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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte:
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 482/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.06.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 17.3.2011 - 3 Ca 2957/10
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 13.2.2012 - 2 Sa 768/11
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 482/12
2 Sa 768/11
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Köln

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

20. Ju­ni 2013

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. Ju­ni 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Um­fug und Hen­ni­ger für Recht er­kannt:
 


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Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 13. Fe­bru­ar 2012 - 2 Sa 768/11 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Kos­ten der Re­vi­si­on hat die Kläge­rin zu tra­gen.


Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Scha­dens­er­satz- und Entschädi­gungs­ansprüche der Kläge­rin, die sich auf­grund ih­rer Welt­an­schau­ung, ih­res Al­ters so­wie ih­rer eth­ni­schen Her­kunft dis­kri­mi­niert sieht.


Die 1961 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist Han-Chi­ne­sin. Sie hat an der P Fremd­spra­chen­uni­ver­sität stu­diert. Ihr Va­ter ist an die­ser Pro­fes­sor und Präsi­dent des Chi­ne­si­schen Ger­ma­nis­ten­ver­ban­des. Die Kläge­rin ist nicht Mit­glied der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas.
 

Für die Be­klag­te ist die Kläge­rin seit 1987 als freie Mit­ar­bei­te­rin und ar­beit­neh­merähn­li­che Per­son als Ra­dio- und On­line­re­dak­teu­rin in der Chi­na­re­dak­ti­on beschäftigt. Die Beschäfti­gung wur­de zwi­schen den Par­tei­en seit En­de 2003 durch Ho­no­rar­rah­men­verträge ge­re­gelt.

Im Som­mer 2008 ge­riet die Chi­na­re­dak­ti­on - zu­min­dest teil­wei­se - in die öffent­li­che Kri­tik. Es wur­de der Vor­wurf er­ho­ben, die Re­dak­ti­on wah­re zu we­nig po­li­ti­sche Dis­tanz ge­genüber der of­fi­zi­el­len chi­ne­si­schen Re­gie­rungs­mei­nung. Sch­ließlich wur­den der Re­dak­ti­ons­lei­ter und sei­ne Stell­ver­tre­te­rin ver­setzt. Die Lei­tung der Chi­na­re­dak­ti­on über­nahm En­de 2008 die Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin der Asi­en­pro­gram­me. Die­se, des Chi­ne­si­schen nicht mäch­tig, zog den Si­no­lo­gen Prof. Dr. R zur Be­ra­tung hin­zu, der die On­line-Web­site täglich las und für die Be­klag­te wich­ti­ge Pas­sa­gen über­setz­te. En­de Fe­bru­ar 2009 wur­de Y Chef vom Dienst, oh­ne dass ei­ne Aus­schrei­bung statt­ge­fun­den hätte. Y ist mon­go­li­scher Her­kunft.
 


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Zu den Auf­ga­ben der Kläge­rin gehörten In­ter­views mit VIPs. Ein am 7. März 2009 mit dem Si­no­lo­gen S durch­geführ­tes In­ter­view zum The­ma „Ti­bet“ wur­de nicht veröffent­licht. Zur Frank­fur­ter Buch­mes­se 2009 mit dem Gast­land Chi­na ent­sand­te die Be­klag­te an­de­re Re­dak­ti­ons­mit­glie­der, nicht die Kläge­rin. Ein Work­shop der Re­dak­ti­on zu dem The­ma „Struk­tu­rel­le Verände­run­gen und Zu­sam­men­ar­beit“, der am 2. Ju­li 2009 durch­geführt wur­de, münde­te in ei­nem Pa­pier mit Ver­hal­tens­leit­li­ni­en. Die­ses un­ter­schrieb die Kläge­rin nicht.

Un­ter dem 2. Ju­li 2009 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit, dass ab 1. Au­gust 2010 der Um­fang der Beschäfti­gung ein­ge­schränkt wer­de und die Kläge­rin mit ei­ner um mehr als 20 % ge­min­der­ten Vergütung rech­nen müsse. Tatsächlich ver­dien­te die Kläge­rin 2008 56.307,97 Eu­ro brut­to, 2009 noch 51.124,39 Eu­ro brut­to und 2010 schließlich 50.676,60 Eu­ro brut­to. Die Par­tei­en ei­nig­ten sich so­dann am 20. Ju­li 2009 auf ei­nen neu­en, bis zum 31. De­zem­ber 2010 be­fris­te­ten Ho­no­rar­rah­men­ver­trag.

Die Mit­tel für die Chi­na­re­dak­ti­on wur­den für 2010 um 60.000,00 Eu­ro re­du­ziert. Oh­ne Er­folg be­warb sich die Kläge­rin un­ter dem 10. April 2010 bei der Be­klag­ten um ei­ne Fest­an­stel­lung. Die Stel­le wur­de an die et­wa 34 Jah­re al­te Mit­ar­bei­te­rin Ya ver­ge­ben.

Un­ter dem 28. Ju­ni 2010 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit, dass sie den Ho­no­rar­rah­men­ver­trag über das ver­ein­bar­te Be­fris­tungs­en­de am 31. De­zem­ber 2010 hin­aus nicht mehr verlängern wer­de. Das nach dem Ta­rif-ver­trag für ar­beit­neh­merähn­li­che Per­so­nen vor­ge­schrie­be­ne Per­so­nal­gespräch wur­de durch­geführt. Die Kläge­rin er­hielt die ta­rif­li­che Leis­tung, die im Fal­le der Nicht­fort­set­zung der frei­en Mit­ar­beit vor­ge­se­hen ist.

Mit Schrei­ben vom 27. Au­gust 2010 ver­lang­te die Kläge­rin, ih­re Beschäfti­gung zu verlängern und ließ mögli­che Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­ansprüche dem Grun­de nach gel­tend ma­chen. Die Be­klag­te lehn­te un­ter dem 10. Ok­to­ber 2010 ei­ne wei­te­re Beschäfti­gung ab und ver­wies dar­auf, dass we­gen der stark geänder­ten Pro­gramm­in­hal­te und der me­dia­len Ar­beits­wei­se der Chi­na­re­dak­ti­on die jour­na­lis­ti­schen De­fi­zi­te der Kläge­rin ei­ne wei­te­re
 


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Zu­sam­men­ar­beit nicht zu­ließen. Mit Ein­gang beim Ar­beits­ge­richt am 2. De­zem­ber 2010 hat die Kläge­rin die vor­lie­gen­de Kla­ge er­he­ben las­sen.


Die Kläge­rin hat be­haup­tet, die Be­klag­te ha­be ihr „Sym­pa­thie für die Volks­re­pu­blik Chi­na und da­mit Un­terstützung für die KP Chi­na“ und mit­hin ei­ne Welt­an­schau­ung un­ter­stellt. Ih­re Ent­las­sung be­ru­he auf der Un­ter­stel­lung, sie sei ge­genüber der Volks­re­pu­blik Chi­na zu re­gie­rungs­freund­lich. Die­ser tatsächlich un­zu­tref­fen­de Vor­wurf sei anläss­lich der Aus­ein­an­der­set­zung um das In­ter­view mit S zum Ti­bet-Kon­flikt deut­lich ge­wor­den. Zahl­rei­che ih­rer Kom­mi­li­to­nen an der P Fremd­spra­chen­uni­ver­sität sei­en mitt­ler­wei­le Di­plo­ma­ten in wich­ti­gen Po­si­tio­nen oder in sons­ti­gen Führungs­po­si­tio­nen.


