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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Datenschutz, Weisungsrecht
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AZR 270/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.09.2013
   
Leit­sätze: Ein Ar­beit­ge­ber kann von sei­nem Ar­beit­neh­mer die Be­an­tra­gung ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur und die Nut­zung ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te ver­lan­gen, wenn dies für die Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung er­for­der­lich und dem Ar­beit­neh­mer zu­mut­bar ist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stade, Urteil vom 22.2.2011 - 2 Ca 426/10
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 12.9.2011 - 8 Sa 355/11
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


10 AZR 270/12
8 Sa 355/11
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Nie­der­sach­sen

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
25. Sep­tem­ber 2013

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 25. Sep­tem­ber 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Rein­fel­der und
 


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Mest­werdt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Si­mon und Ef­fen­ber­ger für Recht er­kannt:


1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 12. Sep­tem­ber 2011 - 8 Sa 355/11 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Die Kos­ten der Re­vi­si­on hat die Kläge­rin zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung der Kläge­rin, ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu be­an­tra­gen und bei ih­rer Tätig­keit ein­zu­set­zen.

Die 1956 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit 1980 bei der Be­klag­ten als An­ge­stell­te beschäftigt. Sie wird im Was­ser- und Schiff­fahrts­amt (WSA) Cux­ha­ven ein­ge­setzt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung die Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes in der für den Bund gel­ten­den Fas­sung An­wen­dung. Die Kläge­rin wird nach Ent­gelt­grup­pe 5 TVöD vergütet.


Nach der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung vom 12. Ju­ni 1996 um­fasst das Auf­ga­ben­ge­biet der Kläge­rin ua. Schreib­ar­bei­ten, die Ko­or­di­nie­rung von Ter­mi­nen so­wie die Durchführung des in­ne­ren Diens­tes der Dienst­stel­le ein­sch­ließlich der Zu­sam­men­stel­lung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen. Be­stand­teil ih­rer Tätig­keit ist die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen im Rah­men von Aus­schrei­bun­gen der Be­klag­ten.


Am 10. De­zem­ber 2003 be­schloss die Bun­des­re­gie­rung, die Ver­ga­be­ver­fah­ren al­ler Bun­des­behörden suk­zes­si­ve auf ein elek­tro­ni­sches Ver­ga­be­sys­tem um­zu­stel­len. Am 8./13. März 2006 schloss das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung (im Fol­gen­den: BMV­BS) mit dem bei ihm ge­bil­de­ten Haupt­per­so­nal­rat ei­ne „Dienst­ver­ein­ba­rung zur Nut­zung qua­li­fi­zier­ter di­gi­ta­ler Si­gna­tu­ren“ (DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren).
 


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Mit Er­lass vom 11. De­zem­ber 2009 verfügte das BMV­BS, dass ab dem 1. Ja­nu­ar 2010 al­le Ver­ga­be­be­kannt­ma­chun­gen gemäß der Ver­din­gungs­ord­nung für Leis­tun­gen (VOL) und der Ver­din­gungs­ord­nung für frei­be­ruf­li­che Leis­tun­gen (VOF) über die elek­tro­ni­sche Ver­ga­be­platt­form des Bun­des zu er­stel­len und ent­spre­chend zu veröffent­li­chen sei­en. Vor­aus­set­zung für die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen auf der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­platt-form des Bun­des ist ein qua­li­fi­zier­tes Zer­ti­fi­kat mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Si­gna­tur (im Fol­gen­den: elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te) nach dem Si­gna­tur­ge­setz (SigG), das nur natürli­chen Per­so­nen er­teilt wird (§ 2 Nr. 7 SigG). Die Aus­stel­lung ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te setzt vor­aus, dass der An­trag­stel­ler von dem Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter an­hand des Per­so­nal­aus­wei­ses oder gleich­wer­ti­ger Do­ku­men­te iden­ti­fi­ziert wor­den ist (§ 5 Abs. 1 SigG, § 3 Abs. 1 SigV).

Mit Schrei­ben vom 15. März 2010 for­der­te die Amts­lei­tung des WSA die Kläge­rin auf, bei der T GmbH, ei­nem Toch­ter­un­ter­neh­men der D AG, ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu be­an­tra­gen. Mit Schrei­ben vom 18. März 2010 teil­te die Kläge­rin mit, sie sei nicht be­reit, ei­nen ent­spre­chen­den An­trag zu stel­len, weil sie Be­den­ken ha­be, ih­re persönli­chen Da­ten ei­ner pri­va­ten Fir­ma zur Verfügung zu stel­len. Das WSA wand­te sich dar­auf­hin über das BMV­BS an die Bun­des­netz­agen­tur. Die­se teil­te mit E-Mail vom 4. Mai 2010 mit, dass aus ih­rer Sicht kein An­lass be­ste­he, an der Da­ten­si­cher­heit und der In­te­grität der Sys­te­me des von der Be­klag­ten ver­wen­de­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters zu zwei­feln. An­sch­ließend for­der­te die Amts­lei­tung des WSA die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 22. Ju­ni 2010 er­neut auf, ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu be­an­tra­gen. Nach­dem sich die Kläge­rin zunächst wie­der­um wei­ger­te, be­an­trag­te sie am 7. Sep­tem­ber 2010 „un­ter Vor­be­halt und un­ter Pro­test“ ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te, die sie kurz dar­auf er­hielt.

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie sei nicht ver­pflich­tet, ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu be­an­tra­gen und zu nut­zen. Ei­ne Nut­zung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te durch sie sei nicht er­for­der­lich. Die Di­plom-In­ge­nieu­re, wel­che die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen er­stell­ten, könn­ten die­se selbst auf der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­platt­form des Bun­des veröffent­li­chen.
 


