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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Urlaubsabgeltung, Urlaub: Ruhendes Arbeitsverhältnis, Sonderurlaub, Freistellung: Urlaub, Sabbatical
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 3 Sa 230/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.05.2012
   
Leit­sätze:

Der An­spruch auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub nach § 1 BUrlG ent­steht auch während des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­nes ver­ein­bar­ten un­be­zahl­ten Son­der­ur­laubs.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 09.01.2012, 58 Ca 18678/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg  

Verkündet

am 15. Mai 2012

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
3 Sa 230/12
58 Ca 18678/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

H.
Ge­richts­beschäftig­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 3. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 15. Mai 2012
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt S. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter G. und K.
für Recht er­kannt:

I. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 09. Ja­nu­ar 2012 – 58 Ca 18678/11 – ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 1.949,90 Eu­ro brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über den Ba­sis­zins­satz seit dem 01. De­zem­ber 2011 zu zah­len.
II. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.
III. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


S. G. K.
 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung hat.

Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten seit dem 1. Au­gust 2002 als Kran­ken­schwes­ter beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te mit Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2011. Im Jahr 2010 be­lief sich das Jah­res­brut­to­ent­gelt der Kläge­rin auf 33.798,23 Eu­ro. Auf die Ge­halts­ab­rech­nung für den De­zem­ber 2010 (An­la­ge K1, Bl. 7 der Ak­te) wird Be­zug ge­nom­men.

Auf ei­nen An­trag der Kläge­rin gewähr­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 6. De­zem­ber 2010 „an­trags­gemäß nach § 28 Ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Cha­rité- Uni­ver­sitäts­me­di­zin Ber­lin (TV Cha­rité) Son­der­ur­laub un­ter Fort­fall des Ent­gelts/der Vergütung für die Zeit vom 01.01.2011 bis 30.06.2011“. Auf den In­halt des Schrei­bens wird im Übri­gen ver­wie­sen (An­la­ge B1, Bl. 50 der Ak­te). Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten später ein wei­te­res Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 30. Sep­tem­ber 2011. In der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis 30. Sep­tem­ber 2011 wur­de der Kläge­rin kein Er­ho­lungs­ur­laub gewährt.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 16. No­vem­ber 2011 (An­la­ge K2, Bl. 9 bis 10 der Ak­te) for­der­te die Kläge­rin die Be­klag­te auf, ihr ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung für 15 Ur­laubs­ta­ge in Höhe von 1.979,17 Eu­ro brut­to zu zah­len. Die Be­klag­te lehn­te dies mit Schrei­ben vom 28. No­vem­ber 2011 (An­la­ge K3, Bl. 12) un­ter Be­ru­fung auf die Kürzungsmöglich­keit gemäß § 26 Abs. 2 Buchst. c des TV-Cha­rité ab.

Mit ih­rer am 7. De­zem­ber 2011 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 14. De­zem­ber 2011 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat die Kläge­rin be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­nen Be­trag in Höhe von 1.949,90 Eu­ro brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz aus dem vor­ge­nann­ten Be­trag seit dem 1. De­zem­ber 2011 zu zah­len.

Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, ihr ste­he ein An­spruch auf Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs im Um­fang von 15 Ta­gen trotz des ver­ein­bar­ten Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis 30. Sep­tem­ber 2011 zu.

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Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, der Kläge­rin sei in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis 30. Sep­tem­ber 2011 Son­der­ur­laub oh­ne Vergütung gewährt wor­den.

Nach­dem die Par­tei­en in der Güte­ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt übe­rein­stim­mend um ei­ne Al­lei­n­ent­schei­dung durch den Vor­sit­zen­den ge­be­ten hat­ten, hat das Ar­beits­ge­richt durch Ur­teil vom 9. Ja­nu­ar 2012 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, die Kläge­rin ha­be kei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch, da sie we­gen des ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses im Jahr 2011 kei­nen Ur­laubs­an­spruch ge­gen die Be­klag­te er­wor­ben ha­be. Es feh­le während des Ru­hens an ei­nem Aus­tausch­verhält­nis, aus dem Ur­laubs­ansprüche er­wach­sen könn­ten. Die Ur­laubs­gewährung ver­bun­den mit der Fort­zah­lung der Vergütung sei Teil der Haupt­leis­tungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers.

Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 17. Ja­nu­ar 2012 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­se mit beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 2. Fe­bru­ar 2012 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und be­gründet.

Die Kläge­rin trägt zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung zu­sam­men­ge­fasst vor: Bei der Pflicht zur Ur­laubs­gewährung han­de­le es sich nicht um ei­ne Haupt­pflicht des Ar­beit­ge­bers, son­dern nur um ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht. Die­se Ne­ben­pflicht sei auf­grund der Un­ab­ding­bar­keits­re­ge­lung in § 13 Abs. 1 BUrlG ge­ra­de nicht sus­pen­diert. Dies er­ge­be sich be­reits aus dem Wort­laut des BUrlG. Der Ur­laubs­an­spruch ent­ste­he auch, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht ar­bei­te. Dies ha­be der EuGH ent­schie­den und ent­spre­che der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Es be­ste­he auch kei­ne hier ein­grei­fen­de ge­setz­li­che Grund­la­ge für ei­ne Kürzung des Ur­laubs­an­spruchs. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von Kürzungs­nor­men sei dog­ma­tisch nicht be­gründ­bar. Die ta­rif­li­che Kürzungsmöglich­keit könne nicht den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub er­fas­sen.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des am 9. Ja­nu­ar 2012 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin, Ak­ten­zei­chen 58 Ca 18678/11, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­nen Be­trag in Höhe von 1.949,90 Eu­ro brut­to nebst fünf Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. De­zem­ber 2011 zu zah­len.

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Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und trägt zu­sam­men­ge­fasst vor: Da das Ar­beits­verhält­nis auf­grund des von der Kläge­rin be­gehr­ten Son­der­ur­laubs in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis 30. Sep­tem­ber 2011 ge­ruht ha­be, ha­be für die­se Zeit kein An­spruch auf Ur­laub, auch nicht in Höhe des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs, be­stan­den. Die Ur­laubs­gewährung bzw. als Sur­ro­gat die Ur­laubs­ab­gel­tung sei Haupt­leis­tungs­pflicht, die für die Dau­er des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fal­le. Es feh­le an dem er­for­der­li­chen Sy­nal­lag­ma, aus dem Ur­laubs­ansprüche er­wach­sen könn­ten. Der Wunsch der Kläge­rin nach Son­der­ur­laub un­ter­lie­ge kei­nem be­son­de­ren ge­setz­li­chen Schutz. Auch § 17 Abs. 1 Satz 1 BEEG zei­ge, dass der Ge­setz­ge­ber zu­tref­fend an­ge­nom­men ha­be, es bedürfe die­ser Re­ge­lung, weil oh­ne sie während der El­tern­zeit kein Ur­laubs­an­spruch bestünde. Je­den­falls müsse die Kürzungsmöglich­keit nach § 17 Abs. 1 BEEG hier ana­log gel­ten. Fer­ner se­he der TV-Cha­rité in § 26 Abs. 2 Buchst. c ei­ne Kürzungsmöglich­keit vor.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf den Tat­be­stand der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten bei­der In­stan­zen Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe


I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist gemäß § 64 Abs. 1 und Abs. 2 Buchst. b ArbGG statt­haft und gemäß §§ 66 Abs. 1 ArbGG, 519 Abs. 1 und Abs. 2, 520 Abs. 1 und Abs. 3 ZPO frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist be­gründet. Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, der Kläge­rin ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe von 1.949,90 Eu­ro brut­to nebst der gel­tend ge­mach­ten Zin­sen zu zah­len. Der An­spruch auf Zah­lung der Ur­laubs­ab­gel­tung er­gibt sich aus § 7 Abs. 4 BUrlG.

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1. Gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG hat der Ar­beit­ge­ber Ur­laub ab­zu­gel­ten, wenn die­ser we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den kann.

2. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te am 30. Sep­tem­ber 2011. Zu die­sem Zeit­punkt stand der Kläge­rin gemäß § 1 BUrlG iVm. § 3 BUrlG ein An­spruch auf Gewährung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs von 24 Werk­ta­gen zu. Da die­ser Ur­laub we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr gewährt wer­den konn­te, ist er von der Be­klag­ten ab­zu­gel­ten.

a) Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch auf Gewährung von Er­ho­lungs­ur­laub für 24 Werk­ta­ge für das Jahr 2011 er­wor­ben. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Par­tei­en vor Be­ginn des Jah­res 2011 das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses bzw. ei­nen un­be­zahl­ten Son­der­ur­laub gemäß § 28 TV-Cha­rité für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis ein­sch­ließlich 30. Sep­tem­ber 2011 ver­ein­bart ha­ben.
aa) Ob auch im ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis Ur­laubs­ansprüche ent­ste­hen können, ist um­strit­ten (vgl. zB die Nach­wei­se zum Streit­stand bei ei­nem Ru­hen in Fol­ge ei­ner be­fris­te­ten Er­werbs­unfähig­keits­ren­te bzw. beim Ru­hen zum Zwe­cke des Be­zugs von Ar­beits­lo­sen­geld in der Ent­schei­dung des LAG Ba­den Würt­tem­berg 21. De­zem­ber 2011 – 10 Sa 19/11 – Ju­ris-Rn. 31, BB 2012, 1353). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 30. Ju­li 1986 – 8 AZR 475/84 – (BA­GE 52, 305) aus­geführt, dass der Ar­beit­ge­ber nicht be­rech­tigt ist, den Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers an­tei­lig zu kürzen, wenn ein türki­scher Ar­beit­neh­mer zur Ab­leis­tung sei­nes auf zwei Mo­na­te verkürz­ten Wehr­diens­tes in sei­nem Hei­mat­land durch den Ar­beit­ge­ber ein­ver­nehm­lich oh­ne Vergütung von sei­ner Ar­beits­pflicht be­freit wor­den ist. Der Ur­laubs­an­spruch ent­ste­he nach den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen und dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz nicht erst nach und nach im Lau­fe des Jah­res für die ein­zel­nen Ka­len­der­mo­na­te, son­dern nach erst­ma­li­gem Ab­lauf der War­te­frist (§ 4 BUrlG) mit Be­ginn ei­nes je­den Jah­res ins­ge­samt (30. Ju­li 1986 – 8 AZR 475/84 – Ju­ris-Rn. 26, BA­GE 52, 305). In der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 15. De­zem­ber 2009 wird un­ter Ver­weis auf die Ent­schei­dun­gen des EuGH vom 20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - [ver­bun­de­ne Rechts­sa­chen Schultz-Hoff, Strin­ger ua.] Rn. 41 (AP Richt­li­nie 2003/88/EG Nr. 1 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 1) und des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 21 (AP BUrlG § 7 Nr. 39 = EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 15) aus­geführt, der Min­des­t­ur­laubs­an­spruch iSv. Art. 7 Abs. 1

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der Richt­li­nie 2003/88/EG (sog. Ar­beits­zeit­richt­li­nie) und §§ 1, 3 BUrlG auch dann ent­ste­he, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht ar­bei­te, das See­manns­ge­setz ent­hal­te hier­von kei­ne ab­wei­chen­den Be­stim­mun­gen (§ 53 Abs. 2 SeemG). Das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses während der Teil­nah­me an Wehrübun­gen führe auch nicht auf­grund all­ge­mei­ner Be­stim­mun­gen da­zu, dass der ta­rif­li­che Jah­res­ur­laubs­an­spruch zeit­an­tei­lig ent­fal­le (BAG 15. De­zem­ber 2009 – 9 AZR 795/08 – Rn. 28f., NZA 2010, 728). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ließ in der Ent­schei­dung vom 17. Mai 2011 of­fen, ob in je­dem Fall des Ru­hens der Ar­beits­pflicht oder bei ei­nem ver­ein­bar­ten Ru­hen der bei­der­sei­ti­gen Haupt­leis­tungs­pflich­ten (zB bei Be­zug ei­ner be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Er­werbs­min­de­rungs­ren­te) Ur­laubs­ansprüche ent­ste­hen können (BAG 17. Mai 2011 – 9 AZR 197/10 – Rn. 24, ZTR 2011, 605). Ob bei ei­nem Ru­hen we­gen des Be­zu­ges ei­ner be­fris­te­ten Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung der Ar­beit­neh­mer Ur­laubs­ansprüche er­wirbt, ließ das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch in der Ent­schei­dung vom 9. Au­gust 2011 (9 AZR 475/10 – Rn. 16, DB 2012, 122) of­fen.