We­gen der ihr un­ter­stell­ten, in der Sa­che nicht zu­tref­fen­den Welt­an­schau­ung ha­be die Be­klag­te sie seit 2008 be­nach­tei­ligt. Der hin­zu­ge­zo­ge­ne ex­ter­ne Mo­ni­tor sei von der Chi­na­re­dak­ti­on als Zen­sor emp­fun­den wor­den. Trotz bes­se­rer Eig­nung sei nicht die Kläge­rin, son­dern Y zum Chef vom Dienst befördert wor­den. Ihr In­ter­view mit S sei auf­grund der po­li­ti­schen Wer­tung durch die Re­dak­ti­ons­lei­tung nicht pu­bli­ziert wor­den. Am 23. April 2009 sei sie we­gen frühzei­ti­gen Ver­las­sens des Nacht­diens­tes ab­ge­straft wor­den, ob­wohl ein sol­ches Ver­hal­ten bis da­hin üblich ge­we­sen sei. Die Teil­nah­me an der Buch­mes­se sei ihr im Som­mer 2009 ver­wei­gert wor­den, ob­schon auch sie po­li­ti­sche Beiträge ver­fasst ha­be und dafür ge­eig­net ge­we­sen sei. Die Ar­beits­verhält­nis­se der­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter, die die Ver­hal­tens­grundsätze für die Chi­na­re­dak­ti­on nicht un­ter­schrie­ben hat­ten, sei­en ent­we­der be­en­det oder stark ein­ge­schränkt wor­den. An­de­rer­seits sei­en so­gar neue freie Mit­ar­bei­ter beschäftigt wor­den. Die Be­klag­te könne so­mit nicht den Zwang zu Ein­spa­run­gen als Be­gründung für ih­re Ent­las­sung anführen. Der nicht näher be­gründe­te Vor­wurf jour­na­lis­ti­scher De­fi­zi­te im Schrei­ben vom 10. Ok­to­ber 2010 sei ver­let­zend als Maßre­ge­lung nach § 16 AGG an­zu­se­hen. Sie ha­be 23 Jah­re ge­ar­bei­tet und an je­der Schu­lung teil­ge­nom­men.


Die Kläge­rin sieht sich darüber hin­aus we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft dis­kri­mi­niert. Aus­drück­lich ha­be der als Kon­trol­leur täti­ge Prof. Dr. R geäußert,
 


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über be­stimm­te The­men soll­ten Re­dak­teu­re chi­ne­si­scher So­zia­li­sie­rung nicht be­rich­ten.


Sch­ließlich hat die Kläge­rin die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sie auch we­gen ih­res Al­ters be­nach­tei­ligt wor­den sei. Mit Schrift­satz vom 14. Ja­nu­ar 2011 ha­be der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten die Fluk­tua­ti­on bei den frei­en Mit­ar­bei­tern der Chi­na­re­dak­ti­on ua. da­mit be­gründet, dass Mit­ar­bei­ter, die sich noch bis vor Kur­zem in dem ent­spre­chen­den Sen­de­ge­biet auf­ge­hal­ten hätten, über „fri­sche­re“ Sprach­kennt­nis­se verfügten. Dies sei ei­ne un­mit­tel­ba­re wie mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen ih­res Al­ters. Die­se wer­de auch dar­an deut­lich, dass die er­folg­rei­che Be­wer­be­rin um ei­ne Fest­an­stel­lung deut­lich jünger ge­we­sen sei.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 


1. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, sämt­li­che ma­te­ri­el­len Schäden bis zu ei­ner Ober­gren­ze von 10.000,00 Eu­ro zu er­set­zen, die der Kläge­rin aus der nicht er­fol­gen­den Beschäfti­gung als re­dak­tio­nell täti­ge Pro­gramm­mit­ar­bei­te­rin iSd. § 16 Satz 1 TVaP Deut­sche Wel­le ab dem 1. Ja­nu­ar 2011 ent­ste­hen wer­den,

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung, min­des­tens aber 30.000,00 Eu­ro nebst fünf Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2011 zu zah­len,

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.903,70 Eu­ro zuzüglich Zin­sen iHv. fünf Pro­zent über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Fe­bru­ar 2011 aus 951,85 Eu­ro so­wie seit dem 1. März 2011 aus wei­te­ren 951,85 Eu­ro zu zah­len.


Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat in Ab­re­de ge­stellt, die Kläge­rin we­gen ei­ner Welt­an­schau­ung be­nach­tei­ligt oder ihr über­haupt ei­ne sol­che un­ter­stellt zu ha­ben. Die po­li­ti­sche Dis­kus­si­on um die Chi­na­re­dak­ti­on ha­be sei­ner­zeit die On­line­re­dak­ti­on und nicht die Hörfunk­re­dak­ti­on be­trof­fen, bei wel­cher die Kläge­rin über­wie­gend tätig ge­we­sen sei. So­weit sie in ge­rin­gem Um­fang auch für den On­lin­ebe­reich ge­ar­bei­tet ha­be, ha­be sich dies so gut wie über­haupt nicht auf po­li­ti­sche The­men be­zo­gen. Die Kläge­rin sei ex­trem un­po­li-
 


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tisch und ha­be Beiträge zum „Life­style“ ver­fasst, al­so zB über Möbel­mes­sen, Wein­mes­sen usw. Das durch­geführ­te In­ter­view mit Herrn S ha­be den Qua­litätsan­for­de­run­gen der Be­klag­ten nicht ent­spro­chen, zu­dem ha­be die Kläge­rin den ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen In­ter­view­part­ner Ro­land Koch als ehe­ma­li­gen Hes­si­schen Mi­nis­ter­präsi­den­ten ei­genmäch­tig ge­gen den Si­no­lo­gen S aus­ge­tauscht, der schon nicht als VIP gel­ten könne. Prof. Dr. R sei auch kein „ge­hei­mer Zen­sor“ ge­we­sen, son­dern ha­be of­fen an den all­ge­mei­nen Dis­kus­si­ons­run­den der Re­dak­ti­on teil­ge­nom­men. Mit Y ha­be die Be­klag­te den aus ih­rer Sicht er­fah­rens­ten Jour­na­lis­ten zum Chef vom Dienst er­nannt, was im Übri­gen nicht die Be­set­zung ei­ner Plan­stel­le dar­stel­le. We­gen un­strei­tig zu frühen Ver­las­sens des Ar­beits­plat­zes sei die Kläge­rin le­dig­lich er­mahnt wor­den, ih­re ver­trag­li­chen Pflich­ten ein­zu­hal­ten.
 