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Außer­dem ge­be es an­de­re Beschäftig­te im WSA, die be­reits über ei­ne Si­gna­tur­kar­te verfügten und da­her in der La­ge sei­en, die Veröffent­li­chun­gen vor­zu­neh­men. Ent­ge­gen den Vor­ga­ben der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren sei die Kläge­rin im Um­gang mit der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te nicht ge­schult wor­den. Darüber hin­aus ver­let­ze die Wei­sung der Be­klag­ten das Recht der Kläge­rin auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, weil sie ih­re persönli­chen Da­ten ge­gen ih­ren Wil­len ei­ner pri­va­ten Fir­ma mit­tei­len müsse. Sie ha­be Angst, dass mit ih­ren Da­ten Miss­brauch ge­trie­ben wer­de.

Die Kläge­rin hat, so­weit in der Re­vi­si­on noch von In­ter­es­se, be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass sie nicht ver­pflich­tet ist, ein qua­li­fi­zier­tes Zer­ti­fi­kat nach dem Si­gna­tur­ge­setz zu be­an­tra­gen und im Rah­men des elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­ver­fah­rens ein­zu­set­zen.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie ist der An­sicht, sie ha­be ihr Di­rek­ti­ons­recht rechtmäßig aus­geübt. Ins­be­son­de­re bestünden kei­ne An­halts­punk­te für die Be­haup­tung der Kläge­rin, mit ih­ren persönli­chen Da­ten könne Miss­brauch ge­trie­ben wer­den.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in­so­weit zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Fest­stel­lungs­an­trag wei­ter.


Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Kläge­rin war ver­pflich­tet, bei der T GmbH ein qua­li­fi­zier­tes Zer­ti­fi­kat mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Si­gna­tur (elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te) zu be­an­tra­gen, und sie ist ver­pflich­tet, un­ter des­sen Nut­zung Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen auf der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­platt­form des Bun­des zu veröffent­li­chen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Rechtmäßig­keit der ent­spre­chen­den Wei­sung zu­tref­fend be­ur­teilt.


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I. Die Kla­ge ist mit dem in der Re­vi­si­on noch anhängi­gen Fest­stel­lungs­an­trag zulässig.


1. Ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge kann sich auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken (st. Rspr., vgl. BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 10 AZR 779/10 - Rn. 22). Die Wirk­sam­keit ei­ner Wei­sung kann zulässi­ger Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein (BAG 25. Au­gust 2010 - 10 AZR 275/09 - Rn. 12, BA­GE 135, 239). Die be­gehr­te Fest­stel­lung ist hin­rei­chend be­stimmt und ge­eig­net, die Reich­wei­te des Di­rek­ti­ons­rechts der Be­klag­ten klar­zu­stel­len.

2. Die Kläge­rin hat das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che recht­li­che In­ter­es­se an der be­gehr­ten Fest­stel­lung. Die Be­klag­te nimmt in An­spruch, die Kläge­rin zur Be­an­tra­gung und Nut­zung ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te ver­pflich­ten zu können; die Kläge­rin leug­net dies. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist auch nicht da­durch ent­fal­len, dass die Kläge­rin zwi­schen­zeit­lich ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te be­an­tragt und er­hal­ten hat und im Rah­men ih­rer Tätig­keit für die Be­klag­te nutzt. Dies er­folg­te nur „un­ter Pro­test“ und da­mit un­ter er­kenn­ba­rer Auf­recht­er­hal­tung ih­rer Rechts­auf­fas­sung.


II. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Die Wei­sung der Be­klag­ten ist wirk­sam. 


1. Nach § 106 Satz 1 Ge­wO kann der Ar­beit­ge­ber In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trags oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind.


2. Die Veröffent­li­chung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen un­ter Ein­satz ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te gehört zum ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Auf­ga­ben­be­reich der Kläge­rin.


a) Die Kläge­rin wird gemäß § 1 des Ar­beits­ver­trags vom 13. Fe­bru­ar 1980 als An­ge­stell­te beschäftigt; auf­grund des 2. Nach­trags zum Ar­beits­ver­trag vom


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29. Mai 1981 wur­de sie in die Vergütungs­grup­pe VII BAT höher­grup­piert und später in die EG 5 TVöD über­ge­lei­tet. Das Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers im öffent­li­chen Dienst er­streckt sich bei ei­ner Ver­trags­ge­stal­tung, die den ver­trag­li­chen Auf­ga­ben­be­reich al­lein durch ei­ne all­ge­mei­ne Tätig­keits­be­zeich­nung und die Nen­nung der Vergütungs­grup­pe be­schreibt, auf sol­che Tätig­kei­ten des all­ge­mein um­schrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reichs, wel­che die Merk­ma­le der Vergütungs­grup­pe erfüllen, in die der Ar­beit­neh­mer ein­ge­stuft ist. Dem Ar­beit­neh­mer können an­de­re, dem all­ge­mein um­schrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reich zu­zu­ord­nen­de Tätig­kei­ten nur zu­ge­wie­sen wer­den, so­weit sie den Merk­ma­len die­ser Vergütungs­grup­pe ent­spre­chen (st. Rspr., zu­letzt zB BAG 17. Au­gust 2011 - 10 AZR 322/10 - Rn. 15).


b) Die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen gehört zum Auf­ga­ben­be­reich der Kläge­rin und ent­spricht den Merk­ma­len der Vergütungs­grup­pe VII BAT (nun­mehr EG 5 TVöD). Nach der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung vom 12. Ju­ni 1996, die zwi­schen den Par­tei­en eben­so we­nig im Streit steht wie die Ein­grup­pie­rung selbst, gehört zu den Auf­ga­ben der Kläge­rin die Durchführung des in­ne­ren Diens­tes der Dienst­stel­le ein­sch­ließlich der Zu­sam­men­stel­lung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen. Zu den ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben im Zu­sam­men­hang mit Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen gehört nach der Ver­kehrs­an­schau­ung (vgl. ErfK/Preis 13. Aufl. § 106 Ge­wO Rn. 5) auch de­ren Veröffent­li­chung. Dem­ent­spre­chend hat die Kläge­rin be­reits in der Ver­gan­gen­heit re­gelmäßig Ver­ga­be­un­ter­la­gen - un­ter an­de­rem im In­tra­net - veröffent­licht. Der ge­for­der­te Ein­satz ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te verändert den Auf­ga­ben­be­reich der Kläge­rin nicht; le­dig­lich die Art und Wei­se der Veröffent­li­chung und die da­zu ge­nutz­ten Ar­beits­mit­tel wer­den tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen an­ge­passt.
 