bb) Nach An­sicht der Kam­mer ist der An­spruch der Kläge­rin auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub für das Jahr 2011 zu Be­ginn des Jah­res 2011 ent­stan­den und zwar un­abhängig da­von, dass die Par­tei­en ei­nen un­be­zahl­ten Son­der­ur­laub bzw. ein Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Be­ginn des Jah­res 2011 mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2011 an ver­ein­bart hat­ten.
(1) Vor­aus­set­zung für das Ent­ste­hen des An­spruchs auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz ist al­lein der recht­li­che Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses. Der Voll­an­spruch ent­steht gemäß § 4 BUrlG dann, wenn die sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit erfüllt ist (vgl. BAG 17. Mai 2011 – 9 AZR 197/10 Rn. 23, ZTR 2011, 605; 15. De­zem­ber 2009 - 9 AZR 795/08 - Rn. 29, NZA 2010, 728 Leit­satz)). Ist die War­te­zeit ein­mal erfüllt, ent­steht der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis in vol­ler Höhe zu Be­ginn des je­wei­li­gen Ka­len­der­jah­res. Da­bei ent­steht der An­spruch auf Ur­laub nach § 1 BUrlG in je­dem Ka­len­der­jahr, oh­ne dass Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht wer­den müssen. Der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch ist kei­ne Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­ge­bers für er­brach­te oder noch zu er­brin­gen­de Ar­beits­leis­tun­gen, son­dern ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beits­verhält­nis, den Ar­beit­neh­mer für die Dau­er des Ur­laubs von der Ar­beits­pflicht zu be­frei­en (so die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. BAG 13. Ok­to­ber 2009 - 9 AZR 763/08 - Rn. 15; 7. No­vem­ber 1985 - 6 AZR 62/84 - zu 3 a und b der Gründe, BA­GE 50, 112; vgl. auch HWK/Schinz 5. Aufl. § 1 BUrlG Rn. 14). Nach deut­schem Recht exis­tiert kei­ne Norm, die die Er­brin­gung von Ar­beits­leis­tung zur Vor­aus­set­zung für den

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Ur­laubs­an­spruch er­hebt (vgl. BAG 17. Mai 2011– 9 AZR 197/10 Rn. 23, ZTR 2011, 605; 15. De­zem­ber 2009 - 9 AZR 795/08 - Rn. 29).

(2) Die­se Grundsätze fol­gen aus der Aus­le­gung des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes.

(a) Nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut des § 4 BUrlG hängt der erst­ma­li­ge Er­werb des vol­len Ur­laubs­an­spruchs aus­sch­ließlich vom Be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses ab. Auch der Teil­ur­laub gemäß § 5 BUrlG setzt al­lein das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus. Aus den For­mu­lie­run­gen in § 1 BUrlG und § 5 BUrlG im Zu­sam­men­hang mit § 4 BUrlG folgt, dass nach Ab­lauf der sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub zu Be­ginn des Ka­len­der­jah­res in vol­ler Höhe ent­steht, wenn ein Ar­beits­verhält­nis recht­lich be­steht und nur dann le­dig­lich ein Teil­ur­laubs­an­spruch be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer in der ers­ten Hälf­te des Ka­len­der­jah­res aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det (§ 5 Abs. 1 Buchst. c BUrlG). Kei­ne der Be­stim­mun­gen des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes ver­langt da­ge­gen, dass der Ar­beit­neh­mer tatsächlich ei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht hat oder ver­pflich­tet war, ei­ne Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen und der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet war, dem Ar­beit­neh­mer während des maßgeb­li­chen Ka­len­der­jah­res, für das Ur­laub ver­langt wird, Vergütung zu zah­len. Die Ur­laubs­gewährung steht da­mit in kei­nem syn­al­lag­ma­ti­schen Verhält­nis zur Ver­pflich­tung, ei­ne Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen.