Der Ho­no­rar­rah­men­ver­trag sei aus Gründen des Haus­halts, aber auch aus Gründen, die der Rund­funk­frei­heit der Be­klag­ten un­terlägen, nicht verlängert wor­den. Die bis­lang ge­trenn­ten Ra­dio- und On­line­re­dak­tio­nen sei­en zu ei­ner ein­heit­li­chen Re­dak­ti­on zu­sam­men­ge­fasst wor­den, bei der zu­neh­mend po­li­ti­sche In­hal­te in den Vor­der­grund ge­stellt wer­den soll­ten. Der Kläge­rin feh­le On­linee­r­fah­rung. Die von ihr über­wie­gend be­ar­bei­te­ten The­men­be­rei­che hätten mit po­li­ti­schem Jour­na­lis­mus nichts zu tun. Dem Ziel, ei­nen Mit­ar­bei­ter­stamm mit fri­schen Sprach­kennt­nis­sen zu pfle­gen, dien­ten nicht zu­letzt die be­fris­te­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­se. Die Auf­fri­schung von Sprach­kennt­nis­sen er­fol­ge al­ter­s­un­abhängig durch Auf­ent­hal­te im Be­richts­land. Im Rah­men ih­rer ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Rund­funk­frei­heit könne die Be­klag­te ge­ra­de im Be­reich der frei­en Mit­ar­bei­ter Länger­beschäftig­te ge­gen neue Kräfte aus­tau­schen.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung der Kläge­rin blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne Er­folg. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­re Scha­dens­er­satz- und Entschädi­gungs­ansprüche wei­ter.
 


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Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Kläge­rin ist we­der we­gen ih­rer Welt­an­schau­ung, noch we­gen ih­res Al­ters oder we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft be­nach­tei­ligt wor­den; auch ei­ne schwer­wie­gen­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung hat sie nicht dar­ge­tan. Da­her be­ste­hen we­der ma­te­ri­el­le Scha­dens­er­satz­ansprüche noch ein Entschädi­gungs­an­spruch.


A. Die Re­vi­si­on ist zulässig; die Kläge­rin hat zu­min­dest ei­ne zulässi­ge Sachrüge er­ho­ben.


I. Nach § 72 Abs. 5 ArbGG, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO gehört die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe zum not­wen­di­gen In­halt der Re­vi­si­ons­be­gründung. Bei Sachrügen sind die­je­ni­gen Umstände be­stimmt zu be­zeich­nen, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss die an­ge­nom­me­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts so auf­zei­gen, dass Ge­gen­stand und Rich­tung des Re­vi­si­ons­an­griffs er­kenn­bar sind (st. Rspr., BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 697/10 - Rn. 72; 9. Fe­bru­ar 2011 - 7 AZR 91/10 - Rn. 14; 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 16, BA­GE 130, 119). Die Re­vi­si­ons­be­gründung hat sich da­her mit den tra­gen­den Gründen des Be­ru­fungs­ur­teils aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das er­for­dert die kon­kre­te Dar­le­gung der Gründe, aus de­nen das an­ge­foch­te­ne Ur­teil rechts­feh­ler­haft sein soll. Der Re­vi­si­onsführer darf sich nicht dar­auf be­schränken, sei­ne Rechts­ausführun­gen aus den Vor­in­stan­zen zu wie­der­ho­len. Da­durch soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass er das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für das Rechts­mit­tel über­prüft und mit Blick­rich­tung auf die Rechts­la­ge durch­denkt. Die Re­vi­si­ons­be­gründung soll durch ih­re Kri­tik an dem Be­ru­fungs­ur­teil außer­dem zur rich­ti­gen Rechts­fin­dung des Re­vi­si­ons­ge­richts bei­tra­gen (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 697/10 - aaO). Die bloße Dar­stel­lung an­de­rer Rechts­mei­nun­gen oh­ne je­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gründen des Be­ru­fungs­ur­teils genügt nicht den An­for­de­run­gen an ei­ne ord­nungs­gemäße Be­ru­fungs­be­gründung (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 697/10 - aaO). Hat das
 


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Be­ru­fungs­ge­richt über meh­re­re Streit­ge­genstände ent­schie­den, muss die Re­vi­si­on für je­den Teil des Kla­ge­be­geh­rens be­gründet wer­den. Ein ein­heit­li­cher Re­vi­si­ons­an­griff genügt nur dann, wenn die Ent­schei­dung über den nicht ei­gens be­han­del­ten An­spruch den­knot­wen­dig von der ord­nungs­gemäß an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung über den an­de­ren An­spruch abhängt (BAG 15. De­zem­ber 2011 - 8 AZR 197/11 - Rn. 25).

II. Nach die­sen Grundsätzen ist die Re­vi­si­on der Kläge­rin zulässig. Sie hat nämlich gerügt, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be den Be­griff des in § 1 AGG auf­geführ­ten Merk­mals der Welt­an­schau­ung ver­kannt. Da­mit wird die Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts gerügt. Da sich die Kläge­rin zur Be­gründung ih­rer Scha­dens­er­satz- und Entschädi­gungs­ansprüche im­mer auch auf ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen der Welt­an­schau­ung be­ruft, ist die Re­vi­si­on ins­ge­samt zulässig.


B. Die Kla­ge auf Fest­stel­lung, mit der die Kläge­rin die Er­satz­pflicht der Be­klag­ten für künf­ti­ge ma­te­ri­el­le Schäden, die aus ih­rer nicht er­folg­ten Wei­ter­beschäfti­gung ent­ste­hen, fest­ge­stellt wis­sen will, ist zulässig.

I. Das be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist nach § 256 Abs. 1 ZPO bei Kla­gen auf Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Er­satz künf­ti­ger Schäden grundsätz­lich dann ge­ge­ben, wenn Scha­dens­fol­gen in der Zu­kunft möglich sind, auch wenn ih­re Art, ihr Um­fang und so­gar ihr Ein­tritt noch un­ge­wiss sind. Es muss al­ler­dings ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit für den Scha­den­s­ein­tritt be­ste­hen (vgl. BAG 28. April 2011 - 8 AZR 769/09 - Rn. 26, AP SGB VII § 104 Nr. 6 = EzA RVO § 636 Nr. 14; 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 315/09 - Rn. 29, AP SGB IX § 81 Nr. 18 = EzA ZPO 2002 § 318 Nr. 1).