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3. Die Wei­sung der Be­klag­ten ist un­ter Wah­rung der Mit­be­stim­mungs­rech­te nach dem BPers­VG er­folgt (vgl. zur Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung im An­wen­dungs­be­reich des BPers­VG zu­letzt: BAG 22. Mai 2012 - 1 AZR 94/11 - Rn. 29). Der Haupt­per­so­nal­rat des BMV­BS (§ 82 Abs. 1, § 53 Abs. 1 BPers­VG) hat sei­ne Rech­te nach dem BPers­VG im Zu­sam­men­hang mit der Einführung qua­li­fi­zier­ter di­gi­ta­ler Si­gna­tu­ren (vgl. § 75 Abs. 3 Nr. 17 BPers­VG) durch den Ab­schluss der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren aus­geübt.

Die Wei­sung der Be­klag­ten verstößt auch nicht ge­gen Vor­schrif­ten die­ser Dienst­ver­ein­ba­rung. Ins­be­son­de­re wur­den ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläge­rin die Vor­ga­ben für die Schu­lung der Beschäftig­ten ein­ge­hal­ten. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob de­ren Ver­let­zung über­haupt zu ei­ner Un­wirk­sam­keit der Wei­sung führen oder nur ei­nen nachträgli­chen Schu­lungs­an­spruch auslösen würde. Mit dem Schrei­ben der Amts­lei­tung des WSA vom 15. März 2010 wur­de der Kläge­rin ei­ne Ko­pie der Dienst­ver­ein­ba­rung über­sandt. In dem Schrei­ben wird zu­dem auf ei­ne „ge­plan­te Schu­lung in der IT-An­wen­dung“ Be­zug ge­nom­men. Ei­ne wei­te­re Schu­lung fand im März 2011 statt. Dass die Kläge­rin an die­ser krank­heits­be­dingt nicht teil­neh­men konn­te, stellt die Erfüllung der Pflich­ten aus der Dienst­ver­ein­ba­rung durch die Be­klag­te nicht in­fra­ge. Es gibt kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die Be­klag­te die Schu­lung der Kläge­rin vor­ent­hal­ten woll­te oder sie nicht nach­schu­len würde, so­weit die Kläge­rin hier­an mit­wirkt und teil­nimmt.


4. Die Wei­sung zur Be­an­tra­gung und Nut­zung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te verstößt nicht ge­gen Be­stim­mun­gen des BDSG.

a) Die Be­klag­te selbst er­hebt, ver­ar­bei­tet oder nutzt im Zu­sam­men­hang mit der Be­an­tra­gung des qua­li­fi­zier­ten Zer­ti­fi­kats mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Si­gna­tur und der Er­stel­lung der Si­gna­tur­kar­te kei­ne Da­ten iSd. Be­stim­mun­gen des BDSG.
 


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aa) Zwar ist das WSA als Bun­des­behörde (vgl. Art. 87 Abs. 1 Satz 1, Art. 89 Abs. 2 GG) ei­ne öffent­li­che Stel­le iSd. § 1 Abs. 2 Nr. 1, § 2 Abs. 1 Satz 1 BDSG. Bei den Da­ten, wel­che die Kläge­rin im Rah­men der Be­an­tra­gung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te mit­zu­tei­len hat, han­delt es sich auch um per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten iSd. § 3 Abs. 1 BDSG. In Be­zug auf die­se Da­ten ist das WSA je­doch nicht ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. BDSG.

(1) Nor­madres­sat der im BDSG nie­der­ge­leg­ten Rech­te und Pflich­ten ist die je­weils ver­ant­wort­li­che Stel­le (ErfK/Fran­zen § 1 BDSG Rn. 12; Si­mi­tis/ Dam­mann BDSG 7. Aufl. § 3 Rn. 224 f.; Go­la/Schome­rus BDSG 11. Aufl. § 3 Rn. 48). Das ist gemäß § 3 Abs. 7 BDSG je­de Per­son oder Stel­le, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten für sich selbst er­hebt, ver­ar­bei­tet oder nutzt oder dies durch an­de­re im Auf­trag vor­neh­men lässt.

(2) Per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten, die für die Er­stel­lung und Nut­zung ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te er­for­der­lich sind, wer­den von dem be­tref­fen­den Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter un­ter Berück­sich­ti­gung der Vor­ga­ben des SigG er­ho­ben, ver­ar­bei­tet und ge­nutzt (§ 5 ff. SigG). Hin­sicht­lich des Um­gangs mit die­sen Da­ten un­ter­liegt der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter da­her - ne­ben den spe­zi­el­len Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen des SigG - den Re­ge­lun­gen des BDSG (vgl. Roßna­gel/Roßna­gel Hand­buch Da­ten­schutz­recht Ab­schnitt 7.7 Rn. 29). Er ist in­so­weit die ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. § 3 Abs. 7 BDSG.


(3) Das WSA ist dem­ge­genüber we­der in die Be­schaf­fung noch in die Ver­ar­bei­tung der Da­ten ein­ge­schal­tet. Viel­mehr wur­de die Kläge­rin auf­ge­for­dert, die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te di­rekt beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter zu be­an­tra­gen (vgl. Schrei­ben vom 15. März 2010; DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren „An­trag­stel­lung durch den Beschäftig­ten“). Die­se Vor­ge­hens­wei­se ent­spricht dem Mo­dell des BDSG, wo­nach per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten grundsätz­lich beim Be­trof­fe­nen zu er­he­ben sind (§ 4 Abs. 2 Satz 1 BDSG), und den Vor­ga­ben des Si­gna­tur­ge­set­zes (§ 14 Abs. 1 SigG). Das WSA nutzt auch nicht die zur Aus­stel­lung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te durch die T GmbH er­ho­be­nen Da­ten. Ein Nut­zen von Da­ten iSv. § 3 Abs. 5 BDSG liegt vor, wenn die Da­ten mit ei­ner be­stimm­ten Zweck­be­stim­mung aus­ge­wer­tet, zu­sam­men­ge­stellt, ab­ge­ru­fen
 