(b) Auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Sys­te­ma­tik und des Sinn und Zwecks des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Ent­ste­hen des An­spruchs auf den Min­des­t­ur­laub die Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung ei­ner Ar­beits­leis­tung bzw. die Er­brin­gung ei­ner Ar­beits­leis­tung und die Ver­pflich­tung zur Vergütungs­zah­lung vor­aus­setzt. Der Ur­laubs­an­spruch nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz soll dem Ar­beit­neh­mer ermögli­chen, sich während des Ur­laubs­jah­res für ei­nen Min­dest­zeit­raum bei Be­ste­hen ei­nes Vergütungs­an­spruchs zu er­ho­len. Die­ses Bedürf­nis kann un­abhängig da­von ent­ste­hen, ob und in wel­chem Um­fang der Ar­beit­neh­mer tatsächlich Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht hat oder er­brin­gen muss­te.

(c) Auch die Re­ge­lun­gen in § 11 BUrlG recht­fer­ti­gen kein an­de­res Aus­le­gungs­er­geb­nis. Die­se Vor­schrift be­stimmt le­dig­lich, wie das Ur­laubs­ent­gelt be­rech­net wer­den soll. Der An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub da­ge­gen er­gibt sich aus § 1 BUrlG. Dort wird zwin­gend fest­ge­legt, dass der Ar­beit­neh­mer in je­dem Jahr ei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub hat.

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(d) Auch der Re­ge­lung in § 17 Abs. 1 Satz 1 BEEG kann nicht ent­nom­men wer­den, dass der Ge­setz­ge­ber die Vor­stel­lung hat­te, während des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses könne kein An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub ent­ste­hen und er ha­be da­her mit die­ser Vor­schrift ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für das Ent­ste­hen ei­nes ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruchs be­gründen wol­len. Da­ge­gen spre­chen der Wort­laut und die Sys­te­ma­tik der Be­stim­mung. Es wird ge­ra­de nicht for­mu­liert, dass dem Ar­beit­neh­mer bzw. der Ar­beit­neh­me­rin auch während der El­tern­zeit ein An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub zu­steht bzw. der Ar­beit­neh­mer bzw. die Ar­beit­neh­me­rin ei­nen sol­chen An­spruch hat. Viel­mehr drückt die For­mu­lie­rung „der dem Ar­beit­neh­mer oder der Ar­beit­neh­me­rin für das Ur­laubs­jahr zu­steht“ im Zu­sam­men­hang mit der Kürzungsmöglich­keit aus, dass der Ge­setz­ge­ber vom Be­ste­hen ei­ner an­der­wei­ti­gen Rechts­grund­la­ge aus­ge­gan­gen ist, die ei­nen An­spruch auf Ur­laub be­gründet. An­dern­falls hätte der Ge­setz­ge­ber auch be­stim­men müssen, in wel­cher Höhe dem Ar­beit­neh­mer während der El­tern­zeit über­haupt ein An­spruch auf Ur­laub zu­ste­hen soll und ob es sich hier­bei um be­zahl­ten oder un­be­zahl­ten Ur­laub han­deln soll. § 17 Abs. 1 BEEG und § 4 Ar­bSchlG zei­gen viel­mehr, dass der Ge­setz­ge­ber da­von aus­ging, dass ein Ru­hen das Ent­ste­hen des Ur­laubs­an­spruchs nicht ver­hin­dert (vgl. auch LAG Schles­wig-Hol­stein 16. De­zem­ber 2012 – 4 Sa 209/10 – Ju­ris-Rn. 34, EzTöD 100 § 26 TVöD-AT Nr. 6).