II. Vor­lie­gend ist das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach § 256 Abs. 1 ZPO zu be­ja­hen.

1. Der Kläge­rin geht es um den Er­satz ih­res ma­te­ri­el­len Scha­dens, der dar­in be­steht, dass sie nach dem 31. De­zem­ber 2010 nicht mehr als freie Mit­ar­bei­te­rin bei der Be­klag­ten ar­bei­tet. Der Fest­stel­lungs­an­trag zielt da­mit
 


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dar­auf ab, die Er­satz­pflicht der Be­klag­ten hin­sicht­lich des der Kläge­rin ab dem 1. Ja­nu­ar 2011 ent­gan­ge­nen lau­fen­den mo­nat­li­chen Ent­gelts fest­zu­stel­len. An­spruchs­grund­la­ge hierfür wäre § 15 Abs. 1 AGG. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung kann auch dar­in be­ste­hen, dass es der Ar­beit­ge­ber un­terlässt, dem Ar­beit­neh­mer ei­nen wei­te­ren - be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Ver­trag - an­zu­bie­ten (vgl. BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 364/11 - Rn. 25). Es ist möglich, dass zukünf­tig Fol­geschäden da­durch ent­ste­hen, dass der Kläge­rin Ent­gelt ent­geht (vgl. auch § 252 BGB). Ob die­ser Scha­den ge­ra­de auf die an­geb­li­chen be­nach­tei­li­gen­den Hand­lun­gen der Be­klag­ten we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­ma­le zurück­zuführen ist, ist ei­ne Fra­ge des Kau­sal­zu­sam­men­hangs und da­mit der Be­gründet­heit des Fest­stel­lungs­an­trags (vgl. auch BAG 22. Ju­li 2010 - 8 AZR 1012/08 - Rn. 105, AP AGG § 22 Nr. 2 = EzA AGG § 22 Nr. 2 bzgl. zukünf­ti­ger Schäden in­fol­ge ei­ner un­ter­blie­be­nen Beförde­rung).


2. Die Kläge­rin muss sich nicht dar­auf ver­wei­sen las­sen, vor­ran­gig ei­ne Leis­tungs­kla­ge zu er­he­ben. Es kann von der Be­klag­ten als ei­ner Bun­des­rund­funk­an­stalt des öffent­li­chen Rechts er­war­tet wer­den, dass sie ei­nem statt­ge­ben­den Fest­stel­lungs­ur­teil nach­kom­men wird. Mit dem Fest­stel­lungs­an­trag wird dem­nach ei­ne um­fas­sen­de Rechts­streit­bei­le­gung an­ge­strebt (vgl. BAG 10. No­vem­ber 2011 - 6 AZR 481/09 - Rn. 14, AP BAT § 27 Nr. 13).


3. Es be­ste­hen auch kei­ne Be­den­ken hin­sicht­lich der Be­stimmt­heit des An­trags, § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Bei ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge gel­ten nicht die glei­chen stren­gen An­for­de­run­gen an die Be­stimmt­heit des An­trags wie bei ei­ner Leis­tungs­kla­ge. Ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung ist ein Fest­stel­lungs­ur­teil nicht zugäng­lich. Wenn der sich noch in der Ent­wick­lung be­fin­den­de Scha­den bei ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge nicht be­zif­fert wer­den muss, so kann es auch nicht scha­den, wenn der An­spruchs­stel­ler frei­wil­lig den fest­zu­stel­len­den Scha­den in ei­ner be­stimm­ten Höhe be­grenzt.
 

Die Un­be­stimmt­heit des An­trags folgt auch nicht aus dem Um­stand, dass die Kläge­rin erst in der Be­ru­fungs­in­stanz ih­re gel­tend ge­mach­te Er­satz­pflicht für ih­re zukünf­ti­gen ma­te­ri­el­len Schäden auf 10.000,00 Eu­ro be­grenzt hat. Nach­dem das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge vollständig ab­ge­wie­sen hat­te, stand
 


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fest, dass die Be­klag­te kei­ne Er­satz­pflicht hin­sicht­lich et­wai­ger ma­te­ri­el­ler Schäden trifft, wel­che über 10.000,00 Eu­ro hin­aus­geht. Wor­auf sich die Be­gren­zung be­zog, ist je­den­falls auf­grund ei­ner Aus­le­gung hin­rei­chend ge­nau zu er­mit­teln. Die Kläge­rin macht mit dem Kla­ge­an­trag zu 1. ihr zukünf­tig ent­ge­hen­des mo­nat­li­ches Ent­gelt als ma­te­ri­el­len Scha­den in Form des ent­gan­ge­nen Ge­winns gel­tend. Wird der mo­nat­lich als Scha­dens­er­satz ein­ge­for­der­te Be­trag später be­zif­fert, kann durch Auf­ad­die­rung der mo­nat­li­chen Beträge bis zu der Gren­ze von 10.000,00 Eu­ro pro­blem­los er­mit­telt wer­den, wie weit der Fest­stel­lungs­an­trag reicht.


C. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist je­doch un­be­gründet. Die Kläge­rin ist we­der we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals be­nach­tei­ligt noch in ih­rem Persönlich­keits­recht ver­letzt oder gar schwer ver­letzt wor­den.


I. Als ar­beit­neh­merähn­li­che Per­son fällt die Kläge­rin un­ter den Schutz des AGG, § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 AGG.


II. Der An­spruch ist nicht ver­fal­len, da die zwei­mo­na­ti­ge Frist des § 15 Abs. 4 AGG von der Kläge­rin ge­wahrt wur­de. Die Aus­schluss­frist verstößt ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Re­vi­si­on nicht ge­gen das Uni­ons­recht (vgl. BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 188/11 - Rn. 23 f.; 24. Sep­tem­ber 2009 - 8 AZR 705/08 - Rn. 40, AP AGG § 3 Nr. 2 = EzA AGG § 3 Nr. 1). Die Frist be­ginnt in dem Zeit­punkt zu lau­fen, in dem der Be­trof­fe­ne Kennt­nis von der Be­nach­tei­li­gung er­langt, § 15 Abs. 4 Satz 2 AGG. Bei Dau­er­tat­beständen be­ginnt die Frist erst mit Be­sei­ti­gung des Zu­stands. Vor­lie­gend soll­te der Ho­no­rar­rah­men­ver­trag sei­tens der Be­klag­ten am 31. De­zem­ber 2010 be­en­det wer­den, die Kläge­rin hat­te je­doch schon mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 27. Au­gust 2010 Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­ansprüche dem Grun­de nach an­ge­mel­det.


Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kommt es nicht dar­auf an, ob mit der Fest­stel­lungs­kla­ge die Kla­ge­frist des § 61b Abs. 1 ArbGG ein­ge­hal­ten wor­den ist. Denn auf den ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 15 Abs. 1 AGG fin­det § 61b ArbGG kei­ne An­wen­dung (hM, vgl. GK-ArbGG/Schütz Stand März 2013 § 61b Rn. 8; ErfK/Koch 13. Aufl. § 61b ArbGG
 


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Rn. 2; Schwab/Weth/Wal­ker ArbGG 3. Aufl. § 61b Rn. 7; Dü-well/Lip­ke/Klop­pen­burg 3. Aufl. § 61b Rn. 3; BCF/Creutz­feldt ArbGG 5. Aufl. § 61b Rn. 1; HWK/Zie­mann 5. Aufl. § 61b ArbGG Rn. 1; aA Bau-er/Göpfert/Krie­ger AGG 3. Aufl. § 15 Rn. 57; Ja­cobs RdA 2009, 193, 202). Dies folgt be­reits aus dem Wort­laut der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, die nur von Entschädi­gung, nicht von Scha­dens­er­satz spricht (noch of­fen ge­las­sen in BAG 22. Ju­li 2010 - 8 AZR 1012/08 - Rn. 46, AP AGG § 22 Nr. 2 = EzA AGG § 22 Nr. 2).