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oder an­sons­ten ziel­ge­rich­tet zur Kennt­nis ge­nom­men wer­den sol­len (Go­la/Schome­rus BDSG § 3 Rn. 42; Go­la/Wron­ka Hand­buch zum Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz 5. Aufl. Rn. 911). Bei ei­nem Ein­satz der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te durch die Kläge­rin wer­den de­ren per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten durch das WSA nicht ziel­ge­rich­tet zur Kennt­nis ge­nom­men. Das WSA hat kei­nen Zu­griff auf die­se Da­ten.

bb) Zwi­schen dem WSA und dem Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter be­steht kein Auf­trags­verhält­nis iSd. § 3 Abs. 7, § 11 BDSG. Die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten im Auf­trag ist da­durch ge­kenn­zeich­net, dass sich ei­ne ver­ant­wort­li­che Stel­le ei­nes Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­mens be­dient, das le­dig­lich wei­sungs­ge­bun­den mit den Da­ten um­geht (Go­la/Schome­rus BDSG § 11 Rn. 3; Si­mi­tis/Pe­tri BDSG § 11 Rn. 20). Die ver­ant­wort­li­che Stel­le be­stimmt wei­ter­hin al­lein über die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung der Da­ten und behält die un­ein­ge­schränk­te Verfügungs­ge­walt (Go­la/Wron­ka Hand­buch zum Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz Rn. 983; Wed­de in Däubler/Kle­be/Wed­de/Wei­chert BDSG 3. Aufl. § 11 Rn. 5). Der Be­reich der Auf­trags­da­ten­ver­ga­be wird ver­las­sen, so­bald dem Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men ei­ne ei­genständi­ge recht­li­che Zuständig­keit für die Auf­ga­be, de­ren Erfüllung die Da­ten­ver­ar­bei­tung oder -nut­zung dient, zu­ge­wie­sen wird (Go­la/Schome­rus BDSG § 11 Rn. 9). Nach den Vor­ga­ben des SigG ist der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter al­lein für die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten des An­trag­stel­lers ver­ant­wort­lich. Er ent­schei­det selbst über den Um­gang mit den von ihm er­ho­be­nen Da­ten und hat da­bei die zwin­gen­den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ins­be­son­de­re des SigG zu be­ach­ten. Das WSA hat kei­nen Zu­griff auf und da­mit kei­ne Verfügungs­ge­walt über die Da­ten. Ihm ste­hen auch kei­ner­lei Kon­troll- oder Wei­sungs­rech­te im Hin­blick auf den Um­gang mit den Da­ten zu.
 


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b) Ein Ver­s­toß ge­gen Be­stim­mun­gen des BDSG im Zu­sam­men­hang mit der Da­ten­er­he­bung durch die T GmbH als Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ist nicht er­kenn­bar.


aa) Das Un­ter­neh­men ist ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. BDSG, es er­hebt, ver­ar­bei­tet und nutzt im Zu­sam­men­hang mit der Aus­stel­lung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te als nicht-öffent­li­che Stel­le Da­ten der Kläge­rin (§ 1 Abs. 2 Nr. 3, § 2 Abs. 4 Satz 1, § 3 Abs. 7 BDSG).

bb) Die Er­he­bung der Da­ten er­folgt un­mit­tel­bar bei der Kläge­rin auf Grund­la­ge der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren (§ 4 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BDSG); ih­re Ein­wil­li­gung (§ 4a BDSG) ist des­halb nicht er­for­der­lich.


(1) Nach § 4 Abs. 1 BDSG ist die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten nur zulässig, so­weit das BDSG oder ei­ne an­de­re Rechts­vor­schrift dies er­laubt oder an­ord­net oder der Be­trof­fe­ne ein­wil­ligt. Rechts­vor­schrif­ten in die­sem Sin­ne sind auch Ta­rif­verträge (BAG 25. Ju­ni 2002 - 9 AZR 405/00 - zu A II 4 d der Gründe, BA­GE 101, 357) und Be­triebs- oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen (BAG 27. Mai 1986 - 1 ABR 48/84 - zu B II 3 b aa der Gründe, BA­GE 52, 88; 20. De­zem­ber 1995 - 7 ABR 8/95 - zu B III 2 der Gründe, BA­GE 82, 36 [je­weils zu Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen]; ErfK/Fran­zen § 4 BDSG Rn. 2).


(2) Ei­ne sol­che Er­laub­nis ent­hal­ten die Be­stim­mun­gen der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren. Da­nach wird je­der IT-Ar­beits­platz im Be­reich der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be mit ei­nem Kar­ten­le­se­gerät und Chip­kar­ten nach den Re­ge­lun­gen des SigG aus­ge­stat­tet. Durch den je­wei­li­gen Beschäftig­ten persönlich er­folgt ei­ne ent­spre­chen­de An­trag­stel­lung beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter, die sei­ne zu­verlässi­ge Iden­ti­fi­zie­rung an­hand der Per­so­nal­aus­weis­da­ten er­for­dert. Un­ter die­se Dienst­ver­ein­ba­rung fällt auch die Kläge­rin; sie gilt un­mit­tel­bar und zwin­gend (§§ 73, 75 Abs. 3 Nr. 17 BPers­VG; We­ber in Ri­char­di/Dörner/We­ber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 4. Aufl. § 73 BPers­VG Rn. 21). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Dienst­ver­ein­ba­rung ei­ne Her­ga­be der Da­ten an Drit­te ver­langt. Durch § 2 Nr. 7 SigG ist vor­ge­ge­ben, dass ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna-
 


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tur­kar­te nur von ei­ner natürli­chen Per­son be­an­tragt wer­den kann und ih­re Aus­stel­lung durch Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter er­folgt (§ 4 f. SigG).

Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren hat die Kläge­rin nicht gel­tend ge­macht, sie sind auch nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re be­grenzt die Dienst­ver­ein­ba­rung den Kreis der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter auf sol­che, die gemäß § 15 SigG ak­kre­di­tiert sind und da­mit ei­ner wei­ter ge­hen­den auf­sichts­behörd­li­chen Kon­trol­le un­ter­lie­gen. Auch be­inhal­tet die DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren wei­te­re Be­stim­mun­gen zum Schutz der Beschäftig­ten, wie bei­spiels­wei­se ei­ne Haf­tungs­aus­schluss­re­ge­lung. Die Dienst­ver­ein­ba­rung be­schränkt ins­ge­samt den Ein­griff in das Recht der Beschäftig­ten auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung auf das zur Erfüllung der Ar­beits­auf­ga­ben zwin­gend not­wen­di­ge Maß; ein übermäßiger Ein­griff wird durch sie nicht er­laubt (vgl. im Ein­zel­nen zu 5 b dd).


c) Die Kläge­rin hat nicht be­haup­tet, das WSA er­he­be, ver­ar­bei­te oder nut­ze Da­ten der Kläge­rin im Zu­sam­men­hang mit dem Ein­satz der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te, Fest­stel­lun­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt hier­zu nicht ge­trof­fen. Al­ler­dings liegt na­he, dass die bei der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be not­wen­di­gen Außen­ver­bin­dun­gen zum Zwe­cke der Da­ten­schutz­kon­trol­le, der Da­ten­si­che­rung oder zur Si­cher­stel­lung ei­nes ord­nungs­gemäßen Be­triebs der Da­ten­ver­ar­bei­tung in streng zweck­ge­bun­de­nen Pro­to­koll­da­tei­en re­gis­triert wer­den (§ 14 Abs. 4 BDSG; vgl. zum In­halt der Zweck­bin­dung zB Si­mi­tis/ Dam­mann BDSG § 14 Rn. 114). Da­bei er­ge­ben sich durch den Ein­satz der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te kei­ne Be­son­der­hei­ten. Viel­mehr erhöht die­se die Si­cher­heit, dass der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­halt un­verändert über­mit­telt wird und Drit­te von des­sen Kennt­nis­nah­me aus­ge­schlos­sen wer­den (Roßna­gel/ Roßna­gel Hand­buch Da­ten­schutz­recht Ab­schnitt 7.7 Rn. 16). Zur Leis­tungs-und Ver­hal­tens­kon­trol­le dürfen even­tu­ell an­fal­len­de Da­ten nach den Be­stim­mun­gen der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren nicht ge­nutzt wer­den.


5. Die Wei­sung der Be­klag­ten ent­spricht bil­li­gem Er­mes­sen. 



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a) Ei­ne Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Er­mes­sen, wenn die we­sent­li­chen Umstände des Falls ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind (st. Rspr., zu­letzt zB BAG 29. Au­gust 2012 - 10 AZR 385/11 - Rn. 45; 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 746/10 - Rn. 26, BA­GE 139, 283). Das bei der Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts zu wah­ren­de bil­li­ge Er­mes­sen wird in­halt­lich durch die Grund­rech­te des Ar­beit­neh­mers mit­be­stimmt. Kol­li­die­ren die­se mit dem Recht des Ar­beit­ge­bers, dem Ar­beit­neh­mer ei­ne von der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ge­deck­te Tätig­keit zu­zu­wei­sen, sind die ge­gensätz­li­chen Rechts­po­si­tio­nen grund­rechts­kon­form aus­zu­glei­chen (vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2011 - 2 AZR 636/09 - Rn. 23 mwN, BA­GE 137, 164; 13. Au­gust 2010 - 1 AZR 173/09 - Rn. 10, BA­GE 135, 203). Da­bei sind die be­trof­fe­nen In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers und des Ar­beit­ge­bers im Sin­ne ei­ner prak­ti­schen Kon­kor­danz so ab­zuwägen, dass die geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen für al­le Be­tei­lig­ten möglichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den (BAG 23. Au­gust 2012 - 8 AZR 804/11 - Rn. 36; 24. Fe­bru­ar 2011 - 2 AZR 636/09 - aaO). Ob die Ent­schei­dung der Bil­lig­keit ent­spricht, un­ter­liegt der vol­len ge­richt­li­chen Kon­trol­le (BAG 26. Sep­tem­ber 2012 - 10 AZR 311/11 - Rn. 28; 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 746/10 - Rn. 46 mwN, aaO).


b) Die­se Sach­ent­schei­dung ist we­gen der zu berück­sich­ti­gen­den Umstände des Ein­zel­falls vor­ran­gig den Tat­sa­chen­ge­rich­ten vor­be­hal­ten (BAG 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 746/10 - Rn. 46, aaO; 10. Mai 2005 - 9 AZR 294/04 - zu B II 3 b und B IV 1 der Gründe; vgl. zur Kon­tro­ver­se über den Um­fang der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung: GMP/Müller-Glöge 8. Aufl. § 73 Rn. 10). Un­abhängig hier­von hält die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch ei­ner un­ein­ge­schränk­ten Über­prüfung stand.


aa) Die Be­klag­te hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­träge mit­hil­fe ei­nes elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems durch­zuführen. Wie sich dem Be­schluss der Bun­des­re­gie­rung vom 10. De­zem­ber 2003 ent­neh­men lässt, dient die Einführung des elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems der Stei­ge­rung von Ef­fi­zi­enz und Kom­pe­tenz bei der Be­schaf­fung von Gütern und Dienst­leis­tun­gen durch die öffent­li­che Hand. Durch die elek­tro­ni­sche Ver­ga­be


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öffent­li­cher Auf­träge sol­len er­heb­li­che Ein­spa­run­gen so­wohl bei den Kos­ten der Ver­ga­be als auch bei den Prei­sen für die be­schaff­ten Leis­tun­gen er­zielt wer­den. Die Einführung des elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems dient da­mit le­gi­ti­men Zwe­cken.