(3) Die Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­zahl­ten Son­der­ur­laubs bzw. des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses berührt den recht­li­chen Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht und steht da­mit dem Ent­ste­hen des An­spruchs aus § 1 BUrlG nicht ent­ge­gen. Wird von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en das Ru­hen der Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart, le­gen die Par­tei­en da­mit le­dig­lich fest, dass die Rech­te aus dem Ar­beits­verhält­nis während der ver­ein­bar­ten Ru­hens­dau­er nicht von ih­nen gel­tend ge­macht wer­den können. Nach dem Wil­len der Ver­trags­par­tei­en soll bei ei­ner Ru­hens­ver­ein­ba­rung bzw. Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­zahl­ten Son­der­ur­laubs das Ar­beits­verhält­nis als sol­ches aber recht­lich wei­ter be­ste­hen blei­ben (vgl. auch BAG 15. De­zem­ber 2009 - 9 AZR 795/08 - Rn. 26, NZA 2010, 728 (Leit­satz). Da­her kann die Ru­hens­ver­ein­ba­rung nicht be­wir­ken, dass un­ab­ding­ba­re ge­setz­li­che Ansprüche, de­ren Ent­ste­hen aus­sch­ließlich vom Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängen, nicht ent­ste­hen können. Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung hat al­ler­dings zur Fol­ge, dass während des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses der An­spruch auf Gewährung des Er­ho­lungs­ur­laubs nicht erfüllt wer­den kann. Denn der An­spruch auf Ur­laub ist ge­rich­tet auf die Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht durch den Ar­beit­ge­ber zu Er­ho­lungs­zwe­cken. So­lan­ge ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­neh­mers, Ar­beits­leis­tun­gen zu

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er­brin­gen, nicht be­steht, kann der Ar­beit­ge­ber den An­spruch auf Ur­laubs­gewährung nicht gemäß § 362 BGB erfüllen. Die Unmöglich­keit, den Ur­laub zu gewähren, kann aber nach der Sys­te­ma­tik des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes auch un­ter Berück­sich­ti­gung § 275 Abs. 1 BGB nicht vor Ab­lauf des Ka­len­der­jah­res bzw. des Über­tra­gungs­zeit­raums nach § 7 Abs. 3 BUrlG zu ei­nem Un­ter­gang des ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruchs führen, son­dern steht nur der Erfüll­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs ent­ge­gen.

cc) Der zu Be­ginn des Ka­len­der­jah­res 2011 ent­stan­de­ne An­spruch der Kläge­rin auf Ur­laub für 24 Werk­ta­ge ist auch nicht gekürzt wor­den.

(1) Da das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en erst in der zwei­ten Jah­reshälf­te des Jah­res 2011 en­de­te, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Kürzung des Ur­laubs­an­spruchs auf ei­nen Teil­ur­laubs­an­spruch nach § 5 Abs. 1 Buchst. c BUrlG nicht vor.

(2) Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz enthält, wie be­reits aus­geführt, kei­ne Norm, die ei­ne Kürzungsmöglich­keit des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs­an­spruchs bei ei­nem ver­ein­bar­ten Ru­hen zulässt. Es kann vor die­sem Hin­ter­grund auch da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ei­ne Kürzungsmöglich­keit zu­las­sen würde. Denn die­se Richt­li­nie enthält gemäß Art. 1 (1) nur die Min­dest­vor­schrif­ten.

(3) Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 17 Abs. 1 BEEG oder des § 4 Abs. 1 Arb­PlSchG kommt nicht in Be­tracht.