III. Die Kläge­rin ist nicht „we­gen“ ih­rer Welt­an­schau­ung oder ei­ner ihr un­ter­stell­ten Welt­an­schau­ung be­nach­tei­ligt wor­den.


1. Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde, wo­bei die sich nach­tei­lig aus­wir­ken­de Maßnah­me di­rekt an das ver­bo­te­ne Merk­mal an­knüpfen muss (vgl. BAG 22. Ju­li 2010 - 8 AZR 1012/08 - Rn. 50, AP AGG § 22 Nr. 2 = EzA AGG § 22 Nr. 2). Ei­ne Be­nach­tei­li­gung durch Un­ter­las­sen kommt in Be­tracht, wenn ein Ar­beit­ge­ber ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des nicht verlängert (vgl. BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 364/11 - Rn. 25; vgl. auch EuGH 4. Ok­to­ber 2001 - C-438/99 - [Jiménez Mel­gar] Rn. 47, Slg. 2001, I-6915 = AP EWG-Richt­li­nie Nr. 92/85 Nr. 3 = EzA BGB § 611a Nr. 17, zur Nicht­er­neue­rung ei­nes be­fris­te­ten Ver­trags bei ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin). Da­bei reicht es nach § 3 Abs. 1 Satz 1 letz­te Al­ter­na­ti­ve AGG aus, dass der Be­nach­tei­lig­te ei­ne schlech­te­re Be­hand­lung erfährt, als sie ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren La­ge er­fah­ren würde. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung kann al­so auch in Be­tracht kom­men, wenn es an kon­kre­ten Per­so­nen in ei­ner ver­gleich­ba­ren La­ge man­gelt.

2. Die Kläge­rin hat aber kei­ne In­di­zi­en für die Ver­mu­tung vor­ge­tra­gen, sie sei we­gen ei­ner ihr un­ter­stell­ten Welt­an­schau­ung von der Be­klag­ten be­nach­tei­ligt wor­den.
 


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a) Recht­lich zu­tref­fend geht die Kla­ge zunächst da­von aus, dass ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Be­trof­fe­nen auch dann be­nach­tei­ligt, wenn er das Vor­lie­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des bei der Be­nach­tei­li­gung ir­rig nur an­nimmt (§ 7 Abs. 1 Halbs. 2 AGG). Die Kläge­rin macht nicht gel­tend, von der Be­klag­ten we­gen ei­ner bei ihr tatsächlich vor­lie­gen­den Welt­an­schau­ung be­nach­tei­ligt wor­den zu sein. Sie sieht sich viel­mehr be­nach­tei­ligt, weil die Be­klag­te bei ihr - ir­ri­ger­wei­se - ei­ne Welt­an­schau­ung ver­mu­tet ha­be und sie auf­grund die­ser un­zu­tref­fen­den Ver­mu­tung ungüns­ti­ger be­han­delt ha­be, als es ei­ne an­de­re Per­son oh­ne ei­ne sol­che ver­mu­te­te Welt­an­schau­ung er­fah­ren würde.

b) Rechts­feh­ler­frei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt er­kannt, dass die Kläge­rin kei­ne In­di­zi­en dafür vor­ge­tra­gen hat, dass die Be­klag­te ihr über­haupt ei­ne „Welt­an­schau­ung“ un­ter­stellt hat.

Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, die Be­klag­te ha­be ihr un­ter­stellt „Sym­pa­thie für die Volks­re­pu­blik Chi­na“ zu ha­ben und „ge­genüber der Volks­re­pu­blik Chi­na zu re­gie­rungs­freund­lich“ zu sein. Wenn man zu­guns­ten der Kläge­rin an­nimmt, die Be­klag­te ha­be bei ihr tatsächlich die­se Ein­stel­lun­gen an­ge­nom­men (Sym­pa­thie für die Volks­re­pu­blik Chi­na, zu freund­li­che Ein­stel­lung ge­genüber der Re­gie­rung die­ses Lan­des), stellt dies er­sicht­lich nicht die An­nah­me ei­ner „Welt­an­schau­ung“ der Kläge­rin dar. Ab­ge­se­hen da­von, dass man Sym­pa­thie „für ein Land“ streng ge­nom­men gar nicht emp­fin­den kann und der Vor­wurf, „zu freund­lich“ über das Han­deln ei­ner Re­gie­rung zu be­rich­ten, die sach­li­che Rüge man­geln­der jour­na­lis­ti­scher Ob­jek­ti­vität enthält, weist ei­ne sol­che Kri­tik schon für sich ge­nom­men kei­ner­lei Be­zug zu ei­ner Welt­an­schau­ung auf. Ins­be­son­de­re in­di­zier­te ei­ne sol­che Sicht­wei­se der Kläge­rin ent­ge­gen der mit der Re­vi­si­on wei­ter ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kei­ne „Un­terstützung für die KP Chi­na“, wie dies die Kläge­rin ih­rer­seits schluss­fol­gern will. Aber selbst wenn die Be­klag­te sol­ches un­ter­stellt ha­ben soll­te, ergäbe sich dar­aus wie­der­um nicht, die Be­klag­te ha­be der Kläge­rin ei­ne „Welt­an­schau­ung“ un­ter­stellt. Ab­ge­se­hen da­von fehlt es an je­der Dar­le­gung, in­wie­weit die Po­li­tik der KP Chi­na, das Han­deln der Re­gie­rung der Volks­re­pu­blik Chi­na oder die in der Volks­re­pu­blik Chi­na statt­fin­den­den ge­sell­schaft­li­chen, öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen Pro­zes-
 


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se über­haupt noch „welt­an­schau­lich“ fun­diert sind. Ent­spre­chen­des gilt für den Hin­weis der Kläge­rin, sie ha­be an der Fremd­spra­chen­uni­ver­sität in P stu­diert und ih­re Kom­mi­li­to­nen oder Stu­den­ten ih­res Va­ters sei­en heu­te Di­plo­ma­ten oder be­klei­de­ten in­zwi­schen ho­he Funk­tio­nen. In­so­weit legt die Kläge­rin schon nicht dar, wel­che Be­deu­tung sol­che Tat­sa­chen in der Vor­stel­lungs­welt der Be­klag­ten für die Be­hand­lung der Kläge­rin ge­spielt ha­ben sol­len.


Es kann da­bei da­hin­ste­hen, ob heu­te über­haupt noch von ei­ner „kom­mu­nis­ti­schen Welt­an­schau­ung“ ge­spro­chen wer­den kann, die im All­ge­mei­nen ein­ge­nom­men wer­den könn­te oder die spe­zi­ell im Fal­le der Volks­re­pu­blik Chi­na hand­lungs­lei­tend ist. Un­strit­tig weist die Kläge­rin für ih­re Per­son sol­ches von sich, sie ist auch nicht Mit­glied der KP Chi­na. Wenn sich an­de­rer­seits die Be­klag­te ei­ner in die Dis­kus­si­on ge­ra­te­nen „Re­gie­rungs­freund­lich­keit“ der Chi­na­re­dak­ti­on näher an­ge­nom­men hat und ei­ne un­ter Umständen nicht ge­wahr­te jour­na­lis­ti­sche Dis­tanz zum Han­deln der Re­gie­rung in P ab­zu­bau­en ver­such­te, so wand­te sie sich we­der ge­gen „Sym­pa­thie für die Volks­re­pu­blik Chi­na“ noch hat­te dies mit „Un­terstützung der KP Chi­na“ zu tun. Die Kläge­rin hat kei­ne Tat­sa­chen dar­ge­legt, die den Schluss zu­las­sen, sie sei we­gen ei­ner Welt­an­schau­ung oder auch nur we­gen ei­ner un­ter­stell­ten Welt­an­schau­ung be­nach­tei­ligt wor­den.