bb) Die Amts­lei­tung des WSA hat kei­ne Möglich­keit, die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen an­ders zu ge­stal­ten. Das WSA ist ei­ne dem BMV­BS nach­ge­ord­ne­te Behörde. Der Er­lass des BMV­BS vom 11. De­zem­ber 2009, nach dem ab dem 1. Ja­nu­ar 2010 al­le Ver­ga­be­be­kannt­ma­chun­gen über die elek­tro­ni­sche Ver­ga­be­platt­form des Bun­des zu veröffent­li­chen sind, ist da­her für das WSA bin­dend (vgl. Eh­lers in Erich­sen/Eh­lers All­ge­mei­nes Ver­wal­tungs-recht 13. Aufl. § 2 Rn. 62 ff.). Ei­ne Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen auf an­de­rem We­ge schei­det aus. Das be­trifft al­le Be­diens­te­ten der nach­ge­ord­ne­ten Behörden glei­cher­maßen.

cc) Der Ein­wand der Kläge­rin, ei­ne Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen durch sie selbst sei nicht er­for­der­lich, weil die Un­ter­la­gen auch durch Di­plom-In­ge­nieu­re oder Beschäftig­te, die be­reits über ein Si­gna­tur­kar­te verfügen, veröffent­licht wer­den könn­ten, steht der Wei­sung der Be­klag­ten nicht ent­ge­gen.


(1) Dem Ge­richt ob­liegt nicht die Prüfung, ob die Wei­sung der Be­klag­ten die bes­te, ef­fi­zi­en­tes­te oder wirt­schaft­lich vernünf­tigs­te Lösung dar­stellt. Im Rah­men der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts steht dem Ar­beit­ge­ber ein nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­zufüllen­der Ent­schei­dungs­spiel­raum zu. In­ner­halb die­ses Spiel­raums können ihm meh­re­re Ent­schei­dungsmöglich­kei­ten zur Verfügung ste­hen. Dem Ge­richt ob­liegt (le­dig­lich) die Prüfung, ob der Ar­beit­ge­ber als Gläubi­ger die Gren­zen sei­nes Be­stim­mungs­rechts be­ach­tet hat (vgl. BAG 26. Sep­tem­ber 2012 - 10 AZR 311/11 - Rn. 28; 13. Ju­ni 2012 - 10 AZR 296/11 - Rn. 28; BGH 18. Ok­to­ber 2007 - III ZR 277/06 - Rn. 20, BGHZ 174, 48).

(2) Das ist hier der Fall. Die Di­plom-In­ge­nieu­re sind für die Er­stel­lung und den In­halt der Ver­ga­be­un­ter­la­gen ver­ant­wort­lich. An­ge­sichts ih­rer be­son­de­ren Aus­bil­dung und Qua­li­fi­ka­ti­on ist es nach­voll­zieh­bar und nicht zu be­an­stan­den,
 


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wenn sich die Be­klag­te da­zu ent­schließt, sie nicht mit rein ad­mi­nis­tra­ti­ven Tätig­kei­ten wie der Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen zu be­trau­en, son­dern die­se Auf­ga­be von an­de­ren Beschäftig­ten er­le­di­gen zu las­sen. Dass an­de­re Beschäftig­te des WSA be­reits über ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te verfügen, lässt das Bedürf­nis für die Be­an­tra­gung und Nut­zung ei­ner elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te durch die Kläge­rin eben­falls nicht ent­fal­len. Ab­we­sen­heits­zei­ten ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter (zB auf­grund von Krank­heit oder Ur­laub) können es er­for­der­lich ma­chen, dass meh­re­re Mit­ar­bei­ter über ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te verfügen. Nur so kann si­cher­ge­stellt wer­den, dass die Ver­ga­be­un­ter­la­gen un­abhängig von den je­weils in der Dienst­stel­le an­we­sen­den Beschäftig­ten zeit­nah veröffent­licht wer­den können. Es lag na­he, auch die Kläge­rin für die­se Tätig­keit her­an­zu­zie­hen, weil die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen be­reits vor dem 1. Ja­nu­ar 2010 zu ih­rem Auf­ga­ben­ge­biet gehörte.

dd) Der mit der Wei­sung ver­bun­de­ne Ein­griff in das Recht der Kläge­rin auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ist die­ser zu­mut­bar.

(1) Das in Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG ver­an­ker­te Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gewähr­leis­tet dem Ein­zel­nen die Be­fug­nis, grundsätz­lich selbst über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung persönli­cher Da­ten zu be­stim­men und darüber zu ent­schei­den, wann und in­ner­halb wel­cher Gren­zen persönli­che Le­bens­sach­ver­hal­te of­fen­bart wer­den (BVerfG 15. De­zem­ber 1983 - 1 BvR 209/83, 1 BvR 269/83 ua. - zu C II 1 a der Gründe, BVerfGE 65, 1; 27. Fe­bru­ar 2008 - 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07 - Rn. 180, BVerfGE 120, 274). Wer nicht mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit über­schau­en kann, wel­che ihn be­tref­fen­den In­for­ma­tio­nen in be­stimm­ten Be­rei­chen sei­ner so­zia­len Um­welt be­kannt sind, und wer das Wis­sen mögli­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner nicht ei­ni­ger­maßen ab­zuschätzen ver­mag, kann in sei­ner Frei­heit we­sent­lich ge­hemmt wer­den, aus ei­ge­ner Selbst­be­stim­mung zu pla­nen oder zu ent­schei­den (BVerfG 4. April 2006 - 1 BvR 518/02 - Rn. 69, BVerfGE 115, 320). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob es sich um Da­ten der Pri­vat- oder gar der In­tim­sphäre han­delt. Ein „be­lang­lo­ses“ Da­tum gibt es aus Sicht der Ver­fas­sung nicht (vgl. BVerfG 15. De­zem­ber 1983 - 1 BvR 209/83, 1 BvR 269/83 ua. - zu C II 2
 


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der Gründe, aaO). Das Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung fin­det ei­ne Ent­spre­chung im Uni­ons­recht. Gemäß Art. 8 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on hat je­de Per­son das Recht auf Schutz der sie be­tref­fen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten.


