ent­ge­gen der von der Kläge­rin mit der Re­vi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung hat das Be­ru­fungs­ge­richt zu Recht auch die zu er­war­ten­de Brut­to­mo­nats­vergütung der Kläge­rin in Rech­nung ge­stellt. Dies hat mit der vor­lie­gend nicht ein­schlägi­gen Ober­gren­ze von drei Mo­nats­gehältern des § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG nichts zu tun. Als ma­te­ri­el­ler Scha­den können zu­dem Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung nicht in die Entschädi­gung we­gen des er­lit­te­nen im­ma­te­ri­el­len Scha­dens ein­fließen, ganz ab­ge­se­hen da­von, dass die Kläge­rin in­so­weit in der Re­vi­si­ons­in­stanz neu­en Sach­vor­trag hält. Die er­ho­be­ne Ver­fah­rensrüge ist un­be­gründet. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Vor­trag der Kläge­rin in der Kla­ge­schrift zum Jah­res­um­satz der Be­klag­ten un­erwähnt ge­las­sen, da dar­aus nicht auf die wirt­schaft­li­che Leis­tungsfähig­keit des Be­nach­tei­li­gen­den ge­schlos­sen wer­den kann.


5. Der Entschädi­gungs­an­spruch ist in­ner­halb der ge­setz­li­chen Fris­ten schrift­lich und ge­richt­lich gel­tend ge­macht wor­den. Nach der Ab­leh­nung vom 4. April 2007 hat die Kläge­rin in­ner­halb der Zwei-Mo­nats-Frist des § 15 Abs. 4
 


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AGG am 14. April und 16. Mai 2007 je­weils ei­nen be­zif­fer­ten Entschädi­gungs­an­spruch schrift­lich gel­tend ge­macht. Mit der Kla­ge­ein­rei­chung am 12. Ju­li 2007 hat sie da­nach auch die drei­mo­na­ti­ge Kla­ge­frist des § 61b Abs. 1 ArbGG ein­ge­hal­ten.

D. Die An­schluss­re­vi­si­on der Be­klag­ten ist zum ei­nen aus den dar­ge­leg­ten Gründen nicht be­gründet. Zum an­de­ren ist es für den Entschädi­gungs­an­spruch der Kläge­rin und sei­ne Höhe un­er­heb­lich, ob die Kläge­rin die Aus­hilfstätig­keit mit ih­rem ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis im öffent­li­chen Dienst ver­ein­ba­ren konn­te. Ei­nen et­wai­gen Pflicht­ver­s­toß in­so­weit müss­te die Kläge­rin mit ih­rem Ar­beit­ge­ber klären, er be­rech­tig­te die Be­klag­te aber nicht zu ei­ner entschädi­gungs­lo­sen Be­nach­tei­li­gung.


E. Die Ver­tei­lung der Kos­ten­last folgt aus § 72 Abs. 5 ArbGG, § 97 Abs. 1, § 92 Abs. 1 ZPO.

 


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