3. Eben­falls rechts­feh­ler­frei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt wei­ter ent­schie­den, dass je­den­falls ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen be­nach­tei­li­gen­der Be­hand­lung und ei­ner „Welt­an­schau­ung“ vor­lie­gend nicht zu be­ja­hen ist.


a) Der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen be­nach­tei­li­gen­der Be­hand­lung und dem Merk­mal der Welt­an­schau­ung ist be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an die Welt­an­schau­ung an­knüpft oder durch die­se mo­ti­viert ist. Da­bei ist es nicht er­for­der­lich, dass der be­tref­fen­de Grund das aus­sch­ließli­che Mo­tiv für das Han­deln des Be­nach­tei­li­gen­den ist. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass das verpönte Merk­mal Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, wel­ches die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat (st. Rspr., vgl. BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 364/11 - Rn. 32; 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 697/10 - Rn. 42). Auf ein schuld­haf-



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tes Han­deln oder gar ei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht kommt es nicht an (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 697/10 - Rn. 42).


b) Da­nach ist es re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn das Be­ru­fungs­ge­richt selbst un­ter der An­nah­me, die Be­klag­te ha­be der Kläge­rin zu Un­recht ei­ne Welt­an­schau­ung un­ter­stellt, zu dem Er­geb­nis ge­kom­men ist, dass ei­ne Kau­sa­lität zwi­schen der Welt­an­schau­ung und dem Nach­teil un­wahr­schein­lich ist.


aa) Die nach § 286 Abs. 1 Satz 1 ZPO ge­won­ne­ne Über­zeu­gung oder Nichtüber­zeu­gung ei­ner über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit für die Kau­sa­lität zwi­schen dem nach dem AGG ver­bo­te­nen Merk­mal und ei­nem Nach­teil kann re­vi­si­ons­recht­lich nur dar­auf über­prüft wer­den, ob sie möglich und in sich wi­der­spruchs­frei ist und nicht ge­gen Denk­ge­set­ze, Er­fah­rungssätze oder an­de­re Rechtssätze verstößt (BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 364/11 - Rn. 34; 13. Ok­to­ber 2011 - 8 AZR 608/10 - Rn. 36). Sol­che Feh­ler hat die Re­vi­si­ons­be­gründung nicht auf­ge­zeigt.


bb) Re­vi­si­ons­recht­lich ist es ins­be­son­de­re nicht zu be­an­stan­den, dass das Be­ru­fungs­ge­richt dar­auf ab­ge­stellt hat, dass die be­haup­te­ten Be­nach­tei­li­gun­gen zeit­lich lan­ge vor der Ent­schei­dung la­gen, die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kläge­rin zu be­en­den. Die Be­klag­te er­neu­er­te den Ho­no­rar­rah­men­ver­trag mit der Kläge­rin noch am 20. Ju­li 2009. Die Kom­ple­xe „Aus­tausch der ge­sam­ten Re­dak­ti­ons­lei­tung“, „Ab­leh­nung des VIP-Bei­trags der Kläge­rin“ vom 7. März 2009, „Ab­stra­fen we­gen des frühzei­ti­gen Ver­las­sens des Nacht­diens­tes“ am 23. April 2009, „Ein­schränkung der Tätig­keit der Kläge­rin“ (April 2009) so­wie „Nicht­teil­nah­me an der Buch­mes­se“ am 4. Ju­ni 2009 lie­gen sämt­lich vor die­sem Da­tum. Wenn die Be­klag­te sich im Ju­li 2009 ent­schied, die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kläge­rin fort­zu­set­zen, er­sch­ließt sich nicht, wes­halb sie sich we­gen der glei­chen Umstände ca. ein Jahr später ent­schließen soll­te, die Zu­sam­men­ar­beit mit ihr zu be­en­den. Im Übri­gen han­delt es sich hier um ei­ne Würdi­gung vor al­lem auf tatsäch­li­chem Ge­biet, wel­che dem Be­ru­fungs­ge­richt zu­kommt und ei­nen Rechts­feh­ler je­den­falls nicht er­ken­nen lässt.

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cc) Sch­ließlich hat das Be­ru­fungs­ge­richt oh­ne Rechts­feh­ler ent­schie­den, dass sich die Be­klag­te im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rund­funk­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) dar­auf be­ru­fen kann, ge­ra­de im Be­reich der re­dak­tio­nell täti­gen frei­en Mit­ar­bei­ter für ei­ne ge­wis­se Fluk­tua­ti­on sor­gen zu wol­len.


Es ist an­er­kannt, dass den Rund­funk­an­stal­ten die zur Erfüllung ih­res Pro­gramm­auf­trags not­wen­di­ge Frei­heit und Fle­xi­bi­lität nicht ge­nom­men wer­den darf (vgl. BAG 26. Ju­li 2006 - 7 AZR 495/05 - Rn. 21, BA­GE 119, 138; grund­le­gend BVerfG 13. Ja­nu­ar 1982 - 1 BvR 848/77 ua. - BVerfGE 59, 231). Die Kläge­rin war als Ra­dio-/On­line­re­dak­teu­rin beschäftigt und zähl­te da­mit auch zu den pro­gramm­ge­stal­ten­den Re­dak­teu­ren (BAG 26. Ju­li 2006 - 7 AZR 495/05 - Rn. 18, aaO). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auch ei­ne Zu­sam­men-schau al­ler In­di­zi­en und da­mit ei­ne Ge­samtwürdi­gung al­ler Umstände vor­ge­nom­men.


4. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch ist auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen des Al­ters be­gründet.

Die Re­vi­si­on rügt oh­ne Er­folg, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be das recht­li­che Gehör da­durch ver­letzt, dass es nicht gewürdigt ha­be, die er­folg­rei­che Be­wer­be­rin auf die Stel­le im Jah­re 2010, Frau Ya, sei 34 Jah­re alt, und da­mit jünger als die Kläge­rin ge­we­sen. Aus­schlag­ge­bend für die Stel­len­ver­ga­be war aus Sicht des Be­ru­fungs­ge­richts je­doch die feh­len­de fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin. Die all­ge­mein ge­hal­te­nen Ausführun­gen zu ih­ren Vorzügen wie lan­ge Be­rufs­er­fah­rung, gu­te On­line­kennt­nis­se, Teil­nah­me an Fort­bil­dun­gen etc. er­set­zen kei­nen sub­stan­zi­ier­ten Vor­trag zu den Vor­ga­ben, die von der Be­klag­ten für die Stel­le ge­macht wur­den.
 