(2) In das Recht der Kläge­rin auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung wird durch die streit­ge­genständ­li­che Wei­sung ein­ge­grif­fen, weil die Kläge­rin nicht mehr frei ent­schei­den kann, wann sie wem wel­che Da­ten zur Verfügung stellt. Durch die Wei­sung wird sie ver­pflich­tet, ei­nem von der Be­klag­ten aus­gewähl­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter die aus dem Per­so­nal­aus­weis er­sicht­li­chen Da­ten zur Verfügung zu stel­len.

(3) Die­ser Ein­griff ist der Kläge­rin zu­mut­bar (eben­so für die an ei­nen Be­am­ten ge­rich­te­te An­ord­nung, ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu be­an­tra­gen und zu nut­zen: Bay­er. VGH 2. No­vem­ber 2011 - 6 CE 11.1342 -).

(a) Die Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen durch die Kläge­rin ist oh­ne Ein­griff in ihr Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht möglich. Nach den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) ist für die Veröffent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen auf der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­platt­form des Bun­des der Ein­satz ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te un­ver­zicht­bar. Die­ser Ein­satz setzt wie­der­um zwin­gend vor­aus, dass die Kläge­rin selbst die Kar­te un­ter Mit­tei­lung ih­rer per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter be­an­tragt hat. Gemäß § 2 Nr. 7 SigG kann ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te nur von ei­ner natürli­chen Per­son be­an­tragt wer­den (vgl. Spind­ler/Schus­ter/Gram­lich Recht der elek­tro­ni­schen Me­di­en 2. Aufl. § 2 SigG Rn. 16). Die Be­an­tra­gung ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te für die ge­sam­te Dienst­stel­le oder auch nur für meh­re­re Beschäftig­te ist nicht möglich. Auch die Nut­zung ei­ner für ei­nen an­de­ren Beschäftig­ten aus­ge­stell­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te durch die Kläge­rin kommt nicht in Be­tracht, weil die mit der Si­gna­tur­kar­te ver­bun­de­nen Rech­te nur von den je­wei­li­gen An­trag­stel­lern aus­geübt wer­den dürfen; dies legt die DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren („Rech­te und Pflich­ten“) aus­drück­lich fest. Im Übri­gen würde ei­ne sol­che Hand­ha­bung
 


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dem Zweck der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te als si­che­rem Iden­ti­fi­zie­rungs­mit­tel des je­wei­li­gen Ab­sen­ders zu­wi­der­lau­fen.


(b) Die Wei­sung stellt kei­nen be­son­ders schwer­wie­gen­den Ein­griff in das Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung dar. Die aus dem Per­so­nal­aus­weis er­sicht­li­chen Da­ten be­tref­fen den äußeren Be­reich der Pri­vat­sphäre. Ins­be­son­de­re Na­me, Al­ter und Adres­se gehören zu den „Stamm­da­ten“ des Ar­beit­neh­mers, de­ren Er­he­bung für die Durchführung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses re­gelmäßig er­for­der­lich ist (BAG 23. Au­gust 2012 - 8 AZR 804/11 - Rn. 38 mwN). Die­se Da­ten wer­den auch im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr häufig ein­ge­setzt. Bei den An­ga­ben im Per­so­nal­aus­weis han­delt es sich nicht um be­son­ders sen­si­ble Da­ten iSv. § 3 Abs. 9 BDSG, für die nach § 4a Abs. 3, § 28 Abs. 6 bis Abs. 9 BDSG erhöhte An­for­de­run­gen an die Er­he­bung und Spei­che­rung zu stel­len sind (vgl. zum Um­gang mit sol­chen Da­ten im Rah­men der Per­so­nal­ak­tenführung: BAG 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 271/06 - BA­GE 119, 238). Dass die An­ga­ben - ins­be­son­de­re das Pass­fo­to und die aus­ge­wie­se­ne Staats­an­gehörig­keit - mit­tel­bar Rück­schlüsse auf die eth­ni­sche Her­kunft zu­las­sen, reicht für ei­ne An­wen­dung der ge­nann­ten Vor­schrif­ten nicht aus, weil ei­ne ent­spre­chen­de Aus­wer­tungs­ab­sicht nicht be­steht; die Da­ten­er­he­bung dient al­lein der Iden­ti­fi­zie­rung (vgl. Go­la/Schome­rus BDSG § 3 Rn. 56a; zur Ab­gren­zung von Staats­an­gehörig­keit und eth­ni­scher Her­kunft: BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 364/11 - Rn. 31).


Darüber hin­aus wer­den die Da­ten nicht der all­ge­mei­nen Öffent­lich­keit oder ei­ner un­be­stimm­ten An­zahl von Per­so­nen be­kannt ge­ge­ben, son­dern nur ei­nem ein­zi­gen Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter über­mit­telt. Die­ser darf die Da­ten zu­dem nur in­so­weit er­he­ben und nut­zen, als dies für Zwe­cke ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te er­for­der­lich ist (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SigG). Zu an­de­ren Zwe­cken dürfen die Da­ten nur ver­wen­det wer­den, wenn das SigG es er­laubt oder der Be­trof­fe­ne ein­ge­wil­ligt hat (§ 14 Abs. 1 Satz 3 SigG).