(a) Ei­ne den Wort­sinn über­stei­gen­de Ge­set­zes­an­wen­dung durch Ana­lo­gie ist ge­bo­ten, wenn der ge­set­zessprach­lich nicht er­fass­te Fall nach Maßga­be des Gleich­heits­sat­zes und zur Ver­mei­dung von Wer­tungs­wi­dersprüchen nach der glei­chen Rechts­fol­ge ver­langt wie ein ge­set­zessprach­lich er­fass­ter Fall. Ei­ne Ge­set­zes­an­wen­dung über den Wort­sinn hin­aus be­darf ei­ner be­son­de­ren Le­gi­ti­ma­ti­on. Die Ana­lo­gie setzt das Be­ste­hen ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke vor­aus. Hat sich der Ge­setz­ge­ber hin­ge­gen be­wusst für die Re­ge­lung oder Nicht­re­ge­lung ei­nes be­stimm­ten Sach­ver­halts ent­schie­den, sind die Ge­rich­te nicht be­fugt, sich über die­se ge­setz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung durch ei­ne Aus­le­gung der Vor­schrift ge­gen ih­ren Wort­laut hin­weg­zu­set­zen (BAG 5. Mai 2010 – 7 AZR 728/08 – Rn. 26, BA­GE 134, 233).

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(b) Vor­lie­gend ist ge­ra­de nicht er­kenn­bar, dass ei­ne plan­wid­ri­ge Ge­set­zeslücke be­steht. Da­ge­gen spricht ge­ra­de die ex­pli­zi­te Re­ge­lung ei­ner Kürzungsmöglich­keit in spe­zi­el­len Ge­set­zen. Im Übri­gen fehlt es an ei­ner ver­gleich­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge in den Fällen, in de­nen der Ar­beit­ge­ber mit sei­nem Ar­beit­neh­mer ver­trag­lich das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ein­bart, im Ver­gleich zu den von § 17 BEEG und § 4 Arb­PlSchG er­fass­ten Fällen. Der Ar­beit­ge­ber kann im Fall der El­tern­zeit und den in im Arb­PlSchG ge­re­gel­ten Fällen nicht dar­auf Ein­fluss neh­men, ob das Ar­beits­verhält­nis zum Ru­hen kommt.

(c) Da ei­ne Ana­lo­gie aus­schei­det, be­darf es auch kei­ner Ent­schei­dung, ob die ge­setz­li­chen Kürzungsmöglich­kei­ten über­haupt im Ein­klang mit der Richt­li­nie 2003/88/EG ste­hen.

(4) Auch die Kürzungs­re­gel in § 26 Abs. 2 Buchst. c TVöD-AT steht der Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruchs nicht ent­ge­gen. Nach die­ser ta­rif­li­chen Vor­schrift ver­min­dert sich die Dau­er des Er­ho­lungs­ur­lau­bes ein­sch­ließlich ei­nes et­wai­gen Zu­satz­ur­lau­bes für je­den vol­len Ka­len­der­mo­nat des Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses um 1/12. Die­se Vor­schrift ist aber nur an­wend­bar auf den über den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch hin­aus­ge­hen­den ta­rif­li­chen Ur­laubs­an­spruch. Denn die Dau­er des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs darf we­gen § 13 Abs. 1 BUrlG durch ei­ne ta­rif­li­che Kürzungs­re­ge­lung wie § 26 Abs. 2 TVöD nicht un­ter­schrit­ten wer­den. § 13 Abs. 1 Satz 1 BUrlG re­gelt, dass von den Vor­schrif­ten des § 1, 2 und 3 Abs. 1 BUrlG nicht durch Ta­rif­ver­trag ab­ge­wi­chen wer­den kann. Es be­darf viel­mehr ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung, die hier fehlt (LAG Schles­wig-Hol­stein 16. De­zem­ber 2012 – 4 Sa 209/10 – Ju­ris-Rn. 37, EzTöD 100 § 26 TVöD-AT Nr. 6).