Auch die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zu den an­geb­lich feh­len­den „fri­schen Sprach­kennt­nis­sen“ der Kläge­rin sind nicht zu be­an­stan­den. In Be­tracht kommt hier le­dig­lich ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters, § 3 Abs. 2 AGG. So­weit die Re­vi­si­on (Sei­te 87 ff. der Re­vi­si­ons­be­gründung) of­fen­bar meint, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be sich nicht mit ei­ner mögli­chen mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung aus­ein­an­der ge­setzt, ist dies un­zu­tref-
 


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fend, weil of­fen­sicht­lich kei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung im Raum stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in dem Aus­spruch des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten gar kei­nen Al­ters­be­zug er­ken­nen können, weil sich die Ak­tua­lität von Sprach­kennt­nis­sen nach der An­bin­dung an das je­wei­li­ge Aus­land rich­te und die­se un­abhängig von dem Al­ter sei. Dies lässt ei­nen Rechts­feh­ler nicht er­ken­nen.

5. Die Ausführun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zur feh­len­den Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft sind re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Zu­dem wie­der­holt die Kläge­rin hier le­dig­lich ih­ren Sach­vor­trag aus der Be­ru­fungs­in­stanz, oh­ne ei­nen Rechts­feh­ler in dem Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf­zu­zei­gen.


6. Die Scha­dens­er­satz­kla­ge ist über­dies un­be­gründet, weil der haf­tungs­ausfüllen­de Zu­sam­men­hang zwi­schen an­geb­li­cher ver­bo­te­ner Dis­kri­mi­nie­rung und Scha­den nicht dar­ge­legt wird.


a) Für ei­nen ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz­an­spruch der Kläge­rin nach § 15 Abs. 1 AGG wäre nämlich Vor­aus­set­zung, dass ih­re Schlech­ter­stel­lung - ih­re Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals ein­mal un­ter­stellt - auch tatsächlich zu ei­nem Scha­den geführt hat bzw. führen wird. Der ma­te­ri­el­le Scha­den, den die Kläge­rin gel­tend macht, be­steht nach ih­ren ei­ge­nen Aus­sa­gen in dem aus­ge­blie­be­nen mo­nat­li­chen Ent­gelt als ent­gan­ge­nen Ge­winn. Die­ser Scha­den wäre aber nur dann kau­sal auf ih­re Be­nach­tei­li­gung we­gen ih­rer (an­ge­nom­me­nen) Welt­an­schau­ung, ih­res Al­ters oder ih­rer eth­ni­schen Her­kunft zurück­zuführen, wenn an­sons­ten al­le Vor­aus­set­zun­gen für ein neu­es Ver­trags­an­ge­bot vor­ge­le­gen hätten, wenn al­so die un­ter­blie­be­ne Verlänge­rung oder Ent­fris­tung des Ho­no­rar­rah­men­ver­trags le­dig­lich des­halb un­ter­blie­ben wäre, weil die Be­klag­te nach ei­nem gemäß § 1 AGG verpönten Merk­mal dif­fe­ren­ziert hat.


Ähn­li­che Über­le­gun­gen wer­den für die Si­tua­ti­on ei­nes ab­ge­lehn­ten Be­wer­bers an­ge­stellt (vgl. BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 78, AP AGG § 15 Nr. 5 = EzA AGG § 15 Nr. 10). Auch hier reicht es nicht aus, dass ein


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Be­wer­ber im Lau­fe des Be­wer­bungs­ver­fah­rens dis­kri­mi­niert wor­den ist, um ei­nen ma­te­ri­ell-recht­li­chen Scha­den gemäß § 15 Abs. 1 AGG we­gen ent­gan­ge­nen Ent­gelts gel­tend ma­chen zu können. Viel­mehr kann die­sen Scha­den nur der­je­ni­ge gel­tend ma­chen, der oh­ne die be­nach­tei­li­gen­de Hand­lung auch tatsächlich ge­nom­men wor­den wäre, idR al­so der am bes­ten ge­eig­ne­te Be­wer­ber. Mit an­de­ren Wor­ten müssen auch hier al­le Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Über­nah­me des Be­trof­fe­nen in ein Ar­beits­verhält­nis vor­ge­le­gen ha­ben und der Ver­trags­schluss darf ein­zig nur an der Dif­fe­ren­zie­rung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals ge­schei­tert sein. Ähn­lich wie bei ei­ner erst­ma­li­gen Be­wer­ber­si­tua­ti­on ist für die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ver­trags aus Ar­beit­ge­ber­sicht ent­schei­dend, dass es sich um die oder den bestmögli­chen Kan­di­da­ten(in) für ei­ne wei­te­re Ver­trags­verlänge­rung han­delt. Die Be­wei­ser­leich­te­rung gemäß § 22 AGG fin­det hin­sicht­lich der haf­tungs­ausfüllen­den Kau­sa­lität kei­ne An­wen­dung (vgl. BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 79, aaO; ErfK/Schlach­ter 13. Aufl. § 15 AGG Rn. 3; MüKoBGB/Thüsing 6. Aufl. § 22 AGG Rn. 21; Win­del RdA 2011, 193, 195).


b) Nach dem Vor­trag der Kläge­rin und dem ge­sam­ten Ak­ten­in­halt kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die un­ter­blie­be­ne Ent­fris­tung oder Verlänge­rung des Ho­no­rar­rah­men­ver­trags an ei­ner nach §§ 1, 7 AGG ver­bo­te­nen Dif­fe­ren­zie­rung auf Sei­ten der Be­klag­ten schei­ter­te. Die Kläge­rin trägt nicht vor, die Be­klag­te ha­be an­sons­ten kund­ge­tan, den Ver­trag mit ihr ei­gent­lich verlängern zu wol­len. Die Kläge­rin hat auch nicht dar­ge­legt, dass bei der Be­klag­ten grundsätz­lich die Be­reit­schaft be­stand, be­fris­te­te Ho­no­rar­rah­men­verträge noch­mals zu verlängern. Un­strei­tig muss­te die Be­klag­te vor­ge­ge­be­ne Bud­get­ein­spa­run­gen bei der Chi­na­re­dak­ti­on um­set­zen.