(c) Der Schutz der per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten der Kläge­rin wird durch Vor­schrif­ten des Si­gna­tur­ge­set­zes und der Si­gna­tur­ver­ord­nung si­cher­ge­stellt. Ei­nen Zer­ti­fi­zie­rungs­dienst darf da­nach nur an­bie­ten, wer die für den Be­trieb
 


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er­for­der­li­che Zu­verlässig­keit und Fach­kun­de nach­weist (§ 4 Abs. 2 Satz 1 SigG) und der zuständi­gen Behörde ein Si­cher­heits­kon­zept vor­ge­legt hat, in dem die Maßnah­men zur Erfüllung der Si­cher­heits­an­for­de­run­gen nach dem SigG und der SigV im Ein­zel­nen auf­ge­zeigt wer­den (§ 4 Abs. 2 Satz 4 SigG, § 2 SigV). Der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter hat für die Ausübung der Zer­ti­fi­zie­rungstätig­keit zu­verlässi­ges Per­so­nal und zu­verlässi­ge Pro­duk­te für elek­tro­ni­sche Si­gna­tu­ren ein­zu­set­zen (§ 5 Abs. 5 SigG, § 5 Abs. 3 SigV). Die Da­ten ei­nes An­trag­stel­lers dürfen nur un­mit­tel­bar bei die­sem selbst und grundsätz­lich nur für Zwe­cke ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te er­ho­ben wer­den (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SigG). Der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter hat das Si­cher­heits­kon­zept ein­sch­ließlich et­wai­ger Ände­run­gen, die Un­ter­la­gen zur Fach­kun­de der im Be­trieb täti­gen Per­so­nen und die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit den An­trag­stel­lern zu do­ku­men­tie­ren (§ 10 Abs. 1 SigG, § 8 SigV). Dem An­trag­stel­ler ist auf Ver­lan­gen je­der­zeit Ein­blick in die ihn be­tref­fen­den Da­ten zu gewähren (§ 10 Abs. 2 SigG).


Über die­se zwin­gen­den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben hin­aus be­stimmt die DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren, dass als Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter nur sol­che in Be­tracht kom­men, die sich gemäß § 15 ff. SigG bei der zuständi­gen Behörde frei­wil­lig ak­kre­di­tiert ha­ben. Die frei­wil­li­ge Ak­kre­di­tie­rung be­inhal­tet ei­ne re­gel-mäßige Über­prüfung des Si­cher­heits­kon­zepts des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters durch öffent­lich an­er­kann­te fach­kun­di­ge Drit­te (§ 15 Abs. 2, § 18 SigG) und gewähr­leis­tet da­mit ein Si­cher­heits­kon­zept von be­son­ders ho­her Qua­lität (vgl. Spind­ler/Schus­ter/Gram­lich Recht der elek­tro­ni­schen Me­di­en § 15 SigG Rn. 6; Roßna­gel/Roßna­gel Hand­buch Da­ten­schutz­recht Ab­schnitt 7.7 Rn. 26). Der von der Be­klag­ten aus­gewähl­te Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ent­spricht die­sen Vor­ga­ben.

(d) An­ge­sichts der Si­cher­heits­vor­keh­run­gen be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te für die Befürch­tung der Kläge­rin, mit ih­ren Da­ten könn­te Miss­brauch ge­trie­ben wer­den. Kon­kre­te Tat­sa­chen, die auf die Möglich­keit ei­nes Miss­brauchs hin­deu­ten, hat die Kläge­rin nicht vor­ge­tra­gen. Die Be­klag­te hat die Be­den­ken der Kläge­rin den­noch auf­ge­grif­fen und sich bei der gemäß § 3 SigG zuständi­gen
 


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Bun­des­netz­agen­tur nach der Re­pu­ta­ti­on der T GmbH er­kun­digt. Auch nach Aus­kunft der Bun­des­netz­agen­tur be­steht kein An­lass, an der Da­ten­si­cher­heit und der In­te­grität der Sys­te­me zu zwei­feln.


ee) Die Wei­sung der Be­klag­ten stellt zwar ei­nen Ein­griff in die durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­te Ver­trags­frei­heit (vgl. BVerfG 16. Ju­li 2012 - 1 BvR 2983/10 - Rn. 21 mwN) der Kläge­rin dar, weil sie ver­pflich­tet wird, ge­gen ih­ren Wil­len ein Ver­trags­verhält­nis mit dem Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ein­zu­ge­hen. Die­ser Ein­griff ist der Kläge­rin aber eben­falls zu­mut­bar. Zur Be­gründung kann auf die obi­gen Ausführun­gen ver­wie­sen wer­den. Ergänzend ist zu berück­sich­ti­gen, dass der vom Ar­beit­ge­ber ge­for­der­te Ver­trags­schluss ei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zug zur ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung auf­weist und der Kläge­rin durch ihn kei­ne Zah­lungs­pflich­ten auf­er­legt wer­den. Sämt­li­che Kos­ten für die Leis­tun­gen des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters trägt nach der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren die Be­klag­te.


ff) So­weit die Wei­sung die Ver­pflich­tung der Kläge­rin be­inhal­tet, die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te bei der Veröffent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen zu nut­zen, be­geg­net sie eben­falls kei­nen Be­den­ken. Be­son­de­re, spe­zi­ell mit der dienst­li­chen Nut­zung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te für sie ver­bun­de­ne Ge­fah­ren be­nennt die Kläge­rin nicht. Die Kläge­rin hat nach den Be­stim­mun­gen der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren ei­nen Schu­lungs­an­spruch ge­genüber der Be­klag­ten; die Dienst­ver­ein­ba­rung legt be­stimm­te Ver­hal­tens­wei­sen zur si­che­ren Nut­zung durch die Beschäftig­ten fest. Den In­ter­es­sen der Kläge­rin wird zu­dem durch ei­ne Haf­tungs­frei­stel­lung Rech­nung ge­tra­gen: Nach der DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren stellt das BMV­BS die Beschäftig­ten von et­wai­gen Haf­tungs­ansprüchen des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters oder an­de­rer Drit­ter frei, die im Zu­sam­men­hang mit ei­ner feh­ler­haf­ten Nut­zung der Si­gna­tur­kar­te zu dienst­li­chen Zwe­cken er­ho­ben wer­den können. Die DV Di­gi­ta­le Si­gna­tu­ren („An­wen­dung“) stellt schließlich klar, dass auf­grund des Ein­sat­zes der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te beim Ar­beit­ge­ber ge­won­ne­ne Da­ten nicht zur Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le ver­wen­det wer­den dürfen. Ei­ne Nut­zung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­kar­te
 


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über den dienst­li­chen Ein­satz hin­aus, ins­be­son­de­re zu pri­va­ten Zwe­cken, wird von der Kläge­rin nicht ver­langt.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 

Mi­kosch 

W. Rein­fel­der 

Mest­werdt

Si­mon 

A. Ef­fen­ber­ger

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