b) Der An­spruch auf Gewährung von 24 Werk­ta­gen Er­ho­lungs­ur­laub für das Jahr 2011 war am 30. Sep­tem­ber 2011 noch nicht un­ter­ge­gan­gen, da das Ka­len­der­jahr noch nicht ab­ge­lau­fen war (vgl. § 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG). Er ist nach § 7 Abs. 4 BUrlG ab­zu­gel­ten, weil er we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr gewährt wer­den konn­te. Bei dem Ab­gel­tungs­an­spruch han­delt es sich um ei­nen rei­nen Geld­an­spruch, der nicht das Merk­mal der Erfüll­bar­keit des Frei­stel­lungs­an­spruchs im fik­tiv fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis vor­aus­setzt (vgl. zur Auf­ga­be der sog. Sur­ro­gats­theo­rie in den Fällen, in de­nen der Ar­beit­neh­mer auch nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus ge­sund­heit­li­chen Gründen wei­ter an der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung ver­hin­dert ist zB BAG 9. Au­gust 2011 – 9 AZR 475/10 – Rn. 34 mwN, DB 2012, 122). Es be­steht kei­ne Recht­fer­ti­gung, den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch recht­lich un­ter­schied­lich zu be­han­deln, je

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nach­dem, ob der Ar­beit­neh­mer bei Be­en­di­gung wei­ter­hin aus ge­sund­heit­li­chen Gründen an der Ar­beits­leis­tung ge­hin­dert ist oder nicht. § 7 Abs. 4 BUrlG nor­miert selbst ein sol­ches Er­for­der­nis nicht. Im Übri­gen steht im vor­lie­gen­den Fall auch kein Leis­tungs­hin­der­nis dem Ab­gel­tungs­an­spruch ent­ge­gen. Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung en­de­te mit Wir­kung zum 30. Sep­tem­ber 2011.

3. Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten ei­nen Brut­to­be­trag in Höhe von 1.949,90 Eu­ro ver­lan­gen. Da die Kläge­rin im Jahr 2011 kei­ne Vergütung von der Be­klag­ten be­zog, ist für die Be­rech­nung der Ur­laubs­ab­gel­tung vor­lie­gend auf die Vergütung ab­zu­stel­len, die die Kläge­rin in den letz­ten drei­zehn Wo­chen vor Be­ginn des Ru­hens­zeit­raums er­hielt (vgl. § 11 Abs. 1 Satz 1 BUrlG). Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob für die Be­rech­nung der Ur­laubs­ab­gel­tung le­dig­lich von ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung in Höhe von ins­ge­samt 2.673,09 Eu­ro (vgl. Ab­rech­nung für De­zem­ber 2010) aus­zu­ge­hen ist. Es war ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung für ins­ge­samt 24 Werk­ta­ge ent­stan­den. So­mit er­rech­net sich min­des­tens ein Ab­gel­tungs­an­spruch in Höhe von 1.949,90 Eu­ro brut­to. Da je­den­falls die auf ein Ka­len­der­jahr be­zo­ge­ne Ur­laubs­ab­gel­tungs­for­de­rung in ei­ner be­stimm­ten Höhe als ein­heit­li­cher Streit­ge­gen­stand mit den le­dig­lich un­selbständi­gen „Re­chen­pos­ten“ der of­fe­nen Ur­laubs­ta­ge und des hierfür an­zu­set­zen­den Ent­gelts zu ver­ste­hen ist, darf das er­ken­nen­de Ge­richt grundsätz­lich die ein­zel­nen Pos­ten der Höhe nach ver­schie­ben, so­fern die End­sum­me nicht über­schrit­ten wird, und da­bei - vor­lie­gend beim An­satz der noch nicht ge­nom­me­nen Ur­laubs­ta­ge - so­gar über das Ge­for­der­te hin­aus­ge­hen (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2009 – 8 AZR 865/08 – Rn. 30 mwN, DB 2010, 452).

4. Der Zins­an­spruch er­gibt sich aus den §§ 286 Abs. 2, 288 Abs. 1 BGB.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1 ZPO. Die Be­klag­te hat als un­ter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

IV. Die Re­vi­si­on wur­de gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

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Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt
(Post­adres­se: 99113 Er­furt),
 


Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb


ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb


ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.


Für die Kläge­rin ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Hin­weis der Geschäfts­stel­le
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

 

S. G. K

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