7. Die Re­vi­si­on ist eben­falls un­be­gründet, so­weit sie die Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs durch das Be­ru­fungs­ge­richt rügt (Art. 103 Abs. 1 GG).

a) Wird ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) gel­tend ge­macht, muss nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO die Re­vi­si­ons­be­gründung die Dar­le­gung der Ver­let­zung die­ses An­spruchs und de­ren Ent­sch­ei-
 


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dungs­er­heb­lich­keit ent­hal­ten. Will der Re­vi­si­onsführer gel­tend ma­chen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be sei­nen An­spruch auf recht­li­ches Gehör ver­letzt, in­dem es sei­ne Ausführun­gen nicht berück­sich­tigt ha­be, muss er kon­kret dar­tun, wel­ches we­sent­li­che Vor­brin­gen das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei sei­ner Ent­schei­dung über­g­an­gen ha­ben soll. Grundsätz­lich ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ein Ge­richt das Vor­brin­gen der Par­tei­en zur Kennt­nis ge­nom­men und in Erwägung ge­zo­gen hat. Die Ge­rich­te brau­chen nicht je­des Vor­brin­gen in den Gründen der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu be­han­deln (vgl. et­wa BVerfG 8. Ok­to­ber 2003 - 2 BvR 949/02 - zu II 1 a der Gründe; BGH 27. März 2003 - V ZR 291/02 - zu II 3 b bb (3) be­ta der Gründe, BGHZ 154, 288). Nach § 313 Abs. 3 ZPO sol­len die Ent­schei­dungs­gründe ei­ne „kur­ze Zu­sam­men­fas­sung” der Erwägun­gen ent­hal­ten, auf de­nen die Ent­schei­dung in tatsäch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht be­ruht. Al­lein der Um­stand, dass sich die Gründe ei­ner Ent­schei­dung mit ei­nem be­stimm­ten Ge­sichts­punkt nicht aus­drück­lich aus­ein­an­der­set­zen, recht­fer­tigt da­her nicht die An­nah­me, das Ge­richt ha­be die­sen Ge­sichts­punkt bei sei­ner Ent­schei­dung nicht er­wo­gen (BAG 22. März 2005 - 1 ABN 1/05 - Rn. 13, BA­GE 114, 157). Viel­mehr be­darf es hier­zu be­son¬de­rer Umstände (vgl. BVerfG 8. Ok­to­ber 2003 - 2 BvR 949/02 - zu II 1 a der Gründe). Darüber hin­aus hat der Re­vi­si­onsführer die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Gehörs­ver­let­zung dar­zu­tun (vgl. BAG 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 912/07 - Rn. 11, AP ZPO § 551 Nr. 66 = EzA ZPO 2002 § 551 Nr. 10). Hier­zu muss nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wer­den, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­nie un­ter Berück­sich­ti­gung des ent­spre­chen­den Ge­sichts­punkts mögli­cher­wei­se an­ders ent­schie­den hätte (BAG 22. März 2005 - 1 ABN 1/05 - aaO). Der An­spruch auf recht­li­ches Gehör schützt aber nicht da­vor, dass das Ge­richt dem Vor­trag ei­ner Par­tei in ma­te­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht nicht die aus de­ren Sicht rich­ti­ge Be­deu­tung bei­misst (BAG 17. März 2010 - 5 AZN 1042/09 - Rn. 11, BA­GE 133, 330; 31. Mai 2006 - 5 AZR 342/06 (F) - Rn. 6, BA­GE 118, 229).


b) Da­nach kann ei­ne Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör der Kläge­rin durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt wer­den. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Vor­trag der Kläge­rin
 


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ent­we­der im Tat­be­stand oder in den Ent­schei­dungs­gründen be­han­delt und le­dig­lich recht­lich an­ders als die Kläge­rin be­wer­tet. Auch wenn nicht je­de Ein­zel­heit des kläge­ri­schen Vor­trags in den Ent­schei­dungs­gründen noch ein­mal ge­son­dert gewürdigt wird, kann die Kläge­rin nicht da­von aus­ge­hen, das Ge­richt ha­be die­sen Vor­trag nicht mit in sei­ne recht­li­chen Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen. Ein Ge­richt muss, wenn es im Ge­gen­satz zu der Rechts­an­sicht ei­ner Par­tei ei­nem be­stimm­ten Um­stand nicht die gewünsch­te Be­deu­tung bei­misst, dies nicht in je­dem Ein­zel­fall erläutern. Dies er­gibt sich schon aus § 313 Abs. 3 ZPO, wo­nach die Erwägun­gen kurz zu­sam­men­ge­fasst wer­den sol­len, auf de­nen die Ent­schei­dung in tatsäch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht be­ruht. Da­ge­gen be­deu­tet der An­spruch auf recht­li­ches Gehör nicht, dass ein Ge­richt zu je­dem von ei­ner Par­tei ver­tre­te­nen Ar­gu­ment erläutern müss­te, war­um es sei­ne Ent­schei­dung ge­ra­de auf die­se Über­le­gung nicht gestützt hat.

c) Die Re­vi­si­on legt im Übri­gen nicht dar, dass das Be­ru­fungs­ur­teil auf dem Rechts­feh­ler ei­nes über­g­an­ge­nen Sach­vor­trags be­ruh­te. Für das Lan­des­ar­beits­ge­richt war ent­schei­dend, dass die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kläge­rin be­en­det wur­de, weil sie nicht mehr in das geänder­te re­dak­tio­nel­le Kon­zept pass­te, ei­ne Per­so­nal­re­du­zie­rung aus Kos­ten­gründen not­wen­dig war und die Be­klag­te im Rah­men des ihr zu­kom­men­den Schut­zes der Rund­funk­frei­heit Wert leg­te auf ei­ne Fluk­tua­ti­on bei den frei­en Mit­ar­bei­tern. Da­mit hat sich die Re­vi­si­on sub­stan­zi­ell nicht wei­ter aus­ein­an­der­ge­setzt.


Dass die Be­ru­fungs­rich­ter den Scha­dens­er­satz­ansprüchen der Kläge­rin un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner schwe­ren Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung (§ 823 Abs. 1 BGB) oder ei­ner Maßre­ge­lung (§ 612a BGB, § 16 AGG) der Kläge­rin nicht näher ge­tre­ten sind, ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Die Be­klag­te kann und darf die für sie maßgeb­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­ons­as­pek­te in Re­la­ti­on zu ih­rem je­wei­li­gen re­dak­tio­nel­len Kon­zept de­fi­nie­ren und hand­ha­ben; wenn im Rah­men sol­cher Ent­wick­lun­gen die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kläge­rin nicht fort­ge­setzt wird, stellt dies we­der ein persönli­ches Wert­ur­teil noch ei­ne Maßre­ge­lung dar.
 


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IV. Da die Be­klag­te we­der im Um­gang mit der Kläge­rin an ein durch § 1 AGG ver­bo­te­nes Merk­mal an­ge­knüpft hat, noch ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen ei­ner Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin und ei­ner un­ter­stell­ten, nach § 7 AGG ver­bo­te­nen Mo­tiv­la­ge er­kenn­bar wäre, hat die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG. Oh­ne Rechts­feh­ler hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­ne In­dizwir­kung der von der Kläge­rin an­geführ­ten Dis­kri­mi­nie­run­gen oder Dis­kri­mi­nie­rungs­kom­ple­xe ab­ge­lehnt. Sch­ließlich ist so­wohl nach dem Sach­vor­trag der Kläge­rin als auch nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ein schwer­wie­gen­der Ein­griff in das Persönlich­keits­recht der Kläge­rin nicht zu er­ken­nen. Ei­nen sol­chen stellt es auch nicht dar, wenn der Ho­no­rar­rah­men­ver­trag der Kläge­rin auf­grund der mit ihr ver­ein­bar­ten Be­fris­tung ausläuft und nicht verlängert wird.


D. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 


Hauck 

Böck 

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Um­fug 

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